Paris, 25. März. Der Municipalrath berieth über die für den ersten Mar beabsichtigte Kundgebung und nahm nach längerer Debatte eine Tagesordnung an, in der erklärt wird, daß der Municipalrath der Arbeiterschutz-Gesetzgebung sympathisch gegenüberstehe, welcher die Arbeiterkundgebung am 1. Mai als Mittel zum Zwecke dienen solle. Der Absatz der Tagesordnung, worin die Verwaltung ersucht wird, die Arbeiter und Beamten der Stadt zu ermächtigen, den ersten Mai als Feiertag zu begehen, wurde ab gelehnt. Der Präsect wies darauf hin, daß die Frage, um die es sich hierbei handle, außerhalb der dem Municipalrathe zustehenden Befugnisse liege.
Paris, 25. März. Der Ministerrath wird demnächst die Frage erörtern, ob das Prinzenausweijungsgesetz auch auf Louis Napoleon anwendbar ist.
— Die Tagesordnung des vom 31. März bis 3. April Hierselbst stattfindenden inte rnationalen Bergarbeiter- Congresses enthält Anträge betreffs Gründung einer internationalen Vereinigung, Organisation allgemeiner internationaler Strikes behufs Erlangung des Achtstundentages, außerdem einen Antrag belgischer Grubenarbeiter, dahin gehend, daß falls letztere behufs Erreichung des allgemeinen Stimmrechts striken, die übrigen Bergarbeiter deren Ziele durch Einschränkung der Kohlenförderung unterstützen.
Graffe, 25. März. Die Königin von England ist hier eingetroffen, die Stadt ist festlich geschmückt.
Brüssel, 25. März. Der Generalrath der Arbeiterpartei hielt heute mit dem Counts der Fortschrittspartei eine gemeinschaftliche Berathung über die augenblickliche Lage unter Vorsitz des Abgeordneten Janson ab- um einen allgemeinen Ausstand zu verhüten, wurde beschlossen, zum 5. April einen Arbeitereongreß nach Brüssel einzu- berusen, welcher die politische Lage prüfen und wegen eines event. Ausstandes beschließen soll.
Madrid, 25. März. Der Arbeitercongreß sprach sich in der gestrigen zweiten Sitzung für den allgemeinen Strike als das geeignetste Mittel zur Erreichung des achtstündigen Arbeitstages aus.
Moskau, 25. März. Wie die „Moskowskija Wjedo- mosti" melden, soll durch die Reform der russischen Städteordnung, welche demnächst Gesetz wird, die Vereinigung der ausführenden und anordnenden Gewalt in der Person des Stadthauptes aufgehoben und eine strenge Con- trole der Stadtverordnetenwahlen seitens der Regierung ein- gesührt werden.
Mexiko, 25. März. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat seine Demission gegeben, weil entgegen seinen Vorschlägen der Präsident und der Ministerrath keine neuen Eisenbahnconces sionen mit Staatssubvention ertheilen wollen.
Buenos Ayres, 25. März. Meldung des Bureau Reuter. Fast sämmtliche Gouverneure der Provinzen telegraphirten ihre Zustimmung zu der Caalition Roca-Mitre. Der Gouverneur von Buenos Ayres und einige Juaristische Generäle sprachen sich jedoch im entgegengesetzten Sinne aus.
Loeales nnü provinzielles.
Gießen, 26. März.
— In der Garnison treten folgende Veränderungen ein: Hauptmann Joachimi ist zum Bezirksosfizier des Landwehrbezirks Meiningen, Hauptmann Clößner zum Compagniechef ernannt worden, Sec.-Lieut. Brack zum Premier-Lieut. befördert. Beck, bisher Studirender einer militärärztlichen Bildungsanstalt, beim 116. Regiment als Unterarzt angestellt.
Lauterbach, 24. März. Die Hauptversammlung des Vogelsberger Höhenclubs (Gesammtverein) soll am Donnerstag nach Pfingsten, 21. Mai, dahier abgehalten werden.
Berstadt, 24. März. Heute feierte hier Frau Henriette Löb, Meier Löb Wittwe, das Fest ihres hundertsten Geburtstages in voller Rüstigkeit des Geistes und Körpers.
