Ausgabe 
8.7.1892
 
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Mr. 156

Freitag den 8. Juli

1892

Der {frifjtetr erlAemt täglich, mir Ausnahme bei Montag».

Die Gießmer

erben dem A«t"ger Wöchentlich brtieal britdegL

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

vierteljähriger Köi»«ne«e»LspreiO i 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chntstrateAr.F. Fernsprecher 51.

Amts- und Zlnzeigeblutt für den "Kreis Gieren.

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®ene6mt 80" dlnzeige« zu der Nachmittags für den (Arflf Mt «naoncen-vureanx des In. uub Lllslandes nehm«

folgenden Tag erscheinenden Nummer dis Bonn. 10 Uhr. ^UUl&UtlUigC. ^amUienUlUUCi; »,z.igen für den .Gießener Anzeiger- entgegen.

Aintlichev Lhcil.

Bekanntmachung,

6etr. die Maul- und Klauenseuche unter den Schafherden zu Watzenborn-Steinberg.

Nachdem die unter den Schafherden zu Watzenborn- Steinberg ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche er­loschen ist, haben wir die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.

Gießen, den 5. Juli 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, am 6. Juli 1892.

Betreffend" Die Ausführung der Novelle zum Kranken- versicherungsgesetz, hier die Feststellung und periodische Veröffentlichung der ortsüblichen Tagelöhne. . , .

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

sm die Grptzh. Bürgermeistereien de» «reife».

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 31. Mai 1892 noch nickt entsprochen haben, werden an Er­ledigung derselben hierdurch erinnert.

v. Gagern.

Gießen, am 5. Juli 1892.

Bet reff knd: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.

Das Grotzherzogllche Krelsam Gießen an die Großherzsglichen Bürgermeistereien Mendorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf Gill, Eberstadl, Grotzen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Ach, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Roberts.

hausen, Rodheim, Steinhrim, Trais-Horloff und Utphe-

Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August .1880 Anzeiger Nr. 201 vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der SpalteBemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergeffen ist.

v. Gagern.

Tabelle

über die in der Gemeinde........vom .... 18 . .

bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere.

Namen

der

Besitzer

Der kreptrten ober getödteten Thiere

Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thier­arzt feftgestellt ist, so­wie über die Art der Beseitigung der- daver.

Gießen, am 6. Juli 1892. Betreffend: Die Ausführung des Jnvaliditäts. und Alters- versicherungsgefetzes.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien de» «reise».

(X Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 4. Juni 1892 noch nicht nachgekommen sind, wollen derselben baldigst entsprechen.

v. Gagern.

Lehrkl-Conferenz

des Konferenz-Bezirks Gietzen.

Mittwoch den 13. Juli, Vormittags 10 Uhr, in Gießen (Lieder 65, 142, 185);

des Conferenz-Bezirks «ichHungen

Donnerstag den 14. Juli, Vormittags 9 Uhr, in Hungen (Lieder 63, 95, 98);'.

des Conferenz-Bezirks Grünberg

Montag den 18. Juli, Vormittags 10 Uhr> in Grünberg (Lieder 33, 138, 190). '

Gießen, den 6. Juli 1892.

Büchner, Schulrath.

Deutsche- Reich.

Berlin, 6. Juli. Die kurzen Meldungen, welche über die Fahrt unseres Kaisers entlang der norwegischen Küste eingehen, lassen erkennen, daß diese Seereise des hohen Herrn bis jetzt ohne irgendwelche Zwischenfälle verlaufen ist. Einen etwas längeren Aufenthalt unterwegs hatte der Kaiser nur in Drontheim genommen, wo derKaiseradler" und der Siegfried" vom Montag Abend bis zum Dienstag Vormittag 12 Uhr verweilten. Alsdann setzten die kaiserlichen Schiffe die Weitersahrt nach Bodö, der am Saltenfjord malerisch ge­legenen Hauptstadt des Amtes Nordland, fort.

