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sammlungen bezüglich der Trippel-Allianz interpelliren. Mi­nisterpräsident Rudini beantragt nach der Budgetdebatte die Verlängerung des Bankgesetzes, dann die Interpellation Cavallo Mis, betreffend die auswärtige Politik und endlich die auf die innere Politik bezüglichen Interpellationen, darunter auch diejenige Colajannis, zu berathen. Dieser Antrag wurde an­genommen.

Paris, 22. Juni. Der Senat lehnte den Antrag Melines ab, einen Steuernachlaß von sechs Millionen Francs für die Besitzer von im Frühjahre umgepflügten Getreidefeldern zu gewähren. Gouin legte seinen Bericht über die Herab­setzung der Getreidezölle vor, welcher die Annahme der Vorlage in der ihr von der Deputirtenkammer gegebenen Fassung empfiehlt.

Die Petitionscommission der Deputirtenkammer hat zahlreiche Petitionen, welche die Intervention der Re­gierung für die Vollendung des Panamacanals verlangen, abgelehnt.

Paris, 22. Juni. DerTemps" hebt in der Besprechung der vorgestrigen preußischen Thronrede besonders den Friedenspassus und die Bestätigung hervor, daß der inter­nationale Horizont wolkenlos fei; tatsächlich sei es die beste Rede, welche man von dem Oberhaupte eines großen Staates verlangen könne.

Bordeaux, 22. Juni. Gestern Nachmittag wurden zehn von den strikenden Omnibus-Bediensteten verhaftet.

Bordeaux, 22. Juni. Zwischen der Polizei und den ausständigen Omnibusbediensteten, die die verkehrenden Wagen anhielten, fand ein Zusammenstoß statt. Drei Personen wurden verhaftet.

Bordeaux, 22. Juni. Im Laufe des Tages und nament­lich Abends ^kgmen noch mehrere Zusammenstöße zwischen den Strikenden und der Polizei vor. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Schließlich stellten Husaren die Ruhe in den Straßen her.

Toulouse, 22. Juni. Für die Opfer der Mönchensteiner Katastrophe beabsichtigt ein Comite am 5. Juli ein Wohl- thätigkeitssest abzuhalten.

London, 22. Juni. Im Unterhause erklärte heute Fergusson, die englische Regierung hat keinen Theil am Dreibund, that daher auch keinen damit in Verbindung stehenden Schritt; es sei nicht zu erwarten, daß die Regierung dem Hause die Bedingungen einer etwaigen Allianz mittheile, die ihr nur vertraulich bekannt geworden sein könnten und die die davon berührten Regierungen vielleicht nicht als zur Publikation geeignet erachteten.

London, 22. Juni. Nach einer Meldung derDaily News" aus Odessa beabsichtigt die russische Regierung, die in ihren Diensten stehenden englischenFeuerwerker durch fra nzöfische Feuerwerker, welche der französische Marineminister empfohlen hat, zu ersetzen; ebenso sollen fortan die Panzerplatten für die im Bau befindlichen russischen Schiffe in Frankreich gearbeitet werden, währerü> die Anfertigung bisher englischen Werken in Auftrag gegeben war.Daily News" bemerken, die aus einer Aluminium- legirung gearbeiteten Creusot-Platten hätten zwar gewisse Vorzüge vor den Sheffield-Platten; die eigentliche Ursache des Wechsels in den Bezugsquellen der Panzerplatten sei aber der Wunsch der russischen Regierung, daß die militäri­schen Geheimnisse des Sebastopoler Arsenals in England un­bekannt bleiben.

Tiflis, 22. Juni. Unweit Saljan überfiel eine Bande von 17 Räubern den Postwagen mit zwei Passagieren, tödtete dieselben, verwundete den Postillon und plünderte die Nachbardörfer. Eine Escadron Cosaken wurde gegen die Räuber entsandt.

Washington, 22. Juni. Ein Privatbries aus San­tiago bringt Näheres über das am 7. Mai gegen die chilenischen Minister verübte Attentat. Als Godoy und seine Collegen die Deputirtenkammer verließen, ritten zwei in Ponchos Sombreros gekleidete Männer im Galopp vorbei und warfen zwei Bomben auf die Minister. Die eine derselben verfehlte ihr Ziel und explodirte harmlos, die andere explodirte überhaupt nicht. Balmceda schrieb das Attentat den damals in Santiago anwesenden Führern der Congreß- partei zu. Der Zwischenfall veranlaßte den Abbruch der Friedensverhandlungen.

