sociale Gesetzgebung zc. Professor Wagner stimmte diesen Ausführungen im Großen und Ganzen zu und führte auS, wenn die Abgeordneten v. Syriern und Graf Frankenberg mir allen Mitteln gegen die maßvolle, von großen socialen Gesichtspunkten getragene Finanzpolitik Miquels ankämpfen, so gehe daraus hervor, daß die wohlhabenden Klassen keine genügende ökonomische Bildung und kein genügendes Pflichtgefühl haben. (Beifall.) Stöcker erklärt, man müsse im Auge behalten, daß der jetzige GähruogSprozeß den Ent- wickelungsgang nehmen werde, daß die durch das allgemeine gleiche directe Wahlrecht durchgeführte politische Gleichstellung auch auf öconomischem Boden sich allmälig vollziehe. Nach längerer DiScussion tritt die Versammlung im Allgemeinen den Ausführungen Brauns bei.
Paris, 2. Juni. Nach einer den Blättern zugestellteu Mittheilung erhielt das Marineminifterium bisher keinerlei Nachricht über den Besuch eines russischen oder englischen Geschwaders in Brest gelegentlich der Reife CarnotS nach der Bretagne.
Petersburg, 2. Juni. In Gegenwart des Großfürsten Paul Alexandrowitsch, des Ministers des Innern und zahlreicher Würdenträger fand heute die Eröffnung der ersten altrussischen Hygiene-AuSstellung statt.
Depeschen de« Bureau »Herold*.
Berlin, 2. Juni. AuS guter Quelle wird gemeldet, der Deutsche Kaiser werde der am 6. Juli stattfindenden Hochzeit deS Herzogs von Aork mit der Prinzessin Mary von Teck beiwohnen. Auch der König von Griechenland und der Kronprinz von Dänemark werden an derselben theil- nehmen.
Berlin, 2. Juni. Nach der „Nationallib. Corresp." ist die Eröffnung deS Reichstags für den 4. Juli in Aussicht genommen.
Frankfurt a. M., 3. Juni. Bei einer gestern Abend in Bornheim stattgefundenen Versammlung, welche von dem nationalliberalen Wahlverein einberufen worden war, kam es infolge der wiederholten Störungen durch Zwischenrufe seitens der zahlreich anwesenden Socialdemokraten zu erregten Scenen und mußte die öffentliche Versammlung geschloffen werden. Ein zahlreiches Aufgebot von Polizei war anwesend, um Thätlichkeiten zu verhindern.
München, 2. Juni. Durch allerhöchste Entschließung vom 31. Mai wurde der gegenwärtige Landtag aufgelöst, der Termin für die Neuwahlen zum bayerischen Landtag, und zwar die Urwahlen auf den 5. Juli, die Abgeordnetenwahlen auf den 12. Juli anberaumt.
Brüssel, 2. Juni. Der „Patriot" theilt mit, Deutschland betheilige sich offiziell an der Antwerpener Ausstellung.
Lens, 3. Juni. Tausende von Flugblättern werden unter die Arbeiter vertheilt, worin die Belgier aufgefordert werden, Frankreich zu verlassen, wenn sie nicht eine Wiederkehr der vorjährigen Gewaltscenen Hervorrufen wollten. Die Ausweisung BaSlyS und LamentiuS auS Belgien werde gerächt.
Pari«, 3. Juni. Einige Blätter heben mit Genugthuung die von dem italienischen General Fabre gezeigte Zuvorkommenheit bei dessen Trinkspruch in Palestro hervor und billigen den Satz, worin er von den Schwesternationen Frankreich und Italien spricht.
Chicago, 3. Juni. Die Differenzen betreffs der Preisvertheilung sind beigelegt, nachdem die Jury ein ähnliches System angenommen, wie die Vertreter der protestirenden Staaten vorgeschlagen hatten. Die Entscheidung über Preisvertheilung liegt darnach in den Händen eines Comiloß internationaler Preisrichter, welches die Berichte deS mit der Vorprüfung beauftragten Preisrichters verwerfen und abändern kann. Auf Verlangen des Comitäs wurden von der amerikanischen PreiScommission drei oder mehr Preisrichter zur Vorprüfung ernannt.
