Ausgabe 
28.6.1891 Drittes Blatt
 
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1886

1887

1888

1889

1890

Starkenburg

35,8

32,5

32,i

29/42

20/03

Oberheffen

30,7

27,e

24,4

22/69

19/16

Rheinheffen

49,7

42,4

32/g

36/57

28,39

im Großh. Hessen

38,6

34,2

30,3

29/83

22/48

Nach absoluten

Zahlen

find im

Jahr

1890 i

n Rhein-

Hessen die meisten und in Oberhessen die wenigsten Bestrasungen vorgekommen. Auch in den vorhergehenden Jahren, bis zum Jahr 1879 zurück, mit Ausnahme des Jahres 1889, hatte Rheinheffen die meisten Bestrafungen auszuweisen. Im Verhältuiß zur Bevölkerung bemessen, berechnen sich dagegen für Rheinhessen in allen Jahren, für welche Erhebungen vor­liegen, die meisten Bestrafungen.

Lebensmittel - Preise Ende Mai 1891. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- statistik kosteten:

Ochsenfletsch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier H 1 Stück U

Städte mtt Octroi Darmstadt

76

70

70

66

66

15,5

13,5

124-134

17

6

Mainz

72

60

70

70

65

16

14

115-125

19

5-7

Offenbach

70

52

70

70

70

16

14

122-131

21

5-8

Worms

76

70

72

68

75

14

13

105-125

16

5-6

Gießen

74

64

55

58

70

16,5

14,5

104-115

17

5

Städte ohne Octroi

Bingen

75

70

60

70

70

14,5

14

125-143

19

5-6

Bensheim

66

60

64

60

60

15

12,5

90-100

17

6-7

Alzev

65

60

70

70

70

16

13,5

102-113

17

5-6

Friedberg

68

60

60

60

60

15,5

15

110-120

16

6

Alsfeld

65

59

58

54

16

13

95-100

14

4-5

Lauterbach

64

64

56

60

56

16

12,5

100

14

5

Maar, 22. Juni. Am heutigen Tage verließ unser seit­heriger Pfarrer, Herr Scrib a, unsere Gemeinde, um seinen neuen Wirkungskreis zu Kaichen in der Wetterau anzutreten. Derselbe hat 16 Jahre lang der hiesigen Gemeinde, ver­bunden mit der Filiale Wernges, als Prediger und Seel­sorger vorgestanden.

Sandlofs bei Schlitz, 24. Juni. Am 22. d. Mts. fiel bei Sandlofs einöjähriger Knabe in die stark angeschwollene Fulda und verschwand sofort in den Wellen, die anderen dabei anwesenden Kinder liefen fort, ohne etwas zu sagen. Später als der Knabe vermißt wurde, gestanden sie, wohin der Verschwundene gekommen sei. Die Versuche, die Leiche M bergen, waren am ersten Tage erfolglos. Der Vater des unglücklichen Kindes arbeitet in Westfalen.

Friedberg, 27. Juni. Gestern wurde Friedberg und Um­gegend von heftigenGewittern heimgesucht. Bei Nieder- Roßbach fiel ein Wolkenbruch, wie er hier noch nie ge­sehen worden war. Man konnte keine drei Schritte weil sehen, so stark regnete es. Trotzdem ist in den Feldern nur ver- hältnißmäßig wenig Schaden angerichtet worden. In Nieder­wöllstadt schlug der Blitz in das Haus des Bürgermeisters Weith, betäubte die Bewohner und ging, ohne sie schwer zu verletzen und sonstigen Schaden anzurichten, in die. Erde.

Wölfersheim, 26. Juni. Gestern feierte in frischer Ge­sundheit Herr Lehrer Hahn sein 50jähriges Dien st- jubiläum. Ein Festessen vereinigte die Freunde und Lehrer des Kreises nyt dem Jubilar.

