Ausgabe 
5.11.1893 Erstes Blatt
 
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5 yfc 26t Erstes Blatt. Sonntag den 5. November

1893

VietteljLhrlgcr

Kenerat-Mnzeiger

Amts» unb Anzeigeblatt für den Ureis Greffen

Hratisbeikage: Hießen er Aamitienölatier

Amtliche« Theil

zu

Feuilleton

Kaufes

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Der Vertreter erzählte nun Folgendes:Der Maschinen-

Sie geben mir

bin ein Narr.

Alle Annoncen-Burcaux bei In» und Äuilonbei nehmen Anzeigen für brnGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu btt Nachmittags für bm «Agenden Lag erscheinenben Nummer bis Borm. 10 Uhr.

mit Ich

Nr. 36 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. M., enthält:

(Nr. 2131.) Verordnung, betreffend die Einberufung Vt Reichstags. Vom 28. October 1893.

(Nr. 2132.) Bekanntmachung, betreffend Berichtigung her i»em internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahn- chachtverkehr beigefügten Liste. Vom 13. October 1893.

(Nr. 2133.) Bekanntmachung, betreffend die Verein- larung erleichternder Vorschriften für den wechselseitigen Ver­ehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands und Luxemburgs. Aom 14. October 1893.

Gießen, den 4. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

«Gefunden: 1 Spazierstock, 1 Elfenbeingriff von einem Schirm, 1 Hundehalsband, 1 Mistgabel, 1 Handschuh, 2 Taschen­tücher. 3 Halstücher, 1 großes graues Tuch und 1 Schürze.

Zugelaufen: 1 Dachshund.

Gießen, den 4. November 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Der fkfraer Anzeiger erfteint täglich, M Ausnahme bei Montag«.

Geehrter Herr!

Anweisung auf 100 Mark und Anzeigen-Austrag folgen nächster Post. Beantworten Sie alle Anfragen selbst.

rttiliece."

_ Run wurde ein förmlicher Vertrag ausgefertigt, mtter- ifyiet und der entlegene Platz, an dem die bewußte Zeile

H."

Zeitungsleser hatte die versteckte Zeile gesehen und einen Freund des Bankiers darauf aufmerksam gemacht. Dieser hatte natürlich den Bankier davon unterrichtet, der an sich etwas argwöhnisch war, auch nicht annehmen konnte, daß eine Zeitung von solchem Ansehen eine derartige Anzeige ohne guten Grund ausgenommen haben sollte. Der Bankier eilte sofort nach dem Geschäftslocal H. und forderte Aufklärung, die ihm weder der Buchhalter, noch Frau H. geben konnten, da Beide nicht unterrichtet waren. Darauf wollte der Bankier H.'s augenblickliche Adresse wissen, die ihm jedoch aus Ge- schäftsrllcksichten verweigert werden mußte. Der infolge deflen aufgeregte Bankier verließ nun das Comptoir mit Drohungen. Der Vorfall verbreitete sich sehr schnell und H. wurde schon als Durchbrenner, Schuldenmacher und dergleichen bezeichnet. Die Folge war ein solcher Andrang von Gläubigern, die in unverständigster Weise ihre Forderungen geltend machten, daß das Geschäft in Gefahr war. Nachdem H. diesen Bericht seiner Frau angehört hatte, ging er zu seinem Schreibpult, auf welchem er verschiedene Anfragen wegen der verdächtigen Zeile fand. Ein Brief kam vom Herausgeber der betreffenden Zeitung und enthielt fünf solcher Zuschriften.

Als der Zeitungsverleger am nächsten Morgen sein Ge­schäftslocal betrat, fand er folgenden Brief vor:

Die Sendung kam dann auch an, die nöthigen Auskünfte wurden sofort gegeben und dadurch der Credit H.'s wieder hergestellt und sein Geschäft vor weiteren gefährlichen Folgen bewahrt.

