Persönlichkeiten zu schaffen. Daher hat er sehr bald daS Rauhe HauS auch zu einer Bildungsanstalt von Arbeitern für innere Mission erweitert. Darin liegt, neben aller pietätvollen Dankbarkeit, die wir dem Rauhen Hause schulden, seine bleibende Bedeutung für ganz Deutschland. Aus ihm zumeist nehmen wir die Hausväter unserer Herbergen, unserer Rettungshäuser, unsere Stadtmiffionare. 185 solche Hausväter hat es schon in Erziehungsanstalten, 186 in Herbergen, Arbeitercolonien und Armenhäuser, 95 als Aufseher und Lehrer in Strafanstalten, 92 als Stadtmissionare, 25 als Prediger nach Amerika entsandt. Auch in Hessen haben schon 14 Brüder des Rauhen Hauses gearbeitet, für 62 Knaben wurde Ausnahme begehrt, 17 konnten ausgenommen werden. Grade in den letzten Jahren haben sich die Anforderungen erheblich gesteigert. Kostspielige Terrainankäufe, Neu- und Umbauten, die ohne Schädigung der Entwickelung des Werkes nicht zu vermeiden waren, machten größere Capitalaufnahmen nöthig. Aus dieser Nothlage dem Rauhen Hause zu helfen, soll die in ganz Deutschland gesammelte Collecte dienen. Sie kehrt nicht alljährlich wieder, wie andere Collecten, sondern wird nur diesmal erhoben. Im gewöhnlichen Lauf der Dinge kann sich das Rauhe Haus theils selbst erhalten, theils wird es durch die Opferwilligkeit seiner Hamburger Freunde getragen. Von diesen kann es bei der schweren Heimsuchung, die die Hamburger Bevölkerung getroffen hat, gegenwärtig nichts erwarten. Treten wir also statt ihrer in die Liebespflicht ein, dem Rauhen Haufe, das einen wohl- begründeten Anspruch auch auf unsere Theilnahme und Dank barkeit hat, die Hände zu stärken zu gesegneter Weiterarbeit!
— Warnung. Dringend gewarnt wird vor gewissenlosen Aus wand er ungs- Agent en , die in Nord- und Mitteldeutschland ihr Wesen treiben und besonders junge Mädchen zur Auswanderung zu verleiten suchen, indem sie ihnen in der Weltausstellungsstadt Chicago lohnende Stellen versprechen. Was von solchen Versprechungen zu halten ist, weiß man.
— Kann bei Nachbestelluug derselben Waare auch derselbe Preis verlangt werden? Ueber diesen Punkt gibls im Geschästsleben häufig Streit. Der Modewaarenhändler I. machte bei der Firma R. eine Bestellung wie folgt: „Bitte, senden Sie mir die nachstehend verzeichneten Roben, wie ich sie bereits von Ihnen bezog" (folgt Verzeichniß). Die Maaren kamen an, waren aber ungefähr 20 pCt. höher als früher berechnet. I. reclamirte und zog einfach bei Zahlung diese Preisdifferenz ab. R. erhob Einwand. Als nach zwei Jahren I. seine Verbindung mit R. abgebrochen, klagte R. auf diese Differenz von 400 Mk. I. wurde, obgleich er entgegnete, das „wie" in seiner Bestellung bezöge sich auf alle Eigenschaften, auch auf den- Preis der Waare, zur Zahlung verurtheilt. Das Gericht erklärte, der Preis sei keineswegs als eine Eigenschaft der Waare zu betrachten, die Waare bleibe dieselbe, auch bei anderem Preise.
Vermischtes.
* Gelegentlich des Lutherfestes in Wittenberg ist der Nachkomme des großen Reformators, Pastor Luther in Pilsen bei Kötschau nicht allein von Sr. Maj.
dem Kaiser mit dem Rothen Adlerorden IV. Klaffe decorirt worden, sondern ist beim Frühstück auch zu derjenigen Tafel herangezogen worden, an welcher der Kaiser mit den Fürsten und höchsten Würdenträgern selbst speiste. Man muß hierin daS schöne Bestreben des Kaisers erkennen, daS Andenken Dr. Martin Luthers nach jeder Richtung hin, so viel es in seiner Macht steht, zu ehren.
