Ausgabe 
30.1.1891
 
Einzelbild herunterladen

ttxmcn untt doch nicht abhalten, »eitere Fortschritte auf dem Gebiete -eS öffentlichen Verkehrs an-uregeo.

Hierauf vertagt fich da« Hau«.

Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung . Fortsetzung

>cr zweiten Etatberathung.

Schluß 5</< Ubr.

Neueste Nachrichten.

Wolff« telegraphisches Lorrespondeuz.Bureau.

Berlin, 28. Januar. Die Budgetcommission des Reichstags lehnte heute mit 19 gegen 9 Stimmen die von der Regierung geforderten Dienstprämien für die älteren Unteroffiziere ab; desgleichen alle dabei gestellten Anträge. Nur die bereits im vorigen Jahre gewährten 360,000 Mk. wurden wiederum bewilligt.

Essen, 28. Januar. DerRheinisch-westfälischen Ztg." zufolge ist die Betriebsstörung in dem Schachte Monop ol bei Camen, die durch Einbrechen von Eis erfolgte, bereits gehoben und die Förderung heute wieder ausgenommen.

Straßburg, 28. Januar. Im Landesausschuß gelangte heute der Gesetzentwurf, betreffend Einführung der Grund­bücher, zur Verhandlung. Gegen die Vorlage sprach Gunzert, für dieselbe Ministerialrath Leoni, die Abgeordneten Fleurent, North und Petri, Staatssecretär v. Puttkamer und Unterstaatssecretär v. Schraut. Der Entwurf wurde schließ­lich an eine Commission von 15 Mitgliedern überwiesen. Hierauf nahm das Haus Kenntniß von einem Danktele­gramm des Kaisers ans das Huldigungstelegramm zu seinem Geburtstage.

Paris, 28. Januar. Zur Feier des Geburtstages des Kaisers Wilhelm sand gestern im Hotel Continental *in glänzendes Banket statt, dem 200 Gäste beiwohnten. Der Botschafter Graf Münster feierte in einer beifällig ausgenommenen Rede zunächst das Andenken an den Kaiser Wilhelm und Friedrich und die Kaiserin Augusta, hob dann Die glückliche Gegenwart und die verheißungsvolle Zukunst unter Wilhelm II. hervor. Später wurde ein Huldigungs­und Glückwunsch-Telegramm an den Kaiser abgesandt.

Paris, 28. Januar.Soleil" meldet aus Marseille, es stünden größere Truppensendungen nach Tonkin bevor.

Gibraltar, 28. Januar. Der SchnelldampferA u g u st a Victoria" der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Actien- Gesellschast ist heute früh 1 Uhr eingetroffen. Das Wetter ist schön, Wind mäßig,' 14 Grad Reaumur im Schatten. Die Stimmung der an Bord befindlichen Gesellschastsreisenden ist eine sehr animirte. Der Geburtstag Kaiser Wilhelms wurde durch einen Festeommers an Bord gefeiert.

Druffel, 28. Januar. Der König beauftragte den Minister des Auswärtigen, allen Regierungen und Staats­oberhäuptern, welche den Wunsch ausgesprochen haben, zu der Beisetzungsfeierlichkeit besondere Missionen zu entsenden und aus den formellen Wunsch des Königs in Anbetracht des schweren Unglücks in der königlichen Familie darauf verzichteten, seinen lebhaften Dank auszusprechen. Wegen des Verwaudschaftsverhältnisses zu dem Verstorbenen sind die Höfe Deutschlands, Englands, Sachsen-Koburgs, Portugals und Rumäniens vertreten. Die Prinzen Heinrich von Preußen, August von Sachsen und Heinrich Battenberg, sowie der ehemalige rumänische Ministerpräsident Rosetti sind bereits hier eingetroffen.

Rom, 28. Januar. Gestern Nachmittag schleuderte ein betrunkener Tischler drei Steine gegen das oberhalb der Thüre der deutschen Kirche Maria dell'Anima angebrachte österreichische Wappen. Sofort verhaftet, erklärte derselbe, er habe die Steine geschleudert, um verhaftet zu werden.

