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Gießen, 23. Februar 1892.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 25. Februar 1892, Nachmittags 4 Uhr: 1. Vergebung der Lonh'schen Stiftungszinsen. 2. Desgl. aus den v. Krug'schen Stiftungen. 3. Baugesuch des Peter Gibb. 4. Decretur von Kostenrechnungen. 5. Die Erläuterung der Revisionsbemerkungen zur Rechnung des Gas- und Wasserwerks von 1889/90. 6. Wasserzusühruug in das katholische Schwesternhaus. 7. Die Errichtung einer prov. Lehrerstelle an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen. 8. Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung betreffend,- hier insbesondere die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
— Die in der Versammlung von Geschäftsinhabern beschlossene Petition in Betreff der Sonntagsruhe (siehe Rr. 45 d. Bl.) hat bis gestern Abend 182 Unterschriften gesunden.
K. II. Akademischer Gesangverein. Das Benefiz- Concert des Akademischen Gesangvereins hatte sich eines guten Besuches zu erfreuen. An Chorwerken brachte dasselbe „Mirjams Siegesgesang" von Schubert mit Sopransolo und „Erlkönigs Tochter" von Niels Gade mit Sopran-, Alt- und Baßsolo. Die Chorpartien wurden in allen ihren Theilen recht wacker und anerkennenswerth aus- gesührt. Auch die Wahl der beiden Werke war eine vortreffliche, denn dieselben bieten auch in den Chören für den Laien viel Ansprechendes. — Als Solisten wirkten Frau Hildach (Sopran), Frau Dr. Walther aus Darmstadt ^Alt) und Herr Hildach (Baß). Alle drei waren ihren Aufgaben sehr gut gewachsen, ja sie entledigten sich derselben sogar theilweise in gerade ausgezeichneter Weise. In dem Hildach's chen Ehepaar lernten wir wirklich ein Künstlerpaar ersten Ranges kennen. Die Leistungen derselben waren in ihren Solis sowohl wie in ihren Duetten ganz vortreffliche. Frau Hildach berührte uns in ihrer Wiedergabe Jbe§ Schubert'schen Sopransolos außerordentlich sympathisch. Die Wirkung ihrer schönen Stimme war aber in den von ihrem Herrn Gemahl componirten Liedern fast noch eine bedeutendere. Einen wunderbar schönen und künstlerisch abgeklärten Eindruck machten die Duette des Künstlerpaares. Das war wirklicher Duettgesang. — In solistischer Beziehung dürfte die Loewe'sche Ballade „Archibald Douglas", von Herrn Hildach .gesungen, die Krone des Concertes gewesen sein. Das klang imposant, kernig und innig zugleich,- alle Zuhörer waren sichtlich ergriffen. Und wie sein war auch namentlich die Aussprache des Herrn Hildach. Man hatte nicht nöthig nachzulesen, man verstand jedes Wort und jede Silbe. — In Frau Dr. Walther lernten wir eine recht begabte Künstlerin kennen, deren Stimmmittel recht ergiebige sind. Sie fand in „Erlkönigs Tochter" von Gade in ihrer Partie als Mutter ergreifende und zu Herzen gehende Töne.*) — Die Chöre, die Duette und die größte Zahl der Solos (die von Frau Hildach gesungenen wurden von Herrn Hildach begleitet) wurden von Herrn Musikdirector Enzian in sehr gediegener Weise begleitet.
— Neues Theater. Der gestrige Abend brachte uns die erste Ausführung des neuen Zaubermärchens von Anni und Adam Reiners „S ch ö n R o th t r a u t". Das anmuthige Stück ist als eine durchaus gelungene Schöpfung des beliebten Künstlerpaares anzusehen- denn „Schön Rothtraut" enthält zwar einige Anlehnungen an bekannte Stoffe, wie die Einführung des „Waldvogels" in den Gang der Handlung, ist aber durchaus originell, besonders in den komischen Scenen, i die für gute Darsteller ein sehr dankbares Material bieten. Die Musik zum Stücke von Herrn Musikdirector Krauße ist recht ansprechend, besonders gefiel das Lied des Waldvogels. Das den Saal völlig füllende Publikum bedachte die vorzügliche Darstellung andauernd mit lebhaftem Beifall.
