Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 80. August. Wie daS „Tageblatt^ erfährt, sei vuf der Frankfurter Sonferenz über die Einführung einer Eisenbahn-Fahrkartenfteuer für Billers erster und zweiter Klasse ernstlich bi«cutirt worden. Dieser Vorschlag habe indessen nicht allgemeine Zustimmung gefunden. Dagegen sei die Erhöhung einer Steuer für Lotterieloose, welche jetzt 5pCt. beträgt, auf mindesten- 8pEt. beabsichtigt.
Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" bestimmt bezüglich des Erlasses betreffend die Eholeramaßnahmen ferner, daß die OrtSpolizeibehörde, sobald der AuSbruch der Cholera in der Ortschaft festgestellt wird, dies unverzüglich öffentlich bekannt macht und die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle in kurzen Zwischenfällen veröffentlicht.
Berlin, 30. August. Bei zweien von den gestern dre choleraverdächtig erkrankten Personen wurde heute Cholera asi atica festgestellt. ES betrifft die Mutter und daS Kind.
Kiel, 30. August. Die UntersuchungSacren in der Spionageangelegenheit sind bereits dem Reichsgericht überliefert worden.
Wien, 30. August. Der gestern hier vorgekommene Eholera-TodeSfall beunruhigt die Bevölkerung nicht im Mindesten, weil nachgewiesen wurde, daß der Verstorbene durch Genuß von verdorbenem Essen und Trinken von Donauwasser erkrankte.
Wien, 30. August. Neuerdings wurde eine als choleraverdächtig erkrankte Frau in das Krankenhaus eingeliefert.
Lemberg, 30. August. In Kolomea nimmt die Cholera fortgesetzt zu.
Kapstadt, 31. August. Zwischen der deutschen Schutz- truppe und den WitbooiS fand bei NaoS am 19. Juli ein Gefecht statt, wobei die WitbooiS fünf Tobte hatten. Auf deutscher Seite Reiter, Baumgarten, Grünberg, Hoch verwundet.
Obsternte in 1893.
JBon geschätzter Seite werden dem „Wetzlarer Anzeiger' die nachftebenden Belehrungen über praktischen Obstbau, welche der Feder eine« anerkannten Sachoerständtgen de« dortigen Kreise« entflossen sind, zur Verfügung gestellt. Wir glauben dieselben um- lomchr der allseitigen Beachtung empfehlen xu sollen, al« sie gerade Mr die irtzige Zelt von ganz besonderem Interesse find, und da«, wa« für den benachbarten Kret« Wetzlar gilt, auch In unserem Kreise Beherzigung finden dürste.
-/DM Bedauern sehen nicht allein die Obstzüchter, sondern auch jeder Freund und Beobachter der Natur, wie gegenwärtig in großer .^ahl Aepsel, Birnen und Zwetschen, scheinbar reif, von den Bäumen lallen. Während an den ersteren eine Bohrung mit schwarzem, oft in Fäulntß übergegangenem Rande uns oerräth, daß ein schlimmer Feind im Innern hauset und die Früh, oder Rothretfe verursacht hat, ist an letzteren äußerlich nur selten eine Verletzung durch den Schädling zu erkennen. Um so schlimmer zeigt sich derselbe beim Aufbrechen der Frucht, denn sie beherbergt eine fast rosaroth gefärbte sogenannte Mabe", welche daS Fletsch der Frucht in verschiedenen Gängen durchfresstn und überall die unsauberen Spuren ihrer Gefräßigkeit und Ausscheidungen zurückgelassen hat, so daß eine solche Frucht nicht zum Genüsse einladet, sondern vtelmehr geeignet ist, uns mit Widerwillen von derselben abzuwenden. 2ßir bezeichnen Aepsel, Birnen und Steinobst, welche in dieser Weise von einem schlimmen Feinde heimgesucht sind und ihren Nutzwerth durch denselben verlieren, mit der Eigenschaft „wuimstichtg" oder „madig".
