Haus, bei dem man nicht begreifen kann, wie die einzelnen Theile noch zusammenhalten. Ein Haus, das gerade der Einmündung der Kleinen Kirchenstraße gegenüber liegt, hat man zunächst noch durch schleunige Vermauerung der drei großen Schaufenster und schwere Stützen gehalten,- sonst wäre es längst ein Schutthaufen. Es neigt oben nach rechts, unten nach links, hier nach der einen, dort nach der anderen Seite hin. Und so ist es bei manchen anderen auch, alles windschief, verbogen, gebrochen, zerrissen. Im Innern und auf den Höfen der Grundstücke bieten die Zerstörungen einen noch viel greulicheren Anblick. Zerrissene, halb aufgekalkte Decken, zerfetzte Tapeten, aufgerissene Fußböden, klaffende Spaltungen der Wände, mitunter in Mannesbreite. Das Erdreich zeigt überall oft weitklaffende Riffe, alle unter sich parallel und zugleich mit dem Laufe der Küddow und der Großen Kirchenstraße. Und wie sehen erst die beiden Straßen aus! Das Gelände hat sich stellenweise um mehr als einen Meter gesenkt, wo es convex war, ist es concav geworden. Die Pflastersteine erscheinen streckenweise wie von riesigen Maulwürfen aufgewühlt, die Granltplatten der Bürgersteige stehen zu einander wie man Kartenhäuser baut. Wann alles das wieder geordnet und gesäubert sein wird, von einer Neubebauung gar nicht zu reden, ist noch gar nicht abzusehen. Bei zahlreichen Bauten wird nichts anderes übrig bleiben als die Sprengung. Von Neubebauung kann zunächst wohl gar keine Rede sein, denn es ist ungewiß, ob nicht die Senkungen noch weitere Fortschritte machen werden. Möglich, daß daß ganze Bauland auf lange Zeit gänzlich entwerthet ist. Kennt man erst den Ursprung der Quelle, so wird sich vielleicht auch diese Frage beantworten lassen. Die Geologen, Autoritäten ersten Ranges auf diesem Gebiete, haben sich der Sache bereits angenommen und dürften bald Klarheit schaffen. Man will an einigen Seen bedeutendes Sinken des Wasserstandes wahrgenommen haben und dies mit der Catastrophe in Verbindung Wringen; etwas Bestimmtes ist noch nach keiner Richtung ermittelt worden. Nur eines steht schon heute mit aller Bestimmtheit fest: über die Stadt Schneidemühl ist eine Catastrophe von nie dagewesener Art hereingebrochen, eine Catastrophe, die vielleicht manchen der Bürger an den Rand des wirthschaftlichen Unterganges zu bringen oder die Stadt dem Bankerott entgegenzuführen geeignet ist. Der erste Bürgermeister hat bei dem Ministerium dos freundlichste Entgegenkommen gefunden, und es ist nicht zu bezweifeln, daß der Staat eingreifen wird und muß. Aber für manchen wird die Staatshilfe vielleicht schon zu spät kommen, wenn nicht Pnvathilfe ihr vorgearbeitet. Es handelt sich um nahezu 100 Familien mit 400 Köpsen, um Leute, die von ihrer Hände Arbeit leben, denen zum Theil mit dem Eigen-
thum die Grundlage der wirthschaftlichen Existenz vernichtet ist. Wenn irgend, so wird hier ein Appell an den Gemeinsinn aller Bürger des weiten deutschen Vaterlandes am Platze sein, und er wird sicher nicht unerhört verhallen." — Es scheint ein eigenes Verhängniß jetzt über der unglücklichen Stadt zu walten; zu allem Elend, das durch Wasser über Schneidemühl kam, ist auch noch ein Brandunglück gekommen. Am 24. Juni um Mitternacht brach unweit des Senkungsgebietes ein Feuer aus, das mehrere Stallungen und Scheunen in Asche legte.
Universitäts - Nachrichten.
— Heute (30. Juni) begeht Herr Professor Dr. v. Petten- kofer in München sein öOjähriges Doctor-Jubiläum.
Sehiffsnach richten.
— Der Postdampfer „Rhynland" der „Red Star Linie" In Antwerpen ist laut Telegramm am 28. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.
Katholische Gemeinde.
Sonntag den 2. Juli, 6. Sonntag nach Pfingsten:
Samstag: Nachmittags um 4‘/8 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag: Vormittags von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6>/, Uhr erste hl. Meffe: gemeinsame hl. Corn- munion; um 7Ve Uhr Austheilung der hl. Communion; um 8'/r Uhr zweite hl. Messe: um 10 Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Christenlehre; darauf Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Samstag den 1. Juli:
Vorabend 7« Uhr, Morgen? 880 Uhr, Nachmittags 4°° Uhr, Sabbathausgang 930 Uhr.
Eingesandt.
Gießen, 30. Juni 1893.
