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Nr. 54

Freitag ben 4. März

<882

Aints-undAirzeigeblatt für den Arris Girren.

Gratisbeilage: Gießener Jamitienbtätter

Devrsch.n bet NBureau Herold^.

Berlin,

Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgendes Tag erscheinenden Nummer big Bonn. 10 Uhr.

. Die letzten fünfzehn Po st sacke von sind gestern gerettet worden.

Vierteljähriger A5onsemea1spretar 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Poft bezogen 2 Marl 50 Pfg.

Redaktion. Expedition und Druckerei:

Achutstraße Ht.1.

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Berlin, 3. März. Nach einem eigenen Berichte de» Berliner Tageblatt" ouS Budapest ist der Nothstanb der slovakischen Landbevölkerung in dem Arvaer Gomitate unbeschreiblich. Ueber 2000 Bauern haben keine Nahrung», mittel, über, 3000 Kinder liegen an den Masern krank dar­nieder. Die Sterblichkeit ist ungeheuer.

ftctitidwr Hcid>»tag.

185. Plenarsitzung. Dienstag den 2. Marz, 1 Uhr.

Don den von der Peltttonscommission als zur Eiörleruna im Aba"^M -an! /"'/ ks^'sken Petitionen werden aus An'rag" des biezenigen, welche den BetShigungsnach- erstattung bta G°mmW«nur «-'icht-

it21?0, ®ebeI. Mrünbd darauf den Antrag der Socialdemokraten ^Verwaltung und des Eigenthumtz detz Apo" mirfr/i*?kr *n92Ur« bas ^ich. Das bestehende ConcessionSwesen wirke schädlich Die Apotbekenbesitzer besäßen wettergehende Privilegien !.rsend ein Gewerbe; sie hätten dadurch einen geradezu riesen- "1" dem Krankenkassengcsetz noch gewachsen sei. fc<niJ?au( unb Verkauf von Apotheken herrsche geradem ein nRfFU0' ? E -Zahl der Apotheken habe keine die Zunahme der Be- entsprechende Vermehrung erfahren, obgleich durch die Soctalgesetzgebunq des Reichs die Inanspruchnahme der Apotheken gewachsen sei. Die Folge davon fei ein enormes Steigen de> Preise rpiA,rP^Cr<n'f x20? ?ecUk cJn/ ^votheke erwerben wolle, müsse ein reicher Mann sein; das Apothekergewerbe sei ein capttalisttsches Unter- nehmen geworden. Mit dem Preise der Apotheken stiegen auch die lDftembflm^|b^amCnt<*r flbcrf Beiten möge das bestehende System am Platze gewesen sein, heute aber, da der Apotheker die b^i-b7°s-?di "KE ^bst mehr herstelle, sondern dieselben aus Fabriken veztehe, sei die Sache anders. Die theuren Preise für Medicamente blC m,Jb7 bemU,eilen Klössen und zwar zu einer 1biefel,btn «trabe in N°>b und Trübsal besänden. Dabei h« ?. e."!na,1 euf ,int entsprechende Haltung und «uSblldung ?hef.nPm-b£JCr 'm' «n xiBteben' $etft.atHd,ung der Apo dl- Medicamente verbilligt und der Staat würbe In Der läge sein, für eine entsprechende Zahl von Apotheken zu sorgen.

Bekanntmachung.

E« wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschafl-lehrer Lrithiger zu Alsfeld fol. gende Vorträge und zwar:

1) Mittwoch ben 9. März l. Js., Nachmit­tags */e4 Uhr, in Gießen auf Louys Bierkeller, über die Frage, ob der Betrieb der Viehzucht der Milchwirthschaft vorzuziehen ist,

*) Samstag ben 36. März l. Js., Abenbs 7 Uhr, ,n Steinheim im Gasthaus zu ben brei Schwertern,

über die Vortheile des Bezugs fremder Saatfrucht und über Düngung der Wiesen

abhalten wird, wozu alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirtschaft ergebenst eingeladen werden.

