Ausgabe 
27.1.1891
 
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der letzten Nacht überschwemmt- mehrere Häuser sind einge­stürzt.

Pari«, 24. Januar. Begleitet von dem französischen Militärattache zu Constantinopel, trafen mehrere türkische Offiziere behufs Besuchs der Artillerieschule in Fontaine­bleau und der Cavallerieschule zu Saumur hier ein.

Wie«, 24. Januar. AuS Anlaß des Todes des Prinzen Balduin von Flandern wurde eine sechstägige Hoftrauer, vom 26. Januar ab, angeordnet.

Charkow, 24. Januar. In Südostrußland herrscht ein außerordentlich heftiges Schneetreiben. Mehrere Dörfer find bis an die Dächer eingeschneit. Die Eisenbahnlinien sind ganz verschneit. Charkow ist nach außen auf den telegraphi­schen Verkehr allein angewiesen. Mehrere Menschen sind er­froren.

Brüssel, 24. Januar. Die Bestattung des Kron­prinzen findet am Donnerstag um 11 Uhr statt. Die deutsche Colonie, widmet durch ihren Consul einen Riesenkranz. Die deutschen Vereine, wie alle Brüsseler Ge­sellschaften nehmen am Leichenzuge theil.

Rom, 24. Januar. Alfteri beantragte im Senat, der belgischen Regierung anläßlich des Ablebens des Prinzen Balduin den Ausdruck der Gefühle des tiefsten Schmerzes zu übermitteln. Crispi befürwortete den An­trag und hob die großen Verdienste des Königs von Belgien hervor, mit dem Hinzusügen, es sei recht und billig, daß Italien, welches sich auf dem gleichen Wege der Freiheit be­finde, Worte der Theilnahme an Belgien sende.

Sofia, 24. Januar. Gutem Vernehmen thaten auch England und Italien bei der bulgarischen Regierung Schritte betreffs der Ansammlung russischer N i h i l i st e n in Bul­garien.

Petersburg, 24. Januar. Wie dieNowoje Wremja" hört, hat der Senat die Frage, ob Juden berechtigt sind, überall in einer Entfernung von fünfzig Werst von der westlichen Landesgrenze unbewegliches Eigenthum zu erwerben oder nur im Weichbilde der Städte und Flecken, wo sie vor dem 27. August 1858 eingeschrieben waren, dahin entschieden, daß dieselben nur im Weichbilde vorbezeichneter Städte und Flecken unbewegliches Eigenthum erwerben dürfen.

Washington, 24. Januar. In einer heute hier statt­gehabten Versammlung wurde das Programm zur Bildung eines Verbandes von industriellenOrganisationen, welcher alle derartigen Organisationen der Vereinigten Staaten zu einem gemeinsamen Vorgehen einigt, angenommen.

Pittsburg, 24. Januar. Einer Mittheilung des Organi­sators des amerikanischen Arbeiterverbandes, Dillon, zufolge wird für den 1. Mai ein Massen st r ike der amerikanischen Bergarbeiter zur Erlangung eines achtstündigen Arbeitstages geplant. Man rechnet aus 500000 Teilnehmer.

Deutscher Reichstag.

61. Plexarsttzimg. Freitag, 24. Januar 1891, 1 Uhr.

Die Vorlage über den Zollanschluß der österreichischen Gemeinde Stütelberg wird in 3. Lesung angenommen.

Dann wird die 2. Beratung des Etats beim Etat des Innern fortgesetzt.

Beim Reichsversicherungsamt werben 297540 Mk. mehr ge­fordert und zwar mit Rücksicht auf das Alters- und Jnvaliditäts- verficherungsgesetz. Daffelbe hat die Errichtung einer neuen Abthetlung »öthig gemacht.

Abg. Goldschmidt (steif.) wünscht, daß das juristische Element im ReichSverstcherungsamt weniger vorwiege, als dies der Fall.

Abg. Rösicke (natl.) wünscht eine Höherschraubung des Amts; dis dahin sollte man ihm seine Stellung wenigstens nicht erschweren, »le e8 durch die Stellung der Schiedsgerichte unter die Landes- verficherungsanstalten geschehe. Er vertheidigt ferner die Berufs- genoffenschasten gegen Preßangriffe und schließt sich den Wünschen auf eine größere Verwendung technischer Kräfte im ReichSverficherungs- amte im Interesse der Industrie an.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher tritt den Annahmen ent­gegen, daß es mit Rücksicht auf die Besoldung der Stellen schwer sei, Techniker für das Amt zu gewinnen. Durch die Stellung der Schiedsgerichte unter die.Landesverficherungsämter werbe bas RetchS- amt nicht beeinträchtigt.

