vom Rhein, vom Main, von der Fulda und Lippe, kurz aus Süd« und Norddeutschland herbeigekommenen Ruderer wollten ihr Können zeigen und rudern um die schönen Ehrenpreise. Bei dem Zuspruch, dessen sich die früheren Regattaen hier allgemein erfreuten, war eS erklärlich, daß auch daS Publikum, trotz der Ungunst der Witterung, sich zahlreich auf beiden Ufern der Lahn einfand. Die Vorrennen fanden am Vormittag statt und hatten folgenden Verlauf: Dollen« zweicrfürJuniorS. Ludwigshafener Ruderverein 9 Min. 15 ©ec., Rudergesellschaft Speyer 9 Min. 15% See., Ruderclub Hamm 9 Min. 20 Sec. (ging allein über die Bahn). — Junior-Vierer. Frankfurier Rudergesellschaft „Germania" 7 Min. 9% Sec., Mainzer Ruderverein 7 Min. 31 Sec., Frankfurter Ruderclub 7 Min. 24?/5 Sec. (ging allein über die Dahn). - Anfänger - Vierer. Kölner Ruderverein 1877 7 Min. 26 Sec., Rudergesellschaft Sachsenhausen 7 Min. 50 Sec., Ruderverein Cassel 7 Min. 15 Sec. (ging allein über die Bahn). — Achter. Frankfurter Ruder- gesellschast „Germania" 6 Min. 40 Sec., Frankfurter Ruder« dub 6 Min. 55% Sec., Gießener Rudergesellschaft 7 Mm.
3 Sec. (ging allein über die Bahn). — Die Hauptrennen begannen punkt 3 Uhr, sie wurden eröffnet mit:
Linser für Juniors. Ehrenpreis nebst einem Ehrenzeichen. Am Start: Hermann Kothe vom Ruderverein Bremen, Martin Freudenberger von der Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen". Bremen führte vom Start ab und hätte sicher mit zwei Längen gewonnen, wenn Kothe nicht gegen die vor der Tribüne befindliche Landungsbrücke gefahren wäre. Infolge deffen ging „Sachsenhausen" mit 8 Min. 10 Sec. Fahrzeit allein durchs Ziel.
Erster Vierer. Wanderpreis der Stadt Gießen, Ehrenpreis nebst 5 Ehrenzeichen. Infolge Erkrankung des Schlagmannes der Gießener Rudergesellschaft konnte diese ben Preis nicht vertheidigen. Die Frankfurter Rudergesellschaft „Germania" ging deshalb allein über die Bahn. Zeit 6 Min. 56-/5 Sec.
Dollenzweier für Juniors. Ehrenpreis nebst 3 Ehrenzeichen. Am Start: Ludwigshafener Ruderverejn, Ruderclub „Hamm", Hamm i. W. Die anfänglich vom Ludwigshafener Ruderverein gehaltene Führung dehnte derselbe nach und nach bis auf 3 Längen aus und ging nach 9 Min. 10 Sec. durchs Ziel. Hamm folgte nach 9 Min. 25 Sec. ffll
Zweiter Vierer. Ehrenpreis von den passiven Mitgliedern der Gießener Rudergesellschast nebst 5 Ehrenzeichen. Am Start: Gießener Rudergesellschast, Mainzer Ruderverein. Gegen die Führung von Mainz kam Gießen auf halber Bahn etwas aus, konnte aber die Führung nicht erlangen, so daß Mainz mit ca. 2 Längen Vorsprung durchs Ziel ging. Zeit: Mainz 7 Min. 1% Sec., Gießen 7 Min. 16% Sec.
Junior-Vierer. Ehrenpreis der Damen Gießens, nebst 5 Ehrenzeichen. Die beiden Frankfurter Vereine „Germania" und „Ruderclub" fuhren aus ziemliche Ent- fernung fast Bord an Bord, bis es dem Ruderciub gelang, sich loszumachen und mit bedeutendem Vorsprung in 7 Min. 13’/6 Sec. durchs Ziel zu gehen. „Germania" stoppte etwa 200 Meter vorm Ziele ab.
