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Coblenzer Kaisertage.

6ob(ea|, 31. August. Seit vierzehn Tagen ist die Bevölkerung der allen Rhein- und Moselstadr von einer eigenartigen bangen Stimmung beherrscht! Hat sich doch die Cholera, dieser unheimliche Gast, der un vergangenen Jahr in letzter Stunde die Kaiserfestlichkeiten hintertrieb, wieder am Rhein eingefunden und ist darum weder den Behörden noch der Bevölkerung zu verargen, wenn man nur mit großer Zögerung an die nothwevdigen Fest Vorbereitungen ging, da man jeden Augenblick eine Absage befürchten mußte, durch welche wiederum, wie im verflossenen Herbste, viele Tausende für DecorationSarbeiten zwecklos verausgabt wurden. Diese Zögerung hat erst vor einigen Tagen, als von Berlin die Meldung eintraf, der Kaiser werde bestimmt kommen, ein Ende genommen, plötzlich regten sich alle Hände zu Vorbe­reitungen und heute steht Cvblenz schon im vollen Feftkleide, für welches eS nur zu bedauern, daß sich am heutigen Nach- mittag ein ziemlich dichter Regen eingestellt hat, durch welchen die vielen reichen Decoratiooen wesentlich beschädigt wurden. Hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen und zeigt morgen an dem Hauptfesttag eine heitere Miene. Nach der neuesten Meldung treffen die Kaiserlichen Majestäten Morgen Vor­mittag 10 Uhr aus dem Rheinbahnhof ein, wo ein großer militärischer Empfang stattfindet. Don dem Rhelnbahnhof fährt der Kaiser durch die Eisenbahnstraße, obere Löhrstraße, daS Löhrrondel, die Schloßstraße nach dem Schloß. Auf diesem langen Straßenzug von dem Bahnhof zum Schloß sind zu beiden Seiten in einem Abstand von zehn Schritten hohe Flaggenmaste errichtet, die mit Laubkränzen umwunden und durch Guirlanden verbunden sind. Hinter den Flaggen­masten her Haus für HauS mit Fahnen, Kränzen, Blumen, Wappen und Büsten von oben bis unten reich decorirt, ge­währen die Straßen, durch welche der Kaiser seinen Einzug hält, ein farbenprächtiges Bild. Einen besonders angehenden Anblick gewährt in ihren reichen Decorationen die langgestreckte Schloßstraße. Auf dem Löhrrondel ein freier Platz, der die Schloßstraße mit der Löhrstraße verbindet ist eine mächtige via triumphalis errichtet, unter welcher Ober­bürgermeister Schüller mit einer Ansprache morgen den Kaiser begrüßen wird. Dor dem Triumphbogen, dessen oberer Theil eine Kaiserkrone bildet, sind zu beiden Seiten mit rothem Sammt auSgeschlagenen Tribünen errichtet, von welchen die linksseitige zur Aufnahme von Ehrenjungfrauen be­stimmt ist, welche die Kaiserin mit Blumen bewillkommnen werden. Auf der rechtsseitigen Tribüne nehmen die Stadtverordneten Aufstellung und neben denselben die Vertreter der Presie, der man hier Seitens der das Arrangement leitenden Polizei- direction mit der größten Zuvorkommenheit entgegen kam. Die beiden Vertreter der Polizeidirectton, die Herren Grafen von Brühl und Asieffor von Bartsch Überboten sich gegenüber der Presie an Liebenswürdigkeit und zwar in der Art, daß jeder von den anwesenden Journalisten, die mit den beiden Herren in Berührung kommen, sich verpflichtet fühlen muß, denselben öffentlich Dank abzustatten. Zu der Rheiniahrt nimmt der kaiserliche Zug seinen Weg vom Schloß durch die Neustadt, Poststraße, über den Goebenplatz und die untere Rhein- straße, welche Straßen sämmtlich in der gleichen Weise wie die obengenannten reich decorirt sind. An der Ausmündung der Rheinstraße ist abermals ein mächtiger Triumphbogen errichtet, durch welchen der Kaiser nach dem Landungsplatz des FeftschiffeS geht. An dem Ufer weit links ab von den Landungsbrücken, an der sogenanntenDeutschen Ecke", da wo sich die Mosel in den Rhein ergießt, ist an der Stelle, wo ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. zu errichten projectirt ist, ein hoher prächtiger Pavillon aufgebaut, in welchem unter einer Kaiserkrone in vielfacher Lebensgröße die Büste Kaiser Wilhelms I. Aufstellung gesunden hat. Besonders wirksam und reich ist auch die Decoration an den bekannten großen Hotels an dem Rheinuser, welche für die Kosten, welche ihnen daö Zieren bereitet, aber dadurch reichlich entschädigt werden, daß sie von unten bis oben dicht besetzt sind und keinen Fremden mehr hier unterbringen können. Neben dem starken Fremdenverkehr ist der Andrang auS der Umgegend heute schon ein sehr bedeutender. Nachschrift: Soeben ist der Prinz Albrecht von Preußen, sowie Reichskanzler Caprivi, und General der Cavallerie Graf von Schlieffen hier ange­kommen.