Nun," sagte der Zeitungsvertreter,ich verlange nicht, daß Sie meine Geschichte glauben sollen, aber wenn Sie daran Zweifel hegen, so bin ich bereit, Ihnen den gleichen Vorschlag zu machen, wie er s. Z. Herrn H. gemacht wurde. Wenn Sie darauf nicht eingehen, sind Sie moralisch verpflichtet, mir den Auftrag zu geben."

Der Auftrag wurde ertheilt.

Gießener Anzeiger

stehen sollte, von Herrn H. selbst ausgesucht. Darauf fuhr H. vergnügt nach Hause, um eine kleine Reise anzutreten, die ihn eine Woche von S. fern halten sollte. Dies war Freitag, und Samstag erschien die Zeile zum ersten Male. Montag Nachmittag erhielt H. folgende Depesche von seinem Buch­halter :

Kommen Sie schnell zurück- keinen Augenblick versäumen!

Er war höchlichst überrascht und bestürzt und wußte erst nicht, ob er fahren sollte, denn er stand eben in sehr wichtigen, geschäftlichen Unterhandlungen. Aber wenige Augenblicke später lief eine zweite Depesche ein von seiner Frau:

Komm sofort heim, große Gefahr!

und infolge dessen benutzte er den nächsten Zug zur Heim- reise. Ich will die aufregende Ungewißheit nicht beschreiben, deren Beute H. unterwegs war. Als er in S. ankam, fuhr er sofort in sein Geschäft, das er gerade noch vor Schluß erreichte, um die Ursache dieser Verwirrung zu entdecken. Hier erfuhr er, daß seine Bankiers umgehende Deckung seiner Verbindlichkeiten oder hohe Sicherstellung verlangt hatten. Andere Gläubiger hatten aufgeregt ihr Guthaben gefordert, und einige von ihnen hatten H. als Ausreißer und Schulden­macher bezeichnet. In diesem Augenblick kam seine Frau in völliger Auflösung herein und gleich darauf folgte der Ver­treter der Bank mit finsterer Miene. Herr H. glaubte toll zu werden, als der Bankbeamte ihm die Zeitung mit der bewußten Nonpareille-Zeile vor Augen hielt, und er fing an, den abgeschlossenen Vertrag zu bereuen. Dann brach er in ein homerisches Gelächter aus, welches den Bankbeamten vor Zorn außer sich brachte. Als er darauf die Geschichte klar legte, klang dieselbe dem Beamten so unglaubwürdig, daß dieser nur noch argwöhnischer wurde und fortging, um sich in der Expedition nach der Wahrheit zu erkundigen. Ehe H. sein Geschäft schließen konnte, mußte er noch stundenlang Gläubiger abfertigen, welche die Kasse belagerten und in ver­letzender Weise ihr Guthaben forderten.

Als er dann allein war und sich sammeln konnte, theilte ihm seine Frau mit, wie dies Alles gekommen war. Ein

welligen Börsensteuer auf 5 Millionen über den jetzigen Er­trag der Börsenftcuer und der Ertrag aus der Frachtbrief­stempelsteuer auf 10 bis 12 Millionen Mark veranschlagt. Ueber den muthmaßlichen Ertrag der erhöhten Lotteriestempel­steuer und der Quittungssteuer liegen noch keine Angaben vor.

Berlin, 3. November. Die Eröffnung des Reichs­tages wird am 16. dsS. Mts. Mittags im Weißen Saale des hiesigen Königlichen Schlosses vollzogen werden. ES scheint die Absicht des Kaisers, den Eröffnungsact selber zu vollziehen, wieder zweifelhaft geworden zu sein. Die erste Sitzung soll um 1 Uhr Nachmittags stattfinden/ In par­lamentarischen Kreisen beschäftigt man sich bereits mit der Frage der Präsidentenwahl. Die Wiederwahl des früheren Präsidiums (v. Levetzow, Frhr. v. Buhl, Dr. Bürklin) steht außer Frage.