Dermifd?te».
* Oppenheim, 24 März. Die Schloßruine „Landskrone", das schöne Fleckchen Erde, das im Frühjahre und Sommer das Ziel vieler Vergnügungsreisenden und Touristen bildet, wird in nicht allzu ferner Zeit einen Aussichtsthurm und eine Re staurationshalle erhalten, womit einem längst gefühlten Bedürsniß abgeholfen wird.
ft Kassel, 25. März. Ein moderner Räuber, oder was „falsche Liebe" thut. Endlich ist es gelungen, das geheimnißvolle Dunkel zu lichten, welches über den Verfasser jener fürchterlichen Drohbriefe schwebte, mit denen vor Kurzem mehrere reiche Leute unserer Stadt in Angst und Schrecken versetzt wurden. So erhielt der Banquier Plaut folgendes Schreiben: Geehrter Herr Plaut! Sie werden verzeihen, daß ich Sie mit einer Angelegenheit belästige, es handelt sich nämlich darum, daß Sie mir 4000 Mk. schicken, ich bin nämlich aus falscher Liebe unglücklich geworden, ich will fort von hier und da muß ich Reisegeld haben, nach Amerika u. s. w. Schicken Sie das Geld in einem einfachen Briefe eingeschrieben unter der Chiffre K. W. postlagernd Kassel. Thun Sie es nicht, so nehme ich Rache an ihrer Frau und Kindern und sollte es uns selbst das Leben kosten. Suchen Sie ja nicht, mich etwa auf der Post sestnehmen zu lassen, denn ich gehe nicht selbst hin, auch warne ich Sie, Jemanden etwas zu sagen, denn wir sind unserer Zwei, sind stets bewaffnet und der Eine wird nicht dulden, daß dem Andern was geschieht. Schicken Sie das Geld in „Papiergeld". Ganz die gleichen Briefe erhielt auch ein Herr in Wehlheiden, nur wurden hier anfänglich 3000 Mk. verlangt, dieser Betrag jedoch, als kein Geld erfolgte, mit jedem weiteren Briefe um 2000 Mk. erhöht, zur Strafe, wie es hieß, weil man dem ersten Briefe keine Folge ge
geben habe. So ging es auch Herrn Plaut. Um den Erpresser zu fangen, wurde nämlich ein Briefcouvert mit Papierschnitzeln unter der angegebenen Chiffre zur Post gegeben, indeffen der Verbrecher entwischte und derselbe ließ nun einen zweiten Brief folgen, worin es hieß: „Da Sie uns zum Narren halten, so müssen Sie jetzt schon 6000 Mk. schicken. Wir hätten schon unsere Rache suchen können, als Sie mit Ihrer Frau am Sonntage bei Ihrem Procuristen waren, aber wir haben Ihnen noch einmal Frist gegeben, aber nun schicken Sie das Geld, denn Sie werden uns nicht eher los, also haben Sie die Liebe und schicken Sie uns das Geld." — Durch einen Zufall gelang es, den modernen Räuber sestzu- nehmen, es ist der 19 Jahre alte Strumpfweber Heinrich Morgner, welcher auch im Verdachte stand, den Verbuch gemacht zu haben, seine Braut und Schwiegermutter aus offener Straße zu erschießen. Thatsächlich hat er drei Schüsse aus einem Revolver auf der Straße abge- seuert, zwei auf Braut und Mutter und einen aus sich selbst, in allen drei Fällen hat er jedoch nicht getroffen. Er behauptete, er habe seine Braut, die ihm den Lauspaß gegeben, und die alle Annäherungsversuche zurückwies, nur schrecken und so thun wollen, als habe er sie und dann sich selbst erschießen wollen. Es seien nur Platzpatronen gewesen, womit er geschossen habe. Das Gegentheil konnte ihm vor Gericht nicht nachgewiesen werden, Zeugen waren bei jener markirten Liebestragödie nicht zugegen gewesen, auch die Braut und Mutter hatten nichts Genaueres gesehen, denn sie hatten sich, als sie den Revolver blitzen sahen, sofort zur Flucht gewandt. In Bezug aus das Mordattentat mußte also die Anklage fallen gelassen werden. Dagegen räumte der sehr kräftig und stark gebaute Morgner, vor