Ausgabe 
31.3.1892 Zweites Blatt
 
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Nr. 77 Zweites Blatt

Donnerstag den 31. März

1892

Vierteljähriger

Avonnementspreis.' 2* Mark 20 Pfg. mtr

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

Hratisöcitage: Hießener KamikienKkätter.

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g b e Ares geschätzten Blattes nicht I schnitten, der Bart wegrasirt, aber bet Mann blieb babch

Feuilleton

Alle Aanoncen-Bureaux deS I«. und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger* entgegen.

Schnell verfaßt und Expeditionen Offerten, so

* Berlin, 24. März. Eine verzwickte Lage für die Gerichts­behörde wie für den Verurteilten ist durch den Schreib­fehler eines Canzlisten im Moabiter Criminalgericht geschaffen. In das Moabiter Zellengesängniß wurde unlängst, wie dieN. A. Z." mittheilt, ein Gefangener eingeliesert, welcher zwei Jahre zu verbüßen hatte. Der Mann behaup­tete, er sei nur zuGefängniß" und nicht zu Zuchthaus ver- unherlt. Die begleitenden Papiere wiesen das Gegentheil nach und so blieben alle seine Einwendungen unbeachtet. Nach der Zuchthausordnung wurde ihm das Haar kurz ae-

H. C. Mit Vergnügen haben wir die Nr. 73 Ihres Blattes, Jbtij einer Gartenfreundes, welche von der Meise handelt, gelesen, und wir bitten Sie hiermit freundlichst, Folgendes im Interesse der überaus nützlichen Meisen beifügen au wollen: D" *R cm-» " -

Nachdem das Werk in so vortrefflicher Weise vollbracht war, vergnügten sich die jungen Damen noch bis zur späten Abendstunde. Als sie sich von der jungen Braut verab­schiedeten, wurde das feierliche Versprechen abgegeben, nach acht Tagen an derselben Stelle zur Empfangnahme brr ein­gelaufenen Offerten zusammeuzutreffe«.

daß er nicht ins Zuchthaus, sondern in das Gefängniß ge­höre. So ging das vierzehn Tage lang. Endlich stellte es sich heraus, daß der Gefangene Recht hatte. Beim Abschreiben war ausGefängniß" versehentlichZuchthaus" gemacht und beim Unterschreiben war das übersehen worden. Ein Nach^ spiel ist unausbleiblich.

Lnvahm« von Anzeigen zu der Nachmittag« für tat folgend« Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

gestatten, in eingehender Weise den unermeßlichen Umfang des Nutzens darzustellen, welchen die Vögel, unsere gefiederten Wohlthäter, die Erhalter unserer Wälder, die Sicherheits­polizei in Garten, Wiesen und Feld, uns gewähren, so sollen hrer nur einige genaue und gewissenhafte Beobachtungen an­geführt werden. Eine Blaumeise verzehrt, wie Professor ^bbel mittheilt, täglich 9/< Lot Schmetterlingseier oder 15000 bis 20000 Stück der Eier des berüchtigten Fichten- splnners. Jedes Blaumeisenpärchen erzieht aber jährlich zweimal 12 bis 16 Junge- nimmt man für die Ernährung der letzteren auch nur den halben Bedarf der Alten, so ergibt sich doch die ungeheure Summe von 24 Millionen dem Pflanzenwuchs verderblicher Jnsecten für eine einzige Blaumeisensamilie. Die anderen Meisenarten sind aber, was wir ebenso durch Zahlen nachweisen könnten, auch in einem überaus hohen Maße nützliche Thierchen, und wer sich davon überzeugen will, der beobachte in seinem Garten nur während eines einzigen Sommers das emsige Treiben eines Kohlmeisenpärchens, das da vom frühen Morgen bis zum späten Abend unablässig die Obstbäume, die Fruchtsträucher, Hecken und Blumenstöcke u. s. w. von schädlichem Ungeziefer säubert. Menschen haben daher alle Ursache sich recht dankbar und gastfreundlich gegen die lieblichen Meisen zu zeigen, und dies geschieht, wenn sie ihnen, da namentlich die hohlen Baume immer mehr verringert werden, recht viele künstliche Niststätten gewähren.

Bringcrlohn. Durch bie Post bezog«, 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditton und Druckerei: Kch»tftr«tze Ar. 7. Fernsprecher 51.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Nachdem zu Langsdorf in einem Gehöft der Aus­bruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt und nachdem das Vieh eines anderen Besitzers seuchenverdächtig befunden worden ist, ordnen wir die Sperre über die beiden Gehöfte an.

Es gelten hiernach für die betreffenden Besitzer die Be- stimmuugen unter I. und für die Gemarkung Langsdorf die Bestimmungen unter II. unseres Ausschreibens vom 24. Juni 1890 (Kreisblalt Nr. 146).

