1893
Mittwoch deu 3. Mai
Rt. 103
Anrts- und Anzeigeblutt für den Atreis Gieren.
Hratisöeitage: Gießener Jamilienblätter
2
w
pßfißt tais<S
■ ene|»t een Änjtigem |Q der Nachmittag» für d« IMgaibfn Lag -rscheinrndn, Wummer hi» Bem. 10 llh«.
Alle Innern en» Bur tauf des In- und luBenbe» nehm« «»zeige» für den .Gießener «e|ti|er* entgegen.
müssen- doch wurde der bübische Anschlag noch rechtzeitig entdeckt. Auffallend ist nur, daß die Schienen gelockert werden konnten, ohne daß das den Bahnkörper bewachende Militär von dem Vorgänge etwas bemerkte; vielleicht sind die Attentäter unter der harmlosen Maske von Eisenbahn- arbettern erschienen.
Ausland
Pest, 29. April. Saaten st andsbericht vom 16. bis 29. April. In den beiden letzen Wochen, hat die andauernde Trockenheit und Kälte, wodurch die Pflanzen sich nur theilweise und langsam entwickelten, den Stand der Saaten größtentheilS verschlechtert. Der Weizenanbau ist schlechter, Roggen, Raps und Herbfthafer sind hochgradig dünn geworden, stellenweise ist ein bedeutender Theil deS Anbaues zu Grunde gegangen. Wenn ausgiebiger Regen wie gestern fällt, ist Aussicht auf Besserung der übrig gebliebenen Saaten, sowie überhaupt des Weizens vorhanden, welcher die ungünstige Witterung noch am besten ausgehalten hat. Außer den emporgekeimten Frühjahrssaaten hat am meisten die Gerste gelitten - der Hafer steht noch ziemlich gut, aber dünn und ungleichmäßig.
Petersburg, 1. Mai. Die zuerst in englischen Blättern aufgetauchten Meldungen über ein Attentat, das gegen den Czaren auf desien jüngster Reise von Petersburg nach der Krim versucht worden sein soll, erfahren durch anderweitige Nachrichten ihre Bestätigung. Es hat sich herausgestellt, daß mehrere Schienen in der Gegend von Charkow gelockert worden waren, sodaß der kaiserliche Hofzug beim Passiven der kritischen Stelle unzweifelhaft hätte entgleisen
Deutscher Reich.
Berlin, I.Mai. Die Verhandlungen zwischen dem Centrumssührer Herrn v. Huene und der Reichsregierung wegen eines in der Militär frage abzuschließenden Com« promisses sind auch in den letzten Tagen noch fortgesetzt worden. Sie werden indeflen allseitig als aussichtslos betrachtet und muß demnach die Ablehnung der Militärvorlage Seitens des Reichstages nach wie vor als höchst wahrscheinlich gelten. Erneut wird aber in verschiedenen Bläkten versichert, daß die Frage einer Auflösung des Reichstages im Bundes- rathe bislang noch gar nicht zur Erörterung gelangt sei. Der Bundesrath kann allerdings auch dann erst in die Lage kommen, hierüber laut Art. 24 der Reichsverfassung einen Beschluß zu fassen, wenn ihm ein entsprechender Antrag des Reichskanzlers im Namen des Kaisers zugeht.
— Der Staatssecretär im Reichsjustizamte Hanauer ist nach kurzer, aber schwerer Krankheit am Sonntag Nachmittag in Berlin, 65 Jahre alt, gestorben. Hanauer war erst im Frühjahr 1892 an die Spitze deS Reichsjustizamtes berufen worden, dessen Director er bis dahin gewesen war, nachdem Staatssecretär Dr. Bosse zum preußi- schen Cultusminister an Graf Zedlitz Stelle ernannt worden war. Ueber den etwaigen Nachfolger Hanauers in der obersten Leitung des Reichsjustizamtes verlautet noch gar nichts.
Locales uttfc Provinzielles.
Gießen, 2. Mai 1893.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnersta'g den 4. Mai 1893, Nachmittags 4 Uhr:
Amtlichem Theil.
