zes e tz e an, um alten und schwachen Unbemittelten die Ein« Wanderung noch mehr zu erschweren.
Rio de Janeiro, 23. November. Eine Flottendemonstration unter Anführung der Admirale Custodio de Mello und Vanderkolk in Verbindung mit dem Aufstand eines Theils der Garnison bewog Fonseca ohne Widerstand die Präsidentschaft niederzulegen. General Floriano Peixoto übernahm die Regierung und versprach, den Frieden und den gesetzlichen Zustand wieder herzustellen.
Berlin, 24. November. Der Kaiser empfing um 107a Uhr den Minister Giers in 20 Minuten währender Audienz im hiesigen Schlosse.
Hall, 24. November. Reichstags-Ersatzwahl. Landwirth Hartmann (Demokrat) gewählt.
totales an- ^provinzielles,
Gießen, 24. November 1891.
— Diebstahl. Einem hiesigen Kaufmann wurde am 20. d. Mts. ein größeres Quantum Kartoffeln von einem für ihn bestimmten Waggon an den hiesigen Bahnhöfen entwendet. Die Thäter sind gestern ermittelt und zur Anzeige gebracht worden. Der Taglöhner, welcher die Kartoffeln für den Eigentümer am Bahnhose ausladen half, hat solche, während der Fuhrmann nach der Stadt fuhr, für Schnapspfennige an Bahnarbeiter abgegeben.
— Einbruchsdiebstahl. Gestern Mittag wurde an einem Garten an der Lahn ein Theil der Einfriedigung umgeriffen, das darin befindliche Gartenhaus erbrochen und daraus eine Gartenbank entwendet. Der Thäter, ein hiesiger Taglöhner, ist verhaftet. _
— Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 21. November 1891 geruht: den Provinzial-Director in Pension, Geheimerath Friedrich Küchler, unter Belastung im Pensionsstande, mit Wirkung vom 1. December l. I. an, zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshoses zu ernennen.
— Ordens-Verleihung. Fräulein Bertha Schneider in Mainz, acttves Mitglied des Alice-Frauenvereins, hat für eine 15jährige Thätigkeit im Verbände des Zweigvereins Mainz von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege (in Silber) erhalten.
— Anspruch aus Invalidenrente. Seit Sonntag den 22. November können Ansprüche auf Invalidenrente gestellt werden. Das Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz macht eigentlich den Bezug derselben von fünf Beitragsjahren, d. h. von 5 x 47 = 235 geleisteten Beiträgen abhängig, doch hat das Gesetz eine Ausnahme für die Uebergangszeit (die ersten fünf Jahre) gestattet. Das Beitragsjahr umfaßt 47 Wochen, und da die ersten drei Tage des laufenden Jahres als Wochenendtage für eine volle Beitragswoche angesehen werden, so lies mit dem letzten Samstag das erste Beitragsjahr ab und konnte von da ab Rente beansprucht werden. Diesen Anspruch können aber nur diejenigen erheben, welche für jede der zwischen dem 1. Januar und 22. November liegenden Beitragswochen die vollen Beiträge gezahlt haben oder welche, nachdem sie versicherungspflichtig geworden wären, während des Jahres krank gewesen sind oder Militärdienste verrichtet haben. Etwa vor dem 1. Januar 1891 invalid gewordene Personen gehören nicht hierher. Für Personen, welche nicht dauernd bis zum 22. November in versicherungspflichtigen Betrieben beschäftigt gewesen waren, tritt das Anspruchsrecht erst an dem Tage ein, an welchem deren Quittungskarte die 47. Beitragsmarke ausweist. Aber selbst der, welcher nunmehr ein volles Beitragsjahr hinter sich hat, krank oder militärpflichtig war, muß beim Eintritt von Erwerbsunfähigkeit einen Nachweis über seine Beschäftigung vor dem Inkrafttreten des Gesetzes erbringen. Es muß somit jeder, der jetzt schon Anspruch auf Invalidenrente geltend machen will, nachweisen, daß er vom November 1886 ab in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeits- verhältniß gestanden hat, so gerechnet, als ob er Beiträge geleistet hätte. Alle diese Bedingungen müssen unbedingt erfüllt sein, ehe irgend ein rechtsverbindlicher Anspruch aus Rente erhoben werden kann. Wer dies nicht zu erfüllen im Stande ist, sollte nicht erst vergebliche Versuche anstellen. Beachtenßwerth ist noch, daß die selbstversicherten Betriebs- Unternehmer, welche nicht regelmäßig einen Lohnarbeiter beschäftigen, sowie die Hausgewerbetreibenden unter die Ueber- gangsbestimmungen nicht fallen, vielmehr erst nach dem Ablauf der fünf Beitragsjahre Anspruch aus Invalidenrente erheben können.
