1892
""d Anzeigeblatt für den Aveis Gieren.
Hratisöeikage: Hießener Jamikienökatter
Vernmtschtes.
r-ndmirihsch-nuch- Wim« Md ww. FF Kninw&ssat
LanDwirthfchaftliche Rück-, Um* «nD Vorschau. d)af wünschte, weil letztere bei solchen Preisen nicht
△ Aus Oberhesse«, im October 1892. Ein gewaltiger Getreides Sur vortgen Jahre, bei sehr hohen
Sommer .st es gewesen, der 1892er, die Meteorologen, Lanbwy.'he, 12 NcichtbÄM
Feuilleton
IDf Lnnoncen.vureaux M > trab «ullonbti nehm«: Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Der Hetzen" Anreiser erschvinl tagltd), *<t Ausnahme de- Montags
Die Gießener -«»itienStälter werden dem Anzeiger ^^chentlich dreimal beigelegt.
Kaiserliche Sonderzüge.
Ganz besondere Aufmerksamkeit wird selbstverständlich den Reisen des Kaisers und der Kaiserin zugewendet, die sich meist nicht der fahrplanmäßigen Züge bedienen, sondern fast immer mit Sonderzügen reisen und gerade hierdurch die größte Anspannung aller Kräfte Hervorrufen. Jeder mit der Aus- führung der Reise in irgend einer Beziehung stehende Beamte, ob hoch oder niedrig, ist sich von dem Augenblick ab, wo der Monarch sein Leben der Eisenbahn anvertraut, der Verant- worlung voll und ganz bewußt und weiß, das das geringste Versehen unabsehbare Folgen haben kann.
Ein gewaltiger Apparat wird deshalb in Bewegung gesetzt, sobald die Bestellung eines Sonderzuges gemacht wird. Zunächst kommt die Ausstellung des Fahrplanes an die Reihe, in welchem die Wünsche des Bestellers nach Möglichkeit Berücksichtigung zu finden haben- auch ist der Fahrplan so ein- zurichten, daß jede Begegnung des Hofzuges mit Güterzügca oder gemischten Zügen auf freier Strecke ausgeschlossen ist. Der Fahrplan wird sodann mit einer Dienstordnung sofort allen betheiligten Beamten, dem Vorsteher, der Bauinspection, den Stationen, dem Zug- und Locomotivpersonal, den Weichenstellern, Bahnmeistern, Bahnwärtern, Wagenmeistern, Telegraphenaufsehern usw. mitgetheilt. Reicht die Zeit zur schriftlichen Mitthcilung nicht aus, so hat diese Mittheilung auf telegraphischem Wege zu erfolgen und die Beamten haben die Empfangnahme telegraphisch zu bestätigen. Die betreffenden Vauinspectoren und Bahnmeister haben, sobald fie Kcnntniß den "halten, unverzüglich in eingehender Weise
b«n°bssicher-n Zustand der Bahnstrecke und Bahnhöfe zu un „suchen- letztere haben sich auch persönlich davon zu
& 9 £'• b?6 b£6 Summte Bahnbewachungspersonal vorschriftsmäßig ,m Dienste ist. Die Weichensteller und Bahn
Der erste Schulgang der Gymnasiastinnen. Aus Wien wird vom I I. d. Mts. berichtet: Gestern Vormittag hat das vom Vereine für erweiterte Frauenbildung ins Leben gerufene, mit Bewilligung des Wiener Gemeinderathes im Gebäude des städtischen Pädagogiums untergebrachte erste deutsche Mädchengymnasium Oesterreichs zum erstenmale ftine Pforten geöffnet. Der erste Schultag vereinigte dreißig Gymnasiastinnen, welche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren ste^n. Die jungen Damen mußten sich einer Aufnahmsprüfung unterziehen, bei »welcher eine der 31 angemeldeten
Bewerberinnen reprobirt wurde. Vorläufig wurde die erste . Klaffe des Mädchengymnasiums, welcher weitere fünf Klassen ■ folgen sollen, eröffnet. Sie hat das Ziel, den Lehrstoff des ■ Untergymnasiums mit Ausnahme der klassischen Sprachen zum Abschlüsse zu bringen. Im Lateinischen soll etwa der Stoff der ersten drei Semester eines Gymnasiums bewältigt werden. Die Anstalt steht unter der Leitung des Professors vr. Hannack- der Unterricht wird von sieben Mittelschulprofessoren ertheilt.
