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bet diesem Papier eine fallende, bet jenem eine steigende Tendenz verlieh. In der That ist kaum ein anderes Moment vorhanden, das eine auch nur vorübergehende Wirkung auf die Course ausüben könnte. Zwar wird wohl hie und da noch ein Gerücht in Umlauf gesetzt. Man erhöht die Walzeisenpreise, oder schätzt im Gegensatz damit den Betriebsüberschuß und die Dividende eines Eisenwerkes mit auffallend niedrigen Ziffern, aber die Wirkung ist doch stets nur momentan und so verschwindend, daß sie gar nicht ins Gewicht fällt. Selbst die Nachricht, daß das Haus Murrieta & Eo., das schon vor einigen Monaten sanirt werden mußte, einer zweiten Hülfsaction bedürfe, hat die Börse kalt gelassen und sie ließ sich aus ihrem Phlegma auch nicht aufschrecken, als bekannt wurde, daß die Garanten keine große Bereitwilligkeit zeigten, von Steuern umzuspringen und erst die Vorlegung einer genauen Bilanz verlangte, ehe sie wieder mit ihrem Gelde aushalfen.
Den neuesten Nachrichten zufolge ist diese Htlfsactton tndeß gesichert, und die Garanten werden jedenfalls beurtheilen können, ob sie dem Markt einen Dienst bau* erwiesen haben. Von der Ferne gesehen, erscheint die Angelegenheit aber auch in einem anderen Lichte und man kann sich nicht verhehlen, daß die Aussicht aus eine langsame, Jahre lang andauernde Liquidation gegenwärtig unverkäuflicher und gänzlich entwertheter Effectenbestände wenig Tröstliches bietet.
Eine besondere Aufmerksamkeit widmete die Börse in dieser Woche der Entwicklung des Geldmarktes. Es ist eine auffällige Erscheinung, die durch den Bedarf des Quartalswechsels allein nicht erklärt werden kann, daß der Geldstand seit geraumer Zett eine andauernde Versteifung erfährt, so daß der Discontsatz des offenen Marktes gegenwärtig bis hart an die Bankrate herangetreten ist. Dabei ist der Status der Reichsbank anscheinend ein überaus starker; es besteht auch jetzt noch eine Ueberdeckung der Notenausgabe, und zudem fließen fortgesetzt beträchtliche Summen Goldes sowohl aus New-Aork wie auch aus London dem Markt und der Bank zu. Die Ziffern des Ausweises gestatten aber keine durchaus zuverlässige Beurtheilung. Der schwächste Punkt ist augenscheinlich die Ziffer der Depositen, die mit 562 Millionen Mark eine ganz ungewöhnliche Höhe erreicht hat. Es ist fast gewiß, daß in dieser Summe ein erheblicher Betrag Regierungsgelder enthalten ist, dessen baldige Zurückziehung beoorsteht. Trifft das ein, so würde sich der Bankausweis wahrscheinlich noch ungünstiger darstellen als selbst im Vorjahre, dem Jahr der schärfstm Anspannung, die wir seit langer Zeit gehabt haben. Es kommt hinzu, daß zu den Anforderungen des Quartaltermines noch die Einzahlung auf die dreiprocentigm Anleihen tritt, und man muß daher den kommenden Herbstmonaten mit einiger Be- sorgnitz entgegensehen, zumal da nicht unbedingt feststeht, daß auf die gegenwärtigen amerikanischen Goldsendungen in kurzer Zeit nicht größere Gegenrimessen gemacht werden müssen. In der Liquidation hat sich Geld entsprechend theuer gestellt. Man notzirte in Frankfurt 4 8/8°/o und aus Berlin wurde sogar ein Satz von 43/4% ge- melbet, wobei in Betracht zu ziehen ist, daß der sich bei der großen Mehrzahl der Papiere herausstellende Stückemangel verbilligend auf den Satz gewirkt haben muß. Das Coursniveau hat sich im Allgemeinen trotz dieses Stückemangels noch etwas gesenkt, bei Banken ganz unbeträchtlich, so daß Disconto-Commandit und Handels- Sesellschaft, die die größte Einbuße verzeichnen, l1/* °/o verloren haben. Bet den brtgen Speculations-Banken beschränken sich die Differenzen auf Bruchtheile eines Procentes. Wiener Banken sind bis auf geringfügige Verschiebungen bei den Neben- werthen und eines Verlustes von IVa fl. bei der Ungar. Creditactie unverändert.