Depeschen bc8 BureauHerold".

Berlin, 3. November. DieNordd. Allgem. Zeitung" erklärt die Annahme, daß in den deutsch-russischen Zollverhandlungen eine Unterbrechung eingetreten sei, für unbegründet. Sobald der Zollbeirath sein Gutachten über bestimmte Positionen abgegeben und die Delegirten- Conserenz darüber berathen haben wird, soll in der Berathung fortgefahren werden.

Berlin, 3. November. Der serbische Handels­vertrag ist dem Bundesrathe zugegangen.

Berlin, 3. November. DerReichsanzeiger" meldet, daß er, da die Choleragefahr beseitigt ist und nur noch vereinzelte Fälle vorkommen, von jetzt ab die Cholera­berichte zweimal wöchentlich, später nur einmal wöchentlich veröffentlichen werde.

nahm den animirtesten Verlauf. Bei der Tafel trank der Reichskanzler den Delegirten zu und zog sie nach dem Diner in eine längere, lebhaft geführte Unterhaltung. Reden wurden nicht gehalten.

London, 3. November. DemGlobe" zufolge ist Mitt­woch Abend auf dem mittelsten Bogen der Westminsterbrücke eine Dhnamitbombe im Gewichte von 7 Pfund gesunden worden.

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zur Mittagstafel. Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst SergiuS, welcher ä la suite deS Leibgarde-Regiments steht und dessen Uniform angelegt hatte, brachte in deutscher Sprache einen kernigen Trinkspruch auf das Wohl des Regiments aus. Die Musik spielte hierauf die hessische und die russische Hymne. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog und Se. Kgl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen kehrten nach Schluß des Hoftheaters in das Offizierscasino zurück und verweilten dort noch längere Zeit, sich in liebenswürdigster und zwanglosester Weise mit den Offizieren unterhaltend.

Berlin, 3. November. Die officiösen Blätter beginnen angesichts der herangenahten Reichstagssession erneut für die Reichsfinanzreform ins Zeug zu gehen. So schreibt u. A. dieBadtsche Correspondenz", daß mit bloßer Negation in dieser wichtigen Frage nichts gcthan sei, die Verneinung der neuen Steuervorlagen würde die Fortdauer eines unleid­lichen Zustandes, der Abhängigkeit der einzelstaatlichen Finanzen von der Reichsfinanzgebahrung auf unbestimmte Zeit bedeuten. Aus einer Ablehnung der Steuervorlagen würde sich für die Einzelstaaten die Nothwendigkeit einer beträchtlichen Erhöhung der birecten Steuern ergeben und folgerichtig auch eine stärkere Belastung der Volksmasse, als bei den Reichsstcuerprojecten. Der Reichstag werde nicht umhin können, zur Regelung des finanziellen Verhältnisses des Reiches den Einzelstaaten die Hand zu bieten. Diese Ausführungen des gen. Blattes sind gewiß zutreffend, wenngleich sie ja nichts Neues ent­halten , und auch der Reichstag wird sich schwerlich der zwingenden Nothwendigkeit der geplanten Reform verschließen. Aber die Schwierigkeiten liegen eben in der Art und Weise, wie die Regelung der Reichsfinanzen eingeleitet werden soll und daß da die vorgeschlagenen neuen Steuergesetze durch­gängig eine freundliche Würdigung im Parlamente finden sollten, erscheint schon jetzt höchst zweifelhaft.