— Neues Theater. Schon gestern haben wir auf die für Donnerstag bestimmte Vorstellung „Der Veilchensreffer" mit Herrn Hacker als Gast, hingewiesen, wollen aber nicht unterlassen, die Aufmerksamkeit des Publikums nochmals daraus zu lenken. Unser vortrefflicher Regisseur und Charakterspieler, Herr Paul Ernst, hat mit der Wahl des Stückes einen sehr glücklichen Griff gethan, denn „Der Veilchensresser" ist einer der lustigsten Schwänke G. Mosers und die Ausführung selbst wird sicherlich eine vortreffliche sein, sind doch die Hauptrollen den Herren Ernst und Hacker, dem stets willkommenen Gaste aus Darmstadt, anvertraut. Da wird es an recht zahlreichem Besuch von Seiten unseres Publikums wohl gewiß nicht fehlen.
— OrdeuS-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. Januar der Lehrerin Maria Aguntius zu Gonsenheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.
8. Hungen, 16. Februar. Im Locale des Gasthofs „Zur Traube" dahier sand heute Abend eine Versammlung der Mitglieder des hiesigen Verschönerungs-Vereins statt. Dieser Verein war leider seit einiger Zeit eingeschlafen, wohl hauptsächlich deßhalb, weil der Vorsitzende die statutenmäßige Generalversammlung einzuberusen unterlassen hatte. Die Einladung zu der heutigen Versammlung war von dem der- maligen Beigeordneten Hrn. Chr. Jockel dahier erfolgt, welcher als Cassier dieses Vereins über den vorhandenen Kassenbestand verfügt wiffen wollte. Es wurde in der Versamm- lung beschlossen, den Verein wieder neu ausleben zu lassen, damit die von ihm bereits getroffenen Einrichtungen möglichst erhalten bleiben.
*) In dem Vorbertcht über das hier erwähnte Concert in Nr. 44, 2. Bl. ist ein Druckfehler unterlaufen. Es muh dort bezüglich der Frau vr. Walther auf Stile 14 von oben anstatt „steht aber trotzd-m heute noch nicht mit voller Kraft" heißen: „siebt aber heute noch mit voller Kraft" u. s. w. Red.
§ Crainfeld (Kreis Lauterbach), 21. Februar. Ein hier kürzlich verstorbener Landwirth und Schuhmachermeister, resp. dessen noch lebende einzige Tochter soll unter anderem der evangelischen Missionsgesellschaft in Basel eine ansehnliche Summe Geldes testamentarisch zugesichert haben.
8. Södel, 21. Februar. Nachdem erst kürzlich eine Scheuer und Schmiedewerkstätte abgebrannt war, standen bald darauf die der Wittwe K. gehörige Scheuer und Stallung in Flammen. Man vermuthet in beiden Fällen Brandstiftung.
Ockstadt, 20. Februar. Aus dem Blei- und Silberbergwerk „Kaisergrnbe", welches seit vier Jahren nicht mehr im Betriebe war, läßt seit einiger Zeit ein Weilburger wieder arbeiten.
vermischtes.
tt Kassel, 22. Februar. Verbrennungstod. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich vorgestern Hierselbst in einem Hanse der Wildemannsgasse zugetragen. Hoch oben im letzten Stock wohnte die Familie eines Arbeiters. Die Frau geht Mittags vor dem Essen nur hinab, um im Hofraum des Hauses ein Stück Holz zu zerkleinern und läßt ihren drei Jahre alten Knaben allein in der Küche. Kaum hat die Mutter den Rücken gewendet, als der neugierige Junge die Thür des Kochherdes ausmachte und mit dem Feuer spielte. Dabei ergriffen die Flammen die Kleider des Kindes und setzten sie lichterloh in Brand. Ehe auf das gräßliche Hilfegeschrei des Kindes Jemand in die verriegelte Wohnung eindringen konnte, insbesondere ehe die Mutter die vier Treppen hinaufeilte, hatte der Knabe so schwere Brandwunden davongetragen, daß nach Qualen ärgster Art gestern der Tod eintrat.