* Verdauung und Verdaulichkeit.
H-
Croce entnahm
nach der Mahlzeit sich mittelst Magensonde Proben und fand
felgende Verhältnisse. Im Magen verblieben
*.
Aepsel
1
St.
55
Min.
Kirschen, gekocht
2
ft
——
ff
Kirschen, roh
2
rr
15
tf
Kartoffeln, gekocht
2
tt
5
tt
Kartoffeln, Brei
2
ff
30
rr
Blumenkohl, gekocht
2
if
20
tf
Schwarzbrod
2
tr
30
tt
Rettig Bisquits
2
ff
40
tr
2
ft
50
H
Kohlrüben
3
rr
—
tt
Spinat
3
ft
30
tf
Schnittbohnen
3
ft
55
tt
Linsen und Erbsen
3
tf
—
tt
Rosenheim stellt folgende Tabelle
über die Dauer des Ausent-
Halts der Speisen im Magen auf
Reis
1
St.
—
Min.
Eier, roh Hirschfleisch, gekocht
1
tf
30
tf
1
rr
45
rt
Milch, roh
1
rf
—
tt
Brod
2
rr
—
tt
Bohnen
2
tf
30
rt
Kartoffeln
2
tf
30
tt
Austern
3
tf
—
tt
Fisch
3
n
—
rt
Eier, weich
3
ff
—
tt
Schweinebraten
4
—
tt
Rinderbraten
4
//
—
Schwarzbrod
4
rt
—
tt
Kohl
5
ff
—
tt
Eier, hart
5
ft
—
tt
Von Individualität, Gewohnheit :c. wird überdies zweifellos die Zeit des Aufenthaltes beeinflußt werden. Die Aufenthaltsdauer von Speisen im Magen bei Zufuhr von Salzsäure, Alkohol und anderen Reizmitteln studirte A. Eichenberg ebenfalls an sich selbst mittels der Magensonde und fand, daß Zufuhr von Salzsäure stets die Verdauung um etwa 10pCt. beschleunigte, daß 'auch Zufuhr kleiner Mengen Alkohol (bis zu 50 ccm der alkoholischen Flüssigkeit) die Verdauung beschleunigte, Zufuhr größerer Mengen (1 Liter Wein oder Bier) sie weder beschleunigte, noch verlängerte, daß Zufuhr von Sens sie sehr deutlich, Pfeffer und Condurango sie nur in geringem Grade, von Rabarbertinctur sie gar nicht beschleunigte, daß Zufuhr von lJ/2 Liter Wasser sie nicht unerheblich verlängerte. Dies ist nach anderen Versuchen in noch höherem Maße bei Zufuhr von Bier der Fall. Besonders wollen wir hier noch hervorheben, daß das gesundheitsschädliche kalte Bier (6—8° C.), dessen Verabreichung verboten werden sollte, in noch höherem Maße die Verdauungsenergie
herabsetzt. — Wenngleich sehr kleine Mengen Alkohol der Verdauung förderlich zu sein scheinen, so sehe man doch zu, ohne denselben fertig zu werden, um nicht in Versuchung zu kommen, immer größere Dosen zu nehmen. Die Annahme, daß 1 Liter Wein die Verdauung nicht beeinträchtigen soll, muß vorläufig mindestens bezweifelt werden.
(itcratur mhö Arnist.
— Jugand-Gartenlckube. Vierteljährlich 1 Mk. Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Heft 9 von Band II enthält das Gedicht „Sandmännchen"; Fortsetzung der interessanten Erzählung „DaS alte HauS" von B. Buchwald, mit feinem farbigen Bild; »Hart gebüßt", eine nordische Strandgeschtchte von 81: Groner, mit einem prächtigen Farbendruckbilde; die Erzählung „Ein Künstler" von F. v. Mtnra; Mädchenbrtese von F. Andreae; Rätbsel und Briefkasten. Außerdem zwei Tafeln wirklich entzückender Malvorlagen, die vielen gefallen werden. — Wir wüßten den Familien keine beffere, vornehmere und billigere Lectüre für die Jugend zu empfehlen. Die prachtvollen farbigen Bilder verleihen den Heften einen ganz hervor- ragenden Schmuck.
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