innerhalb unserer Grenzen führen müssen, wo» unter allen Umständen eine schwere Dranasaltrung der Bevölkerung tm Gefolge hat, denn dann werden die Lasten auferlegt ohne Rücksicht daraus, ob sie auch getragen werden können, und zwar von Feind und Freund. Bon beiden Seilen werden Schäden angerichtel, die erst in langen Jahrm wieder au-gebessert werden können. Ich habe gestern gesagt, daß, wenn e» zu Neuwahlen komme, die mit der Zustimmung zu dem Antrag Huene gemachte Concesston nicht werde aufrecht erholten werden können; ich kann dagegen heul« erklären, daß bei Neuwahlen unsere Wahlparole der Antrag Huene sein werde. (Beifall recht».)
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp) vertheidigt die Borlage bezw. den Antrag Huene dem Abg. Richter gegenüber. Richter habe die Finanzlage zu schwär, geschildert- zur Sicherung de» Vaterlandes müßten die nöthiaen Mittel beschafft werden. Wenn man den Frieden erhallen wolle, müsse man sich von vornherein den Sieg sichern. Den HauptoortheU der Vorlage erblicke er in der Verjüngung des Heere». Den Muth, Alles daran zu setzen für die Ehre und Sicherheit de» Vaterlandes, diesen Muth habe er. (Beifall recht-.)
Abg. Bebel (Soc.): Als Socialdemokraten haben wir da» größte Interesse daran, daß die Integrität Deutschland» geschützt werde, denn wmn e» au»wärltgen Gegnern gelingt, Stücke au» Deutschland herauszuretßen, werdm unsere Ziele hinauSgeschoben. Aber wenn wir die Integrität Deutschland» erhalten wollen, so gehen unsere Anschauungen und die der Regierung über die Mittel und Wege auseinander. Wir sind der Meinung, daß eine weise Politik eine Ueberlastung de» Volkes vermeiden muß. Die Mehrheit stimmt deshalb auch au» Angst vor den Wählern gegm die Vorlage. Man weist auf einen Confltct hin. In gewtfien Kreisen dtScuttrt man die Beseitigung de» allgemeinen directm Wahlrecht». Man möge sich hüten, der Revolution von oben könnte leicht eine Revolution von unten folger:. Wir sind überall in Europa an der Grenze der Leistungsfähigkeit angekommen. In Oesterreich und Italien sieht man mit einer gewtfien Besorgniß aus Deutschlands Vorgehen; man fürchtet, daß nun auch diesen Ländern entsprechende HeereSverstärk- ungen werdm zugemuthet werden. Auch Frankreich ist an der Grmzc seiner Leistungsfähigkeit, wie da» Deficit, die Sparkafim-Rückgänge ufro. beweisen. Interessant ist, daß der Reichskanzler gegm da» Mlltzsyftem nicht militärische, sondern politische Gründe anführte. Beim Miltzsystem mürben Soldatenmtßhandlungm fortfallen, die Kosten würden bei rationeller militärischer Jugenderziehung erheblich geringer sein und von Privilegien könnte keine Rede sem. Man stellt fich dem MUizspstem Seitm» der Regierung und der Mehrheit de» Hauses ablehnend gegenüber, weil man von demselbm, mit Recht oder mit Unrecht, befürchtet, daß e» sich gegenüber der bestehenden Staatsordnung, dem bestehendm System feindlich ftellm werde. Die große Rüstung, In der Europa seit Jahrzehnten starrt, steht im Gegensatz zu der ganzen Culturmtwickelung. Wmn es in der nächstm Zett zu Neuwahlen geht, hoffen wir, daß die Idem der deutschen Arbeiterschaft über die der Regieruna fiegm werden.
Wetterberathung morgen 11 Uhr. II । ........... ■ । ' ' —
Neueste Nuchvichten»
Wolff- telegraphische» Eorrespondmz-Bureau.
Berlin, 4. Mai. In den Wandelgängen de» Reichstages wollte man wiffen, daß in Würdigung der von Caprivi geltend gemachten Gründe Seine Majestät der Kaiser zur eventuellen Auflösung de» Reichstages bereits die Genehmigung ertheilt habe.
