Locales «n- provinzielles.
Gießen, 30. Januar.
— Aus der Garnison. Hauptmann Hesfig, bisher a la suite des 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiments (Groß- herzog) Nr. 116 und Compagniesührer bei der Unterosfizier- schule in Ettlingen, wurde als Compagnieches in das Infanterieregiment Graf Dönhoff (7. Ostpreuß.) 9tr. 44 versetzt.
— Wir wollen nicht verfehlen, unseren freundlichen Lesern nochmals die beiden Abschiedsvorlesungen von Fräulein Natalie Köhler auss Angelegentlichste und Dringendste zu empfehlen. In einer Zeit, in der auch in unserer L>tadt die Wogen des geselligen Vergnügens hoch gehen, könnte cs freilich scheinen, als ob ein solcher Appell an den Kunstsinn unserer Mitbürger nur wenig Aussicht aus Erfolg habe; aber wir wissen — und zur Ehre unserer Stadt sei's gesagt! —, daß es eine beträchtliche Anzahl Solcher unter uns gibt, die auch unter lärmenden Vergnügungen den Sinn für erlesene Genüsse höherer Art sich zu wahren wissen; und so darf diese Mahnung wohl um so mehr aus ein wohlwollendes Gehör rechnen, als es ja, wie vielen unseren geneigten Lesern bekannt, gilt, einerreichbegabten, aber durch Krankheit und widrige Zufälle ohne eigenes Verschulden in Noth gerathenen Künstlerin über ernste Verlegenheiten Hinwegzuhelsen. Man versuche nur einmal, sich die Lage der schwergeprüften Dulderin vorzustellen. Durch eine Reihe plötzlicher Todesfälle in der Mitte der dreißiger Jahre aller ihrer Familienangehöriger beraubt, wendet sie sich, nach Ueberwindung der ersten furchtbaren Betäubung und in Ermangelung eines ausreichenden Vermögens der Kunst zu, für die sie von Jugend auf eine hervorragende Begabung gezeigt hatte, der Declamation. Unter der Anleitung eines berühmten Leipziger Meisters erlangte sie bald eine seltene Vollendung, namentlich in der Wiedergabe griechischer Tragödien, worin sie, wie später ein Otto Roquette urtheilte, eine geradezu unerreichte Spe- cialität ist. Sie tritt öffentlich auf, erst in Sachsen, dann in fast allen übrigen Staaten Deutschlands. Reicher Beifall wird ihr überall zu Theil. Der klingende Erfolg bleibt nicht aus und sie kommt in die Lage, ein kleines Kapitälchen zu sammeln für die Tage ihres einsamen Alters und die, wie sie anzunehmen berechtigt ist, noch recht fernliegende Zeit etwaiger Noth. Da — in Wiesbaden ist's — widerfährt ihr plötzlich etwas Furchtbares: Sie fühlt ihr Augenlicht schwinden. Verzweifelt wehrt sie sich gegen das über sie hereinbrechende Verhängniß. Umsonst! Wenn sie sich nicht augenblicklich operiren lasse, werde gänzliche Erblindung ihr Loos sein — so lautet der Spruch der Aerzte. Sie unterwirft sich in einer Privatanstalt in Mainz einer Operation ; — ihre Ersparnisse schwinden im Verlause der langwierigen Behandlung immer mehr, zudem wird sie auch noch von einer । ungetreuen Dienerin bestohlen, und so verläßt sie denn, ohne ihre völlige Heilung abwarten zu können, die theure Mainzer Anstalt, um, noch fast blind, wie sie ist, durch Ausüben ihrer Kunst die nöthigen Mittel zu einer zweiten Operation zu sammeln. So kommt sie nach Gießen. Die nicht hoch genug anzuschlagende Protection einiger Damen und Herren aus dem Beamten- und Professorenstand verhilft ihr zu einigen, für ihre bedrängte Lage nicht unansehnlichen Einnahmen. Aber es reicht nicht, um weiter zu kommen,- zudem wird sie krank. Sie ist also gezwungen, den Winter über hier zu bleiben, ohne Freund, ohne irgend ein Wesen, das sich liebevoll um sie kümmerte. So steht die beklagenswerthe Dame, der übrigens in allen Zeiten der Noth und Bedrängniß die unentwegte Liebe zur Kunst und ihr herrliches Talent ungebrochen geblieben ist, nunmehr, nach ihrer völligen Genesung, vor einem Deficit. Dieses Deficit würde aber völlig gedeckt, wenn sie für ihre beiden Abschieds- vorlesungen volle Häuser erzielte. Und deshalb gestatten wir uns nochmals an alle freundlichen Leser die Bitte, nach Kräften, auch in Bekanntenkreisen, für einen recht zahlreichen Besuch dieser Vorlesungen wirken zu wollen. Eine Künstlerin, der unser erhabener Landessürst einst seine besondere Anerkennung über ihre Leistungen ausdrücken ließ, soll nicht sagen dürfen, daß sie in der an Intelligenz eigentlich naturgemäß am höchsten stehenden Stadt seines Landes vergebens aus Anerkennung habe warten müssen.
