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01/07/1893 Erstes Blatt
 
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Hornberger, Jughardt, Keller, Aber, Crbig, Dr. Ploch, Br. Schäfer, Schwall, Bogt und Wallenfels.

Nach der vorgelegren Ueberfichr über btt wirklichen Ein­nahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule für 1892/93 betragen die Besoldungen 60 420.82 Mk-, die Remunerationen 13512.03 Mk. Da diese Posten im Doranschlage mit 78461.99 Mk. angesetzt smd, so ergibt sich eine Eriparniß von 4529.14 Mk.

Herr Eugen Kaufmann hat auS Anlag der Auf­führung einer Mauer am oberen Ende des Friedhofs um die Verlegung einer in dem bisherigen Reiserzaun befindlichen Thür an die südwestliche Ecke des Friedhofs nachgesucht. Bei Behandlung dieses Gesuches har fich die Friedhofs­commission gleich mit der Frage beschäftigt, ob daS Bedürsnttz nach einer weiteren Thür für den öffentlichen Verkehr vor­liege ; sie ist dabei au dem Schluß gekommen, daß em solches Bedürfniß nicht vorltege, eine Vermehrung der Zugänge zum Friedhöfe, welcher bereits deren drei hat, vielmehr die Beauf­sichtigung erschweren würde. Die Commission hat deshalb Ablehnung deS Gesuches beantragt. Die Versammlung schloß sich dem Anträge an.

Ueber daS bereit» im October v. I. abschläglich be- schtedene Gesuch der Firma Ph. Lüdeking um Erlaubniß zur Wafferabführung nach einem Einfallschacht am SelterSweg wurde in heutiger Sitzung ein Beschluß nicht gefaßt, vielmehr Zurückverweisung an die Baudeputation bezw. Inaugenschein­nahme durch dieselbe beschlossen.

Nach der bisherigen Uebung, alle zwei Jahre em Jugend fest abzuhalten, hätte in diesem Jahre ein solche» stattzufinden. Nach den bereits gepflogenen Verhandlungen mit den Schulvorständen, Curatorien, Schuldeputationen, Oberlehrern usw., in welchen die für und gegen die Ab­haltung des Jugendfestes in diesem Jahre sprechenden Gründe erwogen worden, ist man zu einem bestimmten Beschluß nicht gekommen. Die Entscheidung fiel danach der Stadtverord- neten Versammlung zu. Dieselbe beschloß, nachdem die Herren Homberger, Dr. Schäfer und Schmal! sich zu Gunsten de» Festes geäußert, Abhaltung des Jugendfestes in diesem Jahre. Die Vorbereitungen dazu wurden, wie in früheren Jahren, in die Hände einer Specialcommission fleußt-

DaS Gesuch deS Herrn Franz ©immer um Con- cession zum Schankwirthschaftsbetrieb im Hause des Maurers Pfaff in der Bahnhofstraße (neben dem Felsenkeller) ist von dem Gesuchstcller zurückgezogen worden, bezw. ist an deffen Stelle der Vertreter der Brauerei Hildebrand in Pfungstadt, Herr Joh. Fr. Schaaf getreten. Großh. Polizciamt hat die Bcdürfnißfrage unter Hinweis auf acht in nächster Nähe befindliche Winhschaften verneint, die Stadtverordnetenver­sammlung beschloß dagegen, die Bedürfnißfrage zu bejahen.

totales unö provinzielles.

Gießen. 30. Juni 1893.

