Wt. 74
ErSes Blatt
Sonntag den 27. Mar;
1892
rlints- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen.
Hratiskeitage: Hießencr Stamifienfifätfer.
Bierkeljähiiger -öonnementspreiO: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Nedaction, Expedition und Druckerei:
Zch-kgr«»« Ar.7.
Fernsprecher 51.
im Stande, die Ruhe ausrecht zu erhalten. Vielleicht werde noch das Zuziehen von Militär nöthig. Einige Gruben sind bereits ersäust. Die Bergleute verhindern die Pumpen- thätigkeit. Die Grubenbesitzer bestehen jetzt auf einer Lohn- reduction von 15 bis 20 pCt., anstatt früherer lOpCt.
Alle «nnonctn-Sureau? t>e« In. und «ullanbt* nehmen Anzeigen für den „Gießener ünjetger* cnta.qtn.
, m Gefunden: 2 Messer, 1 Haarnadel, 6 Fensterläden 1 Pulswärmer, 1 Gummiball, 1 Paar Handschuhe, 1 Armband, I Taschentuch, 1 Spannkette, 1 Bleifederhalter, I Man- lchette mit Knopf, 1 Serviette, I Zwicker, 2 Pack Leim und 1 Abputztuch.
Gießen, den 26. März 1892.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Aeuefte n<KbHd>tcn.
WotffS leiegraphischeS lorrtfconbtnj.eurtao
Sedin, 25. März. Der Kaiser empfing heute Vormittag in Hubertusstock den Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg und hörte den Vortrag des Kriegsministers und des Chefs des Militärcabinets.
Berliu, 25. März. Dem Vernehmen nach wird der Kaiser morgen Nachmittag von Hubertusstock hierher zurück- kehren.
totales unb provinzielles.
Gießen. 26. März 1892.
— Die akademische Trauerfeier zum Gedächtniß Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. fand heute Vormittag l l^Uhr statt. Wir werden in nächster Nummer weiter darüber berichten.
— Die vom Oberhefsischen GeschichtSvereiu am Donnerstag Abend im Saale des Cosa Ebel veranstaltete Gedächtniß- feier für Sc. König!. Hoheit den Großherzog Ludwig IV. war, wie zu erwarten, sehr zahlreich besucht. Der Saal war der ernsten Feier entsprechend decorirt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Prof. Dr. Höhlbaum, leitete die Feier mit einer Ansprache ein. Die Sitzung sei zu einer Trauerversammlung geworden, gewidmet dem Andenken des Landesherrn und Landesvaters, des Rector magnificentissimus unserer Universität, des ächten deutschen Fürsten. Was der Großherzog seinem Lande und Volke in lkrieg und Frieden gewesen, das würden die nachfolgenden Redner zum Ausdruck bringen. Der verewigte Großherzog
Depeschen des „Bureau Herold-.
25. März. Die „Post" meldet, zuverlässigen Nachrichten zufolge habe die gute Luft und die Körperbewegung aus das Befinden des Kaisers äußerst günstig eingewirkt. Alle Nachrichten über momentane Indisposition des Kaisers, wie beispielsweise Asthma rc., seien sehr übertrieben. Der Kaiser unternahm in den letzten Tagen angestrengte Galoppritte, welche ihm gutgethan haben.
Berlin, 25. März. Der Kaiser reist morgen Nachmittag von Hubertusstock ab und trifft in Berlin um 572 Uhr ein. Derselbe wohnt Abends dem Diner beim österreichischen Botschafter bei.
Berlin, 25. März. Die „Krtuz-Ztg." vernimmt, dem Bundesrathe werde demnächst ein Nachtrags-Etat für 1892/93 zur Beschlußfassung vorgelegt, worin unter anderem zur Erweiterung des Eisenbahnnetzes 7 Millionen ausgeworsen sein sollen.
Berlin, 25. März. In maßgebenden Kreisen wird angenommen, der Reichstag werde am 29. März geschlossen.
JBttlin, 25. März. Nach der „Börsenzeitung" werde in parlamentarischen Kreisen erwartet, die neue Regierung werde in der Montagssitzung des Abgeordnetenhauses eine . Erklärung abgeben, worin sie das Schulgesetz formell zurückzieht und aus ein freundliches Zusammenwirken der Regierung mit den Mittelparteien zurückkommt.
Berlin, 25. März. Von drei Rädelsführern bei den kürzlichen Straßentumulten wurde Rhode zu vier Zähren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, Hung zu zwei I fahren Gesängniß, Fenski zu drei Jahren Gesängniß ver- urtherlt.
