Werkes für die nationale Vertheidigung eine Frage der Existenz der französischen Republik.
Odessa, 30. December. Die Schiffahrt ist wegen Frostes gänzlich eingestellt.
Belgrad, 30. December. Die Regierung brachte m der Skuptschtina eine Vorlage ein betreffs einer Anleihe von zehn Millionen Dinars für außerordentliche militärische Bedürfnisse, zu deren Bedeckung die Skuptschtina im Frühjahre einen sechsprocentigen Steuerzuschlag bewilligte. Dieselbe suchte gleichzeitig die Bewilligung des Budgetprovisoriums bis Ende Januar nach. — Ein Rescript des Ministers des Innern ordnet wegen der in den östlichen Bezirken constatir- ren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche eine strenge Untersuchung der Viehtransporte an. Verdächtige Thiere sollen einer vierzehntägigen Quarantäne unterliegen. Ferner sind Bestimmungen getroffen über Kautelen bei Ausstellung der Ursprungspässe.
Athen, 30. December. Meldung des Bureau Reuter. Da die Regierung argwöhnt, daß eine größere Anzahl bewaffneter Flüchtlinge aus Kreta beabsichtige, demnächst nach Kreta zurückzukehren, um dort Ruhestörungen zu erregen, so ist das zwischen Cap Sumum und Cap Matapan befindliche Kreuzergeschwader angewiesen worden, alle nach Kreta fahrenden Schiffe mit Waffen oder Munition mit Beschlag zu belegen.
NewHork, 30. December. Nach einem neueren Telegramm des Agenten der Vereinigten Staaten in Pine Ridge beträgt die Zahl der getödteten Indianer, Männer, Frauen und Kinder, etwa 300.
RewYork, 30. December. Oberst Forsyth ist mit seinem Cavallericregiment heute Vormittag in Pine Ridge eingetroffen. Derselbe telegraphirt, daß in dem Kampfe am Porcupine Creek 25 Cavalleristen getödtet und 34 verwundet seien. Einem Telegramm aus Omaha zufolge versuchten in Ler Nähe von Pine Ridge 30 Indianer einen Munitionszug zu überfallen. Sie wurden jedoch von der Militärescorte sämmtlich getödtet. Die Bewohner von den Grenzen der Reservation begeben sich zahlreich in die benachbarten Städte.
Locales uttö ^provinzielles.
Gießen, 31. December.
— Der heutigen Nummer liegt der Wandkalender für 1891 bei. Mit dem Wunsche, daß das neue Jahr unseren Lesern recht viele frohe Tage bringen möge, rufen wir Ihnen ein herzliches „Prosit Neujahr!" zu.
— Sitzung der Stadtverordneten am 30. December. Anwesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Keller, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmal!, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.
Aus der Tagesordnung standen zunächst zwei Gesuche, über welche sich die Versammlung bezüglich des Vorhandenseins des Bedürfnisses zum Ausschank von Branntwein zu äußern hatte. Herr Ludwig Loth beabsichtigt in seinem Laden, Wallthorstraße 23, Verkauf von Branntwein über die Straße zu betreiben, Herr Georg Hauß den Wirthschafts- betrieb im Hause des Herrn Martin Weiner (Dammstraße), für welchen zur Zeit Berechtigung zum Ausschank von Branntwein nicht bestand, mit Branntwein-Ausschank fortzusetzen. Es wird dem Anträge der Commission entsprechend Bejahung der Bedürsnißsrage bezüglich beider Gesuche beschlossen. — Infolge des im vorigen Sommer zur Ausführung gebrachten Beschlusses, die Kriegergräber aus dem Friedhose in Stand zu setzen und jedes einzelne derselben mit einem, den Namen des Kriegers tragenden eisernen, aus Steinsockel befestigten Kreuze zu versehen, sind für das Aufstellen der Kreuze Kosten im Betrage von 110.60 Mk. entstanden. Die Kosten werden bewilligt. — Dem Anträge einer auswärtigen Holzgroßhandlung, ihr das im Gießener Stadtwalde pro 1891/92 