* Glauchau, 18. Februar. Wie in einer Mitgliederversammlung der in Concurs gerathenen hiesigen Sparund Creditbank begannt gegeben wurde, haben die haftbaren Mitglieder der Genossenschaft einen Fehlbetrag von 740,000 Mk. aufzubringen. Von 279 Mitgliedern müssen aber 138 wegen gänzlicher Mittellosigkeit unberücksichtigt bleiben, so daß 141 für den Fehlbetrag aufzukommen haben, von denen die wohlhabenderen, etwa 45 an der Zahl, je 11/000 bis 12,000 Mk. auszubringen haben.
* Leipzig, 20. Februar. Die vor Kurzem geschloffene Internationale Ausstellung für das rothe Kreuz rc. hat, wie verlautet, einen Reinertrag von etwa 30,000 Mark ergeben.
* Berlin, 22. Februar. Das Landgericht verurtheilte den Kaufmann Schwieger, welcher in Gemeinschaft mit dem flüchtigen Buchhalter Frank die Deutsche Bank durch Rubelspeculationen um 3,220,558 Mk. geschädigt hatte, zu vier Jahren Gesängniß und 3000 Mk. Geldstrafe.
* Ein furchtbares Ende nahm eine Schwurgerichtsverhandlung in Naumburg a. S. am vorigen Sonnabend. Der Lederhändler Rißmann aus Weißenfels war des betrügerischen Bankerottes angeklagt und wurde von den Geschworenen für schuldig befunden. Auf diesen Wahrspruch hin beantragte der Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren. Kaum hat der Staatsanwalt geendet, da wird der Angeklagte in auffälliger Weise lebendig- als der vor ihm auf der Anwaltsbank sitzende Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. F. Friedmann, sich umsieht, nimmt er wahr, daß Rißmann ein bei sich verborgenes großes Messer gezogen und sich damit mehrere Stiche in die Brust gegeben hatte. Noch ehe Jemand beispringen konnte, sank Rißmann blutüberströmt auf den Stuhl zurück und verstarb nach etwa einer halben Stunde.
* Auf einen seltsamen Wahlkniff verfiel der oppositionelle Candidat des Wahlbezirks Aranoys-Maroth Fürst Arthur von Odescalchi. Er ließ 600 Paar Stiefel machen, — im Verhältniß zur Anzahl der Wähler eine große Menge — von denen jeder oppositionelle Wähler vor der Wahl je einen Stiefel bekam, mit der Zusage, er solle nach der Wahl, wenn er wirklich für Odescalchi gestimmt hatte, sich auch den anderen Stiefel abholen.
* Ein hübsches Rechenexempel bringt das „Wiener Femdbl." seinen Lesern: Um das Alter eines heirathsfähigen Mädchens kennen zu lernen, bediene man sich folgenden Verfahrens. Man sage dem jungen Mädchen, sie möge die Zahl des Monats, in welchem sie geboren ist, niederschreiben, diese Zahl mit 2 multipliziren, dann 5 hinzuzählen, hierauf mit 50 multipliziren, dann ihr Alter hinzurechnen, dann 365 abzichen, 115 hinzuzählen- hierauf befragt man sie, welche Summe sie jetzt erhalten hat. Die beiden Ziffern rechts werden stets ihr Alter anzeigen, die übrigen den Monat ihrer Geburt. Zum Beispiel, die Summe ist 822, dann ist das Mädchen 22 Jahre alt und wurde im 8. Monat, also im August, geboren. Man möge Versuche anstellen und wird mit bewunderungswürdiger Sicherheit stets das Richtige treffen — sogar bei nicht Heirathsfähigen.
verkehr, Land« «n- Nolkswirthschast.
