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03/08/1893 Erstes Blatt
 
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1893

Donnerstag den 3. August

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Hrätisbeilage: chießener Kamitienbtätter

im W-rth- von 12,897,000 Mk. im Jahre 1891, während

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Deutsches Reich.

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Neueste Nachrichten.

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Der GieHe-rr >n$etg<t erscheinl täglich, ertt Ausnahme deS Montags

Die Gießener D«»trt«»ötilter Ktbm dem Anzeiger »Ochcntllch dreimal Kn-elegi.

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Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mzeiger.

Berlin. 1. August. Seit Dienstag besteht also Zoll- I «rieg zwischen Deutschland und Rußland, da am 1. August einerseits der russische Maximalzolltarif gegen Deutschland inS Leben getreten ist, während anderseits am nämlichen Tage der Beschluß des BundeSrathes des deu scheu Reiches^ betr. die Legung eines Zollzuschlages von fünfzig | Procenr, auf alle wichtigeren russischen Ausfuhrproducte, m ^rast gesetzt worden ist. Die Russen mühen sich außerdem noch mit anderen zollpolitischen Maßnahmen ab, als sie m den Sätzen des Maximalzolltarifs enthalten sind, um d n deutschen Nachbar mürbe zu machen. Denn bekanntlich ist Lurch Ukas des Czaren dem russischen Finanzminister Lvltte unb seinem Collegen vom Auswärtigen Amte, Herrn v. Giers, vollständig freie Hand gelassen worden, nach ihren- Ermessen neben dem Moximalzolltaris noch mit besonderen Zollzuschlagen gegen Deutschland vorzugehen. Offenbar lebt man an der Newa der Hoffnung, durch Häufung der auf die Schädigung der deutschen Einfuhr nach Rußland berechneten Maßnahmen seinen Zweck, Deutschland gegenüber den handelspolitischen Forderungen Rußlands gefügiger zu machen, auch zu erreichen. Indessen wird sich die deutsche Regierung durch eine derartige kleinliche Taktik des Petersburger Cabinets m dem ihr zu- geschriebcnen Entschluß, mit Ruhe und Festigkeit den ihr auf- gedrungenen Kamps mit dem Czarenreiche durchzukampfen, schwerlich erschüttern lassen. Gewiß wird die deutsche Industrie und the,lweise auch der deutsche Handel unter dem einstweiligen Abbruche der handelspolitischen Beziehungen zu Rußland empfindlich genug leiden, indessen noch schwerere Schädigungen | wird der Zollkrieg zweifellos Rußland zeugen durch die voll- ständige Unterbindung der russischen Getreideausfuhr nach Deutschland, womit eine der LebenSbedmgungen der russischen Landwirthschaft getroffen wird; die Wirkungen dieser überaus einschneidenden Maßregel auf Rußland werden die Herren an der Newa vielleicht nur zu bald voll kennen lernen Ueber den deutsch-russischen Zollkrieg empfinden natürlich die Franzosen besonders große Freude. Mit sichtlichem Behagen bespricht die Pariser Presse aller Parteirichtungen den wirtschaftlichen Kamps zwischen Deutschland und Rußland, von welchem sie selbstverständlich hofft, daß derselbe Deutschland den größeren Schaden bringen werde. Biele Pariser Blätter äußern sogar die Ansicht, setzt werde zur landwirthschaftlichen Krisis im Deutschen Reiche eine industrielle treten, die dem Soeialismus neue Mittel zu seiner Propaganda liefern werde. Run, das letztere bleibt abzuwarten, im Ucbrigen können wir Deutsche den Franzosen die boshafte Freude über unseren Zollstreit mit Rußland so lange schon gönnen, als nicht unter demselben die rein politischen Beziehungen zwischen Berlin und

trifft man bereits die einleitenden Vorbereitungen zu emem würdigen Empfange des großen Ehrenbürgers dieser Stadt.

