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Nr. 183
TikUstag den 9. August
1892
»erden dem Anzeiger
Keneral-Unzeiger.
«Hchentlich dreimal beigdegt
K Gießener Anzeig er
DierteljLhriger ASanneme«ts,retF l 2 Mark 20 Pjg. wtt Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren.
üanab m t von Anzeigen zu der Nachmittags für den z£r z • fi • QCrtttTtTtOtt*Df Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm«
senden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 übt, ^LUUSVKUUlJt:. ^fUUUUtHWlUUtU Anzeigen für den .Gießener Anzeige^ entgegen.
Anrtlicliev Theil.
Bekanntmachung, betr. Bildung einer öffentlichen Waffergenossenschaft zur Ent- rväfferung von Grundstücken der Fluren I, VIII und IX der Gemarkung Steinheim.
Nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 28. v. M. zu Nr. M. I. 21079 dem Statut der rubr. Waffergenoffenschaft die Genehmigung er- theilt hat, wird in Gemäßheit des Art. 38 des Gesetzes vom SO. Juli 1887 nachstehender Auszug aus demselben unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Statut mit seiner Verkündigung in Kraft tritt:
1. Name der Genoffenschaft: Röthfeld-Genoffenschaft Steinheim.
2. Sitz derselben: Steinheim.
3. Geaenstand des Unternehmens: Entwässerung von Grundstücken in den Fluren I, VIII und IX der Gemarkung Steinheim.
4. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekanntmachungen werden unter der Bezeichnung „Röthfeld-Genossen- schäft Steinheim" im Kreisblatt für den Kreis Gießen bekannt gemacht und vom Vorsteher unterzeichnet.
Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl des (He- uossenschaftsvorstandes auf Mittwoch, 24. August l. I., Vormittags 11 Uhr, in das Gemeindehaus zu Steinheim anberaumt und zu demselben die Generalversammlung der Genossenschaftsmitglieder hierdurch einberufen.
Gießen, den 6. August 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend die Maul und Klauenseuche.
Nachdem in verschiedenen Gemeinden des Kreises die < Maul- und Klauenseuche wieder ausgebrochen ist, sehen wir uns veranlaßt, Folgendes zu bestimmen:
I. Die Seuchensreiheit aller auf Viehmärkte aufgetriebenen Thiere muß durch entsprechende Gesundheitszeugnisse nachgewiesen werden.
II. Diese Gesundheitszeugnisse müssen ausgestellt sein:
1) Für Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemarkungen stammen, in welchen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen oder aber noch nicht einen Monat lang gänzlich erloschen ist, von einem hierzu ermächtigten Thierarzt.
2) Für Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemarkungen stammen, in welchen ein zur Ausstellung von Zeugnissen ermächtigter Thierarzt seinen Wohnsitz hat, von einem hierzu ermächtigten Thierarzt.
Gießen, den 6. August 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Donnerstag den 25. August 1892 auf dem Viehmarktsplatze in der Nähe des Wagner'schen Gartens zu Grünberg eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisvertheilung, veranstalten, für welche die nachstehenden Bestimmungen getroffen sind:
I. Bezüglich der von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Verfügung gestellten 550 Jt ;
1. An der Ausstellung können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, betheiligen.
2. Sämmtliche aufzustellende Thiere sind bis Morgens 8 Uhr auf dem Viehmarktplatze zu Grünberg aufzu- zutreiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen.Ständen aufzustellen.
Nur preiswürdige Thiere werden prämiirt und zwar: a. Bullen im Alter von 1—21 /? Jahren, b. Rinder, welche sichtbar trächtig und c. Kühe, die sichtbar trächtig sind oder frisch gekalbt haben.
3. Diese Thiere müssen selbstgezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der Preisvertheilung erworben sein und
4. folgenden Rassen angehören:
a. der reinen Vogelsberger Rasse: Mutterthiere, welche eine hellere Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiin,
b. der Simmenthaler Raffe und zwar dürfen
aa. Bullen nur der reinen Simmenthaler Rasse angehören,
bb. dagegen können Mutterthiere auch dann prämiirt werden, wenn solche wenigstens ausgesprochen des Simmenthaler Typus sind.
