'wirb teilweise dadurch erreicht, daß die Anzahl seiner Mitglieder sich sehr vermehrt. Es ist erstaunlich, daß gerade unter b?n Gebildeten sehr viele dem Verein noch fern stehen, von Gemeindevorständen, Lehrern, Beamten, Kaufleuten, Fabrikanten n. s. w. u. s. w. sollte man doch erwarten, daß sie ein gewisses Interesse für die Geschichte ihrer Stadt und Provinz hätten und dasselbe auch durch Beitritt zum Verein bcthätigten, umsomehr, als der Jahresbeitrag nur 3 Mk. beträgt. Die allermeisten anderen Geschichtsvereine Deutschlands zählen in ihren Mitgliederlisten lange Reihen von Gemeindevorständen auf; unser Verein dagegen kann sich nur einer Gemeinde (Großcnlinden) rühmen, die Vereins- witglied ist.
Aber auch in anderer Richtung kann der Geschichtsverein in seinen Bemühungen unterstützt werden. Wie viele alte Aktenstücke, Urkunden und andere Zeugen der Vorzeit schlummern noch im Verborgenen und gehen ihrem Untergang entgegen. Der Verein ist bemüht, sie der Vergessenheit zu entreißen, sie zu sammeln und zu veröffentlichen oder im Vereinsmuseum im alten Rathhaus für das Studium zugänglich zu machen. Seine Bitte geht dahin, daß ihm solche Alterthümer entweder in Eigenthum oder unter Vorbehalt des anderseitigen Eigen- thumsrechts zur Aufbewahrung und Benutzung übergeben werden. Gar vieles ist auf diese Weise schon seither vor dem Untergang bewahrt worden, noch viel mehr aber kann davor geschützt werden.
Wir bitten daher
1) um möglichst zahlreiche Beitritte zum Geschichtsverein und
2) um gütige Zuweisung von Alterthümern, geschriebenen, gedruckten und für das Museum geeigneten Gegenständen.
Für den Vereinsvorstand: Pros. Dr. O. Buchner, Schriftführer.
— Wir kommen heute noch einmal aus das Benefiz Concert Les Akademischen Gesang-Vereins zurück, um unsere früheren Mittheilungen zu ergänzen. Außer dem Künstlerpaar Hildach hat der Concert gebende. Verein Frau I)r. Walther und Herrn Musikdirector Enzian eingeladen. Letzterer, ein alter lieber Bekannter, ist wohl als Pianist bereits zu hoch geschätzt und bekannt, um ihn noch besonders hervorheben zu müffen, dagegen dürfte Frau Dr. Walther manchen unserer Leser noch fremd sein und einige orienttrenbe Worte wohl am Platze sein. Die Künstlerin stammt aus einer weitverbreiteten geschätzten Gelehrtenfamilie, die auch in Gießen einen hochangesehenen Zweig aufweist. In Darmstadt geboren, wirkt Frau Dr. Walther als gesuchte, vielbeschäftigte Gesangslehrerin, steht aber trotzdem heute noch nicht mit voller Kraft mitten im Künstlerleben. Ihre wohlgebildete, prächtige Altstimme, ihre künstlerische Gesangsweise ist in maßgebenden Kreisen wohlbekannt, und hat sie nicht nur in ihrer Vaterstadt, wo sie persona grata ist, sondern auch weit über Darmstadts Grenzen hinaus als Concertsängerin Ruhm und Beifall geerntet. So dürfte denn das Concert am kommenden Sonntag nach jeder Richtung hin den verflossenen Kunstgenüssen dieses Jahres ebenbürtig an die Seite gestellt werden. Ein würdiger Schluß fürwahr, dieses letzte Concert der Wintersaison und angethan dazu, in allen Kreisen das höchste Interesse wach zu rufen. Unternehmern wie Künstlern wünschen wir aus vollem Herzen ein volles Haus.
— In Glauchau hat laut Bekanntmachung des Stadt- raths in Nr. 39 des „Glauchauer Tageblattes" vom 17. er. eine neue Straße den Namen Kratz-Straße erhalten zur Erinnerung an den verstorbenen Commerziemath Kratz (einen geborenen Gießener), der sich in mehrfacher Weise um die Stadt Glauchau verdient gemacht hat.