anfallende Eichen st ammholz freihändig zu verkaufen, sowie die zu Eisenbahnschwellen bestimmten Stammabschnitte anstatt wie seither auf 2,5 auf 2,7 Meter Länge abzulängen, wird nicht genehmigt, da einestheils die seitherige Art des Verkaufs auf dem Submissionswege sich bewährt, anderntheils nicht bekannt ist, daß die Eisenbahn-Verwaltungen eine über 2,5 Meter hinaus gehende Länge der Schwellen verlangen. — Gegen den Eintritt eines neuen Theilhabers an Stelle eines ausscheidenden an der Feldjagd vor dem Wallthor findet die Versammlung nichts zu erinnern. — Für Fortführung der Personenstandsregister wird den dieselbe besorgenden Rathsdienern die übliche Vergütung angewiesen. — Die Anbringung eines Briefkastens an den neuen Kliniken wird unter der Bedingung gestattet, daß dieser Briefkasten oberhalb des oberen Eingangsthores angebracht wird. — Dem Gesuch des Herrn C. Valentin um Verbreiterung des nach seinem Steinbruch am Hardtberge führenden Weges, dessen Ausbau usw. Gesuchsteller gegen niedrig bemeffene Vergütung selbst auszuführen sich bereit erklärt, wird nicht stattgegeben. Die Versammlung ist in Uebereinstimmung mit der Baudeputation der Ansicht, daß ein öffentliches Interesse an fraglichem Wege, welches einen chausseemäßigen Ausbau rechtfertigen würde, hier nicht vorliege. — Unter Berücksichtigung zweier Eingaben von Hausbesitzern in der Damm st raße soll die Straße, unter massiver Ueberbrückung des Schoorgrabens der Nordanlage, bis zur Steinstraße ausgebaut werden. Die Kosten sind aus 12 300 Mk. veranschlagt, einschließlich der Brücke, bei deren Anlage Rücksicht auf die zukünftige Conalisation der Stadt, sowie auf die Fortsetzung der Ueberwölbung des Schoorgrabens genommen werden soll. — Der den zeitigen Be- burfnissen nicht mehr entsprechende Kassenschrank der Stadtkasfe soll durch einen neuen, größeren ersetzt werden. Vorbehaltlich weiterer Unterhandlungen über den Preis des neuen Schrankes werden 1000 Mk. hierfür bewilligt. Der alte Schrank soll später für die Armenkasse verwendet werden. — Das Gesuch der Schutzmänner Lang, Hinter, Otterbein, Wolf und Krause um Erhöhung ihres Gehaltes resp. Aus
rucken in eine ihrer Dienstzeit nach infolge der neuerdings erfolgten Festsetzung der Gehälter höhere Gehaltsklasse wird genehmigt. — Gegen den Voranschlag Großh. Polizeiamts über die sachlichen Bedürfnisse für 1891/92 im Betrage von 33 937 Mk. werden von der Versammlung Einwendungen nicht erhoben; ebenso erfolgt Genehmigung des Voranschlags der Vorschule des Gymnasiums für 1891/92. — Bezüglich des Gesuches der Lehrer um Erhöhung der Vergütung für den Fortbildungsunterricht wird beschlossen, den definitiv angestellten Lehrern anstatt der seitherigen Vergütung von Mk. 1,50 per Stunde 2 Mk. zu bewilligen, die Vergütung an die Schulverwalter hingegen aus Mk. 1,50 per Stunde zu belassen. — Dem Gesuch des Allgem. Vereins für Armen- und Krankenpflege entsprechend soll an der Ecke des Schwesternhauses in der Lonystraße eine Richtlaterne aufgestellt werden. — Zufolge Gesuchs mehrerer dortiger Bewohner soll aus dem Riegelpsad zwischen Ludwigstraße und der Röder'schen Besitzung eine zweite Petroleumlaterne ausgestellt werden, nachdem die nachgesuchte Ausbefferung des Weges bereits vorgenommen wurde. — Der Voranschlag des Gaswerks für 1891/92, balancirend in Einnahme und Ausgabe mit Mk. 245,500, wird gutgeheißcn. Von der aus dem Werke ruhenden Schuld von 464,760 Mk. sollen im Voranschlagsjahr 25000 Mk. abgetragen werden, der voraussichtliche Gewinnüberschuß ist mit 15 000 