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6.7.1893 Erstes Blatt
 
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Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches 6orrtfponbat|»®uteeu.

Hermannstadt, 4. Juli. Eine für den 9. Juli hierher einberufene rumänische Lonferenz, zu welcher bereits Gäste aus Rumänien angekündigt waren, ist von der Behörde unterlagt worden.

Paris, 4. Juli. Der Polizeipräfect LozS hat seine Entlassung e i n g e r e i ch t. Die Regierung gedenkt dieselbe jedoch erst nach Wiederherstellung der Ordnung anzunchmen.

MR. 4. Juli. Der Studenten-Ausschuß ver- össcntlicht ein Manifest, worin er die Studirenden aus. so» den, sich gelegentlich der Beisetzung RugerS ruhig zu ver- Hai»! und sich vor Agent- Provokateur- zu hüten, die die wa^re-t Urheber der gestrigen Borfälle sind. Gegen l», Uhr wMe di Polizeiagent, der eine Gruppe um die Arbeiten aufzulösen versuchte, entwaffnet und.ziemlich schwer

fest, Art. II enthält ein paar Aenderungen lediglich redac- lioneller Natur und Art. V weist einen den preußischen Etat betreffenden Zusatz auf, der durch die Übernahme deS württem- bergischen Fußartillerie-BataillonS Nr. 13 auf den preußischen Etat bedingt wird. In der erwähnten Sitzung genehmigte der BundeSrath außerdem den Entwurf einer Verordnung, bttr. das Verbot der Ausfuhr von Streu- und Futtermitteln. Die Verordnung soll sofort in Kraft treten.

DaSvoraussichtlich jüngsteMitglied deS neuen Reichstags ist der Socialist Bueb, der an Stelle Hickels den Wahlkreis Mülhausen im Reichstage vertritt. Man schreibt dem ,(5lf. 9-*:Herr Bueb ist geboren zu Mül­hausen am 12. December 1865, also kaum 27V2 Jahre alt. Er ist geborener Protestant und harte den Wunsch gehegt, Pfarrer zu werden. Aber die Hilfsmittel der Eltern reichten nicht hin, um die Studienkosten zu .bestreiten, und als alle Versuche, die nöthigen Mittel zu finden, erschöpft waren, trat der junge Bueb als Beamter in ein Bureau ein. Als Schreiber bei einem Advocaten fand Bueb auch Gelegenheit, die Gesetze kennen zu lernen. Als vor drei Jahren die Rede davon ging, ein socialdemokratisches Organ in Mülhausen zu gründen, glaubte man keine bessere Persönlichkeit für ^ben Redacleurposten finden zu können, als den jungen Bueb."

Vetttscher Neichsta-.

ErofftutngS-Sihnng Dienstag, 4. Juli 1893.

Daß Haus ist voll besetzt.

Aba. Dieben (6tr.) eröffnet als Alterspräsident die Sitzung und beruft die Abgg. Frhr. v. Buol (dir.), Merbach (Reichsp.), Kropatschek (cons.) und Pieschel (nl.) zu Schriftführern.

Hierauf wird die Präsenz durch Namensaufruf festgestellt. Der Rammsausruf beginnt mit dem Buchstabm A, Ahlwardt ist der zuerst Ausgerufene, was große Heiterkeit erregt. .

Don Neugewähtten sind u. A. anwesend: Gras Herbert Bismarck, Prinz o. Hohenlohe-Oehringen, Geh. Commerziemath Krupp, Graf Ltmdurg-Sttrum. , , .

Der Namen sauftus ergibt die Anwesmheit von 203 Abgeord­neten; das HauS ist somit beschtußsähtg.

Eingegangen : Gesetzmtwurs betr. die Friedmspräsmzstarke deS deutschm HeereS, Verzeichniß des dem Reiche gehörigen Grundbesitzes. <Die Mllitärvorlage wird heute oerthellt.)

Morgen 11 Uhr: Wahl der Präfidentm und Schriftführer.

Die Militärvorlage

hat folgenden Wortlaut:

Artikel I. < 1. Die Friedenspiäsenzstärke des deutschen Heeres an Gemeinm, Gefreiten und Obergesreiten wird für die Zeit vom 1. October 1893 bis 31. März 1899 auf 479,229 Mann als Jahres- durchschnittSstärke sestgestellt.

An derselben stnd die BundeSstaatm mit eigener Militärverwal- tung nach Maßgabe der BeoölkerungSziffer betheiltgt.

