Ausgabe 
4.7.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

entschieden, sodaß in Neustettin eine Nachwahl oorgenoirmen werden muß.

Der Bürgermeister Spieß von >schlett- stadt, Mitglied deS elsaß-lothringischen LandeSauSschusseS, ist seines Amtes enthoben worden. Ueber die Ursachen dieser auffälligen Maßnahme meldet der Telegraph noch nichts.

Ueber die Bildung einer antisemi tschen Fraction spricht sich derReichsherold", das Organ des Abg. Böckel, wie folgt auS:Sine Bereinigung aller bisher gewählten Antisemiten zu einer Fraction, m der Dr. Sigl, Liebermann v. Sonnenberg, Ahlwardt usw. vertreten wären, ist natürlich nicht denkbar, dagegen ist ein gemeinsames vorgehen in der Judenfrage nicht ausgeschlossen. Die sechs in Sachsen und die sechs in Hessen gewählten Antisemiten werden sich auf Grund deS reformirten Erfurter Programms zu einer deutschen Reformpartei vereinigen. Eine Fraction, deren ausschließ' licher Zweck der Kampf gegen das Judenthum ist, wäre un­möglich. SS ist zu hoffen, daß sich unserer Fraction noch drei Mann, wenn auch nur als Hospitanten, anschließen, damit ein selbstständiges Borgehen im Reichstage ermöglicht wird."

Berlin, 1. Juli. DieNorddeutsche Allgemeine" stellt gegenüber anderweitigen irrigen Meldungen über die deutsch- russischen Handelsvertrags.Verhandlungen Fol- gendeS fest: Die deutsche Regierung vertrat auf die An­regung Rußlands zu einer handelspolitischen Verständigung von Anfang an den Standpunkt, daß die Herabsetzung des gegenwärtigen russischen Zolltarifs bezüglich der wichtigen deutschen Exportartikel die nothwendige Voraussetzung für die Gewährung deS deutschen EonventlonaltarifS an Rußland bilde. Demenisprechend wurde im März der russischen Re« gierung eine Lifte der dieffeitS geforderten Zolltarifermäßig- ungen übermittelt. In der im April ergangenen Antwort Rußlands wurden einzelne Forderungen bewilligt, andere ab gelehm. Bezüglich einer größeren Reihe von Positionen wurden zwar Herabsetzungen a'geboten, aber in einem erheb- lich geringeren Umfange, als gefordert worden war. Die Mitte Juni überreichte Antwort Deutschlands bezeichnete die russischen Gegenvorschläge als nicht ausreichend, woraufhin die russische Regierung vor wenigen Tagen die Fortsetzung der Verhandlungen im Wege der commissarischen Berathung in Berlin vorschlug. Dies ist der gegenwärtige Stand der Verhandlungen. Alle entgegengesetzten Behauptungen, ins­besondere die Meldung, daß Rußland sich Deutschland gegen­über principiell geweigert hätte, den gegenwärtigen Zolltarif abzusetzen und baß seit April wettere Gegenvorschläge in Berlin eingcgangen seien, entbehren jeder thatsächlichen Be­gründung.

Berlin, 1. Juli. DaSColonialblatt" meldet: Dem Major Francois, sowie den ihm unterstellten Osfizieren und Mannschaften der kaiserlichen Schutztruppe ist die Aller­höchste Anerkennung für die erfolgreiche Erstürmung von HoornkranS ausgesprochen worden.

München, 1. Juli. Der Geheime Rath Profeffor Dr. v. Pettenkofer nahm heute im festlich geschmückten RathhauSsaale die ihm anläßlich seines 50jährigen Docior- jubiläumS von den deutschen Universitäten, ärztlichen Körper­schaften, den bayerischen Behörden mündlich und schriftlich dargebrachten Glückwünsche, Adreffen und Diplome entgegen. Ihre Majestät die Kaiserin Auguste Victoria hatte einen tele­graphischen Glückwunsch gesandt, auch von Herzog Carl Theodor in Bayern, dem Statthalter von Elsaß-Lothringen Fürsten zu Hohenlohe, sowie dem StaatSsecretär Dr. v. Bötticher, dem preußischen Minister Dr. Bosse, dem Oberpräsidenten Dr. v. Goßler, sowie den Universitäten von Edinburg, Kasan, Kjew, Utrecht und der Akademie in Petersburg waren Glück Wunsch - Telegramme eingelaufen. München widmete dem Jubilar die goldene Bürgermedaille.