In dem Kernobste ist der Schädling die Larve, „Made" genannt, de« ApselwicklerS fCarpoeapsa pomonolla ober Tortrix pomonana); In den Steinobsts,ächten ist eS die gleiche EntwtckelungS- stufe des Pflaumenwicklers (Carpocapea funebrana oder Tortrix funebrana).,
Beide Jnsecten gehören zu den Schmetterlingen, obgleich die Larve gewöhnlich nicht Raupe, sondern „Made" genannt wird. Der Apfelwickler hat dunkle Färbung, so daß er nur schwer von der Rinde deS ObstbaumeS zu unterscheiden ist. Die Vordrrflügel sind mit grauen und braunen Ouerstreisen versehen und haben einen metallischen Schimmer; die HinterflÜgel sind graubraun glänzend. In dem letzten Drittel deS Juni beginnt die Flugzeit des Schmetterlings, welche sich über etwa vier "Wochen erstreckt. DaS Weibchen legt seine Eier einzeln an die unreifen Aepsel und Birnen und zwar an solche Stellen, an welchen eine Gefahr deS Abwaschen« derselben durch Regen vermindert ist. an die Wulste de« Stieles, an den Kelch, an eine Vertiefung oder Narbe der Schale, oder auch dahin, wo zwei Früchte sich berühren. Daran« dürfte leicht zu erklären fein, weß-
fdiicfen, man möge den Metzgern den Umzug ohne mitgeführtes Kalb gestatten. FnchS aber bekam vom Bürgermeister den Bescheid, „er möchte dem Herrn Hofrath Meckel sein Eom- pliment machen und vermelden, die Mctzgerbursche wüßten ihre ordentliche Obrigkeit- wenn sic sich meldeten, sollte ihnen Resolution ertheilt werden."
So waren die Metzger belagert, und obgleich sie mehrfach versuchten, mit bloßen Säbeln die Mannschaft zu durchbrechen, fo glang cS ihnen doch nicht und der drohende Umzug war verhindert, dadurch aber auch der Vertreter des ReichSvogtes beschämt- aber ein Reichskammergerichtsprozeß deS Raths gegen die Metzger folgte nach, doch brach daS Reich zusammen, ehe er beendigt war.
Etwas später wurde vertragsmäßig von Gießen aus eine kleine Besatzung von 73 Mann zum Schutz des Reichs- kammergcrichtS nach Wetzlar gelegt und diese von 1758 an auf 123 Mann verstärkt. Darüber entstand aber in der Bürgerschaft böseS Blut und heftige Streitigkeiten mit der hessischen Besatzung. Am schlimmsten war der Bürgeranfstand 1763, wobei die hessischen Soldaten mißhandelt und ent- waffnet tvurden. Die.Folge davon war wieder ein Straf- cinsall der Gießener Besatzung nach Wetzlar. Die Wache am Obcrthor wurde überwältigt und die Stadt eingenommen. Rath und Bürgerschaft wurden nun gegen den Reichsvogt gefügiger. Trotzdem kam es 1770 abermals zu einer Besetzung Wetzlars burd) hessische Truppen, durch welche eS dem katho- lischen Theil de« ReichSkammcrgcrichtö ermöglicht wurde zwei Processionen zur Feier der Papstwahl Clemens XIV. ab- zuhalten.
Seit mehr als 100 Jahren ist aber das freundnachbar- Uche Berhältniß zwischen Gießen und Wetzlar nicht mehr ge- stört worden. Möchte eS vielmehr sich stets vermehren und vertiefen.
halb in trockenen, beißen Sommern, wie der jetzige, da« Jusect durch seine große Verbreitung so zerstörmd wirkt. Nach acht di« zehn Tagen schlüpfen die Räupchen (Maden) au« und bohren sich in da« Innere der Früchte ein, um zum Kerngehäuse zu gelangen. Nach etwa einem Monate haben sie die Fähigkeit erlangt, sich einzuipinnm. Sie verlassen die frucht oft durch eine zweite Öffnung nach außen, «n einem Faden hangend suchen sie die Rinde des Stammes oder die älteren Astthelle zu erreichen, benutzen die losen, absterdendäi BorkeMheile al« Versteck und überwintern al« eingefponnene varoc. Im Frühlinge bildet sich dann eine kleine bewegliche braune Puppe, welche sich nach kurzer Ruhe zum Schmetterlinge au«blldet.