** Die im neuesten Regierungsblatt publicirte Verord­nung. die practifche Vorbereitung für die Anstellung im höheren Lehramt betr., hat folgenden Wortlaut: § 1. Aspiranten des höheren Lehramts können an höheren Schulen des Landes nur angestellt werden, wenn sie 1) nach Maßgabe der Ver­ordnung vom 12. Januar 1889, die Prüfungen der Aspiranten des Gymnasial-, Realgymnasial- und Realschul-Lehramts be­treffend, die erforderliche Prüfung bei der zu diesem Behufe eingesetzten PrüfungScommission oder bei einer anderen deutschen als gleichberechtigt anerkannten PrüfungSbchörde bestanden, und 2) nach vollständig bestandener Prüfung sich durch einen zweijährigen Vorbereitungsdienst im höheren Lehramt die erforderliche methodisch-pädagogische Ausbildung erworben haben. DaS erste Jahr dieses Vorbereitungsdienstes soll in der Regel an einem der bestehenden pädagogischen Seminare verbracht werden. Die Gesuche um Zulassung zum Vor­bereitungsdienst sind an Unser Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, zu richten. § 2. Während des Vorbereitungsdienstes führen die Aspiranten des höheren Lehramts die BezeichnungLehramtSaccessist." Diejenigen Lehramtsaccessisten, welche den vorgeschriebenen zweijährigen Vorbereitungsdienst zur Zufriedenheit erledigt haben, werden vom Ministerium des Innern und der Justiz zuLehramtSaffessoreu ernannt.

** Lebensmittel-Preise Ende Mai 1893. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstclle für die Landes- statistik kosteten:

Slddic uüi

Octroi Darmstadt Main, Ostendach WormS Sieben Stabte ohne

Octroi Bingen Benüheim Alreo ^toerfl Ältfelb Lauterbach

72 66 70 70 66

68 60 70 70 60

70 54 60 70 70

68 63 68 68 . 58

70 59 1 56 69 | 60

75 60 60 70 70

68 60 60 60 60

60 50 70 70 70

68 60 60 60 60

58 40 45 54

56 56 50 60 50

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier

1 Stück I

13

11

127-134

19

5-6

13.5

12

121-126

19

5-6

13,5

13

122-133

21

5-7

10.5

10

109-130

17

5-8

12

11

111-129

17

5-6

12

11,5

108-134

19

5-7

12,5

11

110-120

17

6-7

16

11

109-122

18

6-7

15,5

15

120-130

16

6

12,5

10

100-105

14

6

13

10

100

14

5

Gestohlen. Mit zwei in einem hiesige« Gasthause übernachtenden fremden Bildhauern waren auch die Stiefel eines andern in demselben Gafthau» logirenden Fremden beute früh verschwunden.

Au» dem Ohmthal. 29. Juni. Seit dem Eintreten de» Landregen», dem gestern ein heftige» Gewitter folgte, hat da» Schlachten de» Rindviehes und der Verkauf de» Fleische» Seiten» der Landwinhe mit einem Male ausgehört,

ebenso das LoSschlagen deS BieheS zu jedem Preise. Auch der danieder liegende Handel hat sich wieder fruch belebt, die Preise find wieder etwa» in die Höhe gegangen und Die Nachfrage ist wieder stärker geworden. DaS Rindfleisch ist bereits wieder um 5 Pfg. per Pfund aufgeschlagen. Der Landwirth hat in der Dürrperiode, besonders rn den letzten 14 Tagen, alles nicht unbedingt nöthige Lieh abge,etzt, so daß er jetzt bei den befferen Aussichten und den '^merhln noch sehr billigen Preisen mit dem Verkauf deS Viehes zurückhalt. DaS jetzige Wetter ist aber auch Wachswetter, wie eS der Landwirth nur wünschen kann, nämlich feucht und warm. Bereits belebt fich der auSgedörrte Wiesengrund mit frischer, grüner Farbe - aus dem verbrannten GraSrasen spneßen rasch die neuen grünen Hälmchen hervor. Noch 14 Tage dieses feucht-warme Wetter und die Futternoth ist für die Gegenwart wenigstens beseitigt.

