deutlich die Tendenz, nach Westen nicht weiter vorzurücken. Pfeiffer, vom Institut Professor Kochs, wies die Ueberein- stimmung der bacteriologischen Feststellungen mit den bisherigen Forschungen nach. Virchow erklärte aus Befragen, die Seuche scheine in Hamburg den Höhepunkt überschritten zu haben.
Hamburg, 7. September. Die Cholera ist seit gestern im Vororte Barmbeck in der Nähe des Friedhofs Ohlsdorf stärker aufgetreten. Die für die Nothleidenden veranstalteten Sammlungen haben nahezu eine halbe Million erreicht. Die Helgoländer Schiffer haben unter sich für die Hamburger Nothleidenden 2000 Mark gesammelt.
Hamburg, 7. September. Gegenüber einer Meldung, daß gestern Abend 1300 Leichen unbeerdigt gewesen seien, ist amtlich sestgestellt worden, daß in allen'Leichenhäujern und in beiden Krankenhäusern zusammen nicht über 6 50 unbeerdigte Leichen waren. Davon ist der größere Theil Nachts beerdigt worden.
Hamburg, 7. September. Amtliche Ziffern. Meldungen vom Dienstag: 702 Erkrankungen und 333 Todte, davon 436 Erkrankungen und 179 Sterbefälle als Nachmeldung, es bleiben also für Dienstag 266 Kranke und 154 Todte. Die polizeilicbe Transportmeldung vom Dienstag verzeichnet 224 Erkrankungen und 102 Sterbefälle, eine Abnahme von 98 Kranken und 15 Todten.
Altona, 7. September. Von gestern Mittag bis heute Mittag wurden 18 Erkrankungen und 9 Todesfälle gemeldet.
Bremerhaven, 7. September. Die Behörden hatten die Hafensperre gegen die von Bremen kommenden Schiffe beschlossen. Auf Veranlassung des Bremischen Senats wurde der Beschluß sofort wieder zurückgezogen.
Bamberg, 7. September. Die Einberufung eines Hamburger Hafenzollverwalters als Reservehauptmann hierher wurde aus eine Eingabe hiesiger Einwohner telegraphisch zurückgezogen.
Karlsruhe, 7. September. Die bacteriologische Untersuchung der in Rappenau verstorbenen Person ergab, daß nicht asiatische Cholera vorliegt. Die Verstorbene war bereits länger krank.
Paris, 7. September. Amtlich. Gestern sind an der choleraähnlichen Epidemie in Paris 80 Personen erkrankt und 35 gestorben- in der Bannmeile von Paris 32 erkrankt und 21 gestorben. In Havre sind 27 Personen erkrankt und 7 gestorben.
Localer nnö provinzieller.
Gießen, 8. September 1892.
— Verhaftet wurde gestern ein Dienstmädchen, das einem Metzgerburschen mittels Nachschlüffels aus einem ver- schloffenen Koffer ein Zehnmarkstück und aus einer an der Wand hängenden Hose noch weiteres Geld entwendet hat.
— Uuglücksfall. In Großen-Buseck ist gestern wieder ein junges Menschenleben dem Spielen mit Feuerwaffen zum Opfer gefallen. Zwei Knaben spielten mit einer Pistole, wobei dieselbe losging und der eine Junge so unglücklich getroffen wurde, daß er alsbald verstarb.