M Millionen ein.. Wenn wir die diesjährigen Preise gehabt hätten. yD?irbm,\F e schw^Iich abgeschlossen worden Mn. Ob sich barum die gänzliche Abschaffung des Getretdezolles empfiehl! wie es °on mancher Seite gewünscht wirb, das mag sich der Mündliche Leier einmal ubei legen.— Was die Obsterträn« betrifft so ist hn« W 1892 ein «tibiaht im übelst.n -inL. d.« W--1«« g-k worden. i>as Gluck hat, führt dieses Jahr die Braut Aim — b' Aelchl einen großen Posten Geld ein. Das Frühjahr 1892
S » bis zum 22. Mai allnSchllich einen Reif brachte liefert« b«n Setoti«, wie groß der Schutz ist, welchen WSnbe biet!«' .k,V9 Bücher den Obstbäumen und Wetnstöcken bieten. Wir haben im vorrgen Jahre eine Abhandlung gebracht mottn die „heblichen Vorthetle nachgewiefen werden, welch/fich dn
Cra^en/?nn' Wtnn <e di« geeigneten Wände seines Wohnhauses, seiner Scheuer und seiner Stallungen mit Reben oder Obstgalerien bepflanzt. Wir haben in den Zeitungen g lesen daß die veute an d-r Bergstraße, im Ried u. s w. auch dieses Jahr wleder schweres Geld für Obst: Pflaumen Av'icofen Zwetschen, Weintrauben und Pfirsiche ernteten. Ein großer Tbeil
Dberh.ffen, besonder« der westlich«, kann Darum pflanzt Obstbäume, ihr Landleute! Benutzt i-den passenden Fleck dazu. Seht euch euere Liaus scheuer- und Stallwandungen an und zögert nicht, das Guie ins Mb'iti'nb^Hnh,3^ ®hrbet b“buÄ<? ium Wohlthäter Eurer Seinber urw Ktndeskinder werden. — Einen recht maaeren
<tt *{nD KleeLöker, wie überhaupt alle Futter? pflanzen. Heiße und trockene Sommer sind immer futterarm ^benr Futterstoffe ungewöhnlich hohe Preise'
hab-n und daß die Leute das überflüssige Vieh abschaffem Selbtt- verftandlrch ist dies mit Verlusten verbunden, denn dus abzuschaffende f bezahlt. Das Wtederanschaffen des Viehes er-
ff mC 1<L nUtb ^"der Opfer, denn sobald ein futterretches Jahr kommt nn ""b es wird sebr theuer. Verlust beim ^rüä f )7?nttbf wirrst beim Einkauf werfen de« Mann zurüL. Man kann den Leuten deshalb nur rathen, daß sie soweit
Ebunlich ist, daS Vieh felbst fchlachten und das Fletsch werden dabet die Erfahrung machen, daß sie viel U'" ans Thetl kommen und daß ihre Mitbürger viel b-fferes Fleisch um billigeres Geld erhalten, als wenn fie das Pj-H fnnft »näfiwMh JStf =U ”rM?n betrifft, welch« b«r Landw rth währ«nd «in«« Sommer« zu leisten hat, so wurden dies- ungemein gefordert. Allerdings litten Menschen und Sbiere UnX unter der afrik-nischen Hitze, allein es gwg alles flott von »wt " Der nasse Jahrgang 1891 erheischte die doppelte Arbeit und trotzdem konnte man nicht rechtzeitig fertig werden Sodann baute sich Boden gut; das Unkraut konnte nicht wuchern die schweren ni*tnhi?»rh biCt.^ccfer,!n geneigter Lage sehr ausfl'ößen erschienen Das' ®eS"b r Sin ‘h6u”Ht6fi -u'ammen gehalten
r cne . Dcr aalen hat begonnen und fnrhort r»*.,
umbhipU^tl0idt 3IDer- noc^ nid?t viel, aber genügend vorhanden' um die Saaten zum Keimen zu bringen. Wenn wir nun i3 •ua *1”! schauen, so dürfen wir sagen: DaS Jahr 1892 war dato ein recht befriedigendes. Bon 1.Z1 kö„nnen mir daffelbe sagen. Zwei gute Jahre hintereinander finden sich nicht oft M" dem Futtermangel muß sich der Bauer abfinden so gut s geht. Vorstcht und Sparsamkeit müffttt fortwährend als Schildwachen neben Der 1 Die reiche Kartoffelernte hilft üb" Stehen.
Amtlicher Theil.
Gießen, 14. October 1892. Betreffend: Frachtfreie Beförderung von Liebesgaben nach Hamburg.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen M« Vürgermeistertte» des Kreises.