Abg. Singer (Soc.): Das Reichsversicherungsamt erfreut sich bei ben Arbeitern eines gewissen Vertrauens. Die Entscheidung, welche es sich im ersten Jahre seines Bestehens abgab, waren den Arbeitern günstig; sreiltch ist es nicht dabei geblieben. Wie stehe es »tt der Novelle zum Unfallverficherungsgesetz? Eine gerechtere Ver- theilnna der Lasten zwischen Kranken- ent) Unfallversicherung sei dringend nöthtg.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Die Absicht, eine solche Vorlage zu machen, bestehe fort. Die Sache würde weiter gefördert sein, wenn nicht im verflossenen Jahre alle verfügbaren Kräfte durch die Jnvaliditäts- und Altersversicherung In Anspruch genommen gewesen wären.

Abg. Dr. Osann (natl.) beantragt: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, zu erwägen, inwieweit und wodurch eine größere Be- sthleunigung in der Erledigung der Recursangelegenheiten im Gebiete der Unfallverstcherungsgesetze sowohl bei Schiedsgerichten als dem Reichsversicherungsamte herbeigeführt werde könne.

Abg. Schrader (stets.): Das Reichsversicherungsamt sei mit administrativen Arbeiten überlastet, von denen ihm ein Theil bester abgenommen würde. Bezüglich der Unfallversicherung möge man nicht bis zu einer vollständigen Revision warten, sondern die nöthtgen Correcturen bald vornehmen.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Eine Erweiterung der Unfallversicherung sei in Vorbereitung. Damit würden die ge­wünschten Correcturen berücksichtigt.

Abg. Dr. Frege (cons.) wendet sich gegen Eentralisations- beftrebungen; die Decentralisation ermögliche es, den besonderen Verhältnissen Rechnung z« trage». Einer Beseitigung der Earrenz- ieit könne er zusttmmen, aber es würbe doch viel über Simulation besonders unter den jüngeren Arbeitern geklagt.

Abg. Singer bestreitet dies. Es gebe keine Simulanten unter den Arbeitern und die freien Hülfskasten führten strengere lieber; wachung als selbst die übrigen Kasten.

Abg. Dr. Frege (cons.): Diese strenge Ueberwachung würde nicht für nothig gehalten werden, wenn es keine Simulanten gäbe.

Abg. Dr. Osann zieht seinen Antrag zurück in der Erwartung, daß die aus demselben gegebene Anregung auch so Berücksichtigung finden werde.

Abg. Schwartz (Soe.) wünscht einige Erläuterungen hinsichtlich der Verficherungspflicht der Seeleute.

Abg. Dr. Windthorst, welcher eben erst aus dem Abgeorb- »etenhause gekommen ist, fragt, wie eS mit der Novelle zum Unfall- verficherungsgesetz stehe.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher erklärt unter der Heiterkeit des HauseS, daß er bedauere, daß Windthorst nicht zugegen gewesen, er mürbe sonst wohl seine Frage für überflüssig gehalten haben.

Abg. Dr. Winbthorst: Jedenfalls sei eS erwünscht, daß die Frage auch vom Centrum angeregt werde.

Die Position Reichsverficherungsamt wird genehmigt.

Bei der PositionPhysikalisch-technische Reichsanstalt" weist der Abg. Dr. Witte-Rostock (dsr.) auf die umfangreicheThätigkeit dieser Anstalt hin, die unserem gewerblichen Verkehr zu gute komme.

Die Position wird genehmigt.

Bei dem TitelZehnte Rate zum Reichstagsbau, 1700000 SH." regt der Abg. Dr. Bürklin (natl.) an, bei der Ausschmückung des Baues keine Dinge zu verwenden, die mit dem Bau nicht in einem näheren Zusammenhänge stehen.

Abg. Dr. Bachem (Ctr.) wünscht, daß man bei der ornamen­talen Ausschmückung auch die Solidität des Mauerwerks nicht über­sehe. Man verwende gutes, solides Baumaterial und spare lieber an dem bildhauerischen Schmuck, der nötigenfalls später noch ver­vollständigt werden kann.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher verweist den Wünschen Bachems gegenüber auf die stets im Hause betonte Nothwendigkeit ernster Sparsamkeit beim Bau. . Eine Verwendung von echtem Material für die Vorhalle würbe ungefähr eine Verzögerung bes Baues um vier Jahre bebeuten. (Allgemeine Bewegung.)

