Ausgabe 
4.7.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 154

Elftes Blatt.Dienstag öen 4. Juli

1893

Ter

Oiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS

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Die Gießener

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Gießener Anzeiger

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2lmtlid?er Theil.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen.

Ans den Lauf der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß.

Gießen, den 3. Juli 1893.

Der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen.

v. Gagern,

'_______________Provinzial-Director.____________________

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. Sep­tember Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unter­brochen.

Gießen, den 3. Juli 1893.

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

____v. Gagern. ______________

Bekänntmachung,

betr. Maul- und Klauenseuche zu Harbach.

Nachdem seit dem Erlöschen der Maul- und Klauenseuche in der Gemarkung Harbach Seuchenfälle nicht mehr auf­getreten sind, haben wir der Großh. Bürgermeisterei Harbach die Erlaubniß zur Ausstellung von Gesundheitsscheinen für Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine, die von Händlern ausgesührt werden, wieder ertheilt. Insoweit die bezeichneten Thiere von anderen Personen ausgeführt werden, bedarf es der Ausstellung von Gesundheitsscheinen nicht.

Gießen, den 1. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________v. Gagern.________________

Bekanntmachung,

betreffend Maul und Klauenseuche zu Hausen.

Nachdem in der Gemarkung Hausen seit dem Erlöschen der Maul- und Klauenseuche Seuchefälle nicht mehr auf getreten sind, haben wir der Großh. Bürgermeisterei Hausen die Er­laubniß zur Ausstellung von Gesundheitsscheinen für Rind- vieh, Schafe, Ziegen und Schweine, die von Händlern aus­geführt werden, wieder ertheilt. Insoweit die bezeichneten Thiere von anderen Personen ausgeführt werden, bedarf es der Ausstellung von Gesundheitsscheinen nicht.

Gießen, den 1. Juli 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

__________v. Gagern._____________________

Bekanntmachung,

betreffend die Schafräude zu Saasen.

Nachdem unter der Schafherde des Schäfers Becker in Saasen die Räude festgestellt ist, haben wir die betreffenden Schafe unter Sperre gestellt. Da die I. und III. Schafherde (Schäfer Johs. Döll in Saasen und Schäfer Heinrich Döll in Bollnbach) mit Räudekranken bezw. verdächtigen Thieren in Berührung gekommen und deshalb der Ansteckung ver- dächtig sind, haben wir die polizeiliche Beobachtung derselben verfügt.

Im Uebrigen verweisen wir auf unsere noch in Kraft befindliche Bekanntmachung vom 2. März 1893 Anzeiger 9kr. 38, wonach Schafe aus der Gemarkung Saasen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Genehmigung weggebracht werden.

Gießen, den 1. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________v. Gagern.__________________

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Echzell und Altenstadt.

Die Maul- und Klauenseuche zu Echzell und Altenstadt, Kreis Büdingen, ist erloschen.

Gießen, den 1. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Unterhaltung der Kreisstraßen betreffend.

Fuhrwerksbesitzern wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß sich auf der Kreisstraße Großen - BuseckAlten- Buseck eine Dampfstraßenwalze in Thätigkeit befindet.

Gießen, am 30. Juni 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld einen Vortragüber die zur Milderung der Futternoth dienenden Mittel" abhalten wird:

Samstag den 8. Juli 1893, Abends 8 Uhr, in der Hei- land'schen Wirtschaft zu Lich,

Sonntag den 9. Juli 1893, Nachmittags 3 Uhr, imSolmser Hof" in Hungen.

Zu diesen Vorträgen werden alle Mitglieder des land« wirtschaftlichen Vereins, der landwirthschaftlichen Localvereine und überhaupt alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und benach­barten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.

Gießen, den 19. Juni 1893.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. __________________________Jost^__________________________

Gießen, den 1. Juli 1893.

Betr.: Die Strafregister; hier die Nachweisungen der im 1. Halbjahr 1893 verstorbenen, seit dem 1. October 1882 bestraften Personen.

Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt

beim Landgericht der Provinz Oberhessen.

an sämmtliche Ortspolizeibehörden des Kreises Gießen.

Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis zum 1. August d. I. ohne nochmalige Erinnerung an mich einzusenden.

Jöckel.

Zum Zusammentritte des neuen Reichs­tages.

An diesem Dienstag tritt das soeben gewählte deutsche Parlament zu seiner ersten Tagung zusammen. Es ist unter dem Zeichen jener Frage gewählt worden, welche schon seit langen Monaten das politische Leben in Deutschland fast aus­schließlich beherrschte, unter dem Zeichen der Militärvorlage. Um die Lösung dieser so mannigfache seltsame Wendungen und Zwischenfälle aufweisenden Frage wird es sich denn auch im neuen Reichstage zunächst handeln und heißt es bereits bestimmt, die Militärvorlage werde ihm in einer dem Anträge Huene entsprechenden abgeänderten Gestalt zugehen. Nach der jetzt vollständig bekannt gewordenen Zusammensetzung des gegenwärtigen Reichstages zu urtheilen, kann wohl das Schicksal der Militärvorlage als gesichert gelten, sie wird höchstwahrscheinlich mit einer kleinen Mehrheit zur Annahme gelangen. Mit diesem parlamentarischen Votum wäre alsdann die so lange schwebende innere politische Krisis beigelegt.

Aber des jetzigen Reichstages harren selbstverständlich noch ganz andere Aufgaben, ist er doch nicht nur für eine kurze Frist, sondern für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt worden, in welchem jedenfalls die verschiedensten Fragen an ihn herantreten werden. Schon die nächste Wintersession wird ihm vermuthlich mancherlei wirtschaftliche, finanzpolitische und socialpolitische Probleme bringen und hierbei dürsten sich die tiefen Gegensätze, welche zweifellos im Schooße des neuen Parlamentes schlummern, bereits zeigen. Dieselben sind namentlich in wirthschaftlicher Beziehung vor­handen, und da kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß die muthmaßliche Mehrheit für die Militärvorlage nicht weiter Zusammenhalten wird, daß vielmehr größere oder kleinere Gruppen sich hierbei wieder von der buntscheckigen Coalition von Conservativen, regierungsfreundlichen Centrums­leuten, Nationalliberalen, gemäßigten Freisinnigen, Antisemiten u. s. w. absplittern werden. Schon die Frage der Deckung der Kosten der Heeresverstärkung dürfte erhebliche Meinungs­verschiedenheiten zwischen den einzelnen Parteigruppen Hervor­rufen, während daneben noch andere Streitobjecte in Form

der zu erwartenden weiteren Handelsverträge Deutschlands mit fremden Staaten auftauchen. Daß sich hierbei die widerstrebenden Elemente jener Majorität des nunmehrigen Reichstages, wie sie der Regierung in der Militärfrage voraussichtlich zur Verfügung stehen wird, wieder trennen, dies kann schwerlich bezweifelt werden, und die leitenden Staatsmänner desneuen CurseS" müssen dann zusehen, von welchen anderen Seiten ihnen genügende Unterstützung in den angedeuteten Fragen zu Theil werden wird.

