Ausgabe 
10.4.1892 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 10. April

1882

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gissten.

HratwSnklige: Hießmer Jamtüenkkätter.

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der daß heit

jedenfalls Kochtopf, Schritten

Wer wer will .durch das

Wo Feuer ist, da muß natürlich auch gekocht werden, wäre nun die Folgerung. Mit Nichten! Das Fernr dient jetzt noch bei manchen Völkern z. B. bei den Feuer­ländern oder Pescherähs (Freunde) an der Südspitze Amerikas, deren etliche vor einiger Zeit Europa zur Schaustellung durchzogen zu keinem anderen Zwecke als zum Wärmen, zur Hilfe bei der Anfertigung von Waffen und Gerüchen und zum leichten Anrösten des Fleisches in der glübenben 2tfd)e; einen Kochtopf kennen diese Wilden nicht, und dieser Umstand allein wäre schon genügend, sie alsWilde" zu kennzeichnen, denn mit der Etvilisation auss Engste Hand in Hand verbunden ist das Kochen und der Kochtopf, wenn auch letzterer zu Ansang seiner Lausbahn sehr verschieden von dem war, roie wir jetzt ihn kennen.

Nachdem man also dadurch, daß man sich zum Herrn des Feuers machte, indem man es nicht nur sortpflanzte, son- dern deffen Anzünden und Erlöschen in die Gewalt bekam, eine neue und zwar eine unendlich wichtige Eulturepoche an­gebahnt hatte, war der nächste Schritt der fortschreitenden Civilisation, diese Entdeckung, welche der menschliche Geist gemacht hatte, nun auch mehr und mehr zu verwerthen, zu erweitern, um sich dadurch minder abhängig vom Zufall zu

den eigentlichen Zeitpunkt bestehen; gewiß aber ist das Eine' das Kochen, beziehungsweise der erste gehört mit zu den bedeutendsten und wichtigsten auf dem Gebiete der Eultur.

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Wie Annoncen-Bureaux des In- und Wuflunbe« nehm» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen

Nr. 86 Drittes Blatt

d. bet Anträgen Beschädigter und der bestellten Vertrauens­männer auf Bewilligung von Ratenzahlungen (Art. 23), e. bei der Vorlage der Abrechnungen der Beschädigten und der bestellten Vertrauensmänner (Art. 28), bei der Anzeige von Brandfällen an die Brandver. sicherungsinspeetoren (Art. 35),

bei Anträgen auf Schätzung nachträglich entdeckter Brandschäden (Art. 44),

bei Anträgen auf Nachprüfung der durch Bauschätzer erfolgten Schadensabschätzung durch den Brandversiche- rungsinspector (Art. 45),

Gießen, den 5. April 1892. Betreffend: Das Gesetz vom 23. September 1890, die Brandverstcherungsanstalt für Gebäude betr., insbesondere die dienstlichen Obliegenheiten der Großherzoglichen Bürgermeister.

Das Großlmzogliche Kreisamt Gießen * di« »r-tzh. Bürgermeisterei«« de» «reife».

Das Gesetz vom 28. September 1890, die Brand­verstcherungsanstalt für Gebäude betreffend, hat Ihnen eine Reihe von Functionen in Brandversicherungsangeiegenheiten zugewiesen, bei welchen Sie als Hilssbehörden der Großh. Brandverstcherungskammer in directen amtlichen Verkehr mit dteser Behörde und den derselben unterstellten Brand- verncherungsinspectoren zu treten haben.

Namentlich wird dies bei folgenden dienstlichen Ge- schäften einzutreten haben:

a. Bei Vorlage der Brandversicherungsanträge und der zugehörigen Schätzungsverhandlungen (Art 6 und 8 des Gesetzes vom 28. September 1890),

b. bei Zustellung der Versicherungsurkunden an die Gebäude- eigenthümer (Art. 15),

c. bei Anträgen auf Nachschätzung eines Gebäudes durch den Brandversicherungsinspector (Art. 11) und auf Revision des Versicherungsanschlags von Gebäuden (Art. 19),

Äirchenplatz Nr. 9.