Königsberg, 1. August. Das Vorsteheramt der hiesigen Kaufmannschaft hat heute an den Reichskanzler den Antrag gerichtet, russische Maaren, insbesondere Getreide und Holz, welche auf Grund von Verträgen, die vor dem 28. Juli bona fide abgeschloffen sind, eingesührt werden, von dem öOprocentigen Zollzuschlag befreit zu lassen.

M-tz 31. Juli. Ueber die Empfangsfeierlich- ketten'beim Besuch des Kaisers in Lothringen verlautet Folgendes: Der Kaiser gelangt am 3. September um 10 Uhr 45 Min., mit dem Hofzuge von Trier kommend, auf dem kleinen Bahnhofe in Devant-les-Ponts bet Metz an. Von dort begibt sich der kaiserliche Zug nach dem Metzer Hauptbahnhofe, der Kaiser nebst Gefolge aber zu Wagen nach , deu/neuen Exercierplatze vor dem Französischen Thore, wo ein Feldgottesdienst abgehalten wird. Nach deffen Beendigung erfolgt der feierliche Einzug in die Stadt. Die städtische Vertretung hat für diesen Empfang einen Credit von 30,000 Mk. bewilligt und außerdem dem Kaiser und seinen Gästen ein Frühstück im Stadthause angeboten. Ueber die Annahme ist Entscheidung noch nicht erfolgt. Im Falle ver Ablehnung begibt sich der Kaiser nebst kleinem Gefolge gleich nach dem feierlichen Einzug nach dem großen Bahnhof und fahrt nach Urville. Dort findet großer Empfang statt.

I Sämmtliche Staats- und Gemeindebehörden, sowie sämtliche I Schulen Lothringens werden Vertreter senden. Am Morgen I des 4. September kommt der Kaiser zu Wagen von Urville I wieder in die Stadt zurück und läßt sich die Militär- und Civilbehörden vorstellen. Hieran schließt sich das erste Kaiser­mahl im Allgemeinen Militär-Casino - ein zweites findet später im Bezirkspräsidium statt - und Abends folgt dan | fefllicfae Beleuchtung der Stadt und großer Zapfenstreich, o Ä fm»ämJwe Mustk°ap.ll-N des 16 Arm°--°rp contmanbi». Abends kehrt der Kaiser nach Urville zurück unb am 5. September beginnen die großen Manöver.

toUTt,2ottbon 1. August. Einer Meldung derSLimeS" aus Buenos-Ayres vom 31. Juli zufolge dauert entgegen der allgemeinen Erwartung die aufständische Bewegung in den Provinzen Buenos-Ayres und Santa 8Mott. Die Aufständischen nahmen die meisten Städte ohne größeres Blutvergießen. Ernstere Kämpfe werden am Laplata er- wartet, da General Costa über 2000 gilt bewaffnete Truppen verfügt und die Aufständischen fast ebenso stark sind. Santa F« wird belagert; die Aufständischen bewilligten dem Gouverneur eine zweistündige Frist, sich zu ergeben; in La Plata sind zahlreiche Aufständische gefangen genommen toorbcn.

Loudon, 1.August. Heute Nachmittag sind in Notttng* hamshire 20,000 Bergleute in den Strike em- 9ette?Ühen, 1. August.' Die Kronprinzessin Sophie wurde heute glücklich von einem gesunden Prinzen entbunden. Das Befinden der Kronprinzessin ist ein gutes.

Depeschen de« «urceu .Herold'.

Berlin, 1. August. Wie diePost" hört, gilt es für völlig ausgeschloffen, daß Ausnahmen zu Gunsten^der vor dem 25. Juli eingegangenen deutschen Handelsverpfltcht- ungen nach Rußland gemacht werden. m .