Gießen, den 29. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. G agern.

wurde noch ein Begleitschreiben zu dem Inserat das Ganze an eine der bekanntesten Annoncen- zur weiteren Veranlassung gesandt. Einlaufende hieß es in dem Briese, möge man alsbald an Herrn Senator Senner, dem sein Töchterchen-Braut inzwischen von dem lustigen Streich Mittheilung gemacht hatte, gelangen lassen.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MonlagS

Die Gießener

Mnmttien v kälter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Emma Faller war in recht nachdenklicher Stimmung von dem frohen Feste heimgekehrt. Je mehr sie darüber nach- dachte, desto mehr schmerzten sie die spöttischen Reden, welche von den Jugend- und Gesellschastsgenossinnen gemacht worden waren, als der neckische Zufall sie als die nächste Braut unter den neunundzwanzig heiratsfähigen Mädchen bezeichnet hatte. Es hatte ihr doch einen Stich ins Herz gegeben, als sie die höhnischen Bemerkungen vernehmen und über sich ergehen lassen mußte. Sie hatte heute so recht erfahren, bafc' auch unter Altersgenossinnen reine Freundschaft zu den Selten- heilen gehört und daszarte" Geschlecht seine Mitschwestern mitunter recht unzart behandeln kann.

Emma," meinte die Mutter, als sie sich zu den übrigen Familiengliedern an den Tisch gesetzt hatte,Du siehst gar nicht aus, wie wenn Du bei einer Braut zu Gast gewesen wärest- man könnte wahrhaftig eher glauben, Du habest eine Condolenzvisite gemacht."

3J?ir ist auch ganz so zu Muthe, Mamachen," erwiderte Emma mit Bitterkeit.Ich habe es heute schmerzlich hören und empfinden müssen, daß ich weniger hübsch bin als die meisten anderen Mädchen, und wenn es mir auch im All­gemeinen herzlich gleichgiltig ist, was man über mich und meine äußere Erscheinung sagt, so ihut es mir doch wehe, daraus hinspielende Bemerkungen von Altersgenossinnen und solchen jungen Damen hören zu müssen, die wir zu den ge­bildeten Ständen, zur guten Gesellschaft rechnen."

Emma erzählte hierauf, was sich bei dem Orakelspiel zugetragen.

Laß nur gut sein, mein armes Kind," sagte Frau Faller tröstend, nachdem ihr Töchterchen seine Erzählung beendet hatte,wer weiß, ob das Kartenorakel nicht recht behält. Jedenfalls haben Doetors Lieschen und Apothekers Helene am wenigsten Grund, Bemerkungen zu machen, denn sie haben trotz ihrer körperlichen Vorzüge bis jetzt noch keinen Freier gefunden und finden auch vielleicht nie einen."

..Das mag schon sein, Mamachen," entgegnete Emma, «mdeß unterliegt e« keinem Zweifel, daß ber Vorschlag zu dem Heirathsgesuch von Lieschen nur deßhalb gemacht wurde, um mir handgreiflich zu beweisen, daß ich die wenigsten Chaneei, habe, zu der nächsten Brautchocolade einzulaben."

Warten wir ab, liebes Kinb, waS man zu Deiner Kränkung erbacht, kann zu Deinem Triumphe führen." Da- mit erhob sich Frau Faller unb gab hierdurch das Zeichen, sich zur Ruhe zu begeben.

(Fortsetzung felgt)

Große Partien und Lheviot, sowie fertige

äetoöbTli&Ti1196, Havelocks?c'

gewöhnlich billigen Preisen verkauft bei

Markt und Schulstraßen-Ecke. (1405

M Anfertigung nach Maß in bester und billigster Ausführung.

Lieschens Vorschlag stimme ich herzlich gern zu," meinte Apothekers Helene,nur möchte ich eine Bedingung angeknüpst sehen und zwar die, daß diejenige von uns, welche sich zuerst verheirathet sei es nun in Folge des vorgeschlagenen In­serates, sei es sonstwie von den übrigen ein hübsches Geschenk als Siegespreis erhält. Sodann soll Lieschens Vorschlag sofort zur Ausführung gebracht werden, damit Nie- mand Zeit findet, wankelmllthig zu werden. Wollt Ihr, dann ans Werk! Das Inserat muß witzig und selbstredend in Versen geschrieben sein."

Vortrefflich!" ertönte es von allen Seiten.Schreiten wir sofort zur Abfassung des Heirathsgesuches."

Eifrig machte sich die lustige Mädchenschaar an die Arbeit, um nach halbstündigem mühsamen Studiren folgende dichterische Leistung zu Tage zu fördern:

Dreißig Mädchen, hübsch und jung, Auch nicht ohne Mittel, Wünschen sämrutltch einen Mann, Mit ob ohne Titel.

Ob er blond ist oder brau»

Ist »n8 gänzlich schnuppe, Wenn er seine Frau nur Hebt* Und ißt gerne Suppe.

Sei er reich nun, sei er arm, Er ist gleich geschähet, Ist sein Stand nur ehrenwerth, Nicht sein Rus verletzet.