— Der Getreidemarkt. Eine ganze Reihe von Momenten haben in der letzten Woche auf dem Getreidemarkte dem weiteren Sinken der Preise entgegengearbeitet und es hat sich sogar wieder eine Haussetendenz, wenn auch in bescheidenem Umfange, für Roggen und Weizen entwickelt. In Amerika stiegen plötzlich in Folge von Frostberichten sämmt- liche Getreidepreise und da an den europäischen Börsen auch
Gelegenheit hatte. — „HanS!" rief sie, noch ehe die Thür hinter ihm ordentlich geschlossen war, „wir — nun, wir könnten uns den Unfug heute Abend vielleicht doch einmal ansehen — natürlich nur ansehen, etwa von einer Loge aus. Wenn wir einen Domino anlegen, so erkennt uns ja kein Mensch. Ich habe mir die Sache überlegt — um Grethes willen, die so gern einmal . .
„Ich?" fuhr Grethe, die bis dahin theilnahmlos durchs Fenster geblickt hatte, „das ist ein Jrrthum."
„Nun -freilich," beschwichtigte die Tante, natürlich nur um Deinetwillen! Für wen brächte ich wohl ein solches Opfer, wenn nicht für Dich? Herzchen, ich errathe ja Deine Gedanken."
„Herzchen" widersprach nicht weiter, HanS hatte ihr verstohlen zugemckt. Nun kam die Costümfrage zur Sprache. Man brauche überhaupt kein besonderes Öoftüm, meinte Haus, eine einfache Gesichtsmaske genüge vollkommen und an sicheren Verstecken im Saale, zu welchem man durch eine Hinterthür gelangen könne, sei kein Mangel. Hans schien über den Entschluß der Tante hoch erfreut zu fein; diese war so aufgeräumt wie nie zuvor, und selbst die unglückliche Grethe wurde heiterer. Ahnte sie vielleicht, daß Hans, der lose Schelm, einen wirksamen Schlag vorbereitete? Versprochen hatte er ihr ja seine Hilfe, ob er aber das Versprechen würde halten können, schien ihr mindestens sehr fraglich. — Die Nachmittagsstunden, sonst beschaulicher Ruhe gewidmet, vergingen heute in Hast und Unruhe. Grethe hatte sich in ihr Zimmerchen zurückgezogen, als es plötzlich leise pochte und des Bruders lachendes Gesicht durch die Thürspalte lugte. „Darf ich?" fragte er und trat, da die Antwort bejahend ausfiel, schnell ein.
„Grethe," begann er ohne Umschweife, „Du hast noch
Neigung zur Hausse vorhanden ist, indem die inländischen Zufuhren in den letzten Wochen bedeutend abgenommen haben, so schloffen sich alle Märkte der Haussetendenz an. Auch will man an den Getreidebörsen dem letzten Frostwetter eine nachtheilige Einwirkung aus die Wintersaaten zuschreiben, doch ist der Frostschaden in Deutschland, wo die Kälte gar nicht groß war und die Saaten meistens eine leichte Schneedecke haben, wohl nur ein eingebildeter. Außerdem sind die inländischen Zufuhren an Getreide immer noch recht bedeutend gewesen, so daß sich die Haussebewegung gar nicht sonderlich entwickeln konnte und nach kurzem Steigen der Preise wieder ein Sinken derselben eintrat. Weizen wurde per Tonne zu 204 bis 220 Mark und Roggen zu 205 bis 212 Mark gehandelt.
—n. Grüninge«, 18. Februar. Die Gemeinde Grüningen hat ihrem Wohlthätigkeitssinn in diesen Tagen ein sehr schönes Zeugniß ausgestellt, indem sie für die hungernden Deutschen in Rußland über 90 Mk. an freiwilligen Gaben aufbrachte. Der Gesangverein beteiligte sich an dieser Sammlung allein mit 25 Mk. aus der Vereinskasse. Möchten doch auch andere Gemeinden diesem schönen Beispiele Nachfolgen und zur Linderung der ungeheuren Noth unserer Stammesund Glaubensgenossen ihr Scherflein beifteuern.
tt. Lollar, 20. Februar. Der Rechnungs-Abschluß der hiesigen Pfennig-Sparkasse pro 1891 ergab trotz der ungünstig gewordenen Erwerbsverhältniffe der meisten Einleger ein immerhin noch recht erfreulich zu nennendes Resultat. Das Vermögen der Kaffe beträgt hiernach 23814,56 Mk. (gegen 22447,98 Mk. im vorhergehenden Jahr) und das Guthaben der Einleger 23210,60 Mk. (gegen 21939,68 Mk. in 1890). — Dem Reservefond konnten 95,66 Mk. zuge- schrieben werden und beläuft sich derselbe jetzt auf 603,96 Mk.
