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02/05/1893 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Paris, 29. April. Für den ersten Mai ist die Gar­nison confignirt. Man hofft indeß, daß der Tag ruhig ver­läuft. Die GueSdiften beschlossen, an der Maifeier nicht theilzunehmen.

Xom, 29. April. Der Pap st empfing heute Bormitta- in den Loggien deS Raphael die Pilger aus Lothringen, welche von mehreren in Rom ansässigen Lothringern begleitet waren, im Ganzen etwa 250 Personen. Der Bischof von Metz verlas eine französische Adresse. Der Papst erinnerte in seiner französisch gehaltenen Erwiderung an den alten Ruhm der Metzer Katholiken, beglückwünschte den Bischof da­zu, daß er ihm die Vertreter der Katholiken Lothringens zu- gesührt habe und sprach die Ueberzeugung auS, daß der Bischof und seine Gläubigen nach ihrer Rückkehr in dieHeimath einen noch größeren Eifer zu Gunsten der katholischen Werke an den Tag legen würden. Alsdann empfahl der Papst allen Getreuen die engste Bereinigung mit dem Bischof und ertheilte schließlich den Anwesenden den Segen. Hierauf überreichte der Bischof dem Papste ein reich auSgestatteteS Album mit Abbildungen von Denkmälern aus Lothringen, welches die Inschrift trägt:DaS katholische Lothringen für Leo XIII." Der Cardinal - Staatssekretär Ram polla wohnte der Audienz bei.

Rom, 29. April. Der Papst empfing heute Nach­mittag 1 Uhr in der Oalleria geografica die Pilger aus dem Elsaß und ihre in Rom ansässigen Landsleute, im Ganzen über 500 Personen. Der Bischof von Straßburg verlas eine lateinische Adresse. Der Papst betonte in seiner Er­widerung, daß er mit dem größten Wohlwollen die Gefühle der Ergebenheit und Treue entgegennehme, welche ihm im Namen der Prälaten, des CleruS und der Getreuen von Straßburg dargebracht würden. Diese Gefühle entsprächen übrigens vollständig den christlichen Denkmälern der Geschichte des Elsaß,- denn seit der Zeit seines ersten Apostels, des heiligen Maternus, sei Elsaß fort und fort mit dem heiligen Stuhle durch unlösliche Bande vereint gewesen. Der Papst erinnerte darauf an seinen Borgänger Leo XI., der, früher Bischof in einer kleinen Stadt im Elsaß, jedes Jahr die Gläubigen seiner Diöcese nach Rom führte, um dem Papste ihre Huldigungen darzubringen und den Segen des-PapsteS zu erflehen. Er beglückwünschte die Anwesenden wegen ihrer guten Ge­sinnungen und ermahnte sie, in denselben auszuharren. Der Papst forderte schließlich die Pilger auf, den Familiensinn zu pflegen und ihre Kinder gut zu erziehen. Darauf ertheilte der Papst den Anwesenden den Segen.

Neapel, 29. April. Das deutsche Kaiserpaar und daö italienische KönigSpaar, sowie der Kronprinz mit Gefolge begaben sich heute um 9 Uhr nach Pompeji. Lebhafte Ovationen fanden während der Fahrt auf den Stationen, sowie bei der Ankunft in Pompeji statt. Die Ruinen der alten Stadt wurde eingehend besichtigt. Die Kaiserin und die Königin benutzten zierliche Sänften antiken Stils. Später wohnten die Fürstlichkeiten den Ausgrabungen des jüngst entdeckten Hauses bei, wobei mehrere Gegenstände gefunden wurden, besonders Amphoren, größere Weinkrüge. Alsdann erfolgte die Besichtigung der Thermen von Stabiä. Die Rückfahrt wurde um halb 3 Uhr angetreten.

Neapel, 29. April. Die Galavorstellung im Theater San Carlo war überaus zahlreich besucht. Den ita­lienischen und deutschen Majestäten, welche 10^2 Uhr daS Theater betraten, wurde von den Anwesenden, die sich von den Sitzen erhoben, eine große Demonstration bereitet. Die Musik spielte die italienische und preußische National- Hymne. Am Ende des LohengrinacteS erneuerte sich der Beifallsjubel. Das Publikum verlangte unter lebhaftem Beifallsklatschen die preußische Nationalhymne und dann die Königshymne. Unter wiederholten Ovationen verließen die Majestäten und Prinzen, während die Musik erneut die preußische und italienische Hymne spielte, daS Theater.

