Ausgabe 
2.9.1892
 
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Nr. 204 Erstes Blatts

Freitag den 2. September

1892

Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Niisnahinc des Montags.

Die Gießener Jiamitienbtätter werden dem Anzeiger Hvöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Sinn Zedantagk.

Der Gedenktag, welcher dem deutschen Volke heute ederkebrt, ist unter den Erinnerungsfeiern unserer Siege n einer einzigartigen Bedeutung. Dieselbe besteht nicht in em entscheidenden Werthe für den Verlaus des Krieges in litärischer Hinsicht. Die Uebergabe von Metz und Paris d die Zersprengung der feindlichen Armeen bei Gravelotte rren ebenso wichtig. Auch der plötzliche Umschwung der lnrchen Lage Frankreichs ist nicht etwas so Unerhörtes lvesen, daß darum dieser Tag ein ewiges Gedächtniß in n Büchern der deutschen Geschichte beanspruchen könnte. "rtn ^erin ist der Sieg von Belle Alliance sein leuchtender rgänger.

Dem 2. September verleiht seinen bleibenden Werth c die Erinnerungen unseres Volkes die Thatsache, daß ' r ,ein 'n &er Geschichte waltendes Gottesgericht machtvoll ) kundgab.

unb Frankreich stehen im Verhältniß einer rch Geschichte und Sage, durch Erfahrung und Dichtung i '*««« ^rbfeindschaft. Seit den Raubkriegen des vier- nten Ludwig und dem Weheruf um die Deutschland ent- enen Reichslande empfand unser Volk im Schmerz der Ohn- cht eme tiefe, unheilbare Wunde.

^in- und liederfrohe Begeisterung, mit welcher ! -ir ®trom gefeiert wurde und in welcher das Hoch- thl der Vaterlandsliebe seinen echten Ausdruck fand, mischte NQturgematz gerechte Entrüstung und heiliger Zorn über

2lmtlid?er Theil

Betr.^

2ie«icitc Nachrrchtün.

Depeschen des BureauHerold".

Gießen, 30. August 1892.

Die Wahlen zum Kreistag durch die 50 Höchst­besteuerten.

I endlich die Leitung der Geschäfte der Berliner Botschaft zu | übernehmen.

Der Bundes rath gedenkt in allernächster Zeit seine vorbereitende Thätigkeit für die kommende Wintersession des Reichstages wieder aufzunehmen. Von neuen Entwürfen sind angekündigt Novellen zum Pensionsgesetz, zum Reichsbeamten­gesetz und zum Reichsinvalidengesctz. Auch eine Novelle zum Sonntagsruhegesetz soll in Ausarbeitung begriffen fein; hoffent­lich trügt dieselbe den vielen über das neue Gesetz laut ge­wordenen Klagen in verständiger Weise Rechnung. Signali- sirt wird ferner eine Vorlage, betr. die Abwehr ansteckender Krankheiten von reichswegen, was in Hinblick aus die be­kannten, bei der Hamburger Choleraepidemie mitspielenden Verhältnisse ein höchst zeitgemäßes Gesetz wäre. In Hinblick aus die vielgenannte neue Miluärvorlage wird das Weitere noch abzuwarten sein.

In Sachen des geplanten deutsch-russischen Handelsvertrages herrscht nach den vorangegangenen gemeinsamen Berathungen zwischen den Vertretern der Reichs­regierung und der preußischen Regierung eine merkwürdige Ruhe. Wohl ist anzunehmen, darüber die Modalitäten des geplanten Abkommens Vorerörterungen zwischen Berlin und Petersburg schweben, aber über dxren Einzelheiten ist bis jetzt nicht die geringste zuherlässiZe Mittheilung in die Oeffentlich- keit gedrungen. Auch die Zeitungsmeldung, die deutschen Handelskammern seien von den betreffenden Emzelregierungen zu gutachtlichen Äußerungen über den beabsichtigten Vertrag ausgefordert worden, wird- als unzutreffend bezeichnet. Eme amtliche Befragung der genannten Körperschaften soll vielmehr erst erfolgen, wenn feststeht,, daß die^ russische Regierung zu werrhvollen Zugeständnissen M Deutschlay^bevxst tft.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen <m die Grotzt). Vürgermeiverereir M Preises.