London, 23. Juni. Auf der Militär -- Localbahn bei Chatam stieß ein Zug mit Geniesoldaten mit einem leeren Zuge so heftig zusammen, daß 34 Soldaten mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Der Zusammenstoß erfolgte an einer Curve, wodurch die Maschinisten verhindert wurden, die Gefahr rechtzeitig zu bemerken.

totales rrnd SroVinzicAes.

Gießen, 23. Juni.

Auf das morgen (Mittwoch) in Steins Garten statt­findende Concert der ersten Solisten des Hamburger Stadt- tljeaW sei an dieier Stelle nochmals aufmerksam gemacht. Dre Sänger gastirten am Sonntag in Coblenz und die Be­richte über ihre Leistungen lauten so günstig, daß hoffentlich schon der Hinweis darauf recht viele Freunde des Gesanges veranlassen wird, den Hamburger Solisten einen Besuch ab­zustatten.Selten wurde uns", so schreibt dieCoblenzer Volkszeitung",hier ein derartiger hoher Kunstgenuß auf dem Gebiete des Soloquartetts und Sologesanges geboten, selten aber haben wir einen solchen Einklang der Stimmen bei außerordentlich bestrickendem Material gefunden. Wahr­haftig, da konnte es nicht fehlen, daß des Gesanges Macht hinriß wie Orgelton und Glockenklang und die Hände nach jeder einzelnen Nummer so lange in Thätigkeit blieben, bis die Sänger nochmals erschienen oder sich 'zu einer Zugabe entschlossen."

Ueber das Auftreten der am 29. und 30. Juni Hierselbst (in Steins Garten) gastirenden Kaffeler Original­

Opern-Parodisten (Director Herr Greuling) liegt uns eine große Anzahl durchweg günstiger Beurtheilungen vor. So schreibt dieSchles. Volkszeitung" aus Breslau: Die Kasseler Original-Opern-Parodisten üben auf das Publikum fortgesetzt ungeschwächte Anziehungskraft aus; allabendlich ist der herr­liche Garten desTivoli" überfüllt. Die Einzelvorträge sind gediegen und decent, liegen im Bereiche der Kunst und werden von den einzelnen Mitgliedern mit Accuratesse und Feinheit zu Gehör gebracht; ebenso die erheiternden Scenen und humoristischen Ensemble-Nummern, theilweise dem modernen Leben entnommen, gewähren den Besuchern angenehme Unter­haltung. Mit Spannung jedoch folgt das Publikum der jedes­maligen Aufführung der Opem-Parodieen, eine aus dem Ge­biete der Gesangskunst und Komik sensationelle neue Nummer. Die Parodien, im becenteften Stil gehalten, sind von köst­lichem Humor durchweht und die Musik (eine pikante, gediegene Operettenmusik) reiht sich dem Texte so schmiegsam an, daß man das Ganze zu den gelungensten Leistungen aus einer gegenwärtigen Sommerbühne zählen darf. Die Darstellung der Gesellschaft und das Zusammenwirken des Ensembles ist ganz vorzüglich. Ueberaus reicher Beifall wird der Truppe allabendlich zu Theil.

Die diesjährige Prüfung der Finanz-Aspiranten im Großherzogthum Hessen hat in den letzten Tagen in Darm­stadt stattgesunden. Aus den drei Provinzen Rheinhessen, Starkenburg und Oberhessen hatten sich hierzu im Ganzen 78 junge Leute gemeldet, von denen jedoch 20 wieder zurück­getreten sind, so daß die Zahl der zu Prüfenden noch 58 betrug. Von diesen 58 Kandidaten haben 28 das Examen bestanden.

Die Genehmigung des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe betreffs der Fahrpreisermäßigung für Besucher der electrotechnischeu Ausstellung in Frankfurt a. M. liegt nunmehr im Wortlaute vor. Danach gestattet die Be­hörde, daß an allen größeren Stationen zweimal monatlich Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt zum einfachen Fahrpreis mit Zuschlag von 20 pCt. mit 25 Kilo Freigepäck zu haben sind.