Größtes Lager moderner Kleiderstoffe, Damen- und Kinder-Mäntel, Jaquets, Umhänge und Promenades. 2871

Täglich Eingang von Neuheiten.

(Nachdruck verboten.) Lang, lang ist's her, seit das Kochen erfunden ward und erste Kochtopf auf dem Herde brodelte, so lange schon, wohl Annahmen und Muthmaßungen, aber keine Gewiß- über den eigentlichen .Reitcunfr besteben: nemi6

zuerst gekocht hat, wer den ersten Kochtops benutzte, es mit Gewißheit seststellen?! Nachdem man zuerst Aneinanderreiben von Hölzern dos Feuer erzeugen lernte, folgte ebenfalls aus btm Wege der Beobachtung und des Nachdenkens das Schlagen des Feuers durch Stein, bis endlich das Zeitalter des Phcsphorsunkens onbrach, der heutzutage in jedes Kindes Hand zur Flamme, ja zum vernichtenden Feuer werden kann.

i. bei den Mittheilungen über den Gewerbebetrieb der Gebäude - Eigenthümer, insbesondere zum Zwecke der Tarifirung der gewerblichen Anlagen (Art. 52 u 531 ferner

k. bei den bei der Durchsicht der Feuerversicherungsbücher durch den Gemeinderath sich ergebenden Anständen, I. bei Anzeigen über den Abbruch von Gebäuden.

Sie haben bei Erledigung der Ihnen hiernach auferleg- ten Obliegenhelten den Weisungen der Großh. Brandversiche- rungskammer nachzukommen und sich im schriftlichen Verkehr mit der Großh. Brandversicherungskammer der Berichtsform bei ^zhren Mittheilungen an die Großh. Brandoersicherungs- Znspectoren aber der Form des Schreibens zu bedienen.

Zugleich beauftragen wir Sie, den Inhalt des nach­stehend abgedruckten Art. 68 des Gesetzes auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kennlniß bringen zu laffen.

v. Gagern.

Artikel 68.

Wer für neu errichtete oder in ihren Größenvethält- niffen wesentlich veränderte Gebäude innerhalb der in Ar­tikel 7 vorgeschriebenen Zeit den Versicherungsantrag nicht einreicht, versälll, sosern die Brandverstcherungskammer daraus anträgt, in eine Geldstrafe bis zu zehn Mark.

Dieselbe Strafe trifft unter gleicher Voraussetzung den Gebaudeelgenthümer und beziehungsweise dessen Vertrauens­mann, wenn der Nachweis der vorschriftsmäßigen Verwendung der Entschädigung innerhalb der in Artikel 28 bemerkten Frist nicht erbracht wird.

Feuilleton.

Zur Naturgeschichte des Kochens.

93 ott Clara Reichner.

orte die alten Töpfe an dem alten Platz zu lassen und dann neue beim Betreten des neuen anjufcrttgen, beziehungsweise öon ihren Weibern unfertigen zu lassen, denn und nun rommen wir zu der wichtigsten Eigemhümlichkeit des Koch­topfes der Kochtopf war von Anbeginn so unzertrennlich von der Frau, daß sogar die Töpferei in ihren Händen sich befand, so lange, bis diese zum Handwerk ward. Von dem Augenblicke an, als das Feuer und mit ihm der Herd und mit diesem das Kochen sich nach und nach zu dem eniwickelte, was es heute ist, erhob die Frau sich zur Hüterin der Flamme und in Folge dessen mehr und mehr aus ihrem Zustand der Knechtschaft und Sclaverei.