Die Einjährig-Freiwilligen kommm auf die Friedenspräsmz- stärke nicht in Anrechnung.

Die Stellen der Unteroffiziere unterliegen in gleicher Weise wie die der Offiziere, Aerzte und Beamte der Feststellung durch den RetchShauShaltSetat.

In offmen Unterofsizierstellen bürfm Gemeine nicht verpflegt werbm.

S 2. Dom 1. Oktober 1893 ab werbm die Infanterie in 538 Ba­taillone und 173 Halbbataillone, die Kavallerie in 465 EscadronS, die Feldartillerie in 494 Batterien, die Fußartillerie in 37 Bataillone, die Pioniere in 23 Bataillone, die Eifmbahntruppm in 7 Bataillone, der Train in 21 Bataillone formirt.

Artikel II. Für die Zeit vom 1. October 1893 bis zum 31. März 1899 treten bezüglich der Dienstpflicht folgende Bestim­mungen in Kraft:

S 1. Während der Dauer der Dimstpflicht im stehenden Heere sind die Mannschaften der Cavallerie und der reitenden Feldartillerie die ersten drei, alle übrigen Mannfchaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bet den Fahnen verpflichtet.

Im Falle nothwendiger Verstärkungen können aus Anordnung beS Kaisers bie nach ber Bestimmung beS ersten Absatzes zu ent- loffenben Mannschaften im activen Dienst zurückbehalten werden. Eine solche Zurückbehaltung zählt für »ine Hebung, in sinngemäßer Anwendung beS letzten Absatzes beS $ 6 beS Gesetzes, detrcffenb bie Verpflichtung zum Kriegsdienst, vom 9. November 1867 (Bundes- Gesetzblatt 1867, S. 131).

S 2. Mannschaften, welche nach einer zweijährigen activen Dienstzeit entlassen worden stnd (S 1), kann im ersten Jabre nach ihrer Entlassung bie Erlaubniß zur Auswanderung auch in der Zeit, in welcher sie zum activen Dienst nicht einberufen sind, verweigert werden.

Die Bestimmung beS S 60 Ziffer 3 deS Reichs-MilitSr-GefetzeS vom 2. Mai 1874 «Reichs-Gesetzblatt 1874 S. 45) findet auf die nach zweijähriger aciiver Dienstzeit milassenen Mannschaften keine Anwendung. Auch bedürfen diese Mannschaften keiner militärischen (Genehmigung zum Wechsel des Aufenthaltes.

S 3. Mannschaften der Kavallerie und der reitenden Feldartillerie, welche im stehenden Heere drei Jahre actio gedient haben, bienen in der Landwehr ersten Aufgebots nur drei Jahre.

S 4. Alle diesem Artikel entgegenftebenben Bestimmungen, ins­besondere die bezüglichen Festsetzungen deS S 6 des Gesetzes, be­treffend die Perpstichtung zum Kriegsdienste, vom 9. November 1867, und des S 2 beS Artikel V des Gesetzes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht, vom 11. Februar 1888 (ReichS-Gesetzblatt 1888, S. 11) treten außer Kraft.

Artikel III. Die Bestimmungen beS Artikels II, §1, erster Ab­satz, stoben für btejentgen Mannschaften, welche nach zweijährigem aciioerr Dienst hiernach zur Entlassung zu kommen hätten, im ersten Jahre nach Inkrafttreten biefeS Gesetzes keine Anwendung: jedoch zahlt eine solche Zurückhaltung für eine Hebung, desgleichen eine etwaige Einberufung während beS angeführten Zeitraumes.

Artikel IV. Die SS 1 und 2 des Gesetzes, betreffend die FriedenS- präfenzstärke des deutschen HeereS, vom 15. Juli 1890 (S. 140), treten mit dem 1. Cctober 1893 außer Kraft.

oerwunbet. Z»m ®<6u6e d-s Senat« find mnsaffende «n- ardnnn^ getroffen.

öunbeten Polizisten beträgt über funfttg - über 150

Manifestanten, sowie Neugierige würben.gleichfalls verwmidet.

Jetzdah, 4. Juli. Gestern kamen hier 490 CH viera- tobeSfälle, in Mekka 260 vor.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 4. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht bie Verleihung bes GroßkreuzeS zum rothen Ablerorben mit Eichenlaub unb ber königlichen Krone an Ftnanzmtnister Miquel, sowie ein Anerkennungsschreiben des Kaisers an­läßlich deS ZustanbekommenS ber Steuerreform.

