1. Donnerstag den 1. Januar 1391.
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Bekanntmachung,
die Maul- und Klauenseuche zu Obbornhosen betreffend.
Nachdem die zu Obbornhofen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, heben wir die angeordneten Sperrmaßregeln hierdurch wieder aus.
Gießen, den 30. December 1890.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium der Innern und der Justiz dem „Bayerischen Lloyd", T. '.LportversicherungsactiengeseÜschast in München, die Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Groß- herzogthum auf Widerruf ertheilt hat.
Gießen, den 29. December 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, am 30. December 1890. Betr.: Ausbildung von Obstbaumwärtern.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen
an die Großh. Bürgermeisterrirn de- KreiseS.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein Gießen hat in dem Voranschläge pro 18W/91 eine Subvention von 700 Mark für junge Leute, welche an einem Obstbaumwärter - Cursus Theil nehmen, in Ausgabe vorgesehen. Der Betrag von 300 Mark ist zu diesem Zwecke dem landwirthschaftlichen Bezirksverein von der Sparkaffe zu Grünberg unter der Bedingung zur Versügung gestellt worden, daß auch jungen Leuten aus den zum Sparkaffebezirk Gcünberg gehörenden Orten zum Besuche eines Obstbaumwärter-Cursus die entsprechende Subvention bewilligt wird.
Bewerber um Bewilligung dieser Subvention aus den zum.Kreise Gießen und den zum Sparkaffebezirk Grünberg gehörenden Gemeinden der Kreise Alsfeld und Schotten werden zur alsbaldigen Einreichung ihrer Gesuche und etwaiger Zeug- niffe bei der betreffenden Bürgermeisterei unter dem Anfügen aufgefordert, daß unter mehreren Bewerben! die Priorität der Anmeldung Anspruch auf vorzugsweise Berücksichtigung gibt und daß die Subvention namentlich unbemittelten Personen zugewendet werden wird; zugleich ist von den Bewerbern anzugeben, welchen Obstbaumwärter-Cursus sie besuchen wollen und welcher Subvention sie zu diesem Behufe bedürfen.
Der Lehrcursus für Obstbaumwärter bei Baumschulenbesitzer Th. Jäger in Bensheim a. d. B. beginnt den 9. März und endet den 9. Mai 1891. Der Sommer-Cursus beginnt daselbst im Monat August und dauert 3 Wochen. Die Unterrichtszeit dauert daher 2 Monate und 3 Wochen in Bensheim. Der Obstbau-Cursus an der Ackerbauschiüe zu Friedberg dauert nur 8 Wochen, von welchen 5 Wochen auf die Zeit von Anfang März bis April und 3 Wochen in den Monat August fallen.
Junge Leute, die an dem Obstbaumwärter-Cursus in Bensheim Theil nehmen, erhalten daher eine höhere Subvention (bis zu 100 Mark) als diejenigen, die an dem Obstbau-Cursus zu Friedberg Thell nehmen (70 bis 80 Mk.)
Die Großh Bürgermeistereien werden ersucht, dieser Bekanntmachung die thunlichste Verbreitung zu verschaffen, Anmeldungen entgegenzunehmen und dieselben unter Begutachtung der Gesuche an den Unterzeichneten spätestens bis zum 1. Februar 1891 einzusenden, damit die Gesuche dem Aus- schuffe zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden können.
Zugleich ersuche ich Sie weiter, sich zu bemühen, geeignete Zöglinge für die genannten Obstbau-Curse ausfindig zu machen und zur Anmeldung zu veranlaffen.
Jost.
Nerrjahrsgrrrtz.
Ein Jahr floh wieder von der Schwelle; Vollendet hat es seinen Lauf;
Und wieder schlügt an feiner Stelle Ein neues jetzl die Augen auf. Was eS wohl birgt in feinem Schooß. ? Ob dünkte ober hetl're Loose?
O forschet nicht! Laßt voll Vertrauen Uns heute in die Zukunft schauer!
Lebt doch ein Gott, der weiß zu jeder Frist, WaS Jedem nützt, was Jedem heilsam ist!
Und beugten uns auch Kummertage, Und sänke tief uns auch bei Muth — Geduld! Nicht immer währt die Plage, Und endlich wird doch Alles gut. Was sollte aus dem Saatkorn werden. Gab' es nur Sonnenschein auf Erden? So muß auch zu des Menschen Frommen Btßweilen Schmerz und Trübsal kommen. Doch welch Glück, wenn dann nach Leidensnacht Uns wieder yell die Freudensonne lacht!