Die Lebensweise de? PflaumenwicklerS ist der feine« Verwandten ähnlich. Der Schmetterling hat aschgraue, braungcwellte Borderflügel. Tie HinterflÜgel find braungrau mit gelblichen ,5ranzen. Die Flügelspannung mißt 14,6 Mm. Da« Weibchen legt seine Eier einzeln an die unreifen Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen, Reineclauden u. s. w. Tie Räupchen bohren sich gewöhnlich am Stiele in die Frucht und leben im Fleische derselben von Juli bi« in den September. Ausgewachsen sind sie 12 Mm. lang, haben sechzehn Füße, find auf dem Rücken roth, am Bauche weiß und spärlich mit einzelnen stehenden Härchen versehm. Die ausgewachsene Raupe bohrt fich aus der Frucht und überwintert, durch ein leichte« gefpinnft geschützt, in der Erde ober hinter den Rindenschoppen der Bäume. Die Verwandlung in eine lichtbraune Puppe geschieht im Frühling, worauf ttwa nach drei ober vier Wochen der Schmetler- ltng entschlüpft.
Wie bekämpfen wir diese Feinde unsere« Obste«, welchen in diesem Jahre ein großer Theil unserer Früchte zum Opfer fällte
Für jetzt ist ein sorgfältige« Sammeln und Vernichten aller herabgefallenen madigen Früchte unbedingt geboten. Können die fdben nicht durch Verfüttern an die Schweine, fpäter auch zur Essig- oder Oöftweinbereitung verwendet werden, so ist ein Verbrennen oder Uebergteßen derselben mit scharfer Jauche dienlich, letztere muß ttdoch mehrere Tage über den Früchten stehen. Ein bloßetz Vergraben des Obste« genügt nicht vollständig. Im Herbste sind die Bäume von abgestorbenen Rindentheilen durch die Baumscharre an Stamm und starken Asttheilen zu reinigen und bann mit Kalkmilch ju bestreichen. Die Baumscheibe ist vor Gintritt de« Froste« um- j jugraben, wodurch die in der Erde sich beftnbenben Larven an die Oberfläche gebracht und von den Vögeln ausgesucht werden. An den Baumstämmen können künstliche Schlupfwinkel durch Ringe von Lappen ober Stroh angelegt werden, welche man von Zeit zu Zeit ausschüttelt und nach der Obsternte verbrennt.
Sehr zu beklagen wäre e«, wenn sich die Obstzüchter durch das massenweise Herabfallen der „wurmstichigen" ober „madigen" Früchte in der Meinung, die Reise fei eingetreten, zu einer vorzeitigen Ernte des Spät- ober Dauerobstes, wozu man ohnehin im hiesigen Kreise geneigt ist, verleiten ließen. Der Schaben würde fich dadurch mehr als verdoppeln.
,ax Es ist Zwar vortheilhast, alle frühreifenden Obstsorten (Frühobst) nicht überreif am Baume werden zu lassen, indem sie dadurch an Haltbarkeit und Wohlgeschmack einbüßen; allein unser sogenanntes I Spat- ober Dauerobst muß die vollständige Baumreife vor der Ernte erreicht haben, wenn bei demselben durch Lagern die Edel- ober Munbreife eintreten soll. Vor der Baumreife geerntetes Spätobst hat in Bezug auf Haltbarkeit, Wohlgeruch und Geschmack nur ge- **n0cn solchem Obste gegenüber, welche« völlig ausgewachsen ist und durch schöne Färbung den höchsten Grad der Entwickelung am Baume anzeigt. Schon nach wenig Wochen sind die unreif geernteten Aepsel und Birnen runzelig, dadurch unansehnlich; da« Fleisch ist saftlos, rübenartig und ohne Aroma und Wohlgeschmack. _ _ Unsere Obflbäume selbst haben durch die vorzeitige Ernte der Früchte den größten Schaden. Während die reife Frucht durch ein Drehen derselben in der Hand ober durch einen Druck des Nagels «egen das Stielgelenk sich leicht vorn Fruchtzweige löst, haftet die unreife Frucht noch so stark an letzterem, daß ein gewaltsames Ab- reißen ober Abschlagen derselben nöthig wird. 9lur selten löst fich eine solche Frucht im Stielgelenk, vielmehr wirb der Fruchtzweig ganz ober zum Theil mit derselben abgerissen, sodaß die Obstbäume <tei.gcro.6<n,$6dI ihrer Fruchtknospen einbüßen und damit die nächstjährige Ernte mit zerstört wirb.