Berlin, 1. August. DiePost" bestätigt, daß der Nach- folger v. Maltzahns vorerst noch nicht ernannt wirb, v. Maltzahn wird als Stellvertreter des Reichskanzlerszu den Konferenzen der Finanzmtnister nach Frankfurt re,,tn8etlin, 1. August. D-rPost" zujolg-wird im Cuttus- mtnisterium eine Deukschrist über den P°lu sch-n Sprach- und Religions-Unterricht ausgearbeitet, sie dürfte den späteren Berathungen des Gesammtrninisteriums iUt Der ..N°tl. Corr.« zusokg- werden

bei der bevorstehenden Conferenz der Finanzmimster eine Anzahl ausgearbeiteter Steuerpro jecte zur Be- ''"Ä nächsten Montag tritt die 3°lk- conferenz behufs Verhandlungen mit Rußland

WolffS telegraphisches Correspondenr-Bureau.

Berlin, 1. August. DasDeutsche Colonialblatt" ent­nimmt einem Privatbriefe des Majors Wißrnann, daß aus Njidgi kommende Leute erzählen, Emin Pafchoi sn westlich vom Nyanza auf den Araber Said bin Abad getroffen und der Araber habe, weil Emm am Victoriasee angeblich drei Araber hinrichten ließ, ihn mit der ganzen Karawane niedermachen lassen.

Berlin 1. August. Der deutsche Reichscommiffar für die Weltausstellung in Chicago, Geheimerath Wermuth, ist aus Chicago gestern hier angekommen.

Berlin, 1. August. Wie derReichsanzelger mitthellt, belief sich der Gesammtverkehr auf den vom Reiche subventionirten Linien des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien unb Australien im Jahre 1892 auf 69,532 Tonnen im Werthe von 94,430,000 Mk. gegen 71,242 T. "" WeNhe von 89,706,000 Mk. im Jahre 1891. Auf der ** Linie wurden 6880 Personen gegen 6405 im 3 « 1891 und aus der australischen 4999 gegen b^xbet Au der Deutsch - Ostafrika - Lime belief sich der Verkehr auf ------- im Werthe von 17,017,000 Mk. gegen 21,740 T.

Die leitenden franzöfischen Staatsmänner sind eifrig dabei, den leichten Sieg, den sie in den siamesischen Händeln durch die nachträgliche unbedingte Annahme sämmtlicher Forderungen des Ultimatums Frankreichs seitens der siamesischen Regierung verzeichnen können, zu sichern und auszubeuten. In bestimmtem Tone verlangt die französische Regierung die stricte Ausführung ihrer Forderungen von Siam und soll deßhalb als Faustpfand der Hasen von Chantaboon an der siamesischen Küste von den Franzosen besetzt werden, ja, es scheint, daß man sranzösischerse'tS noch weitere Garantien" für das Wohlverhalten der Siamesen zu fordern gedenkt. So heißt es, Siam solle sich verpflichten, keinerlei militärische Stationen an gewissen Grenzpunkten des Königreichs Kambodscha zu errichten, ebenso würde Frankreich noch mit anderen Forderungen kommen. Offenbar betrachtet Frankreich das Königreich Siam halb und halb schon als seinen Vasallen, was man eigentlich auch in London erkennen müßte; trotzdem steht man daselbst dem herrschen Vorgehen Frankreichs in Siam fortgesetzt mit rührender Naivetät gegenüber, wie dies auch die am Montag im Unterhause abgegebenen Erklärungen des Parlamentssecretars Grey über die siamesischen Dinge wiederum bekunden.

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

'trpifafl den 4 August l. I., Nachmittags von 34 Uhr, ^findet die Entgegennahme der Wünsche bezüglich der Rulbeilunq der neuen Grundstücke vom III. ^£5ei,lrrrincV elbeindemNathhauSsaale zu Steinbach statt. Die Wunsche find schriftlich einzureichen, müssen Flur und Nummer der zusammenzulegenden Grundstücke enthalten und vom Eigen-

A utzd rück sich ? dem erkt wird, daß nur Wünsche wegen Zu­sammenlegung der Grundstücke entgegen genommen werden.

Gießen, den 31. Juli 1893.

Der Vollzugs-Commiffär:

Dr. Wallau.

Wiener j«

An unb ** 8Aale

en Dank auz-

*crem heiteren

Petersburg leiben.