Madrid, 28. Januar. Die Königin-Regentin ist von ihrem Unwohlsein vollständig wieder hergestellt.

Rewyork, 28. Januar. Gestern sand in einer der Fricks Coke-Company gehörenden Mine, in der Nähe von Mount 'Pleasaut eine Explosion von Gasen statt, durch welche über 100 Arbeiter getödtet wurden - 59 Leichen sind bereits ausgefunden. Nach den letzten Nachrichten aus Kansas find bei dem Zusammenstoß bei Irving zwei Soldaten getödtet und zwölf schwer verletzt worden.

ihrem Gatten gesehen habe, als sie während Deiner Anwesen­heit Hierselbst heute Abend jene Thür öffnete.

Der Pope wendete seinen Blick mechanisch nach der be­zeichneten Thür.

Der Jnspector fuhr fort:Außer Dir ist Niemand während des ganzen Abends hierher gekommen. Nur ein einziger Besucher ist dagewesen und der bist Du. Sarakoff, vergleiche Vater Alexeis Stiefel mit der Fußspur draußen im Schnee."

Michail Michajlowitsch packte den Priester bei den Schultern und drückte den unwillkürlich einen kurzen Wider­stand Leistenden aus einen Stuhl nieder- Sarakoff zog ihm schnell und gewandt die Pelzstiefel aus und ging mit denselben, von Michail gefolgt, hinaus in die Finsterniß.

Der Ueberwältigte blieb auf dem Stuhle sitzen; es war ihm ganz stumpf und wirr zu Sinne und er vermochte keinen Gedanken zu faffen. Sein Blick irrte abwesend durchs Leere. Der Jnspector stand mit gekreuzten Armen an den Tisch ge­lehnt und der Gerichtsbeamte blätterte, die Feder im Munde, in seinen Papieren. Man hörte die Wanduhr ticken und die Lampe knistern.

Endlich, nach einer Ewigkeit, kamen Sarakoff und der Bauer wieder herein- der erstere trug die Stieseln, deren Sohlen weiß vom Schnee waren.

Nun?* sagte der Jnspector. Der Beamte aber ..tauchte seine Feder in das Tintenfaß und schickte fich zum Schreiden -en.

Diese Stiefel passen genau in die Fährte draußen im Schnee," berichtete Sarakoff.Die Fußspuren rühren von Dem Manne her, der diese Stiesel getragen hat."

(Fortsetzung folgt.)

Rewyork, 28. Januar. Nach den letzten Nachrichten aus Mount Plcasant sind in den Kohlengruben der Fricks Coke-Company bisher 60 Leichen ausgefunden worden. Man befürchtet, daß weitere 70 Arbeiter umgekommen sind. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt.

Mexico, 27. Januar. (Meldung des Bureau Reuter.) Der in Lima eingetroffene Vertreter Mexicos in Valpariso berichtet, daß die Lage in Chile weit weniger ungünstig sei, als berichtet worden ist - eine Verständigung zwischen beiden Parteien sei wahrscheinlich.

Berlin, 29. Januar. Die socialdemokratische Fraction des Reichstags beschloß gestern Abend unter starker Bethciligung, den Genossen zu empfehlen, die Mai­feier auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen. Ein Aufruf mit Angabe von Gründen soll folgen.

Gksundheilsjustand und jStnblidjkcit im Kreise Gießen.

1890.

