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20/03/1892 Zweites Blatt
 
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Nr. 68 AweiteS Blatt

Sonntag den 20. März

1892

ZlkMts- nnd Anzeigeblatt für den 'Ursis Geefzen

Hraiiskeifage: Hießener JamilienMiier.

Äll, Annoncen-Bureoux des In- und Auslände» nehmen Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger" entgegen.

I eröffnete die Feier mit einer Ansprache an die Schüler, | wobei er hervorhob, daß es Dank der Unterstützung der Großh. Regierung sowie der Stadtverwaltung, wie in andere» Städten unseres Landes auch hier möglich geworden sei, die Erweiterung unserer Handwerkerschule ins Auge zu soffen. Die zum ersten Mal eröffnete Wintertagesschule habe den Zweck gehabt, jungen Gewerbetreibenden oder solchen, welche wegen Ueberfüllung der Landes-Baugewerkschule keine Auf­nahme finden konnten, Gelegenheit zu bieten, Wissen und Können zu erweitern zum Nutzen ihres Gewerbes. Daß hierzu «in Bedürfniß vorgelegen habe, beweise die Thatsache, daß die Wintertagesschule von 22 Schülern besucht worden sei. Die erreichten Resultate seiengute" zu nennen und ermahnte der Vorsitzende die Schüler noch zu einem fleißigen und gesitteten Lebenswandel zum Segen des Handwerks, zum Nutzen des Staats und der Gemeinde. Herr Director vr. Mcisel gab hiernach einen eingehenden Bericht über die Lehrziele und die erreichten Resultate. Er sprach hierbei den bei dem Unterricht thätig gewesenen Lehrern, Herrn Architekt Hörig und Lehrer Heldmann für ihre ersprießlichen Erfolge besten Dank aus. Nachdem noch der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Schröder, allen Denjenigen, welche an dem Zustande­kommen der Schule mitgewirkt haben, herzlich gedankt, schloß die einfache erhebende Feier. Mit der Schlußseier war auch eine Ausstellung von Schülcrarbeiten verbunden, welche, um sie auch dem Publikum zugänglich zu machen, am nächsten Sonntag von 91 Uhr geöffnet ist und kann ein Besuch dieser Ausstellung nur wärmstens empfohlen werden.

Vierteljähriger MonnmcnUpttU: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

-«stutstratze Jr.7.

Fernsprecher 51.

Localer und provinzieller.

+ Lich, 17. März. Samstag den 26. d. Mts., Nach­mittags 3 Uhr, halten die Lehrervereine Lich, Wetterthal und Großen-Linden in dem benachbarten Kloster Arnsburg eine gemeinsame Feier des 300jährigen Geburtstages des großen Pädagogen I. A. Comenius ab.

r. Lich, 17. März. Am letzten Sonntag Nachmittag hielt in dem Heiland'schen Saale dahier Herr Hörhold aus Büdingen, welcher während 3Va Jahren als Stationschef | in Kamerun thätig gewesen, einen recht interessanten Vortrag über diese deutsche Colonie ab. Reicher Beifall lohnte den zweistündigen Vortrag dieses Herrn, welcher sicherlich nur dazu beigetragen hat, der deutschen Colonialpolitik neue Freunde zu erwerben.

R. Aus dem Niddathal, 17. März. Aus fast allen Orten unseres Thales sind Kriegerdeputationen mit ihren Fahnen zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Darmstadt gegangen. Der kleine Verein Staden ist fast mit seinen sämmtlichen Mitgliedern dorthin abgerückt; derselbe wird einen prachtvollen Kranz im Werthe von 50 Mk. an der Bahre niederlegen. Wir sehen hieraus, wie lieb die alten . Soldaten ihren obersten Führer gehabt haben.

nn. Darmstadt, 16. März. Heute Morgen um 10 Uhr sand an der erweiterten Handwerkerschule dahier die Schlußseier der am 16. November v. I. begonnenen Wintertagesschule statt. Zu diesem Zweck versammelten sich die Mitglieder des Vorstandes des Ortsgewerbvereins mit ihrem Vorsitzenden Herrn Dr. Schröder, Mitglieder der Stadt- verordneten-Versammlung, sowie der frühere Präsident Großh. I Centralstelle für das Gewerbe Geh. Baurath Sonne und I General-Secretär Dr. Hesse nebst dem Director, den Lehrern I und den Schülern im Schulgebäude der Handwerkerschule. I Der Vorsitzende der Schul Commission, Herr Stadtrath Kinkel, '

Der

Oteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des

MontagS.