Vom Vogelsberg, 26. Juni. Zur rechten und höchsten Zeit hat das Wetter eine Wendung zum Besseren erfahren, wenn anders nicht die Landwirthschast schweren Schaden ge­nommen hätte. Nach einem der Regenzeit würdigen Finale des Montags herrscht seit Dienstag endlich Sommerwetter. Damit hat sich wieder einmal die alte Bauernregel, daß um Johanni sich das Wetter ändert, als wahr bewiesen. Trotz des schönen Wetters hat hier die ohnehin verspätete Heuernte noch keinen rechten Anfang genommen. Dies kommt daher, daß die Leute zu sehr in Anspruch mit dem sehr nöthigen Putzen der Kartoffeln und Setzen der Ackerpflanzen genommen sind. Ungeachtet des ungemein starken Unkrauts unter den Kartoffeln, verursacht durch das lange Regenwetter, haben diese ein vorzügliches Wachsthum. So müssen sie sich ent­wickeln, wenn Hoffnung aus einen guten Ertrag bestehen soll. Ueberhaupt ist der gegenwärtige Stand der Cultur- gewächse hier ein recht guter. Korn und Weizen sind noch so herausgewachsen, wie man es vor drei Wochen kaum für möglich hielt. Tatsächlich ist der Stand der Winter­frucht hier in unserem Vogelsberg ein besserer wie in der Wetterau. Auch die Sommersrucht und die Hülsensrüchte, wofür es allerdings höchste Zeit war, daß der Regen auf­hörte, zeigen ein üppiges Wachsthum. Die Bienen, die so lange in ihren Stöcken gefeiert, benützen fleißig die Blüthe des weißen Klees und suchen das Versäumte nachzuholen. Schwärme giebt es jetzt erst aus den Ständen häufig,- sie können, wenn auch etwas verspätet, noch gut werden.

vermischtes.

* Berlin, 23. Juni. Die deutsche Armee hat im April 1891 durch den Tod 182 Mann verloren, davon 23 durch Selbstmord.

* Wörrstadt, 21. Juni. Curanstalt nach Psarrer Kneipp. Gutem Vernehmen nach soll sich ein Consortium von auswärts gebildet haben, um das in unmittelbarer Nähe von hier reizend gelegene Gut Neuborn anzukausen zwecks Errichtung einer Curanstalt nach Kneipp'scher Methode. Dieser Platz eignet sich vermöge seiner ergiebigen Quellen, schönen Wiesen und parkartigen Anlagen ganz vorzüglich zu solchen Unternehmen. Es waren auch schon im vorigen Sommer diesbezügliche Verhandlungen mit dem Besitzer angeknüpst worden, die sich einer kleinen Preisdifferenz wegen aber wieder zerschlagen hatten.

*Der verstorbene ehemalige Kriegsminister Brousart von Schelleudorf ist trotz aller Schneidigkeit seines Auftretens doch stets ein herzensguter Mann gewesen. Er

promenirte eines Tages in den Gängen des Berliner Thier­gartens, als er einen Cadetten etwas am Boden suchen sah. Sofort fragte er den jungen Mann nach seinem Verlust, und dieser erwiderte, er habe von seiner Uhrkette ein Medaillon mit einer Locke seines verstorbenen Vaters verloren, an dem er ungemein hänge. Der General suchte nun selbst mit und sand auch das Medaillon. Der Cadett bedankte sich viele Male, aber der Minister wollte nun auch wissen, wie viel die Uhr sei. Der junge Mann gestand erröthend, er habe noch keine Uhr und die Kette nur so angelegt. Der General hieß den Cadetten mit sich gehen, betrat Unter den Linden ein Uhren­geschäft und kaufte eine prachtvolle Uhr, sie dem erstaunten und überraschten Cadetten mit den Worten übergebend:Wer seine Eltern ehrt, ist Goldes werth."

* Das Gerücht, daß der Räuberhauptmauu Athauas gefangen worden sei, reducirt sich aus die Einsangung eines gewissen Elefter, welcher mit seiner Bande in der Ortschaft Bardiköi bei Adrianopel eingebrochen und zwei Einwohner als Geiseln weggeschleppt hatte. Nachdem die Bande vom Militär eingeschlossen worden, sind die Geiseln ihnen wieder abgenommen. Elefter gehörte früher zu der Bande des Athanos. Elefter und seine Bande ist übrigens nochmals den Soldaten entkommen und hat denselben nur zurück­gelassen : ein Fernrohr, einen Säbel, einen Mantel, fünf bulgarische und griechische Bücher, mehrere Journale und einen Sack mit Silberzeug.