__ Der bekannte freisinnige Parlamentarier Dr Witte ist am Montag in Rostock, 64 Jahre alt, ge­storben. Dr. Witte gehörte dem deutschen Reichstage vom Jahre 1878 ab an, zuerst als Mitglied der nationalliberalen, später der freisinnigen Fraction. Seit 1884 Zertrat er als Nachfolger Laskers den Wahlkreis Saalfeld-Gonneberg, in welchem er aber bei der letzten Reichstagswahl dem social- demokratischen Mitbewerber um das Mandat erlag. Der Verstorbene gehörte in Sachen der Zucker- und Branntwem- steuerpolitik zu den ersten Autoritäten des Reichstages.

Fürst sBismarck gedenkt nach Beendigung semes gegenwärtigen Kuraufenthaltes in Kissing en der Stadt Leipzig einen Besuch abzustatten. Wenigstens hat der Alt­reichskanzler diese Absicht in Göttingen im Verlaufe einer Rede kundgegeben, die er daselbst während semes kurzen Aufenthaltes auf der Reise nach Kissingen hielt. In Leipzig 23,657 T. im

Kirche, tthen ti sich keiner haut- unb im Väschen, fahren ist, roü# hansmädchn len. söA EM. d. Bl. ms-Mlhiii rcht.

,kol«str -off.

Pari«, 1. August. In einer Wahlversammlung wurde der frühere Minister Yves Guyot vom Volk aus­gepfiffen wegen seiner Reden über die Arbeitsborfe und mußte die Tribüne verlaffen, ohne sprechen zu können. Die Cand batur Goblets würbe ausgerufen.

Pari«, 2. August. Nach dem gestrigen Ministerrath telegraphirte Develle an den französischen Gesandten Pavie m Bangkok, derselbe solle der sium esisch en R e gierung die von Frankreich geforderten Garantien mittheilen. Nach Er- Mung di-s« Formalität wird di- Bloka - aW«; Admiral Humana bleibt jedoch in den si°m-fflch-n

London, I. August. Der Capitän des englffchen Damps-rS Dorset«, welcher nach lOItägiger Fahrt aus S°nt°S ein­getroffen ist, bestätigt die B erh - er ung e n, die daS gelbe Fieber dort angerichtet hat. , r . .nf

London, 1. August. Die Lage m Bangkok scheint sich zu verschlimmern. Es sind neuerdings noch sieben Kanonenboote eingetroffen. Man glaub. Fr-ffttM werde Bangkok besetzen. Admiral Humann befahl den englischen Sckisten, außerhalb der Blokadelinie zu bleiben.

$ Loudon, 29 August. Der Correspondent des Brüsseler Globe beige" behauptet von zuständiger Seite zu wiffen, daß ein geheimer Vertrag zwischen England und Frankreich bezüglich Siams abgeschloffen wordenJet. Ö Brüffel, 1. August. DieJndependance Be ge sagt über den deutsch-russischen Zollkrieg, e§ fei ju « fürchten, daß bald mit Waffen anstatt mit Tarifen oekämpft werde. r

BueuoS.AyreS, 1. August, Inf urgenten cn

centriren sich in La Plata. Die Regierung an der Spitze von 3000 Mann hofft zuversichtlich aus den Lieg.

totales unö provinzielles.

Gießen, 2. August 1893.

* Die fünfte Soiree des Kruse'schen Streich-OuartettS, welche aeftern Abend stattfand, konnte sich m ihrem Verlau e würdigten vorhergehenden anreihen. Sie zeigte em tabeb loses Programm, dessen Wiedergabe sowohl von der eminenten technischen Fertigkeit, als auch von der feinsinnigen^Austaffung der Künstler ein sehr beredtes Zeugniß ablegte -Insbesondere ernteten die beiden Solisten, Herren Gebrüder Kruse, für ihre Sololeistungen reichsten Beifall. Aus den übrigen

uCigiit Pnisr. M!

nihklicy-

Marslly. Ant«oi« Mainz.