Homberg a. d. Ohm, 19. Februar. Am 12. d. Mts. wurde hier ein Mann zur letzten Ruhestätte geleitet, der nahezu 39 Jahre als Grobherzoglicher Oberförster in unserer Stadt lebte und als Forstbeamter wirkte, es war Herr Forstinspector Landmann. Wie sehr er in dieser langen Reihe von Jahren die Liebe und Achtung durch seine rastlose Berussthätigkeit und gewissenhafte Pflichttreue, die ihn bis zu seinen letzten Lebensstunden auf seinem Posten ausharren ließ, sich erworben, zeigte sich in vollem Maße bei dem Trauerzuge, der sich zu einem so imposanten gestaltete, wie ein solcher wohl selten hier vorgekommen ist.
Worms, 18. Februar. Von heute an wird, wie jedes Jahr, den armen Schulkindern warme Milch verabreicht. Es nehmen ca. 300 Kinder daran Theil. — Seit Montag wurde wegen anhaltendem Schneewetter die Arbeit am Hasen bis auf unbestimmte Zeit eingestellt. Die Arbeiter sind gestern Mittag t^on hier abgereist.
vermischtes.
* Unglückliche Umstände. Unter dieser Spitzmarke erzählt das „B. T." folgende, allerdings nicht gerade sehr wahrscheinlich klingende Geschichte: Der Secondlieutenant im Regiment Gardes-du Corps, Gras Neidhardt v. Gneisenau, hat im „Potsdamer Jntelligenzblatt" folgendes Inserat veröffentlichen lassen: „Meine zwei 4- und 5jährigen galizischen Vollblutjucker, Grauschimmel, garantirt fehlerfrei, nebst Geschirr, muß ich unglücklicher Umstände halber sofort billigst verkaufen. Ebenso stehen meine Selbstfahrer, mit und ohne Gummiräder, und mein Coup«, beide Wagen erst wenige Monate im Gebrauche, zu äußerst billigen Preisen zum Verkauf." In der Nachbarresidenz erregte diese Annonce selbstverständlich große Sensation und alle Welt suchte nach den „unglücklichen Umständen", welche den sehr begüterten Offizier nöthigten, sich seines Fuhrwerks durch Berkaus zu entledigen. Wie nun eine Potsdamer Correspondenz berichtet, soll diese Angelegenheit darauf zurückzuführen sein, daß der Kaiser dem übertriebenen Luxus entgegentritt, der namentlich von den Offizieren der Garde-Cavallerie Regimenter mit der Anschaffung von Fuhrwerken getrieben wird. Diesbezügliche Aeußerungen soll der Kaiser zu den Regimentscommandeuren gethan haben. In Folge dessen soll Herr v. Bissing, der
Dein Costüm vom vergangenen Jahre — bitte, leihe es mir, — aber nicht fragen! — Willst Du? Es wird mir wohl etwas eng fein, das thut aber nichts, ich Helse mir schon zurecht."
Grethe fragte wirklich nicht, sondern suchte kopfschüttelnd das glitzernde und funkelnde Costüm einer Türkin hervor.
* *
*
Die Nacht war herabgesunken und um die Gaslaternen der Straßen tanzten die großen Schneeflocken wie Mücken, die dem Lichte zufliegen. Weithin strahlte das „Colosseum" im elektrischen Lichte und die Mücken und Mückchen flogen herbei in bunten Schwärmen. Wird sich keins die Flügel verbrennen an diesen lockenden, leuchtenden Strahlen ? — In dem weiten Saale rauschte die Musik und lustig wogte das Getriebe der in allen Farben schillernden Menge auf und ab, fügte sich zum wohldurchdachten Reigen und wirbelte im schnellen Walzen bunt und kraus durcheinander.
Dort oben in der Eckloge saßen Tante Sophie und Grethe, verdeckt von schützenden Vorhängen, sehend, doch ungesehen. Hohe Blattgewächse bildeten eine dichte Wand, hinter der man sich im Nothfalle selbst vor einem Eindringling hätte verbergen können. Die leichten Masken wären eigentlich gar nicht nöthig gewesen. Tante Sophie machte auch ohne Maske einen entschieden vortheilhasten Eindruck, der durch die weiße Rose im goldlockigen Haar nur erhöht werden konnte. Indessen — Vorsicht ist die Mutter der Weisheit! — Wo nur Hans blieb? Er hatte die Damen in ihr Versteck bugfirl und sich dann nicht wieder sehen lassen. „Gott, der Junge wird doch keine Tollheiten begehen!?"
(Schluß folgt.)