Gericht gestellt, ganz kleinlaut ein, dies halbe Dutzend Drohbriefe an die betreffenden Geschäftsleute geschrieben zu haben. Er will aus Noth und „falscher Liebe" dazu getrieben worden sein. Er habe keine Arbeit und keinen Verdienst gehabt, deßhalb wohl zumeist habe ihm seine Braut (ein ehrbares Mädchen, das er heirathcn wollte) den Laufpaß gegeben und aus Verzweiflung habe er jene Drohbriefe geschrieben, entweder habe er mit dem Gelde seine Braut glücklich machen oder nach Amerika reisen wollen. Wegen Bedrohung mit einem Morde, um die Herausgabe von Geld zu erpressen, unter Anklage gestellt, wurde gegen ihn vom Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren beantragt - das Gericht nahm jedoch Rücksicht aus seine 19 Jahre und ließ es bei einer Gefängnißstrase von 1 Jahr und 9 Monaten bewenden. — Nach dem ganzen Gebühren, dem Stil und Inhalt seiner Drohbriefe zu urtheilen, sollte man fast glauben, daß der Angeklagte nicht ganz zurechnungsfähig ist.
* Eisleben, 22. März. Der Leiter der Mansfelder Dynamitfabrik, Dr. T., wurde von der hiesigen Strafkammer zu einem halben Jahre Gesängniß verurtheilt, weil er bei einer Eisenbahnfahrt ein größeres Quantum Dynamit in einem Reisekoffer bei sich geführt hatte und auch verschiedene Dynamittransporte aus Fuhrwerken mit seinem Wissen ohne vorschriftsmäßige Anzeige bei den betreffenden Behörden die Landstraßen und Ortschaften passirt hatten, sogar die schwarze Fahne, durch welche solche gefährlichen Transporte schon äußerlich gekennzeichnet werden sollen, entfernt war, das Wagenschild der Fabrik durch ein solches des Fuhrmanns vertauscht und die Deckel der Kisten mit ihren Zeichen verkehrt ausgenagelt waren. Der Staatsanwalt hatte 2V2 Jahr beantragt.
* Verden, 18. März. Alte Stiftung. Ein alter Brauch hat sich hier bis aus den heutigen Tag erhalten. Der berüchtigte Seeräuber Störtebeck, welcher im Jahre 1402 zu Hamburg hingerichtet wurde, wohnte zu Halsmühlen bei Verden und stiftete aus den Einkünften seiner Höfe im nahen Dorfe Walle das Vermächtuiß, ans welchem die Angestellten des Doms je sechs Häringe und sechs Brödchen und die Armen der Stadt je einen Häring und ein Brödchen erhielten. Die Vertheilung besorgten von jeher Magistratspersonen am Montag nach Lätare im Rathhause, nachdem sie vorher von den zu vertheilendeu Häringen und Brödchen probirt hatten. Am Sonntag Lätare wird die Vertheilung von der Kanzel herab angekündigt und am Montag geht sie vor sich. So geschah es auch in diesem Jahre.
* Ein für die Kaiserin characteristischer Zug, von dem bisher nichts in die Oeffentlichkett gedrungen ist. Als kurz vor dem Weihnachrsfeste im Schlosse der „sechste Junge" ein getroffen, erschien in der, Docotheenstraße Gelegenen, öffentlichen Entbindungsanstalt eine Abgesandte der Kaiserin, um zu erfragen, wie viele Kinder dort am Geburtstage des jüngsten Prinzen zur Welt gekommen seien. Man theilte der Beauftragten Ihrer Majestät mit, daß an dem betreffenden Tage fünf Personen in der Anstalt (Frauen und Mädchen) entbunden worden seien. Schon am nächsten Tage trafen für die fünf Geburtstags-Genossen des Prinzen ebensoviele Kinderausstattungen ein, welche an Vollständigkeit nichts zu wünschen übrig ließen und nach Ansicht der Mütter nur den einen Fehler hatten, daß die Ausstattungen für ihre „Prinzen" viel zu kostbar wären. Besonders bezeichnend für diesen Act der Wohlthätigkeit ist der Umstand, daß die kaiserliche Spenderin selbst noch leidend war, als sie die betreffende Anordnung traf.