8. Berstadt, 22. November. Als der hiesige Vorschuß- kasterechner Wolf ausgangs vergangener Woche von auswärts mit seinem Fuhrwerk heimkehrte, wurde er des Abends gegen 9 Uhr zwischen Echzell und Berstadt von zwei Männern plötzlich überfallen. Während der eine das Pferd sest- hielt, suchte der Andere, auf das Fuhrwerk springend, ihn zu überwältigen, was demselben jedoch nicht gelang, denn Wolf, ein kräftiger junger Mann, setzte sich energisch zur Wehr und es gelang ihm auch, auf das Pferd einhauend, zu entkommen. Wolf hatte des Tags über viel Geld erhoben und trug nach seiner Angabe circa 6000 Mk. bei sich, was Len Angreifern wohl bekannt war.
8. Langd, 22. November. Dahier hat gestern eine hoch- betagte, in den achtziger Jahren stehende Frau ihrem Leben Lurch Erhängen ein Ende gemacht.
* Der Verlag des „Confectionair" (Berlin, Taubenstraße 20) setzt zwei Preise von 100 Mk. und 50 Mk. aus für die beiden besten Zeichnungen einer Sch aus en ste r- Lecoration, pass end für Modewaaren- und Consections-
geschäste. Bewerbungen sind bis 15. December d. I. an den genannten Verlag einzureichen.
* Großstädtisch. Heber eine in Berliner Restaurationen öfter wahrgenommene Erscheinung, über die Entwendung von Eß- und Trinkgeräthen durch die Gäste, macht der „Berl. Corr." eine Reihe recht erbaulicher Mittheilungen. Vor einiger Zeit machte ein „Wort aus Kindermund" die Runde durch die Blätter: Ein Lehrer hatte ein leines Mädchen nach Sinnsprüchen gefragt, wie sich solche mitunter auf Kuchentellern und Geburtstags-Kaffeetassen in Familien befinden. Das Blondköpschen blieb die Antwort chuldig. „Nun, mein Kind, Du trinkst doch auch gewiß aus einer großen schönen Tasse. Was steht denn daraus?" — „Bahnhof-Restauration Kreu z," antwortete die Kleine treuherzig. In diesem gelungenen Scherz — so schreibt das oben citirte reichshauptstädtische Blatt — liegt sehr viel Wahrheit. Die Herren Gastwirthe wissen ein Liedchen davon zu singen. Es gibt Hunderte von kleinbürgerlichen Hausfrauen, die sich nicht die geringsten Scrupel daraus machen, aus den Localen bei günstiger Gelegenheit eine Serviette, ein Salznäpfchen, eine Bouillontasse oder einen Theelöffel mitgehen zu heißen. Dabei würden sie sich ganz aufrichtig über eine Diebin entrüsten, welche im Marktgewühle einer Dame das Portemonnaie aus der Tasche zieht, und es kommt hnen gar nicht in den Sinn, daß sie sich gleichfalls an fremdem Eigenthum vergreisen und sich obendrein noch eines schnöden Vertrauensmißbrauchs schuldig machen. Die Winzigkeit und der geringe Werth der von ihnen wegescamotirten Gegenstände läßt in diesen „Grapscherinnen" gar nicht den Gedanken auskommen, daß sie einen ganz gemeinen Diebstahl begehen, dadurch mit dem Strafgesetzbuch in Conflict gerathen und sich eine mehrtägige, resp. mehrwöchige Gefängnißstrafe zuziehen können. Es ist das eine in getrübtem Rechtsbewußtsein wurzelnde hochgradige „Naivetät", falls diese rabenartige Entwendungs- und Zusammenschleppungssucht überhaupt noch eine so milde