w. Theater. Wenn man die ganz im Abonnement gegebene Darstellung von „S o d o ms En d e" von Sudermann mit der sechsten unter gleichen Bedingungen erfolgten Ausführung der „Ehre" vergleicht, so drängt sich einem die auch anderwärts überall gemachte Wahrnehmung aus, daß das neue Drama Sudermanns für größere Kreise nicht die halbe Anziehungskraft seines dramatischen Erstlingswerkes besitzt. Die Schuld an dieser Thatsache mag zum größten Theil der Mangel an denjenigen derberen Wirkungen in „Sodoms Ende" sein, mit denen der Dichter die Ehre so reich ausgestattet hat. — Was die Vorstellung anbelangt, so stand sie nicht ganz aus der Höhe der vorausgehenden. So gut, wie zum ersten Mal waren von den hauptsächlich in Betracht kommenden Darstellern Herr Rudolf Biebrach (Willi), Frau Anni I Reiners (Clärchen) und Herr Richard Goullon. Da
Rom, 29. Januar. Spanien und Portugal kündigten Handels- und Schiffahrtsverträge mit Italien an. Es verlautet, die Verhandlungen über neue Verträge würden demnächst beginnen.
Petersburg, 29. Januar. Nach einer Veröffentlichung im russischen „Invaliden" werden die Cavallerie- Reserve-Cadres Nr. 13 und 14 (Stäbe in Tambow) um je eine (vierte) Abtheilung vermehrt.
Conftautinopel, 29. Januar. Der „Agence de Constan- tinople" zufolge begnadigte der Sultan weitere 11 Armenier.
Chicago, 29. Januar. Durch Schneesturm ist der Verkehr im Nordwesten unterbrochen. Im westlichen Omaha ist die Union-Pacific-Eisenbahn unfahrbar. Der Telegraphenverkehr hat fast aufgehört.
Oechelhäuser (»all.) fraat tm, ob die Postverwaltmrg »icht an die Wtedereinbringung des Gesetzentwurfs betr. die Postsparkassen
StaatssecretSr Stephan: Die verbündeten Regierungen hätten sich noch nicht damit beschäftigt. Der Reichskanzler und er ständen den Kaffen sympathisch qegenüber, doch müffe man abwarten, ob die Post, die durch die Versicherungsgesetze schon belastet sei, neue Geschäfte übernehmen könne. . am c.r . „
Richter wendet sich gegenOechelhäusersVorschlagtmInteresse der Prioatfparkassen, sowie gegen Stephans Aeußerung, daß die Börsentelegramme keinen Vorzug hätten. DaS sei keine Widerlegung, denn die Courstelegramme hätten weniger Einfluß auf die Börse *18 die politischen und diese hätten einen Vorzug. Die Art, wie der Staatssecretäc ausweiche, gebe zu erkennen, daß hinter der Wolff- schen Angelegenheit mehr stecke, als der Regierung lieb wäre, aus- rudecken; um so mehr bestehe er auf seinem Antrag.
Vollmar (Soc.): Persönlich stimme er für die Herabsetzung der Telegraphengebühren. Er glaube nicht, daß es sich hier ausschließlich um den Geldbeutel größerer Verleger handle, da gerade kleinere Leitungen Vorthetl davon hätten. Auch die Fernsprech- gebühren müßten verbilligt werden. Wenn die Postverwaltung sich ihrer Fürsorge für die Unterbeamten rühme, so vergesse sie, daß das Verdienst dem Reichstage gebühre, der zuerst das Jntereffe der Unterbeamten vertreten habe. .