* Baptisten-Taufe. Der „M. Anz." berichtet aus Mainz vom 23. dss. Mts.: Sonntag Abend zwischen 6 und 7 Uhr sand an der Kasteler Lache die Taufe einer Baptistin statt. In dem Wächterhäuschen der dortigen Wasch- und Bleichanstalt wurden die Vorbereitungen zum Taufacte getroffen und bald erschien, begleitet von einem Geistlichen, eine etwa 24- jährige Dame, mit langem weißen Gewände und Pantoffeln bekleidet. Der Geistliche hielt eine Ansprache, welcher ein Gesang der versammelten Gemeinde vorherging, worauf der Täufling und der Prediger an einer Stelle der Lache, welche für diesen Fall mit einer Art Geländer zum Festhalten versehen war, bis über die Hüften ins Wasser gingen. Nach einem Gebet und der Anrede an den Täufling wurde derselbe, von dem Geistlichen gestützt, gänzlich unter das Wasser
getaucht, was die Dame, trotz des kalten Elements mit erstaunlicher Standhaftigkeit ertrug. Nun folgte nochmals ein Gebet und unter feierlichem Gesang der anwesenden Baptisten gingen Beide in die erwähnten Häuschen zurück, wo alsdann die Umkleidung vorgenommen wurde. Diese Taufe hatte viele Zuschauer angelockt, welche sich während des kalten Bades der Dame eines Fröstelns nicht erwehren konnten.
* Aus der Pfalz, 24. März. In Rödersheim ist gestern der Zimmermann Christoph Oswald von seiner eigenen, dem Trünke ergebenen Frau im Schlafe mittelst eines Revolvers erschossen worden. Die letztere ging flüchtig, wurde aber bereits verhaftet.
* Thorn, 24. März. Das Kriegsgericht verur- theilte einen Soldaten, welcher vor einiger Zeit beim Verlassen eines Tanzlocals auf der Vorstadt Mocker den Polizeidiener Rummler erstochen hat, zur Ausstoßung aus dem Soldatenstande, sechsjähriger Zuchthausstrafe und 5 Jahren Ehrverlust.
* Beckum, 27. März. Heber eine schauderhaste Mordgeschichte, welche in dem benachbarten Kirchspiel Wadersloh sich zugetragen hat, wird gemeldet: Abends nach der Polizeistunde kam ein Chausseearbeiter an einem Wirths- hause vorbei, in welchem sich noch mehrere Gäste aufhielten. Um einen Scherz zu machen, klopfte er ans Fenster und ries: „Feierabend!" Die Gäste, im Glauben, es sei ein Polizist, flüchteten durch eine Hinterthür ins Freie, einer jedoch wagte näher nachzusehen und fand statt den Polizisten einen harmlosen bekannten Arbeiter, der nun auch mit einkehrte - die übrigen kamen auch wieder. In der folgenden, vielleicht etwas erregten Auseinandersetzung fühlte der genannte Arbeiter plötzlich seine Füße zusammengebunden, im selben Augenblicke wurde er auch schon von mehreren zur Tenne geschleppt und an den Beinen aufgehängt. Nachdem er mehrere Male niedergefallen und verhauen worden war, merkten die Unmenschen, daß in dem Bedauernswerthen nur noch wenig Leben war, und bekamen Angst. Um ihre Schandthat zu verbergen und den Glauben zu erwecken, der Mann sei in betrunkenem Zustande verunglückt, zogen sie den Körper mehrere Male durch eine Dornhecke, wodurch verschiedene Schrammen entstanden, und brachten den anscheinend Leblosen dann nach Hause, wo er kurz nachher verstarb. Die Schuldigen sollen bereits ermittelt sein.