Danzig, 25. März. Die Manöverflotte unter I
Viceadmiral Deinhard und das Uebungsgeschwader unter I
Contreadmiral Kracher wird nach den Manövern im west- I
lidjen Ostfeebecken zu den Gesammtübunqen vor Danzia I
erwartet. 0 I
Hamburg, 25. März. Der Hamburger Dampfer „Desterro", aus der Heimreise von Südamerika begriffen, ist vier Meilen von Ter-Schelling Feuerschiff mit dem englischen Dampfer „Indra" zusammengestoßen und 14 Faden tief gesunken. Sämmtliche 44 Passagiere und die Mannschaften wurden von dem englischen Dampfer „Eiporto" ausgenommen und sind heute hier gelandet. Die Ladung des „Desterro" bestand aus 20,000 Sack Kaffee und Tabak/
Eisenach, 25. März. Zum 22. Mai ist ein allgemeiner deutscher nationalliberaler Parteitag hierher berufen.
Sargaus, 25. März. Nach hier eingegangener Meldung ist in dem Dorfe Sevelen, tm Rheinthal, eine Feuersbrunst ausgebrochen- es herrscht heftiger Föhn.
Petersburg, 25. März. Die Aufhebung des Erlasses, betreffend das Ausfuhrverbot für Weizenmehl, wurde heute sanetionirt. Die Exporteure werden verpflichtet, gleiche Massen Weiz?nkorn aus dem Auslande dagegen wieder- kinzusühreu. Die Aushebung des Ausfuhrverbots für Hafer aus dem Gouvernement Archangel wurde abgelehnt, trotzdem der Gouverneur versicherte, der Hafer wäre über- fUissig.
Sichener A n zeiger
Kenerak-Mnzeiger.
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Moikten-tLIIer «erden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigelegt.
I ^be lebendigen Antheil genommen an der Einigung des deutschen Reiches und sich ganz seiner Zeit und dem Be- wußtsein seiner Völker hingegeben,- er war ein Fürst von echt deutsch-nationaler Gesinnung, in seinem Handeln stets tn engster Gemeinschaft mit feinem Volke und seiner Vertretung, das öffentliche Wohl über das eigene stellend- dies Mes sichere ihm ein dankbares Angedenken. Das Wirken des Elberhessischen Geschichtsvereins wurzele in der Liebe nur dieselbe Liebe zur Heimath, zur Nation, zum Reiche habe den verewigten Großherzog stets geleitet. Dem Gelöbniß baä Andenken des Verewigten zu ehren und dessen Weae ru wandeln, gab die Versammlung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. — Herr Prof. vr. Buchner entwarf ein lebenswahres Bild von dem verewigten Großherzog als Landesherr und Familienvater. Schon im Jahre 1858 al" der damalige Prinz Ludwig mit seinem Bruder Heinrich in Gießen studirte, gewann er sich die Herzen der Bevölkeruno ■ daß Ludwig IV. wissenschaftlich hochgebildet, bezeuge die im >>ahre 1863 von der Universität Cambridge erfolgte Verleihung der Doetorwürde. Es sei erklärlich, daß der Ver storbene, der seine militärische Laufbahn in Preußen begonnen tm Kriegsjahre 1866 zwiefaltigen Herzens an dem Kampfe gegen Preußen, lediglich der Pflicht gegen sein engeres Vaterland folgend, theilnahm, während sein Bruder auf preußischer Seite in Böhmen focht. Die Ereignisse von 1866 gestalteten sich so, daß Hessen mit verhältnißmäßig geringem Verlust aus denselben bervorging und in das neue ftzahr- wasser eintreten konnte. Die 16jährige Ehe des Großherrogs mit der unvergetzlichen Alice fei die denkbar glücklichste gewesen- dies finde lebhaft Ausdruck in den Briefen welche die leider zu früh von der Seite ihres hohen Gemahls hmweggeristene Prinzessin, spätere Großherzogin, an ihre Mutter, die Königin von England, geschrieben. Die Tbätia- feit der Großherzogin Alice zum Besten der Verwundeten und Kranken, ihr Wirken auf dem Gebiete der Wohlthätia- kett, der Förderung von Kunst und Wissenschaft sicherten auch ihr etn bleibendes Andenken. Ihre während des deutsch, franzosiichen Krieges an ihre Mutter gerichteten Briefe bekundeten nicht nur die Fürsorge für den an der Spitze einer Hessen auf Frankreichs Boden kämpfenden Gemahl I i°"dern auch wte deutsch die Prinzessin geworden, mit welcher Liebe sie an ihrer deutschen Heimath hing. Nach Beendigung des Krieges entwickelte sich Hessen rasch zu einem wesentlichen ©liebe deutschen Reiches- weich' hohen Antheil der verewigte Großherzog au dieser segensreichen Entwickelung genommen fei bekannt. Aufrichtig betrauere deshalb unser Vaterland den geliebten Todten. Nach dem unabänderlichen Schicksalsschlage begrüße nun auch der Oberheffische Geschichtsverein in alter Heffentreue den neuen Großherzog Ernst Ludwig Mochte Hessen verschont bleiben von Krieg und Verwüstung damit es dem Großherzog beschieden sein möge, fein Land' tn Gluck und Frieden durch lange Jahre zu regieren — Herr Hauptmann Weimer schilderte das Leben und Wirken des Großherzogs Ludwig IV. als Soldat. Ihm (dem Redner) fti es vergönnt gewesen, durch lange Jahre der heffischen Division