Der Bahnenmarkt entwickelte etwas größere Lebhaftigkeit, aber die Tendenz desselben war keine einheitliche. Die Vertragsverhandlungen mit der Galiz. Earl- Ludwigs-Bahn sind zum Abschluß gekommen, und zwar auf Grund einer Rente von 10 fl., die den Actionären unverkürzt bis zum Jahre 1900 gewährt werden soll. Das ist in der That weniger als man erwartet hatte, und der Cours der Actie ist daher auch um etwa 5 fl rückgängig geworden, und hat auch auf die übrigen österreichischen Bahnactten, soweit dieselben nicht aus Positionsoerhältnissen gesucht waren, einen Druck ausgeübt. Besonders stark scheinen Lombarden mitgenommen, die gegen die Vorwoche mit einem Verlust von 6 fl schließen. Staatsbabn haben dagegen reichlich 5 fl gewonnen. Die Wiener Speculation, die sehr große Summen dieser Actien ausgenommen hat, scheint ihre Position außerordentlich fest zu halten, rmd die deutschen Blancoverkäufer haben sich daher zum großen Thell zu Deckungen verstehen müssen. Der Schweizer Nationalrath hat nunmehr seinen früheren Beschluß umgeändert und hat in Ueberetnstimmung mit dem Ständerath sich für die vollständige Verstaatlichung der Centralbahn ausgesprochen. Diese Entscheidung ist ziemlich überraschend gekommen und der Cours der betreffenden Actie ist daher unvermittelt etwa 4% hinaufgesprungen. Sonst lagen Schweizer Bahnen ziemlich
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Darmstadt, 4. Jun: 1891.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector:
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matt, Berlin drückte namentlich im Anfang der Woche mit Abgaben unter dem I Hinweis auf geringe Einnahmen bei vermehrten Ausgaben.
Erst im Verlauf tratt mit befferem Reisewetter eine bessere Stimmung ein, die aber auch nicht behauptet werden konnte, weil ein neuer Betriebsunfall der- selbm Abbruch that. Der Montanmarkt lag anhaltend matt, und zwar ohne ersichtlichen Grund, wenn man nicht den Austritt mehrere Werke aus dem Walzeisenverband dafür gelten lasten will. Die Betriebsresultate der Laurahütte müssen, wie sehr sie auch gegen das Vorjahr abstechen, als befriedigend angesehm werden; indessen ist bei etwaigen Rückschlüssen auf andere Werke zu beachten, daß die Laurahütte durch Kohlenverkäufe erheblich bester gestellt ist, als alle übrigen, welche weit entfernt, Kohlen abgeben zu können, diese in erheblichen Mengen zukaufen müssen. Der Rentenmarkt ist nahezu unverändert. Für Rusten, Portugiesen und Spanier besteht erheblicher Lückenmcmgel, der aber nur dm Cours der letzterm beeinflussen konnte.
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Alljährlich bedeuten die Sommermonate für die Börse eine Verminderung des Geschäftsverkehrs, die sich je nach der Marktlage mehr oder minder fühlbar macht und nur in Ausnahmefällen unbemerkt vorüberzugehm scheint. Das Jahr 1889 bildete eine solche Ausnahme, aber^ dazumal trieb die Speculation gerade in den Sommermonatm die üppigsten Blüthen und jeder Tag brachte mit neuen Projecten und Plänen neue Anregung, die allmälig zu jener Ueberspannung der Kräfte führte, unter deren Folgen wir jetzt noch leiden. Gegenwärtig aber fehlm alle Momente, welche damals Die Belebung des Verkehrs herbetführtm. Das weit- schichtige Programm von Ftnanzoperationm, mit welchem sich die führmden Santen und Bankhäuser im Frühjahr dieses Jahres trugen, mußte fallen gelassen werden, weil die Ungunst der Zeiten der Ausführung hindernd im Wege stand. Selbst Oesterreich-Ungarn, das ja im Allgemeinen sich von Ueberspeculatton und deren Folgen frei gehalten hat, mußte den Verhältnissen des internationalen Marktes Rechnung tragen und auf die Converttrungsoperationen, welche die Einleitung zur Valutaregulirung bilden sollte, verzichtm. Nun sieht sich die Börse der stillen Zeit gegenüber, auf welche der Herbst mit seinen steigenden Zinssätzen folgen wird. Ohne jede Anregung und verlassen vom Publikum vermag sie die Hoffnung, daß noch im Laufe dieses Jahres eine Aenderung der Marktverhältnisse eintreten könnte, nicht mehr aufrecht zu erhalten. Aber die Verstimmung hierüber äußert sich doch nicht mehr in einem Coursdruck. Das Niveau ist bereits so tief, daß es namentlich in Anbetracht der gegenwärtigen Engaaementsverhältnisse nicht räthlich erscheint, mit weiteren Verkäufen vorzugehen, und Die Speculation hat daher, nachdem sie Monate lang schon alle Kraft verschwendet hat, um neues Interesse zu erwecken, keine andere Wahl, als die bisher schon große Zurückhaltung zur gänzlichen Einschränkung zu treiben. Die Course selbst würden vollständig stagniren, wenn nicht die Regulirung der Positionen, welche die Liquidation mit sich bringt, denselben
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