Wieweit, 23. Februar. Marktbericht. Aut dem bemtatn rvochemnarkt kostete: Butter pr. Pst». X 0.90-0,95, Hühnereier 1 St. —, 2 St 11—13 H, Gänseeier 1 St. 12-13 H, 2 Lt. - L Köse pt. 6t. 5—8 4, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 20 4, Ansen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,60-1,00, Hübner pr! Stück X 0,85—140, Hahnen pr. St X 1,30-2,00, Enten pr. Stück £ t50-l,80 Ochsenfleisch pr.Pfd 7b—H, Kuh- und Rindfleisch
Schweinefleisch 60-70 A, Hammelfleisch 50—70 H, Kalb» fleisch 54—60 4» Kartoffeln pr. 100 Kilo X 8,00—0,00, Weißkram EL Zwiebeln per Gentner X 7,00—8,00, Milch per
«Itter —lo 5».
~ Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher und StahlindustrieUer belief sich die Roheisenvroduction des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat Januar 1892 auf E37o Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeletsen 163 538 Tonnen, Bessemerroheisen 29 282 Tonnen, Thomasroheisen 160 112 Tonnen und Gießereiroheisen 55 443 Tonnen. - Die Production im December 1891 betrug 387 918 Tonnen, im Januar 1891 348 o55 Tonnen.
Literatur und Arriist.
! — Die vormals kurhesfische Armeedivifio» i« Sommer
\ looö. Auf Grund des vorhandenen actenmäßtgen Maleiials sowie der eigenen Erlebnisse daraestellt von JuliuS von Schmidt, q ?xCrailcutenant ö- D- (1866 Hauptmann im kurhesstschm General- flob). Gaffel. Mor Brunnemann. Das soeben erschienene Buch frstlut die Erwartungen im reichsten Maße und wird allen Hessen, insbesondere denjenigen, welche die historischen Tage im Juni 1866 ? 5 >n, eine sehr willkommene Gabe sein. Zum ersten Male
berichtet ein Buch in durchaus klarer, übersichtlicher Darstellung an der Hand unwiderlegbaren Actenmaterials über den Zustand der hessischen Armee in jener für Hessen, für das große Vaterland so 'Lwer wiegenden Zeit. Das Buch ist mit der Objektivität des Historikers geschrieben und doch geht warmer Pulsschlag hindurch. Ein nicht häufiger Vorzug bei historischen Werken ist die vornehm elegante Schreibweise des Verfassers, die den Leser ungemein an- muthet. DaS Buch enthält außerdem die letzte Eabtnetsordre des KurfürLen mit seiner Unterschrift in treuer Nachbildung. Kein Zweffel, daß dieses treffliche Werk weite Verbreitung finden wirb.
_ — Musikalischer Hausfreund, Blätter für ouSgewählte
Salonmustk. Verlag von E. A. Koch (I. Sengbusch) in Leipzig. Pro Quartal 6 Nummern (ä 2«/2 Bogen). Preis 1 Mk. Pflege der HauSmufik durch Darbietung sorgfältig ausgewählter, nicht allzu schwerer und neuer Compositionen, das ist die Aufgabe, d'e sich der so rasch zur Beliebtheit gelangte „Musikalische Hausfreund" gestellt und wie daS soeben abgeschlossene erste Quartal bezeugt, auch gelöst hat. Den Geschmack des kunstsinnigen Publikums in Ton und Wort getroffen zu haben, ist in Anbetracht der vielgestaltigen Zusammensetzung des Abonnentenkreises kein geringes Verdienst, welch letzteres noch dadurch gesteigert wird, daß der „Musikalische Hausfreund" melen Erstlingswerken junger und begabter Musiker den Weg in die Oeffevtltchkeit gebahnt hat. Auch der Lesestoff, dem Verlangen nach Abwechslung huldigend, ist dazu angethan, allen herrschenden Geschmacksrichtungen gerecht zu werden. Eine Musterung des reichhaltigen Inhalts wird ihm die Gunst seiner Gönner auch ferner bewahren und dem lehr- und unterbaltungsreichen Blatte, das soeben seinen fünften Jahrgang begann, sicherlich neue Freunde werben.
Eingesandt.
Gießen, 23. Februar.