* Ein Jrrthum. Student (findet sich am Morgen nach der Kneipe verkehrt und fast angekleidet im Bette liegend, die Füße auf dem Kopfkissen):Donnerwetter! Da habe ich mir die ganze Nacht eingebildet, ich hätte Zahnweh, und dabei drückt mich der Stiefel."

* Malitiös. Bureau diener:Guten Morgen, Herr Secretär!" Secretär:Sie müssen mich immer mit meinem ganzen Titel anreden, lieber Putzschke. Also hören Sie, ich bin Königlicher Geheimer Finanzoberrechnungsamts- secretär." Bureaudiener:Herr Secretär, das geht nicht- denn so lange bis ich das ausgesprochen hätte, bleibt der Herr Secretär ja gar nicht auf'm Bureau!"

Das Vorkommen von Viehseuchen in Hesse«

wahrend des Monats Mai 1891.

Milzbrand wurde festgestellt in Kohden, Kreis Büdingen, am 2., in Frei-Weinheim, Kreis Bingen, am 16., in Langwaden, Kreis Bensheim, und in Lauterbach am 20. Mai, jedesmal bei einem crepirten Rindviehstücke.

Rotz. In Mümling-Grumbach, Kreis Erbach, steht ein Pferd wegen Seuchenverdachts unter Stallsperre und drei wettere Pferde desselben Besitzers wegm Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung.

Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Lindenfels und Biblis, Kreis Bensheim: in Birklar, Kreis Gießen; in dm Orten des Kreises Alsfeld: Otterbach, Leusel, Arnshain und Ober- Breidenbach; in den Orten des Kreises Mainz: Essenheim, Nteder- Olm und Stadecken; in den Orten des Kreises Alzey: Bermersheim, Bosenheim, Volxheim, Fürfeld, Flonheim, Erbes-Büdesheim und Obernheim; in Gau-Algesheim und Gensingen, Kreis Bingm; in Spiesheim und Friesenheim, Kreis Oppenheim, und in Pfeddersheim und Gimbsheim, Kreis Worms.

Die Seuche herrscht fort in Ohmes und Appenrod, Kreis Als­feld; in Zotzenheim, Kreis Alzey: in Sauer-Schwabenheim und in Groß-Winternheim, Kreis Bingen.

Die Seuche wurde im Monat Mai festgestellt und war am Schluffe desselben wieder erloschm in Pfungstadt, Kreis Darmstadt; in Jugenheim und Seehetm, Kreis Bensheim; in U«ter-Flockenbach und Lörzenbach, Kreis Heppenheim; in Amöneburg bet Eastel, Kreis Mainz, und auf dem Mainzer Vtehhofe; in Uffhofen, St. Johann und Biebelsheim, Kreis Alzey; in Wackernheim, Kreis Bingen; in Wallertheim, Kreis Oppenheim, und in Bechtheim, Kreis Worms.

Die Seuche wurde im Monat Mat festgestellt und herrschte am Schlüsse desselben noch fort: in Goddelau und Crumstadt, Kreis Groß-Gerau; in Langsdorf, Kreis Gießen; in Heimertshausen, Burg- und Rieder-Gemünden, Kreis Alsfeld; in Ranstadt, Kreis Büdingen; in Kloppenheim, Kreis Friedberg; in Eich, Heßloch und Rieder-Florsheim, Kreis Worms.

Der Bläschenausschlag in Darmstadt, in Münster, Kreis Dieburg, liv Liederbuch und Ohmes, Kreis Alsfeld, in Dauernheim, Kreis Büdingen, tn Maibach, Kreis Friedberg, in Schlitz, Maar, Uetzhausen und Hartershausen, Kreis Lauterbach, und tn Heppen­heim a. d. W., Kreis Worms, ist erloschen. In Gau-Bischofsheim, Kreis Mainz, herrscht die Seuche fort.