Bezeichnung verdient. Solche Fälle sind nicht vereinzelt, sondern treten in gewissen Schichten geradezu epidemisch aus. Man glaubt vielleicht, daß wir übertreiben? Keineswegs! Es gibt Familien, die sich in Bierhäusern und Gartenlocalen nach und nach ein vollständiges Speisegeschirr zusammenessen. Der Leiter eines der vornehmsten und umfangreichsten Berliner Garten-EtablissementS erzählte, daß nach jedem schönen, einen großen Besucher-Andrang hervorrusenden Sommer-Sonntag bei ihm im Durchschnitt der „Abgang" von zwanzig bis dreißig Servietten, sowie einiger Dutzend Teller und Bestecke sestgestellt werde. Auf welche „ingeniöse" Weise mitunter von gewissen braven Hausfrauen für die Fortschaffung des Erbeuteten gesorgt wird, dafür hier nur ein Beispiel: In einem Sommerlocal in Schöneberg hegte man schon seit längerer Zeit gegen eine ost dort erscheinende junge Frau den Verdacht, daß sie ihr Wirthschafts-Arsenal auf unrechtmäßige Weise bereichere. So scharf man sie aber auch überwachte, immer sah man sie mit leeren Händen den Garten verlassen. Eines schönen Tages aber hatte der am Ausgange stehende, neugierige Wirth den Einfall, den Kinderwagen, welchen die junge Frau vor sich herschob, etwas genauer zu betrachten, und siehe da — unter den Kissen, auf denen der Säugling friedlich schlummerte, waren ein Weißbierglas und eine Kaffeetasse versteckt. Die zahlreichen Wirthe in der Hasenhaide, bei welchen „Familien Kaffee kochen können", haben auch schon recht üble Erfahrungen gemacht. Zu diesen Kaffee-Orgien bringen sich die Frauen in großen Körben Napskuchen-Teller, mächtige Tassen und Zuckerschaalen mit. Da kann es sich denn begreiflicherweise sehr leicht ereignen, daß eine Tasse aus der Gastwirthschast beim hurtigen Einpacken „aus Versehen" in den Korb mitten unter die mitgebrachten Tassen geräth. Ein sehr bezeichnendes Geschichtchen, welches wir übrigens verbürgen können, spielte sich vor einigen Jahren in Berlin ab. Eine sehr wohlhabende Familie verkehrte regelmäßig in einem bekannten urberlinischen Bierlocal, mit dessen Inhaber sie über intim befreundet war. Als der betreffende Wirth nun einmal bei der Familie zu Abend gespeist hatte, wollte er dem Dienstmädchen ein Trinkgeld in die Hand drücken und trat ganz unerwartet in die Küche. Wie wurde ihm, als hier von dem Rauchfangsims herab ihn eine Anzahl guter Bekannten begrüßte, Teller und Schüsseln ans seinem eigenen Local, die längst als „vermißt" gemeldet und verschmerzt waren. Der Wirth war human genug, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Er stellte nur seine Besuche bei der Familie ein, die ihrerseits sich nie wieder in seinem Restaurant sehen ließ. Einige Wirthe haben vor vielen Jahren schon auf ihre Servietten und auf ihre Teller eine eigenthümliche Schutzmarke ausdrucken, resp. aufbrennen lassen, — z. B. den Vermerk: „Gestohlen bet F. W. Schulze, Friedrichstraße Nr. 190". Es scheint aber, daß dieses Mittel sich nicht als probat erwies, denn es hat keine Nachahmung gesunden.