Berlin, 4. Juli. DieNorbb. Allgem. Ztg. erklärt zu ber Erfurter Meldung desHamburger Correspondenten", wonach eine Reichseisenbahn.Fahrkartensteuer de» Hufs theilweiser Deckung ber Militärvorlage vorgeschlagen werben solle, ein berartiger Vorschlag habe wohl kaum AuS» sicht ernstlich verfolgt zu werben.

Berlin, 4. Juli. Neuesten Melbunaen zufolge ist ber beutfche Botschafter in Paris, Graf Münster, bebenklich erkrankt. , .

Paris, 4. Juli. Durch bas Dementi, basJour ber Nachricht von ber Entlassung Lozüs entgegenstellte, würben tiefe Nacht neue Unruhen hervorgerufen. 1500 Studenten vereinigten sich zu einem Meeting. Ein Rebner rieth, gegen die Polizeipräfectur zu ziehen. AlSbalb zogen alle übet ben Boulevarb St. Michel, Laternen zerschlagenb, eiserne Um- zäunungen an ben Bäumen ausreißenb unb sich mit Stäben betoaffnenb, vor bie Polizeipräfectur, wo sie bie Thüren ein­schlugen, jedoch zurückgedrängt wurden. Gegen Mitternacht sammelten sich neue Gruppen auf dem Opernplatze, wo bie Zeitungskioske in Brand gesteckt wurden. Gegen 3 Uhr zer­streute die Polizei die Ansammlungen. Die Zahl der Ver­wundeten wird auf 150 berechnet. Eine große Zahl von Verhaftungen hat ftattgefunben. Alle Morgenblätter machen Lozv unb Dupuy für bie Unruhen verantwortlich.

London, 5. Juli. Die Grube Thornhill bei Dews­bury ist infolge '.Explosion in Brand geraden; man be­fürchtet, daß 145 Arbeiter umkamen.

CocaU* unb jptot>ht3felles»

ließen, 5. Juli 1893.

* PostpersonalNachrichten. Versetzt sind: der Tele- graphen-Seeretair Staack von Bingen (Rhein) nach Magde­burg, der Ober-Telegraphenassistent ElSholz von Darmstadt nach Bingen (Rhein), die Postassistenten Pitz von Mainz nach Kastel (Rhein), Korndörfer von Gießen nach Darmstadt, Tillmann von Frankfurt (Main) nach Büdingen und H eusing von Büdingen nach Frankfurt (Main). Der Post- verwalter im Ruhestände Schaaf in Gießen ist gestorben.

* E. Bleichers Süddeutsches Männer Sextett. Ein seltener Kunstgenuß steht unserer Stadt in nächster Zeit in Aussicht. Das in vielen größeren Städten mit ungeteiltem Beifall aufgetreteneSüddeutsche Männer - Sextett" aus Stuttgart wird auch hier und zwar am 9. Juli er. im Cafe Leib in einem Concert auftreten. Heber die Glanz­leistungen der Sänger liegen uns vortreffliche Berichte vor und schreibt unter Anderem derDüsseldorfer Anzeiger": Das Süddeutsche Männer-Sextett hat bei seinem gestrigen Concert im Rittersaale der Städtischen Tonhalle wieder einen vollständigen Triumph gefeiert. Was neben ber tadellos nb- schattirten Anpassung der Stimmen zueinander, der Fülle der Schönheit des Klanges und der eminenten musikalischen Sicherheit am meisten die Hörer anspricht, ist die schlichte, einfache unb doch so tiefe unb gemüthvolle Art des Vortrages. DaS ist der Gesang, der zu Herzen geht und erwärmt. Jede Nummer wurde mit rauschendem Beifall ausgenommen, fast jedes Lied mußte wiederholt werden. Mit derjenigen Bereitwilligkeit unb Liebenswürdigkeit, die unsere süddeutschen Stammesbrüder auszeichnet, gaben die wackeren Sänger den lebhaften Wünschen des Publikums folgend, noch 6 Nummern im Verlauf des Concerts zu." Wir möchten nun ganz besonders auf dieses Concert am 9. Juli Hinweisen, da nur ein Stuf» treten deS Sextetts stattfinden kann, indem ihre Zeit es nicht erlaubt. Wir wünschen dem Sextett auch bei uns in Gießen denselben Erfolg und ein volles Haus.

