nb die Gerberei im Osten schwer geschädigt. Er beantrage sür die tweile Lesung eine angemessene Steuer auf bisher zollfrei eingehmde Artikel.
Abg. Schön la nk (Soc): Die eingetretenen Verschiebungen sind eine Folge der industriellen Entwickelung, die man nicht aushalten kann. Es wird Ihnen nicht gelingen, Deutschland zu einem Agrarllaat, zu einem großen Gut-Hof zu machen
Abg. Möller (nl.): Der Schaden eines Flachszolles würde viel größer sein als der Nutzen derselben.
Abg. v. S a l t s ch erwidert Schönlank, daß durch da- Flachsbrechen viele kleine Leute beschäftigt werden würden. Cchön- lank denke immer nur an die industriellen, nie an die ländlichen Arbeiter.
Staatssecretär Graf P o s a d o w s ky erklärt, daß alle nachweislich in gutem Glauben abgeschlossenen Lieferungen, für die der deutsche Zoll vom 31. Juli noch nicht entrichtet war, berücksichtigt werden sollen.
Hiernach wird in die zweite Berathung eingetreten
Die von den Abgg. Frhr. o. Heermann und Möller etngebrachte Resolution lautet. Die verbündeten Regieruvg.-n aufzufordern, dahin Vorsorge zu treffen, daß die Ausnahmebestimmungen des S 2 der Verordnungen vom 29. Juli 1893 und vom 17. August 1893. nach welchen die sofort etntretende Erhöhung der Zollsätze auf diejenigen Maaren, welche vor dem Tage des Inkrafttreten-dei selb n die russische bezw. die finnische Grenze überschritten haben, keine Anwendung sinken sollen, dahin ausgedehnt werden, daß auch diejenigen Maaren, deren Lieferung durch rechtsverbindliche, nachweislich vor jenem Tage in gutem Glauben für deutsche Rechnung abgeschlosienen Verträge bedungen war, gleichfalls zu den alten bestehenden Sätzen des Zolltarifs (ohne Zuschlag der Kampfzölle) eingelassen werden, bezw. daß die dieserhalb bereit- gezahlten Beträge der Zuschlagszölle den Be- tre,senden erstattet werden.
Abg. v. Heermann befürwortet diese Resolution, wendet sich aber gegen den Antrag v. Saltsch, der insbesondere die westfälische Letnentndustrie schwer schädigen würde.
A.bg. Df. Hammacher (nl.) spricht für den Heermann- Moller'schen und gegen den v. Saltsch'ichen Antrag, der mit dem Grundgedanken unserer Gesetzgebung, Rohproducte sretzulassen, im Widerspruch stehe.
Nachdem noch Abg. v. S t a u d y für den Antrag v. Sallsch gesprochen, werden die Zollverordnungen gegen die Stimmen der Soctaldemokraten und Freisinnigen angenommen. Die Abstimmung über die Resolutionen erfolgt erst in dritter Lesung.
Es erfolgt Berathung des Handelsvertrags mit Eolumbt-kn.
Der Vertrag wird nach kurzer Befürwortung durch den Abg. I e b f e n (nl.) in erster und zweiter Lesung angenommen.
Hiernach wird die Marken- und Musterschutzcon- oention mit Serbien berathen.
Abg. Schmidt-Elberfeld (freis. Dolksp.) wünscht, daß tu künftige derartige Verträge die Meistbegünsttgungsclausel ausgenommen werde. Auch fei in höherem Maaße für Rechtsschutz zu sorgen.
Staatssecretär N t e b e r d i ng erwidert, daß die Regierung bemüht sein werde, bet derartigen Verträgen so viel Vorthetle als möglich für Deutschland zu gewinnen.
Abg. Dr. Hammacher (nl.) beantragt Verweisung der Convention an die Eommtsfton für den ferbtfchen Handelsvertrag.
Das Haus beschließt demgemäß.
Da- Zuiatzprotocoll zu dem internationalen Vertrage zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See und das Ausführungsgesetz zu dem Vertrage werden in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen.
, Montag 2 Uhr: Novellen zum Unterstützungswohnsitz und zum Vtehseuchengesetz, Rechnungswesen.
Cocalts rrnd provinzieller.
