Ausgabe 
27.2.1891
 
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Nr. 49

Freitag den 27. Februar

1891

Gießener Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

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Der Wchemr A«}H|n «fthevtt täglich, w*t Ausnahme bei Äontagl.

Siereetsäbrig« |lrauw«Uir^ 2 Mark 20 Mg. »»

Vringerloh». Durch die Poft bez»-« ? Mark 60

Amts- unb Anzeigeblatt für den Aveis Gieren.

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2lmtlid?er Theil.

Nr. 6 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M«, enthält:

(Nr. 1937.) Gesetz, betreffend die Controls des Reichs­haushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für das EtatSjahr 1890/91. Vom 9. Februar 1891.

(Nr. 1938.) Verordnung, betreffend Abänderung der Bestimmungen über Gewährung von Tagegeldern, Fuhrkosten und Umzugskosten an die Beamten der Militär und Marine­verwaltung. Vom 16. Februar 1891.

Gießen, den 26. Februar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutscher Reich.

nn. Darmstadt, 25. Februar. Zweite Kammer der Landstände.

Die Sitzung wird um 91/* Uhr eröffnet.

Eingegangen sind die Wahlacten über die stattgehabte Ersatzwahl im Wahlkreis Butzbach-Friedberg.

Bevor das Haus die Berathung des Budgets svrtfetzt, macht der II. Präsident Wolfskehl dem Hause die Mit- theilung, daß nach Art. 9 Abs. 2 der Geschäftsordnung heute die definitive Wahl der beiden Präsidenten für die Dauer des 27. Landtags stattzufinden habe.

Auf Vorschlag des Abg. v. Rabenau findet sodann die definitive Wahl von Kupfer-Offenbach zum Ersten und Wolfskehl zum Zweiten Präsidenten per Acclamation statt. Beide Präsidenten sprechen dem Haus Dank aus für die Wiederwahl und das Vertrauen.

Hiernach fährt die Kammer bei Cap. 113, Hosbauwesen, mit dem Budget fort.

Beantragt hat der Ausschuß, 56 000 Mk. jährlich zu bewilligen und zwar für das ganze Capitel. Ferner für die äußere Herstellung des gesummten Gebäudecomplexes des Großh. Palais zu Mainz sowie für die innere Herstellung ber Capelle daselbst im Ganzen 30 000 Mk. oder jährlich 10000 Mk. zu bewilligen.

Abg. Bergsträßer wünscht überhaupt eine bessere Conservirung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler. Er regt die Frage an, ob durch Bestellung eines besonderen Konservator dieses ausgeführt werden könne. Finanzminister Weber verweist auf ein anderes Capitel des Budgets, in welchem diesem Wunsch theilweise willfahrt werde. Dieses Capitel wird sodann genehmigt.

Desgleichen Cap. 114, Dominialbauwesen, mit 86 000 Mark für laufende Unterhaltung der Domanral-Gebäude und für Neubauten und größere Herstellungen 106 880 Mk.

Feuilleton!

Der einzige Sohn.

Novelle von I. Bonnet.

(9. Fortsetzung.)

Es war zum erstenmale, daß Mariechen das Bett ver- laffen hatte. In der Erwartung seiner baldigen Heimkehr lehnte sie im Sessel und als er wirklich ungedacht schnell zurück war, hielt sie ihm mit strahlendem Lächeln den kleinen runden Schreihals entgegen. Er kniete vor ihr nieder, nahm ihr den Liebling aus den Armen und bedeckte ihn und sie mit leidenschaftlichen Küssen. Leise ward die Thüre geöffnet. Im Dämmerschein des Abends hoben sich zwei Gestalten in ihr ab.

Dürfen wir nähertreten?" rief es herüber.

Es waren die Großeltern, die sich in dem Glücke ihrer Kinder sonnten und nicht genug zu rühmen wußten, wie, be­sonders auch durch Mariechens edles Walten, über Erwarten schön sich hier alles gestaltet hatte. Nur als nach dem Abend­essen der Generaldirector mit seinem Sohne allein war, über­schattete die beiden eine drohende Wolke, die aus dem Ge­spräche über die vorgenommenen Veränderungen aus dem Hose heraufgestiegen war. Der Generaldirector, ein hell­sehender Mann, dem nichts vorgemacht werden konnte, sagte dem Sohne auf den Kopf zu, daß er sich in unnöthige, die Einnahmen des Gutes weit übersteigende Ausgaben gestürzt habe, und das, ohne ihn zu fragen, ohne ihn eine Silbe da­von wissen zu lassen.

Du hast Pflichten gegen Deine ganz vortreffliche Frau umd jetzt auch gegen Deinen Sohn. Was soll werben, wenn Du so sinnlos baust und verbaust? Ju kurzer Zeit wirst

Zu Cap. 115, Erhaltung und Restauration staatlicher Baudenkmäler: Gras Oriola betont, wie außerordentlich nöthig es sei, daß seitens Großh. Regierung dafür etwas geschehe, um dem Verfall herrlicher Denkmäler der Baukunst und Architectur in unserem Lande vorzubeugen. Durch Zusammentreten einer Anzahl Capacitäten des Landes zu einer Commission oder zu einem Kunstrath glaubte Ausschuß diesem Wunsch entgegenzukommen. Er bittet das Haus, diesen Posten zu genehmigen.

