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Samstag deu 17. September

1892

Hiehener Anzeiger

Keneral-Z<nzeiger

Zlints- und Zlnzeigeblntt für den Ureis Gieren

chratisöeil'age: Hießener JamikienölatLer

Redaction, Expedition und Druckerei:

SlHutstratzeAr.7.

Fernsprecher 51.

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Vierteljährifler Avonnem.'ntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

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Kitßentr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den

, I Agenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

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Die Gießener

' ?a«itienvläU-r werden dem Anzeiger » wöchentlich dreimal bkigelegt.

Anrtliehev Theil.

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6«: I Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Sellnrod.

Neber die Gemarkung Sellnrod ist von Großh. Kreis-

$( I nt Schotten wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche

1 e Sperre verhängt worden.

,1 Gießen, den 15. September 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

I v. Gagern.___________________

I Bekanntmachung,

>q: I tr. Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Lang-Göns.

1 Nachdem in einem Gehöft zu Lang - Göns die Maul- Q.r. g rd Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, haben wir

We Sperre des betreffenden Gehöft verfügt. Die Ausführung

l. | »n Rindvieh, Schafen und Schweinen aus der Gemarkung | rng-Göns ist bis auf Weiteres nur auf Grund thierärztlicher

h 9 esundheitsscheine zulässig.

in> | Gießen, den 15. September 1892.

oh D Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

m j v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Obstmärkte in Oberheffen.

Nachdem in diesem Jahre fast in ganz Deutschland eine

... 9 ringe Obsternte zu erwarten ist, dieselbe aber in Oberhessen im I anzen gut wird, liegt es im Interesse der Obstbau treiben-

a, 1 n Bevölkerung Oberheflens, die günstige Gelegenheit zur Dielung hoher Obstpreise auszunützen und in erster Linie I le besseren Obstsorten sorgfältig zu brechen und nur die I ringwerthigeren Früchte zu schütteln. Die Ernte für Winter-

u I 'st sollte, da sich die Früchte jetzt erst schön entwickeln und ; ] ne ausgezeichnete Vollkommenheit zu erlangen versprechen, ° Vir dem 1. October nicht vorgenommen werden.

Um nun auch den Obsthändlern eine möglichst leichte i inkaufsweise zu ermöglichen, werden vom Oberhessischen Obst-

I ruverein Obstmärkte abgehalten und zwar:

5 ? am Dienstag den 20. und 27. September in Vilbel im GasthausZum Pfau",

. I n Mittwoch den 21. und 28. September in Friedberg imSaalbau",

^In Donnerstag den 22. und 29. September in Butzbach

imHessischen Hof".

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Zu diesen Obstmärkten sind sowohl Obstzüchter als auch Händler zugelassen. Ein Standgeld wird nicht erhoben. Die eingelieferten Obstproben müssen mindestens 5 Kilo von jeder zu verkaufenden Sorte betragen.

Die Einlieferung der Proben hat vollständig srankirt zu geschehen incl. Zustellungsgebühr von 5 Pf. und ist an das Obstmarkt-Comits" der betr. Stadt zu richten. Unsrankirte Sendungen werden nicht angenommen. Wünscht der Ein­sender die Proben zurück, so erfolgt die Rücksendung auf seine Kosten, wenn er dieselben nicht am Abend des Obstmarktes abholt. Bei Verkaufsabschlüssen in der Ausstellung plombirt der Markt-Ausschuß die Proben ganz oder theilweise, um sie mit der gelieferten Waare in zweifelhaften Fällen vergleichen zu können.

Beschicker der Ausstellung, welche nicht nach dem ausge­stellten Durchschnittsmuster liefern, werden von ferneren der­artigen Unternehmungen des Oberhessischen Obstbauvereins ausgeschloffen und gerichtlich verfolgt.

Dem einzusendenden Muster ist ein Zettel beizusügen, auf welchem steht:

a. Name des Einsenders,

b. Menge in Centnern und Pfunden des vorräthigen Obstes, c. Mindestpreis, zu dem das Obst abgegeben werden darf, d. Namen der Sorte.

Die Angabe des Mindestpreises ist nur für das Bureau bestimmt. Der Geschäftsführer der Commission ist verpflich­tet, die höchsten Preise zu erlangen zu suchen. Die Benach­richtigung des Kaufabschlusses mit Angabe des erzielten Preises erfolgt durch schriftliche Zusendung, unterzeichnet vom Vor- sitzenden der Ausstellung und dem Käufer.

Weitere Bestimmungen können die Marktausschüffe der einzelnen Städte im Einverftändniß mit der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins im Nothfalle treffen. Es sollen jedoch sowohl dem Aussteller wie dem Käufer Schwie­rigkeiten so wenig als möglich gemacht werden.