CocaUs nnö provinzielle*.

Gießen, 1. September 1893.

* Zur Feier de8 SedautageS wird Morgens ein Choral vom Thurme der Stadtkirche geblasen und das Fest selbst schon am Vorabend feierlich eingeläutet werden. An die Bewohner unserer Stadt aber richten wir die Bitte, durch allgemeine Beflaggung der Häuser auch in diesem Jahre wiederum der sreudigen Erinnerung an den denk­würdigen Tag Ausdruck zu geben.

* * Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin kamen heute srüh 7 Uhr 45 Min. mittelst SonderzugS hier an. Die Weiterreise nach Coblenz erfolgte um 7 Uhr 50 Min. ES fand keinerlei Empfang stutt. Prmz Albrecht von Preußen sowie der Reichskanzler Graf v. Caprivi reisten bereits gestern Nachmittag hier durch.

* Da» 1. Großh. Ins (Leibgarde-Regiment Nr. 115 traf heute Vormittag 11 Vi Uhr hier ein. Die nach Steinbach und Watzenborn-Steinberg in Quartier kommenden Compagnien marschierten unter dem Spiel der Capellen des 115. und 116. RgtS. vom Bahnhose aus durch bic Bahnhofstraße und die Südanlage.

Alice Schule. Der Sommer - CursuS der hiesigen Alice - Schule fand vorgestern durch die Prüfung der zu Jndustrielehrerinnen herangebildeten Schülerinnen, sowie durch die gestern geschloffene zweitägige Ausstellung der in den übrigen Abtheilungen hergestelllen Arbeiten seinen Abschluß. Der Prüfung unterzogen sich acht Candidatinnen, welche sämmtlich gut bestanden. Die Ausstellung bot unter allen Rubriken

ein recht befriedigendes Bild von den Leistungen der Schule. Besonders hervorzubeben Ist der für die neue JohaoueSkirche bestimmte, von Lehrerinnen und Schülerinnen gemeinsam ge­webte Teppich. Am 15. October beginnt der Winrer- CursuS, welcher wieder in folgenden Abtheilungen ertheilt wird: Maschineuuäben, Sleidernähen, Haudnähen, Sticken, Zeichnen, Kochen, Bügeln, KunftwiffchW, Kochen und Weih- nachtSarbeiten aller Art. Schülerinnen können Wohnung bei den Lehrerinnen und Kost in der Alice Schule "nden. An­fragen schriftlich bei Fräulein Möser, Stiften bergen straße Nr. 14.

* * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde ertheitt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des G roßhtrZ o g S vom 2. August l. IS. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz: 1) Spritzenmeister Anton Staub, 2) Signalift August Ratzlaff.

