Nummern des Programms heben wir besonders hervor ein „Menuetts", componirt von Herrn Kammermusiker H. Kruse, daS die Zuhörer derartig entzückte, daß eS da capo gegeben werden mußte. DaS Concert hatte ein recht zahlreiches und gewähltes Publikum vereinigt, daS den einzelnen Vorträgen mit wahrhaft andächtiger Aufmerksamkeit lauschte. Wie wir vernehmen, sieht den Besuchern der nächsten Soiree am kommenden Freitag ein seltener Kunstgenuß in Aussicht, da dieselbe unter Mitwirkung deS beliebten Baritonisten der Kasseler Hofoper, Herrn Meister, eines Schülers deS Prof. Stockhausen in Frankfurt a. M-, stattsiuden wird. Wir wünschen Herrn Kruse hierfür ein recht zahlreich besetztes HauS, damit seiner Mühe auch der Lohn mcht fehle.
* * Herabsetzung der Fernsprechgebühren. Aehnlich wie vor einigen Monaten hier, ging vor einigen Tagen in Worms eine Petition mit 42 Unterschriften von Kaufleuten an die Großh. Handelskammer ab, worin diese gebeten wird, bet geeigneter Stelle veranlassen zu wollen, daß die Fernsprechgebühren in Städten von unter 50,000 Einwohnern auf 100 Mt. herabgesetzt werden. Die Petenten erklären, falls ihr Gesuch Berücksichtigung findet, ihre Bereitwilligkeit, sich an daS Stadtfernsprechnetz anzuschließen. ES wäre zu wünschen, wenn in anderen Städten in gleichem Sinne vorgegangen würde- vielleicht wäre durch Massen-Petitionen ein Entgegenkommen zu erreichen, daS seither von Einzelnen vergeblich angestrebt wurde.
• • Einen Riesenpilz sandte unS heute Herr Lehrer Gerstenmaier in Burkhardsfelden. Der Pilz (ein Bovist), welcher in der Nähe von Burkhardsfelden von einem Schulknaben „entdeckt" wurde, hat einen Umfang von 90 Ctm. und einen Durchmesser von 35 Ctm.
* • Schlagerei. In einer Backsteinmacherei im Neustädter Feld geriethen vergangene Nacht zwei Arbeiter in Streit, wobei der eine seinen bereit- auf der Lagerstätte liegenden Collegen dermaßen mit Fäusten und Füßen bearbeitete (er trat zuletzt auf demselben herum), daß der jedenfalls innerlich Schwerverletzte heute Morgen nicht im Stande war, an der Arbeit zu erscheinen. Gegen den Thäter ist Anzeige erhoben.
* * Schuldienst - Nachrichten. Am 18. Juni wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Urberach präsentirte SchulamtSaSpirant Friedrich Kühn aus Weinheim für diese Stelle bestätigt- — am 18. Juli wurde dem Schulamts- aSpiranten Peter Rebell aus Dietesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober - Olm, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Meyer aus Dauernhetm eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach übertragen- — an demselben Tage wurde die prov. Lehrerin an der höheren Mädchenschule zu Mainz Eugenie Kratt zur Lehrerin an dieser Schule, mit Wirkung vom 1. Juli an, — am 19. Juli wurde dem Schullehrer Andreas Schipper zu Frei-Weinheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu EberSheim, — am 23. Juli wurde dem SchulamtSaSpiranten KaSpar Winter aus Klein-Welzheim die- dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eppertshausen übertragen.