Bekanntmachung,
betreffend die Maul- und Klauenseuche.
Zu Mudersbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauen« seuche festgestellt worden.
Gießen, den 1. Mai 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend Maßregeln gegen die Ausbreitung der Maul« und Klauenseuche.
Die nachstehende Bekanntmachung Großh. Kreisamts Büdingen bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Gießen, den 1. Mai 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Da die Maul« und Klauenseuche in den Orten Echzell und Engelthal und in mehreren Orten der an den Kreis Büdingen angrenzenden Bezirke festgestellt ist, bestimmen wir, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhüten, daß alle Diejenigen, welche die im Kreise Büdingen stattsindenden Märkte mit Rindvieh, Schafen, Ziegen oder Schweinen befahren wollen — einerlei ob Händler oder Landwirthe — im Besitz thierärztlicher Gesundheitsscheine sein müffen.
Zuwiderhandlungen werden nach den desfalls bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bestraft.
Büdingen, den 26. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Büdingen.
K l i e t s ch.
1. Baugesuch des Peter Gibb. 2. Gesuch der Gail'schen Dampfziegelei und Thonwaarenfabrik um Erlaubniß zur Anlegung einer Feldbahn auf dem Erdkauterweg. 3. Verlegung eines Fluthgrabens im Neustädterfeld. 4. Ausbau der Sencken« bergstraße. 5. Herstellung der öffentlichen Pumpbrunnen. 6. Abstellhahnen für Hauswafferanschlüffe. 7. Anschaffung einer Saug- und Hebepumpe. 8. Der Canal vor dem Ztnßer'schen Hause an der Grünbergerstraße. 9. Anbringung von Plakattafeln und Anschlagsäulen. 10. Ertheilung von Handfertigkeitsunterricht. 11. Decretur von Kostenrechnungen. 12. Gesuch des Metzgers Georg Kraft um Ertheilung der WirthschaftSconcession fürs Haus Wetzsteingaffe 42. 13. Desgleichen des Fr. Aug. Albold für die Localität „Zum Gambrinus".
*♦ Von der Universität. Der „Darmst. Ztg." wird von hier geschrieben: Diese Woche sind die schriftlichen Prüfungen des diesjährigen Frühjahrs-Examens der juristischen Fakultät zu Ende gegangen. An dem Examen nahmen 28 Candidaten theil, die höchste Zahl seit vielen Jahren.— Die zur Behandlung gestellten Themata waren: 1) Die Civilehe. Ihre Erfordernisse nach dem Civtlstandsgesetz von 1875 und die Stellung des Reichsgesetzes zu dem kirchlichen Eherecht. (Professor Dr. Schmidt.) 2) Exegese über Alter- nativobligation nach einer Stelle be§ Corpus Juris. Ferner: Entscheidung eines Falles über wahlweises Vermächtniß. (Prof. Dr. Kretschmar.) 3) Praktischer Fall. Gefordert wurde ein Urtheil. Anzuwenden: Pandekten, Civilprozeß- und Concursrecht. (Prof. Dr. Jörs.) 4) Nationalökonomie, a. Wirthschastlicher Begriff von Versicherung, Sicherung und Sparen, b. Wie werden in den vier Dersicherungsarten der deutschen Reichs-Arbeiterversicherung die Deckungscapitalien aufgebracht? c. Inwiefern ist in der Unfallversicherung auch der Arbeitgeber versichert? (Geheime Hofrath Profesfor Dr. Laspeyres.) 5) Ein strafrechtlicher Fall über mittelbare Thäterschaft. (Prof. Dr. Frank.) 6) Staatsrecht. Die Bedeutung des Wortes „Gesetz" und „Gesetzgebung" in Artikel 2 der deutschen Reichsverfassung. (Prof. Dr. Rehm.) Den Vorsitz in den Prüfungen führt der derzeitige Dekan der Fakultät Prof. Dr. Schmidt. — Die mündlichen Prüfungen beginnen voraussichtlich Montag, den 8. Mai.
*♦ Neues Theater. Auf die heutige Lustspiel-Novität „Zwei glückliche Tage" verfehlen wir nicht, nochmals ganz besonders aufmerksam zu machen.
