Nr. 22. Zweites Blatt. Mittwoch den 27. Januar
1892
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Gießener A nzeiger
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Amtlichem Theil.
Bekanntmachung, betr. die Ausführung des Jnvaliditäts- und AlterSversicher- ungsgesetzes.j
Da es wiederholt vorkommt, daß Anträge auf Bewilligung von Alters- und Invalidenrenten abgewiesen werden müssen, weil die Antragsteller den Nachweis einer Versicherungspflichtigen Beschäftigung vor dem 1. Januar 1891 nicht zu erbringen vermögen, sehen wir uns veranlaßt, wiederholt darauf hinzuweisen, wie wichtig es für die Versicherten ist, sich Bescheinigungen über ihre Arbeits- und Dienst- verhältniffe für die Zeit vor dem Inkrafttreten Les Jnvali- ditätS- und Altersversichcrungsgesetzes, von October 1886 bis Ende 1890, in welchen zweckmäßigerweise auch Lohn und Gehalt (Baarlohn, Verköstigung, freie Wohnung rc.) anzuführen ist, sowie über etwa in dieser Zeil vorgekommene Unterbrechungen der Dienstverhältnisse durch Krankheiten und militärische Dienstleistungen zu beschaffen. Diese Bescheinigungen sind unbedingt erforderlich, um schon jetzt und in den nächsten Jahren einen Anspruch auf Alters- oder Invalidenrente begründen zu können, weil sie die Nachweise bilden, auf Grund deren das Gesetz eine Verminderung der Wartezeit allein zuläßt.
Wir fordern daher die Versicherten in ihrem eigenen Interesse wiederholt auf, für diese Bescheinigungen zu sorgen.
Die Arbeitgeber ersuchen wir, die Arbeiter und Dienstboten auf die Nothwendigkeit der Beschaffung der erwähnten Bescheinigungen hinzuweisen; die Großh. Bürgermeistereien wollen diese Bekanntmachung wiederholt ortsüblich veröffentlichen.
Die vorschriftsmäßigen Formulare für diese Bescheinigungen sind von Wilh. Klee, Papierhandlung in Gießen zu beziehen.
Den Versicherten ist nunmehr Gelegenheit gegeben, die Bescheinigungen sicher aufbewahren zu lassen, indem dieselben bei der Erneuerung der ersten Quittungskarte den Jnvalidi- tätS- und Altersversicherungsstellen abgegeben werden können, welche sie dann mit der Quittungskarte an die Versicherungs- Anstalt zur Verwahrung einsenden werden.
Gießen, den 26. Januar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gießen im Jahre 1890/91.
(Fortsetzung.)
Die Städtischen Unterrichtsanstalten bieten folgendes Bild: Die Vorschule des Gymnasiums wurde im Sommer 1890 von 73, im Winter 1890/91 von 71 Schlllern besucht. Das Realgymnasium wurde besucht in 9 Klassen von 218 Schülern im Sommer 1890, von 212 im Winter 1890/91, die Realschule in 7 Klassen von 274 bezw. 274 Schülern, die Vorschule beider Anstalten in 3 Klassen von 156 bezw. 156 Schülern. Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten dieser Anstalten beträgt 20,484 Mk. 28 Pfg. Die höher' Mädchenschule besuchten in 7 Klassen im Sommer 217, im Winter 208 ^Schülerinnen, die erweiterte Volksschule für Mädchen in 5 Klassen im Sommer 151, im Winter 148 Schülerinnen. Die in 3 Klassen getheilre Vorschule besuchten im Winter 177, im Sommer ebenfalls 177 Schülerinnen. Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen betrug Mk. 30,906 9 Psg. Die Stadtknabenschule besuchten in 8 Klassen (wovon 6 getheilt) im Sommer 1890 781 , im Winter 1890/91 779 Schülerdie Stadt Mädchenschule (in gleicher Ein- theilung) 865 bezw. 869 Schülerinnen. Die aus der Stadtkaffe zu bestreitenden Kosten der Volksschule haben, nachdem mit Beginn des Schuljahres 1890/91 die Erhebung von Schuldgeld ausgehört hat, im Ganzen Mk. 65,580 43 Psg. betragen. Die Volksschule hat durch Tod 5 Knaben und 6 Mädchen, die Vorschule des Realgymnasiums, bezw. dieses selbst je einen Schüler verloren. — Die obligatori sche Fortbildungsschule wurde im Winter 1890/91 von 297 Schülern besucht, 48 gering befähigte Schüler wurden in zwei besonderen Abendklassen unterrichtet,- dem Berufe nach waren in der Fortbildungsschule 212 Handwerker, 32 Kaufleute, 5 Kellner, 12 Schreiber, 22 Fabrikarbeiter, 14 Ausläufer und sonstige Arbeiter. Die Zahl der in die Kleinkinderschule ausgenommenen Kinder im Alter von
21/2 bis 6 Jahren betrug im Sommer 1890 220, im Winter 1890/91 198 Kinder. — Die Industrieschule für Mädchen (Aliceschule) wurde im Jahre 1890/91 besucht von 94 Schülerinnen, von denen theilnahmen am Anfangsunterricht 34, Maschinennähen 23, Sticken 17, Kleidermachen 28, am Lehrerinnen-Cursus 6. — Die mit dem Localgewerbverein verbundene Handwerkerschule wurde von 311 Schülern besucht. — An dem sonntäglichen Feierabend für Lehrlinge nahmen während des Winters 1890/91 158 Lehrlinge Theil, der stärkste Besuch an einem Abend betrug 94, der schwächste 32 Lehrlinge.
Was die Armenpflege betrifft, so war dem Berichtsjahre die Aufgabe verblieben, die schon im Jahre 1882 in Angriff genommene Organisation der Ausübung der offenen Armenpflege zur Durchführung zu bringen und hat man sich dabei für die Grundsätze des sogen. Elberfelder Systems entschieden. Nach Genehmigung der Satzungen ist am 1. Februar 1891 die neue Organisation ins Leben getreten und die Eintheilung der Stadt in 6 Bezirke und 84 Pflegschaften erfolgt, es läßt sich schon jetzt als unbestreitbar feststellen, daß die Ausübung der offenen Armenpflege in jeder Hinsicht gewonnen hat. — Das Vermögen der Armenkasse betrug im Jahre 1890/91 Mk. 359,150 84 Psg. und setzt sich zusammen aus Grund und Boden 39842 Mk. 50 Pfg., Gebäuden 50,300 Mk., Mobilien 7400 Mk., Capitalien 261,608 Mk. 34 Pfg. An Armenunterstützung wurde verausgabt: für Wohnungsmiethe Mk. 5209.17, Brod Mk. 4684.86, Brennmaterial Mk. 853.57, Kleidungsstücke Mk. 1083.12, Schuhzeug Mk. 441.40, ärztliche Behandlung und Ausnahme im akademischen Hospital Mk. 9814.15, ständige Baarunterstützung Mk. 10,587.70. Unter den Aufwendungen für Kleidungsstücke befindet sich eine solche mit 722 Mk. 65 Psg. für Confirmationskleider. Die Durchschnittszahl der in offener Armenpflege ständig Unterstützten betrug 202; außerdem befanden sich 28 Kinder auf Kosten der Armenkasse in Privatpflege. 228 Familien, bezw. einzelne Personen hatten Anspruch auf freie ärzliche Behandlung und Verpflegung in den Universitätskliniken, 136 wurden in den Kliniken untergebracht, außerdem mußten 41 ortsfremde männliche und 18 weibliche Personen in das akademische Hospital und weiter 20 männliche Personen wegen Platzmangel behufs ärztlicher Behandlung in die Herberge zur Heimath eingewiesen werden. — In geschlossener Armenpflege (im städtischen Hospital) befanden sich 14 männliche und 14 weibliche Personen. Ganz oder theil- weise auf Kosten der Armenkasse befanden sich im Landeshospital Hosheim 13, in der Landesirrenanstalt Heppenheim 5, in der Anstalt für Epileptische zu Bethel 3, in der Taubstummenanstalt zu Homberg und im Reichswaisenhaus zu Lahr je eine Person. In Erziehungs- und Besserungsanstalten wurden erzogen 20 Kinder. Die mit dem städtischen Hospital verbundene Plock'sche Stiftung hat 10 Pfründner untergebracht. Das Vermögen dieser Stiftung beziffert sich auf 119,552 