— Eine Geueralstabsberathuug in Mainz. General •b. Verdy erzählt in dem soeben erschienenen fünften Bande von „Moltkes Denkwürdigkeiten" Folgendes: Unter sehr komischen Verhältnissen sand einer der ersten Vorträge während des Krieges von 1870 statt. Es war in der Nacht vom 6. zum 7. August zu Mainz, als ein Flügeladjutant einen der Abtheilungschefs weckte und ihm ein soeben eingegangenes Telegramm des Kronprinzen reichte, das Seine Majestät erhalten hatte, dessen Inhalt aber nicht recht verständlich war. (Es war die zuerst angekommene zweite Hälfte des Telegramms über die Schlacht von Wörth.) Der Betreffende sprang auf und setzte sich an den Tisch, wo die Karten aufgelegt waren, nur im Nachthemde und Pantoffeln. Das Gespräch hatte den im Nebenzimmer schlafenden zweiten Chef geweckt, er trat in demselben Costüm in das Zimmer herein. Beide erkannten die Wichtigkeit der Nachricht trotz ihrer Verstümmelung und beschlossen, dem General-Quartier- meister hiervon Kenntniß zu geben. Jeder nahm ein Licht in die eine, die Landkarten in die andere Hand und so ging es zu dem eine Treppe höher wohnenden General von Podbielski. Die dabei geführte Unterhaltung weckte den dritten Ches, sowie einen der Adjutanten und, irre ich mich nicht, auch den Bureauchef, und nun begab sich die ganze Karawane zum alten Moltke, Alle in demselben vorhin beschriebenen Costüm, ein jeder mit einem Licht und Karten versehen. Als wir in das Schlafzimmer des Generals eintraten, war der Anblick, den wir dem General bereiteten, gewiß sehr eigentümlich, und während er uns, stumm sich im Bett erhebend, betrachtete, wußte er wohl zunächst nickt, ob er wache oder träume. Aber auch für die Eingetretenen war die lange, hagere Gestalt des sich erhebenden Herrn im Nachtgewande um so mehr eine gespensterhaste Erscheinung, als wir ihn zum ersten Male ohne Perrücke sahen und der Helle Mondschein sich gerade in diesem Augenblick auf das claffisch geformte Haupt zu concentriren schien. In dieser Lage und in diesem Costüm wurde demnächst der erste Vortrag gehalten.
- An die Geschäftsstelle des Oberhefs. Obstbauvereins zu Hnedverg lief folgendes Schreiben ein: „Zu meinem Erstaunen, aber auch zum größten Aerger habe ich gehört, daß hier unten in der Wetterau schon Aepfelverkäufe mit Lieferung vom 15.-20. September abgeschlossen sind. Bei der ver- spateten Blüthe, dem kalten Wetter im Juni theilw. Juli sind die Aepsel noch sehr weit zurück. Es ist eine Schande, das chone Obst so unreif herunterzureißen. Erheben Sie doch schon im nächsten Oberh. Anzeiger einen ernsten Protest und veranlassen Sie ein behördliches Einschreiten gegen diese Paumschändcr." Leider liegt es nicht in der Macht der Behörden, dem entgegen zu treten. Es wird ja seitens der Krelsamter und auch mancher Bürgermeistereien bekannt
i gegeben, daß empfohlen würde, das Obst nicht vor einem i bestimmten Termin abzumachen, aber zu seinem Vortheile j zwingen kann man Niemanden. Wer so wenig Verständniß für seine Bäume hat, mag sie zur Strafe frühzeitig zu Grunde gehen oder an Ertragsfähigkeit von Jahr zu Jahr mehr abnehmen sehen. Auch an dieser Stelle sei wieder aus die Obstmärkte hingewiesen, die Ende September in Butzbach, Friedberg und Vilbel stattsinden werden.
Nidda, 7. September. Vom 6. bis 9. October d. Js. findet hier in den Räumen der Brauerei „zum Gambrinus" eine Obstausstellung statt, zu welcher nur die Mitglieder der Kreise Büdingen und Schotten Ausstellungsgegenstände einsenden können. Dieselbe wird am Donnerstag den 6. Oc- tober, Vormittags 11 Uhr, feierlich eröffnet und am Sonntag den 9. October, Abends 6 Uhr, mit feierlicher Preise- und Diplom-Vertheilung geschlossen. Als Programm für die Ausstellung sind folgende Preisausgaben gestellt: 1) Schöne, gut cultivirte Früchte. Ä. Aepsel. 