* Eröffnung der Zagd. Am 1. September wirb im ganzen Großherzogthum die Jagb eröffnet. Dank ber vor­züglichen Witterung werden die Nimrode ihre Freude Haden, feit langer Zeit war ber Bestand an Hafen nicht so bedeu­tend wie in diesem Jahre.

** Erledigte Lehrerßellen. Erledigt sind: Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Bürgel mit einem nach dem Dienstalter sich bemesienden jährl. Gehalte von 10001600 Mk. Dem zu ernennenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gen. Schule übertragen werden. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Frei-Weinheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

** Schuldienst - Nachrichten. Am 30. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Sprengel aus Reichels­heim i. d. W. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruppertenrod, am 11. August wurde dem Schulverwalter August Noeske zu Lindheim die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, am 20. August wurde dem SchulamtsaSpiranten Jacob Speckert aus Bretzenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freimersheim über- tragen.

Kirchliche Dienstnachrichten. Ucber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betteffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Wilhelm Diehl aus Groß- Gerau, Johannes Engel aus Oppenheim, Wilh. Fischer auS Eichelsdorf, Carl Lampas aus Nidda, Georg Land- mann auS Erbach i. O., Wilhelm Nebel auS Groß-Gerau, Carl Peters aus Nieder-Erlenbach und Ludwig Stotz auS Laubach, sowie bezüglich der katholischen Geistlichen: Jacob H a t t e m e r aus Gau-AlgeSheim, Phil. I ö ck e l auS Dieters- heim, Georg Lenhart aus Gernsheim, Jacob May aus Büdesheim und Victor Rathgeb aus Jagstzell.

** Eisenbahn-Personenverkehr. Die süddeutschen Bahn- directiouen haben die Einführung von Platzkarten für die Anschlußzüge an die preußischen DurchgangSzüge ab gelehnt.

** Mahnung zur Vorsicht. In der letzten Zeit ist auS verschiedenen Städten berichtet worden, daß die Kleider von Damen durch weggeworfene glimmende Cigarrenreste in Brand gerathen sind. Einerseits kann deshalb nicht dringend genug zur Vorsicht beim Wegwerfen glimmender Cigarrenreste gemahnt werden. Wie die Thatsachen lehren, kann durch die Unvorsichtigkeit schweres Unglück hervorgerufen werden und der Schuldige würde alsdann wegen fahrlässiger Körperverletzung zur Verantwortung gezogen werden. An­dererseits mögen die Damen von dem Unfug des Schleppen­tragens abstehen und sie sichern sich damit am besten vor einer derartigen Gefahr.

§ Ilbeshausen, 29. August. Die beiden Söhne des hiesigen Holzhändlers Heinrich Georg IV. waren mit dem Fahren von schwerem Fichtenholz beschäftigt, wobei die starken Stämme auS dem Wald bis an die Straße geschleift werden mußten. Hierbei gerieth infolge Umschlagens eines Fichtenklotzes der älteste Sohn unter denselben, so daß ihm beide Beine gebrochen wurden. In ber Nähe beschäftigte Walbarbeiter fuhren ben Verunglückten nach Grebenhain, von wo auS er in das Krankenhaus nach Lauterbach verbracht werden mußte.

§ Freiensteinau, 30. August. Heute Morgen gegen 10 Uhr fand man den in den fünfziger Jahren stehenden Gastwirth Friedrich Euler aus seinem Speicher erhängt vor.

