1891
Drittes Blatt
ichener Anzeiger
Kenemt-Unzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.
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wir
j)ol»t»fche Wochenschau
Loeales und provinzielles
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Bekamtmachung,
aus andere Jndustrie-Erzeug
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Schöne Aussicht".
facrurwaaren 1212 Mk. nisse 89,311 Mk.
Inhaltlich des Artikel 16 des genannten Gesetzes haben Capitalrentensteuererklärung abzugeben:
1) für minderjährige, vermißte oder unter Vormundschaft gestelle Personen deren gesetzliche Vertreter-
2) für moralische Personen (Gemeinden, Körperschaften, Stiftungen, Anstalten), ferner für Gesellschaften, Genossenschaften, Gantmassen, Erbmassen, soweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht kommt, die bestellten Vorstände oder Verwalter-
ZI in allen anderen Fällen der Steuerpflichtige selbst und zwar hinsichtlich des gesummten Zinsenbezuges, welcher, sei es aus eigenem Vermögen oder aus dem Vermögen seiner nicht selbstständig zur Capitalrenten- steuer gezogenen Angehörigen, ihm in Steueransatz zu kommen hat.
Unter Bezugnahme aus die obigen Bestimmungen richten an die hiernach zur Einreichung von Capitalrentensteuer-
—Die Anzahl der rechtskräftig ergangenen Bestrafungen von Landstreichern und Bettlern im Zahr 1890 hat in der Provinz Starkenburg 850, in Oberhessen 510, in Rheinhessen 876, und im Großherzogthum 2236 betragen. Eine Vergleichung mit den Ergebnissen aus den vorhergehenden Jahren zeigt, daß sowohl im ganzen Großherzogthum als in den drei Provinzen die Anzahl der Bestrafungen vom Jahr 1877 bis zum Jahr 1881 stetig zugenommen, sodann in der Provinz Starkenburg bis zum Jahr 1884, in den Provinzen Oberhessen und Rheinhessen, sowie im Großherzogthum bis zum Jahr 1885 ab-, im Jahr 1886 (in Starkenburg auch 1885) wieder zu- und von da an bis zum Jahr 1890 (in Rheinhessen nur das Jahr 1889 ausgenommen) wieder abgenommen hat. Während im Jahr 1881 durchweg die meisten Bestrafungen erfolgt sind, ist in allen drei Provinzen im Jahr 1890 der geringste Stand erreicht worden. Im Verhältniß zur Bevölkerung betrachtet, entfällt aus 10,000 Einwohner die nachstehende Anzahl Bestrafungen, von Landstreichern und Bettlern:
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Annahme Hon Anzeigen zu der Nachmittag- für dm sagenden Tag erscheinenden Nummer bil Bonn. 10 Uhr.
eingebracht worden sind. Bon diesen Anträgen ist nur einer unerledigt geblieben- von den übrigen wurden nur 4 von beiden Häusern angenommen und der Rest anderweitig abgefertigt. Interpellationen sind vom Abgeordnetenhause zwei Mal an die Negierung gerichtet und von dieser beantwortet worden. Von den eingegangenen 2899 Petitionen ist nur etwa die Hälfte in der einen oder anderen Weise zur Erledigung gelangt.
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Vierteljähriger JWonKcmentsptti» i 2 Marl 20 Pfg. mH Bringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.
zugezogen waren, auch inzwischen ihren Wohnsitz nicht gewechselt und keine den Betrag von 100 Mark jährlich erreichende Einkommensverbesserung aus Capitalzinsen erlangt haben.
Di« Gießener
«erden dem Anzeiger tzBch«tlich dreimal deigelegl.
llogis (3 Zimmer, I, sofort zu ver- Marklplatz 22.
