Ausgabe 
2.4.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ln^0^7T^l Per fofort^ ffiTHäß offenen

J als

MZ -DE MSI

'UM^nfaEe.

3 m^HuUch ®«btn von einer erster

*** M SIE ige Vertreter gesucht.

5 ' »4 Mi Sirtnta. Äl »« «Mr* Sie Bedingungen sind außer, günstig und gewähren die !- 'l°> btt «Niger Thätiakeit ein «W «werben. Offerier an -aasenfftk u.

Darmstadt.

w«x«M gesucht.

^chubecker, Mmermffr., Bismarlkstraße 22, [2806

itige Knechte. I , Weller. MMechie k. (aus.- md)b deutsche edende Leute) ver» JahreMn schnell und billiger ml- Rledtnstatzls Bemich.- vttlit», gr H-mdurgerstr.iK Ein Junge aus achtbarer Fa- i eine tthrltttMste ineinm ifdjen ober Engroi Geschäft. Offerten unter Wllu besorgt die Bl._______________________

Ein Im,-« in die Lehre gesucht liner, Lchuhm-, öahn-osstr.

Ltstt-1 ein älieres elbl'tändtg kochen kann, V 1

ihrling

8-M

WM WM t Seil, tMKi Neuen tUe v.

$rn^ gesucht.___-WM

weitt,Ä*

Lloyd

seit- , . ch br«®el-

Postd-nnp^

j-7 läge- ^6t2286

:6eo- edberg-

Nr. 78. Erstes Blatt

Sonntag den 2. April

1893

Der

IMmt *Xjde«t afcheent täglich.

rit lugnabmt bei Rontagi.

M» Gießener JleetHceiraUt« <e«t*<n dem Anzeiger astchentlich dreimal .«igele,t.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

vierteljAhrig« <M«*emt»U|rrt*e I 2 Mar? 20 Pfg.* vringerloha.

Durch die Poft begehe. 2 Mark 60

Webactian, eptbttUe und Druckerei:

6L

Aints- und Anzeigeblutt fflr den Tiveis Gietzen.

Uxuatzmr von Anzeige» zu der NachmittagH für bat ßaigenden tag -rfcheinenden Nummer big Var». 10 Uh«.

Hratisöeikage: chießener Aamikienökätter.

Alle Annoscev-Vurkaux M>n) Au»landes nebowe Aszeize» für den »Gießener A»zeigrr- rntgegm.

Amtlicher Theil.

Nr. 9 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 28. v. M., enthält:

(Nr. 2078.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats für das Etatsjahr 1893/94. Vom 26. März 1893.

(Nr. 2079.) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer An­leihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseisenbahnen, sowie zur Erhöhung der Betriebs­fonds der Rerchskaffe. Vom 26. März 1893.

(Nr. 2080.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Haushalts^Etats für die Schutzgebiete Kamerun, Togo und das südwestafrikanische Schutzgebiet für das Etatsjahr 1893/94. Vom 26. März 1893.

Nr. 9 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 29. v. M., enthält.

(Nr. 2081.) Gesetz wegen Ergänzung des Gesetzes vom 2. Juni 1869, betreffend die Cautionen der Bundesbeamten. Vom 22. März 1893.

(Nr. 2082.) Gesetz, betreffend die Abänderung des § 69 de» Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich. Vom 26. März 1893.

Nr. 2083. Bekanntmachung, betreffend einen Nachtrag zu der Vereinbarung erleichternder Vorschriften für den wechselseitigen Verkehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands einerseits und Oesterreichs und Ungarns andererseits. Vom 24. März 1893.

(Nr. 2084.) Bekanntmachung, betreffend die Anwendung der vertragsmäßig für die Nummern 9a, ba,, be, c, da, e (Mais) und f (gemalzte Gerste) des deutschen Zolltarifs be­stehenden Zollsätze auf die rumänischen Erzeugnisse. Vom 25. März 1893.

(Nr. 2085.) Bekanntmachung, betreffend die Anwendung der vertragsmäßig bestehenden Zollbefreiungen und Zoll- ermäßigungen auf die spanischen Boden- und Jnduftrie- erzeugnisse. Vom 25. März 1893.

Gießen, den 1. April 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________v. Gagern.___________________

Betr.: Die Ausführung der Gewerbe-Ordnung, hier Arbeiler-Schutzgefetz.