Denn nicht nur ein Sinnbild ihrer hausfraulichen Würde, nicht nur ein Erretter aus sinsteren Sclavenzeiten ist er ihr geworben er hat sie auch zurHerrin" des Hauses erhoben und ihr das Mittel in die Hand gelegt, nicht nur zur Be« haglichkeit und zum Wohlstände deffelben beantragen, sondern "UH, em Scepter zu halten, mit welchem sie, wenn sie es richtig schwingt, des Hauses Frieden stets zu wahren weiß und manchen drohenden Sturm, der schon im Anzuge, zu beschwichtigen versteht. Ja, in dem kleinsten Kochtopfe steckt oitmals ein gar zauberkräftiges Kräutlein, welchem nicht leicht eine düster gefaltete Männerstirn ernsthaften Widerstand zu leisten vermag/ umgekehrt aber auch kann der Koch­topf einen boshaften Kobold bergen, der Unfrieden und Zwie­tracht säet.

So also ist der Kochtopf nicht nur der beste Freund von jeder Hausfrau, er ist zugleich auch ein Wahrzeichen für Bildungsgang und Bildungsgrad eines Volkes. Wo kein eigentlicher Kochtopf ist, da standen und stehen die Frauen und mit ihnen das ganze Volk noch auf einer sehr geringen Stufe der Clvilisaiion, um nicht richtiger zu sagen: auf gar keiner. DaS Wohl des ganzen Hauses, der Familie, der Gesellschaft und des Staates fängt somit am Herde und beim Kochtopf an, ganz abgesehen davon, daß dort auch der Ur- sprung mancher wichtigen Entdeckung, der Keim zu mancher Kunst und Wissenschaft, der zündende Funke für manchen guten und großen Gedanken zu suchen ist.

Ohne den Kochtopf kein Fortschritt, ohne dessen Hüterin, die Frau, keine Kochkunst, keine Entwickelung, und darum: An ihrem Kochtopf sollt Ihr sie erkennen!

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locale» unö provinzielles.

. 81 April. Der in weiteren Kreisen bekannte

und hochgeschätzte Künstler Bildhauer Anton Scholl hat verflossene Nacht seinem Leben durch Erhängen gewaltsam ein Ende gemacht. Der Dahingeschiedene, der wegen Nahrungs- sorgen freiwillig den Tod gesucht, entstammt einer Mainzer Kunstlerfamilie. Sowohl dessen Vater wie dessen Onkel waren Bildhauer von Ruf Das im Jahre 1862 hier errichtete Schillermonument ist em Werk des Onkels des eben Ver­storbenen. Im Jahre 1839 hier in Mainz geboren, machte

Der itr|eic >eidecr erscheint täglich, Ausnahme des RonkagS.

Die Gießener

werten dem Anzeiger -»chentlich dreimal deigekegl.

Anton Scholl seine Studien an der Berliner Academie, bil­dete sich dann in England, Frankreich und Italien weiter aus und war nach seinen Reisen zuletzt neun Jahre in einem der ersten Pariser Ateliers thätig, bis ihn die Ausweisung in Folge des deutsch-französischen Krieges wieder in seine Vaterstadt zurückführte. Nach Beendigung des Krieges er­richtete sich Scholl hier ein Atelier und erwarb sich alsbald burch feine Kunst allseitig Anerkennung. Von ben zahlreichen Arbeiten, bie von Scholls kunstfertiger Hanb herrühren, sinb allgemeiner bekannt: bie lebensgroße Büste bes Malers Phi- lipp Veit in bem hiesigen Museum, bie figurale Ausstattung ber Fayabe bes Centralbahnhofes hier und bes palastartigen Verwaltungsgebäudes ber Lubwigsbahn, sowie ein Monu­mentalbrunnen, ber auf bem Platz vor bem hiesigen Central- bahnhof zur Aufstellung kommen sollte.