5. Unter solchen gleichen Verhältnissen erhalten selb st - gezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug.
6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Raffe ist urkundlich nachzuweisen, daß solche entweder direct aus dem
Simmenthal eingeführt worden sind oder daß dieselben aus einer Reinzucht stammen.
7. An Preisen werden aus Vereinsmitteln gewährt:
1. für den schönsten Bullen, Simmenth. Rasse 45 JL
2. „ „ „ „ Vogelsberger „. 45 „
3. ein Preis ä 40
4- „ „ a 30 "
5. zwei Preise ä 25 v4t. 50 „
6» n ff a 20 „ 40 „
zusammen 8 Preise 250 je.
8. Für Rinder und Kühe:
1. zwei Preise ä 35 <M. 70 at
2* ff « a 30 „ 60 „
3- ,, „ ä. 25 „ 50 „
4* h „ a 20 „ 40
5- „ „ a 15 „ 30 „
6. fünf „ ä 10 „ 50 „
zusammen 15 Preise — 300
II. Bezüglich von der Sparkasse und der von der Stadt Grünberg zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Disposition etwa gestellt werdenden Mittel, von der Stadt Grünberg 100 JC. und von der Sparkasse 160 JL gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von preiswürdigem Vieh mit Prämien bedacht werden.
III. Es bleibt dem Ermessen der Prämiirungs-Commission überlassen, die bestimmten Preise innerhalb des Gesammt- betrages je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen.
Gießen, den 6. August 1892.
Der Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Feuilleton.
Erwins.
Novelle von E. Fahrow.
(2. Fortsetzung.)
Aber so oft sie auch rastete, sie suhlte doch zuletzt ihre Grafte schwinden und die Kniee brachen ihr ein. Selbst nun erdfahl von der übermäßigen Anstrengung, die Locken aus ihrer Stirn von rinnenden Tropfen festgeklebt, keuchend und mit umflortem Blick tastete sie sich weiter. Aber sie mußte den Weg verfehlt haben. Der Knabe in ihrem Arm hatte längst die Augen wieder aufgeschlagen und bat stets von Reuem:
„Bitte, lassen Sie mich doch hier nieder, ich bin ja viel zu schwer," — sie lächelte nur schwach und schleppte sich weiter.
Endlich legte sie noch einmal ihre Bürde in das spärliche Kraut am Boden und ries, ihre tiefe Stimme zu vollem Klange erhebend, durch die hohle Hand weithin:
„Ahoi!"
Der hallende Ton mußte weit gehört werden, und, ihren jagenden Athem zu erneutem Halt zwingend, wiederholte sie ihn zwei-, dreimal. Nichts regte sich indessen und trotz des rührenden Widerspruchs des Knaben nahm sie ihn wiederum auf und machte einige Schritte.
In diesem Augenblicke hörte sie seitwärts aus einem Nadelgehölz eine antwortende Stimme.
„Hierher!" rief sie.
war die höchste Zeit. In dem Augenblicke, als der Rufende aus den Stämmen hervortrat, brach sie in die Knie, und mit letzter Kraft den Knaben niederlassend, sank sie nun bewußtlos zusammen.
„Papa, ach Papa," rief der Knabe, „hilf ihr doch, sieh nur die arme Dame, — ach, ich war ihr doch zu schwer."
Der Mann aber stand wie erstarrt vor der Ohnmächtigen und bemerkte nicht einmal die Wunden des Kleinen. <5r wurde plötzlich so bleich, daß das erschrockene Kind scheu
von dem einen zum anderen sah und nicht mehr weiterzureden wagte.
„Erwina!" sagte der Fremde.
Und als habe der Name seine Starrheit gelöst, fiel er nun neben seinem Knaben auf die Kniee nieder, ihn liebkosend und mit unzähligen Fragen bestürmend, während seine Augen unablässig an Erwina hingen. Plötzlich besann er sich und eilte zu einer nahe vorüberrieselnden Quelle. Dann der Ohnmächtigen Stirn und Schläfe netzend, lauschte er halb der Erzählung des Knaben, halb auf die Athemzüge der Bewußtlosen.
