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1892

Sonntag den>. Juni

Amts- und Anzeig-blatt fm» den ALrrrs Gieren.

Gratisbeilage: Hießener Kaimttenbkätter

b.

e.

Bankgeschäft

1897

HC- Annoncen-Bureaux deS In- unb Huüü.nbe« nehm- Anzeigen für den ^Gießener Anzeigeeutgegev.

Lnnabw- von Snzelgen zu der Nachmittag» für den »eJym&ai Lag erscheinend«, Nummer btl Bonn. 10 Uhr.

die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich­tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht; die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen;

die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mm-

Gießener Anzeiger

Kmerat-Wnz^er.

Schiffsnachrichten.

Der PostdampferRhynland" derRed Star Line" In Antwerpen ist laut Telegramm am 2. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.

vierteljährig« jtfwmeeidtprtU: 2 Mark 20 Psg. vrmgerlohn.

Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg

Rcbaction, 6pebitUi und Druckerei:

-chu strate Mr.L Fernsprecher 51.

Brigade stellen: a.

Der scheuer Anzeiger rscheint täglich, wt? AuLnahme de- Äoutag-.

Dtt Gießener

a rb<n dem Anzeiger » chi-lli» dreimal Angelegt.

__________- - ---------g-

Anrtli^eo Theil

Bekanntmachung.

betreffend 9)iaub und Klauenseuche zu Grüningen.

sttachdem die in einem Gehöft zu Grüningen aurgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.

Gießen, den 2. j 1892.

Groß iches Kreisamt Gteßen.

I. V.: Jost-__

lieben Ober-Ersatz.Commission im Bezirk der 49. Jnfanterie- tn sämmtlichen Aushebungsorte« zu ge-

tärpflichtigen;

ä. die von der Ersatz-Commission als tauglich und etn- stellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ­lich derjenigen aus früheren Jahrgängen;

e. die von den Truppentheilen zur Disposttion der Er­satz-Behörden entlaffenen Soldaten;

f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.

Den Grobherzoglichen Bürgermeistereien werden beson­dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Bollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzclgen. -ttt JJh litärpflichtigcn sind außerdem anzuweiscu, ihre Loosungsschcinr mit zur Stelle zu dringen. . ,

Die zur Bcurtheilung von Rcclamationen in Betramt kommenden Personen Haden ebenfalls zu erscheinen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Gnmd hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Mlitärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg- aezooen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gesammten Geschäfts selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Feld- dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.

Gießen, am 31. Mai 1892.

Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commchwn des Kreises Gießen.

Jost, Regierungsrath.

Locale» unb provinzielle».

Gießen, 4. Juni 1892.

Der Getreidemarkt. Der Getreidemarkt zeigte in letzter Woche recht seltsame und charaeteristische Unterschiede. In Paris und namentlich auch in Berlin, wo capitalkrästige Speeulanten großen Gefallen an hohen Getreidepreisen finden, suchte man die bis zur Mitte der Woche herrschende Hitze und Trockenheit und damit in Verbindung gebrachte bedenk­liche Ernteaussichten zur Förderung einer kräftigen Hauffe- strömung auszunutzen. Aber in Newyork und in London faßte man die Ernteausfichten ganz anders aus und bot Weizen und Roggen massenhaft zu ermäßigten Preisen aus, sodaß auch in Berlin aus die fröhliche Hausse bald ein Rückgang der Preise erfolgte. Thatsache ist ja auch, daß in allen Korn- ländern theils gute, theils mittelgute Ernten in Aussicht stehen und daß der inzwischen in vielen Gegenden stattgesundene Regen die Ernteaussichten noch verbessert. Weizen wurde zu 183 bis 215 Mark und Roggen für 188 bis 195 Mk. pro Tonne gekauft.__

^1$(ixtIC II unbSmrtOt, sowie tertige

V* Herren- Ulld Knabenanzüge,

Conftrmandenanzüge, Ueberzieher, Havelocks rc. werden zu arrtzer- aewöhnlich billigen Preisen verkauft bei.

d Gebr. Stamm. Markt und L-chulftraßen-Ecke. [140o SMT Anfertigung nach Dtaß In bester und billigster Ausführung.

M. 130. Zweites Blatt.

Gießen, .2. Juni 1892.

