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6.7.1893 Erstes Blatt
 
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VeEMifthtes.

Wetzlar, 4. Juli. Dieser Tage wurde zu Montabaur Heu aus Ungarn ausgeladen und der Gentner zu 5,75 Mk. verkauft, desgleichen zu Altenkirchen, bezogen aus Holland, für 4,50 Mk. der Gentner. Letzteres soll vorzüglich fein.

Koblenz, 3. Juli. Auf die Ermittelung des Mörders der Wittwe Müller in Wallersheim sind Seitens des Ersten Staatsanwalt 300 Mk. Belohnung ausgesetzt.

* Ein guter, echt schwäbischer Wahlwitz wird aus Stutt­gart berichtet. Am Abend des Stichwahltages, der bekannt­lich nach hartem Kampfe damit endigte, daß der bisherige Vertreter, Gommerzienrath Siegle (nl.), mit sehr kleiner Mehrheit wiedergewählt wurde, erschien Siegle in einer Ver­sammlung der deutschen Partei und hielt, mit stürmischem Jubel begrüßt, eine Ansprache, in welcher er u. a. sagte: Unser Sieg war klein" worauf ein Witzbold dazwischen rief:Gin Siegle", was natürlich schallende Heiterkeit hervorrief.

* Metz, 3. Juli. Photograph Grafrath und der Kohlenhändler Salling, beide mit ihren Frauen, fuhren gestern nach den Schlachtfeldern, wo Gräfrath eine Aufnahme machen wollte. Bet der Fahrt brach die Wagenachse, wo­durch Gräfrath und Frau Salling so unglücklich heraus­geschleudert wurden, daß beide, nach derStr. P.", so- fort tobt waren. Frau Gräfrath ist schwer, Herr Salling nur leicht verwundet.

* Meßkirch, 29. Juni. In schrecklicher Weise suchte der offenbar geistesgestörte Engelbert Fecht nach badischen Blättern den Tod. Er ging in aller Frühe auf den Holzlagerplatz am Bahnhofe, wo er beschäftigt war und schob, wie man annimmt, einen auf dem Bahngeleife nebenan stehenden Eisen­bahnwagen gegen einen anderen etwas entfernt stehenden Waggon an. Als der erste Wagen im Laufe war, sprang Fecht zum anderen Wagen und legte dort seinen Kopf zwischen die Puffer der zusammenstoßenden Wagen. Fecht, der Familienvater ist, war sofort tobt.

* Aus der Schweiz, 30. Juni. Der älteste Lehrer ber Schweiz schreibt derBund" Kolumban Russi in Anbermatt, fängt an zu reifen. Dor fünf Jahren fuhr er zum erstenmal in ber Eisenbahn, um an ber Lanbesgemeinbe gegen bic neue Verfassung und für bie atteh Rechte seiner Schulkinber" zu stimmen. Unb letzthin hat er es sogar gewagt, eine Vergnügungs- unb Wallfahrt nach Einsiedeln zu unternehmen unb dabei zum ersten Male in seinem Leben bas Dampfschiff nach Brunnen zu besteigen. Der nun im 89. Jahre stehende Greis fand früher keine Zeit für das Vergnügen. Mit 13 Jahren übernahm er die Orgel, mit 15 Jahren die Schule von Anbermatt unb ba saß er fest 75 bezw. 73 Jahre, bis er voriges Jahr in den längst verdienten Ruhestand trat.

* Paris, 3. Juli. In ganz Frankreich herrscht wieder große Hitze. Hier in Paris hatten wir am Börsenplatz im Schatten 33 Grad - im Süden Frankreichs stieg das Thermometer auf 41 Grad. Die Gholera macht dort Fort­schritte. An der spanischen Grenze werden alle aus Frankreich kommenden Reisenden ärztlich untersucht.

* Aus der Diebeshöhle Monte Carlo. Der Triester Piccolo" meldet einen sensationellen, in Monacco imHotel des Etrangers" erfolgten Selbstmord. Ein 32jähriger Spanier, Augustin Mendioroz, ein reicher Industrieller, welcher in New-Aork etablirt ist und sich auf einer Lustreife in Europa befand, verlor in Monte Garlo in einer Woche 800,000 Frcs., worauf er sich durch einen Revolver­schuß töbtete. In einem hinterlassenen Briefe bezeichnete er als Agentin ber Bank eine Dame, bie ihn zum Spiele ver­leitet habe.