-e. Neu - Ulrichstein, 30. Juni. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro Juni 189 3. Ende Juni 1893 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 79 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Heffen 12, Regierungsbezirk Kassel 13, Regierungs­bezirk Wiesbaden 5. Königreich Preußen: Provinz Rhein­lande 7, Provinz Westfalen 3, Provinz Hannover 3, Pro- vinz Sachsen 1, Provinz Schlesien 8, Provinz Posen 1, Provinz Ostpreußen 2; Königreich Bayern 6, Königreich Württemberg 2, Königreich Sachsen 4. Thüringische Staaten 6. Großherzogthum Baden 1 , Großherzogthum Mecklenburg- Schwerin 1, Großherzogthum Oldenburg 1, Großherzogthum Luxemburg 1. Ausland: Oesterreich 2. Hiervon waren. Arbeiter 26, Bäcker 4, Bauschloffer 2, Bergmann 1, Brenner 1, Buchbinder 1, Conditor 1, Färber 1, Gärtner 2, Glaser 1, Goldarbeiter 1, Kaufleute 8, Kellner 1, Kupfer­schmied 1, Kutscher 1, Maschinenschlosser 1, Maurer 3, Posa­mentier 1, Sattler 1, Schmiede 2, Schneider 4, Schreiber 5, Schreiner 2, Schriftsetzer 1, Schuhmacher 3, Tüncher 1, Wagner 1, Weber 1, Zimmermann 1. Im Monat Juni wurden entlassen 15 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 3, auf eigenen Wunsch 9, auf Requisition der Be- Hörden 1, wegen Arbeitsscheu 2. Verpflegungstage im Juni 1893: 2123. Gearbeitet wurde an 1826 Tagen, hierunter 300 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2249, dagegen ab­gegangen im Ganzen 2170 Mann, bleibt Bestand am 30. Juni 1893: 79 Mann. Abgewjesen wurden im Monat Juni 2 Mann.

Maiuz. 28. Juni. Heute Abend waren es 100 Jahre, daß in Folge der Beschießung unserer Stadt durch die be­lagernden Deutschen der Dorn in Brand gerieth. Ein Geschichtsschreiber von damals schreibt u. A.: Der Brand war schrecklich schön- drei Thürme, das Schiff, der Kreuzgang und 15 Häuser vom Leichhof, dem Nasengäßchen und der Gräbergasse standen zu gleicher Zeit in Hellen Flammen. Im Kreuzgang verbrannte die kostbare Dombibliothek mit unersetz­lichen Schätzen an Manuskripten und ältesten Druckwerken. Es wurde nichts gerettet. Um die Bibliothek und Sammlungen der Universität zu retten, stellte die Munizipalität am 29. Juni 8 Mann an. Um Mitternacht gerieth die Jesuiten­kirche und die daranstoßenden stadionischen Gewölbe in Brand und zu gleicher Zeit die drei ansehnlichsten Häuser der Korbengasse. Das Bombardement und die überall brennenden Kirchen und Häuser verursachten Klage und Jammergeschrei durch die ganze Stadt- besonders Greise und Weiber wollten ihre unglückliche Heimath verlaffen. Am 29. Abends brannte die Domprobstei mit dem ganzen Quadrat, dem Lay'schen und Keffelstadt'schen Hofe, ferner der Sickingerhof auf dem Karmelitenplatz ab.

Mainz. 28. Juni. Aus einem nicht alltäglichen Grunde erhängte sich ein wohlhabender Landwirth aus einem nahen Dorfe. Wegen Futtermangel hatte er fein Großvieh verkaufen müssen - dies ging ihm so zu Herzen, daß er, nachdem er das Vieh an den Käufer abgeliefert hatte, in seiner Verzweiflung den verhängnißvollen Schritt that.

Zellhauseu bei Seligenstadt,. Juni. Eine eigenartige Methode zur Herbeiführung vonWildschaden" wurde hier constatirt. Wegen theilweise unerhörter Entschädigungs­ansprüche werden nämlich von den 220 zur Anmeldung ge­kommenen Wildschadenposten zahlreiche durch Sachverständige festgesetzt. Als nun dieser Tage Herr Jagdaufseher Steinborn in früher Morgenstunde sein Jagdrevier beging, entdeckte er zu seinem nicht geringen Erstaunen ein biederes Bäuerlein, welches an seinem (des Bauern) Kornfelde mit einem In­strumente die tauben Aehren abzwickte und damit einen künstlichenHasenfraß" bewirkte. Da daS betreffende Grund­stück ebenfalls zur Abtaxirung des Wildschadens angemeldet war, so dürfte sich der schlaue Patron demnächst wegen Be- trugsizersuchs zu verantworten haben. Der geschäftige Volks- witz belegte ihn überdies sofort mit einem bezeichnenden Spitz­namen, der sich womöglich selbst noch auf seine Nachkommen vererbt.