□ Vom Vogelsberg, 31. Juli. Die Befürchtungen, die man beim Umschlag der Wetterlage gehegt, daß nun dieselbe auS einem Extrem in daS andere falle, scheinen sich leider zu bewahrheiten. Auf die Periode der Trocknung folgt nun eine Periode Ar Nässe. Hat jene unberechenbaren Schaden der Landwirthschaft gebracht, so droht diese von ebensolchen unheilsamen Folgen begleitet zu sein. Der Vegetation ist ja die große Bodenfeuchtigkeit immerhin von Nutzen, aber daS unaufhörliche Regenwetter bringt dem Getreide, vorweg dem Korn, den empfindlichsten Schaden. Gerade aus die Kornernte, die beste Ernte in diesem unvergeßlichen Jahrgange, hat der Landwirth große Hoffnungen gesetzt, da daS Roggenstroh zuerst als Mittel zur Steuerung der Futternoth dienen muß. Run aber droht eS auf dem Felde für die Verfütterung völlig unbrauchbar zu werden. Dazu sind die Körner schon gewachsen auf dem Haufen, von zur Erde liegenden gar schon fingerlang. Wer mit der Einfahrt deS Korn» eilig gewesen ist, hat klüglich gehandelt. Da allem Anscheine nach die unbeständige Wetterlage während der ganzen Erntezeit als anhaltend zu erwarten ist, so empfiehlt eS sich dringend für die Landwirthschaft, alle Getreidesorten sobald als möglich unter Dach zu bringen.
Friedberg, 31. Juli. Nachdem in einer vorbereitenden Versammlung die überwiegende Ansicht der Interessenten sich dahin geeinigt hatte, den Gedenktag an daS 350jährige Bestehen der hiesigen Real-, ehemaligen Augu- ft in er sch ule durch eine allgemein städtische Feier zu begehen, sind die nöthigen Vorbereitungen von dem unterdeffen gebildeten Festcomitü in die Hand genommen worden. DaS Programm ist vorläufig folgendes: Am 16. October Festspiel- eS wird ein von Herrn Reallehrer Kost verfaßtes dramatisches Bild, da« die Gründungszeit der Schule behandelt, von Zöglingen der Anstalt zur Aufführung gebracht. Am 17. October Festzug, SchulactuS und Festessen, Abends gesellige Ver- einigung. Am 18. Oktober Schulspaziergang. Außerdem soll eine die Geschichte der Anstalt behandelnde Festschrift her- auSgegeben werden. Die Bevölkerung unserer Stadt hat auch bereit» der geplanten Jubiläumsfeier ihre Sympathie entgegengebracht. So hat eine unter den Friedberger Damen veranstaltete Collecte Die Mittel aufgebracht, der Realschule zu ihrem Feste eine seidene Fahne zu stiften, und der Gc- meinderath hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, daü bei der Feier etwa entstehende Deficit auf die Stadtkasse zu übernehmen. D. Ztg.
Mainz. 31. Juli. Ein Jubiläum, wie es wohl wenige Väter zu begeben in der Lage sind, kann Herr Michael Geier, Besitzer der Brauerei „;um Birnbaum" dahier,
feiern, ind.m ihm am Samstag daS 25. Kind geboren wurde. Wir gtaiuliren!
vernichte».
• Berlin, 31. Juli. Ein 18jähriger, junger Mann, der Sohn eines Redakteurs Zacharias, ist in der Nähe von Babelsberg erschossen aufgefunden worden. Seine Geliebte, Emilie Dürr, hat sich mit zwei nickt gefährlichen Schußwunden per Bahn hier eingefunden unö m ärztliche Behandlung begeben. Sie erzählt, der Herr habe sie in den Wald geführt, ihr plötzlich erklärt, sie müsse mit ihm sterben, habe zwei Schüsse auf sie abgefeuert und als sie nach stundenlanger Betäubung erwacht, habe er tobt neben ihr gelegen. Der Vorgang bedarf noch der Aufklärung, zumal an dem Zacharias oder an seiner Leiche ein Raub verübt ist. Es wurde weder Uhr noch Geld mehr bei ihm vorgefunden.