Finanzminister Weber erklärt, daß er im Princip mit der Einführung einer solchen Neuerung einverstanden sei, glaubt aber auch, daß hier eine gesetzliche Regelung dieser Frage nicht ausgeschlossen erscheine.

Nachdem noch die Abgg. Schräder und Bergsträßer für den Ausschußantrag sprechen, beschließt das Haus ein­stimmig, die geforderten 3000 Mk. zu bewilligen und Großh. Regieruug zu ersuchen, die Einsetzung einesKunstraths" in Erwägung zu ziehen.

Es folgt Cap. 116, Unterhaltung der Staatsstraßen. Zu Tit. 1, Laufende Unterhaltung, beantragt die Regierung 860000 Mk., darunter ca. 60000 Mk. für Erhöhung der Arbeitslöhne der Straßenwärter.

Der Ausschuß glaubt jedoch einen Abstrich von 60 000 Mk. beantragen zu sollen.

Oberbaurath Poss ein er kann sich mit dem gemachten Abstrich nicht einverstanden erklären, da hierfür Verwendung vorliege.

Abg. Ullrich fragt die Regierung, ob im Falle des Striches der 60000 Mk. dieses auf Kosten der schon schlecht dotirteu Straßenwärter etwa geschehen solle. Wenn dieses bevorstehe, so werde er gegen Strich dieser Summe stimmen.

Regierungs-Commissar Poss ein er erklärt eine Aus­besserung der Gehalte der Straßenwärter werde dann trotz Abstrichs vom 1. April 1891 an erfolgen.

An der weiteren Discussion betheiligen sich die Herren Hirsch, Weith, Breimer, Schönberger, Rein­hardt, Haas.

Nach erfolgter Abstimmung genehmigt die Kammer für lausende Unterhaltung der Staatsstraßen 800000 Mk., für Unterhaltung der Brücke über den Rhein bei Mainz 20,000 Mk., für desgleichen über den Main bei Klein-Steinheim 2600 Mk., für desgleichen über den Main bei Kostheim 2700 Mk., für allgemeine Verwaltungskosten 2500 Mk.

Für besondere Herstellungen und Erneuerungen werden 256 510 Mk. gefordert. Diese Summe wird ebenfalls genehmigt.

In Summa beträgt die bewilligte Summe für Unter­haltung der Staatsstraßen 1 084 310 Mk.

Cap. 117, Territorial-, Fluß- und Dammbau wird mit 384 517 Mk. genehmigt, ebenso Cap. 118, Unterhaltung der

Schiffbrücke bei Worms und der Uebersahrten bei Gernsheim und Oppenheim, wofür 44060 Mk. jährlich gefordert sind.

Cap. 119, Ausgabe wegen subventionirten Eisenbahnen. Die Großh. Regierung fordert hierfür 550000 Mk., während früher 350000 Mk. eingestellt waren. Der Ausschuß be­antragt 350500 Mk.

Abg. Reinhardt bringt hierbei die unhaltbaren Zu­stände im Bahnhof zu Worms zur Sprache, der viel zu klein sei, so daß sehr oft Passagiere dem Wind und Wetter- ausgesetzt seien. Die Handelskammer zu Worms habe diese Zustände für geradezu lebensgefährlich erklärt. Er fragt die Regierung, ob es hier nicht in ihrer Competenz liegt, die Hess. Ludwigsbahn zur Abhülse zu veranlassen.

Abg. Schröder bespricht die schlechten Betriebseinricht­ungen der Hessischen Ludwigsbahn. Auf einigen Stationen habe man statt Wartesäle alte Eisenbahnwagen, wahre Hunds­hütten im Gebrauch. Weit schwerer falle noch ins Gewicht die schlechte Besoldung der Beamten, hauptsächlich der unteren Bediensteten, welche unter großer Verantwortlichkeit einen 14 bis 16stüudigen Dienst täglich haben. Daß durch eine solche systematische Ausbeutung der Arbeitskräfte eine Betriebs­unsicherheit, sowie eine Gefahr für die Reisenden herbeigeführt werde, liege auf der Hand. Hiergegen müsse der Regierungs- Commissär sein entscheidendes Wort einlegen.

Abg. Lautz bespricht die Verhältnisse im Bahnhofe zu Groß-Umstadt. Man munkele, die Direction der Hessischen Ludwigsbahn habe die Absicht, in Voraussicht der Verstaat­lichung keine Reparaturen vornehmen oder Ausbesserungen der Beamtengehalte eintreten zu lassen, um noch recht hohe Divi­denden zu erzielen.

Der Regierungs-Commissär Oberbaurath Wetz erwidert, die Regierung habe wohl Kenntniß von den beregten Uebd» ständen. Er habe stets sein Augenmerk auf Beseitigung derselben gerichtet und die Verwaltung der Ludwigsbahn sei, soweit thunlich, nachgekommen.

