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Schneidemühl, 2. December. Trotzdem der Wall um 'den Unglücksbrunnen nach allen Seiten hin weiten Umfang hat, findet der Ausfluß des Wassers nach wie vor durch die Sandaufschüttung statt, so daß sich mehrere Pfützen gebildet haben. Nach der Kleinen Kirchstraße zu wurde der Sandwall noch mit einer dicken Lehmwand umgeben. Um einen klaren Abfluß des Wassers zu ermöglichen, sind mehrere Drainagerohre gelegt worden.

* Spandau, 2. December. Ein Mann, anscheinend den besseren Ständen angehörig, beraubte am Postschalter eine Dame. Er entriß ihr eine Summe von etwa 1000 Mk. und entkam im Dunkel der Nacht.

* Die Bezeichnung als Socialdemokrat ist eine Beleidigung, so hat daS Schöffengericht in Ratibor erkannt und den Arbeiter B., welcher den Gastwirth G. einen Socialdemokraten genannt hat, zu 30 Mk. Geldstrafe verurtheilt.

* Der Erfinder des Dynamits. So oft irgend ein anarchistisches Attentat verübt wird, ist dabei von Dynamit die Rede; dagegen erinnert man sich nur selten des Mannes, der das schreckliche Mittel erfunden hat, um es in den Dienst der modernen Technik zu stellen, nicht aber, um den Desperados eine grauenhafte Waffe in die Hand zu geben. Dieser Erfinder ist Herr Alfred Nobel, ein schwedischer Ingenieur. Wie der PariserFigaro" in einem ausführlichen Artikel über Nobel erzählt, führt dieser ein ebenso behagliches wie idyllisches Dasein. Den Winter verbringt er in seiner von Blumen umduftenden Villa in San Remo und arbeitet dort nach Belieben in seinem Atelier, wobei er allerdings Gefahr läuft, sich täglich in die Luft gesprengt zu sehen. Im Sommer bezieht er einen Berg in der Schweiz oder macht an Bord seiner aus Aluminium errichteten Aacht eine Meerfahrt. Zu­weilen kommt er nach Paris, um in seinem nächst dem Bois de Boulogne gelegenen Hause einige Tage zu verweilen, so lange ihn eben dringende Geschäfte dort festhalten. Dann -verschwindet er aber wieder für so lange als möglich, denn er verträgt den Lärm und die schlechte Luft der Großstädte nicht, er hat nicht Weib und Kind; seine ganze Verwandtschaft besteht in einem Neffen, der an der Küste des Kaspischen Meeres riesige Petroleumgruben besitzt. Außer der Chemie ist es der Friede, der den Erfinder des Dynamits am meisten beschäftigt. Nobel gehört zu den eifrigsten Mitgliedern derGesellschaft der Friedensfreunde". Sein Ideal ist, den Krieg so schrecklich zu gestalten, daß er zur Unmöglichkeit würde. Jeder soll die Mittel erhalten, seinen Nachbarn ^u vernichten, ohne daß dieser der Vernichtung ausweichen könnte.

* Versöhnt. Vor einem Erbbegräbniß des Luisenkirch- yofes in Berlin stand am Nachmittage des Todtensonntages <26. November) bei strömendem Regen eine schlicht gekleidete Frau, an der Hand einen etwa fünfjährigen, blondgelockten «naben, der in seinem leichten, durchnäßten Röckchen vor Frost zitterte. Ein einfaches Kreuz, mit farbigen Papier- blumcn geschmückt, das innerhalb des Gitters, in der Nähe eines der Grabhügel niedergelegt war, gab Zeugniß, daß in

diesem Erbbegräbniß wohl rheure Angehörige der Trauernden ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Im Begriff, sich zu ent­fernen, sahen sich Mutter und Kind plötzlich einem eleganten Herrn gegenüber, der bei ihrem Anblick stutzig wurde und dann in die Worte ausbrach:Elsbeth, T)u hier?"Ja, Ernst!" kam es zögernd von den Lippen der Frau, worauf der Knabe, die peinliche Pause unterbrechend, fragte:Du bist wohl mein Onkel Ernst, von dem Mama immer erzählt hat?"Jawohl, mein Junge, der bin ich!" bestätigte der stattliche Fremde, entledigte sich des mitgebrachten pracht­vollen Kranzes und führte, nach einigem Hin- und Herreden, die abgehärmte weinende Frau mit dem Knaben von dannen. Den' Zeugen dieser Scene, die sich in allerlei Ver- muthungen über den Vorgang ergingen, erklärte ein dem Arbeiterstande angehöriger Mann, der das Grab seines Kindes besucht hatte, daß der Herr und die Frau Geschwister und die Kinder seines verstorbenen Brodherrn wären, gegen dessen Willen Fräulein Elsbeth vor sieben Jahren einen Buchhalter ihres Vaters, der mehr auf den Rennplätzen, als in dem Comptoir gewesen sei, geheirathet habe.Jedenfalls," so schloß der Erzähler,hat der propre Musje Fräulein Elsbeths Vatertheil auch schön allegemacht."