Festgestellt wurde dieselbe unter dem Rindvieh in Wiebelsbach, Kreis Dieburg, am 16., tn Kelsterbach, Kreis Groß-Gerau, am 22., in den Orten des Kreises Güßen: Großen-Linden am 8., Hatten­rod und Weikertshain am 14., und Obbornhofen am 20., in Schwabenrod, Kreis Alsfeld, am 14., in den Orten des Kreises Friedberg: Heldenbergen am 13. und Stammhetm am 16., in Wingershausen, Kreis Schotten, am 8. Mai.

Die Müde gilt als vorhanden unter den Schafen in Unter-Mossau, Kreis Erbach, in Hof Albach, Kreis Gießen, in Kon- radsdorf, Kreis Büdingen, in Rodheim, Kreis Friedberg, in Meiches und Herchenhain, Kreis Schotten.

A AuS Oberheffe«, 24. Juni. In dem Reichsgesetzblatte Nr. 21 ist kürzlich die Novelle zum Branntweiusteuergesetze vom 24. Juni 1887 erschienen und publicirt worden. Wir haben in Oberhessen eine bedeutende Anzahl kleiner landwirthschaftlicher Brennereien, deren Eigenthümer auf die Futterabfälle in der Brennerei reflectiren müssen. Insoweit sich die Sache bis jetzt beurtheilen läßt, werden wir keine« Ueberstug an-Futterstoffe« im laufende« Jahre erzeugen. Man wird deßhalb die Brennereien sobald als thunlich in Betrieb setzen. Wir glauben darum Manchem einen kleinen Gefallen zu thun, wenn wir den Inhalt der Novelle zum Branntweinsteuergesetze vom Jahre 1887 kurz vorführen und die- jeuigen Vortheile und Erleichterungen andeuten, die dem kleinen Brenner durch das neue Gesetz vom 8. Juni dss. Js. gewährt werden.

Ein sehr werthoolles Zugeständniß ist im 8 1 der Novelle ent­halten. Jeder Brenner darf nämlich ei« Fünftel reine« Alkohol mehr zum niedrigere« Abgabesatze herstelle«, als er in den drei Jahren 1887/88 bis 1889/90 produciren durfte. Die Erhöhung der (Kontingente um 20 Procent wird sich wegen der mäßigen Futter­ernte dieses Jahr ganz besonders angenehm fühlbar machen und Diejenigen, welche in den drei vorbenannten Jahren nicht brannte« und nun ihre Kontingente einbüßten, werden es jedenfalls bereum, nichts getha« zu haben.

Wenn in den Jahren 1887/88 bis 1889/90 ein Kleinbrenner mit einem Kontingente von (sagen wir rund) 5000 Liter reinen Alkohols täglich 50 Liter herstellte, so durfte er 100 Tage zum niedrigeren Abgabesatze brennen. Jetzt kann er es 120 Tage lang thun. Nach dem früheren Gesetze konnte der Brenner vom 1. October die Kampagne beginnen; that er es früher, so mußte er eine höhere Maischbottichsteuer entrichten.

Nach 8.2 der Branntweinsteuernovelle dürfen die kleinen Brenner aber schon am 1. September jede« Jahres degiune« und sie tonnen bis zum 15. Juni des folgenden Jahres arbeiten, also 8Vi Monate. In der Zeit vom 15. Juni bis 1. September, also 3*/r Monate, haben die Kleinbrenner wohl selten noch Kartoffeln. Für das laufende Jahr wird das Zugestäniß: schon am 1. Sep­tember zum niedrigen Steuersätze beginnen zu dürfen, gewiß vielfach benutzt werden.

Eine wettere Srleichter««g, die einen kleinen finanziellen Vortheil in sich schließt, ist der, daß die Branntweinprivatlager fetzt frei vo« Gebühre« eontrolirt werbe«. Früher mußten die Besitzer dem Staate einen Theil der Diäten und Reisekosten, welche die controlirenben Beamten zu beanspruchen hatten, ersetzen.