So sei die Hoffnung uns Begleiter, Der Glaube unser Halt und Stab, Die Liede aber kränze heiter Den Lebenspsad uns bis zum Grab! Was wär' auch Dasein ohne Liebe? Sie nur bleibt treu, wenn nichts uns bliebe. D'rum, wo auf weitem Erdenrunde Ein Herz uns schlägt, mit dem zur Stunde Uns noch verknüpft der Liebe beii'ges Band — Befohlen sei's in Gottes Vaterhand!
Magst du denn sonncnwärts nun regen Zum Flug das dunkle L-chwingenpaar Und aller Menschheit HU! und Segen In Fülle bringen, neues Jahr! Zn Frieden reife unsre Saaten, Gieb Lust und Kraft zu edlen Thaten, Zu jedem guten Werk Gelingen Und ernstem Streben das Vollbringen; Dann, junges Jahr, stellst deinen Lauf du ein, Sollst dankbar du von uns gesegnet fein!
\ E. Greiner.
Ium Jahreswechsel'.
Wenn es einen zweiten Moment im Lause der Tage eines Jahres gibt, in dem uns der Glockenklang wie am Weihnachtsabend so feierlich stimmt und so wunderbar tief das Gemüth erregt, so ist es das Grabgeläute des scheidenden Jahres und der Morgengruß der Glocken an das neue, kommende Jahr. Zieht beim Klang der Weihnachtsglocken Freude ein in's Menschenherz, so beschleicht es beim Scheidegruß der Glocken an das verwichene Jahr Wehmuth, ernste Stimmung, ja Trauer. Es ist ja im Leben einmal so eingerichtet, daß Trennung, Abschied Wehmuth bereitet. Und so ist auch der Augenblick, in dem vom Thurme die Glocken das alte Jahr zu Grabe läuten, ein gar feierlicher, ernster, erhebender.
Im Geiste ziehen in diesem Augenblick all' die dunklen und die heiteren Loose, die man im verronnenen Jahre gezogen hat, an uns vorüber. Dankbar gedenkt das von wahrem Glauben durchdrungene Christenherz der empfangenen Wohlthaten des allgütigen Vaters, gedenkt des Segens, den es bei aller Mühe und Arbeit ja doch empfangen hat und preist sich glücklich, mit Gottes Hilfe wieder ein Jahr überstanden zu haben. Doch nicht nur die sonnigen Tage des Jahres ziehen im Gedankenflug vorüber, auch die Stunden, in denen Kummer und Herzleid uns bedrückte, in denen wir mit dem Schicksal haderten, in denen wir von Wetterwolken des Unglücks umlagert waren, passiren Revue. Trotziger Unglaube verwünscht sie, flucht ihnen,- frommer Christenglaube dankt der Kraft, der Hilfe, die sie, die dunklen Loose, tragen und überstehen hals und die doch allein nur von oben kommt. Wie so die Erlebnisse und Erfahrungen im eigenen Leben vorüberziehen, so gedenkt man auch in der Scheidestunde des Jahres der wichtigsten Ereignisse draußen im hastenden, brausenden Weltverkehr, gedenkt der großen Tobten, welche das scheidende Jahr gefordert, gedenkt all' der schweren Schickungen, welche hier und da die Menschheit betroffen und gedenkt auch der fegenbringenden Erfindungen und Entdeckungen, des Fortschritts und der Entwickelung aller Gebiete der Cultur.
Da verstummt der letzte Glockenrlang des alten Jahres. Wir halten ein mit unserem Gedankenflug, blitzschnell sind die Ereigniffe und Erlebnisse im verlaufenen Jahre an uns vorübergezogen.
Ein paar Stunden noch, dann ist das alte Jahr hingeschwunden in'S Meer der Ewigkeit abermaliger Glockenklang verkündet den Eintritt in das neue. Was eS bringen wird? Mir und Dir? Ich lese diese Frage in Deinen Augen. Niemand weiß es, aber das weiß ich, daß der Weg durch's
neue Jahr sich sicher wandeln läßt, waS für Steine des Anstoßes ihn auch bedecken, wenn man den Stab des lebendigen Gottvertrauens fest in feine Hand drückt und muthig, hoffnungsvoll, unbeirrt dem höchsten Ziele zustrebt. In diesem Sinne allen unseren lieben Lesern
ein glückliches Neujahr!
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphifcheS Lorrespondenz-Burrau.