Wir empfehlen die im heutigen Gießener Anzeiger Nr 241 Ärte?e Aufforderung zur Spende von Kartoffeln für die Nothleidenden in Hamburg und Altona Ihrer Beachtung und ^gleich, daß sowohl die Oberhessischen Bahnen als auch die Preußischen Staatsbahnen die frachtfreie Beförderung solcher Liebesgaben übernehmen. Es würde uns freuen wenn Sie dieser Anregung Folge geben und etwa im Einvernehmen nut Ihren Nachbar. College» die Sammlungen so betreiben wurden, daß eine Wagenladung Kartoffeln nach Hamburg und Altona abgehen könnte.
v. (Sagern.
Gichener^liizeiger
Heneral-Anzeiger.
©te Vorsteher der vom Zuge berührten Stationen sind angewiesen, den Stationsdienst selbst wahrzunehmen und sich so aufzustellen, daß sie vom Locomotivpersonal und der dicnst- D?e"Vorst!ke^b des Zuges sofort bemerkt werden können. | D e Vorsteher berjemgen Stationen, auf denen der Zug nicht arü6e?abC" b°"" bc§ Sonderzugcs dienstlich zu
Alle Bahnhofsgeleise, welche der Zug zu durchfahren hat, sind mindestens zehn Muiuleu vor der Ankunft freiru- halten. Das Rangiren muß auf dem vom Zuge befahrenen Geleiie spätestens 30 Minuten vor dessen Ankunft unterbleiben. Auf allen Bahnhöfen muß die Aussicht vom Sonder- zuge nach dem Bahnsteig frei sein, auch wenn der Sonderzuq nicht anhalt. Die Bahnsteige sind, wo der Zug zum ein® ober Aussteigen oder zum Empfang anhält, während der Tageszeit für das Publikum in der ganzen Länge des Zuges, in öer Nacht aber gänzlich abzusperren.
Die von den Allerhöchsten Herrschaften benutzten Füge gemeßen selbstverständlich den Vorzug vor allen anderen Zugen- ihre sichere und ungehinderie Durchfllhruna must unter allen Umständen gewahrt werden, selbst wenn dadurch Verspätungen anderer Züge herbeigesührt oder, falls solche ^>°u bestehen, vergrößert werden sollten. Alle dienstthueuden Beamten des Stations- und Fahrdienstes haben, soweit angängig, ,n ihrer besten Dienstkleidung zu erscheinen. Der Sonherzug der Maiestäten wird stets von je einem höheren Se neb«. und m° chinentechnischen Beamten, sowie von einem TelegraphemAu seher begleitet, lieber den Verlaus der Reise und die Ankunft auf der Bestimmungsstation ist den vorgesetzten Eisenbahnbehörden und dem Minister der öffentlichen mV’n'V11' fllr/er telegraphischer Bericht zu erstatten. Auf Bahnstrecken, aus welchen kleinere Sonderzüge für die allerhöchsten Herrschaften, wie zwischen Berlin und Potsdam häufiger verkehren, können auch die Stationövorstände mit der selbstständigen Ablassung derartiger Züge, sofern für diese Empfang und Begleitung nicht befohlen is?,' betraut werden!
ia aöe Menschen, welche ibn miterlebten, werden noch in und Die Bücher unD Chroniken werDen «och in JahrhrrrrDerien von ihm berichten. Der I }q- und 18. August des Jahres 1892 waren die heißestm Tage des 19. Jahrhunderts bis dato und das will schon etwas heißen Nicht ' 7^der merkwürdig bet dem Jahre 1892 ist die Tatsache, daß wtt von Anfang Januar bis EnDe August, also währenD acht Monaten, falt ununterbrochen einen Hellen, wolkenlosen Himmel hatten. Kam es auch hie und da einmal vor, daß ficb ber^öorüon
• ?rnn^° f4n beberft?' tann brachten sie fast keinen, oder nur wenige Tropstn Regen, welcher bet weitem nicht genügte. Vielfach ereignete es sich daß, sobald der Himmel bedeckt war, sich heftige Stürme aufmachten, welche die Wolken in kurzer Zeit über ganze Pr?oür»?n htniagten, ohne daß Regen fiel.. Nach und nach ging die Trockenheit Die Brunnen und Quellen fingen an auszutrocknen, ^iner; viele Städte mußten den Gebrauch des Wassers in den Leitungen etnschranken. Der 1892er Sommer » x bCr soeben geschilderten Hinsicht eine Plage für Menschen benn ^Le ttlQr tür unsere Breitegrade zu stark und o" . Elber alleO, was unter Den heißen Strahlen
; et,W^ edle Eigenschaften. Da finb do«
i Halmfrüchte. Sie sind kräftig tm Hatm und prachtvoll in