Newyork, 29. April. Heute fand eine große Parade statt, an welcher außer den Matrosenabtheilungen und der Marine-Infanterie der verschiedenen fremden Geschwader auch amerikanische Truppen Teilnahmen. Die fremden Admirale und Offiziere wurden von dem Bürgermeister Gilroy und den Gouverneuren Flowell und Russell empfangen und wohnten der Parade im Rathhaus bei. Nach der Parade wurden die fremden Offiziere als Gäste der Stadt Newyork in das Hotel Waldorf zum Gabelfrühstück eingeladen.

Newyork, 29. April. Bei dem Eyclon sind laut amt' licher Feststellung in Oklahoma 150Personen getödtet und 500 verletzt worden.

Eatania, 29. April. ES bestätigt sich, daß sich auf dem Grunde deS Centralkraters des Aetna an vier Stellen glühende flüssige Lava zeigte.

Coealts unb provinzielle-.

Sießea, 1. Mai 1893.

** Neues Theater.Preciosa" brachte un- der gestrige Abend, allerdings nicht so, wie mancher der Besucher sich ge­dacht hatte. Man hatte nämlich, da daS Opernpersonal ander­weitig verwendet wurde, auS der romantischen Oper deS Karl Maria von Weber, daS Schauspiel des PiuS Alexander Wolff gemacht und diesem nur die Webcr'schen Chöre gelassen, alle- andere jedoch als Melodram behandelt. Obwohl der Text an sich ja deS Schönen recht DieleS bietet, so ging auf diese Weise doch manche Perle Wcber'scher Musik verloren, wie B. daS herrliche Lied:Einsam bin ich nicht alleine" u. s. w. Jndeß das Schauspiel ist, wie schon angedeutet, so reich an dramatischen Momenten, daß man schließlich auch damit zufrieden sein konnte. Preciosa, die jugendliche Königin einer Zigeunerbande, kommt auf ihren Wanderungen an den

Verfasser Schönthan und Kadelburg haben sich selbst über­troffen und ein Lustspiel geschrieben, welches für lange Zeit das Repertoir der deutschen Schaubühne beherrschen wird, es ist so originell und drastisch, daß man sactisch nicht au» der guten Stimmung herauSgerissen -wird, das war denn auch bei gestriger Aufführung der Fall und können wir un» nicht entsinnen, daß ein Lustspiel der Neuzeit solchen Erfolg zu verzeichnen hatte, wieZwei glückliche Tage." Da dem Stücke auch hier eine sorgfältige Jnscenirung zu Theil geworden ist, dürfen wir auf eine gewiß vorzügliche Aufführung rechnen.

*e Im Cast- Ebel fand vergangenen Samstag die dies­jährige ordentliche Generalversammlung de» Kaufmännischen Vereins statt, wobei die Wahl deS Borstande» cm für den Verein ganz günstiges Resultat einbrachte. Gewählt wurden Herr Carl Orbig Vorsitzender, Herr Otto Meyer, (Prokurist im Hause E. Wasserschleben) Stellvertreter, Herr C. Obermüller, Schriftführer, Herr Georg Böhm, Cassierer, Herr Christian Finger, Bibliothekar. Möge der Verein unter dieser Leitung blühen und gedeihen.

Am SamStag passirte eine dritte Abtheilung der Kafteler Pioniere den hiesigen Bahnhof, um dem abgebrannten Hör­bach Hülfe zu bringen.

* Den Bericht über den Antrag der Abgeordneten Bergsträßer und Genossen, betreffend Wiederherstellnng M Lehrstuhls für Kunstwifsenschaft an der Lande» Universität Siehe« hat Namens des Ausschusses der Zweiten Kammer der Abg. Dr. Schröder erstattet. Der Antrag will den vor einigen Jahren eingegangenen Lehrstuhl der Kunstwissenschast an der Landesuniversität wiederhergestellt und die dazu erforderlichen Mittel in da» nächste Staatsbudget aufgenommen wissen. Großherzogliche Regierung erklärt auf Befragen: ^die Wieder­herstellung des besagten Lehrstuhls bei Ausstellung des Staats­budgets für die nächste Finanzperiode in Erwägung ziehen zu wollen." Der Ausschuß findet dagegen nicht« zu erinnern und beantragt: die Kammer wolle im Hinweis auf die eben mitgetheilte Erklärung Großherzoglicher Regierung den Antrag der Abgeordneten Bergsträßer und Genossen für erledig« er­klären.