Ballestrem (Centrum) erklärt, des Centrums Standpuntt aeaenüber den Postsparkassen sei ablehnend.
Hartmann (cons.) wünscht, daß der Antrag Richter einer Commission überwiesen werde.
Richter erblickt hierin einen Verschleppungsversuch.
Die Discussion wird geschloffen, der Antrag Richter gegen die Conservattven angenommen.
Morgen: Reichsjustizamt.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphische- Torrefpondenz-Burecm.
Berlin, 29. Januar. In der heurigen Festsitzung der Akademie der Wissenschaften wurde die Geburtstagsfeier des Kaisers gleichzeitig mir dem Jahrestag Fried- Ms II. begangen. Mommsen sprach die wärmsten Glück- wünsche für den Kaiser aus und besprach sodann die volks- rvirthschastlichen Verdienste Friedrichs des Großen. Der Cul- tusminister wohnte der Feier bei.'
Berlin, 29. Januar. Der Bundesrath überwies Len Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen über die Biersteuer Len Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen und für Elsaß- Lothringen und ertheilte dem internationalen Uebereinkommen betr. den Eisenbahnverkehr seine Zustimmung.
Berlin, 29. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet : Dem Vernehmen nach wird der Chef des Generalstabs, Graf Waldersee, als Nachfolger Lesczinskis das Commando des neunten Armeecorps übernehmen.
Berlin, 29. Januar. Dem „Reichsanzeiger" zufolge verlieh Se. Maj. der Kaiser dem Chef des Geheimen Civil- cabinets, Wirki. Geh. Rath vr. vonLucanus, den rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub, sowie dem Chef des Geheimen Militärcabinets, General der Infanterie v. H a h n k e, den rothen Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe.
Berlin, 29. Januar. Beim Verlassen des Abgeordnetenhauses stürzte gestern Abend der Abgeordnete Windthorst einige Treppenstufen hinab und zog sich mehrere Hautabschürfungen, besonders im Gesichte, zu. Die Nacht verbrachte derselbe gut und das Allgemeinbefinden ist das befriedigendste.
Berlin, 29. Januar. Die Budgetcommission des Reichstages genehmigte die Extraordinarien für die Staats- | archive, die Forstverwaltung und die Gestütsverwaltung, so- ; wie den Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung und den ; Justizetat unverändert. In der daraus folgenden Weiter- berathung des Militäretats wurde eine Reihe Titel unverändert bewilligt- die Rationen für die abgelehnten Stabs- osfiziersstellen wurden in Consequenz dieser Ablehnung abgesetzt. Eine längere Debatte rief die Mehrforderung von 2064286 Mk. für Chargenpferde, für deren Brauchbarkeit nicht mehr fünfjährige, sondern vierjährige Dauer angenommen wird, hervor. Die Abgeordneten v. Keudell, v. Maffow, Dr. v. Frege, Dr. Hammacher und v. Huene sprachen für die Herabsetzung, die Abg. Hintze, Prinz von Arenberg, Graf Behr nnt) Richter gegen dieselbe. Die Abstimmung wurde vertagt.
Wie», 29. Januar. Kaiser Wilhelm ertheilte den Auftrag, morgen, am Sterbetage des Kronprinzen Rudolf, auf dessen Sarg einen Kranz mit der Widmung: „Dem treuen Freunde — Kaiser Wilhelm II." niederzulegen.
London, 29. Januar. Der Schatzkanzler Goschen hielt gestern aus dem Jahresessen der Handelskammer in Leeds eine Rede, in welcher er auf die jüngste Finanzkrise hin- wies. Er sagte, daß er mit Hilfe der Bank von England beschäftigt sei, einen Plan ausfindig zu machen, durch welchen die Hilfsquellen des Landes verstärkt und finanzielle Katastrophen abgewendet werden könnten. Die gegenwärtige Goldreserve der Bank von England sei im Allgemeinen unzureichend und sollte mindestens 25 Millionen betragen, vielleicht auf 26 oder 27 Millionen erhöht werden. Zur Herstellung einer zweiten Goldreserve befürworte er die Ausgabe von 20 Millionen Einpfundnoten. Die * Ausgabe von Zehn- Shillingnoten gegen Silberdeckung sei in Aussicht genommen.