Auf das Ausland werfen wir heute nur einen raschen Blick. Recht bemerkenswerthe Aeußerungen sind im österreichischen Abgeordnetenhause gelegentlich der Generaldebatte über das Budget gefallen. Unter Anderem verwahrte sich der jungczechische Führer Herold gegen den Vorwurf, daß die Czechen den Panslavismus als ihr Ziel anstrebten. Die Schuld an dem Zerwürfnisse zwischen Deutschen und Ezechen trügen lediglich die Ersteren, die die Hegemonie gewinnen und die Bevorzugung der deutschen Sprache durchsetzen wollten. Weiterhin stellt sich ein gewisses Einvernehmen zwischen den Polen und Deutschliberalen heraus, sodaß die begonnene Session sich glatter abwickeln zu wollen scheint, als selbst Optimisten annehmen konnten, nachdem bei Beginn der Beratungen nicht einmal eine gemeinschaftliche Antwortadresse auf die Thronrede hatte zu Wege gebracht werden können. — Gegen den Dreibund waren in Italien von franzosenfreundlicher Seite Kundgebungen geplant worden. Indessen wußte der italienische Ministerpräsident Rudini Demonstrationen der Art rechtzeitig zu verhindern. — Ueber den Versuch Frankreichs, sich Rußland in offizieller Weise zu nähern, gehen die Nachrichten wirr durcheinander. In Frankreich leugnet man die Richtigkeit der Meldung- andererseits behauptet man, Rußland sei sich allerdings darüber klar geworden, daß ein Stärkerwerden Frankreichs den russischen Absichten aus Constantinopel und Kleinasien am letzten Ende nur den Weg verrammeln könne und habe diese Anschauung Annäherungsversuchen Frankreichs gegenüber zu bethätigen auch Gelegenheit gehabt. Thatsächlich macht die Freundschaft beider Reiche gute Fortschritte- so hat man in Rußland letzthin beschlossen, die in russischen Diensten befindlichen englischen Feuerwerker durch französische zu ersetzen und die seither in England gefertigten Stahlplatten für russische Panzerschiffe nunmehr in Frankreich in Arbeit zu geben. — Die Christenverfolgungen in China haben nach neueren Meldungen ähnlichen Grund, wie ihn die Judenverfolgungen auf Korfu gehabt haben. Die Chinesen behaupten, die katholischen Patres erzögen nur deshalb verlassene Judenmädchen so sorgsam, weil sie aus ihren Augen später eine wirksame Medizin zu bereiten gedächten.
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erklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zum genannten 1. Juli d. I. an die betreffenden Bürgermeistereien gelangen zu lassen, von wo sie, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betreffenden Einschätzungscommissionen übersendet werden.
Das Formular zu den Capitalrentensteuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen.
Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den 1. Juni 1891. Die Großherzoglichen Steuercommissariate.
Süsser t. Bähr. *Snell. Pfann müller.
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selben, je nach der Wahl des Steuerpflichtigen, offen oder verschlossen, jährlich spätestens bis zum !♦ Juli, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts abzuliefern.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Dmckerei (Fr. Chr. Pietsch).
chöne Mansardenute per Mitte Sep- Bleichstraße^.
im „®ltner &of‘ tyn. fläfnrti bd «, Musbury.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Lu-lande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Zum Bezug des „Gießener Anzeiger" für
3. Vierteljahr 1891 laden wir hiermit ergebenst ein. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer objectiver Uebersicht zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten des Wolff'schen telegraphischen Correspondenz- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschäft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die
Gießener Farrrilienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, 'namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
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Seitenweg 24.
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Art- 15 des Gesetzes, insofern nicht im einzelnen Fall besondere Aufforderung der Einschätzungscommission ergeht, diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Capitalrentensteuer
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n im ersten Stock -och.
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Gießen, 27. Juni.
— Der Werth der Einfuhr in Bremen aus dem Großherzogthum Hessen belief sich im Jahre 1890 insgesammt aus 1,507,978 Mk. (1889: 1,021,796 Mk) - davon kamen auf Verzehrungsgegenstände 352,521 Mk., auf Rohstoffe 437,594 Mk., aus Holzfabrikate 303,554 M., auf Manufacturwaaren 29,827 Mk. und auf andere Industrie- Erzeugnisse 384,482 Mk. Der Werth der Ausfuhr aus Bremen in das Großherzogthum im selben Jahre betrug 2,312,151 Mk. (1889: 2,307,940 Mk.)- davon kamen auf Verzehrungsgegenstände 1,564,991 Mk., auf Rohstoffe 607,079 Mk., auf Halbfabrikate 49,598 Mk., auf Manu-
die Abgabe der Capitalrentensteuererklärungen behufs der Veranlagung für das Steuerjahr 1891/92 betr.