Abg. v. Euny (natl.): Es kann sich nur fragen, ob bte beffere Ausstattung zweckmäßiger ist ober nicht. Auf einige Jahre früher ober später kann es bei ber Fertigstellung nicht ankommen; wir befinbe» uns ja in bem alten Hause ganz wohl.

Abg. Dr. Lieber (Ctr.) schließt sich bem Abg. v. Euny an.

Abg. Frhr. v. Heeremann (Ctr.) vertheibigt als Mitglieb der ReichStagsbau-Commisfion die Ausführung des Baues; ihm schließt sich der Abg. v. Keudell (Reichst) an, während Goldschmidt (bfr.) die Zurückverweisung der Position an die Budget-Comusisfion beantragt, um die angeregten Bedenken zu prüfen.

Abg. Frhr. v. Manteuffel-Crossen (cons.) warnt vor einer nochmaligen Commissisnsberathung; dabei komme nichts heraus als Verzögerung und Mehrkosten.

Staatssecretär v. Maltzahn-Gültz conftattrt, daß man hier Mehrbewilligungm für den Reichstagsbau verlange, welche in die Millionen gingen, während die Budgetcornrnisfion die nöthigsten Ausgaben für die Armee verweigert.

Der Antrag auf nochmalige Commisstonsberathung wird ab- gelehnt. Die Position wird bewilligt.

Bei dem Titel5. Rate für den Nordostseecanal, 29000000 SH/' regt der Abg. Dr. Lingens (Ctr.) einige angebliche Hebelstände bei den Arbeiterunterbringungen in ben Baracken an. Er bleibt ohne Erwiderung.

Der Rest des Etats des Reichsamts des Innern wird debatteloS angenommen.

Hierauf vertagt sich das Haus.

Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr Etatberathung.

Schluß 58/< Uhr.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Dortmund, 25. Januar. Aus derHibernia" waren bis 1 Uhr Nachmittags 53 Todte zu Tage gefördert.

Köln, 25. Januar. Die über Ostende und Vlissingen geleiteten englischen Posten von gestern Morgen sind ausgeblieben, weil der Zug in Belgien wegen stürmischen Wetters Verspätung hatte und das Schiff in Vlissingen wegen Nebels nicht rechtzeitig eintreffen konnte.

Es herrscht hier immer noch Thauwetter und Regen. Die Deutzer Pioniere haben Commandos zum Sprengen des Eises nach Uerdingen, Hamm, Hochfeld, Duis­burg rc. entsandt. Das Sieg-Eis ist losgegangen und das Wasser steigt; aus der Ruhr hat sich das Eis bei Schwerte in Bewegung gesetzt. Das Rheineis ist an der Neckarspitze wieder zum Stehen gekommen. Das Eis im Neckar steht noch. Das Eis der Unterwupper ist gestern Abend bei Opladen losgegangen; Opladen steht größtentheils unter Wasser, jedoch ist das Wasser bereits wieder im Fallen und scheint die größte Gefahr vorüber. Der Rhein bei Düssel­dorf ist um einen Meter gestiegen. Die Fluthen sind schmutzig­gelb und ungemein reißend. Die Sieg ist ausgetreten und vom Oberrhein wird starkes Steigen gemeldet.

Metz, 25. Januar. Aus der hiesigen Garnison sind vom 16. Pionier-Bataillon Detachements in die von Hochwasser bedrohten Saar- und Mosel-Gegenden abgegangen.

Cecale» rind Lrovinzrellss.

Gießen, 26. Januar.

Die Besprechung des gestrigen Coneerts des ata* demischeu Gesangvereins mußte leider wegen Raummangel für die morgende Nummer zurückgestellt werden.