Die Zahl der Verstorbenen war in dem verflossenen Jahre für den Kreis Gießen eine höhere, als in einem der letzten zehn Jahre. Es starben 1617 Personen, darunter 288 Kinder im ersten, 280 von 2 15 Jahren und 1049 Er­wachsene. Bei einer Einwohnerzahl von 74436 starben dem­nach 21,7 vom Tausend. Die Zahl der verstorbenen Kinder blieb in beiden Altersklassen unter dem Durchschnitt aus dem verfloffenen Jahrzehnt, während diejenige der Erwachsenen um 100 und annähernd ebensoviel die Gesammtzahl der Ver­storbenen vermehrt war. Diese Zunahme der Sterblichkeit kam lediglich durch die ungünstigen Gesundheitsverhältnisse des Monats Januar, welche schon in früheren Veröffent­lichungen hervorgehoben worden sind, zu Stande. Dieser Monat erreichte im Kreise die ganz ungemein hohe Zahl von 251 Sterbefällen, während der Durchschnitt für denselben im verfloffenen Decennium 140,5 beträgt und an den Januar 1890 von allen vorausgegangenen Monaten, in dieser Be­gehung nur der März 1888, mit einer immer sehr wesent­lich niedereren Zahl von 191 Sterbefällen, heranreicht. Die hohe Januar-Sterblichkeit beschränkte sich übrigens keineswegs auf den Kreis Gießen, es fand dieselbe in gleicher Weise auch im ganzen Großherzogthum und wohl auch über dasselbe hinaus statt. Auch die Stadt Gießen hatte mit 70 Sterbe- sällen im Januar fast die doppelte Summe der 36,5 betragen­den zehnjährigen Durchschnittszahl.

In den Monat Januar fiel aber, wie für den größten Theil des Großherzogthums, so auch für den Kreis Gießen die Höhe der Influenza-Epidemie, dieser denkwürdigen Er­krankung, welche zwar im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte über große Länderstriche öfter schon sich verbreitet hatte, je­doch seit ihrem letzten Auftreten in größerem Umfange der jetzigen Generation gänzlich unbekannt geworden war. Nur durch diese Krankheit allein und die durch sie hervorgerufenen Compltcationen war die hohe Januar-Sterblichkeit und somit auch die höhere, des ganzen Jahres begründet. Es sehlten andere, epidemisch oder nur mehr verbreitet auftretende Er­krankungen und sind auch nur in diesem Monat so viele Per­sonen erlegen, während die vorausgehenden und folgenden in keiner Weise das Mittel überschritten. Die wirklich als In­fluenza von Aerzten bezeichneten Sterbesälle haben allerdings nur 30 betragen, viele der Epidemie gewiß zur Last zu setzende sind jedoch in andere Rubriken versetzt und weiter eine recht beträchtliche Zahl Verstorbener des stark heimgesuchten höheren Alters, bei rasch sich ungünstig wendendem Krank- heitsverlause, überhaupt nicht ärztlich behandelt worden.

Von anderen, epidemisch austretenden Krankheiten ist der Kreis im Laufe des ganzen Jahres 1890 nicht in hohem Grade heimgesucht worden oder haben andere, gegenüber früheren Jahren wenigstens, keinen hervorragenden Einfluß aus die Sterblichkeit gehabt. Masern sind nur in der zwei­ten Jahreshälfte in verbreiteterer Weise an der östlichen Grenze des Kreises, mit anfänglich günstigem Verlause, aus­getreten und erst in den letzten Wochen bis zu den Nachbar­orten der Stadl Gießen vorgedrungen. Die Gesammtzahl der constatirten Masernsterbfälle betrug 12. Scharlach ist mit günstigerem Verlause und wie meistens in Einzelnsällen oder wenig ausgebreiteten Epidemien beobachtet worden; es finden sich nur 4 Sterbsälle verzeichnet. Hals- und Rachen- bräune führten 86 Mal den Tod herbei, wovon allerdings mehr als 1/4 in Gießen verstorbene Ortsfremde und zum größten Theile auch nicht Kreisangehörige betrifft, die häufig in bereits wenig Hoffnung gebendem Zustande in die hiesigen Kranken-Anstalten verbracht werden. Keuchhusten wurde 12 Mal als Todesursache angegeben und Abdominaltyphus 6 Mal- beiderlei Krankheiten scheinen in größerer Ausbreit­ung nicht vorgekommen zu sein. Wochenbettkrankheiten und Kindbettfieber haben neunmal einen tödtlichen Ausgang ge­nommen.