Die Herren Bürgermeister der obengenannten und be­nachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Gießen, den 16. Februar 1892.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen: Jost.

London, 2. März, derEider"

Der fttlewrr -szeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Al«»itte«0tLlter werden dem Anzeiger mächentlich dreimal beißet egt.

4) Vorlrag des Herrn LandwirthfchastslehrerSLeithiger zu Alsfeld über Drainage.

5) Wahl des Ausschusses des landwirthschaftlichen Bezirks­verein« Gießen.

6) Berathung über die Errichtung von landwirthschaft- lichen Versuchsstationen im Kresse Gießen zum Anbau von neu empfohlenen Kartoffelsorten.

Gießen, den 1. März 1892.

Der Director der landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. I o st.

Uitcbricbteti.

KMfra rckrgravhisrL-S ioiTdponfcm^^inreeü.

Serlin, 2. März. Eine Versammlung von Delegirten der katholischen Vereine Berlins beschloß, am 14. März, dem Todestage Windthorsts, ein Requiem in den hiesigen katho­lischen Kirchen abzuhalten.

Dresden, 2. März. Die zweite Kammer beschloß mit 64 gegen 10 Stimmen die Ungiltigkeit der Wahl Liebknechts.

Deutscher Reich.

Berlin, 2. März. Da« Arbeitsmaterial des Reichstags hat schon wieder eine Vermehrung erfahren und zwar durch das sogenannte Zuhältergesetz. Art. 1 des Entwurfs ändert die Paragraphen 180, 181 und 184 des Strafgesetz­buches in verschärfter Form ab; Art. 2 stellt einen neuen § 16 a ein und ändert § 362; Art. 3 fügt einen Absatz 2 SU § 173; Art. 4 ändert Art. 2 des Gesetzes über nicht­öffentliche Gerichtsverhandlungen.

3« B erlin fand dieser Tage zum ersten Male eine anarchistische Volksversammlung statt, zu welcher sich auch eine Anzahl Soeialdemokraten, Oppositionelle wie Fractionsanhänger, eingefunden hatten. In den Dutzenden von Reden, die gehalten wurden, kamen Staat und Gesell­schaft von heute sehr schlecht weg; doch auch Anarchisten und Socialdemokraten sagten sich gegenseitig die Wahrheit recht ungeschminkt. In nächster Woche soll eine zweite solche Volks­versammlung folgen.

Gegen dieKölnische Zeitung" ist wegen eines, die längste Rede des Kaisers scharf kritisirenden Artikels dem Vernehmen nach die Anklage aus Maje st ät s b e( e i b ig u n a erhoben worden.

2. März. Die Polizei verhaftete gestern Abend einen Arbeiter mit rother Fahne und stellte fest, daß eine große Menge rother Fahnen in den letzten Tagen an- gefertigt und zur Benutzung bei den Unruhen vertheilt worden sind. Umfangreiche Vorsichtsmaßregeln werden getroffen, da ber kommende 18. Marz für anarchistische Kundgebungen vor­gesehen ist.

, der Entschädigung füt ble ju verstaatlichenden Apotheken könnten natürlich nicht die Spekulationspreise gezahlt werden, der Preis muffe vielmehr nach dem Durchschnitt des Iahresgewtrmes berechnet werben.

W Dr;rKitte (bft.); Auch Bebel habe die Nothwendigkeit einer Verstaatlichung de« Apothekergewerbe« nicht zu rechtserttgen vermocht. Da« Apothekenwesen fei In Deutschland gut geordnet und m nbem?c ^WwaenHrbe stehe obenan In ber ganzen Welt. Die Verstaatlichung ber Eisenbahnen reize nicht zur Nachahmung. Wenn bie Krankenkassen nicht existmen, so würben do« auch Medicamente ten?' werden; der Hinweis aus ble Socialgesetzgebung fei also hinfällig. Bor einigen Jahren hätten sich bie Soclalbemokraten selbst e **e Verstaatlichung bei Apothekenwesen« sehr entschieden richte allerdings die Bitte an die Regierung, die Regelung des Apothekenwesens in die Hand zu nehmen; den Antrag der Soctal- demokraten aber bitte er abzulehnen.