Gießener Anzeiger

Heneral-Z<nz^er.

machen. Jedenfalls ist unzweifelhaft, daß schon die Bor- ganger der Acke,bauer, die Hirten, und vor ihnen bereits die Jager, das Kochen verstanden haben müssen, wenn auch frei- Uch m einer äußerst beschränkten und urwüchsigen Weise <>br ffoditopf bestand zuweilen nur aus der Haut der Tbiere welche tn derselben mit Wasser weich gekocht wurden, und zwar auf eine so sparsame Weise, daß die Knochen gleich- z-mg als Feuerung dienten. Oder es werden die Knochen aus dem Fleische entfernt, Einschnitte in dasselbe gemacht und in diese erhitzte Steine gelegt, darauf alles in die Haut wie 'nJ'n,en S°ck gebunden, ein Knochen zum Straffhalten durch- gesteckt und der Braten so lange aus die glühende Asche ae- Ä 6,6 7jQf fmi3 l'< worauf das Feier zur lichten Flamme geschürt wird, um das äußere Fletsch vollends gar zu braten. Allerdings wird es aus diese Weise so ausgiebig

"mW8 "rbrannt, daß man bie oben SHU beim Verspeisen entfernen muß. Ueberhaupt läßt die Manier, mit Hilfe heißgernachter Steine zu kochen, ver­schiedene Arten zu- man that und thut sie in Gerüche von SQumnnbe ober Holz, ja sogar auch nur in mit Thon aus- SiVtfmü6^ DCrtrf* 9Cn' tUx4 fann man nicht nur bas Fleisch mit ihnen kochen, fonbern auch Getränke bamit er-

mH*3rlanb, roärmte wan im Jahre 1600 ^lüssiii-7^ ' w" Mhenben Steinen, welche man in bie pluiftgfett warf, unb was bie sonstige Feinschmeckerei betrifft, tnrf/L b(,CLelbe n,°4 ,0 ursprünglicher Natur, baß bie Fleisch­stücke etnsach mitsammt den nicht gereinigten Eingeweiden in oUV°4e§ SeU 8etD,tfelt. und so in einem hohlen Baumstamm auf« Feuer gesetzt wurden. Andere Stämme kochten in Ge- ^Mef lMrfCnrinbx Ü6o °ffCn6m &euer' und etwas von all diesen U, formen des Kochtopfes und des Kochens finden

nOd,J7tiUta9n bd verschiedenen Naturvölkern, Jäger Völkern, Wilden. Und je weniger entwickelt Kochgeräth und Kochkunst, desto mangelhafter ist es auch mit Reinlichkeit und twe^M?, ber Kochtopf ist in Wahrheit ein wtch-

tigeS Merkmal der Ctviltsation und seine fortschreitende Ent- e1!i?s"Vchkes^°^ dn ®Ütt 5Bi°9ra>^e und Charactertstik

Wie aber war bie Töpferei in ihren Anfängen beschaffen? Jene ersten Kochtöpfe pflegten Weber gebrannt noch glacirt mJ7n' nU,6b Trtn L° P0tö6' 6a6 bi- Flüssigkeit durchschwitzen mfl6nb:rhÄiferb7 Q«r aud) fo Ui* zerbrechlich, baß bie Wandervölker es z. B. vorzogen, beim Wechsel ihrer Wohn-

F erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck«

\3. 11010 mäSi9 abgefaßt und typographisch ange. 1 V ö mtffen audgeftattet ftnb, ferner die richtige SttK ber geeignetenZeitungen ge«

oiitoi Annonrrn *****- n^b^szuerreich, n, wend« Rndnif w > ,man sich on bie Annoncen-Expedltion Rudolf FIO«GS, Frankfurt a. M., von dieser oirnia werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt sowie Inseraten Entwürfe zur Ansicht g.liefert. Berechnet w.rden ledw- » ko ^lglnal.Zetlenprelse der Zeitung, n unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch B.Nutzung dieses In stilutes neben den sonstigen großen VortheiUn eine Ersparmß an Jn- serationskosten erreicht wird.

Vertreter in «ticsten r Heinrich Wnllach. 746

Inneltn« »on Anzeigen zu der Nachmittags für den Mgenoen Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

ArntlLrhar Cbeil