Bekanntmachung.

An die Herren Fabrikanten dahier.

Sie werden hiermit an Vorlage der am 31. März l. I.

fälligen Nachweisungen über die in Ihrem Betriebe be­schäftigten Arbeiter binnen 3 Tagen erinnert.

Gießen, den 1. April 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

__________________Fresenius.__________________

Gefunden: 1 Cigarrenetui, 1 Cigarrenspitze, 1 Hand­korb, 2 Taschentücher, 1 Hundehalsband, 2 Hundemaulkörbe, 1 Metermaß, 1 Stück Druckzeug, Eierfarbe, 1 Gummiball, 1 Meisel, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Taschenmesser, 1 Paar Lederhandschuhe und 1 Sammtquaste.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 1. April 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

politifc^e Wochenschau.

Gießen, 1. April 1893.

Der Reichstag hat am 23. März seine Ferien begonnen, ohne über das Schicksal der neuen Militärvorlage endgiltig entschieden zu haben. Nach Ostern wird zunächst die zweite Lesung der Vorlage in der Militärcommission statt­finden, welche voraussichtlich wie die erste völlig ergebnißlos sein wird. Ob die Regierung daraufhin den Reichstag so­gleich auflösen oder erst noch den Erfolg der Plenarberath- ung abwarten wird, steht einstweilen noch dahin. So ungewiß wie das Schicksal der Militärvorlage ist auch das­jenige der im Zusammenhang mit derselben eingebrachten Steuervorlagen. Die vorgeschlagene Steuer auf Brannt­wein und Bier findet nur sehr wenige Befürworter und die Erhöhung der Stempelsteuer wird keinen im Vergleich mit den in der Militärvorlage angeforderten Ausgabebeträgen nennenswerten Mehrertrag abwerfen. Unter diesen Um­ständen wird bereits die Möglichkeit eines Branntwein- monopolprojectes ernstlich in Betracht gezogen. Wie die Regierung sich zu dieser Frage stellt, ist noch nicht ge­nügend aufgeklärt. Jedenfalls haben einzelne Conservative, wie die Abgeordneten Höltz, Uhde und das Herrcnhausmit- glied von Graß-Klanin sich in Reichstagsreden und Flug­schriften für das Monopol ausgesprochen. Man schlägt auf conservativer Seite im Wesentlichen folgende Einrichtung vor: die Spiritusproduzenten stellen nach wie vor auf eigene Rech­nung den Rohspiritus her, das Reich verpflichtet sich, den gesammten Spiritus für den Trinkconsum im Inland für einen Preis abzukaufen, welcher bei allen Preisconjuncturen

im Uebrigen dem Brennereibesitzer eine lohnende Einnahme garantirt, und verkauft sodann den für den Trinkoerbrauch rektifizierten Spiritus an die Wirthe und AuSschänker für einen Betrag, der dem Reiche nicht nur die gemachten Aus­lagen für den Ankauf und die Monopol-Verwaltung, sondern auch eine beträchtliche Mehreinnahme zur Bestreitung der Kosten der neuen Militärvorlage einbringen müßte. Zugleich würde ein Preis festgesetzt werden, den die Wirthe beim Ver­kauf von Spirituosen nicht überschreiten dürfen, um die Ein­nahmen des Reiches und der Drennereibesitzer nicht zu ge­fährden. Der Verkauf von Spiritus ins Ausland und zu anderen als Trinkzwecken soll nicht vom Reiche in Monopol­betrieb genommen werden, sondern den Besitzern von Brenne­reien nach wie vor überlassen bleiben. Wie kürzlich be­kannt geworden ist, beabsichtigt die Finanzverwaltung des Reichs und Preußens in nächster Zeit wiederum eine neue Summe dreiprocentiger deutscher Reichsanleihe und preußischer Con sols zu begeben. Der Betrag wird nicht so bedeutend sein, wie bei den letzten Emissionen. Angesichts der günstigen Verhältnisse des Geldmarktes soll der Emissions- curs nicht erheblich unter dem letzten Tagescurse (87,50) liegen. Welche enorme politische Tragweite der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland besitzen würde, geht auf das Deutlichste da­raus hervor, daß sich Frankreich beeilt hat, trotz seiner hoch- schutzzöllnerischen Tendenzen im Uebrigen mit Rußland in Handelsvertragsverhandlungen einzutreten, sobald sich zeigte, daß die Aussichten der Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Rußland von vornherein nicht ungünstig waren. Wir in Deutschland hätten bei einem Erfolge dieses Vorgehens den Vortheil, daß alle Zugeständnisse Frankreichs an Rußland auf Grund der Meistbegünstigungsklausel im Frankfurter Friedensvertrag ohne Weiteres auch auf unsere Ausfuhr Anwendung finden würde. Der gleiche Gewinn auf der russischen Seite würde uns in dem Falle zu Theil werden, wenn ein russisch-deutscher Handelsvertrag zu Srande kommen sollte.

