Ausgabe 
26.8.1892
 
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r. 198

Freitag den 26. August

1892

Ter Athener Anzeiger rr scheint täglich, mit Ausnahme des

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«olgcnden Tag erscheinenden Nummer bt5 Dorrn. 10 Uhr. ! SV' _________________________

Amtlicher Theil.

Gießen, den 24. August 1892.

ein: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taub- stummeN'Anstalten des Landes.

)as Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

ob in Ihren Gemeinden taubstumme Kinder vorhanden sind, welche das zur Aufnahme in,- eine Taubstummen - Anstalt er­forderliche Alter erreicht hoben. Die Kinder müssen das 8. Lebensjahr erreicht, dürfen aber das 12. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben. Sollten sich aufnahmefähige taub­stumme Kinder in Ihren Gemeinden vorstnden, dann wollen Sie sich über die Verhältnisie der Eltern der Kinder aus­führlich äußern und sich hierbei des nachfolgend abgedruckten Formulars, dessen einzelne Rubriken sorgfältig auszusüllen

sind, bedienen.

v. Gagern.

Wieviel Geschwister

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v. Gagern.

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Bei der Geburt war alt

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Unter­richtet

Veranlassung der Taubheit

taub geworden

Er­zeugt

Namen der Ettern

und ihre Beschäftigung

Umsang der

Taubheit

Namen der

Taub- stummen.

fähig sein. Den Besitzern guter Thiere können, soweit die Mittel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung, in Aussicht gestellt werden.

...Gießen, den 23. August 1892.

Großherzogliches Kteisamr Gießen.

v. Gagern.

Das Gr. Steuer-Gommifsariat Gießen

an die Gr. Bürgermeistereien des Bezirks.

Da nach Art. 21 und 36 des Einkommensteuergesetzes und Art. 27 des Gewerbsteuergesetzes die betreffenden Com­missionen aus 3 Jahre gewählt werden, so haben bei der, in den nächsten Tagen beginnenden, Regulirung für das Steuerjahr 1893/94 nochmals dieselben Commissionen mitzuwirken, die bereits in den beiden letzten Jahren thätig gewesen sind. Zur Vermeidung von Anständen macht man hieraus nochmals ausdrücklich aufmerksam.

Gießen, 24. August 1892.

Süffert.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. Sep- nber 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entgegen.

B

ap Q

Ausland.

In Paris bildet das verkrachte französisch- russische Wohlthätigkeitssest zu Gunsten der Noth- leidenden in Rußland mit einen Theil des augenblicklichen

Bekanntmachung,

betreffend öffentliche Faselschau zu Gießen.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß am 7. Sep­tember d. I. gelegentlich des an diesem Tage stattsinden- ben Viehmarktes zu Gießen auf dem Viehmarktplatz eine öffentliche Faselschau durch die Kör-Commission abgehalten werden wird.

Die Schau beginnt Vormittags 9J/2 Uhr; zur Ankörung kommen nur Fasel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmenthaler Raffe, auch muffen die Bullen bereits sprung-

Derrtsches Reich.

Berlin, 24. August. Die Aeußerungen des Kaisers über die zweijährige Dienstzeit beschäsligen die öffentliche Meinung noch immer, hauptsächlich wohl deß- halb, weil immer neue Lesarten über die betreffende Ansprache des Monarchen austauchen. So will jetzt eine Correspondenz in derFranks. Ztg." wissen, der Kaiser habe sich hierbei zunächst scharf mißbilligend darüber ausgedrückt, daß in letzter Zeit militärische innere Angelegenheiten in steigendem Maße in die Tagespresse gelangen konnten. Speziell seien von ihm die von rein militärischen Federn herrührenden Preßerzeug­nisse, welche die geplanten Heeresresormen sehr verschieden­artig beurtheilt hätten, ungemein abfällig beurtheilt worden. Der Kaiser soll alle derartige Erörterungen, namentlich so­weit sie sich mit der zweijährigen Dienstzeit beschäftigten, als ins Gebier der Phantasie gehörig bezeichnet haben. Weiter hätte er erklärt, die zweijährige Dienstzeit sei ohne Gewäh­rung ganz besonderer Gegenleistungen nicht denkbar, und wenn sich der Reichstag zu solchen nicht verstehen könnte, so sei ihm (dem Kaiser) eine kleine, aber gut disciplinirte Armee lieber als ein großer Haufe. Jedensalls kann man air gesichts der Wichtigkeit und Tragweite der hier vorliegenden Sache nur wünschen, daß von zuständiger Seite endlich der Wortlaut der Aeußerungen des Kaisers in Sachen der zwei­jährigen Dienstzeit bekannt gegeben werde.