* * Das Concert ber Garde Kürassier Mnfik gestern Abend in Steins Garten hatte eine große Zuhörerschaft angelockt, so baß das ausgedehnte Garten-Etablissement bis an bie ent­ferntesten Ecken voll besetzt war. Sämmtliche Nummern bes Programms wurden ohne Ausnahme vorzüglich vorge­tragen, so daß bie Capelle reichen Beifall erntete, was biefe wieder zu mancher netten Zugabe veranlaßte. Heute concertirt dieselbe in Frankfurt a. M.

Der GesangvereinGemüthlichkeit" feierte vergangenen Sonntag in Steins Garten sein achtes Stiftungsfest, verbunden mit Fahnen-Weihe. Zu dieser Feier waren sieben Gesangvereine eingeladen, vier hiesige, sowie drei aus- wärtige. Auch der Vorstand der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr, sowie der Vorstand des Vereins Fribolia waren vollzählig vertreten. Am Nachmittag sand Concert statt, welches von einem Theil der hiesigen Regiments-Capelle aus­geführt wurde. Nach Begrüßung der anwesenden Gäste sand die Fahnen-Weihe statt. Die Festrede, von einem Mitgliebe gehalten, erntete großen Beifall. Das Fahnenlieb mit Musikbegleitung, welches der Gesangverein Gemüthlichkeit als Schluß ber Fahnenweihe fang, würbe ebenfalls gut ausgenommen. Jeder ber anwesenben Vereine trug programm­gemäß ein Lieb vor. Concert wie Gesang fanben ben größten Beifall. Der dem Concert folgende Ball, welcher sehr stark besucht war, endigte erst in früher Morgenstunde, unb cS verlief somit daS Fest zur größten Zufriebenheit aller Betheiligten.

Sin erfrischender Regen, der hoffentlich längere Zeit anhält, stellte sich heute, begleitet von Gewitter-Erschein­ungen, ein.

Preisfrage. Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke stellt folgende Preisfrage:Was kann bie Schule und besonders der Lehrer zur Förderung der Mäßigkeitssache thun?" Zur Bewerbung sind alle BolkS- schullehrer des Reichs eingelaben. Der Preis beträgt 300 Mk. ES wirb eine kürzere Arbeit gewünscht, die sich zur Maffen- uerbreitung eignet. Die Arbeiten sind bis zum 15. Februar 1894 an Dr. W. Bode in Hildesheim einzusenben. Der Preis wirb am 15. April verlheilt.

16. Deutscher FleischerBerbandstag. In ben Tagen vom 16. bis 17. August bsS. IS. finbet in DreSben ber 16. Deutsche Fleischer-VerbandStag statt. Die TageSorbnung bieseS VerbandStageS weift Punkte auf, bereu Erlebigung nicht nur im Interesse der Fleischer Deutschlands, sondern hervorragend im Interesse deS GesammtpublikumS liegt. Mit diesem PerbandStage ist auch eine Ausstellung von Maschinen, Geräthen uhb Werkzeugen für bie Fleisch- unb Wurftwaaren- fabrifation tierbunben.

K. Ranstadt, 3. Juli. Die letzten heißen Tage haben bie Reife des Roggens beschleunigt. Es ist mit dem Schnitt desselben hier begonnen und bie ersten Hausen schmücken bereits bie Felber. Seither hat man hier so keine also großen Klagen über Futtermangel gehört, aber jetzt fängt es allmählig bamit an. In ben östlich von unS gelegenen Orten sieht es sehr schlimm aus. Die Leute hier müssen das zu Heu gemähte GraS deS Nachts bewachen,- es ist schon mehrmals versucht worden, dasselbe deS Nachts fortzufahren.

Lauterbach, 2. Juli. Der Kriegerbezirk Lauterbach- Schlitz hat sich veranlaßt gesehen, sein für den 16. Juli in Wallenrod geplantes Bezirksfest wegen ber allgemeinen Nothlage auf 1894 zu verschieben.

Crainfeld, 3. Juli. In einer ber letzten Nächte wurden zwei achtbare Landwirthe von hier von hiesigen Ein­wohnern dabei erwischt, wie sie auf ber hier neu angelegten Kunstwiefean ber Lüder" heimlich GraS für ihren Gebrauch abmähten. Ein Beweis für bie herrschend Futternoth. Die Thäter sind zur Anzeige gebracht und sehen ber ©träfe, entgegen.