Die Gießener Iamtrtenvtülter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

von 10 Millionen für einen neuen Dom in Berlin eine erhebliche Mehrheit, nachdem die Regierung die Zusicherung gegeben hatte, daß der Voranschlag nicht überschritten werden solle. Damit ist eine Angelegenheit erledigt, welche schon seit Friedrich Wilhelm IV. spielt.>vn damals bestand die Absicht, eine neue Fürstengruft mit einem neuen Dome her­zustellen,- infolge von Geldmangel kam man aber nicht über die Vorarbeiten hinaus. Neu ausgenommen wurde das Pro- ject unter Wilhelm I. im Jahre 1875, zunächst aber mit Beschränkung auf die Einrichtung e!ner neuen Fürstengruft. Noch im vorigen Jahre war übrigens die Forderung der Regierung für den Bau einer Jnterimskirche und den Ab­bruch des gegenwärtigen Domes vom Abgeordnetenhaufe ab­gelehnt worden. Neu zugegangen ist dem Landtage ein Gesetzentwurf in Betreff des sogenannten Welfensonds. UnterWelfensonds" versteht man bekanntlich das von Preußen confiscirte und verwaltete sehr bedeutende Vermögen des verstorbenen Königs von Hannover. Seither hatte man die Beschlagnahme mit dem Hinweis auf die preußenfeind- lichen Bestrebungen des verstorbenen Königs und seines Hauses begründet. Nachdem aber den leitenden Kreisen genauer be- i karutt geworden ist, welche Mißstimmung die fortdauernde Einbehaltung des Vermögens in Hannover gezeitigt hat, hat | man slch zu der Aufhebung der Beschlagnahme entschlossen, I zumal der Sohn des früheren Königs von Hannover, der Herzog von Cumberland, ausdrücklich erklärt hat, daß jedes den Frieden des Deutschen Reiches und der ihm angehörenden Staaten störende oder drohende Unternehmen seinen Absichten fernliege.

Im Auslande haben sich einige wichtige Ereigniffe zu­getragen. Von größter Bedeutung ist die Arbeitseinstellung tn den englischen Kohlenrevieren, die bei längerer I Dauer die schwersten Schädigungen der englischen Industrie I im Gefolge haben wird. Drei Umstände verdienen, eine I besondere Hervorhebung. Das ist einmal die ganz außer- I ordentliche Zahl der Strikenden, sodann die Veranlassung zu I der Einstellung, welche nicht, wie sonst, in dem Wunsche nach I einer Lohnerhöhung besteht, sondern in dem Streben, eine I bevorstehende Lohnminderung hintanzuhalten. Endlich kommt I He zu Tage tretende Umkehr des natürlichen Verhältnisses I von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Betracht: im vor- I liegenden Falle wollen die Arbeiter durch Beschränkung der I Arbeitszeit auf 5 oder gar 4 Tage die Regelung der Pro- I duction in die Hand nehmen, um durch Minderung des An- I gebots und künstliche Erhöhung der Kohlenpreise ihre Löhne I auf der gegenwärtigen Höhe zu erhalten. In Paris | haben zwei Dynamit - Attentate den Justizminister Stirond I veranlaßt, ein Gesetz einzubringen, in dem mit Tod auch I Derjenige bedroht wird, welcher fremdes Eigenthum mittels I explosiver Stoffe schädigt.

4politifd?e Wochenschau.

Gießen, 19. März.

Nachdem der Reichstag in der vorvergangenen Woche mit Rücksicht auf seine nahezu permanente Beschlußunfähigkeit seine Sitzungen für einige Tage ausgesetzt hatte, um seinen Mitgliedern die Möglichkeit zu gewähren, ihre häuslichen Angelegenheiten zu ordnen und alsdann an den Arbeiten des Reichstags wieder regelmäßig theilzunehmen, sind am letzten Montag die Verhandlungen wieder eröffnet worden. An diesem und den folgenden Tagen befaßte sich der Reichs­tag im Wesentlichen mit der dritten Lesung der Kranken­kasse n n o v e l l e. Wir haben gelegentlich der zweiten Lesung an dieser Stelle wiederholt auf die springenden Punkte in der Regierungsvorlage hingewiesen. Es sind dies die Fragen der freien Aerzte- und Apothekenwahl, die Erhaltung der freien Hilfskaffen und der Einbeziehung der Handlungsgehilfen in den Kaffenzwang. Die Stellungnahme der Regierung und der parlamentarischen Parteien zu diesen Fragen haben wir bereits genügend besprochen. Neu zugegangen ist dem Reichs­tag der Entwurf eines Checkgesetzes, welches namentlich I über den sogenanntenAnweisungs"- oderweißen Check" Bestimmungen giebt und insbesondere die Grenze zwischen Check und Wechsel schärfer zu ziehen bestimmt ist. Daß die Vorlage noch in dieser Session erledigt wird, ist bei der gegenwärtigen Geschäftslage im Reichstage als ausgeschlossen zu betrachten. Die in der jüngst zu Stande gekommenen Gewerbeordnungsnovelle enthaltenen Bestimmungen über die Sonntagsruhe werden nunmehr in aller Kürze in Kraft treten. Dem Bundesrathe ist bereits der Entwurf I einer bezüglichen Verordnung zugegangen. Bekanntlich hatte der Reichstag feiner Zeit die Feststellung des Termins für das Jnkrasttreten der gesetzlichen Sonntagsruhe dem Verord- nungsversahren überlassen.