Als die nächsten Früchte desstattgehabten Jnspec- tionsbesuches Dr. Kaysers in Deutsch-Ostafrika werden einige colonialpolitische Vorlagen bezeichnet, die dem Reichstage in der kommenden Session zugehen sollen. Neber den Inhalt dieser Entwürfe ist indessen noch nichts Näheres bekannt.

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16.

Bekanntmachung,

die Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten betreffend.

Im Hinblicke auf die in Hamburg und Altona aus- brochene Cholera-Epidemie sehen wir uns auf Grund des ÄBBÄeebnnng zu folgenden Anordnungen für den reis Gießen veranlaßt:

Die Familien- und Haushaltungs-Vorstände, ;e auch die Hauswirthe und deren Vertreter sind verpflichtet, ingstens binnen drei Stunden, nachdem sie von einer rkrankung an Cholera oder mit choleraartigen Erscheinungen i ihrer Familie oder ihrem Hause Kenntniß erhalten haben, christlich oder mündlich dem Polizeiamte hiervon Anzeige zu r flotten.

§ 2. .

Die Aerzte sind verpflichtet, von jeder in ihrer Praxis oifommenben Erkrankung an astatischer Cholera unverzüglich, .denfalls aber binnen 6 Stunden dem Großh. Kreis- esundheitsamte unter Angabe des Namens, Alters und der Löhnung des Erkrankten schriftliche Anzeige zu machen. Bei fällen einheimischer Cholera ist die Anzeige bann zu erstatten, oenn ein Sterbfall bei Erwachsenen eintritt.

S 3.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Vorschriften werden iach § 349, 350 und 351 des Polizeistrafgesctzes, bezw. - 327 des deutschen Strafgesetzbuchs mit Geldstrafe ober hefängniß bestraft.

Gießen, den 24. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_______________v. Gagern.___________________

Gießen, ben 24. August 1892.

9etr.: Ausführung ber Feuerlöschorbnung, hier Ausrüstung ber Feuerwehren mit Beilen, Signalhörnern und Pfeifen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

e* die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreise-.

Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 16. b. M. Kreisblatt 192 bemerken wir benjenigen von Ihnen/ welche die für Ihre Gemeinden bestimmten Beile, Signal­hörner und Pfeifen noch nicht haben abholen lasten, daß wir die pünktliche Einhaltung des für die Abholung bestimmten Termins, spätestens Samstag den 27. August l. I. erwarten.

B 12.

Tagesgespräches. Das Fest war unter Aufwand großer Reclame und unter möglichster Ausnutzung der- französisch­russischen Freundschaft von seinen Unternehmern in Scene gesetzt worden- in den Pariser Regierungskreisen selber kam man der Feier in Hinblick auf ihren politischen Hintergrund natürlich mit größtem Wohlwollen entgegen. Trotzdem hat das Fest infolge der Theilnahmlosigkeit des Pariser Publikums vollständig Fiasco gemacht, auch soll der Hauptarrangeur, ein Herr Perrin, eine höchst zweideutige Rolle gespielt haben. Jedensalls steht ein Defizit von mindestens 80,000 Francs fest und streitet man sich zur Zeit darüber, wer dasselbe decken soll- vielleicht, daß der Czar großmüthiger Weise ein­springt ?