Einser. Lahnpokal,gestiftet vom deutschen Ruder-Verband. Wanderpreis nebst 1 Ehrenzeichen. Albert Rübsamen von der Gießener Rudergesellschaft ging allein über die Bahn. Zeit 7 Min. 45 Sec:
Anfänger-Vierer. Ehrenpreis vom Schützenverein Gießen nebst 5 Ehrenzeichen. Der Ruderverein Cassel siegte leicht mit ca. 5 Längen über den Kölner Ruderverein 1877. Zeit 7 Min. 11% Sec., bezw. 7 Min. 26% Sec.
Zweiter Linser. Ehrenpreis nebst 1 Ehrenzeichen. Hermann Kothe vom Ruderverein „Brema", Bremen, ansänglich hart bedrängt von Gg. Freyeisen von der Rudergesellschaft „Sachsenhausen", gewinnt gegen Mitte der Fahrt ca. 6 Längen Vorsprung, mit dem er durchs Ziel ging. Zeit: Bremen 8 Min. 13 Sec., Sachsenhausen 8 Min. 34 Sec.
Dollenv iercr sürJuniors. Ehrenpreis von der Lügentisch-Gesellschaft im Restaurant Friedel, nebst 5 Ehrenzeichen. Am Start: Schweinfurter Ruderclub „Franken" und die Gießener Rudergesellschast. Gießen hatte anfänglich die Führung, die eS auch bis zur Hälfte der Bahn trotz AufrückenS von Schweinfurt behielt. Nach heftigem Bord- an Bord-Fahren wurde Gießen von Schweinfurt überholt, welches denn auch mit zwei Längen siegte. Fahrzeit: Schweinfurt 7 Min. 35 Sec., Gießen 7 Min. 42 Sec.
Achter. Wanderpreis, verliehen von Sr. Kgl. Hoheit dem Grobherzog, nebst 9 Ehrenzeichen. Diese Schlußnummer des Rennen» gestaltete sich in Berücksichtigung der um den Preis startenden Vereine zu einem intereffanten. Der Gießener Rudergesellschaft lag die schwere Aufgabe ob, ihn gegen eine sieggewohnte Mannschaft, wie die Frankfurter „Germania" eS ist, zu vertheidigen. Die allgemein geäußerte Vermuthung, daß Gießen solch einem Gegner den Preis nicht entreißen würde, hat sich denn auch bestätigt, aber Gießen unterlag ehrenvoll. „Germania" erweiterte die kurz nach dem Starten eingenommene Entfernung stetige ungünstig für Gießen war auch, daß „Germania" zeitweilig in das Fahrwasser von Gießen schnitt, sodaß deffen Aufkommen erschwert wurde. Germania ging mit 5 Längen durchs Ziel. Zeit: 6 Min. 28 Sec., Gießen 6 Min. 46 Sec.
Damit waren die Rennen beendigt. Nach denselben nahmen die Sieger die Preise entgegen. In Steins Saalbau vereinigten sich am Abend nochmals Ruderer und Nichtruderer, nebst ihren Familien zu fröhlichem Beisammensein, und fand damit die 3. Ruder-Regatta ihren Abschluß. Hat diese Regatta auch nicht der Gießener Rudergesellschast die Lorbeeren gebracht, die man in Anbetracht der in letzter Zeit auswärts errungenen Siege erwartete, so kann man doch tm Allgemeinen mit ihr zufrieden sein, sie hat wenigsten- durch die große Zahl der theilnehmendett Rudervereine gezeigt, daß Gießen sammt
seinem „Lahnsrrom" dem Waffersport eine geachtete Heimstätte zu bieten vermag.
• * Militärdieustaachricht. Kar! Graf zu S 0 l m S - Laubach, in der Armee und zwar als Sek.-Lt. der Ref. des Leib-Garde-Hus.-Regt., vorläufig ohne Patent, angeftellt und vom 1. August d. I. ab auf ein Jahr zur Dienstleistung bei diesem Regimeat commandirt.
In den Ruhestand versetzt wurde: Am '4. Juli l. I. der Locomotivführer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Konrad Dörr zu Gießen auf sein Nachsuchei- mit Wirkung vom 1. August l. I. an bis zur Wtederherfiellung seiner Gesundheit.