• Em Spieler Proceß wurde dieser Tage am Berliner Landgericht verhandelt. Der dortige Weinhändler Gustav Barthel war wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels angeschuldigt, welchem in dem neben der Weinstube des Angeklagten gelegenen Privatcomptoir desselben gefröhnt wurde. Die Beweisaufnahme gewährte interessante Einblicke in daS Treiben der Spieler. Mehrere Zeugen traten auf, welche an einzelnen Abenden Beträge von 1—5000 Mark verloren hatten, einer von ihnen wollte sein ganzes Vermögen dem Spiele geopfert haben. Ein Zeuge erzählte, daß er eines Abends die Bank gehalten und bedeutend gewonnen hatte, als er erklärte, aufhören zu wollen. Der Angeklagte habe es als ungehörig bezeichnet, daß er das Spiel so plötzlich aufgebe- sie seien darüber in Streit gerathen, und der Angeklagte habe ihm einen Schlag inS Gesicht versetzt. Das gesammte Geld, welche- er noch in der Hand gehalten, sei dabei auf den Boden gefallen, alle Anwesenden hätten sich an dem Auflesen beiheiligt, und dabei seien ihm einige hundert Mark abhanden gekommen. „Das wirft ja ein nettes Licht auf die Spieler", meinte der Vorsitzende. Criminalcommissar v. Manteuffel erzählte, daß in Berlin eine Art Spielerring bestehe, der sich aus etwa 60 Personen zusammensetze Sie hielten ihre Zusammenkünfte, die mit dem technischen Ausdruck „Commerse" bezeichnet würden, in bestimmten Localen ab und beobachteten besondere Vorsichtsmaßregeln, um sich vor Ueberrumpelungen zu schützen. Die Weinstube des Angeklagten gehöre zu dcn bezeichneten Localen, einer der Spieler habe dort — wie ihm von einem der Denuncianten verrathen worden sei — einmal 24 Stunden ununterbrochen gespielt. — Der Gerichtshof verurtheilte Barthel zu sechs Wochen Gefängniß und 3000 Mark Geldstrafe, im Unvermögensfalle für je zehn Mark einen Tag Gefängniß.
P. Wiesbaden, 31. Juli. Radfahr-Sport. Am nächsten Sonntag, den 6. August, findet auf der neuen Radfahrbahn in der neuen Anlage ein Vereinswettfahren des Wiesbadener Velociped Clubs statt. Da auch auS den Nachbarstädten, selbst aus Cöln, Nachfragen um Betheiligung seitens bedeutender Radfahrer ergangen sind, so ist — um (besonders im Hinblick auf das demnächst von der Cur-Direction zu veranstaltende große internationale Rennen), auch auswärtigen Sportleuten Gelegenheit zu geben, unsere nach den bewährtesten Principien gebaute Bahn kennen zu lernen — daS Programm insofern erweitert worden, als drei Rennen nunmehr für alle Herrenfahrer offen sind und zwar daS Hochradfahren, daS Niederrad-Hauptfahren und das Tandem- Fahren, sofern die Nennungen bis zum 3. August Abends auf dem Büreau der Cur-Direction oder bei dem Schriftführer des Velociped-ClubS Herrn Ernst Seipel, Hellmund' straße 60 geschehen. DaS Rennen dürfte solchergestalt ein äußerst belebtes werden und durch die Vorführungen deS Meisterfahrers von Deutschland und des deutschen Radfahrer- bundeS, Herrn Wilhelm Albrecht auS Cöln noch ein besonderes Interesse erregen. Auch der hiesige Radfahrer- Verein hat seine Betheiligung zugesagt und ist für diesen ein besonderes Rennen eingelegt worden.
* Sprotten, 1. August. Mittag« fuhr ein Blitzschlag in daS Stallgebäude deS KasemementS. Ein Kanonier blieb tobt, drei wurden betäubt.
* Barmen, 1. August. Durch einen Arbeitswagen der Barmer Bergbahn, der vom Töllethurm zur Stadt hinabsauste, wurden zwei Kinder getödtet und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
• Strabburg, 24. Juli. Welche sonderbaren Blüthen daS in der Landbevölkerung tief eingewurzelte Unkraut des Aberglaubens treibt, zeigt schlagend folgender Fall: In einer hiesigen Droguenhandlung erbat sich ein Bauer zwei Toncabohnen, mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß die eine derselben männlichen und die andere weiblichen Geschlechts sein müsse. Auf die erstaunte Frage des Handlungsgehilfen, wozu denn die Bohnen Verwendung finden sollten, erklärte der biedere Landmann mit altkluger Miene, daß seine Kuh die Milch verhalte und daß dies nur daher komme, weil daS sogenannte „Rätzerle" oder „Letzel" daS Thier verhext habe, und daß eben diese Bohnen daS einzig wirksame Mittel seien, um dem Bösen beizukommen- denn dieselben würden in ein Säckchen gethan und diese- in dem Stalle befestigt, wodurch dann der Bann des Bösen gebrochen werde. Gegen diesen blöden Aberglauben war nicht anzukämpfen, und der Bauer erhielt daS Gewünschte. Nach einigen Tagen aber erschien deS Bauern Weib und erklärte, daß wohl eine Verwechselung stattgefunden und daß ihrem Manne entweder zwei Bohnen männlichen oder zwei weiblichen Geschlecht« verabfolgt worden seien, denn da- Mittel, da« sich immer bewahrte, sei diesmal erfolglos gewesen. Zu solchen Hausmitteln, anstatt zur Kunst deS ThierarzteS, nehmen die Landleute zu Ende de« neunzehnten Jahrhundert« noch vielfach ihre Zuflucht.