« r Staatsfecretär Dr. v. Boetticher erinnert an die früheren Versuche, im Bundesrath eine einheitliche Regelung des Apotheken- wesenS herbeizufuhren. Nun sei ja die preußische Regierung ver> E^iaßt worden, Vorschläge zu machen, aber auch innerhalb der pirschen Regierung bestanden darüber Meinungsverschiedenheiten, °ie hoffentlich Lt absehbarer Zett beigelegt sein würden. Würde der Reichstag die Verstaatlichung des Apothekenwesens beantragen, so würden die Schwierigkeiten, welche einer Beilegung der Meinungs- verschiedenheiten entgegenftehen, nur vermehrt werden. Nach seiner Meinung sei das Reich gar nicht in der Lage, das Apothekenwesen »^^mhmen; es würden dazu Organisationen gehören, die | Vas Reich nicht besitze.

Abg. Menzer (cons.) spricht sich gegen den Antrag der Social- demokraten aus und weist die Angriffe BebelS auf da« deutsche Apothekergewerbe, auf dessen Integrität und die Behandlung der Apothekergehilfen mit aller Entschiedenheit zurück. Dem Abg. Witte erwidert er, daß man in Süddeutjchland sehr gute Erfahrungen mit der Verstaatlichung der Eisenbahnen gemacht habe.

Abg. Wurm (Soc.) führt mehrere Falle dafür an, daß schwindelhafte Heilmittel, deren Urheber wegen Betrugs »erurtbeiU werden mußten, in Apotheken verlaust worden und gibt bann Bei- fptoe für das Mißoerhältniß der Preise für Medicamente zu dem Drogenpreis. Im Apothekergewerbe finde eine übermäßige Aus­nutzung der Lehrlinge statt und die Gehilfen seien überbürdet. Ein Apothtkenkrach sei unvermeidlich, wenn man die Dinge so fortgehen ' Iae; Das Apothekenwesen gehe wissenschaftlich zurück. Die Medtca- mente dienten nicht zur Gesundung des Volke« und die Aerzte ver­schrieben vielfach nur zu Gunsten der Apotheken. Man wolle den Aerzten verbieten, Medicamente zu verabreichen unter dem Vorgeben, sie verstanden die Mt.chung nicht. Ein studirter Arzt, dem man ^'p^anv'rtraue solle nicht etwas zusammengießen können, der Apotheker von seinem Lehrling zusammengießkn laste. Die Staatsapotheken wurden erheblich billiger vroduciren können. Jetzt boten die Apotheken Niederlagen von Mineralwässern und ein Samm.lsurium von Heilmitteln aller Art. Das Lebrlingswesen nehme zu. Die Gehilfen seien schlecht gestellt, verheirathete würden nicht mehr angenommen. Wenn ein Provisor einmal eine Concession erhalte, so sei das, als wenn er bas große Loos gewinne.

~ k Witte (dfr.): Wenn sich weiter nichts für die

Forderung der Verstaatlichung des Apothekenwesens anführen lasse ?lA®6 dafür anführte. so sei erwiesen, daß der Antrag lediglich zu Agitationszwecken gestellt sei. Die Socialdemokraten arbeiten auf den Umsturz der Grundlagen einer lOOOiäbriflcn Eultur- entwtckelung hin, wenn es sich aber um practische Vorschläge handle, bann lauen die Herren da und wüßten nichts zu sagen.

