Nr. 246
Freitag den 21. October
1892
Amts- itnfc 2lit,>eig<zblatt für den Ttveis Greben
Hratisöeikage: Hießener Jamikienökätter. f
AnrLlichev Tbeil
Trohe, Wieseck.
Feuilleton
am 4. November am Bahnhof für
Alle Annoncen-Bureaux des Iw- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
C. Zu Grünberg
1892, Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten
Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener AamttienvtLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
2. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Min.: Offiziere, Samtäts- offiziell und Beamte der Reserve, Reservisten der Garde, Jäger, Cavallerie, Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Vete- rinärpersonals, Büchsenmachergehülfen, Deconomie- Handwerker, Marine-Mannschaften, sowie sämmtliche zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlasienen Mannschaften aller Waffen, und alle übrigen, im Reserveverhältniß stehenden Mannschaften. Diejenigen Wehrleute I. Aufgebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl zugegangen ist.
3. Appell Vormittags 11 Uhr für die Bewohner von Allen- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen: Sämmtliche Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden ent- laffenen Mannschaften aller Waffen und die betreffenden Wehrleute.
B. Zu Lollar
in der Linken einen dreieckigen Schild hält. Unter dem Roß ist eine heraldische Lilie sichtbar. Kraft, „Geschichte von Gießen", glaubt, daß sich diese Lilie speziell auf Gießen beziehe, da sie, im Verein mit dem Andreaskreuz auf dem Wimpel der Lanze, nur in den Siegeln der Söhne und des Enkels Pfalzgraf Rudolfs L, so lange sie Gießen besaßen, zu finden sei. Die Farben der Stadt waren zu jener Zeit roth und grün, wie die Schnüre zeigen, an denen das Siegel an der Urkunde von 1257 anhängt.
Ein zweites Reitersiegel der Stadt Gießen ist wenig jüngeren Ursprungs. Aehnlich dem Wappen der Stadt Grünberg zeigt es einen mit dem Oberkörper nach vorne gewendeten geharnischten Ritter auf nach recht« gallopirendem Roß. Das Haupt des Reiters deckt ein Helm mit" geschlossenem Bisir und zwei Büffelhörnern, die Rechte umschließt einen Lanzenschafr in der Nähe der Spitze, während die Linke einen dreieckigen Schild mit aufgerichtetem Löwen vor die Brust hält. Das gleiche Löwenbild, dessen Schwanzspitze nach innen gerichtet ist, ziert Vorder- und Rücktheil der Schabracke des Roffes. Die Umschrift des Siegels zeigt in Charaeleren des ausgehenden 13. Jahrhunderts die Worte: Sigillum civitatis de Giezen.
Es kann nicht zweifelhaft sein, daß dieses Wappen von einem der ersten Landgrafen von Hessen, vielleicht von Heinrich dem Kinde selbst, der Stadt verliehen worden ist. Wie der Ursprung der Stadtsiegel von Alsfeld und Grünberg auf diesen Landgrafen zurückgeführt werden muß, so ist auch hier ein ähnlicher Vorgang anzunehmen. Der Löwe ist hessisch, ebenso sind es die Bllffelhörner, denen nur die Blattstengel fehlen, um dem Helmschmucke im Siegel Heinrichs L, den au» das kleine Siegel von Alsfeld führt, zu gleichen. Auch darüber, daß.der Reiter irgend eine Beziehung zum Land- grafen hat, dürfen wir nicht im Zweifel sein, wenn wir unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Attribute bedenken, daß unter den Personendarstellungen aus den großen Siegeln von Alsfeld und Grünberg Heinrich I. gemeint ist, wie aus der n'cht typischen, sondern porträtartigen Behandlung des Kopses der Figur und dem Wahrzeichen des hessischen Löwen hervorgeht.
Das Gießener Stadtwappen.
Von Karl Daniel.
Das heute gebräuchliche und allgemein bekannte Wappen der Stadt Gießen ist im blauen Felde ein silbernes, geflügeltes und mauerbekröntes G, durch welches ein rechtsgewandter rother Löwe mit vorgeschlagener Zunge springt. Schon im Jahre 1278 soll dieses Wappen als Siegel vorkommen, was jedoch höchst zweifelhaft erscheint^ erhalten ist es uns erst an Urkunden des 16. Jahrhunderts. Am meisten gegen sein hohes Alter spricht das heraldisch Unrichtige, das wir in ihm finden und das es als eine Composition späterer Jahrhunderte erscheinen läßt.
Die Farben des Wappens blau-weiß-roth sind althessische Farben, ebenso ist der zum Grimme geschickte Löwe hessisch, beides kennzeichnet mithin unsere Stadt als eine hessische, wie sie es auch seit 1265 — sie ging in diesem Jahre durch Kauf von den Pfalzgrafen von Tübingen an Heinrich L, das Kind, über — war. Das G als Anfangsbuchstaben des Namens der Stadt soll diese selbst versinnbildlichen. Eine derartige Symbolisirung ist aber in älterer Zeit durchaus ungebräuchlich. Erst am Ausgange des Mittelalters erscheinen Buchstaben in bürgerlichen Wappen, eine Gepflogenheit, die in den Uebertreibungen der beginnenden Neuzeit fast erheiternd wirkt. So wird in den Sammlungen des Oberhessischen Geschichtsvereins im alten Rathhause unter den Bildnissen und Wappen der alten Gießener Ralhsherren das Wahrzeichen des Bäckermeisters und Rathsschöffen B. Schmidt ausbewahrt, der die Buchstaben B und 8 aus ein Wappenschild setzte und zur Verdeutlichung seines Namens und Standes ein Hufeisen und eine Bretzel hinzufügte.