Durch Ausschreiben vom 9. Juli l. I. Kreisblatt Rr. 159 hatten roir Sie beauftragt, uns diejenigen Höchst­besteuerten Ihrer Gemeinden mitzutheilen, welche mit einem Communalsteuercapital von über 2400 Mk. zur Steuer heran- gezogen sind. Da indeß auf Grund der uns zugekommenen Materialien sich die Nothwendigkeit ergeben hat, schon einen mit 2,350 Mk. Veranschlagten in die Liste der Höchst- befteuerten aufzunehmen, und es möglich wäre, daß in Ihren Gemeinden Stcuerpfltchtige vorhanden sind, welche zwar nicht ein Stkuercapital von über 2400 Mk., wohl aber ein solches von 2350 Mk. bis 2400 Mk. besitzen, so beauftragen wir diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden dieses Ver- hältniß vorliegen sollte, uns binnen 3 Tagen hiervon bericht- iche Mittheilung zu machen.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend öffentliche Faselschau zu Gießen.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß am 7. Seb etnber d. I. gelegentlich des an diesem Tage statlfinden- en Viehmarktes zu Gießen auf dem Viehmarktplatz eine ffentliche Faselschau durch die Kör-Commission abqehalten «erden wird.

Die Schau beginnt Vormittags 9*/, Uhr; zur Ankörung' )mmen "ur Fasel her Vogelsberger und Berner, speciell immenthaler Rasse, auch muffen die Bullen bereits sprunq- lng sem. Den Besitzern guter Thiere können, soweit die ctttel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung

Aussicht gestellt werden.

Gießen, den 23. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

bie erfahrenen Kränkungen! durch den welschen Uebermuth, welcher höchstens «eine Macht verlor, seine Art noch bis zur Stunde nicht verleugnet hat.

Als auf Beckers Lied:Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein" der Franzose Alfred de Muffet in bubenhaftem Cynismus mit dem Schandlted antwortete: Nous Favons cu votre Rhin Allemand, in welchem jene alten, schmählichen Gräuelthaten verherrlicht wurden, da trat es an dem jubelnden Betsoll Frankreichs mit zweifelloser Bestimmtheit hervor, daß derselbe Geist, welcher auf den Brandstätten der Pfalz seine Triumphe feierte, welcher an der Schändung ehrwürdiger Heldengrüfte seine Lust fand, welcher in den Trümmern des Heidelberger Schlosses und den zahlreichen Ruinen des Rheinstromes seine Denkzeichen errichtete, noch immer im Nationalgesühl des Nachbarvolkes vorherrschte als ein Geist modernen Barbarenthums, d. h. der Gewaltthaten und der Ungerechtigkeit.

Jeder echte deutsche Mann konnte nur mit einem Gefühl der Beschämung den Hergang der Geschichte überschauen. Aus ihm raftete die Schmach erlittenen Unrechts und ungesühnter Den higung. So wenig unsere Art für Vergeltungsgelüste empfänglich ist, so schmerzlich brannte im Volksgewissen wie eine Schuld der Makel der Schwachheit und der innere Vor­wurf erlittener Schmach. Das Gefühl klang aus den Spielen der Kinder. Das brach sich Bahn in den Ergüssen vater­ländischer Sanger. Das sprach aus dem Schmerz echter Volksfreunde.

Schroffe Gegensätze der Nationen begreift das Volk nur unter dem Bilde von Per-sönlichkeiten. Deutschland und Frankreich standen zu einander wie die Hohenzollern und das Haus Napoleorn Denn Brandenburg-Preußen ist als Ver- theiotger von Deutschlands Ehre auf den Schauplatz der Ge­schichte getreten und hat dafür gestritten und gelitten.

Die kalte Grausamkeit, mit welcher der erste Napoleon den preußischen König Friedrich Wilhelm III. beschimpfte, und die Rohheit, mit welcher er die Königin Louise behan­delte , war ein Sinnbild dessen, was er an Deutschland frevelte.

Der Tag von Sedan sah den Sohn jenes wahrhaft Königlichen Paares als Sieger über das schimpflich gestürzte Haus Napoleon. Das deutsche Volk erkannte darin eine Dhat der in der Geschichte waltenden göttlichen Gerechtigkeit und eine Sühne für einen Jahrhunderte alten, Gott und Menschen verachtenden Uebermuth.

Darum traten auf der Seite der deutschen Sieger die niederen menschlichen Empfindungen, welche sonst oft genug beim Sturze eines gefürchteten Gegners erwachen, gänzlich zurück. Mit einer heiligen Ehrerbietung sah unser Volk auf das erschütternde Gottesgericht. Und der deutsche Heerkönig hat diesem Gefühl als em christlicher Held Ausdruck gegeben. Der große Erinnerungstag ist wie ein Siegel der Allmacht auf den Äotteswillen:Deutschland soll groß fein." Aber jede Wiederkehr dieses Tages stellt die Frage an uns, ob wir es verdienen, groß zu bleiben, und ob wir den Muth dazu haben, indem wir unseren hohen Berns erfüllen.

Das deutsche Volk soll dankbar des Tages ' von Sedan gedenken mit seiner furchtbaren und doch so trostreichen Lehre von der waltenden Gerechtigkeit Gottes, welche den Ueber- murh zerschmettert und die echte Größe krönt.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche in Stockhausen.