1. Früchte vom Hochstamm: a) Tafel und Wirthschaftsobst: a. 6 Stück Winter-Gold-Parmänen, b. 6 Stück große Casseler Reinetten, c. 6 Stück graue französische Reinetten, d. 6 Stück Canada- Reinetten, e. 6 Stück Baumanns Reinetten, f. 6 Stück Parkers Reinetten, g. 6 Stück rother Eiserapfel, h. 6 Stück Danziger Kantapfel, i. 6 Stück Früchte einer anderen Sorte- b) Wirthschaftsobst: a. 6 Stück Schassnase, b. 6 Stück großer Bohnapfel, c. 6 Stück brauner Matapsel, d. 6 Stück geflammter Cardinal, e. 6 Stück einer anderen Wirthschafts- frucht. 2) Früchte vom Zwergstamm: 6 Stück Aepsel einer Sorte. B. Birnen vom Hoch- oder Zwergstamm: a. sechs Früchte einer Herbst-Taselbirne, b. 6 Früchte einer frühen Wittter-Tafelbirne, c. 6 Früchte einer späten Winter Tafelbirne, d. 6 Früchte einer Wirthschastsbirne (vom Hochstamm). 0. Weintrauben: Ein großer Teller einer Traubensorte. D. Andere Obstsorten: Steinobst, Speierlinge, Mispeln, Quitten, Nüsse, Haselnüsse. 2) Obst-Sortimente: a. ein Sortiment von 12 werthvollen Apfelsorten in je drei Früchten, b. ein Sortiment von 12 werthvollen Birnensorten in je drei Früchten, c. ein systematisch geordnetes Apfel- und . Birnensortiment von beliebiger Sortenzahl, d. ein Sortiment Weintrauben. 3) Producte der O bstverwerthung. a) Aepselweine: a. zum Verkauf, b. zum eigenen Gebrauche hergestellt - b) Aepfelschaumweine- c) Beerenweine: a. Tischweine : 1. von Verkaussfirmen, 2. von Privaten, b. Likörweine: 1. von Verkaufsfirmen, 2. von Privaten; d) Trauben- hjeine, s) Fruchtsäste, f) Obsthonig, g) Obstbranntweine. 4) Obstbäume: a. Hochstämme, b. für Zwergbäume. 5) Geräthe: a. für Obstbaumpflege, b. für Obst- verwerthung.
K. Ober Mockstadt, 5. September. Ein fast noch nie gehörter Gaunerstreich ist heute dahier an einem zwölfjährigen Knaben verübt worden. Derselbe hütete nämlich in der Nähe des Waldes die Kühe- plötzlich kamen zwei Männer, nach der Beschreibung des Knaben herumziehende Korbmacher, aus dem Walde, stopften ihm ein Tuch in den Mund und zogen ihm die Kleider aus. Nachdem sie dieselben an sich genommen, verschwanden sie wieder im Walde. Der Knabe kam so erschreckt nach Hause, daß er kaum den Hergang erzählen konnte. Der Polizei ist es gelungen, einen von den Thätern zu verhaften.
A Mainz, 7. September. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wurde heute ein kaum 20 Jahre alter Postgehilse Carl Valentin Windecker aus Friedberg, der Sohn einer sehr achtbaren Familie, wegen Unterschlagung von Werthbriefen in der Höhe von 13000 Mk. zu einer Gefängnißstrase von 18 Monaten verurtheilt. Der leichtsinnige junge Mensch hatte die Unterschlagung auf dem Wege bethätigt, daß er Einschreibebriefe, in denen sich Geld vermuihen ließ, bei Seite schaffte und gewöhnliche Briefe mit dem Vermerk „Eingeschrieben" versah, wodurch er im Stande war, die richtige Zahl der eingeschriebenen Briefe weitergehen zu lassen. Diese betrügerische Manipulation betrieb Windecker über einen Monat und nur seine verschwenderische Lebensweise — in wenigen Tagen vergeudete er mit zwei Chansonetten 1700 Mk. — führte zu seiner Ueberführuug.
* Vermischte-.
* Frankfurt a. M., 7. Sept. Die Musikcapelle des Pionierbataillons Nr. 15 (Straßburg), dw in der Gegend von Hamburg bei den Manövern spielte, kam heute Mittag 1 Uhr 44 Min. über Berlin hier an, durfte jedoch nicht aussteigen. Der durchgehende Wagen, in dem sich die Capelle befand, wurde laut Verfügung der hiesigen Polizei unterhalb der Commandobrücke ausgesetzt und dann dem Schnellzuge, der um 4 Uhr 40 Min. über Darmstadt nach Straßburg (ihrem Garnisonsorte) abgelasseu wird, angehängt.
Aus Cuxhaven wurde kürzlich berichtet, daß ein norwegischer Capitän sich mit seiner Braut an Bord eines Seeschleppers außerhalb des letzten Feuerschiffes auf offener <See trauen ließ. Das Glück des jungen Paares ist ein sehr kurzes gewesen. Der Capitän nahm seine junge tfraii an Bord seines Schiffes, das augenblicklich in Stülchens Dock in Hamburg liegt, dort ist die junge Frau am letzten Freitag an der Cholera gestorben.