Wie aus dem Jnseratentheile unseres heutigen Blattes ersichtlich, wird der Marburger Akademische Concertverein im dortigen Saalbau am 30. d. Mts. Beethovens Missa solemnis aussühren. Den bereits von dem genannten Verein zur Auf­führung gebrachten großen Werken von Bach und Beethoven reiht sich diese bevorstehende Aufführung wiederum würdig an und wird damit allen Kunstfreunden ein hoher musikalischer Genuß geboten.Von Herzen kommts, zum Herzen soll es dringen," setzte der Meister als Motto über dieses Werk. Die hohen Anforderungen, die dasselbe an den Chor stellt, sind durch zahlreiche Proben und den guten Willen und Fleiß jedes Einzelnen überwunden. Außerdem sind vier hervor­ragende Kräfte zu den Solis gewonnen. Auch wird das großartig schöne Violinsolo von einem auswärtigen Künstler zum Vortrag gelangen. Die Orchesterproben sind bereits im Gauge und wird der Leiter des Concertvereins, Herr Pro­fessor R. Barth, auch hierbei alle sich entgegenstellenden Schwierigkeiten in eine wohl geebnete Bahn zu bringen wissen und den Musikfreunden einen Genuß bereiten, wie er schöner und großartiger kaum gedacht werden kann. Die Tags vor­her, am 29. Januar, stattfindende-Hauptprobe und General­probe, wovon die letztere gleichsam als eine zweite Aufführung zu betrachten ist, da Wiederholungen in derselben fast gar nicht mehr vorkommen und alle fünf Solisten hierbei wie im Concert mitwirken, bieten eine erwünschte Gelegenheit, gegen ein mäßiges Eintrittsgeld dieser Aufführung beiwohnen zu können. Möge sie bei dem niederen Eintrittspreis von 1 Mk. von recht Vielen benutzt werden.

Das Liebig - Denkmal hat nun die vor Unwetter schützende Umhüllung erhalten. Der Ueberbau ist in Zeich- nung und Ausführung recht hübsch und trägt gewiß dem Schöuheitsgefühl der Winterpassanten unserer Ostanlage volle Rechnung.

Nachdem der seit Langem anhaltende Frost einem milden Wetter gewichen und die Schneemaffen sich in Wasser ausgelöst, war es natürlich, daß dieser Umschlag der Witterung ein Anschwellen unserer Flüsse zur Folge haben mußte. Es concentrirte sich in Folge dessen die Aufmerksamkeit eines großen Theiles unserer Einwohnerschaft auf den Wasserfiantz von Lahn «nd Wieseck und war besonders gestern die Lahn­brücke der Sammelpunkt einer großen Zuschauerzahl. Die Lahn überfluthete gestern, große Eisschollen mit sich jährend, ihre Ufer. Das Eis oberhalb des Woogs ist in vergangener Nacht abgegangen. Dank der Wirksamkeit unserer Pump­station, die von Samstag Abend 6 Uhr bis gestern Nach­mittag 4 Uhr ununterbrochen arbeitete, wurde das Wasser, welches auf 2 Meter 70 Cmtr. gestiegen, aus der Stadt entfernt. Da das Wasser wegen des tief gefrorenen Erd­reichs nicht eindringen kann, hat sich dasselbe an allen tiefen Stellen, in den Anlagen, Privatgärten, auf den Wiesen u. s. w. angesammelt.

Die hiesigen Metzger veranstalteten gestern Nach­mittag, nachdem sie am Samstag das Fest der Fahnenweihe begangen, mit der neuen Fahne unter Begleitung einer Musik- capelle einen Umzug. An demselben betheiligten sich auch Collegeu von auswärts. Die hiesigen Gesellen, von denen einige Berittene den Zug eröffneten, erschienen in voller Metzgerkleidung: weißer Kittel und Schürze, zweifarbige Schärpe und weiße Handschuhe.

Butzbach, 24. Januar. Der Geburtstag Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. dürfte diesesmal in unserer Garnisonstadt in besonders hervorragender Weise gefeiert werden. Wie verlautet, trifft zur Feier des Tages schon am Montag Nachmittag die Regimentsmusik von Darm­stadt hier ein, um Abends den Zapfenstreich zu blasen. Seitens des Kriegervereins findet sodann imGambrinus" festliche Vereinigung zur Vorfeier des Geburtstages bei Allerhöchsten Kriegsherrn statt. Am Geburtstag früh erfolgt Reveille. Während des Festgottesdienstes in der Stadtkirche, welcher um 10 Uhr beginnt und an dem die ganze Garnison theilnimmt, wird das Musikcorps einen Choral blasen. Rach dem Kirchgang findet aus dem Marktplatz Parade statt. Mittags werden Unteroffiziere und Mannschaften in der ge­schmückten Kaserne festlich bewirthet. Nachmittags 4 Uhr vereinigt sich das Osfiziercorps, sowie die Beamten und Be­wohner der Stadt im Gasthaus zumHessischen Hof" zu einer Festtafel. Abends findet sodann noch Tanzvergnügen für das Militär statt.