Brüssel, 29. Januar. Der Leichenzug des Prinzen Balduin setzte sich Vormittags KU/zUhr unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute der Todtenglocken von dem Palais des Grafen von Flandern aus in Bewegung. Alle Straßen, welche der Leichenzug passirte, waren bereits seit Lem frühen Morgen von einer zahlreichen Menschenmenge Licht besetzt. Sämmtliche Häuser tragen Trauerzeichen und Lie brennenden Gaslaternen sind mit Flor verhängt.
Rom, 29. Januar. Auf eine Anfrage über das Verhalten der Regierung gegenüber der Koch'schen Entdeckung erwiderte der erste Lord des Schatzes, Smith, die weitverbreitete Anerkennung des Werthes des Heilmittels Seitens der Aerzte und das Gefühl' der den Mitmenschen erwiesenen Wohlthaten sei Kochs große Belohnung. Er glaube, kein Schritt der englischen Regierung könne Kochs Genugthuung Äber die Aufnahme seiner Entdeckung erhöhen.
gegen sehen wir uns gezwungen, Herrn Winolt (Riemann) Vorhaltungen zu machen. Trotzdem „Sodoms Ende" zum vierten Mal gegeben wurde, zeigte er wiederholt eine mangelhafte Beherrschung seiner Rolle, mehr noch, als bei der ersten Aufführung. Einzelne kleine Stellen blieben geradezu weg, Pointen gingen verloren, Stockungen im Vortrag kamen dazu. Es thut uns doppelt leid, einem so befähigten und durch langjährige Thätigkeit so routinierten Schauspieler, wie Herrn Winolt, diese Vorstellungen machen zu müssen und wir würden in Anbetracht dessen lieber eine Bemerkung ganz unterdrückt haben, wenn wir unsere Beobachtung gestern als eine vereinzelte ansehen könnten. Besser noch als in einer der vorausgehenden Aufführungen war Frl. Elisabeth Bischofs, besonders in der Scene im dritten Acte mit Frau Janikow.
— Am 1. Februar beginnt die Schonzeit für weibliches Reh- und Damwild; dieselbe dauert bis 15. October. Ebenso beginnt an diesem Tage die Schonzeit für Hasen.
— Ein seit mehreren Tagen sich in hiesiger Stadt herumtreibender Mann, angeblich gewesener Unteroffizier, der von einer Wirthschaft zur andern ging, Zechschulden machte und immer wieder verduftete, um in einem andern Local auf- zutauchen, wurde gestern verhaftet. — Ebenso treibt sich in den letzten Tagen ein Fremder, von Statur schlank und groß, mit röthlichem Vollbart, bekleidet mit braunem gutem Anzug, ohne Ueberzieher, schwarzen Glacehandschuhen, in hiesiger Stadt herum und besucht bessere Familien, wahrscheinlich als Hochstapler. Derselbe konnte bis jetzt polizeilich noch nicht an-- gehalten werden.
Lich, 28. Januar. Gestern Abend sand zu Ehren des Geburtsfestes unseres Kaisers ein großes Fest bank et bei Gastwirth Heiland dahier statt. An demselben betheiligten sich alle Stände und Parteien unserer Stadt, weßhalb auch der sehr geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Die sehr gehobene Feststimmung wurde noch wesentlich erhöht durch die Musikvorträge der Herren Vorsteher Weitert, Lehrer Jäger und Zimmer, sowie durch die Liedervorträge des Gesangvereins und die Einzelvorträge weiterer hiesiger Herren. In die Toaste der Herren Lehrer Wagner aus den Kaiser, Oberamtsrichter Langermann aus unseren Großherzog und Pfarrverwalter Lehr auf die Kaiserin stimmten die Versammelten begeistert ein und schickten sofort im Anschluß hieran ein Glückwunschtelegramm an unseren Kaiser ab. Möge der Geist der Eintracht, der bei diesem so schönen Feste den Grundton bildete, für immer Gemeingut unserer Stadt verbleiben.