Zur Bedingung machen wir, Daß man bald sich melde, Denn wir wollen horchet aus! Heirathen in Bälde!

Sendet luftig Briefe ein

Unter Chiffre 80;

Eine Woche wartet dann

Und die Sache macht sich.

Das Ksrtenorakel.

Von A. vom Rhein.

(1. Fortsetzung.)

Erst als einige junge Damen der Gesellschaft, welche bereits jene Altersgrenze überschritten hatten, die Unverhei- rathete so ungern nennen, noch weiter mit Fragen in die kleine Emma drangen, antwortete sie leuchtenden Blickes: Warum soll ich mich nicht zuerst verheirathen können? Weil ich nicht schön bin ? Die schnell verwelkende körperliche i Schönheit ist doch beim Menschen und Mädchen nicht die 1 Hauptsache und es gibt auch wohl noch Männer, die einen guten Kern in häßlicher Schale einem schlechten Kern in schöner Hülle vorzuziehen wissen. Liegt auch die Wahrschein­lichkeit nicht nahe, daß ich die erste von uns sein werde, die einen Gatten findet, so ist doch die Möglichkeit nicht aus­geschlossen."

Obwohl Emma Faller in ruhiger, ernster Weise ge­sprochen hatte, wurde ihre Antwort dennoch mit ungestümer Heiterkeit ausgenommen.

Weißt Du was, Emma," rief, als wieder Ruhe ein- getreten war, Doetors Lieschen, welches den Dreißigen nicht mehr fern stand, aber immer noch als ein wirklich schönes Mädchen gelten konnte,wir könnten ja einmal einen Ver­such machen und dieMöglichkeit", von der Du eben sprachst, ! etwas näherrücken. Der Versuch bietet für uns alle gleiche ! Ehancen, und ich möchte daher, daß wir uns, vorausgesetzt, daß mein Vorschlag überhaupt Beifall findet, alle ohne Aus­nahme dabei betheiligen unsere schöne Braut und Gast­geberin natürlich ausgeschlossen. I

Unb dieser Vorschlag wäre?" scholl es von allen Seiten.

Hört mich an," erwiderte die Gefragte,und dann entscheidet. Wir sind hier in Fröhlichkeit versammelt- das Gespräch wurde durch unser Spiel einerseits und durch des Orakels Mund anderseits ganz besonders auf die Heiraths- srage gelenkt. Wie wäre es, wenn wir allesammt dennicht ungewöhnliche» Weg" beträten und ein launiges Collectw- Heirathßgesuch in einer großen Tageszeitung erließen? Die einlaufenden Offerten sammeln wir und verloosen sie, wenn weniger als dreißig eintreffen, hingegen sollen sie natürlich »«eröffnet vertheilt werden, wenn dreißig oder mehr Be­werber sich einstellen sollten."

^Einverstanden!" riefen mehr als ein Dutzend Stimmen i* gleicher Zeit.Da- ist eine herrliche Idee!"

Tauchern ist durch die große, fach- mLnnifche Auswahl in Cigarren

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Cigarren-Lpeeialgefchäft von Philipp Weiler, Markt 1 v°kAllhafter 3U kaufen, als von auswärts. Die von Versandt- geschäften offerirten Cigarren in jeder Preislage werden in Quali­tät und Billigkeit bei Weitem übertroffen. Es wird gebeten Lch durch einen Versuch zu überzeugen. ' [jo5

HießknrrAnzriM

Aeneral-Anzeiger.

Universität- - Nachrichten.

Das Erste deutsch-akademische Sängerfeft wurde nunmehr endgtlttg für Pfingsten (4. bis 7. Juni) d. I. nach Salz- Inberufen. In den Kreisen der akademischen Gesangvereine Deutschlands und Oesterreichs und der alten Herren derselben zeigt sich großes Interesse für daS Fest. So hat der Verband deutscher Studenten-Gesangvereine, welcher 14 Vereine umfaßt, seine Thetl- nahme beschlossen. Die akademischen Gesangvereine von Graz, Innsbruck, Leipzig lArton), München, Prag und Wien sind schon letzt korporativ angemeldet. In Salzburg werden umfassende Vor­bereitungen getroffen. Der Gemeinderath hat einen Festausschuß gewählt, der sich durch Cooptation insbesondere alter Herren akademi­scher Gesangvereine zu einem großen Orts-Feftausschuffe erweitert hat. Vorsitzender desselben ist Bürgermeister Dr. Hueber. Die Landesregierung hat die Benutzung der Aula academica für das Fest- Concert gestattet. u

Bekanntmachung.

Nachdem zu Trais - Horloff in einem Gehöft der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt »ordeu ist, ordnen wir die Sperre über das verseuchte Ge­höft an.

Es gelten hiernach für den betreffenden Besitzer die Be- fttmmungen unter I. und für die Gemarkung Trais-Horloff die Bestimungen unter II. unseres Ausschreibens vom 24. Juni 1890 (Kreisblatt Nr. 146).

Gießen, den 29. März 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

vermischter.