Hamburg, 1. Juli. In einer socialdemokratischen Partei- Versammlung wurde heute beschlossen, daß der Reichstags- abgeordnete Bebel die Wahl in Straßburg annehmen solle. Bei der hierdurch erforderlich werdenden Neuwahl in Hamburg soll Molkenbuhr als socialdemokratischer Candidat aufgestellt werden.

Ausland.

Wien, l.Juli. Infolge eines Wolkenbruchs ist das Flüßchen Bianka ausgetreten und hat die Stadt Biala über­schwemmt. Alle Brücken wurden fortgerissen, mehrere Per­sonen sind ertrunken.

London, 1. Juli. Die Polizei verhaftete zwei Anarchisten, Cantevell uud Jung, welche beschuldigt werden, Plakate ausrührerischen Inhalts in Verbindung mit der könig­lichen Hochzeitsfeier angeschlagen zu haben. Die Anarchisten haben für Sonntag eine Versammlung im Hydepark aus­geschrieben, um gegen die gelegentlich der Hochzeit des Herzogs von Kork zu Tage tretende Verschwendung zu pro- testiren.

London, 1. Juli. Wie derTimes" aus Malta be« richtet wird, hätte der mit derVictoria" untergegangene Viceabmiral Tryon sofort nach der Collision erklärt, dieselbe sei seine eigene Schuld. Zwischen den Schiffen sei nicht ge­nügend Raum gewesen, um das von Tryon angeordnete Manöver auszuführen. Contre Admiral Markham, an Bord desCamperdown", habe die Gefahr erkannt und gezögert der Ordre Folge zu leisten, als jedoch daraus Tryon signali! fine:Was macht Ihr?" habe Markham denCamperdown" vorwärts gehen lasien mit dem bekannten Resultat. In einem anderen Telegramm heißt cS: Wenn der Befehl ganz aus- geführt worden wäre, so hätten alle Schiffe des Geschwaders miteinander collidin.

Nottingham, 1. Juli. Das Geschäftshaus der Firma Heymann und Alexander ist vollständig abgebrannt. Der Schaden an Gebäuden und an Waaren beträgt 120000 Pfd Steel. 800 Arbeiter und Arbeiterinnen sind brodlos.

Neueste Nachrichten.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 3. Juli. Sine größere Anzahl der^remnntgen Vereinigung" zuneigender Politiker beschloß 'n gestriger Vor­besprechung, in der Veröffentlichung eines Aufrufs zur Bil- düng eines allgemeinen WahlvereinS auf der Grund- läge deS freisinnigen Programms von 1884 aufzufordern. Der Ausbau deS Programms soll einer späteren allgemeinen Generalversammlung überlasten bleiben.

London, 3. Juli. Em hiesiger Journal ,l wurde zu 50,000 Francs Schadenersatz wegen Ehrabschneidung gegen das englische OffiziercorpS verurtheilt.

CocaUs uttö

Gießen, 3. Juli 1893.