Von anderen, besonders verzeichneten Krankheiten ist Lungenschwindsucht 220 Mal, fast ebenso oft Entzündliche Er­krankungen der Athmungs-Organe in 222 und Gehirnschlag in 36 Fällen als Todesursache angegeben worden. Akutem Gelenkrheumatismus ist eine Person, Darmkatarrh und Brech­durchfall sind 32 Kinder, fast sämmtlich in dem ersten Lebens­jahre, erlegen.

An anderen bekannten Krankheiten sind 788 und an un­bekannten Krankheiten 152 Personen gestorben. Gewaltsamen Todes verstorben 30 und zwar 18 Individuen durch verschie­dene Art von Verunglückung, durch Fallen, Uebersahren, Er­trinken, Erfrieren, Verschüttung in einem Steinbruch und Verbrennung, 10 durch Selbstmord - in einem Falle ist eine Schädelverletzung tödlich geworden und einmal sand Hinrich­tung statt.

Gegenüber 349 maliger Angabe von Standesbeamten und Leichenbeschauern ist i* 1268 Fällen die Todesursache durch ärztliche Angabe feftgestellt worden.

Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen.

Cocales rrnd provinzielles.

Gieße«, 29. Januar.

* Frl. Natalie Köhler- Vorlesungen waren in Städten wie Darmstadt, Halle, Düsseldorf, Bonn u. s. w. stets sv besucht, daß Zuspätgekommene keinen Platz mehr sanden, Bei einer solchen Vorlesung in Darmstadt war es, wo Seine Königl. Hoheit unser Großherzog, der ebenfalls an­wesend war, durch seinen Flügeladjutanten die Vortragende fragen ließ, warum sic denn nicht lieber den großen Saal des Saalbaues genommen habe. Frl. Köhler erwiderte, daß sie erstens einen solch riesigen Andrang nicht vorhergesehen habe und zudem befürchte, daß in dem großen Saale ihre Stimme nicht zur vollen Geltung gelange. Wer die betr. kolossale Räumlichkeit kennt, wird die Befürchtung der Künst­lerin für durchaus berechtigt halten, trotzdem diese, wie be­kannt, über ein mächtiges Organ verfügt.

Kaiser-Panorama. Das Panorama zeigt uns diese Woche Spanien. Es sind an Naturschönheiten reich ge­segnete Gegenden, die uns zu Gesicht kommen- ein ewia blauer Himmel wölbt sich über diesen Landschaften und spiegelt sich wieder in der crystallklaren Fluth der von Kastanien- und Orange-Wäldern eingefäumten Flüsse. Die Hauptstadt Madrid lernen wir eingehend kennen. Er­wähnt sei von den verschiedenen Ansichten der Orientplatz mit dem königlichen Schloß, innere Ansichten der Ge­mächer der Königin, die Reiter-Statue Philipps IV. 2c. In der Nähe von Madrid liegt Toledo, das die bekannten Degenklingen fabricirt, und worin auch Chamisso fein Gedicht //Vetter Anselmo" spielen läßt. Recht malerisch gestaltet sich die Ansicht von Sevilla am Guadalquivir mit seiner berühmten Kathedrale, dem Alkazar, und vielen anderen Sehenswürdigkeiten. An die Maurenzeit erinnert uns die Stadt Granada. Hier ist ein historisches Terrain. Die verschiedenen Aufnahmen der Alhambra mit dem be­rühmten Löwenhof, der Fontaine im Löwenhos, dem Audienz-Saal u. s. w. sind von wunderbarer Plastik. Dieses Gebäude wurde im Sommer vorigen Jahres ein Raub der Flammen. Im Uebrigen ist auch Sorge getragen, daß wir das Volksleben in Spanien kennen lernen - besonders ist hier­bei dem beliebtesten Schauspiel des Volkes, den Stiergesech- ten, Rechnung getragen worden. Aus die verschiedenen Phasen dieser Kämpfe machen wir des Interessanten wegen besonders auch unsere Jugend aufmerksam. Wir sind über­zeugt, daß Keiner in dieser Woche das Panorama unbefrie­digt verlassen wird.