Landwirthschastliche Winke und Rathschläge.
△ Aus vberheffe«, Ende November.
Beiträge zur Herbftsaatbestellu«-» Wir haben in unserem vorigen Aussatze darauf hingewtesen, daß es gar nicht so uneben sei, gutes Saatgut zu productren, denn es wird theuer bezahlt, rentirt also die darauf verwendete Mühe und Arbeit sehr wohl. Die Erzeugung von vorzüglichem Säegetreide, Setzkartoffeln, jung n Obstbäumen, die Zucht von Geflügel, jungen Schweinen, Rindvieh und Pferden sind Specialzweige der Landwirthschaft, welche für denjenigen, der es versteht und darnach eingerichtet ist, eine Quelle des Wohlstandes werden kann. Die guten Producte eines solchen Land- wirthes brechen sich sehr bald Bahn; der gute Ruf bringt Geld rin.
Mit diesen Hindeutungen kommen wir auf den schon öfters ausgesprochenen, nie genug zu wiederholenden Satz zurück: Der Landwirth mutz mehr als jeder andere Geschäftsmann bestrebt sei«, fortwährend das allerbeste zn prodneiren. Er mutz sich aber wohl hüten, an allem herumzuposseln und seine kostbare Zeit mit Allotria zu vertrödeln. Schreiber dieser Zeilen hat schon manchen Landwirth kennen gelernt, unter Anderen auch einen, der zu Anfang der siebziger Jahre ein schönes Stück Geld mit französischen Lapins, die durch unsere aus Frankreich heim- kehrendm Truppen bekannt und beliebt wurden, verdiente. Das dauerte einige Jahre, die Lapins kamen aus der Mode; der Bauer
wollte das nicht einsehen und züchtete weiter. Das Ende vom Liede war, datz der Mann in Rückgang kam. Glücklicherweise waren inzwischen seine Söhne herangewachfen; sie packten kräftig an und nach 6—8 Jahren war die Scharte wieder ausgewetzt. Daß die Lapinzucht in Folge der ungemein hohen Fleischpreise wieder Beachtung findet und als landwirthschaftlicher Nebenerwerb ganz erfreuliche Resultate liefern kann, haben wir in einem früheren Aufsatze nachgewiesen. Kürzlich wurde in Berlin ein mit Beifall aufgenommenes Lapiriefferr abgehalten.
Hat Jemand eine besondere For^e in irgend einem Zweige der Landwirthschaft, ist sie zeitgemäß, bringt sie die Zinsen des aufgewandten Capitols und die darauf verwandte Zeit und Mühe wieder ein, so soll der Mann nur fleißig weiter arbeiten. Aber die Auge« mutz er dabei oste« hatten, sonst kann es ihm geben, wie dem Kaninchenzüchter, sobald er die Zeit des Rückschlags nicht in Acht nimmt.