Commaudeur des Regiments der GardeS-du Corps, seinen Offizieren den Wunsch des Monarchen nahegelegt haben. Man erzählt sich nun, daß trotzdem Herr Graf Gneisenau ganz imgenirt mit seinem eleganten Fuhrwerk zum Dienst gefahren sei und dies auch fortgesetzt habe, nachdem der Commaudeur dies unterlagt hatte. Gras Gneisenau soll in Folge dessen narf) dem Elsaß versetzt sein, es aber vorgezogen haben, den Dienst zu quittiren.
Deutscher Kaffee. AuS der deutschen (Kolonie Kame- r 11 n ist die erste Ernte, ein Sack Kaffee, in einer Frankfurter Colonialwaarenhandlung eingetroffen. Der Kaffee ist kleinbohnig, ähnlich dem Perl- oder Mokka-Kaffee, von mehr dunkelbrauner Farbe und hat etwas herben Geschmack, ist auch von geringer Qualität. Bessere Sorten sind noch abzuwarten.
* Amsterdam, 14. Februar. Gestern ist ein riesiger Walfisch angekommen, der etwa 50,000 Pfund wiegt, 22 Meter lang und entsprechend breit und hoch ist. Der Fisch ist neulich in Norwegen gefangen worden und macht jetzt mit Hilfe eines Schleppdampfers eine Rundreise. Von Amsterdam wird das tobte Thier nach Rotterdam geschleppt und dann geht eS nach Köln und weiter den Rhein hinaus. Der Impresario muß für den Schleppdampfer allein achttausend Gulden bezahlen, er verspricht sich jedoch gute Erfolge von dieser sonderbaren Schaustellung.
Schiff-nachrichten.
Bremen, 18. Februar. sPer transatlantischen Telegraph.l Der Schnelldampfer Spree, Capttän W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9. Februar von Bremen und am 10. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Der Postdampfer „Waesland" der „Red Star Line" in Ant- roerpen ist laut Telegramm am 17. Februar wohlbehalten in Newyork angekommen.
verkehr, Land- unb volkswirthjehast.
— Lieber eine neue Einführung auf dem Gebiete der Gemüsezucht, die so wichtig ist, daß sie auch über die fachmännischen Kreise hinaus überall Jntereffe erregen wird, weiß der bekannte Kunst- und HandelsgLrtner I. C. Schmidt (der Blumenschmtdt) in Erfurt zu berichten. Es handelt sich um eine vollständige Revolution im Gurkenbau. Während bis jetzt sehr viel Platz dazu gehörte, um Gurken am Boden liegend zu ziehen, während bis dahin durch diese Zucht an der Erde oft Krankheit und Mißwachs eintrat, hat die neue Gurke die Eigenschaft zu klettern und rankt sich an Stangen, (Spalteten ?c. gezogen bis zu 2 Meter hoch empor, bringt eine Fülle von prachtvollen ipannenlanaen Früchten, die ebenso zum Einmachen als zum Salat vortrefflich sind. Ein Krank- ober Bitterwerden ist ausgeschlossen. Es wird weniger Jahre bedürfen und die weitläufigen Gurkenbeete werden vergessen sein und man wird diese beliebte Speise nur noch an den Wänden des Hauses, an Spalieren und Stangen ziehen. Die Vortheile sind sehr einleuchtend. Die Neuheit stammt aus Japan und Herr I. C. Schmidt hat ihr den treffenden Namen: rÄlctternfre Delicaietzgurke" gegeben.
— Auszeichnung. Aus der „Internationalen Ausstellung für das Rothe Kreuz, Armeebedarf, Volksernährung. Hygiene u. s. w." unter dem Protektorate I. M. der Königin von Sachsen wurde die Firma Qfrattl Kathreiners Nachfolger in München, Filialen in Berlin, Wien unv Zürich, für ihren »Kathreiners Kneipe Malzkaffee" durch die Goldene Medaille ausgezeichnet. Diese Auszeichnung ist die höchste, welche in Klaffe IV, Volksemahrung, für derartige Fabrikate verliehen wurde und ist ausschließlich obiger Firma zuerkannt worden.
Hinweis!
Der heutigen Gesamintaaflage liegt ein Prospect bei, auf den wir nicht allein unsere Leser auf dem Lande, sondern auch die Gartea- besitzer in der Stadt ganz besonders aufmerksam machen. Der Prospect handelt über das beste, beliebteste und stets bewährte Düngemittel Ohlendorffs „Peru - Guano4* *. „Füllhornmarke“. OOOOOOOOOOOQOOOOOOOOQ o «54. 4>. tfpornhauer 8 * Neuenweg 17 Giessen Neuenweg 17. 224 y V Herren- und Knaben-Contection, Damen- v Q u. Mädchen-Contection, Manufäcturwaaren. Q 000000000000000000000 Grotze Partien was&wss;
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