der sein Zelt auf dem Marienplatz ausgeschlagen hat. Die Darbietungen der Gesellschaft sind sehr mannigfaltig und in ihrer Art vortrefflich, so daß der Beifall deS Publikums für jede Vorstellung gewiß ist. Die Gesellschaft weilt nicht zum ersten Male in unseren Mauern, sie hat sich schon früher die volle Gunst deS Darmstädter Publikums erworben. Mit dem Ende dieser Woche nehmen die Festlichkeiten zur Feier deS MozartvereinSjubiläums ihren Anfang, über den Verlauf berichte ich Ihnen das nächste Mal ausführlich. Der Verein hat riesige Anstrengungen gemacht, um in jeder Beziehung mit Ehren zu bestehen und bei dem trefflichen künstlerischen Ruse, dessen er sich überall erfreut, wird ein wohlverdienter Erfolg auch sicher nicht ausbleiben. Unter Leitung des bewährten Dirigenten, deS um das Kunstleben der Residenz wohlverdienten Herrn Richard Senff, wurde in den letzten Wochen eifrig geprobt und so können wir und von den in Aussicht gestellten musikalischen Genüssen daS Beste versprechen. — Mit einem Bericht über den heftig tobenden Wahlkampf will ich Ihre Leser, die von diesem Capitel wohl auch in Gießen gerade genug hören, verschonen. Jedenfalls sind alle Parteien sehr eifrig thätig, an Wahlagitationen läßt man eS von keiner Seite sehien, eS möchte eben gerne jede Partei für ihren Candidaten das vielumstrittene Mandat erobern. Friedlichere Vorbereitungen als zur Wahlschkacht trifft man zum großen mittelrheinischen Turnfest, von dem ich Ihnen schon öfters berichtete. Fast täglich gehen der Presse neue Mittheilungen über den Fortgang der rührig betriebenen Vorbereitungen zu- Darmstadt will sich der ehrenvollen Wahl zi m Festvrle durchaus würdig erweisen und bei der freundlichen Gesinnung unserer Einwohner für die edle Sache der deutschen Turnkunst und der bewährten Gastfreundschaft der Residenz scheint ein fröhlicher Verlaus deS für mehrere Tage berechneten Festes in sicherer Aussicht zu stehen. Z.
CocoUs unb LroVinzieller.
Gieße», 3. Juni 1893.
♦* 8oacert»erei«. DaS Kirchen-Concert, welches der (Sonern Verein alljährlich in Gemeinschaft mit dem akademischen Gesangverein veranstaltet, ist in diesem Jahre auf Mittwoch den 21. Juni gelegt worden. Bruchs „Glocke", welche zum ersten Male vor 12 Jahren hier zu Gehör gebracht wurde, erhielt also damit seine Reprise. DaS hochbedeutsame Musikwerk heute auf seinen besonderen Werth zu prüfen oder auch nur nochmals darauf hinzuweisen, ist wohl mehr als überflüssig, eS dürfte wohl kaum eine größere Musik- vereiniguNg geben, die nicht Bruchs „Glocke" wiederholt auf ihr Repertoire gesetzt hätte. DaS hier zu bemerken, ist jedenfalls die beste Empfehlung. Wir begrüßen diese Wahl mit aufrichtiger Freude, zumal wir auS bester Quelle wissen, daß alle Vorbereitungen sorgfältigst getroffen sind. Die SoliS liegen in bewährten Händen, Frau Strauß-Kurzwelly, Fräulein Kathinka Schäfer, H^rr Adolf Müller und Herr Julius Zarnecker werden die theils sehr umfangreichen SoliS auS- führen; alle vier Künstler sind erprobte Kräfte und speciell im Oratoriensach hochbedeutsam. Die Aufführung war ursprünglich für den 14. Juni geplant, die Concertleitung hatte jedoch Bedenken, am Vorabend des Wahlkampfes hervorzutreten. Am Tage vorher, am 20., wird die öffentliche Hauptprobe zu wesentlich ermäßigten Preisen abgehalten werden. Der Vorstand legt besonderen Werth darauf, auch den Schülern und Schülerinnen der höheren und der Stadtschulen den Besuch dieser Hauptprobe zu ermöglichen, sie hat daher für diese größeren und kleineren Herrschaften einen besonders niedrigen Preis in Aussicht gestellt und dürfte eß sich empfehlen, wenn die Herren Direetoren und Hauptlehrer sich schon jetzt mit Herrn Challier in Verbindung setzten. Schließlich möchten wir noch darauf Hinweisen, daß die Anzahl der zu vergebenden Sperrsitze eine verhältnißmäßig geringe ist und eine rechtzeitige Vormerkung lehr zu rathen wäre.