„ Gewöhnlich bilbet bie Furcht vor Diebstahl die nicht unbegründete Entschuldigung der vorzeitigen Ernte. Leider wird das Stehlen des Obste« in unserem Kreise kaum al« Diebstahl angesehen unb von großen und kleinen Buben unter dem Namen „Strippen" al« geringfügig betrachtet unb sogar von den Eltern den Kindern gegenüber entschuldigt. Möchten doch Schule und Hau« durch Belehrung und Strafe diesem gesunkenen RechlSbewußtsein entgegen; wirken.
Durch Anwlisung der Flurhüter zu größerer Strenge unb Wachsamkeit unb burd? bie Bestellung von Ehrenflurhütern ober Ehrenschützen für bie Herbstzett, sowie durch größere Strafen bei erfolgten Anzeigen könnte gewiß zur Abstellung de« Uebelftanbe« Viele« beigetragen werben.
Die Versteigerungen deS SpätobsteS müssen möglichst spät, etwa Enbe September abgehalten werben. Denn sogleich nach erfolgtem Zuschläge suchen bie Käufer da« Obst, wenn auch unreif, durch die (Srnte in Sicherheit zu bringen und diesem Beispiele folgen leider sogleich die übrigen Besitzer von Obstdäumen.
. Werden bei Obstdiebstahl zugleich die Bäume durch Abreißen der Aeste unb Wersen mit Prügeln und Steinen beschädigt, so könnte dieserhalb eine besondere Anzeige erfolgen, und die strengen Bestrafungen wegen Baumfrevels, wie sie in der letzten Zeit öfter« im hiesigen Kreise erfolgt find, würden gewiß für die Folge abschreckend mitten.
E« ist erfreulich, baß in diesem Jahre solche Spätobstsorten, welche feit einer Reihe von Jahren nicht mehr gedeihen wollten, wieder einen reichen Ertrag versprechen; e« sind die« besonder« der weiße unb der braune Matapfel. Gnade an diesen «epfeln wird eine Probe zeigen, wie wenig eine unreif geerntete Frucht den Vergleich aushält, gegenüber der nach voller Baumreife auf Lager gebrachten.
Während die erwähnten Obstsorten nach einer langen Pause ben Anbau wieder einmal lohnen, sind die Zwetschenbäume, wie beinahe alljährlich, so auch gegenwärtig, wieder überreich mit Früchten beloben. Diese Obstbaume find wohl am bescheidensten in Ihren Ansprüchen an unsere Pflege unb Aufmerksamkeit.
Fast will e« aber auch scheinen, al« ob gerate deswegen da« Wenige, wa« sie verlangen, ihnen versagt bliebe. Wir brauchen un« nur In den meisten Gemeinden die sogenannten Obst GraSgärten anzusehen, so wird daS Gesagte Bestätigung finden. Dieselben gleichen weniger Obstbaumanlagen, al« vielmehr einem Zwetschen-Buschwalbe. Ohne Wahl wächst daselbst die Wurzelbrut heckensörmia auf. Solche Gärten, welche zum Theil da« werthvollste und hochprelfigste Gelände eine« Dorfe« bilden, liefern nur geringbertbige« Obst, da Licht und Lust nicht in gedelhlichn Welse einwirken können. Die Zwetschen bleiben klein, find rothblau, haben grüne«, sich nicht vom Stein lösende« Fleisch und werden im Volksmunde „Füchse" geheißen, um fie von der edlen dunkelblauen, bebufteten Frucht zu unterscheiben, wie wir fie in bn Zwetsche eine« wohlgepfleaten, auf gutem Garten- ober Ackerboben stehenden Zwetschenbäume« sehen. Diese Frucht mit gelbem Fleische labet burch Wohlgeschmack unb Wohlgeruch nicht allein »um Genufie im frischen Zustanbe ein, sondern auch, in mannig facher Weise conservirt, gibt sie ein vortreffliche« Genußmittel für ben Winter.
