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6.7.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 15« Erstes Blatt. Donnerst«, dm 6, Juli

1898

Der Gtetzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener IsO«itie«Vkä1ter werden dem Anzeiger wtchentlich dreimal beigclegl.

Gießener Anzeiger

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Alle Annoneen-Bureaux deS Jn> und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die bislang für den Fuhrwerksverkehr gesperrte Kreisstraßenortsdurchfahrt in Hausen kann von heute ab wieder befahren werden.

Gießen, den 5. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

ES wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Wilh. Rückert von Görlitz angeboten hat:

1. Spreeheu I zu 6 Mark pro 50 Kilo 1 Eentner,

2. II 5 50 1

3. Oder-Heu t feinste Marke, zu 6,50 Mk. pro 50 Kilo Gebirgsheu j 1 Eentner.

in Waggons mit ca. 5000 Kilo 100 Eentner beladen franco Bahnhof Gießen.

4. Desgleichen ca. 1000 Eentner Roggenftroh, a 4 Mk.

% i r m a:

S. van Westrum Söhne in Magdeburg, Victoriastr. 7

Max Wendrtner in Berlin, Jockstr. Torfstreu

, Torfmull

Joh. Stadtlander in Geestemünde

Nie. Kett in Eltville a. Rh. Torfstreu

Torfmull Einzelne Ballen ab Station Eltville Torfstreu 1,50 Mk., Torfmull 1,60 Mk.

H. E. Broberg u. Semka, Magdeburg, Kaiserstr. 39 in Ballen pro 100 Kilo 2,50 Mk. demnach Torf­streu pro 200 Etr. in Ballen pro 100 Kilo 2,60 Mk., demnach Torf­mull pro 200 Elr.

Gebrüder Schrader in Braunschweig. Gifhorner Torfstreu Torfmull

Emil Grzybowski u. Eo., Potsdam. Torfstreu Torfmull

Lutze u. Heinemann, Magdeburg, Torfstreu in Ballen 150 Ko., 50 Ko. 1 Mk. 24 Pfg., Torfmull 1 Mk. 29 Pfg. per 50 Ko.

Actien-Gesellschaft, oorm. Fedor Wolff in Torfstreu

Bremen Torfmull

Friedr. Kind junior, Leipzig, Gifhorner Torfstreu

Promenadenstr. 17. Gifhorner Torfmull

Wilh. Gerlach, Braunschweig Torfstreu

Torfmull

franco Gießen pro Waggon L 200 Etr.

Jt

242

225

235

270

238

248

250

260 270

270 270 280

248 259

225 235

285

295 240 260

pro Eentner in gepreßten Ballen ebenfalls pro Waggon franco Bahnhof Gießen. Derselbe theilt jedoch mit, daß die Heupreise rc. fortwährend steigen und daß nur bei alsbaldiger Drahtzusage er sich an diese Preise gebunden erachte.

Da nur bei Waggonbestellungen W. Rückert die Trans­portkosten per Bahn übernimmt, so empfiehlt es sich, wenn die Großh. Bürgermeistereien die etwaigen Bestellungen der Landwirthe entgegen nehmen und die Bestellungen Namens der Gemeinden dann ausführen, wenn ein Waggon Heu oder Stroh von den Landwirthen bestellt ist. Sollte von den Landwirthen einzelner Gemeinden kein ganzer Waggon Heu bestellt worden sein, so dürfte sich eine Vereinigung mit be­nachbarten Gemeinden zum Zwecke der gemeinsamen Be­stellung empfehlen. Der Unterzeichnete ist zur Ausführung gemeinsamer Bestellungen bereit.

D. Herrmann von Marienwerder hat 4000 Eentner sehr schönes Pferdewiesenheu, jedoch ohne Preisangabe, an­geboten.

Außerdem steht nach Zeitungsnachrichten die Ankunft von weiterem amerikanischen Heu in Aussicht.

Torfftreu ist von nachverzeichneten Firmen angeboten worden:

Bemerkungen:

garantirt, daß die Torfstreu bei 24stündigem Liegenlassen das 79fache seines Eigengewichts aufsaugt.

verspricht, jede gewünschte Garantie für Lief. v. trock., faseriger, nicht lehnt die Uebernahme einer Garantie für den Feuchtigkeitsgehalt ab.

mit Erde vermischter, aussaugungsfähiger Torfstreu zu übernehmen, kann erst in 3 Wochen 1 Waggon & 200 Etr. liefern, verlangt um­

gehende Zusage; verspricht beste, trockene, faserreiche, nicht mit Erde gemischte, aussaugungsfähige Qualität zu liefern; erbietet sich jedoch nicht zur Garantieleistung.

behauptet nur beste, faserreichste und sandfreie Qualität zu liefern, ohne hierfür Garantie anzubieten.