* Geheiwerath Prof. Dr. Wasierschleben. DieDarmst. Zrg." bringt über den am 27. v. Mts. hier verstorbenen Geheimerath Prof. Dr. Wasferschleben folgenden Nekrolog: Am 27. d. M's. starb hier an den Folgen eines Schlaganfalls Prosestor Dr. jur. et theol. Wasferschleben, vormaliger Kanzler der hessischen Ludwigs-Universität und ordentlicher Professor in der rechtswistenschaftlichen Facultät daselbst. 1812 zu Liegnitz geboren, machte Friedrich Wilhelm Hermann Wasierschleben, wie derBosi. Ztg." von hier geschrieben wird, seine juristischen Studien in Breslau und Berlin. Im Sommer 1836 promovierte er in Berlin mit der Arbeit Hiatoria quaeationum per tormenta apud Romanos zum Doctor. Im Winterhalbjahr 183738 habilitierte er sich hier als Privatdocent. An der Spitze der Berliner rechtSwisienschaftlichen Facultät stand damals Savigny; zu ihren Mitgliedern zählte von Lancizolle, Heffter, Klenze, Homeyer, Ganz, Rudorff. Der Zugang an jüngeren juristischen Lehrkräften war damals beträchtlich. Nahezu gleichzeitig mit Wasierschleben habilitierten sich auch seine Freunde Collmann und Häberlin, ihnen folgte alsbald noch Gneist. In den auf die Habilitationen folgenden Jahren veröffentlichte WasierschlebenBeiträge zur Geschichte der vorgralianischen Kirchenrechsquellen" (1839) und Reginoa (?) libri II de synodalibus cauaia (1840), auf Grund deren er im Sommer 1841 als außerordentlicher Professor nach Breslau berufen wurde. Von dort kam er 1850 als ordentlicher Professor nach Halle. In den Lehrkörper der Universität Gießen trat Wasierschleben 1852 ein. In den Jahren 18751883 be­kleidete er neben der Professur das Amt des Universitäts­kanzlers. Zuvor war er in Anerkennung seiner kirchenrecht- lichen Forschungen zum Doctor der Theologie ernannt worden. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Wasierschleben bewegen sich hauptsächlich in zwei Richtungen. Sie betreffen zu einem Theile daS Kirchenrecht, vornehmlich in historischer Hinsicht, zum anderen die deutsche Rechtsgeschichte. Zu Anfang seines selbstständigen Schaffens bevorzugte Wasierschleben das Kirchen- recht, später traten bei ihm die rechtsgeschichtlichen Forschungen mehr in den Vordergrund. Von seinen Forschungen der ersten Gattung sind zu nennen:Die Bußordnungen der abendländischen Kirche" (1851),De patria decretalium pseudoiaidorianarum (1843 beim Antritt des Breslauer Lehramtes),Beiträge zur Geschichte der pseudoisitorischen Dekretalen" (1844),Die evangelische Kirche in ihrem Ver- hältniß zu den symbolischen Büchern und zum Staat" (1843),Das Eheschließungsrecht kraft landesherrlicher Machtvollkommenheit" (1877). Von den anderen Veröffent­lichungen Wafferschlebens sii d zu vermerken:Juristische Abhandlungen" (1856),Die germanische Verwandtschasts- beziehung und das Prinzip der Erbfolge" (1864),Das Prinzip der Erbfolge" (1870). Besonders hervorzuheben ist noch WafferschlebensSammlung deutscher Rechtsquellen" (1860) undDie irische Kanonessammlung" (1874). Erstere ergänzte er noch im vorigen Jahre durch das WerkDeutsche Rechtsquellen im Mittelalter", das ein treffliches Zeugniß dafür abgiebt, daß sich der Verstorbene bis ins hohe Greisenalter die Schaffenskraft bewahrt hat. Aus Wassersch- lebens Thätigkeit als Gießener Universitätskanzler erwuchs die SchriftDie ältesten Privilegien und Statuten der Ludovicia," die 1881 als Universitätsschrift erschien. In den letzten Jahren übte Wasierschleben die Lehnhätigkeit nicht mehr aus.

** Militärisches. Oberst von Rosenberg ist am Samstag hier eingetroffen und hat das Commando über daS Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm übernommen. Gestern Abend traf Se. Excellenz der commandirende General des 11. Armeecorps, v. Wittich, hier ein. Derselbe besichtigte heute Vormittag die Bataillone des hiesigen Regiments.

** Militär-Coucert. Auf daS heute Dienstag Abend in SteinS Garten ftattfindende Concert der Capelle des Garde-Kürassier-Regiments auS Berlin sei hierdurch aufmerksam gemacht. ES findet nur dieses eine Concert hier statt. *

** Rudersport. Schöne Erfolge erzielte die Gießener Ruder-Gesellschaft auf der großenFrankiurter Regatta am 1. und 2. Juli. Den DamenpreiS im Einser gewann Herr Albert Rübsamcn in großartig überlegener Weise gegen Stöln, Ulm, Frankfurter Ruder - Verein, Sachsenhausen und Amsterdam, die Senior - Mannschaft im Vierer ging mit Mannheimer Gegnern nahezu gleichzeitig durchs Ziel, eine kaum denkbare Differenz von einer Fünftel Secunde brachte Mannheim den Sieg, acht weitere Vereine hatten sich außerdem zu dem betreffenden Rennen gemeldet. Die diesjährige Semor - Mannschaft bestand ihren ersten Start ebenfalls recht gut, sie wurde zweites Boot, ein Erfolg, mit welchem dte Herren umsomehr zufrieden sein dürften, als nur durch Einstellung eines nicht eingeübten Ersatzmannes der Besuch der frankfurter Regatta ermöglicht werden konnte.