Denjenigen Brennereien, welche die sogenannte Brauntwei«- materialsteuer entrichten, sind vom 1. Juli 1891 an ebenfalls erhebliche Begünstigungen gegen das 1887r Gesetz bewilligt worden. Die Materialbrennereien verarbeitm nicht Kartoffeln, Welschkorn (Mais), also keine mehligen Stoffe, sondern folgende Materialien: Treber von Kernobst und eingestampfte Weintteber, Beerenfrüchte aller Art, Kernobst, Brauereiabfälle, Hefenbrühe, gepreßte Weinhefe, Wurzeln der verschiedensten Arten, Trauben- oder Obstwein, flüssige Weinhefe, Steinobst (Zwetschen, Kirschen, Schlehen u. s. w.). Die Ermäßigungen betragen: bei Treber von Kernobst statt 0,45 JL nur 0,25, für Weintreber von 0,35 nur 0,25 Jt, für Kernobst selbst statt 0,45 nur 0,35 JL Die ganz kleinen Brenner aber werden noch einmal ganz besonders berücksichtigt. Wenn nämlich ein solches Brennereichen in einem Jahre nur 50 Liter reinen Alkohol oder weniger darstellt, dann braucht der Brennereibesitzer nur </io der Maischbottichsteuer zu entrichten, und wenn nur 100 oder weniger Liter reinen Alkohol per Jahr hergestellt werden, dann braucht der Besitzer nur 8/ig der ganzen Maischbottichsteuer zu zahlen.

Will ein Brenner die Maischbottichsteuer überhaupt nicht ent­richten, so kann er dies dadurch erlangen, daß er einen Zuschlag zur Verbrauchsabgabe zahlt. Für die kleinen Materialbrennereien ist dieser Zuschlag sehr mäßig bemessen, denn sie betragen für die kleinsten Betriebsanstalten, die weniger als 50 Liter reinen Alkohol jährlich darstellen, nur 8 pro Liter oder höchstens 4 «X pro Jahr, und für diejenigen Anstalten, die nicht über 100 Liter reinen Wkohol darstellen, nur 16 H pro Liter oder höchstens 16 JL per Kampagne.

Es kann immerhin vorkommen, daß landwirthschaftliche (also kleine) Brennereien auch in der Zeit vom 16. Juni bis 31. August brennen wollen, oder, durch die Futterverhältnisse gezwungen, brennen müssen. Es wird ihnen gestattet; für diese Zeit aber unterliegen sie den Vorschriften, die für die gewerbliche« Brennereien bestehen. Statt der Maischbottichsteuer müssen sie dann den Zuschlag zur Ver­brauchssteuer entrichten.

Aus letzterer Andeutung geht hervor, daß die gewerblichen, das sind tzie Grotzbrennereie«, viel höher steuern müssen als die kleinen landwirthschaftlichen Brennereien. Sie können es auch, denn mit Hilfe ihrer ausgezeichneten Apparate und Gähreinrichtungen ziehen sie 9 bis 11 Procent Alkohol aus ihren Materialien, während der Kleinbrenner vielleicht 5 bis 51/2, unter günstigen Umständen auch etwas mehr herausschlägt.

In Folge davon, daß die Steuer eine so hohe, die Branntwein- contingente aber so klein waren, wodurch sich das Brennen nicht mehr rentirte, gingen Dutzende von kleinen Brennereien in Ober- Hessen ein. Nun wird es wieder besser, obgleich die Kontingente bei Weitem noch nicht als ausreichend angesehen werden können. In Bayern und Württemberg haben die Leute so hohe Kontingente, daß sie sie gar nicht ganz erledigen können.

Wie die Aussichten bis jetzt sind, scheinen die Kartoffeln gut auszufallen. Die Branntweinschlempe könnte daher die Futter­ausfälle in mancher Hinsicht ergänzen. Jeder Bauer, der ein Brannt- roeincontingent erhalten hat, mag dazu thun, daß ers behält und vergrößert; man weiß nicht, ob es schließlich doch zum Monopol kommt und dann handelt es sich um Entschädigungscapitalien, die nur der empfangt, der etwas abzutreten hat.