* Record - Radfahrt Paris-Frankfurt. Der allbekannte Meisterfahrer Herr August Lehr unternahm vom 19. auf den 20. Juni Nachts eine Recordfahrt Paris-Frankfurt auf einem Opel-Rad mit Michelin-Pneurnatik zur Vorbereitung für die große Distance-Radfahrt Wien- Berlin und legte die ganze Strecke in 41 Stunden

20 Minuten zurück. Bei der großen Distance-Radfahrt Wien-Berlin benutzte der Sieger, I. Fifcher, München ebenfalls ein Opel Victoria-Blitz Michelin und traf als Erster in 31 Stunden 223/5 Minuten ein.

* Einen neuenKunstgriff" haben Taschendiebe in Ber­lin erfunden. Ein Baumeister F. verließ vor einigen Tagen ein WirthshauS in der AugSburgerstraße nach Mitternacht. In der Lutherstraße näherte sich ihm eine anständig aus­sehende Frau mit der Bitte, ihr den Weg nach Schöneberg zu beschreiben. Als F. dies that, fiel ihm die Frau um den Hals und überhäufte ihn mit Dankesworten. Ehe sich noch der Verblüffte von seinem Staunen erholt hatte, stand ein baumlanger Kerl neben ihm und tief ihm drohend zu:Wie können Sie es wagen, meine Frau auf der Straße zu um­armen?" Sofort entfloh das Weib und der Mann setzte ihr eiligst nach. Der Baumeister wußte nicht,'wie ihm geschehen war. Als er dann aber zufällig in seine Tasche griff, be­merkte er, daß seine Börse mit 152 Mk. Inhalt ver­schwunden war.

* Ein Amtsrichter in Hessen kommt bei einer Dienstreise in ein WirthshauS. Jrn Wirthszirnrner, wo er sich nisder- läßt, erblickt er an der Wand zwei offenbar unsittliche Bilder.Herr Wirth", sagt der Amtsrichter freundlich, wenn ich wieder komme, sind diese zwei Bilder hier aus dem Zimmer entfernt." Der in einige Verlegenheit gerathene Wirth versprachs. Als der Amtsrichter nach einigen Wochen wieder kommt, sieht er bie beiben Silber noch bahängen. Dieselben von ber Wanb herunterreißen und ins Ofenfeuer werfen, war das Werk eines Augenblicks.Und nun, Herr Wirth, gehen Sie hin und verklagen mich, wenn Sie wollen." Mit diesen Worten ergriff der Amtsrichter Hut und Stock und verließ das Wirthhaus. Der Wirth hat sich aber ge­hütet, den Beamten zu verklagen, weil er sich vor sich selbst schämte.

* Aus der Lüneburger Heide. Seit vollen zwei Monaten steht das Gamser Moor, welches sich unfern Gifthorn zwischen Gamser und der Moorcolonie Platendorf hinzieht, in Brand. Anfangs war es ein unscheinbarer Heidebrand, doch gelang dessen Löschung nicht, weil das Feuer mehr als fußtief in bie Torfschicht eingebrungen war. Wiederholt sind Löschungs- Versuche unternommen worden, doch erfolglos; schließlich mußte man die Hoffnung auf einen ergiebigen Regen setzen. Es stehen etwa 200 Morgen Moor und Torf in Brand, und da theilweise dte Getonte gefährdet erscheint, so sind jetzt größere Abteilungen von Löschmannschaften und 100 Mann von der Provinzial-Arbeitercolonie Kästorf am Brandort in Thätigkeit.

* Riesenbrücken. Eine hübsche Zahl von Brücken mit bedeutenden Spannweiten ergiebt folgende Zusammenstellung: Forthbrücke (Gonsolträger) 521,2 m, Brooklyn - Hängebrücke 487,7 m, Niagara - Hängebrücke 250,25 m, Sukkurabrücke (Gonsolträger) 249,94 m, Hängebrücke bei Freiburg 256 m, Elision-Hängebrücke 214 m, Menocbrücke 176,78 m, Garabit- brücfe (Bogen) 164,6 m, Duerobrücke (Bogen) 160 m, Haarlemerbrücke (Bogen) 155,45 m, St. Louisbrücke (Bogen) 153 m, Brücke über die Abda bei Paderno (Bogen) 150 m, Britanniabrücke (Röhrenbrücke) 143,87 m, Niagara-(Gonsolen-) Brücke 143,26 m.