* ♦ Ferien-Sond erzöge. Wir machen hiermit auf die in vorliegender Nummer befindliche Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahn-Direction Hannover aufmerksam. Demnach geht am 8. August ein Ferien-Sonderzug nach Frankfurt a. M., Straßburg und Basel, am 12. August ein solcher nach München, Salzburg, Reichenhall, Kufstein und Lindau. Nähere- ist auf den Stationen zu erfahren.
• • Neuerung im Eisenbahnverkehr. Dom 1. August 1893 ab ist für die Benutzung der Schnellzüge 75 und 76 zwischen Frankfurt a. M. und Altona, welche aus neuen vierachsigen durch Seiten- oder Mittelgang und bedeckte Uebergänge mit einander verbundenen und mit nummerirten Plätzen ausgestatteten Wagen zusammengesetzt sind, nach Maßgabe der zur Verkehrsordnung erlassenen Zusatzbestimmungen der Preußischen Staatsbahnen außer der eigentlichen Fahrkarte eine Platzkarte zum Betrag von 2 Mark für die erste und zweite Klaffe zu lösen und zwar nicht allein für Fahrkarten im weiteren Verkehr, sondern auch für alle, auch für Zwischenstationen und zwar hauptsächlich wohl deshalb, damit der weitere Verkehr durch den localen Verkehr nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Die Lösung der Platzkarten erfolgt auf den Zwischenstationen nur durch den Zugführer des betreffenden Zuges. Für Kinder, für welche Fahrkarten gelöst werden müffen, wird die volle Platzgebühr erhoben.
♦* Bücher in den Schnellzügen. Mit dem 15. Juli ist die Einrichtung, in den Schnellzügen der preußischen Staatsbahnen Bücher zur Unterhaltung der Reisenden aufzulegen, in Thätigkeir getreten. Diese Bücher enhalten ausführliche, mit Jllustrattonen versehene Beschreibungen der verschiedenen, auf den Strecken liegenden Städte, Curorte rc. und bieten somit eine ganz angenehme Lectüre, die bei der häufig unvermeidlichen Eintönigkeit einer längeren Eisenbahnfahrt höchst willkommen sein dürfte. Auch betreffs Gasthöfe, industrieller Etabliffements rc. giebt daF Buch eingehende Auskunft.
** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: An der Volksschule zu Mainz drei mit katholischen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen mit einem Anfangsgehalte von je 1350 Mk. und zwei Lehrerinnenstellen, von denen die eine mit einer evangelischen, die andere mit einer katholischen Lehrerin zu besetzen ist, mit einem AnfangSgehalte von je 1200 Mk. jährlich. Die erste Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Lützel - Wiebelsbach mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Ober - Roden mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 900—1000 Mk.
Grimberg, 28. Juli. Unser „Monumentsplatz", der da- zum Andenken an die im letzten Kriege gefallenen Soldaten unserer Stadt errichtete Denkmal umgiebt, befand sich seither in sehr verwahrlostem Zustande. Der Kriegerverein hat eS sich deßhalb zur Aufgabe gemacht, diesen Platz wieder herzurichten, daß er der Gefallenen würdig und eine wirkliche Zierde unseres Städtchens sei. DaS zu genanntem Zwecke gebildete Comito ließ nun in den letzten Tagen eine Liste zur Zeichnung von Beiträgen circularen. Es wurden von der Einwohnerschaft nahezu 150 Mk. gezeichnet, die entsprechend verwendet werden sollen. Vorerst soll der Platz mit KieS bedeckt werden und die Umzäunung einen neuen Oelanstrich erhalten. Späterhin beabsichtigt man noch durch Anlage von BoSketts u. s. w. dem hübschen Denkmal eine entsprechende landschaftliche Umrahmung zu verleihen. Darmst. Ztg.
E. Echzell, 29. Juli. Durch einen sechsunddreißigstündigen Landregen, der heute Nachmittag aufgehört zu haben scheint, sind Wiesen und Aecker vollständig durchge- weicht, alle Furchen, Rinnen, Bäche und Flüffe sind jetzt mit Wasser gefüllt und der Boden ist wie Brei. Die Gerste, welche noch steht, ist überreif geworden und ganz krumm gebogen, die Aehren brechen ein. Wir haben Feuchtigkeit auf Wochen hinaus und hätten warmes, trockenes Erntewetter dringend nöthig.