Citeraitur mtö Itunft

A. Hartlebens Uuiversal-HanbattaS. 93 Haupt­karten und 100 Nebenkarten auf 126 Kartenfeiten; zur mathematischen, physikalischen, politischen und historischen Geographie. Mit einem begleitenden Texte und vollständigem Register von Dr. Friedrich Umlauft und Dr. Franz Heiderich. (Wien, Pest und Leipzig, A. Hartlebens Verlag.) Erscheint in 25 Lieferungen L 75 Pfg.

Die Erdkunde ist heute eine populäre Wissenschaft, ja sie steht voran unter denjenigen Wissenszweigen, welchen sich das allgemeinste Interesse zuwendet. Mögen es Fragen des immer mächtiger sich ausdehnenden Weltverkehrs sein oder solche der wetteifernden Kolonial­politik, welche die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, mag die Kunde von einer neuen Durchquerung des dunklen Erd- theils oder des hochnordischen Grönland die Theilnahme der denkenden Menschheit erregen, stets sind es geographische Dinge, welche mtt diesen Unternehmungen verknüpft erscheinen. Aber alles geographische Wissen entbehrt der festen Grundlage, wenn es sich nicht auf das Bild des Erdganzen und seiner Theile stützt. Die Landkarte ist der unentbehrliche Behelf für Jeden, der sich mit geographischen Dingen zu bleibendem Gewinn beschäftigen will. Ohne Karte, ohne Atlas sollte kein Reisewerk, kein geographischer Aussatz gelesen werden. Aber ein Atlas, welcher den heutigen Anforderungen gerecht werden will, muß vielseitig sein; er muß allen Zweigen der Erdkunde dienen, nicht der Länderkunde allein, sondern auch der Ethnographie, und er muß um der mathematisch-physikalischen Geographie willen nicht minder Kartm astronomischen, geologischen und meteorologischen Inhalts bieten. Wie aber die gegenwärtigen physikalischen Zustände der Erdoberfläche ein Ergebniß entschwundener Perioden der Erd­geschichte sind, welche zu erklären die Geologie bestrebt ist, so stellen sich auch die heutigen politischen Verhältnisse unseres Erdballs alS das jüngste Glied einer ununterbrochenen Kette von historischen Vor­gängen dar, mit deren Aufhellung sich die Geschichte befaßt. Darum erscheint wohl auch eine Anzahl von historischen Karten in einem Atlas, der allen Bedürfnissen des Geographen, allen Wünschen des Freundes der Erdkunde gerecht zu werden strebt, als nothwendig. Ein solches Ziel hat sich A. HartlebmsUniversal-Handatlas", welcher soeben zu erscheinen beginnt, zur Aufgabe gesetzt. Derselbe umfaßt somit Karten zur mathematischen, physikalischen, politischen und historischen Geographie und zwar in reichster Fülle, in großen Maßstäben und von großer Reichhaltigkeit des Inhalts, zusammen 93 Karten und 126 Kartenseiten. Nicht weniger als 100 Nebenkarten stellen wichtige kleinere Gebiete in größerem Maßstabe, Stadtpläne usw. dar. Die Karten sind mit großer Sorgfalt nach den besten Quellen bearbeitet und mit Geschmack ausgeführt, klar und deutlich im Stich, das Papier nur auf einer Seite bedruckt, das Werk nebstbei äußerst wohlfeil. Da es für so viele sehr angenehm ist, sich bei Benützung des Atlas auch über einzelne geographische Fragen, über politische und statistische Verhältnisse, die Lage eines Berges, Flusses oder einer Stadt zu orientiren, ist dem Atlas ein begleitender Text sammt vollständigem Register beigegeben, welcher auf 25 Druckbogen eine übersichtliche Darstellung der mathematisch-physikalischen Geographie der Länder- und Völkerkunde, der Verkehrslehre und der historischen Geographie enthält. Derselbe ist so eingerichtet, daß er ein separates Handbuch der Geographie vollständig ersetzt.

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