272 Geschäftsinhaber warten auf Erledigung ihrer nunmehr schon beinah 3 Wochen an den Stadtvorstand etngereichten Eingabe betr.: „Regelung der Sonntagsruhe". Vielleicht ist die Frage gestattet, ob man diese Angelegenheit erst nach den Ferien zur Sprache bringen und somit bis in den Herbst hinausziehen will?
Amtliche Prüfung der Lichtstarke des Leuchtgases.
Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen.
Monat Juni 1893 : 14 Kerzen.
Buchner.
kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen.
Evangelisch e Gemeinde.
Gottesdienst.
5. Sonntag nach Trinitatis, den 2. Juli:
In der Stadtkirche:
Vormittags 9Vi Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 2'/, Uhr: Gottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Markusgemeinde. Pfarrverwalter Dr. Grein-
Vormittags 11 Uhr in der Klelnkinderschule: Zusammenkunft der Neuconfirmirten (Knaben) aus der Johannesgemetnde. Pfarrer Dr. Naumann.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser.
In der Friedhofscapelle:
Vormittags 8V, Uhr: Frühgvttesdienst. Pfarrer Dtngeldey.
Nachmittags 2>/r Uhr: Gottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Lucasgemeinde. Pfarrer Dingeldey.
Nächsten Sonntag den 9. Juli: Collecte für die hilfsbedürftige evangelische Gemeinde Schöllenbach-Bullau im Odenwald.
VH* Doiitanhlondc Jede Toilettesetfe, die nicht voll- 1 lli UeUlSUniclIlUS kommen neutral, rein und mild ist,
ViemiÄM iinil ist ein für allemal der Haut nach- 1 1 all<311 111111 thetlig; sie greift sie an, macht sie
Inn nf ran an schlaff, rauh, rissig und frühzeitig
U <111 y 11 a U v 11. welk. Deswegen verwendet Frankreichs und Englands Damenwelt nur anerkannt neutrale und milde Seifen zu ihrer Toilette Deutschlands Frauen und Jungfrauen sei im Interesse der Erhaltung, der Frische, der Schönheit und Reinheit des Teints diese Methode mr Nachahmung wärmstens em- vfoblen und es sei erinnert, daß Doering* Seife mit der Eule ihrer qualitativen Vorzüge wegen, ärztticherseits als das vorzüglichste, beste und bewährteste Mittel zur Pflege der Haut begutachtet, anerkannt und empfohlen wird. Zu haben « 40 Pffl.
Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen.
5788] Stetig steigender Absatz seit 1880 verbürgt die Güte des Holländ. Tabak bet B. Berberin Seesena.H. 10Pfd.fco.8Mk.
Witterung saus sichten Wetterhäuschen, Südanlage.
29. Juni, Mittags 12 Uhr
30. Juni, Morgens b Uhr
Barometer:
Thermometer:
Hygrometerstand:
Mittlere
min.748mm, max. 749mm „ + lCVa°R. „+ 2io r.
Trocken.
Barometerstand bei Oo I
min. 750 mm, max. 751 mm
„ + 8i/a° R. „ + 18° R.
Trocken.
— 744,7 mm.
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 30. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Luft 20 Grad.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Bekanntmachung.
Die Lieferung von
4200 Ctr. Nußkohlen Nr. 2 und 1000 „ Braunkohlen 1. Sorte vom
Heffenbrücker Hammer für die städtischen Anstalten für das Etatsjahr 1893/94 soll unter den auf unserem Bureau offen liegenden Bedingungen vergeben werden.
Offerten, in welchen der Preis pr. Doppelwaggon franco Bahnhof Gießen anzugeben ist, sind bis zum 8. Juli d. I., Vormtttags 12 Uhr, mit der Aufschrift „Kohlenlieferung" versehen, in unserem Bureau abzugeben.
Gießen, den 30. Juni 1893.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
____________Gnauth._______[5791
Hannover -UerheMer Güterverkehr.
Am 1. Juli d.J. gelangt der Nachtrag IV zum Tarif für oolbezerchneten Verkehr zur Einführung-
Nähere Auskunft übet* dessen Inhalt erthetlen die Güterabfertigungen.
Gießen, den 29. Juni 1893.
Großh- Direction (5805 der Oberheffifchen Eisenbahnen-
Aeikgeöotenes.
ML Schlachthaus.
Freibank. [5694 Heute und morgen: Ochsensteisch, nicht ladenretn, per Psd. 30 Pfg. 5784] Stachel- u. Johannisbeeren zu verk. Fr. Koch, Dammstraße 4. Seltersweg 81, II: Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren. [5789
Vermietungen.
5802] Frdl- Logis, 2 Stuben, Küche nebst Zubeh., zu verm. Wetzsteingasse 10.
5796] Kleines Logis, sowie zwei möbl- Zimmer sofort zu vermiethen.
A. Felfing, Neuenweg 31.
vermischte Anzeigen.