* Heber die Religiousverhältnisse im Deutschen Reiche, inie sie sich nach der Volkszählung von 1890 herausgestellt haben, werden jetzt die amtlichen Ziffern veröffentlicht. Wir fügen im Klammern die betreffenden Ziffern nach der Volkszählung von 1885 zum Vergleiche hinzu: Evangelische (Lutheraner, Reformirte, Unirte) 31 026 810 (29 369 847) Katholische (Römisch - Katholische und Griechisch - Katholische) 17 647 921 (16 785 834), andere Christen 145 540 (125 673) Israeliten 567 884 (563 172), Bekenner anderer Religionen und Personen unbekannter Religion 13315 (11 278). Im Einzelnen zählen die verschiedenen anderen christlichen Bekenntnisse folgende Bekenner: die Brüdergemeinde (Herren- huter) 6716, die Menoniten 22 365, die Baptisten 29 074 die englische und schottische Hochkirche 5249, die Methodisten
und Quäker 10 144, Apostolische 27 751 , Deutsch-Katho. lische 5715, Freireligiöse 14 347 , Dissidenten 13 698, Sonstige 6482.
* Das Modell des Reichstagsgebäudes, welches vom Cultusministerium für die Weltausstellung in Chicago bestimmt ist, wird augenblicklich unter Leitung des Bauraths Wallot zusammengestellt. Die einzelnen Theile werden zunächst in Wachs modellirt und dann in Gips gegossen. Das Größenverhältniß ist 1:25. Am 1. Februar n. I. soll das Modell in allen seinen Theilen fertiggestellt sein und dann nach Chicago gesandt werden.
* Höchst, 3. September. Einen theueren Spaß hat sich ein früher hier wohnhaft gewesener Herr gestattet. Derselbe hat an seinem neuen Aufenthaltsorte einen Bekannten- frei§ um sich, in welchem alle möglichen Thiernamen (Hirsch, Bär, Ochs, Fuchs, Löb ?c.) vertreten sind. Nun erinnerte er sich eines früheren Bekannten, der den Namen eines afrikanischen Vogels trägt- er ersuchte diesen brieflich, doch zu ihm zu kommen und stellte ihn, als er dort angekommen war, seinen Freunden mit dem Bemerken vor, daß der zoologische Garten jetzt complet sei. Weiter wollte er mit dem Zugereisten nichts. Der aber, ein Handelsmann seines Zeichens, steckte den Kopf nicht in den Sand, sondern machte einen Mordspectakel und verlangte für seine zweitägige Reise in den zoologischen Garten von dem Spaßvogel eine Gebühr von 100 Mk., die ihm nach Lage der Sache auch ganz oder doch theilweise — eventuell vom Gericht — zugesprochen werden dürfte.
* Kassel, 7. Sept. Im Dors Ulfen ist in letzter dcacht ein Wohnhaus mit Scheuer abgebrannt, wobei drei Personen in den Flammen umkamen.
* Das Eis als Heilmittel und als Handelsartikel. Wir lesen in der Deutschen Fleischer-Zeitung: Am Sonntag, gegen 6 Uhr Abends, kam zu einem Berliner Schlächtermeister ein Herr, welcher flehentlichst bat, ihm doch einen Eimer Eis — zu schenken, da der Verkauf dieses Artikels an Sonntagen ja gesetzlich verboten sei. Nachmittags um 4 Uhr waren der Frau des betreffenden Herrn wegen hochgradigen Fiebers Eisumschläge verordnet worden. Heber zwei Stunden war das Dienstmädchen umhergeirrt, ohne ein Stück Eis auftreiben zu können. Die Fleischerläden waren meist geschloffen, auf Anklopfen wurde nicht geöffnet- in den Restaurationen wurde die Antwort gegeben: Es darf der Sonntagsruhe wegen nicht verkauft werden. Endlich machte sich der Gatte in seiner Herzensangst — das Fieber war inzwischen bei der Kranken schon über ein Grad höher gestiegen — auf, um, wenn nicht Eis zu kaufen, Eis zu betteln. Er hatte das Glück, bei einem Schlächtermeister das Eis zu erhalten mit der Zusicherung, wenn nöthig, am Abend um 10 Uhr nochmals ein gleiches Quantum holen lassen zu können. Es beweist )ieser Fall aber die dringende Notwendigkeit, daß die Apotheken angewiesen werden, „Eis als Heilmittel" feilzuhalten. Das Gesetz über die Sonntagsruhe kann unmöglich im Gefolge haben, daß Fieberkranke oder Personen, welche das Unglück haben, Sonntags den Fuß oder Arm zu brechen, — weil eben Sonntag ist — zu Grunde gehen, weil im Interesse der Sonntagsruhe kein Eis verkauft werden darf.