I ^n. ^/hren geworden. Das Urtheil bezieht sich auf sämmtliche j Getreidearten: Roggen, Weizen, Gerste und Hafer. Bei allen ist
D06 dünnhäutig und mehlreich. Die Backwaaren, welche daraus hergeftellt werden, zeichnen sich durch großen Woblaeickmack ' QU8, fft fein und besitzt reichlichen Klebstoff. Wenn
1 diese trefflichm Eigenschaften schon hoch erfreuen, so kommt auch ! ? ’S“* * ®flft überfltI bört man, daß der
. Haufen ä 10 Garben ein Gentner, ja bis zu 140 Pfund Körner j t etwas ereignet sich feiten. Die Gebundzahl
i $ -r. ?n 6mS6ri9 «Ringer, weil die anhaltende Trockenheit im I Rotten des Getreides nicht begünstigte. Dafür
konnten sich nun aber bte einzelnen Halme um so mehr ausbilden l ^nnten so treffliche Körner p.'oduziren. — Ein gleich
gutes Resultat liefern Die Kartoffeln; sie stammen aus Mittel- al o wie die Traube, die Wallnuß und die süße Kastanie zu den Sudfruchten, welche sich bet uns acclimattfirt haben A""en Warme und Trockenheit vertragen. An manchen Orten Punbarbn^ ^übkartoffeln nicht ganz nach Wunsch. Die Hitze war aL.9 -m bie stocke starben zu frühe ab, so daß sich die Knollen nicht völlig ausbilden konnten. Die Spätsorten sind baaraen aam ei°n @rÖ^e unb ^"öahl. Diesen Herbst ist es
^okkeln auszumachen, denn wenn man einen Stock bcr Hl>/ke herauszieht, sb rollen einem 15 bis 20 Knollen, alle und sauber, von keiner Krankheit befallen, keinem Engerling ftnb 9imf^iCfCn US>b, einem fröhlich an. Die Kartoffelpreife ^n ^ n en Die Stadtbewohner können sich dieses Jahr für h^nn0C8m@^ unb werden gut daran thun,
ml br nIi(5 bic Preise gegen das Frühjahr hin. greifen sind, wollen wir auch etwas über die ^^^depreise anfuhren. Die Nachrichten aus Amerika, Indien und den Getrerde im Uebeifluß produzirenden europäischen Ländern lauten günstig; die Folge davon 'ist, daß alle Fruchtgattungen aÄ AÄ W-r finb ganz nah«
Nr 241 Zweites Blatt
Wärter rc. haben kurz vor der Durchfahrt des Sonderzuqes die ihnen unterstell-en Strecken nochmals zu begehen und sorgfältig zu bewachen. Ihnen werden für besonders lange Strecken oder verkehrsreiche Wegübergänge, Brücken, Tunnels, starke Krummungen und dergleichen noch zuverlässige Hilfsbeamte zugetheilt, welche möglichst so auszustellen sind, daß sre sich gegenseitig wahrnehmen und verständigen können
Wenn bei den Reisen der Allerhöchsten Herrschaften Empfang und Begleitung ausdrücklich befohlen sind, so ist jeder Vorstand einer von der Reise berührten Station, gleichgiltiq ob der Zug dort hält oder nicht, verpflich.et, sofort nach Bekanntwerhen der Reise den zuständigen Ortspolizeibehörden, owie dem ,m Orte etwa befindlichen obersten Miliiarcommaudo entsprechende Mitthcilung zugehen zu lassen.
Auf den geeigneten Stationen sind außer den eigentlichen Zuglocomotwen noch Reservclocomoiiven in Bereitschaft zu hallen, welche, mit Brennmaterial und Wasser versehen in hpD«Crt3)tamP.ffPk-n\Unfl äUr foforti9en Abfahrt in der Nähe b°0 Stationsgebäudes bereit stehen massen. Die Betriebs- mittcl muffen sich durchweg im besten n g durchaus betriebssicheren Zustande befinden, was, wen. :2- -jeit cs gestattet
^r,0befQ^rt "och besonders ft'stzustellen ist. Bor der Abfahrt hat eine Untersuchung des Zuges durch einen Personals und^d" T” Ziehung des Locomo.iv- nnt.r^l b b; Wagenmeister stattzufinden, auch ist die Untersuchung auf geeigneten Aufcnthaltsstationen zu wieder-
Alle während der Reise am Zuge auszusührenden Dienst- verrlchlungen sind möglichst geräuschlos auszufllhrcn - der Gebrauch der Locomotivpfeifc ist auf das geringste Maß zu beschränken und Krümmungen sind so langsam zu durchfahren, EbensoUm oft'9C Schwankungen vermieden werden. Sm £ r’4 ble Locomotivführer kreuzender oder von
durchÜ6^0ltcer Pcrsonknzügc jedes Geräusches
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