-r. Herbstein, 25. Januar. In der Nacht vom 23. auf den 24. d. M. brach in der Hofraithe des Landwirths Carl Bloß von Heisters Feuer aus, welches in kurzer Zeit dessen Wohnhaus nebst Scheuer und Stallungen in Asche legte. Bei dem in fraglicher Nacht sehr stark gehenden Winde und bei dem Mangel an Wasser war an ein Löschen nicht zu denken.

§ Rieder - Moos, 24. Januar. Nachdem das Project einer Molkerei-Genossenschaft zu Altenschlirf wieder im Sande verlausen ist, hat sich nun hier kürzlich ein provisorischer Ausschuß behufs Gründung einer Genossenschafts- Molkerei mit dem Sitze in Nieder-Moos gebildet.

Aus bem Kirchspiel Nieder-Moos, 22. Januar, wird der Darmst. 3tg./z geschrieben: Vor einigen Tagen las ich in Ihrem geschätzten Blatt in einer (auch uns zugegangenen. Red.) CorrespondenzAus dem Vogelsberg", daß eineVer- theuerung der Brodpreise eine Folge des ununter­brochen anhaltenden strengen Winters sei. Diese Behauptung dürste eine sehr gewagte sein, denn schon seit Monaten be­zahlt man hier für den vierpsündigen Laib Brod 48 Psg. Der Wassermangel macht sich allerdings sehr fühlbar, doch glaube ich kaum, daß der Bauer, dem der Müller das Mehl nicht liefern kann, den Bäcker in Anspruch nimmt, lieber kaust er Mehl beim Händler und bäckt selbst. Die Ursachen der theuren Mehl- und Brodpreise sind nach meiner Ansicht bei den Großhändlern zu suchen; unsere Getreidepreise stehen zu den Mehl- und Brodpreisen in umgekehrtem Verhältniß. Wie man hört, wollen die Wirthe mit den Branntwein­preis e n steigen. Da wäre es sehr gut, wenn das Bier etwas billiger würde. Während man in Bayern ein halbes Liter gutes Bier für 10 Pfennig bekommt, kostet hier dasselbe Quantum 15 Pfennig - deshalb: billigere Bier­preise, und der Schnapsteufel, der schon so manche Familie ins Elend gestürzt hat, wird verschwinden. In Nieder-Moos hat sich ein Verein für unser Kirchspiel ge­bildet, der den Zweck hat, Front gegen die Social­demokratie zu machen, den Wohlstand der Bewohner zu fördern und Wissen und Bildung zu erstreben. Der junge Verein hat schon einen Spar- und Vorschußverein nach Raiffeisen'schem System gegründet.

0. S. Inheiden, 22. Januar. Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg hielt heute Abend im Locale des Wirths Eichelmann dahier vor zahlreicher Versammlung einen Vor­trag über Obstbau. Redner erinnerte zunächst an die Sage von dem Schatz im Weinberge, wo der sterbende Vater seinen Söhnen sagte:Grabt fleißig nach, in unserem Weinberge liegt ein Schatz",, und ehe er ausgeredet hatte, verschied. Wie die Söhne dann nachgruben, einen Schatz zwar nicht fanden, daß aber durch das fleißige Umgraben die Erträge des Wein­bergs sich bald bedeutend steigerten, und die Söhne alsdann gewahrten, daß dieses der gemeinte Schatz des Vaters fei. Aehnlich sei es auch mit dem Obstbau. Wie man seit einer Reihe von Jahren die Boden-Erträge durch die Tiescultur und sonstige rationelle Bewirthschastung mit Erfolg steigere, so müsse man auch im Obstbau nicht zurückbleiben und durch intensive Behandlung und Pflege der Obstbäume die Erträge zu vermehren suchen. Herr Metz empfahl nicht allein die Anpflanzung von jungen Bäumen der Aufmerksamkeit der Landwirthe, sondern man solle auch den älteren Bäumen eine ordentliche Pflege angedeihen lassen, da in dieser Be­ziehung überall noch vieles zu wünschen wäre. Wolle man von einem Obstbaum gute Erträge erwarten, so sei