GeruSheim, 27. Juni. Gegenwärtig üben im hiesigen Hafen Abteilungen deS Hess. Drag.-RegtS. (Garde-Dragoner) Nr. 23 und des 2. Heff. Drag.-Regts. (Leib-Dragoner) Nr. 24 mit den neuen Falt-Booten. Es sind dies Boote auö Leinwand, die wie ein Regenschirm aufgespannt und zusammengefaltet werden. Mannschaften des 2. Dragoner- RegimcntS haben mit diesen leinenen Falt-Booten eine regel­rechte Schiffbrücke über den Hasen geschlagen, während die Mannschaften des 1. Dragoner Regiments auS herbeigeschaften Bauhölzern und Stricken eine fahrbare Brücke hergestellt haben. Die Hebungen mit den neuen Booten sind hochinteressant.

Frankfurt. 29. Juni. Auf Ansuchen deS Berliner Amtsgerichts wurde gestern der Sänger Robert S tag n o und fein Secretär Finazer verhaftet, wegen Absendung

eines den Impresario Dürler beleidigenden Telegramms an- den MailänderCorriere della sera. DaS Telegramm trug die gefälschte Unterschrift des Berliner Correspondenten dieses Blattes, worin Urkundenfälschung erblickt wird.

Ter Lokomotivheizer Fröm aus Stargard fand am SamStag im Dienste einen schnellen Tod. Während der Fahrt lehnte er sich in der Nähe von Belg ar d über die Maschine und schlug dabei mit dem Kopse derartig gegen einen von ihm nicht beachteten Wafferkrahn, daß ein Schädelbruch und sofortiger Tod erfolgte.

* Wien. 29. Juni. Der Start der Distanz-Rad­fahrer ist glatt vor sich gegangen. Es fuhren 114 von 150 Angemeldeten ab. Unter den Zurückgetretenen find hervorragende Wiener FavoritS, wie Beischlag, Zachariades, Gericke, Trinkauer, Spiegel, Angerer. Das Pneumatik- Niederrad wurde von allen Fahrern benutzt, bis auf einen Hochradfahrer. Die Reichsdeutschen hatten ausgezeichnete Maschinen und find weitaus in der Mehrzahl unter den Distanzsahrem. DaS Wetter ist ausgezeichnet, die Straßen in der Nähe von Wien aber schlecht. Auf Lehr von Frank­furt als erster Favorit wurde fabelhaft gewettet- die Sieges- aussicht ist aber nicht zweifellos. Er behauptet zwar, in 26 Stunden Berlin zu erreichen, fuhr aber vom Start die ersten 8 SHlometer in 13 Minuten, waS Fachleute veranlaßt, zu glauben, daß bedächttgere Fahrer ihn auf die Dauer über­holen könnten. Die Coftüme waren sehr mannigfaltig, bis zu halber Nacktheit- viele hatten für ihr LegitimationSbuch keine Tasche und mußten daS Buch an einem Bindfaden um den Hals tragen. Ein Reichsdeutscher hatte auf der Lenkstange des BicycleS einen Behälter für Trinkbares, wie er selbst sagt, einen Saufkasten - da cS aber bekannt geworden war, hatte er am Start den Saufkasten mit dem Regenmantel verdeckt. Der Zulauf des Publikums war großartig.

* Bad Driburg, 24. Juni. Folgendes komische Jagd- ergebniß hat ein hiesiger eifriger Nimrod gehabt. Der­selbe begab sich gestern auf den Anstand, um einen feisten Rehbock zu erlegen. In der Dämmerstunde hört der Jäger leise Tritte- die Zweige knarren ein im Dunkeln kaum erkennbares, großes Thier naht sich der Jäger legt an ein Schuß das Wild fällt Rufe ertönen eine Frau hatte ihre Kuh geweidet der Strick ist in ihren Händen, doch die Kuh liegt verendet zu ihren Füßen unser Nimrod schlug sich seitwärts in die Büsche und zahlte am anderen Tage 75 Mark Ersatz für die geschossene Kuh.