Berlin, 30. December. Der „Kreuzzeitung" zufolge hat Consistorialrath Hegel wegen hohen Alters und Abnahme der Kräfte seine Versetzung in den Ruhestand nach- gesucht.
Berlin, 30. December. Der Stadtverordnetenvorsteher Stryck widmete in der heutigen Stadtverordneten-Versamm- lung dem verstorbenen Ehrenbürger Berlins, Dr. Schliemann, einen ehrenden Nachruf.
Berlin, 30. December. Für die im nächsten Frühjahre unter dem Protektorate der Kaiserin Friedrich hier stattfindende internationale Kunstausstellung hat der Magistrat eine Beisteuer von 100,000 Mk. bewilligt.
Berlin, 30. December. Der Landwirthfchastsminister gestattete widerruflich auf Grund einer Ermächtigung des Bundesraths die Einfuhr lebenden Rindviehes aus Oesterreich-Ungarn in. die Schlachthäuser der Städte Bromberg, Magdeburg, Zeitz, Erfurt, Münster i. W., Frankfurt a. M., Wiesbaden und Köln.
Bremerhaven, 30. December Der heute angekommene deutsche Dampfer „Australia" nahm die Mannschaft des englischen Dampfers „Sheffaly" aus, der gestern brennend unweit Borkum verlassen worden war. Das englische Schiff war mit Baumwolle beladen und von New-Orleans nach Hamburg bestimmt.
Preßburg, 30. December. Der Kaiser eröffnete heute die neue Donaubrücke, überschritt dieselbe und drückte seine Zufriedenheit über den raschen und schönen Bau aus. Sodann empfing der Kaiser die Huldigungsdeputationen aller Stände und Confessionen. Auf die Ansprache der Deputation der Handels- und Gewerbekammer erwiderte der Kaiser, die Industrie und der Handel bildeten in allen Ländern den Gegenstand ernster Vorsorge der Regierungen; auch er würdige ihre aus das ganze Staatsleben einwirkende große Wichtigkeit, weßhalb sie seines eifrigsten Schutzes sicher fein könnten.
Triest, 30. December. Das österreichische Borkschiff „Maria Andraina" wurde vorgestern durch einen heftigen Sturm im hiesigen Hasen von den Ankern losgerissen und versank trotz der Rettungsversuche dreier Lloyddampser auf der Höhe von Jsola; sechs Mann der Besatzung wurden gerettet, vier ertranken.
London, 30. December. Die Dockarbeiter in Hüll stellten heute Nachmittag die Arbeit ein, weil die Schiffseigner auch Nichtvereinler beschäftigten. Sie beschlossen, mit Ausnahme der Schiffe der Wilson-Linie, kein dem Schiffs- eignerverbande angehöriges Schiff zu betreten. — In Carlisle und Dundee dauert der Strike der Eisenbahn- bediensteten fort, während er in Aberdeen scheiterte. Der Verkehr ist beinahe wieder normal.
Nom, 30. December. „Esercito Jtaliano" sagt anläßlich der Truppenrecognoscirungen in den Alpen/ daß die Ju- > structionen betreffs der Grenzbewachung keinerlei Aen- derungen ersahren haben, daß auch keine Widerwärtigkeit Veranlassung^ geben könnte, diese Ueberwachung minder eifrig zu gestalten. Das Blatt fügt hinzu, daß Italien von französischen Offizieren buchstäblich überfluthet wurde, ohne daß man diesbezüglich Maßregeln ergreift, die wahrscheinlich ein großes Aufsehen erregen würden. Erst vor fünf Tagen fei an der Grenze bei Nizza ein französischer Offizier, der compromit- tirende Documente hatte, angehalten, in Folge einer den Localbehörden ertheilten Weisung aber zur Grenze zurückge- führt und sreigelaffen worden.
Madrid, 30. December. Ein gestern unterzeichnetes Decret beruft die neuen Cortes auf den 2. März ein.
Petersburg, 30. December. Die „Nowoje Wremja" bespricht die Bemerkungen Freycinets in seiner Wahlrede, daß man noch nicht von einer dauernden Herrschaft des Friedens sprechen könne, und bemerkt dazu: Die dritte Republik fei auf dem Wege, sich immer mehr zu befestigen. Niemand könne eine Bürgschaft dafür übernehmen, daß nicht neue Kämpfe der Parteien im Innern ausbrechen, aus denen einer der Nachbarn Frankreichs Nutzen ziehen könnte. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet sei die Vollendung des