Gießen, den 4. December 1893.
“* Küllstlerconcert im Saale des GefellschaftsveretuS. Eine kleine, aber andächtige Gemeinde war es, welche sich am Sonntag im Saale deS Gesellschastsvereins zum Concert des Herrn Julius Spengel aus Hamburg und der Damen Fräulein Minna Rode und Fräulein Dorothea Sch midt aus Frankfurt a. M. versammelt hatte. Herr Spengel, dem der Ruf emeS hervorragenden Pianisten voraußging, hat namentlich in den Sonaten für Pianoforte und Violine von Brahms und Beethoven seine Meisterschaft glänzend bewiesen. Er wurde wirksam unterstützt von Fräulein Rode, welche für den plötzlich erkrankten Professor Heermann in liebens« würdigster Weife den Violinpart übernommen hatre und sowohl in den genannten Sonaten, als auch in den Solonummern für Violine — zwei Mazurkas von Wieniawski und Melodie von Rubinstein — sich als eine schätzenswerthe Künstlerin zeigte. Den gesanglichen Theil hatte Fräulein Dorothea Schmidt aus Frankfurt übernommen, welche in der Arie mit obligater Violine „Dein bin ich" aus „II re pastore“ von Mozart und in Liedern von Spengel und Barth ihren glocken« reinen, in allen Tonlagen gleich wohlklingenden Sopran zu herrlichster Geltung brachte. Reicher Applaus folgte sämmt- lichen Vorträgen, die jedem Besucher des Concertes in angenehmer Erinnerung bleiben werden.
** Kammermusik. Der zweite Kammermusikabend in der Loge wird im Anfang der nächsten Woche abgehalten werden. Mttwirkende werden fein die Herren Polster (Pianoforte), Bauer (Violine), Krahn (Violine), Krauß e (Viola) und Schulze (Violoncello). Nähere Mittheilungen, sowie die Veröffentlichung des Programms erfolgen im Laufe dieser Woche.
** Z. Neues Theater. „Gespenste r", Familien-Drama in drei Acten von Henrik Ibsen. Man muß schon ein arg begeisterter, oder sagen wir besser ein fanatischer Anhänger der „Ibsen Gemeinde" sein, wenn einem ein Stück, wie'das gestern Abend aufgeführte imponiren kann. Wir meinen, eine derartig prononcirte Hervorhebung deS Krankhaften, des ästhetisch Unschönen, ja geradezu Widerlichen, stößt den gesund Denkenden und fühlenden Menschen immer ab. Aber ab« gesehen von dem Stoffe, den das Drama enthalt, kann denn die Bearbeitung deffelbeu eigentlich Ansprüche auf Billigung machen? Mit Nichten, denn die beiden ersten von den drei Acten und zum Theil auch der dritte entbehren jeglicher Handlung, sie sind reine Erzählung und erregen beim Beschauer neben dem Gefühle der Unbehagltchkeu höchstens noch daS der Langeweile. Und nun gar der Schluß des Ganzen. Befriedigt der etwa? Daß Oswald stirbt, ist, wenn vielleicht auch nicht gerade die logische Folge auS dem VorauSgegangenen, so doch begreiflich, daß aber eine Mutter, die roic Oswalds Mutter ihren Sohn so mächtig liebt, ja fast vergöttert, daß der der Gedanke auch nur einen Augenblick kommen kann, ihrem einzigen Kinde daS Gift, daS eS sicher tödten muß, zu
reichen, das verstehen wir nicht. — Wenn der Autor dem | Darsteller so wenig bietet, wie Ibsen in feinen „Gespenster", dann ist die Aufgabe deS Schauspielers immer, und wenn sie noch so tüchtig gelöst wird, eine undankbare, daS Publikum wenig ansprechende. So war es auch gestern Abend, obwohl die fünf Mltwirkenden ihre Rollen im Allgemeinen recht gut erfaßt halten und auch ganz befriedigend wieder iahen, so blieb ein großer Theil der Zuschauer doch kalt. Allein Herr Niemerer, der den geistig kurzsichtigen, streberhaften Pastor Manders ohne Uebertreibuag und mit der nölhigen Würde wiedergab, vermochte daS Publikum manchmal zu erwärmen. Frl. Wehns „Frau Abwing" war im Ganzen zu sehr gemacht- weshalb eine merkliche Steigerung der Affecte an den Stellen, die sie erforderten, nicht ftarthaben konnte. Auch Herr Roll (Oswald) „spielte" wieder etwas zu sehr, sodaß das Unschöne, was die Rolle nun einmal hat, zu stark hervor- trat, tndeffen gestehen wir gerne, daß unS die gestrige Leistung des Gastes die beste von allen bis jetzt gebotenen schien. Der „Tischler Engftrand" und feine Tochter „Regine" hatten in Herrn Raschig und Frl. Grohmann paffende Vertreter gefunden.