Dortmund, 4. Mai. Gesammt ergebniß der Reichstags-Ersatzwahl: Möller (natl.) 14,714, Tölrke (Soc.) 15,374, Lensing (Ctr.) 12,030, Eickhoff (dfr.) 1796, Kohn (Demokrat) 204, Dr. König (Antisemit) 133 Stimmen. Zwischen Möller und Tölcke also Stichwahl.
Depeschm de» Bureau .Herold'.
Berlin, 4. Mai. Heute Abend findet bei dem Reichskanzler ein Diner statt, an welchem der Kaiser theilnimmt. Die Minister, StaatSsecretäre und viele Parlamentarier sind geladen.
Berlin, 4. Mai. Der fortschrittliche Verein „Waldeck" nahm in seiner gestrigen Versammlung eine Resolution an, in welcher derselbe erklärt, das Abgehen einiger Mitglieder der freisinnigen Partei von dem Nichtbewilligen der Militärvorlage bedeute eine schwere Schädigung deS deutschen Volkes, das Verbleiben dieser Mitglieder in der Partei sei unmöglich.
Berlin, 5. Mai. Zum Vorsitzenden der CentrumSfraction des Reichstags wurde gestern Abend Graf Hompesch gewählt. Gras Ballestrcm wird dem Vernehmen nach kein ReichStagSmandat mehr annehmen.
Berlin, 5. Mai. Der Bundesrath überwies in seiner gestrigen Plenarsitzung die Vorlagen betreffs des Handels- und Zollvertrags mit Serbien und betreffs des Uebereinkommens mit Serbien über den gegenwärtigen Marken^ und Musterschutz den zuständigen AuSschüffen zur Bcrathung.
Woldenberg (Kreis ArnSwalde-Friedeberg), 4. Mai. Der antisemitische Verein beschloß, Ahl warbt aufzufordern, sein Mandat niedcrzulegen.
Leipzig, 4. Mai. Eine Versammlung de» hiesigen freisinnigen Vereins nahm eine Resolution an, nach welcher die freisinnigen FractionSmitglieder, welche die Militärvorlage bewilligen, auS der Fraction auSgestoßen werden sollen.
Prag, 4. Mai. Heute Nacht wurden abermals gegen die Fenster deS deutschen Casinos von unbekannten Personen Steine geschleudert. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor.
Pari», 4. Mai. Zwei Gründer des Comptoir Parisien sind flüchtig geworden. Deponenten verlieren große Summen von 1—400 000 Franc». Die Passiva sind 'noch nicht ermittelt.
London, 4. Mai. „Daily Chronicle" meldet auS Moskau, nach Nachrichten aus der Krim sei ein Wagen, in welchem sich da» russische Kaiserpaar und die GroßfürstinLenia befanden, umgestürzt. Diesen Unfall, ebenso wie einen Aufstand der Kosaken, versuche man geheim zu hallen.
Darmstadt, 5. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Großb. Hoheit Prinzeß Alix kehren am Sonntag Nachmittag hierher zurück.
Sitzung der Stadtverordneten
am 4. Mai 1893.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten (Storni und Grüneberg, von Seiten der Stadt
verordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Grünewald, Helfrich, Heß, Heyligenstaedt, Homberger, Iughardt, Keller, Löber, Orbig, Schwall, Scheel, Simon, Dr. Thaer und Vogt.
Da» von Herrn Peter Gibb eingereichte Baugesuch betrifft die Errichtung eines Stallgebäudes bei der Hofraithe des GefuchstellerS am Leihgesterner Weg. Da» Gesuch wird, dem Anttage der Baudeputatton entsprechend, auf Widerruf befürwortet.
Herr Commerzienrath W. Gail beabsichtigt daS früher Koch'sche Thonwerk mit seiner Dampfziegelei durch eine Feldbahn zu verbinden. DaS dieserhalb eingereichte Gesuch um Erlaubniß zur Benutzung eines Theils deS Erdkauterwegs wird unter der Bedingung widerruflich genehmigt, daß hierfür eine Anerkennungsgebühr von jährlich 1 Mk. entrichtet wird.
Nach Bericht deS Stadlbauamtes hat fich beim Bau deS UebergangSstegs über die Oberhessischen Eisenbahnen an der Frankfurterstraße die Lieferung von Main-Sandfteinen so bewährt, daß deren Verwendung zum Bau der Ueberbrückung deS SchoorgrabenS im Zuge der Senckenberg st raße empfohlen werden könne. Die Versammlung tritt diesem Vorschläge unter Genehmigung einer unerheblichen Credit- Überschreitung (die Lieferung ist neuerlich auf 849.89 Mk. veranschlagt worden) bei.