Mk. eingestellt. Unter den außerordentlichen Ausgaben sind Mk. 5000 für Erweiterung des Gaswerkes und Mk. 11000 für Erweiterung des Rohrnetzes, Ausstellung neuer Candelaber u. s. w. vorgesehen. Als voraussichtlich erzeugtes Gasquantum werden 760000 Cbm. angenommen. — Der Voranschlag des Wasserwerks gleicht sich aus in Einnahme und Ausgabe mit Mk. 73 538, die durchschnittliche tägliche Wasserzuflußmenge aus den Quellen ist mit 720 Cbm. angenommen. Am 1. October 1890 betrug die Zahl der Häuseranschlüffe rund 500, es wird im Vvr- anschlagsjahr aus eine Mindestzunahme von 45 Anschlüssen gerechnet, so daß damit stark ein Drittel sämmtlicher 1420 Wohngebäude angeschlossen ist. Wie aus den vom Herrn Oberbürgermeister gegebenen Erläuterungen hervorgeht, hat die Deputation für das Gas- und Wasserwerk beantragt, vom 1. April 1891 Wassermessermiethe nicht mehr zu erheben, ferner den Bezug des Wassers zu erleichtern in der Art, daß der jährlich zu entrichtende Mindestbetrag von 20 Mk. für ein Haus mit einer Familie auf 15 Mk., von 30 Mk. für zwei Familien aus 25 Mk. und von 40 Mk. für drei Familien auf 35 Mk. herabgesetzt werde. Diese Herabsetzung des Mindestbetrags würde einer durchschnittlichen Ermäßigung des Wassergeldes von 30 aus 25 Psg. per Cbm. entsprechen. Eine Ermäßigung des Cubikmeterpreises eintreten zu lassen, hält die Deputation nicht der Absicht, die Zahl der Hauswasseranschlüffe zu vermehren, förderlich, da in diesem Falle nur die Großconsumenten profitiren würden. Durch Wegfall der Waffermeffermiethe von Mk. 7,20 pro Jahr und Stück erwächst der Stadt zwar eine Mindereinnahme von 3800 Mk. und in Folge der Herabsetzung des Wafferzinses eine solche von ca. 500 Mk., es ist indeß Hoffnung auf Deckung des Gesammtausfalles vorhanden, wenn durch die int Voranschläge vorgesehenen Erleichterungen im Waffer- bezuge vielen kleinen und mittleren Häusern, besonders in den alten Stadttheilen, der Anschluß ermöglicht wird. Es sind beispielsweise für ein von einer Familie bewohntes Haus anstatt der seither entrichteten 20 Mk. jährlichen Wasserzinses und 7 Mk. 20 Pfg. Wassermessermiethe — 27 Mk. 20 Psg. vom 1. April 1891 nur noch 15 Mk., für ein von zwei Familien bewohntes Haus nur noch 25 Mk. (anstatt seither 37 Mk. 20 Pf.) und für ein von 3 Familien bewohntes Haus 35 Mk. (anstatt seither 47 Mk. 20 Pfg.) zu entrichten. Der Voranschlag wird unter Annahme der beantragten Erleichterungen angenommen, lieber die von Herrn Stadtverordneten Schmal! angeregte Frage, ob infolge des schlechter gewordenen Wassers der Pumpe vor dem Gail'schen Hause in der Neustadt diese vielleicht durch einen Ventilbrunnen ersetzt werden könne, soll der Deputation für das Gas- und Wasserwerk Vorlage gemacht werden. Von einer Vermehrung der öffentlichen Ventilbrunnen soll, um die Einführung der Quellwasserleitung in die Häuser zu einer möglichst allgemeinen zu machen, im Principe möglichst ab- gegangen werden. Die Deputation wird angesichts der oben mitgetheilten Vergünstigungen für die Herstellung von Häuseranschlüssen, des Vorhandenseins eines Ventilbrunnens aus Oswalds Garten und der Ausstellung eines Ventilbrunnens in der großen Mühlgasse (wohin der an der Ostanlage, gegenüber der Wiesenstraße stehende Brunnen versetzt werden soll) zu erwägen haben, inwieweit es nöthig ist, für die eventuell zu entfernende Pumpe vor dem Gail'schen Hause Ersatz zu schaffen. — In Bezug auf das am 1. Januar in Kraft tretende Alters- undJnvaliditäts-Versicherungs- gesetz wird von Herrn Oberbürgermeister Gnauth