* Eine heitere Geschichte, der ausnahmsweise einmal einige fidele Studiosi zum Opfer fielen, hat sich unlängst in einem Dorfe bei Jena zugetragen. Die heiteren Söhne der edlen Wissenschaft kehrten, von einer Spritztour aus Apolda zurückfahrend, in dem Dorfe ein, wo sie einen Soldaten der Jenenser Garnison antrafen, den sie zum Gegenstand eines Scherzes" machen wollten. Sie bewirtheten den Wackern Vaterlandsvertheidiger mit arabischer Gastfreundlichkeit, um ihn über die Zeit seines Urlaubs zurück zu behalten und ihm für einige Tage Freiquartier bei Wasser und Brot zu verschaffen. Allein diesmal hatten sich die Herren Studiosen gründlich verrechnet. Nachdem sich der Soldat auf deren Kosten durch Speise und Trank gütlich gethan hatte, entfernte er sich unbemerkt, bestieg die vor dem Wirths- haus haltende Karosse, und fort ging es in vollem Galopp seiner

Garnison zu, wo er noch rechtzeitig eintraf unb Roß unb Wagen ihrem Schicksal überließ. Die Geprellten mußten ben Weg zu Fuß zurücklegen, um Nachforschungen nach bem Pferb anzustellen, bad sie an einem Baum vor ber Kaserne angebunben öorfanben. Eine erstattete Anzeige war ohne Erfolg- man schien sich in beteiligten Kreisen barüber zu freuen, baß bie Herren Stubiosi auch einmal überlistet worben waren.

* Aus der Schule. Im Geschichtsunterricht wird vor- getragen:Otto der I. starb zu Memleben am Schlagflusse." Der Lehrer thut bie Zwischensrage:Wo liegt Memleben?" Karlchen antwortet kühn:Am Schlagflusse."

Schiftsnachrichten.

Der PofidampserPennland" berRed Star Line" in Ant- werptn ist laut Telegramm am 2. Juli wohlbehalten in Newyork angekommen, h

Wöchentliche Neberstcht der Todesfälle in Gießen.

26. Woche. Vom 25. Juni bis 1. Juli 1893.

Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 39,430/«, bezw. 22,18 nach Ausschl. der Ortsfremden.

Kinder

Es starben an: Zusammen:

Diphtheritls 3 (2) Entzündliche Erkrank­

ungen der Ath- mungs-Organe 2 (1)

Gehirnschlaafluß 1

Erkrankungd. Herzens 1

Darmcatarrh und

Brechdurchfall 2

Neubildungen 1 (1)

Altersschwäche 1

Andere bekannte

Krankheiten 4 (2)

Verunglückung durch Ertrinken 1 (1)

Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

3 (2)

1 - 1 (1)

1 *

1

- 2 -

T z z

4 (2)

1 (1)

Summa: 16 (7) 10 (4) 2 4 (3)

Anm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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Barometer:

Thermometer:

Witterungsaussichten

Wetterhäuschen, Südanlage.

Hygrometerstand: Gewitterbildung.

Mittlerer Barometerstand bei 0° R. = 744,7 mm.

5. Juli, Morgens 8 Ahr min.744mm, max. 745 mm 4-10«/»° R. 4- 16V»0R. Neigung f. Nasses Wetter.

4. Juli, Mittags 12Uhr min.746mm, max.748mm +110R.4-23»/.? R.

Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 5. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 191/», Luft 18 Grad.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

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Nach kurzem schweren Leiden entschlief in Folge eines Herzschlages heute Morgen 4% Uhr unser lieber Vater, Bruder, Schwager und Onkel

Herr Aug. Gabriel

im 73. Lebensjahre.

Um stille Theilnal^me bitten

Die trauernden Hinterbliebenen.

Im Auftrage:

Äug. Gabriel jr.

l>r. Alfred Gabriel.

Giessen, Hohenlimburg, Freiburg, Duisburg, den 5. Juli 1893. 5983

Die Beerdigung findet statt: Donnerstag den 6. Juli, Nachmittags 5 Uhr, vqui Sterbehause (Frankfurterstrasse 67) aus.