* Die reichste Universität der Welt wird in nicht allzu langer Zeit die Stanford-Universität in Kalifornien sein, welche von dem verstorbenen Senator Leland Stanford ge­gründet wurde. In den Vereinigten Staaten fehlt es ohnehin nicht an Universitäten, die sehr reich sind. So besitzt z. B. die Columbia-Universität ein Anklagecapital von 2 900 000 Doll., Harward 2 000000 Doll., Aale 2 000000 Doll., die Cali­fornia 1400 000 Doll, und die John Hopkins 6 000 000 Doll. Demnächst wird die Stanford-Universität ein Capital von 40 000 000 Doll, besitzen, welche Summe ein jährliches Einkommen von etwa 2000000 Doll, abwerfen wird. Die geeignete Verwendung dieser großen Mittel beschäftigt jetzt schon die beteiligten Kreise in den Vereinigten Staaten.

* Das Alter der Erde. Gelehrte der Ver. Staaten be­rechnen nach Messungen der Niederschläge des Mississippi, daß zur Bildung von 1 Fuß Sedimenten 6000 Jahre nöthig seien. Da die Dicke der Sedimente am Obernsee mindestens 50 Meilen beträgt, so würde obige Annahme eine Periode von 1500 000000 Jahren zu ihrer Bildung voraussetzen. Der Geologe W. Marcyll gelangt nach seinen Berechnungen zu dem Schlüsse, daß das Alter der Erde auf fünf Billionen Jahre angegeben werden kann. (???)

Spielpia» der vereinigten frankfurter Ltadttheatrr.

Opernhaus.

Dienstag den 5. December: Figaros Hochzeit. Mittwoch den 6 December: Drittes Abonnements Concert, unter Mitwirkung der Frau d'Albert-Carenno. Donnerstag den 7. December: Der fliegende Holländer. Freitag den 8 December geschlossen. Samstag den 9. December: Oberon. Sonntag den 10. December, Nachmittags 3V> Uhr: Orpheus. Abends 7 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor.

j Schauspielhaus.

Dienstag den 5. December: Der eingebildete Kranke. Militärfromm. Mittwoch den 6. December: Kaufmann von Venedig. Donnerstag den 7. December: Charleys Tante. Vorher: Millionär a. D. Freitag den 8. December: Die slchöne Helena. Samstag den 9. D»cember: Auf Triburg und Rodet. Sonntag den l0. December: CbarleyS Tante. Vorder: Millionär a. D. Montag den 11. December: Auf Tribue, und Rodek.

verkehr, Land- und Volkrrvirthschast.'

»rürrber-, 2. December. Fruchtpreise. Weizen 14.90, Korn JL 13,70. Gerste jH 13.60, Hafer Jt 16,10, Erbsen 00,00, Linsen 00,00, Wicken A 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln JL 00,00* Samen JL 00,00. '

- Pommersche Hypotheken - Netter» - Bank. Wie aus dem Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 2. Januar 1894 fälligen Pfandbrief - Coupons bereits vom 15. December er. ab eingelöst.

Literatur und Ifanft.

Eine hübsche WethnachtSgabe für die Jugend beiderlei Geschlechts ist der im Verlage von Franz Go erlich in BreSlau in Lexiconformat erschienene, von uns bereits mehrfach empfohlene Jugendfreund. Jllustrtrte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung." Von Max Hübner. Für den erstaunlich billigen Preis (inPracht­band 3 Mk.) wird ein reicher und gut gewählter Stoff an Er­zählungen allgemeinen Inhaltes, an Lebmsbtldern, geschichtlichen Erzählungen, Schilderungen aus der Länder- und Völkerkunde, Bilder aus der Natur und allerlei Mannigfaltigem geboten, wie e« für eine Jugendzeitschrift paßt. Das junge Volk wird in dem reich­haltigen, mit zahlreichen Bildern ausgestatteten Bande vielerlei finden, was ihm Freude macht. ____________

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Airchliche Anzeigen der evang. Gemeinde.

Bibelstunde heute Montag Abend 8 Uhr im Confirman­densaale der Johanneskirche: Markus Cap. 9, Verklärung und Passion. Pfarrer Dr. Naumahrn-

Andachtsstunde am Mittwoch den 6. December, Abends 8 Uhr, im Confirmandensaal der Johanneskirche: Das Volk Israel zur Zeit Jesu. Pfarrer Dingeldey

Bei Influenza - Epidemien erweisen sich vorzugsweise »ay» ächte «odener-Mineral-Paflillen als etn ausgezeichnetes Linderungsmittel. Aufgelöst in süßer Mtlch wird durch sie die Hestigkett der catarrbalischen Affeclionen abgeschwächt, die Schleim­absonderung sehr begünstigt und dem Leidenden dadurch wohlthätige Erleichterung gewährt. Fays ächte Sodener Mineral- Pastillen sind in allen Apotheken, Drogerien- und ^tneratroaffer^ Handlungen ä 85 Pf per Schachtel zu baden.______________[9195

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Geißler, Gerichtsvollzieher.