mit- getheilt, daß, soweit eine Uebersicht der von der Bürgermeisterei in Ausführung des Gesetzes zu bewältigenden Arbeiten seither möglich gewesen, das vorhandene Bureaupersonal hinreichend erscheine. Dagegen werde sich für das Einkassiren der Beiträge, falls die Stadtverordneten-Versammlung nicht beschließe, daß dieselben von den Verpflichteten auf der Bürgermeisterei selbst abzuführen seien, ine Anstellung einer Person nöthig machen. Was die Zahl der an der Versicherung Jn- tereffirten betrifft, so kommen für Gießen ca. 13u0 Arbeitgeber und 2200 Arbeitnehmer (ausschließlich der Mitglieder von Ortskrankenkassen, Knappschastskasfen u. s. w.) in Betracht, durch welche ein sehr umfangreicher Verkehr auf der Bürgermeisterei herbeigeführt werden würde, wenn sie die wöchentlichen Beiträge selbst abliefern sollten. Herr Ober bürgermeister Gnauth erachtet es deßhalb sowohl im Interesse der Betheiligten, wie der Vereinfachung des Einkassirungs- geschästes für geboten, die Versicherungsbeiträge alle 4 Wochen bei den Arbeitgebern durch'eine gegen Vergütung anzunehmende Person einkassiren zu lassen. Was die Vergütung für das Einkassiren der Beiträge betreffe, so könne dieselbe, nach seither gemachten Erfahrungen bei anderen Kassen, auf 500 bis
600 Mk. iährlich bemessen werden, was einer Vergütung von 3 Mk. für 100 Einkassirungen gleichkomme. Die Versammlung möge deßhalb Beschluß fassen über die Fragen: Durch wen soll das Einkassiren der Beiträge erfolgen, welche Vergütung soll dafür bewilligt werden, soll die Bürgermeisterei durch Ausschlag der Einkassirungskosten auf die Betheiligten schadlos gehalten werden? Es wird beschlossen: die Beiträge alle 4 Wochen postnumerando bis auf Weiteres durch den Stadtkasseboten Gengnagel gegen eine Vergütung von 3 Mk. pro hundert Einkassirungen bei den Arbeitgebern erheben zu lassen, die entstehenden Kosten aber auf die Stadt zu übernehmen.
— Ernannt wurde am 24. December der Gerichtsschreiber-Aspirant Jacob Do sch in Gießen zum Hilfsgerichtsschreiber am Amtsgerichte Gießen.
— Das Panorama (Mäusburg 12) stellt in dieser Woche, jedoch nur vom 1. bis 6. Januar, „Savoyen und die Besteigung des Mont Blanc" ans. Hier sieht man die roman* tischen Thäler, die schönen Gletscherparthietr* und die wundervollen Eisgrotten nebst kühnen Bergsteigern auf schwindelnden Pfaden. Es ist eine der schwierigsten und kostspieligsten Naturansnahmen, rechnet doch ein Führer allein 300 Mark rlr eine Besteigung des Mont Blanc. Wenn uns nun solche Sehenswürdigkeiten gerade wie die Natur sie bietet, für das Minimum von 30 Psg. geboten werden, so sollte der Gelehrte wie der Laie nicht versäumen, dieselbe in Augenschein zu nehmen.
w. Theater. Es geschehen Zeichen und Wunder. Obschon die „Ehre" von Sudermann gestern zum fünften Male am „Neuen Theater" in Scene ging, überschritt auch diesmal die Zahl der Anwesenden die Durchschnittsziffer der Besucher gewöhnlicher Wochenvorstellungen bei Weitem. In größerer Anzahl, als seither, gewahrten wir auch Damen. Es ist dies ein erfreuliches Wahrzeichen dafür, daß die falsche Prüderie, die man zumeist den Dramen Jbsen'scher oder Sndermann'scher Observanz entgegenzubringen pflegt und hier noch voriges Jahr den „Gespenstern" gegenüber in manchen Kreisen betätigt hat, einer besseren Einsicht zu weichen beginnt. „Den Räthseln der Gesittung nachzuspüren, ist sittlich an und für sich", sagt Sudermann ii. der „Ehre", und ist es zumal dann, wenn sich ein Dichter dieser Ausgabe mit so hohem Ernste unterzieht, wie eben Sudermann in der „Ehre".