** Da8 CorpS Starkenburgia hat die Hofraithe des Herrn Braumeister Möller, Lethgesterner Weg 5, angekauft, um dieselbe in ein Corpshaus umzugestalten. Der Kaufpreis beträgt 34 500 Mk.
** Radfahrsport. Vom schönsten Wetter begünstigt unternahm am Sonntag der Nordbezirk des Gau IX. des D. R. V. seine Frühjahrs-Bezirkstour nach Butzbach. Nachdem sich hier auf dem Lenz'schen Felsenkeller die Vereine vereinigt hatten, wurde gegen 9 Uhr gemeinschaftlich die Tour nach Butzbach fortgesetzt. Dort angekommen begann um 11 Uhr die Vertretersitzung sämmtlicher Vereine. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Vorstandswahl des Bezirks. Als Schriftführer wurde Herr Fr. Rumpf-Marburg, als Kassierer Herr H. Staubesand daselbst, als Beisitzer die Herren Meyer und Huhn-Gießen gewählt. Der Bezirksfahrwart Herr Engel ist gleichzeitig Vorsitzender. Außerdem wurde beschlossen, die Herbstbezirksfahrt nach Weilburg zu unternehmen. Nachdem gegen 3 Uhr das gemeinschaftliche Mittageffen beendet, setzte sich der Corso durch die Straßen der Stadt in Bewegung. Es waren vertreten Friedberg, Frankfurt, Gießen, Weilburg, Wetzlar, Marburg, Gladenbach, Kirchhain und Biedenkopf. Nach dem Corso fand Gartenconcert im Hessischen Hof statt, an welches sich ein Tanzkränzchen anreihte, das die Theilnehmer bis zum frühen Morgen zusammenhielt.
♦* Gestern Abend hielt die Gießener Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung im Gasthause „zur Shrone" ab. Anwesend waren im Ganzen 76 Mitglieder. Zuerst verlas Herr Hauptmann Möhl den Jahresbericht, aus welchem wir folgende Hauptpunkte entnehmen: Der derzeitige Mitgliederbestand betrügt 118. Im vergangenen Geschäftsjahre hatte das Corps bei elf Bränden Hilfe geleistet und wurden zehn Hauptübungen und eine Schlußübung abgehalten. Darauf berichtete der Rechner, Herr Gail, über dieMnnahmen und Ausgaben während des vergangenen Jahres und ergab das Resultat nach stattgefundener Prüfung einen Kasiebestand von 783.81 Mk. Der erste Hauptmann, Herr Schlachthausverwalter M Lhl, welcher sich seit einer Reihe von Jahren sehr um das Corps verdient machte und von vielen Seiten wieder als erster Hauptmann empfohlen wurde, lehnte eine Wiederwahl ab, weil er als
ML
Norreste Nachrichten,
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 1. Mai. Die „Nationalzeitung" will wissen, ein neuer Compromißvorschlag Huene über die Militärvorlage habe die Zustimmung des Reichskanzlers erhalten. Für denselben werde auf die Stimmen der Con- servativen, der Nationalliberalen und mit größerer Bestimmtheit als für die früheren Vorschläge auf Theile des Centrums und des Deutschfreisinns gerechnet.
Berlin, 1. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der Meldung über die Abkürzung des Kaiserbesuchs in Karlsruhe: Wenn der Kaiser das Zusammensein mit hohen Verwandten früher abbrechen will, als es ursprünglich beabsichtigt war, so beweist dies, welchen Werth der Monarch darauf legt, während der Zeit am Sitze der Regierung zu weilen, in welcher die Entscheidung darüber fallen muß, ob der Reichstag die Militärvorlage in einer die Ehre und Sicherheit des Vaterlandes entsprechenden Form annehmen wird.
Spezia, I.Mai. Die kaiserlichen und köniblichen Herrschaften sind unter enthusiastischer Begrüßung der Bevölkerung hier eingetroffen. Die Batterien der Forts und die ankernden Schiffe gaben Salutschüsse ab.'
Depeschen beS Bureau „Herold".