* lieber die Heuschreckenplage in Algerien, über die wir in vor. Nr. eine kurze Mittheilung brachten, wird der „Kl. Pr." geschrieben: Es sind jetzt gerade zwei Jahre her, daß die Heuschrecken in so großer Menge in Algerien erschienen waren, wie fast nie vorher, und daß man alles Mögliche aufgeboten hat, um dieses schreckliche Ungeziefer fo viel zu vernichten, als nur eben ging. Man hatte auch ein ziemlich befriedigendes Resultat erlangt, denn vergangenes Jahr machten die Heuschrecken nur wenig von sich sprechen- aber dieses Jahr scheinen sie wieder ausgetaucht zu sein und zwar in fabelhaften Schwärmen. Wie mag es wohl kommen, daß diese schreckliche Plage nicht vollständig zu vernichten ist und sich periodisch wieder einstellt? — Ich befand mich im Monat Mai 1889 in Constantine und wohnte den Verheerungsscenen der Heuschrecken bis Ende Juni bei. Im Monat Mai waren die Heuschrecken kaum einen Monat alt (sie entschlüpfen gewöhnlich Ende März und Anfangs April), also noch sehr klein und infolge dessen noch ziemlich unschädlich. In welchen Massen die Heuschrecken im Jahre 1889 erschienen waren, kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Die Eisenbahnzüge zwischen Constantine und Sstis mußten acht Tage lang die Fahrt einstellen, denn die Heuschrecken lagen 0,70 bis 0,85 (Zentimeter hoch auf den Schienen - zwischen Constantine und Qued-Seguni, besonders auf der Strecke Qued-Atmenia-Qued-Seguni, also auf drei bis vier Meilen weiten Strecken, waren Felder und Wein- pflanzungen mit Heuschrecken überfüllt, welche an manchen Stellen bis zu 0,50 (Zentimeter hoch über einander wimmelten. — Die Bekämpfung.der Heuschrecken geschieht auf verschiedene Art - am verbreitetsten ist wohl die Folgende: Es werden von den Arabern Gräben angelegt, welche circa 1,20 Meter Länge, 0,60 Meter Breite und 1,40 Meter Tiefe haben. Die Araber nehmen nun große Tücher (Melaffa genannt) und jagen die Heuschrecken in die Gräben, wo sie alsdann zerstampft werden. Ich bin fast überzeugt, daß diese verbreitetste Art, die Heuschrecken zu zerstören, eine durchaus unzulängliche ist, denn bekanntlich legen die Heuschrecken ihre Eier in den Boden und bei dem Zerstampfen dieser Millionen von Thieren in den Gräben werden wohl in jedem Graben Tausende am Leben bleiben und ihre Eier legen. — Am gefährlichsten werden die Heuschrecken, wenn sie so ziemlich ausgewachsen sind und ihren Flug unternehmen. (Dies geschieht ungefähr Mitte Juni.) Wenn ein solcher Flug Heuschrecken über ein Getreidefeld oder über einen Weinberg kommt, fo vernichtet er in fünf bis zehn Minuten Alles und verwandelt ein blühendes Feld in eine große Oede. Man kann sich auch kaum einen Begriff machen, in welchen Massen die Heuschrecken zusammen fliegen. Ich habe im Monat Juni 1889 einen derartigen Flug gesehen. Dieser Flug kam von Am-Mlila und flog gegen Jetif und verdunkelte den Himmel ca. 2y2 Stunden lang. — Die Einwohner bieten wohl Alles auf, um der schrecklichen Plage entgegenzutreten, allein sie haben genug zu thun, um ihre Felder und Weinberge gegen dieses schreckliche Ungeziefer zu schützen, und können die Heuschrecken nicht verfolgen, wenn dieselben sich in uncidtimrten Gegenden (und diese sind in Algerien sehr zahlreich) niederlassen, hier Milliarden von Eiern legen und dann in riesigen Schwärmen in das bebaute Land geflogen kommen. Die Frage also, wie cs kommt, daß die Heuschreckenplage nicht völlig zu vernichten ist, dürfte also wohl beantwortet sein durch die angeführten Mängel der bei der Zerstörung angewandten Mittel, sowie dadurch, daß man die Heuschrecken eben nicht in ihrem Flug in uncultivirte Landstriche verfolgen kann.
* Ein Zeitungscuriosum. In der Nummer der „Italia" vom 9. März wird der staunenden Welt verkündet: „Das