Wir haben nun noch eine Frage zu behandeln, die bei Bestellung der Herbstsaaten nicht blos, sondern ganz allgemein bei den landwirtbschaftlichen Arbeiten schwer ins Gewicht fällt, nämlich: Wie folle« die Geräthe und Mafchinen beschaffe« sei«, womit die Arbeite« »errichtet werde« mässen-
Siebt man auf dem Lande genauer zu, so findet man, daß im Punkte der Maschinen- und Gerätheanschaffung gerade so gefehlt wird, gerade solche Vorurtheile, solch' alter Schlendrian herrscht, wie bei der Verwendung von künstlichem Dünger. Dieselben Geräthschaften, welche das Herrchen (Aeltervater, Großvater) vor seckszig Jahren benutzte, wendet der Enkel noch heute an, obgleich diese Dinge schon längst überholt und durch andere Werkzeuge ersetzt find, welche keinen Pfennig mehr kosten und trotzdem viel mehr leisten. So ist man, um ein Beispiel anzuführen, im Herrichten der Geschirre für Zugthiere: Pferde und Rindvieh wesentlich vorangeschriten. Die Sattler wissen sich mehr nach dem Bau der Thiere zu richten, ähnlich wie die Schneider, wenn sie die Anzüge der Menschen verfertigen. Die Herren Kleiderkünstler studiren jetzt Anatomie, um die Kleidungsstücke den Körper thetlen der Menschen besser anpassen zu können und ich denke: eS schadet de« Sattler» und Geschirrsabrikanteu auch nichts, wenn ste EingeS vo« dem Snochenba« der Zugthiere verstehen lerne«. Im Hufbeschlag haben wir in den letzten Jahren, Dank der Fürsorge unserer Regierung, schöne Fortschritte gemacht. Die prämiirtm jungen Hufschmiede trauen ihre Kenntnisse durch das ganze Land, die Veterinärärzte werden jetzt bis in das kleinste Vogelsberger Dörfchen geholt und die Eurpfuscherei verschwindet immer mehr. Ja man ist in vielen Dörfern ängstlicher mit den Thieren als mit den Menschen und es mag daher (sit venia verbo) ein Sprichwort hier folgen, welches auf dem Lande allgemein gang und gäbe ist, nämlich: „Weiber sterben ist kein Verderben, aber Gänl' ver... en, das ist ein Schrecken." — DaS Sprichwort ist ein wenig derb, aber nicht so schlimm gemeint. Junge Bauern denken dabei ans Wiederverheirathen und an Erlangung einer zweiten, reichen Mitgift, wenn ihnen die erste Fran sterben würde; den Aelteren aber ist es — wie allen anderen Familienvätern — ein gewaltiger Schlag, wenn die Fran weggenommen würde.
Kehren wir zu unseren Werkzeugen und Geräthschaften zurück! Pflüge, Eggen und Walzen sind in den letzten Jahren verbessert worden. In- leichtem Boden und eben gelegenen Grundstücken Ielften sie mehr als in Gebirgsgegenden mit schweren Böden. Doch hat man auch hier gute und billige Werkzeuge anzufertigen gewußt, die mehr leisten und nicht treuerer sind. Was quält sich mancher mit einer schlechten Sense, einer unbequemen Hacke und anderen land- wirthschaftlichen Werkzeugen ab, die nicht viel taugen. Die Leute ermüden und erlahmen bald; das Tagewerk ist zu Ende, aber es wurde nicht viel gethan. Mit dem theueren Tagetohn, der zwecklos verausgabt wird, könnte man in einem einzigen Sommer das ganze Geräthe erneuern. „Ei was, das ist noch lang gut", sagt mancher Bauer und glaubt wunder, was für einen weisen, sparsamen Ausspruch er gethan habe.
Recht deullich zeigt sich der schlechte Einfluß der Geräthschaften und Geschirre bei dem Vieh. Hier ist mancher Landwirth fast rücksichtsvoller gegen die Thiere, als gegen die Menschen. Wir haben oben ein Sprichwort angeführt, in welchem Einiges steckt, wollen aber nicht weiter darauf eingehen. Der Bauer weiß, daß sein Zugvieh bald abgeschunden ist, wenn er nicht rücksichtsvoll und sorgfältig damit umgeht, lieber das Anspannen der Zugthiere haben wir im vergangenen Sommer einmal eine längere Auseinandersetzung gebracht.