Die Berliner Meltaus st ellungss rage ist durch die drohende französische Concurrenz acut geworden, ein Stadium, welches endlich das ernstliche Eingreifen der Berliner leitenden Kreise erfordert. Dasselbe macht sich denn auch nunmehr bemerklich, zunächst durch das Ersuchen des Reichskanzlers Grasen Caprivi an die verbündeten Regierungen, zu dem Plane einer in Berlin zu veranstaltenden Weltaus­stellung amtlich Stellung nehmen zu wollen. Außerdem fand am Dienstag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums unter Theilnahme des Reichskanzlers statt, die sich auf die Ausstellungsfrage bezogen haben soll. 'Es ist zu wünschen, daß die Gutachten der einzelnen Bundesregierungen über das Project so baltz_. ri * Berliner Zentralstelle

eingehen, damit die Reichsregiermig auf Grund derselben alsdann sofort ihre weiteren Entschließungen fassen kann. Berliner Blätter rathen bereits zur Einberufung des Reichs­tages zu einer außerordentlichen Session in Sachen der Welt­ausstellung, indessen erscheint es noch fraglich, ob eine Mit­wirkung des Reichsparlaments in der Sache so unbedingt geboten wäre.

Die Bismarckfehde scheint wider alles Erwarten doch ihren Fortgang nehmen zu wollen. Durch sein Organ, dieHamb. Nachr.", antwortet der Altreichskanzler von Kissingen aus aus die wider ihn gerichteten scharfen Artikel derNordd. Allg. Ztg.", obwohl er hinsichtlich derselben zuerst gesagt haben soll:Dor lach' ick öwer!" (Darüber lache ich!") Indessen dürfte die Form dieser jüngsten Veröffent­lichung in dem Hamburger Blatte gegen jdieNorddeutsche" schwerlich vom Fürsten Bismarck selbst herrühren, derselbe wird vielmehr nur die Gedanken geliefert haben, deren Aus­arbeitung und äußerliche Gestaltung dann der Redaction der Hamb. Nachr." überlassen blieb. Der Antwortartikel der Hamb. Nachr." ist ebenfalls ungemein scharf gehalten und eine Replik derNordd. Allg. Ztg." hierauf steht darum mit ziemlicher Gewißheit zu erwarten. Daß man in den Kreisen aller wahren Vaterlandssreunde den Fortgang dieses ganzen Streites aufs Tiefste bedauert, braucht wohl nicht besonders betont zu werden.

Ueber die Ursachen der überraschenden Versetzung des deutschen Botschafters bei der Pforte, Herrn v. Rado- witz nach Madrid tauchen immer neue Vermuthungen auf. So wird fetzt behauptet, die Versetzung des genannten hervor­ragenden Diplomaten vom goldenen, Horn nach der spanischen Hauptstadt besitze gar kein? besondere politische Bedeutung. Die Maßregel sei vielmehr aut den Umstand zurückzuführen, daß für Diplomaten der Aufenthalt in Madrid weit billiger sei, als in Konstantinopel, Herr v. Radowitz verfüge aber über kein Privatvermögen und mit seinem Gehalt von 120 000 Mark allein habe er das Deutsche Reich nach außen hin nicht würdig genug in dem theueren Konstantinopel ver­treten können. Ob diese Version zutrifft, muß noch dahin gestellt bleiben, Thalsache ist indessen, daß der Nachfolger Herrn v. Radowitz' auf dem Stambuler Botschafterposten, Fürst Radolin, ein sehr großes Vermögen besitzt und darum das Deutsche Reich am Hose des Sultan allerdings weit glänzender repräsentiren könnte, als dies Herr v. Radowitz vermochte. Uebrigens .wird auch noch aus einem anderen diplomatischen Posten Deutschlands eine Veränderung ange- uudigt. Der Botschafter in Wien, Prinz Reuß, soll wegen eines vorgerückten Alters beabsichtigen, ins Privatleben zurück­zutreten.

Berlin, 5. Juli. Nach der dem Bundesrathe unter­breiteten Uebersicht der Ergebnisse des H e er es - Erg än- z/lngsgeschafts für das Jahr 1891 ist Folgendes feft- gestellt: In den alphabetischen und Restantenlisten werden geführt: 1,421,559 Mann. Davon sind als unermittelt in I