* DaSGwbl. f. d. G. H." schreibt. , Während der Dauer der internationalen Weltansstelluag ju Shicago werden einzelne Vertreter des Landccgewerbeverein» längere Zett da­selbst anwesend sein. ES erscheint zweckmäßig, denselben au» den Kreisen unserer Mitglieder darüber MinheUung zu machen, in welcher Richtung ein mit der genannten Ausstellung zu­sammenhängendes Interesse einzelner Gewcrbegruppen und Industriezweige Berücksichtigung finden könnte. Wir ersuchen derartige Minheilungen baldmöglichst an die Adresse der Großh. Centralstelle für die Gewerbe eiozuienden."

* Einer Statistik über Rennpreise bei Radmettsahrle« entnehmen wir folgende Einzelheiten. Der bekannte ameri»

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Neueste Nachrichten.

Depeschen de« Bureau «Herold*.

Berlin, 1. Mai. OsficiöS verlautet, das deutsche Kaiserpaar werde seinen Besuch in Karlsruhe wegen der ernsten Lage und der zu erwartenden Beschlüsse bezüglich der Militärvorlage abkürzen.

Berlin, 1. Mai. Die Nummer deSSocialist" vom 1- Mai wurde wegen eines'zu Gewaltthätigkeiten aufreizenden Artikels confiScirt.

Wien, 1. Mai. Die hiesigen Zeitungen geben DienStag keine Morgenblätter heraus, da ihre Setzer die Maifeier beschlossen haben.

Rom, 1. Mai. DieCorrespondenz" bespricht daS Resultat deS Besuchs deS Kaisers in Rom und betont, der Kaiser habe bei dem Empfang deS Gesandten seine friedlichen Gesinnungen durch die Aeußerung verrathen: Wir wollen den Frieden und werden Alles thun, ihn zu erhalten.

Hof de« spanischen Granden Carcano, ihre Schöhnheit entzückt ^llle, die mit ihr Zusammentreffen und bewirkt, daß der Svh« deS Grasen sich rasend in sie verlieb« und ihr heimlich folgt Auf den roeiteren Zügen kommt sie auch an den Hof de» Bruder» jenes Carcano, de» Abrevedo, und macht auf dessen Sohn, der sie als Spielerin bei einem Feste engagtren will, ebenfalls einen tiefen Eindruck, so daß sein Neffe, Oer jetzt der erklärte Bräutigam Preciosa» ist, aus Elfersucht da» SchweN gegen lhn zieht. Jener wird gefangen und vor feinen eigenen Vater, der sich auf Besuch bei seinem Bruder befindet, zur Aburtheilung gebracht. Dieser erkennt seinen Sohn uni ist höchst aufgebracht über dessen Thun, da wird durch die k Habgier der Zigeunerbande offenbar, daß Preciosa die Tochter AbrevedoS ist, die vor 18 Jahren von jenen geraubt, von den Eltern aber als lobt beweint worden war. In Folge dessen darf der Bräutigam feine Braut heirathen und alle» schwärmt in Glück und Freude. Die Wiedergabe deS Stückes war eine im Allgemeinen recht gute. Frau Director Baar» zeigte unS durch die Durchführung der Titelrolle, daß sie eine Schauspielerin ist, die an feinsinniger Auffassung de« Stoffes und tüchtiger Bühnengewandtheit nichts zu wünschen übrig läßt. Auögestattet mit einer recht vortheilhasten Bühnenerscheinung und einer sympathischen Sprechstimme, ge­staltete sich ihrePreciosa" zu einer äußerst anziehenden und netten Figur, besonders glücklich gelang der Vortrag de» rett« tativen Theil» der Parthie. Herr Keller alsCarcano" hätte durch weniger hastige« Sprechen und Verschlucken der Worte viel gewonnen. Herr Hob6 al»Alonzo" war in jeder Hinsicht tadellos. Auch Herr Hertzog al«Azevedo" genügte allen Ansprüchen. Seine GattinDonna Clara" hätte jedoch dafür, daß sie ihre silberne Hochzeit feierte, etwa» älter erscheinen dürfen. Eine Figur, die an Liebenswürdigkeit und Anmuth birect neben biePreciosa" zu stehen kommt, war berEugenio" deS Fräulein Hofmann. Die Dame entzückte burch ihr frische» und graziöse« Spiel alle Anwesenbeu und erntete reichen Beifall. Herr Thiemann alsSchloß- vogl" erregte durch seine Erzählungen von bergroßen Re- tirabe" ungeheuren Jubel. Die Zigeunermutter , Biarda" der Frau Heim war hinsichtlich beS Spiels recht gut, nur bie Stimme hätte manchmal etwa« weniger jugenblich, dagegen etwas heiserer und krächzender fein können. Die Cdöre gingen recht gut und auch daS Ensemblefpiel klappte vor­trefflich. Das Publikum, daS in sehr großer Anzahl erschienen war, nahm die Aufführung dankbar hin und zeichnete die Träger der Hauptrollen, besonders Frau Director Baar», durch öfteren Hervorruf und lebhaftes Applaudiren au».