** Musik. Unsere Regiments-M usik, welche seit Dienstag von ihrer so erfolgreichen Concertreise aus Hamburg und Hannover zurückgekehrt tst, gibt morgen in SteinS Garten ihr erstes Coneert. DaS äußerst gediegene Programm, welches die bedeutendsten Novitäten bietet, verspricht den Liebhabern guter Militärmusik einen Kunstgenuß. Auf die vorzüglichen Leistungen unserer Regimentsmusik, welche an der Elbe und an der Leine so große Erfolge erzielten, sei hier nochmals aufmerksam gemacht und ist Steins Garten wohl der geeignetste Platz, in welchem der Kunstjünger den schönen Weisen der freien Musika lauschen kann.
* ♦ Das Personal Verzeichuiß der Großh. Hess. Ludewig«. Universität Gießen für das Sommersemester 1893 ist erschienen und zum Preise von 20 Pfg. in der UniversitätS-Buch- und Steindruckerei von Curt v. Münchow dahier zu beziehen.
* * In Sachen der Sonntagsruhe fand gestern Abend im Cafö Ebel eine privatim einberufene Bersammluug von hiesigen Ladenbesitzern statt, an welcher ungefähr 30 Personen, davon die Hälfte Inhaber von Colonialwaarengeschäften, theilnahmen. Der Zweck der Versammlung war nach einem von Herrn C. Orbig junior erstatteten Referate die Stellungnahme gegen das neuerlich erlassene, die Verkaufszeit von IP/a bis 3*/z Uhr feftsetzende Ortsstatut. Sowohl aus dem EingangS- referat wie aus der darauf folgenden Besprechung ging hervor, daß die Mehrheit der Erschienenen mit dem neuen OrtSstatut nicht einverstanden ist,' die Versammlung hielt das Oeffnen der Ladengeschäfte um 11 Uhr deshalb für nöthig, weil dies nicht nur dem kaufenden Publikum erwünschter sei, sondern auch weil ein späteres Oeffnen nach den bisherigen Erfahrungen die Ladenbesitzer in hohem Maße schädige. Eine in diesem Sinne ausgearbeitete, dem Stadtvorstande zu unterbreitende Petition wurde nach einigen Abstrichen und Aenöerungen angenommen; in derselben wird Festsetzung der Verkaufszeit auf die Stunden von 11 bis 3 Uhr verlangt. Ein Antrag auf die angeblich von der Mehrheit der Ladenbesitzer gewünschte Wiedereinführung der Vormittags - Verkaufszeit (V28 biß 9 Uhr) wurde nur mit 5 Stimmen unterstützt und deßhalb die Ausnahme dieser Forderung in die Petition abgelehnt. Fast alle Anwesenden stimmten indeß darin überein, daß die Wiederherstellung des früheren Ortßstatuts mit der Verkaufszeit von 1/28 biß 9 und 11 biß 2 Uhr daß beste sei, daß aber von der jetzigen Stadtverordneten-Versammlung auf Annahme eineß dahin gehenden Antrageß vor der Hand nicht zu rechnen sei. Die Petition soll allen Geschäftsinhabern demnächst zur Unterschrift vorgelegt und im Falle deren Ablehnung durch den Stadtvorstand erfolgt, gegebenen Falls biß an Großh. Ministerium gegangen werden.
* * Da8 Gedicht an der Pumpe. Die an der Löwengasse resp. Tiefenweg dieser Tage wieder neu errichtete Pumpe war heute früh mit Laubgewinde und poetischem Gruß an ihre Nachbarschaft geschmückt.