* Aus der deutschen Coneursstatistik. Im ganzen deut­schen Reiche betrug die Zahl der Concursc im Jahre 1891 7623, im Jahre 1892 dagegen 7684, mithin steigerten sich die Concursc in letzterem Jahre um 61. An der Zunahme der Concursc im Jahre 1892 participirten Preußen mit 65 Concursen gegen das Vorjahr mehr, Württemberg mit 38 Concursen mehr, Baden mit 18 Concursen mehr, Sachsen- Weimar mit 19 Concursen mehr, Elsaß - Lothringen mit 10 Concursen mehr, Oldenburg mit 6 Concursen mehr. Dagegen nahm in Sachsen, Bayern, Mecklenburg - Strelitz, Hamburg u. s. w. die Zahl der Concurse ab, speciell in Sachsen sank sie von 1206 Concursen im Jahre 1891 auf 1098 Con­curse im Jahre 1892.

* lieber das Brunoenuuglück in Cchneidemiihl bringt die BerlinerPost" einen längeren Bericht, dem wir fol­gende neue Einzelheiten entnehmen: Dem Brunnenmeister Beyer aus Berlin scheint es nun wirklich gelungen, die unter­irdischen Quellen in die senkrecht in den Boden gerammten Rohre zu fassen und zum Stillstand zu bringen und zwar dadurch, daß er die Leitung noch 70 Fuß über den Boden in die Höhe führte. Der gewaltige Druck dieser in Den Rohren stehenden Wassersäule ist so stark, daß daS Emporstrudeln verhindert wird. Ob sich daS Wasser nicht doch noch seit­wärts einen Ausweg bahnt, läßt sich freilich nicht sagen. Die Umgebung des UnglückSbrunnenS bietet ein trauriges Bild. Kommt man vom Markte her, so sieht man in der Kleinen Kirchstraße rechts ein stattliches neues HauS mit zierlichem Balkon. Bis vor wenigen Tagen schien es sich zu halten, jetzt aber werden die Riffe im Keller, in den Fundamenten, oben in der Front doch recht bedenklich, zumal das Nachbar­haus so sehr mitgenommen ist, daß es entweder in sich zu- sammenfallen wird, ober abgetragen werden muß. An ber Ecke ber Großen Kirchstraße und in dieser stehen zwei ältere einstöckige Wohnhäuser, sie find zum Theil abgetragen, zum Theil drohen sie jeden Augenblick dem Einsturz. WaS nun an Verwüstung folgt, spottet jeder Beschreibung. In der Reihe nach dem Wilhelmsplatz kommt daS Straubel'sche Haus- die beiden Seltengiebelwände stehen von oben bis unten ziemlich intact da, nur zeigt die eine mehr nach dem Hofe zu einen klaffenden Riß. Von ber Vorbersront steht aber bis zum DachgesimS auch nicht ein einziger Stein mehr. Nur ganz oben in einer Ecke hängt noch ein Fenster im Rahmen, bie Scheiben natürlich zertrümmert. Die in sich zusammen- gestürzte Frontmauer, die jetzt mit Brettern und Balken einen Trümmerhaufen bildet, hat die Fußböden der Dorder- zimmer der ersten und zweiten Etage mit herabgeriffen. An den Thürpfosten zu den Hinteren Räumen hängen halb zertrümmerte oder verbogene Thüren, in der zweiten Etage hat sich in demselben Zimmer, wo daS Fenster erhalten ist,, in einer Ecke anscheinend auf schmalem Gebälk ober auf einem Mauervorsprung auch ber weiße Kachelofen gehalten. DaS ist so ziemlich alle». Das Merkwürbigste aber ist, bafr über biesem leeren Raume ber Vorderzimmer bie Decke der zweiten Etage mit dem schweren DachgesimS, wenn auch etwas durchgesackt, doch in ihrer ganzen Ausdehnung hangen geblieben ist. Man hat also einen Blick, wie auf eine offene Bühne, freilich mit einer traurigen Ausstattung. ES folgen zwei einstöckige Häuser, bann ein zweistöckiges neues HauS und drei einstöckige Gebäude alles zerrissen, von den Fundamenten bis zum Dach. Hier tritt jetzt ein Stillstand in ber Senkung ein. Auf ber anberen Straßenseite sieht es womöglich noch trauriger aus, wenigstens ist größtentheilS bie Zerstörung schon weiter vorgeschritten. ES handelt sich hier durchweg um ältere Gebäude - ein größeres zweistöckiges