Nachdem die Deputation für das Gas- und Wasserwerk über die in Anregung gebrachte Instandsetzung einiger Pump- b runn en berathen, hat sie vorgeschlagen, die Beschlußfassung über die Brunnen in der Wetzsteingasse, im Schulhofe in der Schulstraße, im Bürgermeiftereigebäude und im Hofe der Realschule auszusetzen, bis die Deputation im Besitz der neuerlich angeordneten Analyse sein werde. Bezüglich deS Brunnens am Steinberger'schen Hause in der Bahnhofstraße schlägt dagegen die Deputation vor, denselben durch Schleifung nach dem ca. 25 Meter entfernten Platze am Kupferschmied Zimmer'schen Hause und Aufstellung eines eisernen Pumpenstocks daselbst den Anwohnern dienstbar zu machen. Der Antrag der Deputation wird, unter Bewilligung der Kosten für die gußeiserne Pumpe (560 Mk.) und für Verbesserung des Brunnenschachtes (185 Mk.), zum Beschluß erhoben. — Herr S ch m a l l fragt an, warum die Ventilbrunnen nicht zu gleicher Zeit geschloffen würden- so gebe z. B. der Brunnen an der Ostanlage nach 2 Uhr kein Wasser mehr, während an dem Brunnen in der Wolfstraße solches noch entnommen werden könne. Diese Ungleichheit sei empfindlich sowohl für die Bauhandwerker usw. wie für die Einwohnerschaft, da sich in der Ostanlage sonst kein Pumpbrunnen befinde. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß er sich eine solche Ungleichheit in der Wafferabgabe nicht erklären könne, denn nach seinem Wiffen würden nicht die einzelnen Brunnen, sondern der Zufluß zur Stadt überhaupt abgestellt- es sei diese von Herrn Schmall (nach deffen Aussage wiederholt) gemachte Wahrnehmung jedenfalls dadurch zu erklären, daß der Zufluß zur Stadt nicht am Reservoir, sondern an einem der Stadt näher gelegenen Punkte abgeschlossen würde, um bei allenfalls ausbrechenden Brande schneller den Zufluß zu ermöglichen. Treffe diese Annahme zu, so sei die Wafferabgabe deS Brunnens in der Wolsstraße, weil derselbe dann außerhalb der Abschlußstelle stehe, erklärlich. — Herr Iughardt empfiehlt zu erwägen, ob man nicht eine andere Zeit für die Absperrung des Wassers wählen könne, eS seien über das jetzige Verfahren Klagen laut geworden, vielleicht ließe sich die Zeit von 6 bis 2 Uhr um eine oder zwei Stunden kürzen und könnte dafür am Abend die Leitung um die entsprechende Zeit geöffnet werden. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß auch er gewünscht habe, daß die Leitung nur mit Unterbrechung einiger Stunden am Abend geöffnet werde. Es sei ihm aber Seitens des Herrn Directors deS Gas- und Wasserwerks erklärt worden, daß dadurch der Zweck, Waffer zu sparen, nicht erreicht werde- die Wasserentnehmer würden ohne Zweifel sich dann reichlicher mit Wasser im Dorrath versehen, als nöthig sei- auch technisch sei eS nicht räthlich, daS Oeffnen und Schließen der Wasserleitung täglich mehrere Male zu wiederholen, es bedürfe nach jedesmaligem Schluß längerer Zeit, ehe die Leitung wieder in regelrechten Betrieb komme; es sei auf Grund früherer Beobachtungen festgestellt, daß die Stunden von 6 Uhr Morgens bis 2 Uhr Mittags die paffendsten zur Offenhaltung der Leitung seien. Uebrigenö sei eine kleine Verbefferung deS WafferzufluffeS zu constatlren, wahrscheinlich infolge deS Verbots der Benutzung des Quell- wafferS zur Begießung der Gärten- infolge deffen würde wahrscheinlich die Zeit dcS Offenlassens der Leitung verlängert werden können.