** Neue» Theater. Die bedeutendste Novität auf dem Gebiete ist daS LustspielZwei glückliche Tage" von G. Kadelburg und Franz von Schönthan. Allabendlich, wo das genannte Stück in Berlin gegeben wird, füllen sich die Räume deS Deutschen Theaters mit einem auserlesenen Publikum und wahre Lachsalven und Beifallsstürme durch- toben die Räume, wenn der glücklich unglückliche Billenbesitzer die Annehmlichkeiten seinerMückenburg" in der Sommer­frische genießt. ES ist eine Situationskomik in dem Stück vorhanden, welche unwillkürlich fesselt und zu unbändiger Heiterkeit reizt. So schreibt dasBerl. Tgbl.":Die beiden

In butter Beratbung wird ebenfalls bebaitelo« bet Nach- trag« etat für 1893/94 (deutsche Botschaft tn Washington, Bot- ichait erholet tn Madrid, 6btceaoet flutheüung) angenommen. Desaleichen der zweite NachlragSetat für 1892/93 (Mehrkosten für Brod-, Fourage- und 8ktuelienoetpfl?flung bei der Armee) tn erster und «weiter Lestmg.

Dann wird in bk zweite Berathrwz des Gesetzentwurf« betr. bie Abzahlungsgeschäfte etagetreten. (Referent: Abg. Dr. Mehnert.)

Die Commission beantragt folgende Fassung für $ 1: ^Hat bei dem Verkauf einer dem Käufer übergebenen beweglichen Sache, deren Kaufpreis in Teilzahlungen bcrichttat werben soll, der Verkäufer sich da« Recht vorbehalten, wegen Nichterfüllung ber dem Käufer obliegenden Verpflichtungen von dem Vertrage zurückzutreten, so ist im Falle diese« Rücktritt« jeder Zbdl verpflichtet, dem anderen Theil die empfangenen Leistungen zurückzugewähren. Eine entgegcnstehende Vereinbarung ist nichtig." ($2, tn der C ommisfionsfaffung, bestimmt sodann: Der Käufer hat im Falle de« Rücktritt« dem Verkäufer für die infolge des Vertrags gemachten Aufwendungen, sowie für solche Beschädigungen der Sache Ersatz zu 1 et ft en, welche durch ein Ver­schulden bet Käufers ober durch einen sonstigen von rhm zu ver­tretenden Umstand verursacht find. Für die Ueberlassung des Ge­brauchs oder der Benutzung der Sache ist der Werth zu vergüten. Auch hier ist eine entgegenstehende Vereinbarung nichtig.)

Abg. Heine (Soc.) fragt, ob auch die Staat-lotterien, die größten Abzahlungsgeschäfte (infolge ber Ratenzahlung ber Loose), dem Ges-tz unterworfen sein sollen.

Abg. Wöllmer (bfr.) beantragt, daß tn dem tn $ 1 angeführten Falle ber Käufer nur berechtigt fein soll, gegen Rückgabe der em» pfangenen Sache die Zurückgewährung der von ihm geleiteten TheU- »ahlungen tnfoweit zu fordern, al8 er nachwetst, daß bei Verwirkung der geleisteten Theilzahlungen die Vermögensoorthelle deS Verkäufer« in auffälligem Mißverhältniß zu ber von ihm gewährten Leistung stehen. Der erste Satz ber $ 2 soll dahin gefaßt werden: Ter Käufer hat im Falle des Rücktritt« dem Verkäufer zu ersetzen: 1. die infolge des Vertrag« gemachten Aufwendungen, 2. den Minder- wert h der Sache, welcher sich bei Rückgabe derselben gegenüber dem vereinbarten Kaufpreise ergibt Antragsteller motiviit ben Antrag mit der Nothwmdtgkeit, da« legitime Geschäft zu schützen, dem andernfalls der LebenSfaden abgefchnitten würde. Der Antrag reiche vollständig auS, bie Auswüchse, bie man beseitigen wolle, auch wirkich zu beseitigen.

Abg. Ackermann (confj: Auch seine Freunde wollten nur die Beseitigung von Mißbräuchen, nicht die Unterdrückung der Ab­zahlungsgeschäfte überhaupt. Mißbrauch sei namentlich mit der Verwirkungsclausel getrieben worben und dem trete die Vorlage entgegen. Auch in der Nähmaschtnenbranche, auf die sich Vorredner berufe, seien Unbilligkeiten in der Handhabung ber Verwirkungs­clausel oorgekommen, wofür er Beweise habe. Der Antrag Wöllmer mache es dem Käufer, den er auf den Prozeßweg dränge und dem er die Beweislast auferlege, fast unmöglich, an der Wohltbat de« Geietzes theilzunehmen. Und wie dehnbar fei der Begriffauffälliges Mißverhältniß"!