Anmeldungen zum Markte sind erwünscht und bis 19. September an die betr. Vorsitzenden und zwar: in Vilbel an Herrn Landwirth Kalbhenn, in Friedberg an Herrn Bürgermeister Steinhäußer nnd in Butzbach an Herrn Forstinspector Reuß zu machen. Anmeldungen sind aber nicht unbedingt nothwendig und können die Proben an den Markttagen auch direct in die Marktlocale gebracht werden.

Der Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins:

Dr. Braden.

Gießen, den 15. September 1892.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Wir laden Sie ein, in Ihren Gemeinden im Interesse der Obstproducenten für die Obstmärkte zu wirken und obiges auf ortsübliche Weise bekannt zu geben.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. September. Die sommerliche Ruhepause in unserer inneren Politik ist mit der nunmehr erfolgten Rückkehr fast sämmtlicher bis jetzt noch beurlaubt gewesener Mitglieder des preußischen Staatsmmisterrums und Staats- secretaire des Reiches nach Berlin zu Ende gegangen. Da bereits feststeht, daß die Wintersession des preußischen Land­tages Anfang November, diejenige des Reichstages in der zweiten Novemberhälsre beginnt, so sind wohl schon in aller­nächster Zeit die Entscheidungen über das beiden Parlamenten zu unterbreitende Material zu erwarten. Unter dem den preußischen Landtag erwartenden Arbeitsstoff werden zweifellos die anderweitigen Steuerreform-Vorlagen die hervorragendste Rolle spielen, während den Mittelpunkt der kommenden Reichstagsverhandlungen wohl ebenso unstreitig die neue Militärvorlage bilden wird. Im Uebrigen sind dort wie hier sonstige erwähnenswerthe Vorlagen noch abzuwarten.

Ausland.

Das kleine Großherzogthum Luxemburg scheint dem Dorbilde Monacos folgen und auf seinem Boden dem sonst allenthalben verfolgten Hazardspiel eine Schutzstätte bereiten zu wollen. Dem Spielunwesen in Ostende und anderen eleganten Badeorten Belgiens ist durch das unerwartete energische Vorgehen der belgischen Regierung bis auf Weiteres ein Ende bereitet worden, worüber die Herren Unternehmer natürlich nicht wenig betrübt sind. Jetzt heißt es aber, die Ostender Spielpächter wollten auf luxemburgischem Boden eine neue Hazardstätte errichten und wolle die Großherzogl. Regierung auch ihre Genehmigung hierzu ertheilen, falls sie 25 pCt. Provision erhalte. Vorläufig wird man indessen noch immer hoffen dürfen, daß sich die Regierung des Groß­herzogs Adolf von einem solchen Schandfleck sreihalten wird.

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Feuilleton.

Die Weltausstellung in Chicago.

Von Ernst von Hesse-Wartegg.

(Schluß.)

Das Baumaterial für die Wände ist an jenen Stellen, o sie gleichzeitig Träger der Dachrippen sind, Stahl, da- vischen Holzfachwerk, und die Verkleidung besteht aus leicht- üblichem Stucco, etwa von der Farbe des Meerschaums, e den märchenhaften Eindruck dieser von grünen Parkanlagen mgebenen, aus Wasserbassins hervorragenden Paläste noch :1rächtlich erhöht.

Die Einfachheit und Leichtigkeit des amerikanischen Con- ructionswesens zeigt sich deutlich an dem Jndustriepalaste. )bschon er die doppelte Größe und Höhe der Pariser Maschinenhalle besitzt, beträgt das Gesammtgewicht der zu :iner Erbauung verwendeten Stahl- und Eisenmasse doch icht viel mehr als die Hälfte jener der großen Maschinen­alle , nämlich nicht ganz 6 Millionen Kilogramm. Die anzen Herstellungskosten der Bauten aber belaufen sich aus enau so viel, nämlich 6 Millionen Mark. Mit demselben luswand an Geld und dem halben Aufwand an Eisen- onstruction erbauten die Amerikaner ein allerdings viel eichteres, aber doppelt so großes Gebäude als die Franzosen. - Ein großes Wasserbasfin trennt die südliche Stirnseite es Jndnstriepalastes von den zwei nächstgrößten neben» inander liegenden Gebäuden, der Maschinenhalle und dem lgricultnrpalast, welche durch eine imposante Säulencolonade miteinander verbunden sind und zusammen auch eine Länge on nahezu 1 Kilometer besitzen.