Mk. 96 Pfg. Die im Berichtsjahre eingetretene Capitalvermehrung von 9000 Mk. ist u. A. mit dadurch zu erklären, daß Mangels geeigneter Bewerber nicht die vollen Erträgnisse der Stiftung zur Gewährung von Pfründen verwendet werden konnten. An Stiftungen für hiesige Arme sind zugegangen: a) diejenige des Friedrich Bender im Betrage von 2000 Mk., b) diejenige des Philipp Schmidt im Betrage von 2000 Mk. und c) diejenige von Minka von Haxthausen im Betrage von 2000 Mk. — Die Löb er sche Stiftung kann deßhalb nicht zur vollen Wirkung gelangen, weil jeweils die gleiche Zahl von Pfründen (jährlich 260 Mk.) an Wittwer und Wittwen zu vergeben ist, welche beide in Gießen geboren sein, dem Handwerkerstande angehören und einen guten Ruf besitzen, fortwährend einen gesitteten Lebenswandel führen und wahrhaft dürftig sein müssen. Während für die weiblichen Pfründen stets ein großer Zudrang herrscht, fehlt es für männliche Pfründen an geeigneten Bewerbern, so daß deren Ertrag zum Theil dem Capitalstock zugewiesen werden muß.
(Schluß folgt.)
Localer unfc provinzielles.
Gießen, 26. Januar 1892.
— Kunftverein. Die Kunstausstellung im alten Hofgerichtsgebäude hat in der letzten Woche nicht nur durchgehends neue Bilder erhalten, sondern auch durch den Bezug eines anderen Zimmers nach Beleuchtung, Uebersicht und Heizung zu ihrem Vortheil sich verändert. Unter den ausgestellten Bildern zetchnet sich vor Allem eine prächtige Landschaft unseres Landsmannes Fritz Ebel (Düsseldorf) „Am Ugleisee" aus,- weitere Landschaften haben ausgestellt: Corr eg io
(München) „Abend bei Dachau", Küstner (München) „Spätherbst", Rüg er (München) „Motiv bei München" (nach unserem Geschmack etwas zu sehr „plein aira), Möller (Hamburg) „Dämmerung", Gampert (München) „Winterlandschaft", Benecke (München) „Am Abend", Begas (Berlin) „Taormina im Januar" und Bindewald (hier). Heinrich Hoffmann (Darmstadt) bringt eine Anzahl von Motiven aus unserer Nähe, wie „Schmiede in Sachsenhausen", „Schloß Breuberg im Odenwald", „In Gelnhausen" und „Einquartirung im Kloster". Das Genre ist vertreten durch Daelen (Düsseldorf) mit „Sub rosa“, „Zum Tanze" und „Rheingold", deren ersteres uns allerdings viel besser gefällt als letzteres,- gut gemalt sind: Fehr (Stuttgart) „Der Naturforscher", S e b 0 l d t (Saarbrücken) „Ahasvera" R i e p e r (München) „Am Marktstand", sowie ein Aquarell von Bode (Frankfurt a. M.) „Am Brunnen" und ein Pastellkopf von Levy (Königsberg) - dagegen haben uns „Jdun" von Schade (München) und „Er kommt" von Kurz (Berlin) weniger befriedigt. Stilleben und Blumenmalerei wird, dem Charaeter unserer Ausstellungen entsprechend, wiederum ziemlich stark vertreten- Blumen aller Art haben ausgestellt: Begas (Berlin), Ostermaier (München), Krause (Berlin), H0r- lach er (München) und Moritz (Friedenau bei Berlin); unter den Stilleben von Himmel (Karlsruhe) und Metzger (München) zeichnet sich das erstere durch originelle Stoffwahl und glühende Farbengebung aus. — Unbeachtet der erfreulichen Zunahme des Milgliederstandes im abgelaufenen Jahr sei auch an dieser Stelle wieder allen Kunstfreunden unserer aus diesem Gebiet eigentlich recht armen Stadt die Förderung des Kunstvereins ans Herz gelegt- bezahlt sich ja doch der Jahresbeitrag von 10 Mk. für eine Familie — neben den werthvollen Verloosungsgewinuen und den Prämienblättern — schon allein durch die Anregung und den Genuß der ständigen Gemäldeausstellungen in ihrem allerdings noch immer sehr bescheidenen Heim.