Nach Art. 14 des Gesetzes, die Einführung einer Capitalrentensteuer betreffend, vom 8. Juli 1884, erfolgt die Heranziehung zu dieser Steuer auf Grund einer Erklärung, welcher jeder nach den einschlägigen Bestimmungen Steuerpflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten bei der hierzu berufenen Einschätzungscommission schriftlich abzugeben hat. Zu diesen Erklärungen ist das von Grobherzoglichem Ministerium der
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Gießen, 26. Juni 1891.
Im Reiche werden die Erörterungen der Presse in Betreff der Lebensmitteltheuerung noch immer in leidenschaftlicher Weise fortgesetzt. Zur Verschärfung der augenblicklichen Noth gereicht besonders der Umstand, daß die Kartoffelpresse ihre ganz ungewöhnliche Höhe, die den normalen Satz theilweise um 100 e/0 übertrifft, andauernd behaupten. Schon haben in einigen besonders schwer betroffenen Bezirken Preußens geradezu Nothstandsputsche stattgefunden. Der „Gießener Anzeiger" hat bereits davon Notiz genommen, daß in Nowawes eine förmliche Kartoffelrevolte von 200—300 Frauen veranlaßt worden ist. Aehnliche Vorkommnisse werden aus Köslin gemeldet. Zum ersten Male ist in diesen Tagen von amtlicher Seite, nämlich von dem Königlichen Landrath, Superintendenten, Amtsgerichtsrath und Bürgermeister in Greifenberg das Vorhandensein eines Nothstandes anerkannt worden, während der Reichskanzler v. Caprivi noch am 1. Juni die ganz feste Ueberzeugung aussprach, daß von einem Nothstand im Lande zur Zeit nicht die Rede sein könne, und daß die Verhältnisse auch keine Aussicht geben, daß es zu einem Nothstande kommen werde. Unter dem Eindrücke der thatsächlichen Verhältnisse hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit nunmehr ausschließlich der Frage zugewandt, wer die Schuld an der Theuerung, die nachgerade so ziemlich von keiner Seite bestritten wird, tragen mag. Während der Reichskanzler selber die Anschauung vertreten hat, daß der Getreidezoll ein wesentliches Moment in der Preisbildung darstelle, sucht man auf agrarischer Seite die Schuld der Brodtheuerung in der Hauptsache auf die Bäcker zu fchieben, die, wie Freiherr v. Erffa und Graf v. Kanitz im Abgeordnetenhause neulich auszusühren sich bemühten, einen Gewinn von 60—66 % haben sollen. (?)
In Preußen ist der Landtag vom Kaiser Wilhelm persönlich mit einer Thronrede im Weißen Saale geschloffen worden. Wir haben schon neulich vermerkt, daß die letzte Tagung des preußischen Abgeordnetenhauses eine überaus ftuchtbare gewesen ist. Die Session begann am 12. November. In einer Zeit von 134 Werktagen sind 108 Plenarsitzungen abgehalten worden. Außer dem Etat sind dem Hause 34 Gesetzentwürfe zugegangen, von denen 30 durch übereinstimmende Beschlüsse der beiden Häuser des preußischen Landtages erledigt worden sind. Unter den nicht erledigten sind namentlich der Entwurf eines Volksschulgesetzes und ein erst am Schlüsse der Session eingebrachter Gesetzentwurf über die Verlegung des Buß- und Bettages namhaft zu machen. Aus der Initiative des Landtags sind im Ganzen 20 Anträge hervorgegangen, unter dtznen 19 vom Abgeordnetenhause