e Für |»et Infertile über 127,000 Mk bezahlt. Wie die Amerikaner Meister in der Reclame sind, scheuen sie sich auch
l nicht, gelegentlich Unsummen für Anzeigen auSzugeben^ Die WeltausstellungS-Nummer der Zeitschrift „Mauth« Com- panion" enthält eine Anzeige von „MelliniS Food" (Kindermehl), für die 15,000 Dollars bezahlt worden find. Sie füllt die ganze letzte Seite des genannten Blatte« und ist in fünfzehn verschiedenen Farben gedruckt. Die gleiche Anzeige war aber auch in der JubtläumS-Nummer de« „Sun" enthalten und wird sicher die gleiche Summe gekostet haben, so daß für zwei Anzeigen de- Kindermehls mehr als 127,000 Mk. verausgabt wurden.
• Ein vierjähriger Zange von Kol» hatte sich dieser Tage nach NippeS verirrt. Dort erregte er da« Mitleid der Vorübergehenden. Diese gaben sich die größte Mühe, auS dem Kleinen herauSzubringen, wo er in Köln zu Haufe war, aber vergeben«. Er wußte eben nur, daß er in Köln zu Hanse war. Da kam eine Frau hinzu, schob die Umstehenden bei Seite und sagte: „Loht mich en« mit dem Quant spreche. Saag, Männche, wo hälft do für dinge Satter der Schabau (Schnap«)?" — „Beim Schütze P.tter", schluchzte der Kleine. DaS Mitleid der Umstehenden schlug sofort in eine allgemeine Heiterkeit um. Ein Kölner nahm den Jungen mit zur Plankgasse und eß gelang mit Hilfe der angegebenen Quelle, denselben seinen Eitern wieder zuzuführen.
* Schmißsteuer. Ein Schlaukopf schlägt eine „Schmiß, steuer" als LuxuSsteuer vor. Sie solle so lange jährlich gezahlt werden, bi« der „Schmißsteuerpflichtige" erklärt, daß er die Mensuren als eine Spielerei ansehe und daß er in Zukunft mitwirken werde, dieser Spielerei ein Ende zu machen und „dem Staatsgesetz wie dem Sittengesetz Geltung zu verschaffen." Die BestimmungSmensuren sind übrigens feine Spielerei, sondern al« „Muthproben" anzusehen- ander« liegt hie Sache mit dem Duell. Der Antragsteller hätte übrigen« mit- theilen können, wieviel denn ein Schmiß — werth ist, ob sich eine Steuer darauf auch lohnt.