den Restantenlisten geführt 43,144; ohne Entschuldigung aus­geblieben 108,553; anderwärts gestellungspflichtig geworden 359,313; zurückgestellt 483,455; ausgeschlossen 1245; aus­gemustert 27,291; dem Landsturm ersten Aufgebots über­wiesen 109,116, der Ersatzreserve überwiesen 87,421. Der Marine Ersatzreserve überwiesen: aus der seemännischen, bezw. halbseemännischen Bevölkerung 394, aus der Landbevölkerung 379. Ausgehoben 172,515; überzählig geblieben 15,664; freiwillig eingetreten 13,069. Von den Ausgehobenen traten in das Heer zum Dienst mit der Waffe 165,198; zum Dienst ohne Waffe 3600. In die Marine sind eingetreten: aus der Landbevölkerung 1779, aus der seemännischen und halb- seemännischen Bevölkerung 1938. Es sind ferner vyr Be-. ginn des militärpflichtigen Alters freiwillig eingetreten in das Heer 12,063, in die Marine 850. Wegen unerlaubter Aus­wanderung sind verurtheilt: aus der Landbevölkerurg 18,964, aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 366» Noch in Untersuchung befinden sich aus der Landbevölkerung 14,889 und aus der seemännischen und halbseemännischen Be­völkerung 299.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 6. Juli. DerReichsanzeiger"'schreibt: Einige Zeitungen fahren fort, Aeußerungen zu bringen, welche durch den Umstand, daß sie aus den Fürsten Bismarck zurück­geführt werden, Interesse erregen, deren sachlicher Wertb aber der Regierung keinen Anlaß gibt, sich mit ihnen zu be­schäftigen. DerReichsanzeiger" citirt d/mn die Aeußerung derHamb. Nachrichten", daß Caprivi der Candiöat des CcurrumS weit früher gewesen sei, als betätige deö Kuise.s, da die antibismarckischen Beziehungen Caprivis weit zurück­reichen. DerReichsanzeiger" schließt: Der Reichskanzler Caprivi hat bis zu dem Augenblick, in welchem Se. Majestät ihn zum Reichskanzler ernannte, nie nach einer politischen Wirksamkeit gestrebt, nie Beziehungen', auch nicht ami- bismarckische, zu irgend einer politischen Partei gehabt oder gesucht.

Berlin, 6. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut der Verständigungen über die provisorische Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Deutsch­land und Spanien, sowie Deutschland und Rumänien.

München, 6. Juli. Officiell wird mirgetheilt: In Gesammt-Bayern ist der Stand aller Saaten ein guter, vielfach ein vorzüglicher. Die Juniregen haben die Trockenheit des Mai ausgeglichen und schadeten der sehr reichlichen ersten Wiesenernte nur geringfügig. Das Winter­getreide hat bestens geblüht und ist theilweise kurz an Stroh. Das Sommergetreide ist durchweg aussichtsreich; Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Futterpflanzen sind meist vortrefflich aus­gegangen. Tabak gut gesetzt, Hopsen mittelgut, Obst unregel­mäßig. Weinberge versprechen gute Qualität. Hochwasser, Gewitter, Hagelschläge veränderten die Hoffnungen aus eine vortreffliche Gesammternte nur sehr unbeträchtlich.

Szegedin, 6. Juli. Das große Fabrikerablksse- ment der ersten ungarischen Hanfspinnerei ist sammt den Nebengebäuden vorige Nacht abgebrannt. Der Schaden beträgt nahezu eine halbe Million Gulden. Menschen sind nicht verunglückt, aber 200 Familien brodlos geworden.

Pa^iS, 6. Juli. Ein Telegramm aus Porto Novo melden, Oberst Dodd b om b ar birtr gestern mit zwei Kanonenbooten einige Dahomeer-Dörfer: man halt, einen 1 Landangriff vor dem Eintreffen von Verstärkungen für un­ausführbar.

Chriftiania, 5. Juli. Heute sand ein aus 12000 Per­sonen bestehender Volkszug nach dem königlichen Schlosse statt. Die von einer Deputation überreichte Adresse besagt, daß das Volk überzeugt sei, der König werde die Ehre und das Recht Norwegens stets vertheidigen und 'ür die Durchftihrung der Gleichstellung arbeiten. Der König, dir Königin und die Kronprinzessin nahmen aus dem Balkon des Schlosses die Huldigung einer, wohl 50 000 Personen umfassenden Menge entgegen.

New-Holk, 6. Juli. Gestern Abend kam eS m Home - siead in Pennsylvanien zu einem Zusammenstoß zwischen treikenden Schmiedearbeitern und Potizeischutz- )eanrten, welche die die Arbeit sortsetzenden Arbeiter bc« chützen sollten. Man machte von der Feuerwaffe Gebrauch, es wurden 12 bis 15 Personen theils schwer, theils leicht verwundet. Unter denselben befinden sich fünf Polizisten. Bei dem heute Morgen erneut zum Ausbruch gekommen Confliet wurden fünf Streikende gelobtet und' eme Anzahl ver­wundet. Ein späteres Telegramm desW. T. B." aus Pittsburg besagt: Nach den letzten Meldungen aus Homestealr>