-e. Neu - Ulrichstein , 31. August. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro August 189 3. Ende August 1893 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 66 Mann. Dieselben vertheilen sich auf baß Groß- herzogthum Hessen 17, Regierungsbezirk Kassel 5, Regierung»- bezirk Wiesbaden 5. Königreich Preußen: Provinz Rhein- lanbe 5, Provinz Westfalen 2, Provinz Hannover 1, Pro­vinz Sachsen 1, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 5, Provinz Posen 1 , Provinz Pommern 1 , Provinz Ost­preußen 1; Königreich Bayern 6, Königreich Württem­berg 3, Königreich Sachsen 4. Thüringische Staaten 3. Groß­herzogthum Baden 2, Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin 1, Großherzogthum Luxemburg 1. Ausland: Böhmenl. Hier­von waren: Arbeiter 24, Bäcker 5, Bergmann 1, Brauer 1, Buchbinder 1, Färber 1, Glaser 1, Instrumentenmacher 1, Kaufleute 7, Kellner 2, Kesselschmiede 1, Maurer 1, Metzger 1, Sattler 1, Schlaffer 3, Schneider 5, Schreiber 1, Schuhmacher 3, Tuchscheerer 1, Tüncher 1, Weber 1, Winzer 1 , Zimmermann 2. Im Monat August wurden entlasten 22 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 1, auf eigenen Wunsch 16, wegen Arbeitsscheu 1, wegen Arbeits­verweigerung 4 VerpflegungStage im August 1893: 2237. Gearbeitet wurde an 1991 Tagen, hierunter 578 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind auf­

genommen worden im Ganzen 2300, dagegen abgegangen rat Ganzen 2234 Mann, bleibt Bestand am 31. August 1893: 66 Mann. Abgewiesen wurden im Monat August 4 Mann.

E. Aas ben untere» Horloffthale, 31. August. Die Grummet ernte hat bei uni begonnen, aber, wie ei scheint, ran acht Tage zu früh. Dai Grai ist zwar ziemlich hoch geworden, vielleicht daher all in sonstigen Jahren, ei wuchs aber schnell, ist bettalb saftig und würde besten Masten geliefert baden, wenn man das Futter noch eint Woche länger hätte reifen lassen, well dann die weniger saftigen Stengel nicht so sehr zufammengesallen wären. Hebet die Grummetpreife in unserer Gegend läßt sich folgen bei mittheilen: Der Morgen wurde mit 15, 20, 25 bii 85 Mk. bezahlt, je nach dem Stande bei FutterS. Man rechnet nach ben verschiedenen Lagen der Wiesen auf 6 biß 12 Gentner Grummet pro Morgen. Daraus ergibt sich, daß der Gentner Fuuer auf ber Wiese mit 2,50 bis 3 Mk. berechnet werben muß. Dai Grummetemlewener läßt Einiges zu wünschen übrig; ber Himmel ist stark bewölkt und das Dürrmachen geht recht langsam vor sich. DaS Grummet kann wegen seiner Weich- unb Zartheit nur wenig Regen vertragen, ei wirb sogleich schwarz und oerlicrt an Qualität. Bei ben tbeuren Futterpreisen ist daS Rlsico darum nicht gering. WaS die sonstigen Futterpflangen anbelangt, so ist der recht- zeitig gepflanzte PferbezahnmaiS in unserer Gegend zu einer merkwürdigen Höhe emporgewachsen. ES gibt viele Aecker, auf denen die Pflanzen 12 biß 15 Fuß hoch und dieser Höhe entsprechend dick geworden sind, sodaß man beim Abhauen gehörige Kraft anroenben muß. Manche Aecker sehen von Weitern wie Eichenlohrindenschläge aui. Trotz dieser Starke ist daS Futter bei dem Rindvieh sehr beliebt und wirkt günstig auf die Milchabsonderung. Auch der zweite Klee hat sich gut heranSgemucht, steht aber ziemlich dünn. Bei den Dickwurzeln wird ei Ausfälle geben, denn ihr Stand und WachSthum läßt zu wünschen übrig. Dagegen wuchert baß Unkraut seit einigen Wochen ganz außerordentlich. Die Ob ft ertrüge sind in manchen Ge­markungen, die höher liegen und durch Hügel und Wälder geschützt werden, geradezu coloffal zu nennen. Der Anblick erinnert lebhaft an die riesigen Dbftertrage beß JahreS 1847. BesonberS gesegnet ist u. A. baß kleine Dorf Blofeld, welches auf ber zwischen» dem Nidda- und Horloffthale hinziehenden Hügelkette liegt. Dort hängen buchstäblich alle Hecke» voll Obst. Selbst die Schlehen sind bereits hellblau, bi Beeren beß Weißdorns hellroth, diejenigen der wilden Rose» (Hagebutten) gelbroth und alle schwer beloben. Die Dbfi- bäume find mit 20 biß 30 Pfählen gestützt und trotzde» viele Aeste gebrochen. Daß Obst ist fast reif, durchgängig rothwangig; unter beg Bäumen liegt massenhaftes Faüobb, bereits sehr wohl verwerthbar, aber ist weder Verwendung noch Nachfrage. Die Anschaffung einer Gemeinde-Mahlmüdle und -Kelter ist sehr zu empfehlen, von Obstprei sen hön man immer noch nichts; man nimmt an, daß die Württem­berger nicht kämen unb spricht von billigen Preisen. Daneben wird unsinnig gefordert, z. B. 15 P'g. für baß Hunden Zwetschen, obwohl die Früchte auf dem Boden liegen und verderben.