Nach Mittheilung der Deputation für das Gas und Wafferwerk sind die in voriger Sitzung von Herrn Scheel zur Sprache gebrachten Abstellhahnen für Haus- Wasseranschlüsse an den seit 1888 hergestellten Privatzuleitungen so angebracht, daß sie ohne Weiteres zugänglich - eö handelt sich nur noch um 263 ältere Zuleitungen, an denen die Einrichtung anzubringen ist. ES wird beschloßen, damit nach und nach vorzugehen und die auf 3156 Mark veranschlagten Kosten in daS nächstjährige Budget cinzu- stellen.
Eine ebenfalls von der Deputation für das Ga»> und Wafferwerk vorsorglich zur Anschaffung empfohlene Saug- unb Druckpumpe soll zur Anwendung kommen, wenn eS unmöglich ist, das Waffer zum Begießen der Straßen ander Zapfstelle an der Hornberger'schen Fabrik oder auS dem Behälter am Bahnhose zu entnehmen, ferner bei Brandfällen zur Hebung deS WafferS auö Wasserläufen, bei Canal- :c. Bauten zur Entfernung des GrundwasferS u. f. w. Es wird unter Bewilligung der auf 553 Mk. veranschlagten «osten die Anschaffung der (fahrbaren) Pumpe beschloffen. — Herr Grünewald bemerkt, daß der Brunnen am Holzapfefschen Hause (JughardSbrunnen) so viel Ueberlaufwaffer habe, daß cS sich empfehlen würde, dasselbe durch Anlegung eine» Reservoirs zu soffen, eS fei dies bei dem jetzigen Waffer- mangel eine recht ansehnliche AuShülfe- auch der Brunnen
vor dem Wenzel'schen House an der Frankfurter Straße könne nutzbarer gemacht werden, wenn er nicht so schwer gehe. Schließlich empfahl Herr Grünewald die mit der Wafferver- sorgang betrauten Organe daraus aufmerksam zu machen, daß link» von bet Frankfurter Straße bei Klein - Linden Quellen vorhanden fein müßten. — Herr Scheel fragt an, ob do» an der Hornberger scheu Fabrik vorüberfließende Waffer nicht in die Äadt abgeleitet werden könne. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt dazu, daß seiner Wahrnehmung nach die erwähnte Ableitung bereit» vollzogen fei.
Der Zustand de» Canal» vor dem Zinßer schen Hause an der Grünberger Straße hat dem Eigenthümer deS Hauses veranlaffung gegeben, Beschwerde über die üblen Ausdünstungen de» GrabenS zu erheben. Nach dem Berichte de» Stadtbau- amt» ist die Canalanlage unzweckmäßig eingerichtet. Abhülfe könne durch festen Abschluß und Anlage eine» seitlichen Sinkkastens geschaffen werden. ES wird beschloffen, nach Art diese» Vorschläge» die erforderlichen Arbeiten, für welche 120 Mark vorgesehen sind, auSführen zu lassen.
Zufolge deS Beschluffe» über die Aufstellung von Plakatsäulen sind specielle Pläne nebst Voranschlag vorgelegt worden. Die vorgeseheren 5 Plakatsäulen, welche einen Kostenaufwand von 970 Mark erfordern, sollen ausgestellt werden: a) auf dem freibleibenden Dreieck zwischen Wetzsteingaffe und Damm- sttaße an der Nordanlage, b) an der Kreuzung der Ostanlage durch die Moltke- bezw. Senckenbergstraße, c) auf dem Marktplatz, d) am SelterSthor, e) an dem nördlichen Dinkel der Zufuhrftraße zum Oberhessischen Güterbahnhof. E» wird im Sinne dieser Vorschläge Beschluß gefaßt, nachdem Herr Scheel Bedenken gegen da» Aufstellen einer Plakatsäule auf dem Marktplatz geltend gemacht und dafür den Kreuzvlotz vorgeschlagen hatte, auch Herr Iughardt empfohlen hatte, die Ausstellung der Säule auf dem Marktplatz so lange hinauszuschieben, bi» definitiver Beschluß über die künftige Verlegung des Markte» gefaßt fei. Den von den beiden Genannten geäußerten Bedenken gegenüber hat Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, daß gerade durch Aufstellung einer Plakatsäule aus dem Marktplatz eine Art Schutzinsel für da» Publikum infolge der um die Säule anzulegenden Pflastererhöhung geschaffen werde, dadurch werde den Fuhrwerken gewifferrnaßen der Weg gezeigt- auch empfehle fich die Aufstellung der Plakatsäule mit Rücksicht auf da» alte Rath- hauS, welche» durch da» Plakatankleben verunstaltet werde.