«z c '"Ausführung der Bestimmungen des Bundesraths über die Ermittelung der Zahl der in Fabriken und diesen gleichstehenden Anlagen beschäftigten Arbeitermnen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzh. Bürgermeistereien de» «reise».

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 2. Mai I. I. (Anzeiger Rr. 104) unfehlbar binnen 8 Tagen. _____________________I. V.: Jost.__

Bekanntmachung, betreffend das Ober-Ersatzgcschäst fiir 1892. Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1892 wird im Kreise

Wietzen m

Freitag den 17. Juni im Rathhause zu Lieh, Vor- mittags 8 Uhr,

Samstag den 18. Juni in dem früheren Hofgertchts- gebämde (Brandplatz) zu GictztN, Vormtttags 8 Uhr, Montag den 20. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Dienstag den 21. Juni im GasthausZum Rappen zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr,

'"' Erhaben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Porladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog-

tfchulfwf & 'tfompty

Marktstrasse 4. GtiesSOn Marktstrasse 4.

Feuilleton.

An bie unrichtige Adresse.

Militär-Humoreske von Ernst v. Hohenfels.

Jahre sind vergangen, seitdem ich als schmucker Husaren- Lieutenant bei dem 1. Schlesischen Husaren-Regiment Nr. 4 in Strehlen in Garnison stand.

Es ist gewiß nicht abzuleugnen, daß das Soldatenleben durchweg ein recht fideles ist, aber fideler als beiunseren Husaren" konnte und wird es auch nirgends sein.

' Wie lachte uns das Herz in der verschnürten Brust, wenn wir in aller Frühe mit schmetternder Musik zum Thore des Städtchens hinausrückten. Mochte es noch so früh sein wie cs wollte, überall an den Fenstern sah man niedliche Gesichter mit blauen, braunen oder sonstfarbigen Augen, die in süßem Schlummer verworrenen, sammetweichen Locken waren eilig unter eine leichte Morgenhaube gesteckt worden und hier und da lugte ein schneeiger Arm hinter halb zurück­gezogenen Gardinen hervor. .

In den Hausthüren standen tue diversen Küchenfeen, ober wie unsere Husaren dieselben stets recht drastisch be- zeichnelen,unsere Küchen-Dragoner" mit Wasserkannen und Wassereimern, um in früher Stunde das für den Tag nöthlge Wasser vom Brunnen zu holen. Aber nur das leiseste Signal machte die Mädels aufjauchzen, denn in Strehlen dienen und keinen Husaren zum Schatz haben, wäre gewiß eine Schande gewesen.

Und was hatten wir auch für prachtvolle Jungens tn unserer Schwadron; obgleich viele Polacken, so waren es doch alle wirklich stramme Burschen.

Welch ein Genuß muß es jedesmal für die Kuchenfee des Bürgermeisters Schmidt gewesen sein, wenn Stanislauv Protzkow, der schmucke und stets hungerige Gefreite der ersten Escadron, in ihr trautes Revier emporklimmte.

Nun, Jeanettchen, Du mir liebes Schatz? Mir bist .lustig und Dein gut best Stanislaus hungerig und durstig!

Ach, mein Schatz!" rief Jeanettchen und hing am Halse ihres fest und steif stehenden Polacken.

Bist mich gut, Mädel? Ich Dir lieb bin!" ries Stanislaus und grinste dabei schon nach dem Küchenschrank, .ob Jeanettchen ihm nicht irgend einen guten, aber auch nicht zu kleinen Bissen ausgehoben habe.

Hast Du Hunger, mein Stanislaus?"

Das Gesicht des Polacken verzerrte sich zu einem Grinsen, dem Ausdruck des vollsten Entzückens, aber verschämt blinzelt er zu Jeanettchen hinüber, die sich währenddem schon mit der Bratenschüssel und einer umfangreichen Weißbrodschnitte zu schaffen macht.

Stanislaus seufzte: r r, ... .

Bist mich gut, Mädel? Ich Dir lieb bitt!" wahrend aber auch schon seine Rechte nach der appetitlich zubereiteten Brodschnitte langte.

Ob in den Ohren des Stanislaus das SignalGalopp erschallte, weiß ich nicht, aber das weiß ich, im Galopp war die Liebesgabe Jeancttchens verzehrt und wieder überflog das­selbe vergnügte Grinsen das rothe Gesicht des Polacken, während er anscheinend verliebt flötete:

Bist mich gut, Mädel? Ich Dir lieb bin!"