Diese überaus unsicheren und schwankenden Mehrheits­verhältnisse im Reichstage von 1893 sind es vor Allem, welche die Weiterentwickelung der Dinge so unberechenbar erscheinen lassen. Viel, sehr viel wird es darum auf die Taktik und Geschicklichkeit besonders des verantwortlichen Leiters der Reichspolitik ankommen, von dieser parlamentari­schen Strategie wird es wesentlich mit abhängen, ob es dem Kanzler gelingt, die vielen drohenden Klippen in den parla­mentarischen Untiefen zu vermeiden. Aber auch die Volks­vertretung selbst muß das ihrige dazu thun, einen ersprieß­lichen Fortgang der Geschäfte, eine gedeihliche Weiterent­wickelung in den gesummten inneren Verhältnissen des Reiches zu ermöglichen. Soll jedoch dieses Ziel erreicht werden, so ist es für die parlamentarischen Vertreter der Nation uner­läßlich, daß sie kleinliche Fractions- und Parteiinteressen den Forderungen des Gesammtwohles unterordnen, daß sie sich nicht lediglich als Wortführer einer bestimmten politischen ober wirthschaftlichen Richtung aufspielen, sondern, wenn es Noth thut, auch einen freieren Blick und Verständiß für die Be­dürfnisse der Gesammtheit der Nation bekunden. Der neu­gewählte Reichstag weist ungewöhnlich vielsrisches Blut" auf, er enthält zahlreiche Männer, welche zum ersten Male in die parlamentarische Arena eintreten nun wohft vielleicht darf man von dieser Belebung des Reichstages durch frische Kräfte hoffen, daß sie eine Gesundung unserer parlamentari­schen Verhältnisse herbeiführt und hiermit einen gedeihlichen Fortgang der Reichspolitik gestattet. Jedenfalls wird aber gerade im neuen Reichstage ein größeres gegenseitiges Ent­gegenkommen zwischen Regierung und Volksvertretung, als in früheren Legislaturperioden, nöthig fein, soll keine verhängniß- volle Stockung in den gesetzgeberischen Arbeiten eintreten, und hoffentlich bekundet man auf beiden Seiten dieses Verständniß für die nun einmal bestehende Lage.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 1. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Oberst v. Rosen­berg, Commandeur des Infanterie-^Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116.

Berlin, 1. Juli. Der Kaiser traf im Laufe des Freitag Nachmittag von seinem jüngsten Aufenthalte in Kiel wieder im Neuen Palais bei Potsdam ein. Am 7. Juli tritt, wie nunmehr feststeht, der Kaiser seine Nordlandsfahrt von Kiel aus an, auf welcher ihn diesmal die Kaiserin be­gleitet.

Der neue Reichstag tritt am 4. Juli zum ersten Male zusammen, um vor Allem über die Militärvorlage und hiermit über die nun schon so lange bestehende innere politische Krisis zu entscheiden. In Hinblick auf die Zusammensetzung der neuen Volksvertretung kann wohl die Annahme der Heeres- vorlage als gesichert gelten, falls eben nicht unerwartete Zwischenfälle eintreten, sodaß jetzt die geplante Heeresreform endlich unter Dach und Fach kommen würde. Neben der Militärvorlage werden in der bevorstehenden ersten Session des jetzigen Reichstages vermuthlich noch einige kleinere Sachen zur Berathung gelangen, so z. B. der dem Bundesrathe bereits zugegangene Entwurf eines Verbotes, betr. die Aus­fuhr von Futtermitteln, welche gesetzgeberische Maßnahme mit dem gegenwärtigen Nothstand in der Landwirthschaft zusammen­hängt. Voraussichtlich wird die Session etwa drei Wochen beanspruchen, eine noch längere Dauer ist schon in Anbetracht der einen hochsommerlichen Character aufweisenden Jahreszeit nicht wahrscheinlich. Wie sich jedoch die Dinge im Reichs­tage nach Erledigung der Militärfrage weiter entwickeln werden, das bleibt noch sehr abzuwarten,- jedenfalls sind die Mehrheitsverhältniffe in der neuen Volksvertretung derartig unbestimmte, daß sich noch nicht die mindeste Vorausberechnung über den Verlauf der ferneren Tagungen aufstellen läßt.

Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Zimmer­mann, welcher in Dresden-Altstadt und in Alsfeld gewählt worden war, hat das Dresdener Mandat angenommen, dem­nach muß im Alsfelder Wahlkreise eine Nachwahl stattfinden. Weiter hat Ahlwardt, der in Arnswalde und in Neustettin gewählt worden war, sich für seinen bisherigen Wahlkreis