Weitere Klagen führen noch die Abgg. Ullrich u. A.

Finanzminister Weber erklärt, daß er auf die erhobenen Anschuldigungen nicht eingehen könne, das müsse er den Ver­tretern der Hessischen Ludwigsbahn überlassen, sich zu recht- fertigen. Was die Lohnverhältnisse der Beamten betreffe, so liege es nicht in der Macht der Regierung, hier einzu- greifen. Was die Stellung der Regierung zur Verstaatlichung der Ludwigsbahn betreffe, wann dieses geschehen solle, so bitte er, ihm hierüber jede Aeußerung zu erlassen. Er könne aber erklären, daß die Großh. Regierung wegen Verstaat­lichung der Bahn noch genau denselben Standpunkt einnehme wie früher (allseitiges Bravo.) Hiernach wird der Ausschuß­antrag angenommen.

Zu Cap. 120,In den Reichsdienst comittirte Groß-

Du abgewirthschastet haben. Denn die Zinsen der auf­genommenen Kapitalien verschlingen den größeren Theil Deiner Einnahmen. Und wenn Mißjahre kommen, unvorhergesehene Unglückssälle eintreten, wie dann?"

Arthur war äußerst mißgestimmt und versuchte, dem widerwärtigen Gegenüber mit dem Vater ein Ende zu machen. Der aber ließ ihn nicht los, er wollte klaren Wein haben, von wem die aufgenommenen Gelder geliehen seien, zu welchem Zinsfuß, unter welchen Bedingungen. Gegenseitig erhitzten sie sich, bis Arthur in unbändigem Grimme auf­sprang : er lasse sich nicht behandeln wie ein dummer Junge, er verbitte sich solch eigenmächtiges Dreinreden in Sachen, die keinen anderen angingen, mit seinen Verhältniffen werde er schon allein fertig werden.

Bis in die Nacht hinein schritt der Generaldirector un­ruhevoll in seinem Zimmer auf und nieder. Er erkannte, daß hier die höchste Gefahr im Verzüge sei. Seme Frau lag ihm an, mit seinen Mitteln einzugreifen. Lange wehrte er sich. Endlich willigte er schweraufathmend ein.

Um des einzigen Sohnes willen, nun ja," sagte er, obwohl er das Gegentheil verdient, um feinet- und mehr noch um des Enkels willen, ihm womöglich den schönen Besitz als sein Erbe zu sichern. Allein unter einer Bedingung: Arthur muß mir morgen volle Klarheit geben! Und bann: Was uns an baarem Vermögen bleibt, es wird wenig genug fein, das wird nicht ihm, sondern dem Kinde verschrieben, und wenn wir einmal die Augen schließen, hat er nur den Zins- genuß davon. In Geldsachen traue ich ihm nicht."

Im Begriffe, sich auszukleiden, fuhr er horchend auf. Ans Fenster tretend und es öffnend, vernahm er den Hus- schlag eines davonjagenden Pferdes.

Was ist das? Arthur wird doch nicht neue Thorheiten begehen?"

Der Himmel war dunkel verhangen, kein Sternlein stahl sich durch die schweren, dichten Gewölke, nur der Lichtschein der Stadt glitzerte wie ein Nordlicht durch die Finsterniß.

Die dummen Falter taumeln dem Lichtschein nach und verbrennen sich," murmelte der Generaldirector vor sich hin. Mir ist so unruhig."

Um seine Frau nicht weiter zu ängstigen, schloß er ohne ein Wort das Fenster und nahm die peinigenden Ge­danken mit auf das Lager.

Zur selben Stunde saßen verspätete Zecher in einem Kaffeehause, das sich nicht des besten Rufes erfreute. Die Gäste, welche, aus den Theatern kommend, rasch eingetreten waren, noch eine Tasse Kaffee oder ein Glas Bier zu nehmen, hatten den mit blendendem Flitter in Gold und Farben herausgeputzten Raum bald wieder verlaffen. Er sah öde und frostig aus, denn die meisten Tische waren leer. Auf den Marmorplatten standen unnütz die Kuchenteller, mancher Fleck verrieth auf häßliche Weise, daß da vorhin Jemand etwas genossen hatte- die Kellner langweilten sich mit müden Augen, die Serviette unter dem Arme, oder horchten da und dort auf das Gespräch ober Geflüster auf ben Divanen an ber Wanb, bie von buntem Menschengemisch besetzt waren.

Dicht an ben tief zum Boben reichenben Fenster vergaßen bie Zecher, ihrer brei, die Stunde unter lebhaftem, ungebühr­lich laut, fast schreiend geführten Gespräch. Der Kellner, welcher mit übergeschlagenem Bein an einem Tische in der Nähe lehnte und alle Augenblicke fortgeschickt ward, ein frisches Glas Bier zu holen, lauschte gespannt auf die mit rohen Witzworten gemischten Reden, und sein Gesicht spiegelte mit wechselnden Mienen den Eindruck des Vernommenen. Bald schaute er dumpfiffig drein, als spräche er zu sich:Aha, ich verstehe," bald zog er den Mund in bie Höhe:Älan kennt