* * Neues Theater. Nicht verfehlen wollen wir auf das heute Abend stattfindende Lustspiel „Barfüßige Fräulein" von Julius Rosen hinzuweifen- eS ist daS Neueste, was der bekannte Autor verfaßt hat und geht ihm ein guter Ruf voraus.
* * Vortrag. Auf den Seitens des Colonial - Vereins veranlaßten, heute DienStag in der Universitäts Aula ftatt- findenden Vortrag des Herrn Dr. v. Pflugk-Hartung- Berlin über Amerika fei nochmals aufmerksam gemacht.
* * Unfall. Vorigen Samstag stürzte ein Zimmermann vom Neubau der Jrrenklinik und mußte in die Klinik verbracht werden.
* * Aus dem Zustizdieust. Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Büdingen Theodor Seeger wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen und der Gerichts- assefsor Ferdinand Schmidt aus Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Büdingen ernannt.
* * Schul Nachrichten. Der Lehrer an der Realschule zu Alsfeld Dr. Wilhelm Hager wurde auf fein Nachfuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, in den Ruhestand versetzt- die Lehramts- assessoren Dr. Ferdinand Wämser an dem Gymnasium zu Mainz, Jakob Klassert an derselben Anstalt, Dr. Adolf Störiko an ocm Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, Dr. Otto Weimar an der Realschule zu Oppenheim und Dr. G e o r g G r e i m an dem Real gymnasium zu Darmstadt wurden zu Lehrern an diesen Anstalten ernannt.
*♦ Für Nimrode. Die Hegezeit für Rebhühner begann mit dem 1. December und endigt mit dem 31 August- die Hegezeit für weibliche? Wild (Reh) beginnt am 15. December und endigt mit dem 15. October.
** Von heffifchen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Commis Conrad Alleborn von Steinbockenheim, zuletzt in Gießen, von der dortigen Staatsanwaltschaft wegen Betrugs- Bahnarbeiter Johann Domiselli aus Italien von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Körperverletzung, Schuhhändler Heinrich Klös IV. von Langd von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Betrugs- Metzgerlehrling Emil Ze iß aus Bayern, zuletzt in Kastel, von der Polizeiverwaltung in Kastel wegen Diebstahls und Betrugs- Ziegler Michael Zeh aus Bayern vom AmtS- anwalt I in Darmstadt wegen Körperverletzung- Monteur Elias Zeltler von Diedenhosen von der Polizeiverwaltung in Offenbach wegen Betrugs.
** Militärische Winlerübungen. Wie nach der „Allg. Mil. Corresp." verlautet, werden in diesem Winter ganz besondere militärische Hebungen stattfinden, um so die Truppen auf einen schwierigen Winterfeldzug, der stets eine harte Probe für eine Armee fein wird, vorzubereiten. Namentlich werden ausgedehnte Uebungsmärfche zur Ausführung gelangen, auch Hebungen auf Schneeschuhen, die im kleinen Kriege, sowie bei der Hebermittelung von Befehlen eine Rolle spielen werden, vorgenommen.