Die oft beweislos hingestellte Behauptung, daß der Mittelstand im rapiden Schwinden begriffen sei, ist als un­richtig auch durch die Ergebnisse der Einkommensteuer­veranlagung in Preußen für 1893/94 wieder einmal er­wiesen worden. In Berlin wenigstens sind die Einkommen von physischen Personen über 3000 Mark um 453862 Mark hinter denjenigen des Vorjahres zurückgeblieben. Ebenso hat sich daö Einkommen der nicht physischen Personen (Actien^

Feuilleton.

Wochkndrikfe aus btt Residenz.

(Ortgtnalbertcht für denGießener Anzeiger".)

Darmstadt, 29. März 1893.

Borttag des Herrn Prof. Dr. Sell, Scheffelvortrag, Allerlei.

Die Eharwoche, die ftiQe Woche hat begonnen und mit ihrem Anfang haben sich die Pforten unseres Hoftheaters und der Concertsäle geschlossen. Die wissenschaftlichen Vorträge allein, die in dieser stillen Zeit mehr als sonst abgehalten wurden, bilden den Sammelplatz der Gesellschaft, deshalb sei Ihren freundlichen Lesern gerade von diesen Veranstaltungen in kurzen Zügen Bericht erstattet.

Wie schon im letzten Briefe erwähnt, sprach Herr Prof. Dr. Sell am vorigen Mittwoch imEvangelischen Bund" überGoethe als Theologe". Redner constatirte zuerst, daß die eminenten Huldigungen, die Goethe überall entgegen­gebracht wurden, ebensowohl dem Denker, als dem Dichter gegolten hätten, das zeige z. B. am wenigsten die Thatsache, daß im Jahre 1825 bei Goethes 50jährigem Dienstjubiläum, wo ihn alle Facultäten durch Verleihuug der Doctorwürde ehrten, die theologische Faculrät der Universität Jena, in einem Schreiben an den Dichterfürsten dessen hervorragenden Verdienste um das Geistesleben seiner Zeit ausdrücklich hervor­hob. Allerdings sei er im vollen Sinne des Wortes kein Theologe gewesen, nur in einer Episode seines Lebens habe er direct in die theologischen Interessen eingegriffen. Es war dies die Zeit, in der Goethe mit Herder verkehrte. Durch diesen Verkehr trat er zu dem Ehristemhume, das er sich nach eigenen Geschmack geformt hatte und das in vielen Be­ziehungen an die Anschauungen frühchristlicher Secten erinnert, als an eine geschichtliche Entwickelung heran. Herder sah jedoch in der Geschichte nicht etwa nur die berechnete Folge von Staats-Actionen, sondern er sah in ihr die Entfaltung des Genius der Menschheit- ganz dieselben Ansichten finden wir in jener Zeit bei Goethe; Früchte dieser Eindrücke haben vir z. B. in demBrief des Pastor H. an Pastor 9). oder «in der Abhandlung:Zwo wichtige biblische Fragen, beant«

wartet von einem Landgeistlichen in Schwaben," beides Schriften, in denen der Dichter uns ganz als Theologe entgegentritt. Auch Göthes Fragmente vonMahomet",Ewiger Jude" verrathen ganz deutlich die Beschäftigung des Autors mit theologischen Fragen. Im Weiteren besprach Professor Sell noch den Streit des Dichters mit dem Gießener Professor Bahrdt, desse fade und seichte Aufklärungsthcorie ihm in tiefster Seele zuwider war. Zwar war die Periode, in der Goethe sein Interesse in besonderer Weise theologischen Fragen zuwandte, keine allzu große, doch zeigt sich ihr Einfluß überall in seinen späteren Gedichten, die sämmtlich ein tiefes religiöses Gefühl verrathen. Redner beendigte seine geistvollen Aus­führungen mit den Worten, die der Dichter kurz vor seinem Ende zu Eckermann sprach:Mag die geistige Cultur immer fortschreiten, mag der menschliche Geist sich erweitern wie er will, über die Hoheit und sittliche Cultur des Christenthums, wie sie in den Evangelien schimmert, wird er nicht hinaus­kommen können.