* lieber den Geschäftsverkehr der Berliner städtische» Sparkaffe im Jahre 1892 sagt der Verwaltungsbericht de« Magistrats: Die Veränderungen, welche sich 1892 auf dem Geldmark'e vollzogen haben und sich zu einem Theile in einer wesentlichen Erhöhung der (Surfe der Werthpapiere bekunden, sowie die Besserung der wirthschastlichen Verhältnisse sind auf den Verkehr in der Sparkasse insofern nicht ohne Einfluß geblieben, als Einzahlungen und Rück- Zahlungen ein günstigeres Bild zeigen al« im Vorjahre. Während da« Jahr 1891 gegen 1890 eine Mindereinnahme von 784 430 Mk. und eine Mehrausgabe von 2 643 707 Mk. zu verzeichnen hatte, ist im Jahre 1892 gegen 1891 eine Mehreinnahme von 970835 Mark erzielt, die Mehrausgabe dagegen auf den Betrag von 127 951 Mark jurütfgegangen. (Überhaupt sind im Jahre 1892 mehr eingezahlt als zurückgezahlt, 3 417 523 Mark gegen 1891 mit 2 574 639 Mark, mehr 842 788 Mk. — Im Jahre 1891 waren bei den Einzahlungen 9980 Buchungen weniger, bei den Rückzahlungen 27 302 Buchungen mehr vorgekommen al« im Jahre 1890. Im Jahre 1892 betrugen die Buchungen bei den Einzahlungen 5964, bei den Rückzahlungen nur 16 129 Fälle mehr al« im Vorjahre.
* lieber die geographische Vertheilnng der Geschlechter hat der belgische Bund für die Frauenrechte eine statistische Ueberficht veröffentlicht. Faßt man diese Zahlenangaben zusammen, so ergiebt sich, daß heute Europa 170818 561 Männer und 174 914119 Frauen hat, daS weibliche Geschlecht also ein Mehr von 4 095 558 aufweist. Bei 16 Völkern Europas überwiegt daS weibliche Geschlecht, am stärksten ist eß in Portugal und Norwegen vertreten, in welchen Ländern man auf 1000 Männer 1091 Frauen findet - am schwächsten ist baß Uebergewicht in Belgien und Frankreich, wo der Ueberschuß nur sieben Frauen auf 1000 Männer beträgt. In sechs Ländern Europas, in Italien, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Bosnien ist da« männliche Geschlecht im Uebergewicht. In Italien kommen 995 Frauen auf 1000 Männer. Bosnien ist daS an Frauen ärmste Land- eS besitzt nur 895 weibliche Personen auf 1000 Männer.
* liebet eine unheimliche Begegnung berichtet eine Correspondenz Folgende«: Der Fabrtkänt C. auS dem Südosten Berlins hatte sich in FriedrichSroda einquartiert, um von hier auS die herrlichen Waldungen Thüringens zu durchstreifen. An einem Tage der vergangenen Woche war er auf einer Fußwanderung in die Nähe deS Bade« Liebenstein gelangt und hatte sich zur Rast auf einen Felsen niedergelassen. Da plötzlich tauchte hinter ihm ein vornehm au«» sehender Herr auf. Derselbe redete ihn ohne Weitere« mit den Worten an: „WaS meinen Sie, wenn ich mich von diesem Felsen in die Tiefe stürze." C., der sofort merkte, daß er eS mit einem Irrsinnigen zu thun habe, wollte ihn von dem Vorhaben zurückhalten- jener aber lachte grell auf und fügte hinzu: „Ich reiße Sie mit hinab." Al« der Geisteskranke, ein Berliner Millionär, wirklich Miene machte, Herrn C. anzugreifen, nahm dieser zu einer List seine Zuflucht. „Sie haben ganz Recht", entgegnete er, „ich springe mit in den Abgrund, aber ich kenne einen Felsen hier in der Nähe, der noch viel höher ist, al« dieser; wir wollen gleich dorthin gehen." Mit unheimlichem Grinsen gab der Irre seine Zustimmung und C. war im Begriffe, seine Person au« der gefährlichen Umgebung zu retten, al« sich die Büsche theilten und zwei Wärter erschienen, die sich de« Kranken bemächtigten.
• Die Tauzlust ju hebe». In Pari« bildete sich vor einigen Jahren ein Verein junger Leute, dessen Zweck eS war, die gesunkene Tanzlust der jungen Herrenwelt wieder zu heben. Wer von den Mitgliedern sich am Schlüsse befl Earneval« über den Besuch der meisten Bälle auSweist, bekommt ein künstlerisch auSgestattete« Diplom. Jedes Hundert erwiesenermaßen getanzter Quadrillen wird mit einem NapoleonSdor belohnt. Der Besitzer der meisten Cotillonorden, deren jeder auf der Rückseite die eigenhändige Unterschrift der Grberia