Neueste tladftfcbtoit*

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 24. August. Der Kaiser verlieh dem General der Infanterie v. Grolman, dem bisherigen comman- direnden General des 11. Armeecorps, den schwarzen Adler­orden.

Sagau, 24. August. Das Resultat der Reichstags- Ersatzwahl ist nunmehr bis aus acht fehlende Ortschasten bekannt, die an dem Ergebniß nichts ändern. . Es erhielten: Klitzing (cons.) 6652, Müller (stets.) 5432, Zubeil (Soz.) 1481 Stimmen. Zersplittert 99. Stichwahl zwischen Klitzing und Müller ist erforderlich.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 24. August. DiePost" meldet, Wißmann brach am 14. Juli mit einem Theile der Expedition von Chinde auf, während Bumiller und Eltz noch zurückblteben. Ersterer sollte später den zweiten Theil der Expedition an den Sambesi führen, vr. Peters ist in Busti eingetroffen, um die Grenzregulirung in Kamerun mit dem englischen Commissar Smith vorzunehmen.

Berlin, 24. August. DerR e i ch s a n z e i g e r" veröffent­licht den Gesetzentwurf zum Schutz der Waarenbezeichnung als Ersatz des Markenschutzgesetzes.

Berlin, 25. August. Der Entwurf bezüglich eines Ge­setzerlasses betr. electrische Anlagen beschäftigt den Bundesrath bereits länger und ist in den Haupttheilen von den mit der Vorberathung betrauten Beschlüssen festgesetzt.

Köln, 24. August. Die Lokomotivfabriken wollen, da die Staatsbahnen im laufenden Jahre keine erheblichen Aus­schreibungen machen, laut derKöln. Dolksztg." um Ver­längerung der Lieferungsfristen bis zum Frühjahre für die vorliegenden Arbeiten einkommen. Alsdann sollen Feierschichten eingerichtet werden, um Entlaffungen von Ar­beitern zu vermeiden.

München, 24. August. Der 3 3. allgemeine Ge­noss e n s ch a f t s t a g wurde unter Betheiligung von ca. 300 Per­sonen in dem festlich geschmückten Casinosaale soeben eröffnet. Der Vorsitzende Nitzss-Riebnitz begrüßte dankend die Vertreter der Staatsregierung, der Gemeinde, der österreichischen Ge­nossenschaften, den Reichstagßabgeordneten Baumbach und alle Erschienenen. Der Oberregierungsrath Rasp begrüßte Namens der Staatsregierung die Versammlung, deren Be- rathungen er Gedeihen wünschte und der er die regste Antheil- nahme der Staatsregierung an der segensreichen Entfaltung des Genossenschaftswesens auf Selbsthilfe zuffcherte. Bürger­meister Barscht sprach im Namen der Stadt, während der Anwalt der österreichischen Genossenschaft, Wrabetz, für die Einladung dankend, den Berathungen besten Erfolg wünschte und das Nachfolgen der österreichischen Genossen zusicherte. Hierauf wurde zur umfangreichen Tagesordnung übergegangen.

Die Cholera.

Haben wir die asiatische Cholera auf deutschem Boden? Leider wird diese schwerwiegende Frage nicht mehr zu verneinen sein, denn es läßt sich kaum mehr bezweifeln, daß die in Hamburg aufgetretene choleraartige Krankheit identisch mit Cholera asiatica ist. Nach demHamb. Corr." wäre bei mehreren Erkrankten die echte Cholera bereits constatirt worden. Die Zahl der täglichen Erkrankungen wie der Todesfälle ist eine verhältnißmäßig bedeutende- z. B. kamen allein am Dienstag 65 Todesfälle an dieser Krankheit vor. Die Hamburger Behörden haben die energischsten Schritte zur möglichsten Localisirung der Seuche gethan, bet der andauernden Hitze läßt sich freilich schwerlich ein dnrch- greifenöer Erfolg erhoffen. Da bei den zahlreichen Verkehrs­verbindungen Hamburgs mit dem Binnenlande eine Weiter­verbreitung der Epidemie nach anderen Gebieten Deutschlands