** Großer Schießplatz. Aus sicherer Quelle erfährt das „Marb. Tagbl.", daß das Generalcommando des 11. Armeecorps beabsichtigt, einen großen Schieß- und Exerzierplatz auf dem Burgwald bei Marburg — von der sogen. Ebene bis über die Brüche — zu errichten. ES sind auch schon von Seiten des Kriegsministeriums höhere Offiziere zur Besichtigung der Terrainverhältniffe dort anwesend gewesen. _____ ___
-j- Trais-Horloff, 2. December. Zwischen dem Hessisch. Rheinischen Bergbauverein und den Landwirthen von hier, sowie auch von Inheiden und Htphe wurden seit Jahren Proceffe geführt wegen Entschädigung von Ackergelände, daS durch den Grubenbetrieb bebauungsunfähig geworden war. Ein solcher seit fünf Jahren durch alle Instanzen geführter Proceß wurde in diesen Tagen vom Reichsgericht zu Gunsten der beschädigten Grundeigenthümer entschieden. Der Bergbauverein hat in der letzten Zeit zum ferneren Betrieb für circa 70000 Mark Gelände angekauft.
§ HartmauuShain (Kreis Schotten), 1. December. In Verhinderung deS Großh. KreiSrathS wurde heute durch den Bürgermeister Schmalbach hier im Beisein des Gemeinderaths der hiesigen Hebamme Maria Klein die silberne Medaille deS LudewigS-OrdenS überreicht. Die genannte Hebamme ist 71 Jahre alt und waltet ihres Amtes nunmehr 50 Jahre - sie ist noch sehr rüstig und gesund.
-e. Neu - Ulrichstein, 1. December. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro November 189 3. Ende November 1893 sind in der Colonie stellen , refp. arbeitslos 110 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 30, Regierungsbezirk Kaffel 15, Regierungs
bezirk Wiesbaden 15. Königreich Preußen: Provinz Rhein- lande 6, Provinz Westfalen 4, Provinz Hannover 1, Pro. vinz Sachfen 2, Provinz Brandenburg 3, Berlin 1, Pro. vinz Schlesien 5, Provinz Pofen 1. Provinz Pommern 2; Thüringische Staaten 3, Königreich Bayern 7, Königreich Württemberg 2, Königreich Sachsen 4. Großherzogthum Baben 3, Großherzogthum Sachsen-Altenburg 2. Fürfienlhum Neuß 1. Freie Reichsstadt Bremen 1. Ausland: Luxemburg 1, Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 55, An- streicher 2, Barbier 1, Bäcker 3, Bauzeichner 1, Bergmann 1, Brauer 1, Brenner 1, Buchbinder 1, Conditor 1, Färber 1, Hascnhaarschnelder 1, Heizer 1, Kaufleute 4, Kesselschmiede 1, Maurer 3, Metzger 1 , Porzellanmaler 1 , Sattler 2, Schlaffer 5, Bau- und Maschinenschlosser 2, Schneider 5, Schuhmacher 1, Spengler 1, Schreiber 1, Steindrucker 1, Schriftsetzer 1 , Steinhauer 1, Schmiede 1, Schreiner 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 3, BermeffungSgehtlse 1, Weber 1, Zimmermann 2. Gearbeitet wurde an 2396 Tagen, hierunter an 490 Tagen für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 2763 Tagen. Im Monat November wurden entlaffen 10 Mann, und zwar in Stellung durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 6, arbeitsunfähig 1, wegen Arbeitsscheue 2. Seit Bestehen der Colonie sind aufgenommen worden im Ganzen 2389, dagegen abgegangen im Ganzen 2279 Mann, bleibt Bestand am 30. Novtrnber 1893: 110 Mann.
Bad Nauheim, 30. November. Man schreibt der „Darmst. Ztg." : Mit dem heutigen Tage hat der Senior unserer Aerzte, Herr Geheime Medicinalarzt Dr. Friedrich Bode I., fein 82. Lebensjahr m bewundemSwerther körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische vollendet. Zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche liefen von allen Seiten, sogar vom fernen Calcutta ein, wo seine Enkeltochter Mlt ihrem Gatten augenblicklich weilt. Den Vormittag wurde daS HauS von Gratulanten nicht leer, die dem Jubilar ihre herzlichen Glückwünsche brachten und gelegentlich den reichlich außgeftattettn Geburtstagstisch bewunderten. Möge der allverehrte GreiS, dem unsere Heilanstalt wesentlich ihre stetige (frvronflung und immer wachsende Bedeutung verdankt, noch recht viele Geburtstage zu erleben haben.
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vermischtes.