Wenn man mit den kleinen Landwirthen über Anschaffung von Düngst offen, Kraftfuttermitteln, Steinkohlen, Maschinen und Ge- räthen, guten Viehrassen u. bgl. m. spricht, dann erhält man neunundneunzigmal unter hundert Fällen die Antwort: Ihr habt gut reden! Anschaffen möchten wir das alles recht gerne. Aber woher das Geld nehmen — ohne es zu stehlen? Wir sind seelenfroh, wenn wir am Jahresschlüsse allen Verbindlichkeiten nachgekommen sind und keine Schulden gemacht haben. Also wie und woher das Geld nehmen?
Hier muß immer wieder auf das Genoffenschaftsivese» hingewtesen werden; es ist der Hebel, womit der kleine Bauer Lasten zu heben vermag, die er sonst nicht zu heben vermöchte; es ist der Rettungsgürtel, der ihn über Wasser hält und ihn vor dem Er- trinten schützt. Die Creditvereine geben das Bettiebscapital her. Der kleine Bauer muß mit kleinen Summen, welche mit Vorsicht in die Wirthschaft zu stecken sind, Proben machen. Wenn sie gelingen, wächst das Selbstvertrauen; dann geht man an einen neuen Fall heran. Schritt für Schritt, wie das Kind laufen und sprechen lernt, rückt der kleine Landwirth in seinen Kenntnissen und Erfahrungen weiter und nach einigen Jahren wundert er sich, daß er früher so unverständig und unklug gewesen ist.
Wir sind zu Ende gekommen. Selbst der kleine Landwirth, der nichts von Chemie und Anatomie, Physik und Mechanik versteht, wird das begriffen haben, was wir vortrugen. Er wird einzusehen vermögen, daß wir ganz gewiß noch herzlich wenig in Bezug auf Verwendung von künstlichen Dungmitteln, in Bezug auf intensive Wirthschaft geleistet haben. Das letzte Decennium des neunzehnten Jahrhunderts rollt in den Schooß der Zeiten hinab. Noch ehe es zu Ende gekommen, wird unsere Bodenproduction einen Aufschwung genommen haben, von dem man früher keine Ahnung hatte. Möchte der kleine Landwirth nicht unthätig zusehen, wie der „sausende Webstubl der Zeit" diejenigen bei Seite schleudert, die kein Ver- ftändniß für die Fortschritte der Wissenschaft haben. Es war unsere Absicht, ein Scherflein zu diesem besseren Verständniß beizutragen. Möchte sie gelungen sein!
Das Dorkommen vo« Viehseuchen in Hessen
während des Monats October 1891.
Milzbrand wurde festgestellt in Wohnbach und Beienheim, Kreis Friedberg, am 14. bezw. 18., in Sauer-Schwabenheim. Kreis Bingen, am 19., in Dauernheim und Gettenau, Kreis Tübingen, am 22. bezw. 30. October bei je einem crepirten Rinde und in Hos Leustadt, Kreis Büdingen; am 27. und in Lauterbach am 28. October bei je einem nothgeschlachteten Rinde.
Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Rimbach, Kreis Heppenheim, in Siefersheim, Kreis Alzey, und in Eimsheim- Kreis Oppenheim.
Die Seuche herrscht fort in Brauerschwend und Wallersdorf, Kreis Alsfeld, in Heimersheim, Kreis Alzey und in Udenheim, KreiS Opppenheim.
Die Seuche wurde im Monat October festgestellt und war am Schluffe desselben wieder erloschen in Hof Ober-Aue bei Trebur, Kreis Groß-Gerau, auf dem Viehhofe in Mainz, in Nack, Kreis Alzey, und in Bodenheim, Kreis Oppenheim.
Die Seuche wurde im Monat Ooctober sestgestellt und herrschte am Schluffe desselben noch fort: in Hof Gehaborn bei Weiterstadt, Kreis Darmstadt, in Dieburg und Gundernhausen, Kreis Dieburg, ' in Leusel, Kreis Alsfeld, in Berstadt und Effolderbach, Kreis Büdingen,.