Tiicht. Schremergehiiftn sucht Schreinermeister Benzler, Asterweg 16. [5798
E. A. V.
Mein am hiesigen Platze betriebenes
Sonntag, 2.Juli,Abds.8l/4Uhr: Vortrag des Herrn Pros. Stamm über Kosmopolitismus ».Patriotismus
Auch die Frauen unserer Mitglieder sind willkommen. [5793
___________Der Vorstand.
Kaufmännischer Verein.
Sonntag, 2. Juli r
Ausflug nach Weilburg
(Guntersau).
Abfahrt 122» Uhr Mittags- Btllets zu ermäßigtem Preise müssen eine halbe Stunde vorher in Empfang genommen werden. Zu dem 2^ Uhr abgehenden Zug gibt es keine Ermäßigung. Die mit diesem Zug Nachkommenben werden in Weilburg am Bahnhof erwartet. [5794
_________________Der Borstand»
5781] Letzten Mittwoch ist ein Packet (Inh. zwei Nranenbeinkteider und eine Bachtjacke) verloren worden, resp in einem Laden liegen geblieben- Der Finder wird gebeten, Genanntes in der Exped. d. Bl. abzugeben.________________
Verloren Ü°Ä Wege von der Grünbergerstr. nach Reiskirchen ein Notizbuch mit Schretbtafel.
Abzugeben gegen Belohnung in der Expedition dieses Blattes.__[5800
Arzt gesucht unverh., strebsam, solide, für angenehme Praxis. E. 90 a. d Exped d. Bl. [5312
Eine in allernächster Nähe der Actien-Brauerei Gießen gelegene Wohnung von 4 Zimmern gesucht. Offerten unter N M an die Exped. d. Bl.________________[5737
5735] Selbst. Herr sucht zwei gut möbl. Zimmer vom 1. Juli ab ob. später- Nur Offerten mit Preisang. sind unt F H III in der Exped dieses Blattes niederzulegen.
Heizer.
Für die Besorgung der Heizanlage in der neuen Johanneskirche wollen wir demnächst einen Heizer anstellen. Sachverständige Bewerber wollen sich bis zum nächsten Montag Abend bei dem Unterzeichneten anmelden.
Gießen, am 30. Juni 1893.
Der evangelische Gesammtkirchenvorstand __Dr. Naumann______5795
Für Steinhauer.
Y 5785] Ich beabsichtige, meinen seither mit gutem Erfolg b'triebenen Lung, steinbruch zu verpachten oder zu verkaufen
Gastwirth Ranft, Allertshausen-
■■ Bankgeschäft «■
habe ich mit dem heutigen Tage an Herrn Julius Kurz hier übertragen.
Indem ich für das mir geschenkte Vertrauen meinen Dank ausspreche, bitte ich dasselbe auch meinem Herrn Nachfolger bewahren zu wollen.
Gießen, 30. Juni 1893.
Albert Kaufmann.
Unter Bezugnahme auf vorstehende Anzeige erlaube ich mir hierdurch ergebens! mit' zutheilen, daß ich das seit einer Reihe von Jahren durch Herrn Albert Kaufmann am hiesigen Platze betriebene Bankgeschäft übernommen habe.
Ich werde dasselbe mit Betheiligung eines Commanditisten unter der Firma
Albert Kaufmann Nachfolger J. Kurz & Cie.
weitersühren und halte meine Dienste für alle in das Banksach einschlagenden Geschäfte bestens empfohlen.
Gießen, 1. Juli 1893.
5790 Julius Kurz.
Oeffentliche Erklärung.
Herr A. Welz dahier, seit einem Jahre Inhaber des in 1857 unter der Finna „F. E. Winter“ gegründeten Geschäfts, kündigt die Verlegung dieses Geschäfts an.
Erzogen von mir und behandelt wie ein eigenes Kind, kain Herr Welz ohne jede Gegenleistung in den Besitz dieses Geschäfts, selbstverständlich im Vertrauen, daß er sich mir gegenüber als ein dankbares Kind auch für die Zukunft erweisen würde. Aber der Stab, den ich mit Liebe geflochten glaubte, wurde unter Zuthun Anderer schnöde zerbrochen und derart zugespitzt, daß Herr Welz das Geschäft bereits heute verlegt und den Laden böswilliger Weise, wie ich annehmen muß, zwei Monate lang schließt.
Mit Rücksicht hierauf habe ich mich veranlaßt gesehen, Vorstehendes der Oeffentlichkeit zu unterbreiten mit dem Bemerken, daß ich zur Eröffnung des nunmehr wieder von mir selbst zu betreibenden Geschäfts erst in zwei Monaten schreiten kann.
Gestützt auf das meinem seligen Manne seit Jahrzehnten erwiesene Zutrauen und unterstützt von meinem Schwager, Herrn Bürstenfabrikanten Flick in Siegen, glaube ich mir auch zukünftig das Wohlwollen einer geehrten Nachbarschaft, wie auch einem hiesigen und auswärtigen Publikum wieder zu erwerben'mit dem bekannten Princip, nur gute und gediegene Waare zum Verkauf zu bringen.
Gießen, den 30. Juni 1893.
S501 F. E. Winter Wwe.