Die Petition gegen die Wiederzulaffung der Jesuiten hat in Gießen 1859 Unterschriften gefunden, aus dem übrigen Oberhessen sind hier 14762 eingegangen- aus dem Kreis Lauterbach sind unmittelbar an den Reichstag Petitionen mit 2351, ans dem Reichstagswahlkreis Fried­berg solche mit 8150 Unterschriften abgegangen, lieber 40 Gemeinden haben ihre Petitionen unmittelbar an den Reichstag abgesandt, ohne daß das Ergebniß im Einzelnen hier näher bekannt geworden wäre. Zur Kenntniß ist nur gekommen, daß die meisten Orte auch hier einstimmig unter­schrieben haben. Da die Zahl der hier bekannt gewordenen. Unterschriften 27,122 beträgt, so darf angenommen werden, daß die Gesammtzahl aus Oberhessen über 30000 beträgt.

Theater. Die Freitagvorstellung (morgen) wird für die hiesigen Kunstinteressenten den Character eines Theater­ereignisses tragen, sowohl hinsichtlich der Wahl des Stückes, wie angesichts der ausführenden Künstler und des Zweckes. Gegeben wird: Victorien Sardous weltberühmtes SittenschauspielFernande", das bekanntlich von Paris aus seinen Siegeszug durch die ganze gebildete Welt genommen hat. Die Hauptcharacterrolle des Stückes wird eine aus­gezeichnete, auch weiterhin rühmlichst bekannte Künstlerin, Fräulein Bertha von Lück-Tenhaesf vom Stadt - theater in Köln verkörpern. Es ist Fräulein Ida Unger nur auf Grund persönlicher Bekanntschaft gelungen, Bertha von Lück-Tenhaeff zu einem einmaligen Auftreten hier zu bewegen. Die Rolle der Gräfin Clotilde Rosars gehört zu den vorzüglichsten der trefflichen Künstlerin und wird in ihrer Darstellung einen Kunstgenuß ersten Ranges bieten. An zweiter Stelle wird der vielversprechende Ehren­abend Fräulein UngersDes Mädchens Traum", lebende Bilder, dargestellt vom ganzen Personal, bringen. Den erläuternden Text wird Herr Regiffeur Heinrich Winolt vortragen. Die Traumbilder, die, wie wir versichern können, ganz reizend erdacht sind, hat Frl. Unger nach dem Muster des Potsdamer Königlichen Schauspiel­hauses eingerichtet. Dieser Bühne hat Frl. Unger näm­lich seither angehört und wird sie nach Ablauf ihrer Verbindlichkeiten gegen das hiesige Theater wieder ange- hören. Die Musik von Lumby und die begleitenden Text­worte sind überaus poetisch und schön und machen einen tiefen Eindruck. Die Vorstellung findet, wie schon angedeutet, zum Benefiz von Fräulein Ida Unger statt. Alle Theater­besucher, die das treffliche Spiel der Künstlerin aus eigener Anschauung kennen, haben es sich wohl schon selber gesagt und wir können es ihnen heute bestätigen, daß nur persön­liche Rücksichten Frl. Unger bestimmt haben, aus Zeit ihre Thätigkeit an einer namhaften Bühne zu unterbrechen. Sie wird, wie oben bemerkt, nach Beendigung dieser Saison in ihre Stellung an dem Königlichen Schauspielhaus in Potsdam wieder zurückkehren. Es bietet sich hier also in der Benefiz- Vorstellung einer Schauspielerin, die schon durch ihre äußere Stellung als eine hervorragende Kraft legitimirt ist, und in der Aufführung eines namhaften Stückes mit einer ausge­zeichneten Repräsentantin der Hauptrolle, die beste Gelege»- beit, zu zeigen, daß man hier das Gute zu nehmen gewillt ist, woher es kommt, und überall da, ohne Rücksicht auf beirrende Äußerlichkeiten, sein Kunstintereffe zu befriedigen entschlossen ist, wo sich dazu in Wahrheit Gelegenheit findet.

Der Vorstand des Gießener Theater-VereinS hatte bei feiner ersten Platzeintheilung so eigentlich als Autodidakt gehandelt, keines der Ausschußmitglieder war als Theater-