Ueber das Kapitel Sonntagsruhe ist in letzter Zeit von Seiten der Geschäftsinhaber in Schrift und Wort so viel geredet worden, daß es uns gestattet fein möge, auch einmal vom Standpunkte der Bediensteten im Handelsgewerbe und insbesondere vom Standpunkte der Angestellten in den Fabrik-, Engros- und Bankgeschäften die Sache zu beleuchten.
Wir lasen unlängst, daß sich in der vorberathenden Commission für die Sonntagsruhe Stimmen gefunden haben, welche die Zeit von 11 Uhr Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags für die geeignetste hielten, die Geschäfte zu erledigen. Wir hörten ferner zu unserem Befremden, daß die Meinung vorhanden war, die Comptoirftunde sogar bis 3 Uhr auszudehnen! Höchstwahrscheinlich dürfte aber, den Beschlüssen der Commission gemäß, die Zeit von 11 bis 1 Uhr an maßgebender Stelle in Vorschlag gebracht werden.
Sehen wir uns nun einmal die von dieser Einrichtung betroffenen Lehrlinge und Angestellten etwas näher an! Nur ganz wenige davon wohnen und nehmen ihre Mahlzeiten im Hause deS Prinzipals ein; die erdrückende Mehrheit speist außerhalb und zwar zum Theile im Gasthause, zum Theil im Hause der Eltern oder im Kreise der eigenen Familie. Diese Leute nun werden künftighin an Sonntagen nie vor 7s2 Uhr bei Tisch erscheinen können. In den Gasthäusern, wo neben den Kaufleuten auch andere Beamte, Lehrer, Studirende u. s. w. an den Mahlzeiten theilnehmen, wird man überhaupt nicht warten, sondern den später Kommenden die auf- gewärmten, verhutzelten Speisen nachserviren. Auch in Familien kreisen will man pünktlich essen, namentlich da, wo der später Kommmde nicht das Oberhaupt bildet, man wird also ebenfalls vor- effen und es dem jungen Manne überlassen, sich mit dem Reste, so gut es geht, abzufinden. Aber auch in den Familien der verheiratheten Angestellten wird man die späte Mittagstischstunde als einen großen llebelftanö empfinden. Dienstboten sind in den wenigsten Fällen Vorhand-n, man kann sich daher leicht ausmalen, um welche Stunde die Sonntagsfeier für die Familie beginnt. Im Winter wird die Zeit für Spazi.rgänge überhaupt vorüber sein, aber auch im Frühling und Herbst kann nichts mehr von Belang unternommen werden.
Unter diesen Umständen sollte man iür die Comptoirs der Fabrik-, Engros- und Bankgeschäfte thunlichst vollständige Sonntagsruhe einführen, wenn die Vormittagsstunden von 9—11 Uhr wegen des Gottesdienstes nun einmal nicht verwandt werden sollen. Wirklich dringliche, unaufschiebbare Arbeit liegt in den seltensten Fällen vor und namentlich dann nicht, wenn, wie dies bereits seit längerer Zeit von einigen hervorapenden Firmen ohne Schädigung ihrer Interessen eingeführt ist, Sonntags keine Geldpost in Empfang genommen wird. Darum folge man diesem Beispiele allgemein und schließe dann Sonntags die Comptoirs ganz und gar. Ein freier Tag in der Woche ist gewiß Denjenigen zu gönnen, welche jahraus jahrein an das Pult gefesselt sind und denen, wenigstens hier in Gießen, ein freiwilliger Erholungsurlaub, mit ganz verschwindenden Ausnahmen, nicht geboten ist.
Darum Samstag Abend Schluß! damit Montags in der Frühe mit neuer Kraft und Schaffensfreudigkeit die Arbeit wieder aufgenommen werden kann.
Einer für Biele.
Briefkasten.
S in B. Oxhoft ist ein Maß für Wein und Spiritus und enthält 17s Ohm. — lieber die wettere Frage werben wohl Die Bestimmungen über die Geschäftsführung der betreffenden Gesellschaft entscheiden.
Wichtig für Hausfrauen.
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