- t- Gestern fanden in Conbor f und TreiS a. d.Lda. von dem freisinnigen Wahlcomitv einberufene gut besuchte Wählerversammlungen statt. In den bezeichneten Orten entwickelte Landtagßabgeordneter Metz in längerer, namentlich in Londorf von häufigen BetfallSbezeugungen begleiteter Ausführung daß Programm der freisinnigen Partei und ihreß Candidaten, indem er gleichzeitig auch die Programme der drei übrigen Candidaten beleuchtete. Redner versuchte nachzuweisen, daß von den 4 Candidaten, deren Wahl in Frage stehe, allein der Caudidat der freisinnigen Partei in genügender Weise den verfassungsmätzigen Grundsatz vertrete, daß der Abgeordnete nur daß Wohl der Gesammtheit im Auge zu behalten und nicht nur die Interessen einzelner Klassen von Staatsangehörigen zu vertreten habe, während die anderen 3 Candidaten, nämlich derjenige deS Bundes der Landwirthe, der Socialdemokratie und der Antisemiten, wie sie mehr oder weniger ganz offen zugäben, nur Vertreter einzelner Berufs- und Cousessionß* klassen seien. In beiden Versammlungen wurde von Gegnern,
obgleich dieselben wiederholt zur Aeußcrung aufgefordert wurden, Widerspruch nicht erhoben, und wurden beide Versammlungen mit einem von allen Anwesenden lebhaft außge- brachten Hoch auf baß deutsche Vaterland geschlossen.
** CiSbaecnrft. Der erste Theil beß ObstbaucursuS für Daum- unb Straßenwärter im pomologischen Garten btt londw. Winterschule zu Friedberg begann am 16. Marz unb enbete am 12. Mai. Derselbe war von 28 Schülern besucht. Bon diesen waren drei Straßenwärter, zwei Feldschützen, die übrigen beabsichtigten theilweise in ihrem eigenen Interesse, theilweise im Interesse ihrer Gemeinden den Obstbau alß Nebengewerbe zu betreiben. Bezüglich ihrer Heimath sind auß dem Kreise Friedberg 13, Gießen 10, Lauterbach 2, Schotten 3. Der RepetitionScursuß für Baum- und Straßen- wärter dauerte vom 15. biß 20. Mai und schloß mit einer Prüfung über den Schnitt hochstämmiger Obstbäume, welcher an Bäumen von verschiedenem Alter außgefübrt worden. Bei derselben war unter Anderen auch der Präsident de» Oberhessischen Obstbauvereinß, KreiSrath Dr. Braden, anwesend. Besuchtwar ber Gurfuß oon 1 Straßenwart, 1 Gärtner, 9 Baumwarten. 8 Schüler waren auß dem Kreise Gießen, 2 auß dem Kreise Büdingen, 1 auß dem Streife Schotten.
•• Markte in Lberheffeu neb Umgegend im Juni 1893. 5. Hochweisel Vieh- und Kämermarkt, Schotten Vieh» und Faselmarkt; 6. Laaßphe Schweinemarkt; 8. Lauterbach Diehmarkt; Marburg Schweinemarkt, Kirchberg Vieh« und Krämermarkt; 13. Darmstadt Biehmarkt, Gießen Vieh- unb Krämermarkt (2 Tage), Laubach Bieh- unb Krämermarkt, Gelnhausen Viehmarkt; 14. Homberg a. d. Ohm Vieh- unb Krämermarkt; 19. Herchen» hain Viehmarkt (2 Tage), Hohensolms Vieh- unb Krämer- markt; 20. Hanau Biehmarkt; 21. Friedberg Bieh- unb Krämermaikt, Herchenhain Biehmarkt, Wetzlar Bieh- und Krämermarkt, 22. Butzbach Vieh- unb Krämermarkt, Grünberg Vieh- unb Kramermarkt (2 Tage), Fulda Vieh- unb Schafmarkt, Kirchberg Vieh- und Krämermarkt; 26. Lich Vieh- unb Krämermarkt, Herborn Vieh-, Kram- unb Wollmarkt, Usingen Bieh- unb Krämermarkt; 27. Darmstadt Biehmarkt, Gießen Vieh- und Krämermarkt (2 Tage), Gelnhausen Biehmarkt, 28. Ortenberg Vieh- unb Krämermarkt, Fr ankeuberg Vieh- und Krämermarkt; 29. Biedenkopf Vieh und Krämermarkt. •