* Frankfurt a. M., 2. December. Heber einen Todesfall durch elcctrifchen Strom geht der „Frkf. Ztg.* folgende Darstellung zu: Zwecks Ausführung einer Arbeit an der von der Centrale deS ElectricitätSwerkeS Bockenheim i nach dem Fabrikviertel daselbst führenden Freileitung waren gestern, in Gegenwart von Monteuren der Firma W. Lah- ' meyer & Co., Leute eines Bockenheimer Weißbindermeister- ; mit der Aufstellung deS hierfür erforderlichen Gerüstes be- | fchäftigt. Der bei Herrn Z mmermeister Ambron beschäftigte l Lehrling Fritz Bach aus Eschborn, der den Monteuren zu Handreichungen beigegeben roar, bestieg trotz vorheriger Warnung seitens ber Monteure, die ihn wiederholt auf die Gefährlichkeit der Starkstromleitungen aufmerksam gemacht hatten, die oberste Dielenlage des aus drei üoereinanderliegenden Bodenlagen bestehenden Gerüstes, trat hierbei auf einen der Starkstrom- drähte und griff, vermuthlich infolge eines erhaltenen Schlages, nach einem Stützpunkt, wobei er sich mit der einen Hand an einem Starkstromdrahte und mit der anderen an einem niedrige Spannung führenden Drahte festhielt. Auf feine Hilferufe eilten ihm ein auf der gleichen Plattform befind- licher Hilfsmonteur und der auf dem zweiten Stockwerk des Gerüstes anwesende Monteur sofort zu Hilfe, doch gelang eS diesen beiden Leuten erst nach einigen Bemühungen, den von dem Starkstrom durchfloffenen Lehrling von den Drähten loSzureißen. Der fast im Augenblicke deS eingetretenen Un- falleS zufällig des Weges kommende Arzt, der, hinzugerufen, sofort Wiederbelebungsversuche vornahm, hatte leider hiermit keinen Ersolg, konnte vielmehr nur noch den bereit- einge- tretenen Tod feststellen.
* Elberfeld, 2. December. Von vier kleinen Kindern deS Fabrikarbeiters Karl Dreesen, die ohne Aufsicht in der Wohnung zurückgelafsen waren, spielte heute Morgen ein» mit Feuer, dieses entzündete die Kleider und die Eommode und sämmtliche Kinder erstickten, ehe Hülfe zur Stelle war.
* München, 28. November. In dem düsteren, von weiten Forsten umgebenen Waldschloß Fürstenried, daS, etwa l1,, St. von München entfernt, die Residenz deS unglücklichen König- Otto von Bayern ist, hat ein Lieutenant vom Infanterie- Leibregiment sich erschossen. Schloß Fürstenried hat eine militärische Bewachung von einer Halbcompagnie. vor Kurzem bezog auch der Lieutenant Leopold N. vom Jnfantene- Leibregiment die Schloßwache mit seiner Halbcompagnie. Acht Tage dauert diese Wache, sie gleicht für junge Offiziere einer Verbannung, und der erschütternde Anblick deS geisteskranken Königs verschärft das Gefühl der Verbannung und Einöde. Der junge Lieutenant verminderte diese LoWgeweile durch romantische Spaziergänge in den nahen Forsten, wovon Kunde beim Regiment eintraf. DeS schweren militärischen Vergehens der eigenmächtigen Entfernung von der Woche angeklagt, sollte Lieutenant N. dieser Tage vor cem Militärbezirksgericht verurtheilt werden. Er erschoß sich vorher.
• Eine grausame That hat in der Nacht vom DienStag auf Mittwoch die in Baden - Baden wohnhafte Frau de» Agenten Sch. auS Rastatt verübt. Sie lebte von ihrem Ehemann getrennt und sollte den 6 Jahre alten Sohn an den Ehemann abtreten - um die- zu vereiteln, ermordete sie den armen Knaben, indem sie Nachts die Ofenrohre verstopfte, jodaß sich die Kohlengafe tm Zimmer entwickelten und da- Kind nach einigen Stunden schlafend erstickte. Nach begangener That wollte sie sich die Pulsadern öffne», wurde jedoch bemerkt und nach ihrer Verhaftung in da- Krankenhau- überfübrt.