In Preußen erregen im Augenblicke die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über den Cultusetat das I Interesse weiter Kreise. In einer lebhaften Discussion I fom es zunächst bei der Berathung der Regierungssorderung von 750,000 Mk. zur Ablösung der Stolgebühren (Accidenzien) I der evangelischen Geistlichen. Auf liberaler Seite wies man darauf hin, daß die Geistlichen mit Rücksicht aus den Ein- I nahmeaussall bei Aufhebung der Gebühren für Taufen u. f. w. I einmal höher botirt worden seien, jetzt also zum zweiten Male für dieselbe Sache gezahlt werden solle. Außerdem verwahrte man sich gegen die Verletzung der versaffungs- mäßigen Parität, in deren Interesse mit einer Auszahlung an die evangelische Kirche so lange gewartet werden müsse, bis auch die katholische Kirche entschädigt werden würde, wie denn auch die jüdischen Gemeinden nicht übergangen werden könnten. Trotz dieser Einwendungen wurde die Forderung Mit großer Mehrheit genehmigt. Ebenso fand die Forderung

SichenerÄiizeiger

Henerat-Anzeiger.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung, betr.: Die Geologische Landesanstalt, hier Legitimation des Dr. Klemm bei Landbetretung.

Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 24. Oc- j882 ~ 3lmt8blatt 11 theilen wir Ihnen das ixt Eruck nachstehende Ausschreiben Großh. Ministeriums zur Kenntnißnahme, Nachachtung und Bedeutung des Feldpolirei- personals mit. 8

Gießen, den 16. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gag ern.

Darmstadt, den 2. März 1892.

Betr.: Wie oben.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz

an die Großherzoglichen Kreisämter.

Wir haben dem zweiten Landesgeologen Dr. Gustav JUentnt die gleiche offene Legitimation zum Betreten fremder Grundstücke, wie in unserem Amtsblatt 17 vom 10. Oct. 1882 bemerkt ist, unter der gleichen Beschränkung, was das Be­treten nicht abgeernteter Grundstücke, sowie das Graben und Schürfen in Feldern und Weinbergen anlangt, ertheilt und beauftragen Sie, die Großherzoglichen Bürgermeistereien in I der gleichen Weise, wie damals angeordnet worden und ge­schehen ist, hiernach zu bedeuten und mit Anweisung zu ver. scheu. I

________ Finger.

ax 2 Erzielt man nur, wenn die Annoncen zwecke

TA, L I 0 I U ma^9 abgefaßt und typographisch ange- v messen ausgeftattet sind, ferner die richtige der geeignetenZeitungen ge. 0UUD Annonrrn rolrb- um dies zu erreichen, wende RnhAir »T c> _.man sich an die Annoncen-Expedition

Frankfurt a. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung emes Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt.

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Vertreter in Gießen r Heinrich Wallach. 746

Vevrnischtes.

* $et ö bcr brutschen Schule zu Togo wirkende Lehrer Köbele saßt den Eindruck, den er bis jetzt von seinen Schülern bekommen hat, dahin zusammen:Die Negerkinder stehen tm Durchschnitt hinter unseren deutschen Schülern zurück, doch bet Weitem nicht in dem Maße, wie man gewöhnlich annimmt. Nicht wenige können es mit den begabtesten deutschen Schülern aufnehmen und zeigen namentlich ein sehr bedeutendes Auf- ! sassungsvermögen. Soweit ich bis jetzt bei einer kleinen Zahl Mädchen urtheilen kann, stehen diese hinsichtlich der Begabung hinter den 5knaben zurück. Die 5knaben zeigen einen stärkeren Hang zum Stehlen und Lügen, für Gesang und Turnen bekunden sie das größte Interesse.

rcirchliche Anzeigen -ee Stadt Gietzen.

Svaugelische Gemeiude.

Gottesdienst.

Oculi, 3. Sonntag in der Passions,eit, 20. Mir,: »irchtich« rraoerfeier tum Gedächtnis, »es Höchsifeliae»

«rotzherzog» Ludwig IV.

Vormittags 91/» Uhr: Psarrer Dingcldcv.

Abends 6 Uhr: Psarrer Schlosser.

£1.2b.at<rl.d6e biachmtttags 2'/, Uhr: Pfarrer Schlosser.

i» >>.d'b^U"de amMontag den 21. März Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderfchule; Römerbrief Kap. 12: Unser Dienst Gottes In der Gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

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