C. E. lieber die herrschende Fatteruoth wird imß auß dem oberen Wieseckthale geschrieben: Wir leiden hier schon seit 2 Monaten an großem Futtermangel; auf dem Felde steht kein Klee, auf den Wiesen kein Graß, in den Scheunen ist der Vorrath aufgezehrt, auch Speicher unb Keller sinb fast leer, unb bei alledem noch ist die A'tssicht auf die kommende Ernte fast trostlos. Mit dem Rom ging eß schon, wenn eß nicht noch mehr Roth leidet, — aber mit Weizen und Sommerfrucht sieht eß traurig auß. Die Kartoffeln gehen kaum zur Hälfte auf, auf manchem Acker stehen überhaupt keine, habet haben die beiden leimn Nächte durch Frost Schaben an Kartoffeln unb Bohnen angerichtet. Tie reute müssen daß Korn infolge der Futternoth verfüttern. Sollte unter diesen hier geschilderten Nothftandßverhältnissen nicht hohe Behörde sich veranlaßt finden, dieser Noth in etroaß Linderung zu schaffen, unb da, wo Gemeinbewaldungen und, Stteulaub, Mooß, grüneß utft bürreß Graß verabfolgen können? Schreiber dieseß, ein hochbetagter Greis, hat erlebt, daß in ähnlich trockenen Jahren sogar von unnützem Gehölz und Gestrüpp Futterwellen für die Schafe aus den Winter gemacht und versteigert wurden; bieß hat einigermaßen über bie brückenbste Noth hinweggeholfen. Hohe Forstbehörde möge bebenken, waß auß biefer Noth werben kann, wenn baß wenige Heu und Stroh verfüttert ist, daß heute schon wenigstens für trockeneß Lager für daß Bieh gesorgt rorrbfn kann. Ein allcß Sprüchwort sagt: Holz und Unglück wächst über Nacht, Wald bleibt Wald. Nahrung für Menschen unb Vieh ist daß erste, wofür gesorgt werden muß.
O AuS dem Ohmthal, 2. Juni. Wiederum haben bie vorige und namentlich die gestrige Nacht mit'ihrer 0 Temperatur großen Schaden angerichtet. Ganze Aecker voll Kartoffeln, die im Thale gelegen, sinb erfroren; daß Kraut ist schwarz geworben unb hängt schlaff herunter. Auch viele Bohnen pnd glcichsallß vom Froste zu Grunde gerichtet worden. Waß ber Dürre nicht zum Opfer gefallen, muß nun durch eiskalte Nächte noch vernichtet werden. Daß sind fürwahr traurige, abermals traurige Aussichten. Noch immer fein Regen, kein Graß und kein Futterwuchß. Bereitß mangelt bei den Landwirthen daß Sttoh, da eß zum Füttern verbraucht worden ist. Bang sieht der Landwirth tn die Zukunft. Wenn eß noch einige Wochen so fort gehen soll, muß noth- gebrungen der Viehstand verringert werden. Schon jetzt beginnen die Preise für daß Rindvieh von ihrer seitherigen tiefen Stufe noch weiter zu sinken; Kälber werden für den halben Preiß verkauft. In vielen Ortichaften ist bekannt gemacht worden, daß Waldgraß zum Füttern und ©treuen die Last zu 10 Ps. bezw. 5 Pf. abgegeben wird.
§ Grebenhain, 1. Juni. Die hiesige Dahrlehnßkasse eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, hat sich in ihrer letzten General-Versammlung vom 28. Mai d I. aufgelöst, indem selbige statutengemäß nur Darlehen an Mitglieder verabfolgen konnte und erstere von (enteren nicht in Anspruch genommen wurden. Alß Liquidatoren wurden bestellt Heinrich Lind V. und Johannes Müller, Beigeordneter von hier.
Lauterbach, 30. Mai. Dem Pachter Fülbertb in Glien* dach wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag auß einer allein stehenden Scheune ein Wagen voll Heu gestohlen, ohne daß eß gelungen ist, den Thäter zu ermitteln.
AuS dem BogelSberg, 30. Mai. Die Antisemiten unseres "Wahlkreises haben wieder den [eiterigen Vertreter, Herrn Oswald Zimmermann in Dresden, alß Reichstags» candidaten aufgestellt. Die Antisemiten sind überall rühriß-
N. Nidda, 2. Juni. Die DiphtheritiS wrdert immer noch ihre Opfer, obgleich mit der größten Energie