- e. Neu - Ulrichstein , 31. Juli. Monatsbericht der Arbeiter-Colo nie pro Juli 1893. Ende Juli 1893 sind in der Colonie stellen-, refp. arbeitslos 72 Mann. Dieselben verlheilen sich aus daS Groß- herzogthum Heffcn 14, Regierungsbezirk Kassel 6, RegicrungS- bezirk Wiesbaden 7. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 8, Provinz Westfalen 2, Provinz Hannover 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 2, Provinz Schlesien 7, Provinz Posen 1 , Provinz Ostpreußen 1 ; Königreich Bayeni 5, Königreich Württemberg 3, Königreich Sachsen 3. Thüringische Staaten 4. Großherzogthum Baden 3, Groß- herzogthum Mecklenburg 1, Großherzogthum Luxemburg 1. Ausland: Rußland 1. Hiervon waren: Arbeiter 22, Bäcker 7, Barbier 1, Bergmann 1, Buchbinder 1, Färber 1, Gärtner 1, Glaser 1, Goldarbeiter 1, Instrumentenmacher 1, Kaufleute 7, Kellner 2, Maurer 1, Sattler 1, Schlosser (Bau ) 2, Maschinenschlosser 2, Metzger 1, Schmiede 1, Schneider 4, Schreiber 2, Schuhmacher 3, Siedemeister 1, 1 Schreiner 2, Tuchscheerer 1, Tüncher 1, Wagner 1, Weber 1,
Winzer 1 , Zimmermann 1. Im Monat Juli wurden entlassen 42 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 1, auf eigenen Wunsch 35, wegen wiederholter Trunkenheit 1, Contractbruch 2, wegen Arbeitsscheu 3, entlaufen 1. Verpflegungstage im Juli 1893: 2231. Gearbeitet' wurde an 1927 Tagen, hierunter 331 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Eolonie sind ausgenommen worden an Ganzen 2284, dagegen abgegangen im Ganzen 2212 Mann, bleibt Bestand am 31. Juli 1893: 72 Mann. Abgewiesen wurde im Monat Juli Niemand.
nn. Darmstadt, 29. Juli. 21. Mittelrheinisches T urn f e st. fSpecialbericht.j Drei Dinge sind eS, welche in erster Linie in Betracht kommen, um einer Stadt das richtige Gepräge einer Feststadt zu geben; daS sind zunächst der Charakter ihrer Bewohner, ihre Lage, und die Kunst, Feste in würdiger Weise zu feiern. Was nun den letzteren Punkt betrifft, so hat Darmstadt seine Probe glänzend bestanden. Seit heute Mittag prangt die ganze Stadt im herrlichsten Fahnen- und Blumenschmuck und kaum ein HauS ist mehr vorhanden, selbst in den entlegensten Winkeln, welches nicht mit Fahnen und Guirlanden hübsch decorirt wäre. Die Zeiten „mit dem auf der Rheinstraße herumwimmelnden Accessisten" sind zur Legende geworden, denn Tausende von Fremden und Turnern sind heute schon zum Feste eingetronen und alle Gasthäuser und Hotels überfüllt, trotzdem uns der Himmel kein sonderliches Festwetter bescheert hat. Jeder Bahnzug bringt neue Gäste, hauptsächlich die PreiSturner und Preisrichter aus allen Gauen des Mittelrheinkreises, welche auf dem Bahnhof herzlich empfangen und auf den nahen Fcstplatz zum WohnungSdureau geleitet wurden. Um 6 Uhr begann die Sitzung deS Kampfgerichts, in welcher die Werthung der Hebungen für die Wettturner, Wettfcchter und die Musterriegen festgestellt wurde. Mittlerweile füllte sich die Festhalle mit einer nach Tausenden zählenden Menge, welche dem osficiellen BegrüßungSabend beiwohnen wollte, und schon um 8 Uhr war es lebensgefährlich geworden, sich in der Halle zu bewegen. Um %6 Uhr ergriff der Vorsitzende des FestauSschuffes, Herr Prof. Dr. L. Büchner, das Wort, um die erschienenen Festgäste in herzlichster Weise zu begrüßen, dem Wunsche Ausdruck gebend, daß eS gelingen möge, das 21. Mittelrheinische Turnsest in würdiger Weise zu Ende zu führen. — StaatSmiu'ster Finger überbrachte im Auftrag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs die herzlichsten Grüße für die Festgäste und zugleich den Ausdruck deS Bedauern-, daß cs Sr. Kgl. Hoheit leider nicht vergönnt sein könne, wie er eS gewünscht, dem Feste selbst beizuwohnen. Minister Finger führte dann au-, daß in der Zeit der 30er Jahre kein deutscher Fürst sich hierzu hergegeben hätte, das Protectorat für ein Turnfest zu übernehmen. Damals habe man andere Anschauungen über daS Wesen der Turnvereine und deren Tendenzen gehabt, auS welchem Grund sie sogar verfolgt wurden. Heute fei dies anders geworden! Die Turnvereine feien die Träger deS nationalen Gedankens, frei in ihren Anschauungen und Feinde jeden Parteigeistes innerhalb ihres Kreises. Ueberaü hätten die Turnvereine diese Ziele festgehalten und gewürdigt zum Segen deS Ganzen und zum Wohle des Vaterlandes. Ueberall wo diese Ziele hochgehalten würden, seien sie die Stützen der Ordnung und Gesellschaft und eS fei zu erwarten, daß die Turner dieie Ziele hoch hielten, wie dies so schön in ihren vier F auS- gedrückt sei. General v. Bülow Exc. sprach seine Freude auS, wie die Turnerei im Deutschen Reich blühe und welch eine Summe nationaler Kraft sich in ihren Bestrebungen vereinige. Nicht blvs zur Stärkung und Ausbildung der eigenen ManneSkraft trage die Turnerei bei, sie erhöhe aäch die Brauchbarkeit der Armee durch ihre idealen Ziele, als da sind Hebung des ManneSmutheS, der ManneStreue and der Liebe zum Vaterlande. Bürgermeister Morneweg begrüßte die Festturner Namens der Stadt Darmstadt und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich ihnen der Aufenthalt in Darmstadts Mauern so angenehm wie nur möglich gestalten möge. Die Singmannschaften der drei vereinigten Turnvereine, unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Lehrer Orth, sowie die Marmorgruppen der Turngemeinde Darmstadt und sonstige herrliche Darbietungen vereinigten die Festgäste bis nach Mitternacht. (Fortsetzung folgt.)
Dermifcbtc».
♦ In Hvndshausen iKreis Fritzlar), ließ eine Frau beim Waschen einen mit Sodawasser gefülltkn Zuber auf dem Hofe stehen. Die Gänse kamen und tranken auS dem Wasser, infolge dessen neun Stück crepirten.
♦ Berlin, 29. Juli. In EastanS Panopticum lenkt die Riesenschlangen-Familie die Aufmerksamkeit der ganzen Berliner wissenschaftlichen Welt auf sich. Für die Zoologen bildet dieses große Schlangennest ein Object der Beobachtung, wie eS sich bisher überhaupt nicht bargeboten hat. Denn, wenn man auch einzelne alte, ausgewachsene Riesenschlangen bisher in zoologischen Sammlungen gesehen hat, so ist e» doch der erste Fall in Europa, daß man ein ganzes große- Nest mit zahlreichen, erst vor Kurzem au-geschlüpften Jungen beobachten kann.
• Militärische». Bei den K a i s e r m a n v v e r n in Lothringen werden sich «rtilleriekämpfe in einer Großartigkeit abspielen, wie eS nicht oft geschieht. In großen Truppenverbänden wird die Feldartillerie auftreten, und da die Meinungen, wie sich Artilleriemassen im Rahmen der höheren Truppen- verbände bilden und w:e sie wirken können, oft noch recht weit auSeinandergehen, so erwartet man eine Klärung der Ansichten nach dieser Richtung. Auch soll sich die höhere Führung noch gründlicher in daS Wesen deS Artilleriegefechts, dessen planvolle Leitung besonders schwer ist, Einsicht verschaffen. Hauptsächlich wird eS sich aber um zwei Fragen von außerordentlicher Wichtigkeit handeln: Wie ist die Ber- theidigungSartillerie zu verwenden, die nicht siegbar gegen die Angriffsartillerie gewesen ist, ober die den entscheidenden