{ , 7 ^"-Regatta auf der Lahu am 30. Juli sind folgende Meldungen etngegangen: Einser für Juniors- 1. Kuderclub Hamm, Hamm i. W., 2. RudervereinBrema"^ Bremen, 3. R.G.Sachsenhausen", Frankfurt a. M., 4. Kölner

Ruder-Verein 1877. Vierer, Wanderprei s der Stadt Gießen. 1. R.G.Germania", Frankfurt a. M., 2. Mamzer Ruder-Verein, 3. Gießener Ruder-Gesellschaft. Dollen» zweier fürJuniorS. 1. R.G Speyer, Speyer, 2. Ruder­clubHamm", 3. Ludwigshafener Ruderverein. Zweiter Vierer. 1. Ruder-Verein Gaffel, 2. R.G.Germania", Frankfurt a. M., 3. Mainzer Ruder-Verein, 4. Gießener Ruder-Gefellfchaft. 7. Doppelzweier ohne Steuer­mann. Keine Meldung. (Fällt aus.) Vierer für Juniors. 1. Kölner Ruder Verein 1877, 2. R.G.Ger­mania". Frankfurt a. M., 3. Mainzer Ruder-Verein, 4. Gießener Ruder-Gesellschaft, 5. Ruder-Club Frankfurt a. M. Einser. Lahn-Pokal." 1. Ruderclub Hamm i. W., 2. Ruder- Gesellschaft Gießen. Anfänger-Vierer. 1. Ruder-Verein Gaffel, 2. R.G.Sachsenhausen", Frankfurt a. M., 3. Kölner Ruder-Verein 1877. Zweiter Einser. 1. Kölner Ruder- Verein 1877. 2. R.G.Sachsenhausen", Frankfurt a. M., 3. Ruder VereinBrema", Bremen. Dollenvierer für Jun i orS. 1. Schweinfurter RuderclubFranken", 2. Gießener Ruder-Gesellschaft. Achter. Großherzogspreis. l.R.G. Germania", Frankfurt a M., 2. Ruderclnb Frankfurt a. M., 3. Ruder-Gesellschaft Gießen.

** DieTypographia Gießen" feierte am SamStag im Saale des Gaf6 Leib ihr Johannesfest und gleichzeitig das 25jährige Bestehen deS Vereins. Sämmtliche Prinzipale und ein großer Kreis geladener Gäste verschönten kas Fest durch ihre Anwesenheit. Dem Gründer deS Vereins, Herrn Emil Dörr, wurde ein Deckelglas mit entsprechender Widmung überreicht. Das reichhaltige Programm, bestehend in Fest­rede, GesangSvorträgen, Theater, Tanz rc. hielt die Theil- nehmer bis zur frühen Morgenstunde zusammen. Ein gestern bei herrlichem Wetter begangenes Waldfest schloß die Feier in würdiger Weife ab. Briefliche und telegraphische Glück­wünsche liefen zahlreich ein.

** Der Gießener Zilherclub (Wohlthätigkeits-Verein) ver­anstaltete gestern auf derSchönen Aussicht" ein Sommer­fest, das in jeder Beziehung auf8 Beste befriedigte. DaS rührige Comite des Vereins hatte in Arrangirung der Unterhaltungspiecen für Groß und Klein sein Möglichstes gethan, denn Kasperltheater, Ringwerfen, Tombola, Schieß­halle und ganz besonders der große Tanzplav waren stets dicht belagert. Durch die heiße Witterung kam auch die aufs Beste eingerichtete bayerische Bierhalle zu ihrer Geltung. Die Festmusik, welche in letzter Stunde noch durch die treff­liche Marburger Jägercapelle besetzt werden konnte, leistete ihr Bestes und befriedigte iu hohem Grade. DaS Fest ver­lief aufs Schönste und reiht sich den vom Verein schon ge­botenen würdig an. DaS finanzielle Ergebniß dürfte ein sehr günstiges fein, da nach oberflächlicher Schätzung minde­stens 1200 Personen den Festplatz belebten. Die gute Sache der Wohlthätigkeit kam Gebern und Empfängern zu Gute.