DaS älteste bekannte Siegel der Stadt Gießen ist ein Reitersiegel. Es kommt vor 1248 und 1257 und ist dem Siegel des Pfalzgrafen Wilhelm von Tübingen nachgebildet.
aus rechtsgewendetem gallopirendem Roß einen geharnischten Ritter, der in der Rechten eine bewimpelte Lanze,
D. Zu Hungen
am 5. November 1892, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof- Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringels. Hausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais- Horloff, Utphe, Mllingen.
E. Zu Lich
am 5. November 1892, Nachmittags 3 Uhr am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Befteiungsgesuche sind bis längstens acht Tage vor'm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzu- reichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein — werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle fein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 15. October 1892.
Caspary,
Oberstlieutenant z. D. und Commandeur des Landwehrbezirks Gießen.
am 4. November 1892, Vormittags 9 Uhr neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Mendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedeihausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
Bekanntmachung,
betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.
Die Arbeiten des II. Abschnitts des III. Feldbereinigungsbezirks zu Steinbach (Feld zwischen dem alten Anneroder Weg und der Staatsstraße nach Lich), nämlich die durch die Bcsitzstandsaufnahmc erwachsenen Bonitirungskarten, das Besitzstandsverzeichniß, die Güterzeschoffe nebst deren Zusammenstellung, sowie das Protocollbuch liegen in der «eit vom 12. bis 25. Oktober ds. Js. auf dem Amtszimmer der Grofih. Bürgermeisterei Steinbach zur Einsicht der Betheiligten offen.
. . . die B-zehner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Biugmühle, Georgen- harnmer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Rertzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß, und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollenbach, Veits- berg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof, Winnerod.
Bekanntmachung.
Bei den diesjährigen Herbst-Controlverfammlungen im Kreise Gictzen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve.
2) Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen.
3) Diejenigen, der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl jum Erscheinen bei der Herbst-Controlversammluna zugegangen ist.
4) Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbst-Control- versammlung nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gießen
am 3. November 1892 im Oswald'schen Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
1. Appell Vormittags 8 Uhr: Sämmtliche Reservisten der Infanterie.
Bekanntmachung.
„Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß an Stelle des Rendanten Grüneberg der Oberpostsecretär '• JP- Herd. Stammler dahier zum Rechner der israelitischen Religionsgemeinde Gießen ernannt worden ist.
Gießen, den 19. October 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___v. Gagern.
Gießen, am 19. October 1892.
Betreffend: Herbst-Controlverfammlungen.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die »r»tzh. Bärgermeisterele« d,s «reise«.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Werse zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.
v. Gagern.
In den „Wetzlarischen Beiträgen für Geschichte und Rechtsalterlhümer", Heft 2, ist ein viertes Siegel der Stadt Gießen erwähnt, da« an einer Urkunde von 1342 hängen und den aufgerichteten Löwen im dreieckigen Felde zeigen soll. Die Umschrift laute. 8. castrensium et opidonorum Gyzyn. Es ist ganz offenbar, daß dieses Siegel gewissermaßen einen Auszug aus dem großen Reitersiegel vorstellt, indem unter Weglassung der Raum beanspruchenden Figur der Schild mit dem Löwen als der w e s e n t l i ch st e Bestandtheil des Wappens zu einem kleineren Siegel verarbeitet und zum häufigeren Gebrauche bestimmt wurde. Analoge Fälle haben wir wiederum in Alsfeld und Grünberg. Auch hier wurde der Schild mit dem Löwen aus dem großen Wappen heraus- genommen und als kleineres Siegel benutzt.
Schließlich kennen wir noch als fünftes Siegel der Stadt, eine schwache Nachbildung des (--Siegels aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts.
Nach alledem sind wir zu dem Schluffe berechtigt, daß die Stadt Gießen gegenwärtig ein heraldisch unrichtiges, noch nicht einmal als ältestes nachgewiesenes Wappen führt. Man kann nicht lange schwanken, welches von den übrigen, die sie im Laufe der Jahrhunderte geführt hat, an seine Stelle zu setzen ist. Von dem Wappen, das das Siegel aus dem Jahre 1248 zeigt, müssen wir absehen. Einmal ist die Umschrift so beschädigt, daß sie nicht mehr lesoar ist, das Siegel als Gießener Siegel daher nur durch das Hilfsmittel der Urkunde nachgewiesen ist- dann stammt es von dem Pfalzgrafen von Tübingen. Gießen aber ist seit sechshundert Jahren eine hessische Stadt- ein hessischer Landgraf hat ihr ein Wappen verliehen, eben jenes des großen Reitersiegels, dessen Petschaft die Stadt heute noch aufbewahrt. Ihr wurde durch die Verleihung eine hohe Ehre zu Theil, denn nur wenige Städte wurden derartig von ihrem Landesherrn ausgezeichnet. In Hessen dursten nur Gießen, Grünberg, Marburg und Greben- stein ein solches Wappensiegel sichren. Wir erfüllen deßhalb nicht nur eine Forderung der Pietät, sondern werden auch gleichzeitig der historischen Wahrheit gerecht, wenn wir jenes Wappen als das einzig richtige der Stadt Gießen betrachten.
Gießener AmeiqerM
Redaction, Expedition
A A • und Druckerei:
chenerai -Anzeiger.
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