Darmstadt, 31. August. Einengelungenen Scherzi erlaubte sich gestern ein Unbekannter, indem er per Postkarte sämmtliche Jmmobilien-Agenten für eine bestimmte Stunde in die Restauration Faust einlud, um wegen eines Geschäfts mit ihnen Rücksprache zu nehmen. Die Herren erschienen denn auch nach und nach fast vollzählig, die später Kommenden machten aber recht lange Gesichter, als sie ihre Goncurrenren bereits vorfanden. Bald dämmerte allen Anwesenden bal Bewußtsein auf, daß sie die Opfer einesWitzboldes" ge­worden, der sich nicht wenig ausgelacht haben mag, daß ihm fein Streich so gut gelungen.

Alzey, 29. August. Wie lotterseüberdrüssig baß Gro ber Bewohner unserer Gegend wie auch der ganzen Provin ist, zeigt sich bet jeder Verloosung. So blieben auch von den hiesigen Silberlotterieloosen trotz der gewaltigen Anpreisung über 3000 Stück, also mehr als 30 pCt., unverkauft.

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* Halle a. h 6., 30. August. In der zahnärztlichen Klinik deS Herrn Professors Hollaender hier starb gestern ein 15jährigeS Dienstmädchen, Charlotte Berger, in der Narkose. DaS junge Mädchen war sehr erregt und eS mußte dreimal Chloroform angeroenbet werden. Ob hierbei ein Zuviel geschehen ist, wird wohl die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben. Die Behandlung deS jungen Mädchens war den Assistenten Herren Dr. Simon und Dr. Rosenthal zugewiesen.

Bon ber preußisch-lothringische« ffirenje, 29 August. Die Wirtschaft von Weber in Behren im Kreise Forbach ist auf Verfügung ber dortigen KreiSdirection vorläufig geschlossen worden, da deren Inhaber sich gegen daS QuartierleistungSgesetz vergangen hat. Er hat sich nämlich auS Furcht, daß der verkehr ber Mannschaften bei ihm unterbleiben würde, hartnäckig geweigert, einen Offizier inS Quartier zu nehmen und sich zudem dem quartier» machenden Offizier gegenüber zu beleidigenden Aeuherungen und Drohungen verstiegen. Gegen andere Wirthe im Kreise, welche für die Verpflegung ungewöhnlich hohe Preise nehmen, so für ein ganz einfaches Mittagessen ohne Wein 3 Mk, soll mit enttpreäenben Strafen vorgegangen werden.

Chicago, 25. August. Die Stadt wurde gestern von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. Nach­mittags gegen 4 Uhr, brach In einem dreistöckigen massiven Gebäude im Süden der Stadt ein Feuer auS. ES herrschte ein überaus ungünstiger, heftiger Westwind, die Flammen griffen mit unglaublicher Raschheit um sich und binnen zwei Stunden waren fünf Häusergevierte mit 250 größtenthetlS hölzernen Gebäuden völlig eingeäfchert. Abgebranm sind u. a. zwei Kirchen, mehrere Hotels unb ein großer Kohlen-

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