Ein vierter Titanenpalast ist der Electricität gewidmet, in in Amerika zur höchsten Blüthe gelangter Jndnstrie- wkig, der sich vielleicht der Chicagoer Ausstellung ebenso raracteristisch aufprägen wird, wie etwa die Kunstindustrie

I der Wiener Ausstellung von 1873. Jetzt schon, während der Errichtung der Ausstellungsgebäude, spielt sie eine große Rolle, denn sie verwandelt die Nacht zum Tag, und ich kann mich keines eigenthümlicheren Anblicks entsinnen, als die Erbauung dieser Stadt von Palästen durch ein kleines Arbeiterheer zur Nachtzeit, wenn gewaltige electrische Licht­massen auf die thurmhohen meilenlangen Gerüste geworfen werden, und die tiefen Schatten, sowie die umgebende Finsterniß die erleuchteten Fronten und Balkengerüste magisch hervortrelen ließen. Häuser wurden schon zahlreich zur Nacht­zeit bei electrifchem Llcht erbaut, eine ganze Stadt von etwa 300 Gebäuden noch niemals.

Neben der Electricität dürste auf der kommenden Welt­ausstellung auch die Frauenarbeit eine characteristische, ja beherrschende Rolle spielen. In Amerika darf man nicht ohne das schöne Geschlecht rechnen. Die amerikanischen Frauen greifen ins öffentliche Leben, in Geschäfte, Handel, Verkehr, ja, in die Politik viel kräftiger ein als in der alten Welt- sie haben sich in manchen gesetzgebenden Körper­schaften schon Sitz und Stimme erobert; sie sind Bürger­meister, Stadträthe, Post- und Telegraphendirectoren, Beamte der Vereinigten Staaten. Sie verlangten ihren Antheil an der Weltausstellung und sie werden ihn bekommen. So wird denn ein großer, archilectonisch ungemein gelungener Palast im Jackson Palast zu Chicago alles enthalten, was Frauenthätigkeit bisher in Kunst, Industrie, im Hauswesen, in Literatur, ja, in Politik geleistet hat, und gerade diese Abtheilung dürste von den Ausstellungsbesuchern am eifrigsten besucht werden, denn sie wird gewiß viel dazu beitragen, auch in Europa eines der wichtigsten modernen Probleme zu lösen.

Aber diese Hauptgebäude werden nur einen kleinen Theil der Ausstellung ausnehmen können. Hunderte andere Bauten, allen erdenklichen Zweigen des menschlichen Schaffens gewidmet, sind in der Entstehung begriffen oder schon fertig» i gestellt. Der findige Dankeegeist plant eben Dinge, von

den-n sich unser gewöhnlicher Europäerverstand nichts träumen läßt. Natürlich wird sich auch in dem gegen drei Quadrat- Kilometer großen Parke der gewöhnliche internationale Welt- ausstellungsrummel befinden mit seinen Panoramas, Cyclo­ramas, Schaubuden aller Nationen und aller Arten, Rutsch­bahnen, Bädern, gegen zweihundert Restaurants und Cafes,- aber dazu kommen noch Jndianerdörfer, Aztekenpaläste, Niederlassungen von Jncas und Eskimos u. s. w., bewohnt von Abordnungen der betreffenden Stämme- ein deutsches Dors, eine Straße von Kairo, ein Tempel aus Japan, türkische, chinesische, arabische Bazars u. s. w. werden dort im Herzen des amerikanischen Kontinents einem wahren Völkercarneval zum Schauplätze dienen, und die überaus starke Betheiligung fast sämmtllcher Nationen der Erde, vor­nehmlich Deutschlands, Englands und Frankreichs werden die Ausstellung zu einer wahrhaft internationalen machen ein würdiges Culrursest und gleichzeitig die erhebendste Art, auf welche die Entdeckung Der neuen Well und ihr Entdecker Columbus gefeiert toer'cen können.

Die Gesammtkosten der offiziellen Ausstellungsanlagen, ganz abgesehen von jenen der Privataussteller, erreichen die enorme Summe von hundertzwanzig Millionen Mark, welche durch die Eintrittsgelder und den Wiederverkauf des Mate­rials oder der einzelnen Gebäude selbst hereingebracht werden müssen. Ob dies geschehen wird, ist fraglich, aber jedenfalls wird die Ausstellung sich zur sehenswetthesten aller bisherigen Ausstellungen gestalten und es ist zu hoffen, daß die deutsche Industrie und Kunst aus dem Wettbewerb der Nationen am Michigan»See siegreich hervorgehen wird. Man wird in Chicago, in der Stadt wie auf der Ausstellung, viel zu sehen und zu lernen bekommen und da heutzutage die Reise dahin aus unseren deutschen Häfen bequem in zehn Tagen und zu verhältnißmäßig geringen Kosten unternommen werden kann, so sei der Besuch Chicagos im kommenden Sommer angelegentlichst empfohlen.