Dn Zwetschenbaum ist bn einzige Obstbaum unserer Heimath, welcher auch unoerebelt, ohne Oculation unb Reisnvnedelung, ebele Früchte zu tragen im Stanbe ist. Der junge Wllblina bedarf nur einer mehrmaligen Verpflanzung, wenn möglich in besseren Boden und eine« regelmäßigen Beschneiden«, so lange seine Fruchtsprieße dornartia wachsen. Die Entfernung bn einzelnen Bäume von einander soll mindesten« 6 bi« 7 Mein betragen; alle dazwischen wachsende Wurzelbrut müßte entfernt unb könnte zur Erziehuna junger Bäume In der vorerwähnten Weife benutzt wnden. Nach der diesjährige» relchm Tracht wäre eine Düngung im Herbste ober während des
i Wintns mit vngohrener, vndünntn Jauche, sowie ein Umgrabe» I bn Baumscheibe gewiß für bie späteren Ernten von großem Vortheil. Möchten die Befitzn dn Obst-Gra-gätten noch vor Winter in dieser Weise ring« um dir Dörfer Ordnung schäften, damit bie Pflege der Bäume und Gärten Fremden unb Einheimischen einen erfreuliche» Anblick gewährt unb ein Zeugniß für den Fleiß unb bie Ordnung«.
| liebe bet Bewohner unsere« Kreise« ablegt. ------—--------- ■ - "J. —1!»
Cocalts rrn- provinzieller.
«ießeo, 31. August 1893.
Gewerbeschule Gieße». Für Etter», deren Söhne später das Examen als KreiSbauauffeher, Maurer- oder Zimmermeifier zu machen gedenken, oder sich al« sonst tüchtige Handwerksmeister ausbilden wollen, dürfte e« von Interesse fein, zu erfahren, daß an hiesiger Gewerbeschule das Winter« femester am 16. October a. c. beginnt und nähere Auskunft im Schulhause, Afterweg 25, zu erhalten ist. Der Unterrichtsstoff erstreckt sich auf: Projectiooslehre, Darstellende Geometrie, Perfpective, Schattenlehre, Bauzeichnen und Entwerfen, oder Fachzeichnen, Formenlehre, BauconstrvctionSlehre, Baumaterialienkunde, Kostenveraoschlagung, Bauführung, Ge- fetzeSkunde, Freihand- und OrnamentSzeichnen, Farbenlehre, Modellieren, Festigkeitslehre und Graphostatik, Algebra, Geometrie, Physik, vürgerlicheS Rechnen und deutsche Sprache, sowie Buchführung und Schönschreiben.
** Ein anscheinend Geistesgestörter, welcher in hiesigen Wirtschaften sich Essen und Trinken schmecken ließ, ohne im Besitz von Geld zu sein, wurde gestern hier aufgegriffen und von der Polizei mit noch etwas Unterstützung nach seiner Heimath bei Weilburg per Eisenbahn weiterbeförden. Heute früh war derselbe jedoch schon wieder hier. E« zeigte sich nun, daß der Betreffende ein Stromer ist, der schon alle« Mögliche und Unmögliche hinter sich hat, und daß seine schein- bare geistige Störung im gewöhnlichen Leben Delirium genannt wird.
** OefienUiche Anerkennung edler Thate». Dem Revier- commiffär August Amberg, dem Schutzmann 9iico(au« Brunnengräber, dem Kaminfegemeister Konrad Vetter, dem Portefeuiller Konrad Pfeiffer und dem Zimmergeselle» Andreas Kiefer, sämmtlich zu Offenbach a. M., wurde in Anerkennung der von denselben am 18. Februar d. I. mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des sechsjährigen Kindes des Fabrikanten Lichtenfels daselbst aus Lebensgefahr je eine Geldprämie verliehen. — Dem Schwimmlehrer Philipp Steinzu Mainz wurde in Anerkennung der von demselben am 2. d. Mt«. mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung der zehnjährigen Franziska Sleinborn von da vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie verliehen.