übernimmt die Garantie für nur gute, auS bestem, aufsaugungs- fähigem Moostorf hergestellte Torfftreu.

ohne Garantieleistung.

spätere Lieferung 10 Pfg. per Etr. höher, verspricht, jedoch ohne Garantieleistung, Lieferung bester Waare.

Garantieleistung abgelehnt.

behauptet, daß die Bezugsquelle Gifhorn die nöthige Garantie für Lieferung guter Waare biete.

Proben von Gifhorner Torfstreu und Torfmull sind von den Gebrüdern Schrader in Braunschweig übersandt worden und können aus dem Bureau Großh. Kreisamts eingesehen werden.

Die Firma Otto M. Schwarz in Frankfurt a. M. hat Mais zu Futterzwecken zu 12,75 Mark per 100 Kilo an­geboten.

Gießen, den 3. Juli 1893.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost.

Nr. 25 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. Juni, enthält:

(Nr. 2111.) Bekanntmachung, betreffend die Anwendung der vertragsmäßig für die Nummern 9a, da, dft, by, he, c, da, 6 (Mais) und f (gemalzte Gerste) des deutschen Zolltarifs bestehenden Zollsätze auf die rumänischen Erzeug* niffe. Vom 29. Juni 1893.

Gießen, den 4. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Eröffnung des Deutschen Reichstags.

Berlin, 4. Juli.

Die Verlesung der Thronrede erfolgte heute Mittag 12 Uhr bei Anwesenheit von etwa 250 Abgeordneten, die Bolksparteiler, Antisemiten und Socialdemokraten waren nicht erschienen. Beim Erscheinen des Kaisers, welcher von einigen Prinzen, den Ministern, dem Reichskanzler und der Generalität begleitet war, brachte der Alterspräsident des Reichstages, Die den, ein Hoch aus. Nach der Verlesung der Thronrede erklärte der Reichskanzler den Reichstag für eröffnet. Hierauf brachte der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld ein Hoch auf den Kaiser aus, worauf sich der Hof zurückzog.

Die Thronrede hat folgenden Wortlaut:

Geehrte Herren! Nachdem Sie zu gemeinsamer Arbeit mit den verbündeten Regierungen berufen worden sind, ist es mir Bedürfniß, Sie beim Eintritt in Ihre Berathungen zu begrüßen und willkommen zu heißen. Der dem vorigen Reichstag vorgelegte Entwurf eines Gesetzes über die Friedens- präsenzstärke des deutschen Heeres, durch welchen eine stärkere Ausnutzung unserer Wehrkraft ermöglicht werden sollte, hat zu meinem Bedauern die Zustimmung der Volksvertretung nicht gefunden. Die von meinen hohen Verbündeten ein» müthig getheilte Ueberzeugung, daß das Reich gegenüber der Entwickelung der militärischen Einrichtungen anderer Mächte

auf eine seine Sicherheit und seine Zukunft verbürgende Fort­bildung unseres Heerwesens nicht länger verzichten dürfe, mußte zu dem Entschlüsse führen, den Reichstag aufzulösen und durch die Anordnung von Neuwahlen das für noth- wendig erkannte Ziel zu verfolgen. Seit der Vorlage jenes Gesetzentwurfs hat die politische Lage Europas keine Aende- rung erfahren- die Beziehungen des Reiches zu den aus­wärtigen Saaten sind zu meiner großen Befriedigung nach wie vor durchaus freundlich und frei von jeder Trübung.

Das Verhältniß der organisirten militärischen Kraft Deutschlands zu derjenigen unserer Nachbarn hat sich indessen noch ungünstiger gestaltet, als im verflossenen Jahre. Wenn schon seine geographische Lage und seine geschichtliche Ent­wickelung Deutschland die Pflicht auferlegt, auf den Bestand eines verhältnißmäßig großen Heeres Bedacht zu nehmen, so wird die weitere Ausbildung unserer Wehrkraft mit Rücksicht auf die Fortschritte des Auslandes zu einer zwingenden Nothwendigkeit.

Um den mir verfassungsmäßig obliegenden Pflichten ge­nügen zu können, erachte ich es für unumgänglich, daß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln auf die Herstellung einer ausreichenden und wirksamen Vertheidigung der vaterländischen Erde hingewirkt wird.

Es wird Ihnen deßhalb unverzüglich ein neuer Gesetz­entwurf über die Friedenspräsenzstärke des Heeres vorgelegt

werden. Darin sind die bei der Berathung des früheren Entwurfs laut gewordenen Wünsche, soweit dies angänglich erschien, berücksichtigt und demgemäß die Anforderungen an die persönliche Leistungsfähigkeit und an die Steuerkraft des Volkes, soweit dies ohne Gefährdung des Zweckes geschehen konnte, herabgemindert. Das Interesse des Reiches erheische es, zumal im Hinblick auf den im nächsten Frühjahr bevor­stehenden Ablauf des Septennats, daß der Gesetzentwurf mit thunlichster Beschleunigung verabschiedet wird, damit die dies­jährige Rekruteneinstellung schon auf der neuen Grundlage vorgenommen werden kann. Eine Versäumniß des Termins dieser Einstellung würde sich auf mehr als zwei Jahrzehnte zum Nachtheil unserer Wehrkraft fühlbar macken.