Ein anderer auch für weitere Kreise nicht minder inter­essanter Vortrag fand am vergangenen Samstag zum Besten des Lehrerinnenheims statt. Es sprach Herr Reallehrer Kahl aus Wimpfen über Victor von Scheffel. Erfüllt von einer wahren Begeisterung schilderte der Vortragende in über­aus klarer und durchsichtiger Weise alle Phasen des bewegten Lebens, welches jener von allen Deutschen, besonders aber von unserer academischen Jugend so hochverehrte Dichter ge­führt hat. Beginnend mit einer Beschreibung von Scheffels Jugend, die verdunkelt wurde durch die rücksichtslose Strenge, mit welcher der Vater jedes freiere geistige Streben des Sohnes unterdrückte, gab der Redner eine feine Erklärung, wie es möglich geworden war, daß jener geistreiche Jüngling, der es wie fast kein zweiter verstanden hat, die humorvollen und gemüthlichen Seiten des echten deutschen Volkscharakters zu malen, in seinem Alter ein so erbitterter, streitsüchtiger Menschenfeind werden konnte. Schuld hieran trugen außer den Mißhelligkeiten mit dem sonst schlichten, streng rechtlichen Vater, Kämpfe mit dem eigenen Innern, das erst nach langen Läuterungen seine dichterische Befähigung offenbarte, vielfache Schicksalsschläge, so der Tod der treuen Mutter, das Hin­

scheiden einer geliebten Schwester, die Trennung von der Gattin, die er erst auf seinem Sterbebette wieder als die seinige begrüßen sollte; endlich aber, und das war nicht zum Wenigsten ein Grund zur Verzweiflung an der Menschheit, die Ver­leumdungen und üblen Nachreden der Zeit- und Kunstgenossen, die den Verfasser jener herrlichen Gaudeamus-Lieder zu einem Trinker und Schlemmer erster Güte herabzuwürdigen versuchten. Unsere Zeit urtheilt anders über diesen Mann, wir zählen ScheffelsTrompeter von Säckingen" zu unseren besten deutschen Epen, die Gaudeamus-Lieder bergen eine solche Fülle köstlichen Humors in sich, daß ihr Verfasser bekannt und be­rühmt geworden ist, wo auch nur noch ein Herz deutsch fühlt und eine Zunge deutsch spricht. DerEkkehard", das vollendetste Werk des Dichters, war das erste, das dem deutschen Volke die wunderbare Schönheit seiner Vergangenheit nicht nur erschloß, sondern auch in großartigster Form vor Augen führte. DaS deutsche Volksgemüth ist niemals wahrer und glänzender besungen worden, als von Victor von Scheffel, ihm gebührt deshalb jene hervorragende Stellung in unserer nationalen Litteraturgeschichte, die unsere Zeit ihm angewiesen hat.

Das letzte Concert vor Ostern hatte der Richard Wagner- Zweigverein, der hier in großer Blüthe steht, am Samstag Abend arrangirt. Der Verlauf desselben war ein ganz vor­züglicher, wie bei der Mitwirkung so hervorragender Kräfte, wie Herr Kammersänger Bär, Hofopernsängerin Fräulein v. Santa, Professor James Kwast u. s. w., nicht anders zu erwarten stand. Der Charfreitag und das Osterfest werden uns mehrere musikalische Aufführungen bringen, die dem Character der Zeit angepaßt sind. So wird von dem durch auswärtige Virtuosen und die Hofmusik verstärkten Musikoerein Johann Sebastian BachsMatthäus-Passion" am Charfreitag wiedergegeben. Der Kirchengesangverein der Martinsgemeinde veranstaltet am Ostersonntag ein Kirchen« concert, in dem kirchliche Gesänge verschiedener Meister zum Vortrag kommen rc. Ich werde nach den Osterfeiertagen Ihren geschätzten Lesern über eine oder andere dieser Dar­bietungen Bericht erstatten. Z.