Abg. Dr. v. Bar (bfr.): Man wolle hier die Gonocntionale strafe beseitigen, die sich doch In unser Recht eingefügt habe und die vielfach sehr nützlich wirke. Man wolle von vornherein festsetzm, daß der Contract zu Gunsten des Käufer« gebrochen werden kann. Allerdings habe man die Nothwendigkeit einer Entschädigung für Abnutzung der verkauften Sache erkannt; aber wie soll die Ent- schädigungSpflicht construirt werben ? Wenn das Gesetz in der Eornmisstonsfassung zu Stande komme, werden die Abzahlungs­geschäfte einfach auf den Weg der Verrnieihung verwiesen. Sie werden künftig die Sachen, die fte bisher auf Theilzablung verkauften, verrniethen und zwar zu bemfelben Preise, zu dem die Sachen bisher in da« Eigenihum des Abnehmers übergingen.

BundeScommissar Geh. Rath Dung« spricht sich gegen den Antrag Wöllmer aus.

Adgg. Krämer (natl.) und Spahn (Ctr.) befürworten die CommisstonSanträge.

Abg Auer (<5oc.) erklärt, daß feine Freunde gleichfalls für bie CornmisstonsVorschläge stimmen. Sie verkennen nicht deren VerbesserungSfähigkeit, ber Antrag Wöllmer bringe aber keine Ver­besserung. Werbe die Vorlage in ber CommifsionSfassung ange­nommen, so werde der infamen HalSabschneiberei auf dem Gebiete d-S Abzahlungsgeschäfts ein Enbe gemacht. Das Abzahlungsgeschäft in Nähmaschinen habe bas Proletariat ganz erheblich geförbert. Wenn infolge dieses Gesetzes die Unternehmer gezwungen würben, Arbeitsstätten einzurichten und selbst Maschinen zu stellen, so würbe das ein wahrer Segen sein. Die durch den Vertrieb mit Näh­maschinen auf Abzahlung hervorgerufene Hausindustrie fei ber menschlichen Gesunbheit, ber Moral unb Sitte juwlber. Das Ab­zahlungsgeschäft selbst werbe durch da« Gesetz vernichtet werben.

Abg. Dr. Osann (natl.) spricht argen das Gesetz; eine wahre Fluth von Processen würbe bie Folge desselben sein.

Die Debatte wirb geschlossen unb vor der Abstimmung die Weiterverhanblung vertagt.

Dienstag: Ersatzvertheilung, Nachtragsetat, Schlußabstimmung über das Wuchergesetz, Bericht ber Ahlwarbtcvmmission.

Deutscher Neichstag.

86. Sitzung. SamStag, 29. April 1898.

, Auf ber XageSorbnung steht zunächst die zweite Berathung de« ^fctzentwurf« betr. die Ersatzvertheilung. (Reserml: Abg.

Art. I. der Vorlage bestimmt, daß ber Gesammibedarf an

*en i °aS unter preußischer Verwaltung stehenbe ReichS- Militärconlingent durch das preußische Kriegsministerium, für die übrigen MUitärcontingente durch die betr. Kriegsministerien auf die Armeecorpsdezilke oerthellt wird, und zwar nach beut Verhältnis ber im lausenden Jahre In diesen Bezirken vorhandenen, zur Sin- oclDm, Dienst tauglichen Militärpflichtigen, auS- derjmigm der seemännischen Bevölkerung. Die Vertheilung b<? £T!?bb<bartlbt,c ®,atne findet durch da« preußische Kriegs- rntmsterium nach Maßgabe der vorhandmen tauglichen Milltär- pflichligm ber seemännischen Bevölkerung statt. Beim Mangel an Ersatzmannschaften der seemännischen Bevölkerung wird der Bedarf burch Hinübergreism auf geeignete Militärpflichtige ber Landbevölkerung unter Zurechnung zu Den für da« Landheer aufzubringmdm Rekruten gedeckt.

Letztere Bestimmung bedingt eine «enderung ber Verfassung Die Commission beantragt die Ausnahme de« modificirtm Art. 53 ber Verfassung in daS Gesetz.

Der Eommisstonsantrag wird angmommen, ebmso der ganze im Uebrigen unverändert gebliebene Gesetzentwurf

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