Um es Ihnen zu ermöglichen, Ihre Arbeitskraft un- getheilt der Berathung der Vorlage zuzuwenden, werden die verbündeten Regierungen davon absehen, die Session mit anderen umfassenden Vorlagen zu beschweren.

Wenngleich bei mir und bei meinen hohen Verbündeten die Ueberzeugung sortbesteht, daß die durch die Gestaltung unserer Heereseinrichiungen bedingten Mittel zweckmäßig und ohne Ueberlastung auf dem Wege beschafft werden können, welcher in den im verflossenen Herbste vorgelegten Steuer- gesetz-Entwürfen in Vorschlag gebracht war, so bildet doch die Deckungsfrage den Gegenstand fortgesetzter Erwägungen. Ich gebe mich der Erwartung hin, daß Ihnen beim Beginn der nächsten Winter-Session Vorlagen zugehen werden, in welchen der Grundsatz, daß die Bereitstellung jener Mittel nach Maß­gabe der Leistungsfähigkeit und unter thunlichster Schonung der Steuerkraft erfolgen muß, noch vollständiger als in jenen Vorlagen zum Ausdruck gelangt. Bis zum Ablauf des gegen­wärtigen Etatsjahres werden für die Deckung des Mehrbedarfs die Matrikularbeiträge heranzuziehen sein.

Geehrte Herren! Unter schweren Opfern ist es gelungen, die deutschen Stämme durch ein festes Band zu einigen. Die Nation ehrt Diejenigen, welche für dieses Werk Gut und Blut eingesetzt und das Vaterland einem politischen und wirthschastlichen Aufschwung zugeführt haben, welcher, wie er den Zeitgenossen zum Stolz und zur Freude gereicht, den nachkommenden Geschlechtern, wenn sie im Geiste der Väter weiterbauen, des Reiches Größe und Glück verbürgt. Die glorreichen Errungenschaften zu wahren, mit denen Gott uns in dem Kampfe um unsere Unabhängigkeit gesegnet hat, ist unsere heiligste Pflicht! Solcher Pflicht gegen das Vater­land werden wir aber nur dann genügen, wenn wir uns stark und wehrhaft genug machen, um ein zuverlässiger Bürge des europäischen Friedens bleiben zu können. Ich vertraue, daß mir und meinen hohen Verbündeten Ihre patriotische und opferbereite Unterstützung bei der Verfolgung dieses Zieles nicht fehlen wird!"

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Juli. Nach Schluß der offiziellen Thron­rede sagte der Kaiser zu den Abgeordneten:Nun, meine Herren, gehen Sie hin, der alte Gott leihe Ihnen seinen Segen zum Zustand-bringen des ehrlichen Werkes zum Wohle des Vaterlandes. Amen!"

Berlin, 4. Juli. Der Umstand, daß bei der jüngsten Durchreise des russischen Thronfolgers durch Deutsch­land eine Begrüßung zwischen dem Ezarewitsch und Kaiser Wilhelm unterblieben ist, hat zu verschiedenen Auslegungen Anlaß gegeben. Namentlich in deutschfeindlichen ausländischen Blättern wurde eine tendenziöse Darstellung des Zwischen­falles gegeben, dahingehend, daß derselbe eine erneute Ab­kühlung in den deutsch-russischen Beziehungen erkennen lasse. Dieser geflissentlichen Ausbeutung des ganzen Vorkommnisses tritt jetzt eine anscheinend officiöse Berliner Meldung ent* schieden entgegen, welche den Zwischenfall als völlig belanglos erklärt. Die Nachricht versichert, der Großfürst-Thronfolger habe vor Antritt der Reise den deutschen Kaiser eigens ersucht, wegen letzterer seinen Kieler Aufenthalt nicht etwa zu unter­brechen, irgend eine Rückwirkung in politischer Beziehung könne dem Vorgänge nicht im Geringsten zugesprochen werden. Auch verlautet, daß die jetzt unterbliebene Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Ezarewitsch während der Rückreise desselben aus England nach Petersburg stattfinden werde.

Die Militärvorlage ist in ihrer neuen Gestalt vom Bundesrat he in einer am Montag abgehaltenen außerordentlichen Sitzung nach den Anträgen des Heeres- und des Finanzausschusses unverändert angenommen worden. Der jetzige Entwurf des Militärgesetzes entspricht in der Hauptsache den bekannten Anbietungen des Vermtttctun'r^- antrages Huene, nur in einigen unerheblichen Punkc^i bifterirt der Entwurf mit den Bestimmungen des Antrages Huene- So setzt Art. J die Zahl der szu formirenben Pionier-Bo.taiÜone auf 23 anstatt auf 24, wie der Antrag Huene norschlug,