Abg. Bebel: Der Antrag babe mit dem socialdemokratische» Staate gar nichts zu thun und passe sich durchaus bet bestehenden ^mmng an. Seien denn nicht schon eine Anzahl Betriebe verstaatlicht. Von all den Thatsachen, die zur Begründung bei Antrags angeführt worden, habe keine widerlegt werd n können. BefchlLbV^Hau^^''" ®<rntr bi

Hau«?st'fvVSußü^hit'"d"'«" D°n ^Mitgliedern; ba« ^?rinz ^arolath (wild) wünscht, daß Anträge auf Aus­zahlung künftig der Unterstützung bedürfen sollen.

____Morgen: Telegraphengesetz und kleinere Vorlagen.

ießener Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

Bekanntmachung,

bett, den Verein zur Unterstützung und Besserung der aus beh Strafanstalten Entlassenen, hier; die Neuwahl der Mit­glieder der Bezirksvereins-Commtssionen für die Jahre 1892 1893 und 1894.

Die Mitglieder des rubr. Vereins werden hierdurch zu emer .Hauptversammlung auf Dienstag den 15. März, Vormittags 11 Uhr, in das Regierunqsgebäude babter ergebenst eingeladen.

Gießen, den 27. Februar 1892.

Die Bezirksvereins-Eommission des Vereins. _____________ v. Gagern.

Gießen, den 1. März 1892. SSetr.: Die Verpflegung der armen Geisteskranken auf Kosten des Landarmenverbands.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß der Kreistag de« Kreises Gießen am 6. Februar 1892 beschlossen hat, daß die Kosten der Verpflegung armer Geisteskranker, welche von den Orts- armenverbänden des Kreise« Gießen in den Landesanstalten 31t Heppenheim und Hofheim bis jetzt untergebracht find und künftig untergebracht werden, auf den Landarmenverband vom 1. April 1892 an übernommen werden.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betr. die Zulassung von Mannheimer Pferdemarktloosen im Großherzogthum Hessen.

wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die irectionen des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Mann- deim und des Badffchen Rennvereins Mannheim aus Anlaß des am 4. Mar d. I. in Mannheim abzuhaltenden Pferde- und Rmdmehmarktetz eine Verloojung von Pferden, Rindvieh und gewerblichen Gegenständen veranstalten werden, bei welcher 30000. event. bis zu 50 000 Loose ä 2 Mk. ausgegeben und Gewinne im Gesammtwerthe von 39 000, event. bis m 65000 Mk. verloost werden sollen. 8

Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat den gedachten Unternehmern auf ihr Nachsuchen gestattet, die fraa- uchen Loose im Großherzogthum bis zum 3. Mai 1892 ein­schließlich zu vertreiben.

Vießen, den 2. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________v. Gagern.

Bekanntmachung.

T."""Erstag den 17. März 18»2, Nachmittags n Uhr, wird auf LonyS Felsenkeller in Gießen eme General- Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen avgehalten werden.

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins unv ber landwirthschaftlichen OrtSoereine und alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gememden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser ^r nmmin^e,Ttni6 u,lb °f zahlreichen Besuch der

Versammlung hmzuwirken.

rxr 9 e 8 0 r b n u n 9 :

1] Beschlußfassung über 13 Gesuche um Bewilligung einer Subvention zum Besuche des Obstbaumwärter. Gurfu« zu Friedberg.

2) Anschaffung von Nistkästen für Meisen x. auf Kosten bei landwirthschaftlichen Bessrks.Vereins.

S) Vortrag des Herrn Gutsbesitzers Sch lenke zu Gießen über das land- und forstwirthfchaftliche Unfallverstcherungsgefetz.

Anrtlichev Theil.

Rr. 12 des Reichs - Gesetzblatts, ausgegeben den 26. Februar d. I., enthält:

(Nr. 1998.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines zweiten Nachtrag« zum Reichshaushalt«-Etat für das Etats- lahr 1891/92 und die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke ber Verwaltung der Marine. Vom 22. Februar 1892.

«letzen, den 2. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___v. Gagern.