Bezüglich des folgenden Gegenstandes der Tagesordnung : „Ertheilung von Handfertigkeitsunterricht" beschließt die Versammlung auf ihr erstatteten Bericht, daß für diejenigen Schüler, welche bereit» an dem Wintercurfn» theilgenommen haben, ein WeiterbildungScursus für Den Sommer eingerichtet unbfür neu elntretenbc Schüler wöchentlich zweimal Unterricht ertheilt werden soll. Für nächsten Winter sollin noch Kerbschnitz- und Holzarbeiten in den Lehrplan ausgenommen werden, zu welchem Zweck Herr Lehrer Schmitt, welcher bisher den Unterricht enheilte, einen CursuS in den bezeichneten Arbeiten, sowie in Obst- und Gartenbau - Arbeiten an der Hauptanstalt zu Leipzig besuchen soll. DaS UnterrichtSgeld für Schulen höherer Lehranstalten wurde aus 4 Mark ermäßigt (für Schulen der Volksschule ist der Unterricht frei), für Materialvergütung sind l,50Mk. für den CursuS und Schüler zu entrichten. Die bisher entftan denen Kosten auS dem Knaben - Handfertigkeitsunterricht mit 83,31 Mk. sollen auf die Stadtkaffe übernommen werden.
Das Gesuch des Metzger» Georg Kraft um Ertheilung der WirthschaftS-Concession für da» Hau» Wetzsteingaffe 42 ist bezüglich der Specialfrage über das Bedürfniß zum Au» schank von Branntwein von Großh. Polizeiamt nicht befür wartet worden. Ein Bedürfniß liege nach Bericht Großh. Polizeiamts deshalb nicht vor, weil sich in nächster Nähe 9 Wirthschaften und Verkaufsstellen für Branntwein befänden Auch die Commisfion hat die Bedürfnißsrage verneint. Die Herren Iughardt und Löber sprechen sich für Genehmigung aus, weil in der bett. CommissionSsitzung mehrere Mitglieder gefehlt hätten. Herr Grünewald findet den Kreis, den Großh. Polizeiamt bei Angabe der 9 nächstgelegenen Wirthschaften gezogen (u. A. ist der „Lindenhof'' mit enge sühn) zu ausgedehnt und befürwortet das Gesuch. ES wird entgegen dem Commission» cmtrag beschloffen, die Bedürfniß- frage zu bejahen.
Zu dem Gesuch de» Herrn Fr. Aug. Alb old um Er» theilung der WirthschaftS-Concession für den „Gambrinu» beschließt die Versammlung Bejahung der Dcdürfnißfrage, da es sich hier um eine bereit» bestehende Wirthschaft handelt.
Coctlts unb provinzielle».
Gießen, 5. Mai 1893.
♦♦ Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht, den Polizei - Secretär Bischofs zu Gießen zum Polizei-Commiffär für den Landbezirk de» Kreise» Offenbach mit alsbaldiger Wirkung zu ernennen.
Oeffeatliche Sitzung bei Kreilaulfchufiel bei Kreises Gießen vom 4. Mai 1893. E» gelangte der Recur» bei Pserdemetzgerö Mose» Keßler zu Gießen gegen einen Polizeibefehl Großh. Polizeiamt» Gießen zur Verhandlung. Dem re. Keßler war durch Polizeibefehl vom 1. April 1893 da» Abkochen von Knochen und Gedärmen :c. untersagt worden, veranlaffung zu dieser Maßregel war der Umstand, daß durch da» Kochen von faulendem Pferdefleisch w. am H März d. I. ein die Nachbarschaft in hohem Grade belästigender übler Geruch verbreitet worden sein sollte. Gegen diesen Polizei- befehl erhob Keßler Recur» mit der Begründung, daß die Nachbarschaft durch den Betrieb seine» Gewerbe» nicht erheblich belästigt werde, daß auch die beim Kochen von Pferdefleisch sich entwickelnden Dämpfe keine-weg» gesundheitsschädlich feien. Vernommen wurden der Großh. «ret»arzt, sowie die pract. Aerzte Dr. Baur und Dr. Felfing. Da» Gutachten des Großh. Kreisärzte» ging dahin, daß da» Kochen de» frischen Fleische» :c. nicht belästige, wohl aber dasjenige von altem, in Zersetzung übergegangenen Fleische rc. Der-