Das Steuerbouquet, welches die verbündeten Regierungen dem Reichstage bei seinem Zusammentritte zu präsentiren gedenken, wird nach den jüngsten Mittheilungen hierüber aus der Tabakfabrikatsteuer, aus einer erhöhten Börsensteuer Verdoppelung resp. Verdreifachung der Stem­pelabgabe von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäften aus einer erhöhten Lotteriestempelsteuer, aus einer Frachtbrief­stempelsteuer und einer Quittungssteuer bestehen. Ungewiß ist es noch, wie es mit der geplanten Reichsweinsteuer wird. Der Ertrag aus der Tabakfabrikatfteuer wird auf 50 Millionen jährlich, derjenige aus der Reichsweinsteuer auf 10, nach an­deren Schätzungen auf !/i Million, derjenige aus der ander-

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 3. November. Das Diner beim Reichskanzler Ehren der russischen Delegirten zur Zollconferenz

HWndjen Auftrag, eine solche Zeile aufzunehmen, mit der ClMirung, daß Sie mich nicht für die Folgen verantwortlich raten wollen. Wenn Sie mich dann nicht innerhalb zwei Podien, vom Tage der ersten Einrückung an, selbst ersuchen, -.Zeile herauszulassen, zahle ich Ihnen 100 Mark. Im :!tren Fall geben Sie mir einen Anzeigen-Austrag für 2>) Zeilen." Lachend erwiderte der Fabrikant:Ich will ck allein Ihren Vorschlag annehmen, sondern mich noch rtc.rechten, 100 Mark Strafe zu zahlen, wenn ich die Wette

Werden Antigen gelesen?

(Frei nach ThePaper Trade" aus der Reclame.)

Sparen Sie Ihre Bemühungen," sagte der Kaufmann j jn dem ihn besuchenden Zeitungsvertreter.Sie können mich iiiif: überzeugen, daß Anzeigen gelesen werden. Ich habe

Die Gießener yeetfle*iri(f<t i*rtni dem Anzeiger Mtnihd) dreimal d rigelegt.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Herr kigmund Heichelheim zu Gießen an Stelle des auf fkiii Nachsuchen von dem Amte eines 1. Vorstehers der Israel. Religionsgemeinde zu Gießen entlassenen Herrn Meyer Hemberger zum 1. Vorsteher der genannten Religions- ymnnbe von uns ernannt worden ist.

Gießen, den 1. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 3. November. Se. Kgl. Hoheit der Groß- herzog, Ihre Kaiferl. HH. die Großfürsten Sergius M Paul v on Rußlan d, Se. Kgl. Hoheit Prinz Hein; rid) Don Preußen und Se. Durchl. Prinz Adolf von Zchaumburg-Lippe folgten gestern Abend 5 Uhr einer Einladung des Offiziercorps des Leibgarde-Regiments

Märt Seit dazu, und andere Leute auch nicht."

' entlassene Wenn ich Sie nun aber vom Gegentheil überzeugen

ftann, wollen Sie mir dann einen Auftrag geben?" fragte

Bringerloh«.

Durch die Post 2 Mark 50

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der, Abend ,Ja, wenn Sie mich überzeugen können, aber Sie

r werben gebeten, w es nicht," war die Antwort.

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fnürifont H. aus S. kam vor Kurzem in unsere Druckerei Her Vorstand lin| machte sehr nachdrücklich dieselben Einwände, die Sie Schlosser erheben haben. Der Chef hatte ähnliche Klagen verschiedene _LM zuvor anhören müssen, und sehr ärgerlich über die laute \ a 4 Ur des Fabrikanten sagte er:Herr H., ich jkönnte Ihre < (l V ll LHaupttmgen leicht widerlegen, aber ich habe es herzlich satt, I U V V hinüber noch ein Wort zu verlieren. Ich schlage Ihnen statt f tiefen vor, eine einzige Nonpareille-Zeile:

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M n-? unter Seit lang an der unauffälligsten Stelle abzudrucken, die

|er Alt ßhri- Mit in meiner Zeitung ausfinden können. C" w r » seitlichen Auftraa. eine solche .Reite aufzi

es Herein# auf sogleich bei Behm, Bruerel Röhr rtn ober iori Hemn!i tag-und «»Misch . halten.

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