Jeanettchen freute sich und Stanislaus tätschelte die rosige Hand JeanettchenS, beide aber schwiegen. So konnten sie wohl schweigend und kosend ein Stündchen gesessen haben, als der Zapsenstreich den lieben, süßen Stanislaus zu Bette rief. . r (W. f n ,

Schütz Dich lieb Herrgott! Bist mich gut Madel? Ich Dir lieb bin!" ries Stanislaus- ein kräftiger Kuß und der liebe Schatz stürmte säbelrasselnd die Treppe hinunter. Aber kaum an der Hausthür angelangt, kehrte er nochmals nm, steckte den ewig grinsenden, rosig angehauchten Kops zur Küchen- thüre herein und rief: *

Bist mich gut, Mädel? Ich Dir lieb bin. Gehe sich Tanz morge!" und fort war er.

Für den anderen Tag hatte der Herr Bürgermeister eine kleine Gesellschaft zum Thee zu sich geladen und so war eS unmöglich, daß Jeanettchen mit ihrem Stanislausgehe sich Tanz morge!"

Auch ich war zu der Theegesellschaft geladen und machte mich auf den Weg nach der Wohnung des Herrn Bürger­meisters Schmidt.

Jeanettchen, die schöne Küchenfee, stand wie auf Koblen vor dem Herde und horchte mit gespannter Aufmerksamkeit, ob sie nicht Säbelgeklirre vernehme. Endlich hörte sie das bekannte Geraffel, sie nimmt schnell ein saftiges Stück Braten und ein blankes Markstück, eilt hinaus und trifft auf der schlecht beleuchteten Treppe ihren vermeintlichenStanislaus , dem sie einen kräftigen Kuß applicirt, Braten und Markstück

in die Hände drückt und ihn bann mit einem kräftigen Ruck die Stiege hinunterschiebt mit den Worten:

Mach, daß Du fortkommst, heut hab ich keine Zeit- laß Dirs gut schmecken unb trink ein paar Glas Bier auf mein Wohl!"

Beruhigt eilte Jeanettchen mieber an ihre Arbeit, nicht ahnend, daß sie ihre Liebesgaben mir gegeben, der ich zum Souper geladen war.

Während ich, der so unerwartet Beschenkte, an der Thür stand und das Bescheerte betrachtete, ging die Hausihüre auf undStanislaus" trat ein, um nachlieb gut Mädel" zu sehen.

Verblüfft blieb er vor mir wie ein armer Sünder stehen und legte mir auf Befragen ein unumwundenes Geständniß ab, indem er mit den Worten schloß:

Bestes Herr Leitnant! Ist sich gut Mädel! Ich lieb hab Mädel!" wobei ein seliges Grinsen sein Gesicht überflog. Nun war es mir klar, wem die Gaben vermeint waren, und ich händigte dieselben dem biederen Polacken mit den Worten ein: , .

Hier haben Sie den Braten und das Markstuck- das andere, was ich noch bekommen habe, kann ich Ihnen leib er nicht geben!" unb gierig griff Stanislaus nach der Liebes­gabe, wobei sein Gesicht wieder das unvermeidliche glückselige Grinsen überflog.

Ehe der Beschenkte jedochKehrt" machte, stammelte er:

Bist sich best Herr Leitnant! Ist sich gut Mädel! Ich lieb bin Mädel!"

Ich machte eine abwehrende Handbewegung - Stanislaus verließ vergnügt das Haus und ich stieg nochmals die Treppe empor zur Wohnung des Herrn Bürgermeisters Schmidt.

Nachdem ich die Glocke gezogen, öffnete mir das nicht unschöne Jeanettchen und mit einemGuten Abend, Herr Lieutenant!" ließ sie mich eintreten, nicht ahnend, daß sie mich vor wenigen Minuten nicht gar zu sanft fast zum ^aufe hinauSgeworsen hatte. .

Noch an demselben Abend, als der genossene Wem alle Geladenen in die gemüthlichste Stimmung versetzt hatte, gab ich mein interessantes Abenteuer unter allgemeiner Heiterkeit zum Besten und freue mich heute noch, daß ich mich so oft überzeugt habe, wie viel und feurig unsere schmucken Husaren geliebt werden.

3a, ja, StaniSlauS!" ruf auch ich noch heute: .Sind sich gut Mädel! Ich auch bin lieb Mädel!"