„Um meines Knaben willen - — sonderbar!" flüsterte er, und küßte die Hand, welche schlaff auf dem felsigen Böden lag.
Erwinas kräftige Natur indessen half sich bald wieder selbst. Sie schlug die Augen auf und blickte, im ersten Augenblicke völlig verwirrt, um sich. Den Blick des Fremden treffend, öffneten sich ihre Augen weit, wie erschrocken, und ein ungläubiges Erstaunen malte sich darin. Sein ergrautes Haar und danp wieder seine Züge betrachtend, überzog langsam eine tiefe Röthe ihr Gesicht und sie streckte die Hände aus:
„Reinhard?"
//Ja," sagte er und küßte ihre Hand. „Es ist Reinhard. Nun hat es der Himmel doch gewollt, daß wir uns begegnen, so sehr ich mich auch bemüht hatte —"
„Papa," unterbrach ihn das Kind, „können wir nicht nach Hause? Mein Fuß thut so weh."
Erwina war heftig zusammengefahren, aber sie verbarg ihr Erschrecken geschwind, indem sie auf die Füße sprang und ihre Kräfte versuchte — ja, eö ging, sie konnte schon gehen.
Sein Kind! So waren ihre dämmernden Ahnungen eingetroffen. Endlich gefunden, mußte sie den Geliebten wieder ziehen lassen, — ach, Weib und Kind sind noch stärkere Wälle als Fels und Meer. Unübersteiglich stellen sich zwischen sie und ihn diese neuen lebendigen Hindernisse und zertrümmerten ihren Muth, daß er in Scherben ging wie ihre Träume.
Ach, daß ihr nicht das Herz brach! Daß es solch unerträglich grausame Stunden geben konnte!
Erwina kämpfte mit aller Macht gegen den Sturm ihrer Gefühle an und der starke Wille, den gerade eine Frau bei solchen Katastrophen innerlichster Art entwickeln kann, half ihr sich beherrschen- in ihrem schönen, blassen Angesicht war nichts von der tobenden Qual in ihrem Herzen zu lesen und schweigend schritt sie neben Reinhard her.
Dieser, wegekundig, aber selbst mit dem verstauchten Fuße etwas lahm gehend, erreichte bald den glatten Weg, der nun in wenigen Minuten in das Dorf mündete.
„Da wir nun einmal hier zusammengeführt sind," sprach Reinhard mit einem Versuch zu scherzen, „so wird Ihnen auch nichts übrig bleiben, gnädige Frau, als mit uns unter einem Dache zu bleiben. Es ist nur dies eine Gasthaus im Ort, gestatten Sie also, daß ich Sie hier willkommen heiße, — mein Sohn sowohl wie ich können Ihnen leider nur als hinkende Boten der Gastfreundschaft erscheinen, aber ein Schelm gibt mehr als er hat."
So sprechend und mit seinem liebenswürdigen Lächeln über dem Gesicht, öffnete er die Thür des hölzernen Häuschens und ließ Erwina eintreten.
„Besten Dank," sagte sie, auf feinen burlesken Ton ein- gehend, „da alle Gleichnisse hinken sollen, thun Sie ja nur recht, wenn Sie dieses erste Erforderniß erfüllen. Zunächst wollen wir aber doch Ihrem — dem Kleinen hier den Fuß untersuchen- so bitte, legen Sie ihn auf das Sopha, ich werde versuchen, ihm den Schuh auszuziehen."
Die Verletzung des Knaben war unbedeutend- eine Sehnenverrenkung schmerzhafter Art, aber fein Knochenbruch. Als nach zwei Stunden ein Arzt erschien, gab er die beruhigendste Auskunft- nur daß unter acht Tagen an kein Weiterreisen zu denken sei.
„Ich will ja gar nicht weiter reisen," sagte Reinhard. „Hier in diesem Gasthäuschen bringe ich jedes Jahr einen Theil meiner Ferien zu- wenn mein armer Junge weiter nichts braucht als Ruhe, die kann er hier vollauf genießen."
(Fortsetzung folgt.)