— Aus Rüddingshausen wird dem „Grünb. Anz." geschrieben : Der hiesige Ortsbürger I. L. III., im Besitze von zwei Haushähnen, wollte den älteren von beiden verkaufen. Ein Kauflustiger, W. N., bot ihm 1 Mk., was jedoch dem Besitzer zu wenig erschien. Nach längerem Hin- und Herreden erklärte sich W. N. bereit, den Hahn aus lebendiges Gewicht zu kaufen und mit 50 Pf. pro Pfund zw bezahlen. Zur Feststellung des Gewichts erschien am geeignetsten — die Viehwaage (!), wohin man sich denn auch begab. Höchlich amüsirt empfing der Wiegemeister das ihm gebrachte Stück Vieh und beförderte es auf die Viehwaage. Ganz verwundert schaute sich der König des Hühnerhanses in dem ihm fremden Raume um und nur durch einige kurz hervorgestoßene Töne suchte er den Dank für die ihm widerfahrene Ehre auszudrücken. Als Gewicht des Sporenhelden wurden 3 Pfund festgestellt, demnach ein Erlös von 1 Mk. 50 Pfg. — Nachdem man noch zur Beglaubigung des Thatbestandes den Hals des Hahnes mit dem erforderlichen „Wiegeschein" geziert hatte, wurde er seinem neuen Herrn seierlichst überbracht. — Heil aber unserer mit der Cultur siegreich fortschreitenden Zeit, in der sich Scherz und Ernst mit dem Praktischen auf so heitere Weise verbindet.
Bersrod, 28. Januar. „Kauf und verkauf keine Katz im Sack!" das muß das Motiv für den heutigen Landwirth sein, wenn er bestehen will. Darum streben auch diele Ge- meinden darnach, eine Viehwaage zu besitzen. Ein Beispiel, mag zeigen, wie vortheilhast es ist, sein Vieh erst zu wiegen,, ehe man handelt. Ein hiesiger Landwirth forderte unlängst einem Handelsmann für ein Kalb 28 Mk. Der Handel konnte aber nicht abgeschlossen werden, weil dem Käufer der Kaufpreis zn hoch erschien, und wurde daraufhin das Kalb aufs Schlachtgewicht nach Gießen geliefert, wodurch der Verkäufer 7 Mk. mehr erhielt. Ein gleicher Fall fand in dem benachbarten Reiskirchen beim Verkauf von Schlachtochsen statt. — Wenn der Landwirrh weiß, was sein Vieh wiegt, so fordert er darnach. — Die Gemeinde Bersrod ist jetzt in der Lage,, ihr Vieh zu wiegen, indem sie von Kaufmann Moll in Grün- berg eine Viehwaage erstanden hat.
Mendorf a. d. Lda., 28. Januar. Auf dem Gebiete des rationellen landwirthschaftlichen Betriebes hat man hier in jüngster Zeit einen nicht unbedeutenden Ruck nach vorwärts wahrgenommen. Von zwei hiesigen Gesellschaften wurden nämlich ganz, unvermuthet je eine große Dampfdreschmaschine Tngekaust, von denen die eine bereits angekommen ist und auf den benachbarten Oeconomiehöfen auch noch Arbeit gefunden hat. Die andere soll erst in einigen Wochen eintreffen und vorderhand bei einer noch einzurichtenden Holzschneiderei verwendet werden. Gewiß ist dies für die Herren Oeconomen hier und in der Umgegend recht erfreulich, da sie in Zukunft oorkommenden Falls rascher bedient werden könnten. Möchten nur auch die Unternehmer ihre Rechnung finden und sich nicht gegenseitig im Lichte stehen!
Lauterbach. Bekanntlich hat die hiesige Molkereigenossenschaft, nachdem sie bereits auf ihrer Betriebsstätte in Fulda mit Erfolg den vorhandenen Brunnen tiefer gebohrt hatte, dasselbe auch aus der hiesigen Anlage versucht. Die Sache war nicht leicht, da der vorhandene Brunnen bereits 15 Meter tief war und die Brunnensohle aus festem Basaltfelsen bestand; aber der Brunnen lieferte nicht genügend Wasser, deshalb mußte der Versuch gemacht werden, zumal der Bohrunternehmer Herr Pettenpohl aus Detmold für jede