Itttwerfitäts - Nachrichten.
— In der philosophischen Facultät der Universität Göttingen hat sich Dr. Schumann mit einer Probevorlesung über E. Wenings Theorie der Ltchtempfindungen babilitirt.
— An der Universität Berlin hat sich Dr. Rathgen für Staatswissenichaft, Dr. Wien für Physik habtlttirt.
— Der Finanzausschuß der bäurischen Kammer hat das Gehalt für einen neuanzuftellenden außerordentlichen Professor der analytischen Chemie und einen neuanzuftellenden außerordentlichen Professor der Chirurgie an der Universität Erlangen genehmigt. Ferner wurden bewilligt die Forderungen für ein physikalisches Institut und für ein pharmakologisches Institut für dieselbe Universität und die Forderungen für ein neues Eollegienhaus und ein chemisches Institut zu Würzburg.
Lebensversicherungs-Gesellschaft zrt Leipzig
(alte Leipziger) gegr. 1830.
Die Gesellschaft hatte im vergangenen Jahre wiederum einen sehr starken Zugang an neuen Versicherungen zu verzeichnen. Es wurden 5975 Versicherungsanträge über eine Vetsicherungssumme von 41 569 450 Mk. (460 Anträge und 3 666 100 Mk. mehr als 1890) gestellt und 4936 Versickerungen über 33 219 850 Mk. (557 Per sicherungen und 3 209 300 Mk. mehr als 1890) abgeschlossen. Sterbefälle wurden für 1891 695 über eine Versicherungssumme von 4 283 500 Mk. (349 800 Mk. mehr als 1890) angemeldet. Durch Erleben des Fälligkeitstermins kamen 200 Versicherungen mit 641321 Mk. zur Auszahlung. Die durch Ruckkauf und Aufgabe in Abgang gekommenen Versicherungen lassen sich noch nicht genau angeben; es steht indeß fest, daß sich der hierdurch bedingte Abgang auch diesmal in beschränkten Grenzen gehalten bat und daß sich für 1891 ein größerer Zuwachs des Versicherungsbestandes als in irgend einem der Vorjahre ergeb,n wird. Annähernd stellte sich der Versicherungsbestand Ende 1891 auf 54 100 Personen und 359 Millionen Mark Versicherungssumme. An Dividende erhielten die länger als fünf Jahre Versicherten im Jahre 1891 42pCt. der ordentlichen Jahresbeiträge, die mit Abkürzung Versicherten außerdem noch eine Dividende von IV2P6L der Summe der gezahlten Zusahbeiträge. Die gleichen Dividendensatze werden auch im Jahre 1892 zur Ver- theilung gelangen. Don dem Vermögen der Gesellschaft waren am 31. December 1891 78 913 688 Mk. in mündelsicheren Hypotheken, 7 468274 Mk auf Policen der Gesellschaft 2 068 611 Mk." gegen Ab tretung von Dienstcautionen ausgeliehen. Der Effectenbeuand bezifferte sich auf 1 428 292 Mk., das Guthaben bei der Reichsbank und der Sächs. Bank auf 454 280 Mk., die baare Kasse auf 97 344 Mk., der Rest der Activa auf mehr als 4 Millionen Mark.
Nichts entstellt das menschliche Antlitz mehr als
unreiner Teint, Falten, Runzeln, welke TTrjuf Lei solchen Erscheinungen gelten wir, selbst noch jung DcIIIIb seiend, schon für alt und Niemand will an unsere wirkliche Jugend mehr glauben. Will man nicht älter gelten als man ist, sorge man für geschmeidige, zarte Haut, vermeide ernstlich alle scharfen, sodahaltigen Waschmittel und gebrauche statt solcher nur l>oerings Seife mit der Eule die reinste und beste der Welt; bei constantem Gebrauche wird jugendlich-frisches Aussehen unsere Ausdauer lohnen. Preis 40 Pf|. 223 Engros-Verkauf: Benner & Krumm. Giessen.