Berlin, 1. Mai. Von zuverlässiger Seite verlautet, der Freisinnige Hinze habe gestern beim Reichskanzler vorgesprochen und demselben mitgetheilt, zwanzig Freisinnige wollten HueneS Compromiß unterstützen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt die gestrige Meldung von der Rückkehr des Kaisers am 4. Mai.
Berlin, 1. Mai. Heute Vormittag fand eine Versammlung von Anarchisten statt, welche etwa 500 Theilnehmer zählte. Nach einer aufreizenden Rede des Arbeiters Polenz wurde auf Grund des § 5 des Vereinsgesetzes die Versammlung aufgelöst, wobei es zu einem stürmischen Tumult kam.
Berlin, 1. Mai. Gegenüber der Meldung der Blätter, die Einführung des Dowe'schen kugelsicheren Stoffes in die deutsche Armee sei abgelehnt worden, macht der hiesige Vertreter Dowes bekannt, die Angelegenheit habe im Kriegsministerium noch nicht Vorgelegen, somit könne auch von einer Annahme oder Ablehnung noch keine Rede sein.
Berlin, 1. Mai. Bisher ist von einer großen Maifeier hier nichts zu bemerken. Der Bahnhofsverkehr ist wie alle Tage. Das Wetter ist veränderlich, g
Berlin, 1. Mai. Die Unabhängigen und Anarchisten, ungefähr 400 Personen, zogen heute Nachmittag durch die Stadt nach dem Thiergarten. Eine starke Polizei- macht war aufgeboten, um Ausschreitungen zu verhindern.
Berlin, I.Mai. Die Reichstagssractionen ttaten heute särnrntlich zusammen, um nochmals eine endgiltige Stellungnahme zur Militärs orlage zu berathen und die Redner für die zweite Berathung zu bestellen.
Chemnitz, I.Mai. Der gestrige Tag ist ruhig verlaufen. Bei der Stelzendorfer Maifeier sprach der Abgeordnete Schippel gegen die Militärvorlage, für den Achtstundentag und für die Gleichberechtigung der Frauen. Heute finden in Chemnitz große Versammlungen, die Hauptseier aber erst nächsten Sonntag statt.
Stuttgart, I.Mai. Die Maifeier war tagsüber kaum bemerkbar. Gegen Abend fand eine große Feier im Circus- gebäude statt, wo 4000 Personen, darunter 900 Sänger, anwesend waren. Die Versammlung nahm nach der Festrede einstimmig Resolutionen zu Gunsten des Achtstundentages an. Die Ruhe wurde nicht gestört.
München, 1. Mai. Der 15. Derbandstag der Haus« und städtischen Grundbesitzer-Vereine Deutsch« lands ist auf den 7. und 8. August nach München einberufen.
München, 1. Mai. Der 1. Mai zeigt hier sein völlig alltägliches Gepräge. Abgeordneter v. Vollmar ist bereits zum Reichstage nach Berlin abgereist, Birk folgt heute Abend nach.
Der ee**n «scheint täglich, ■M Ausnahme de» Montag».
We Gießener
dem Anzeiger WSchaittltch dreimal '.«igele,».
‘«Sass
T8V
Heum
A WZ glatter
^Garnen,Zollt» "gogneundBaA
t & "'lWieAnftricke, ölrö billig und rasch
ieu hergerichiele WohiW :n mit Zubrbbr sofort» wiFo-10 ZillunrnÄ ■mietben. .
>eg 14, Ecke der SartaK !. KE___
WP'H-W *’ iM sAer.
ttatti Lleinftrck 4&_
> 6 8ta«« iS
-W an xuW p» SÄ*?”1
ELS.
nichuM.
iHinter-auS oom 15. M Jk) ju xrmltlfa.
Ofanlagt 9.
M, w wmW». Mlsvrinskaßt M.
ner, Mc, Seller, »4 .BoU, GMnzcch. I e abgeschlossene ffiofaimi rn, 2 Cabineten und ßa> Mn. Bleichstrahe l
Gießener Anzeiger W
Kenerat-Anzeiger.