anzugehören und mit derselben unter Führung des verewigten Großberzogs an dem Kampfe gegen Frankreich theilzunehmen- was er hier sprechen wolle, möge als Dankes- zoll aus Soldatenherzen erscheinen. In welcher Weise die Herzen der Soldaten ihrem Führer entgegenschlugen, auf dem Marsche, im Bwouak, wie im Kampfe, baS kann nur der beurteilen, der Zeuge davon gewesen- diese Anhängltch- fett zeigte sich auch am Beerdigungstage, an dem Tausende ehemaliger Krieger nach Darmstadt eilten, um noch einen testen Blick auf den mit Blumen bedeckten Sarg zu werfen der die Hülle ihres Führers barg. Aber nicht nur in Hessen' sondern in der ganzen deutschen Armee, in einem besonderen Erlaß des Kaisers gab sich kund, welchen unersetzlichen Verlust die Armee erlitten. Nachdem Herr Hauptmann Weimer die Ereignisse von 1866, soweit sie in Verbindung mit dem verstorbenen Großherzog zu bringen sind, erwähnt, hob er besonders hervor, daß die dem Kriege folgende Einfügung der heffischen Division in den preußischen Militärkörper die Verdienste des Großherzogs um die Neuorganisation erfennen Itefjen. Die Besichtigung der Division durch Kaiser Wilhelm I. zwischen Kleinlinden und Allendorf tm Jahre 1869 habe das Vertrauen in die hessische Wehrkraft bet dem allerhöchsten Kriegsherrn befestigt. Und schon im folgenden Jahre konnten die hessischen Truppen beweisen, daß sie dieses Der,rauens würdig. In der Nacht vom 15. zum 16’( tQ™ ber Mobilmachungsbefehl, und der
tapfere Führer der Division, Prinz Ludwig, brachte ,hn mt- gesaumt zur Ausführung. Die hessische Division bezog bi« 7* August Quartier bei Worms und marschirte, nachdem sie in die unter Befehl des Prinzen Friedrich Carl stehende
Bekanntmachung.
Nachdem in einem Gehöft zu Trais-Horloff der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre über das verseuchte Gehöft verfügt.
Gießen, den 26. März 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___________v. Gag ern.
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthurns.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Groß- herzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem Stadtvorstand zu Alsfeld gestattet hat, gelegentlich des am 2o. Juli d. I. daselbst stattfindenden Zuchtviehmarkts eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen ;u veranstalten.
Die Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung ist unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 4000 Loose ä 1 Mk. ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind geiinttd* ber Loose ist in der Provinz Oberhessen
Gießen, den 23. März 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Berlin, 26. März. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge sagte Graf Zedlitz bei feiner Verabschiedung von feinen Beamten: er habe im vorigen Jahre schweren Herzens nber aus Gott vertrauend sein Amt übernommen, wenn er jetzt von den Geschäften trennen müsse, so demüthige er fid) vor der Fügung Gottes. — Die „Nationalzeitung" und das „Berl. Tagebl." hören, die Regierung sei bereit, auf gewisse Abänderungen der Welfensondsvorlage einzugehen. — Die Kaiserin Friedrich präfibirte gestern einer Sitzung bes Vereins für häusliche Ge sunbheitsp s 1 eg e, sowie bes Comitös ber Berliner Feriencolonien. — Die „Vossische Zeitung" erfährt, Reichscommissär Dr. Peters werde unmittelbar nach Erledigung der Grenzregulirung im Norden von Usambara nach Europa zurückkehren. — „ o, _... _ . । Demselben Blatte zufolge steht die Bildung einer Colonial.
Berlin, Marz. Der Vorstand ber Deutschen genoffenschast bevor, die die Auswanderung deutscher Acker-
ColonialgeselIschaft, welcher hier unter dem Vorsitze I baufomilien nach Kamerun zu lenken beabsichtigt Hammachers zahlreich versamme l .st, hat den Vorschlag des Wien. 25. März. Die „Neue Freie Presse" wünscht Anschusses, aus dem subwestafrikaniichen Schutzgebiete eine Caprivi möge auf seinem neuen Posten stärker sein damit Siedelungsgesellschaft zu begründen, angenommen und die Gegner Deutschlands nicht sagen könnten, Deutschland höre TOUte” bretroiaigPnQn9nffn^mE 6olonlfatlon b,c "ölhigen auf, ^em verläßlicher Alliirter und starker Hüter des europäischen
Berlin, 25. März. Der Etatsausschuß der Stadt- London, 25. März. Die Lage auf den Soblen- verordneten Versammlung beschloß für das Etatsjahr 1892/93 distrieten von Durham ist ernster, di Polizei st nicht den Procentsatz der G e m e t n ö e et n f o mm e n ft e u er mit 1 - - - ° ' niajt |
70 Procent des Normalsatzes. Bisher wurden 100 Procent bezahlt.
Annahme von Anzeigen zu tot Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nuuimer bis Borm. 10 Uhr.
Amtlicher Ocil