** Universitäts-Statistik. An den sämmtlichen 21 deutschen Universitäten, die Akademie zu Münster abgerechnet, sind im lausenden Sommer 28 053 Stndirende immatricuürt, gegen 28 053 und 28 625 in b n Sommersemestent 1892 und 1891; es ist also die Studentenzahl seit vorigem Sommer wenigstens nicht wieder gestiegen. Von den Facultäten zählt die evangelisch-theologische 3557 (gegen 3849 im vorigen Sommer), die katholisch-theologische 1386 (gegen 1345), die juristische 7712 (gegen 7400), die medicinische 8414 (gegen 8714), die philosophische 6984 (gegen 6744), von welch letzterer Zahl 2826 (gegen 2896) auf die philosophisch-philologisch- historischen und 2327 (gegen 2287) anf die mathematisch- naturwissenschaftlichen Diszip inen treffen. Von der Gesammt- zahl sind 26 129 (gegen 26 287 im Vorjahre) als deutsche Reichsangehörige und 1294 (gegen 1766) als Ausländer verzeichnet.

** Bischof Klein von Limburg, welcher sich bisher krank­heitshalber in Wildungen aufhielt, passirte am Samstag Nachmittag mittelst Salon-Krankenwagen auf der Rückreise nach Limburg die hiesige Station.

** Auch ein Zeichen des Futtermangels. Der infolge der großen Trockenheit eingetretene Futtermangel hat, wie feit Wochen beobachtet wird, einen großen Viehabfatz in unserem Vogelsberge zur Folge gehabt. Als Gradmeffer für die Verminderung des Viehftandes im Vogelsberge können die Viehtransporte auf den Eisenbahnen angesehen werden. In den Samstags auf Sonntag hier eintreffenden Zügen der Oberhessifchen Eisenbahnen laufen oft 13 bis 15 Vieh­wagen, die nach Frankfurt-Sachsenhausen weiterbefördert wer- den. Am vergangenen SamStag traf sogar ein Sonder- Viehzug auf der Linie Gteßen-Fulda ein.

** Der Getreidemarkt. Der deutsche Getreidemarkt hat sich durch die Gerüchte über baS angeblich unvermeidliche Scheitern der deutsch-russischen Handelsvertragsunterhandlungen erheblich beeinflussen kaffen. Es trat diese Beeinflussung durch ein An- ziehen der Preise für Weizen, Roggen und Hafer an den meisten Plätzen hervor, die unvortheilhaften auswärtigen Be­richte konnten dem gegenüber nicht zur Geltung kommen. Inzwischen ist aber von anderer Seite versichert worden, daß von einem Scheitern der deutsch-russischen Verhandlungen nicht die Rede fei, und da außerdem die meteorologischen Be­richte eine längere Regenperiode in Aussicht stellen, so trat gegen Ende der abgelaufenen Berichtswoche wieder eine ver­stauende Tendenz ein. Nur Hafer hielt sich im Allgemeinen noch, wobei offenbar der herrschende Futtermangel mit ein- wirkte. Notirungen an der Berliner Produktenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm von 154167 Mk. - Roggen von 142 bis 150 Mk., Hafer von 167180 Mk., Gerste von 123 bis 170 Mk.

-a- Boa der Lumda, 2. Juli. Am gestrigen SamStag wurde das Unheil des Provinzial-AuSschuffeS zu Gießen in Angelegniheiten der Nebenbahn Grün berg Londorf betreffs der von den einzelnen beteiligten Gemeinden zum Erwerb des Grund und Bodens für den Bau dieser Eisen­bahn zu leistenden Beiträge verkündigt. Die schwierige Auf-