Der Voranschlag der Gemeinde Geilshausen für 1894/95 l.eqt vom 5. bis 13. December an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen.

Geilshausen, am 2. December 1893.

Großherzogliche Bürgermeisterei Geilshausen. Pfeifst________________

Gießen, den 4. December 1893. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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Der Voranschlag der Gemeinde Steinheim für 1894/95 liegt vom 6. d. M. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei Bureau dahier offen.

Steinheim, den 4. December 1893.

Großherzogliche Bürgermeisterei Steinheim.

des Allgem.Pereinssiir Armen- u. Krankenpflege

im Schulhaus der Stadtmädchenschule (Westanlage).

Es sind noch einige Stellen zu besetzen. Anmeldungen werden Vor­mittags zwischen Vz9 und J/2l Uhr im Local selbst entgegen genommen- 10015 Der Vorstand: Schlosser.

Generalversammlung

der RestaurationPostkeller" statt.

Zu wählen sind: 40 Arbeitgeber, 80 Arbeitnehmer.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden gebeten, an derselben Theil

nehmen zu wollen.

Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, ihre Arbeiter, welche voll­jährig sind, zum Erscheinen veranlassen zu wollen. [10008

Der Vorstand.

Bekamttmachrmg.

Samstag den 9. d. M., Abends 8 Uhr, findet General- Versammlung des Creditvereins zu Heuchelheim (E. G. m. u. H.) bei Wirth Heinrich Volkmann I. dahier statt.

Tagesordnung:

1. Bekanntgebung einer Geschäftsübersicht.

2. des Revisionsberichts.

3. Wahl eines Rechners.

4. Ergänzungswahl des Aufsichtsrathes.

Heuchelheim, am 4. December 1893.

10007 Der Aussichtsrath:

Heinrich Volkmann II., Vorsitzender.

Ortskrankenkasse Gießen.

Zur Vornahme der Wahl der neuen Vertreter, § 37 des Kranken­versicherungs-Gesetzes, sowie § 50 des Kassestatuts, und Wahl des Aus­schusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres, sowie Ersatz­wahl des Vorstandes findet

Montag den 11. December 1. I., Abends 8V2 Uhr

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Köln (linKsrh.)-Bberhrssischcr ^+++^++4«+++l++l+++++++++++ J Bei Beginn der langen Winterabende + J versehe man sich mit Lesestoff aus:

+ Engelhorns Allgemeine Romanbibliothek. +

r . Verkehr.

Revision der Quittungskarten der unständigen Arbeiter ( 2lm 1 December ds. Js. gelangt für betrestend. rubricirten Verkehr ein neuer Gütertarif

sttmmungen zu der Verkehrs - Ordnung die Genehmigung der Landesaussichts- bebörde erhalten haben.

Nähere Auskunft ertheilen die Güter­abfertigungsstellen.

Gießen, den 29. November 1893.

Großh. Direktion [10005 der Oberbessischen Eisenbahnen.

Mittwoch, 6. December,

Nachmittags 2 Uhr,

werden im Bieker'schen Saale ver­steigert :

1 Kletderschravk, 1 Commode, Bilder, 1 Nähmaschine, 2 Hobelbänke, eine Parthte Gold- und Antikleisten u. a.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß in den nächsten1 Jn Jtnft, in i

Tagen eine Revision der Quittungskarten der unständigen Arbeiter durch den Stationen der tttefeiUt

lernen Beamten der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt vor- Eisenbahn ausgenommen worden sind, genommen wird. |. Bemerkt wird ausdrücklich, daß die in

Die unständigen Arbeiter werden daher aufgefordert, zur Vermeidung *?cm Tarif enthaltenen besonderen Be. von Weitläufigkeiten in den nächsten 14 Tagen ihre Quittungskarte ständig bei sich zu führen und auf Erfordern dem revidirenden Beamten vorzuzeigen.

Die Arbeitgeber machen wir hierbei unter Hinweis auf die bestehen­den Strafvorschriften wiederholt darauf aufmerksam, daß die Arbeit­geber dafür verantwortlich sind, daß für die Woche, in welcher eine Be­schäftigung von unständigen Arbeitern stattfindet, bezw. stattgefunden hat, eine Versicherungsmarke eingeklebt und durch Aufschrift des Datums kassirt werden muß. Etwaige bisherige Versäumnisse in dieser Beziehung werden sofort nachzuholen sein.