Angersbach, 28. Juni. Heute schlug der Blitz in ben unteren Theil des Daches vom Wohnhause des Dietrich Möller, ging an dem zur Befestigung deS am Hause befind- lieben Weinstocks angebrachten Drahtgitter hinunter, zum offenen Fenster hinein und zerschlug in der Stube eine Kaffeetasse, von welcher ein Stück dem Dietrich Möller an ben Kops geschleudert wurde, zertrümmerte ferner zwei Uhren, ging mitten durch einen Kalender unb fuhr zur anberen Seite des Fensters wieder hinaus.

Büttelborn, 2. Juli. Gestern Nachmittag fiel ein 12jähriger Knabe, ber öfters an epileptischen Anfällen litt, in ein bei ber Backsteinbrennerei befinblicheS Wasse r l o ch. Der Knabe beschäftigte sich damit, kleine Fische in ein Gläschen zu fangen. Jedenfalls verlor er hierbei daS Gleichgewicht, fiel in das wenig tiefe Wasser, konnte sich aber, da ihn durch den Schrecken ein epileptischer Anfall überraschte, anS dem nassen Elemente nicht erheben und auch keinen Hilferuf hören lassen, welchen die in ber Nähe beschäftigten Arbeiter sicher hätten vernehmen müssen. Erst gegen Abend fand man ben Verunglückten als Leiche im Wasser mit eingeschlagencm Daumen unb daS Gesicht nach ber Erde gekehrt, Anzeichen, die auf einen epileptischen Anfall schließen lassen.

Alsfeld, 29. Juni. In Vadenrod (KreiS Alsfeld) ist gestern ein lOjähriges Mädchen auf schreckliche Weise ums Leben gekommen. Dasselbe hatte bei der großen Futter­noth mit anderen 'Kindern eine Kuh auf die Weide getrieben und trotz der Warnung ber anderen Kinder auf dem Rückweg das Seil, an welches cs die Kuh führte, sich um den HalS geschlungen. Die Kuh scheute, das Kind fiel um und wurde nun in entsetzlicher Weise tobt geschleift, bis vor bie elterliche Wohnung. Für seine Eltern aber ist ber Schmer; unbe- schrciblich, zumal es bas einzige Stinb war, baS seiner vor etwa zwei Jahren völlig erblindeten Mutter schon manche Handreichung thun konnte.

Darmstadt, 4. Juli. In daS Rohr dcs auf dem Schloß­wall stehenden eroberten französischen Geschützes haben Marder gebaut, bie eben Junge haben. Letztere stecken von Zeit zu Zeit neugierig ihre Köpfe aus der Oeffnung ihrer unheimlichen Residenz und scheinen babei mit großem Interesse ihre Umgebung zu inspiciren.

Darwstabt, 4. Juli. Sicherem Vernehmen nach werden die Ergänzungswahlen zu dem hessischen Land­tage Ende August ober Anfang September stattfinben.

Bensheim, 4. Juli. Die DiphtheritiS tritt hier mit aller Heftigkeit auf. Gestern wurden deshalb sämmtliche hiesige 16 Volksschulklassen bis auf Weiteres geschlossen.

A Mainz, 4. Juli. In Anbetracht ber großen Hitze haben die Truppen der Garnison Mainz-Castel auf höheren Befehl bedeutende Erleichterungen im Dienste eingeräumt bekommen. Die dienstlichen Uebungen müssen in leichter Kleidung in ben frühen Morgenstunben vorgenommen werben und bie Truppen spätestens um 10 Uhr zu Hause sein. Vor 4 Uhr am Nachmittag barf alSbann kein Dienst mehr statt­finden. Die Zahl der Radfahrer ist eine derart große geworden, daß sich die städtische Verwaltung im Interesse der Sicherheit deS Straßenverkehrs veranlaßt gesehen hat, ein strenges Regulativ für bie Radfahrer den Stadtver­ordneten vorzulegen. Nach demselben ist in einem großen Theil der Straßen der Stadt das Radfahren überhaupt verboten unb müssen sämmtliche Fahrräber mit weit sicht­baren Nummern versehen fein, um eventuelle Übertretungen der Rabsahrer gerichtlich ahnben zu können.

A Aus Rheinhessen, 4. Juli. Der Korn schnitt hat in hiesiger Gegenb allgemein begonnen. Erfreulicher Weise ist baS Quantum vielfach ein größeres als man erwartete.