— Theater. Am Donnerstag gelangt L'Arronges berühmtes Volksstück mit Gesang „Mein Leopold" zur Aufführung. Neben den ergreifenden ernsten ©eenen kommt bekanntlich auch der Humor im vollsten Umfange in dem ausgezeichneten Schauspiel zur Geltung. Namentlich ist es die Figur des jugendlichen Musikers „Mehlmeier" (Herr Biebrach), die unwiderstehlich komisch wirkt. Herr Reiners wird in der Rolle des Schusters „Weigelt" eine ebenso vorzügliche Partie haben, wie in den „Beiden Reichenmüllern" als „Knoche". Frau Anni Reiners spielt die reizende Partie der „Minna" und Fräulein Elisabeth Bischofs die „Clara". In der Gesangsrolle der „Emma" wird unsere an Stelle von Fräulein Martin neu engagirte Soubrette Fräulein Elsa Reinhold zum ersten Male in einer derartigen Partie auftreten.
— Morgen werden es 25 Jahre, daß der zur Zeit als Octroi-Erheber thätige frühere Polizeidiener und Schutzmann Rühl in städtische Dienste trat.
— Vor einigen Wochen meldete eine Dame den Verlust einer werthvollen Schale bei der Polizei an. Die Schale hat sich inzwischen gefunden, ist aber noch nicht abgeholt worden. Da die Verliererin nicht bekannt ist, so wird an dieser Stelle auf den Fund aufmerksam gemacht.
— Zu den geplagtesten Leuten im Deutschen Reiche gehören bekanntlich die Postboten und Briefträger, ganz be sonders aber ist ihr Dienst um Weihnachten und Neujahr ein überaus schwerer. Daher wird gewiß auch Jeder, der viel Briese empfängt, diesen vielgeplagten Beamten beim Jahreswechsel gerne eine Gratification zuwenden, wenn auch den Briefträgern selbst verboten ist, zu gratuliren. Wir wünschen allen wackeren Boten Stephans, daß das Neujahrsgeschenk für sie nicht zu gering ausfallen möge.
Friedberg, 29. December. In vielen Orten unserer Kreises ist es Gottlob wieder Sitte geworden, am heiligen Abend sich in der erleuchteten, mit einem brennenden Weihnacht s bäume geschmückten Kirche zu versammeln. Auch dieses Jahr huldigte man vielfach, hier und da zum ersten Male, dieser schönen, alten Einrichtung, und mancher Geistliche scheute selbst an diesem oder dem nächsten Abend den Gang auf sein Filialdors nicht, um seine Gemeinde durch die längst bekannte und immer wieder gerne gehörte Weihnacht^ geschichte zu erbauen. Die vollen Kirchen legten am besten Zeugniß davon ab , wie dankbar sich die Gemeinden gegen diese Bemühungen der Geistlichen, das religiöse Leben zu heben, zeigten. An vielen Orten war der Gottesdienst ein liturgischer, mit kurzer Ansprache des Geistlichen, und in manchen Kirchen klang, von frischen Kinderstimmen gesungen, das schöne Lied: „Stille Nacht, heilige Nacht!" (D. Z.)
8. Ettingshausen, 28. December. Dahier wurde ein Mädchen wegen Verdacht des Meineids, sowie ein hier ansässiger Bergmann wegen Verleitung hierzu, verhaftet und in. das Untersuchungsgesängniß nach Gießen verbracht.
— Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthu«. Dem Garnison-Bauinspector Herzog in Darmstadt wurde vom Kaiser der Character als „Baurath" verliehen. — Dem Bürgermeister Wolz in Seligenstadt wurde das Ritter- kreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthi-r gen verliehen. — In Bensheim steckte ein in der Gesäng- nißzelle des Rathhauses inhastirter Junge das Bettstroh in Brand,- das Feuer wurde rasch gelöscht. — Einem Land- wirthe aus Pflaumheim ging am Sonntag sein Pferd durch, wodurch das Gefährt in Trümmer ging; ehe der Landmann, feinem Fuhrwerke nachzueilen vermochte, waren die auf dem