* Zum Capitel des Aberglaubens. Eine besorgte Mutter, welche in Salz wedel lebt und ihr Kind zum ersten Male in die Welt hinausschickte, hatte es mit allen möglichen Raih- schlägen für die Großstadt Berlin versehen. Das Wichtigste aber glaubte sie vergessen zu haben und holte es durch einen Bries nach. Sie schreibt aus Salzwedel wörtlich: „Liebe Tochter! Was ich noch vergessen habe, will ich Dir noch schreiben, wenn Du morgen im neuen Dienst antrittst, wenn Du in die Stube oder Treppe, was die Herrschaft bewohnt,
aber gleich zuerst, wenn Du hineingehst: klopfst Du mit den
Fußspitzen dreimal stillschweigend an die Schwelle der Thür oder unten an die Treppe und sagst stillschweigend zu Dir:
„Ick de Wulf un Du dat Lamm" (ich der Wolf und Du
das Lamm). Herzlichen Gruß von Deine Dich liebende Mutter, ich wünsche Dir viel Glück Deine Mutter." — Die gute Fran und brave Mutter ist sicherlich der festen Heben Zeugung, daß die Zauberformel ihrer Tochter eine unwiderstehliche Gewalt über die Herrschaft verleihen werde.
* Es gibt immer noch Jubiläen, die nicht gefeiert werden. Daß zugleich mit der vierten Jahrhundertfeier der Entdeckung Amerikas auch die Jahrhundertfeier der Entdeckung der Cigarre veranstaltet werden müsse, daran haben merkwürdiger Weise nicht einmal die leidenschaftlichsten Rancher gedacht. In Cuba sah Columbus die ersten Cigarren, in seinem Tage- buche berichtet er darüber Folgendes: Zwei meiner Freunde trafen viele Indianer-Männer und Frauen mit einer kleinen ungezündeten Wurzel im Munde, die von einer Art Kraut herrührt, das die Indianer Tabak nennen; die Indianer atfjmen ihren Sitten gemäß den Duft dieser Wurzel ein. Nach Europa wurden die ersten Tabakpflanzen erst im Jahre 1560 gebracht, und zwar durch Nicot, der mit seinen im* portirten Glimmstengeln durch die Straßen von Lissabon spazirte und gewaltiges Aussehen erregte. Immerhin aber bleibt dem Entdecker Amerikas das Verdienst, auch Entdecker der „angezündeten Wurzeln" zu sein. Vielleicht lassen sich einige der zahlreichen Rauchclubs durch diese Zeilen bestimmen, noch in elfter Stunde eine würdige Feier zur Erinnerung an die Entdeckung der Cigarre zu veranstalten.
* Folgenden „Roman ans dem Leben" erzählt das //Bert. Tagebl." „Meine Schwester hatte beschlossen, die diesjährigen Sommerferien an der See zu verleben, und zwar war ihr R. vorgeschlagen und S. auf diesem von ihr gewählt worden. Durch Vermittelung des dortigen Bade- commissars fand sie bei ihrer Ankunft eine Wohnung bereit und war in Anbetracht des mäßigen Preises freudig überrascht, ein allerliebst gelegenes, freundliches, kleines villenartiges Haus mit Veranda als ihr Ferien-Heim ansehen zu dürfen. Bon einer hohen schlanken Frauengestalt empfangen und in ihr Stübchen geleitet, fühlte meine Schwester sich sofort heimisch in demselben und um so mehr, als alle die vielfachen Kleinigkeiten nicht fehlten, die eine Dame in ihrem