** Falsche Fünfzig.Mark-Scheine. Die Blätter melden von falschen Fünfzig-Mark-Scheinen, die hier unb da in Umlauf finb. Sie sollen so vorzüglich gearbeitet sein, daß öffentliche Kaffen damit getäuscht worden finb.
•• Lieferfristen bei Auftrage» bet Staatsdehärben. In den Kleinbetrieben wurden schon lange Klagen darüber laut, daß es ihnen erschwert werde, sich bei Vergebung von Arbeiten für die staatlichen Organe zu betheiligen. Die I Fristen bis zur Fertigstellung der ausgeschriebenen Liefcrungö- vertrüge seien grvßtentheilS so kurz angesetzt, daß die über- nehmenden Firmen denselben nur unter Zuhilfenahme bcdeu- tender Arbeitskräfte, Verlängerung der Arbeitszeit durch Ueberstunden rc. nachkommen könnten. AuS diesen Ursachen sind kleinere Betriebe von der Betheiligung an solchen Submissionen fast gänzlich ausgeschlossen, weil ihnen der Raum fehlt, eine außerordentlich große Zahl von Arbeitern zu be- schästtgen und sie dann stetS zu gewärttgen hätten, durch I verspätete Ablieferung in Eonventionalftrafe genommen zu I werden. Rückwirkend machen sich solch kurze Lieferfristen selbst bei Großbetrieben auch auf die ArbeitSverhältnifle
I geltend, indem einige Wochen oder Monate hindurch bei solchen Lieferungen ungebührliche Verlängerung der Arbeitszeit
I cintritt, .um nach Beendigung der übernommenen Arbeiten wieder umfassende Entlassungen zu veranlassen. Um in Zukunft die gerügten Mißstände zu beseitigen, hat der preußische Minister deS Innern die Regierungspräsidenten angewiesen, auf die zur Verwaltung deS Innern gehörigen Behörden in dem Sinne einzuwirken, daß zu vergebende Lieferungen so weit als möglich über das ganze Jahr vertheilt würden. Vor Allem sei darauf zu sehen, daß alle Vergebungen von LieferungSarbeften möglichst frühzeitig erfolgen und daß au«- reichende Lieferungsfristen gewährt werden. Dadurch soll in den Betrieben eine gewisse Stetigkeit erzielt werden, die ben BetriebSinhabern und den Arbeitern zugute komme. WünfchenS- werth wäre, daß andere Staaten diesem Vorgehen des preußische» Ministers folgten.
-h- Trohe, 30. August. Drei Jahre sind e« jetzt, daß unsere kleine Gemeinde eine eigene Schule errichtete, um zwei Jahre daraus in dem prächtigen Schulhause den schönsten Schmuck unsere« Dorfes zu erhalten. Nun hat uns jedoch ein arger Verlust betroffen; unser allverehrter Lehrer, Herr Heinrich Michel, hat un« verlassen, um einem ehrenvollen Ruse nadi Bad - Nauheim Folge zu leisten. Die ganze Gemeinde muß seinen Weggang tief empfinden, denn Herr Michel hat sich während seine« Hiersein« nicht nur die Liebe und Anhänglichkeit der Kinder, sondern auch die Achtung und Verehrung der ganzen Gemeinde erworben. Er war seinen Kindern ein tüchtiger und liebevoller Lehrer, sodaß die kleine Schaar mit Begeisterung zur Schule eilte. Wie sein Wirken an dieser Erziehung«- stätte gewürdigt wurde, beweist seine Berufung nach Bad- Nauheim. Auch der Gesangverein verliert in ihm einen tüchtigen Leiter. Gemeinde unb Schule, sowie Gesangverein wünschen Herrn Michel in seiner neuen Stellung Glück unb Zufriedenheit.
E. Effolberßach, 30. August. Zwei Dinge sind e«, welche gegenwärtig bie Gemüther auf dem Lande bewegen, die