Nachdem die in einem Gehöfte zu Stockhausen aus. gebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, >a!>en wir die verhängte Gehöftesperre aufgehoben. Die Ausführung von Rindvieh, Schasen, Ziegen, Schweinen aus er Gemarkung Stockhausen durch Händler ist indeß bis auf lLerteres nur auf Grund eines thierärztlichen Gesundheits­cheins zulässig,

Gießen, den 1. September 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Ausland.

In der Schweiz steht wieder einmal eine Volksab­stimmung bevor. Dieselbe gilt dem der Bundeskanzlei zu- gegangenen Jniliativbegebren von 71 246 Bürgern, wonach tn die Bundesverfassung eine die jüdische Sitte des Schachtens verbietende Bestimmung ausgenommen werden soll.

Das Programm der Columbusfeier zu Genua ist nunmehr sestgestellt. Die Ankunft de« Königs Humbert in Genua erfolgt am 8. September aus dem Seewege, die Königin Margarita trifft dagegen mittelst Extrazuges ein. Am Abend des Ankunftstages besucbt das Kaiserpaar eine Galavorstellung im Stadttheater, am 9. September beabsich­tigt es die Columbus-Ausstellung und wvhnt Abends dem von der städtischen Vertretung gegebenen Ballfeste bei. Am 10. September findet großer Empfang bei den Majestäten statt, woran sich Festmahl, Cercle und Ball anschlicßrn. Am 11. September ist Regatta vor der Villa Reggio in Corni- gl'ano. Am 12. September gedenkt das Königspaar öffent­liche Anstalten und einige Fabriken zu besichtigen, am 13. Sep­tember wollen die Majestäten die Besuche der Commandantrn der fremdländischen Geschwader erwidern. ,

Deutsches Reich.

Berlin, 31. August. Nach denBerliner Pol. Nachr " '°Uen nicht blos die beiden Militär-Pensionsgesetze, sondern ' auch das Rerchsbeamtengesetz und die Jnvalidenfonds geändert ?iC/rbe<^ r,®ic fioften läinmtlicher Neuerungen sollen sich auf 3 . Millionen belaufen, wovon fast 3 Millionen auf die Rcichsinvalidenfonds entfallen würden.

. ~ Nach längerer Zwischenpause ist nunmehr der infolge des Ablebens des Grafen de Launay vacant gewordene Posten eines italienischen Botschafters am deutschen Kaiser- Hof- durch die Person des Grafen Lanza wieder definitiv besetzt werden. Der neue Vertreter des Königreichs Jlalicn wurde am Dienstag Mittag im Berliner Residenzschloffe vom Kaistr m besonders feierlicher Audienz empfangen, welcher Reichskanzler Gras Caprivi, Ober-Ceremonienmcister und Ober- Hof- und Hausmarschall Gras zu Eulenburg, der Ein- führer des diplomatischen Corps, Gras Usedom, die zur Zeit anwesenden General- und Flügeladjutanten, die dienstthuenden Kammcrherren sowie die Herren von der italienischen Bot­schaft beiwohnten. Der Empfang des neuen Botschafters seilens des Monarchen war ein sichtlich auszeichnender. Graf ^anza gedenkt in diesen Tagen nach Italien zur Ordnung feiner privaten Angelegenheiten zuriickzukehren, um alsdann 1

dkllin, 31. August. Wie dieNordd. AllgeHkMZtg." meldet, beschloß der Kaiser seine Reise zur ElchjäKtz nach Gotenburg anläßlich der in Deutschland herrschenden Cholera aufzugebcn.

Berlin, 1. September. DerVoss. Ztg." zufolge wurde das mehrfach eingercichte En t la ss un g s g e s u ch des com- mandirenden Generals des Garde-Corps v. Mecrscheidt- liess em vom Kaiser genehmigt.

Esten, 31. August. Die Firma Krupp hob osficiell durch ein Schreiben an dieEffencr Volkszeitung^ und den Rheinisch westsälischen Volkssreund" das bei der SeptennatS wohl an ihre Arbeiter erlassene Verbot, betreffend das Halten der beiden Centrumsblüiier, aus.

München, 31. August. Die auf den 4. September hier ankeiaumte Wa n d e r-V e rsa m m I u ng des Veibandcs der diutschen Brieftaubenliebhaber unterbleibt wegen der Gefahr der Cholera-Verschleppung. Die Brieftaubeli-Aus- stellung findet statt.

Wien, 31. August. DasNeue Wiener Tagcbl." meldet, die österreichische Wasfensabrik in Steyr, welche bisher 9000 Arbeiter beschäftigte, kündigte 5000 Angestellten. ®ie Entlassenen wandern nach Ungarn, Belgien, Frankreich und Amerika aus.

Genna, 31. August. Die Pulverfabrik in San Severo wurde gestern Abend binnen zwei Monaten zum dritten Male in die Lust gesprengt. Die Thätcr sind unbe-