Schuldienst-Nachrichten. Am 15. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Sturmfels aus Affolter­bach, Kr. Heppenheim, eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Rüsselsheim, Kr. Groß-Gerau, übertragen; am 19. Mai wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg- Birstein aus die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Götzenhain, Kr. Offenbach, präsentirte Schulamtsaspirant L. Höreth aus Ober-Ramstadt, Kr. Darmstadt, für diese Stelle bestätigt; an demselben Tage wurde dem Schulamts­aspiranten Wilhelm Bereich aus Kettenheim, Kr. Alzey, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bosenheim, Kr. $0^, am 20. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Mohr aus Nieder-Wöllstadt, Kr. Friedberg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roßbach, Kr. Friedberg, am 26. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Kunckel aus Rockenberg, Kr. Friedberg, eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Grünberg, Kr. Gießen, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Mäser zu Bönstadt, Kr. Friedberg, die Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Bergheim, Kr. Büdingen, übertragen; au demselben Tage wurde der von dem Kreisrath zu Offen­bach, dem kathol. Pfarrer zu Klein-Krotzenburg und dem Orts- vorstand zu Hainstadt, Kr. Offenbach auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hainstadt präsentirte Schullehrer Wil­helm Kranz daselbst für diese Stelle bestätigt; am 27. Mai wurde dem Schullehrer K. Walther zu Dexheim, Kr. Oppenheim, die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mainflingen, Kr. Offenbach, am 28. Mai wurde der Schul­amtsaspirantin Barbara Volk aus Kastel, Kr. Mainz, eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Münster, Kr. Die­burg, am 1. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Diener aus Angersbach, Kr. Lauterbach, die 2. Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Gründau, Kr. Bü­dingen, übertragen; am 2. Juni wurde dem Georg H o henad el aus Bergheim das Patent als Geometer 1. Kl. für den Kreis Schotten ertheilt; am 4. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Buchinger aus Wies-Oppen- heim,^ Kr. Worms, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weinsheim, Kr. Worms, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Friedrich Karl Traub zu Heisters, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Köd­dingen, Kr. Schotten, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Karl Geißler zu Winterkasten, Kr. Bensheim, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bran- dau, Kr. Dieburg, am 5. Juni wurde dem Schulamts­aspiranten Karl Jans aus Urberach, Kr. Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roden, Kr. Die­burg, am 6. Juni wurden den Schulverwaltern Gerhard Dierks en zu Biblis, Kr. Bensheim, und Franz Völl- mecke zu Hainstadt, Kr. Offenbach, Lehrerstellen an der Ge­meindeschute zu Bürstadt, Kr. Bensheim, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Adam Mahler wein aus Gimbsheim, Kr. Worms, eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Bechtheim, Kr. Worms, am 9. Juni wurde dem Schulverwalter Joseph Hillebrand zu Groß-Zimmern, Kr. Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Off­stein, Kr. Worms, am 10. Juni wurde dem Schulamts­aspiranten Konr. Herber aus Angersbach, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wallenrod, Kr. Lauterbach, am 11. Juni wurden den Schulamtsaspiran- tinnen Rosa Grooß aus Ockstadt, Kr. Friedberg, Antonie Kirch stein und Elisabeth B erdo lt, beide aus Mainz, Lehrerinnenstellen an der Volksschule zu Mainz, über­tragen; an demselben Tage wurde der provisorische 1. Lehrer und Dirigent der höheren Bürgerschule zu Ober-Ingelheim, Kr. Bingen, Hermann Klingelhöfser, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestellten Bolksschullehrers, zum 1. Lehrer und Dirigenten dieser Schule ernannt.

+ Lich, 21. Juni. Heute wurde ein hiesiger Dreh­orgelbesitzer wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet.

X Lindheim, 21. Juni. Der Sommercursus an der hiesigen Haushaltungsschule wird am 1. Juli er. mit 32 Schülerinnen eröffnet werden.

A Alsfeld, 22. Juni. Am 19. ds. Mts. ging ein seit­her in der Arbeiter-Colonie zu Neu-Ulrichstein beschäftigt ge­wesener Arbeiter in Begleitung zweier Collegen, nachdem die­selben vorher den geistigen Getränken tüchtig zugesprochen, die Straße von Ober-Gleen zu hierher. Der Arbeiter legte sich in den Chausseegraben und schlief ein. Beim Erwachen machte er die Wahrnehmung, daß er seiner Baarschaft im Betrage von etwa 6 Mark und seiner bei sich führenden Effecten beraubt war. Die Thäter konnten bis jetzt nicht ermittelt werden.

Friedberg, 22. Juni. Heute Vormittag 11 Uhr stürzte das Vordach der Güterexpeditionshalle mit großem Gekrache zusammen, als ein Fuhrwerk den einen Stützbalken, der vom Holzwurme oder Schwamm mürbe geworden, an­rannte. Zum Glücke ist keinerlei Unglück außer Material­schaden zu beklagen.

Bad Nauheim, 22. Juni. In der vorigen Woche sind 383 Personen, im Ganzen also 2864 Personen angekommen. Nächsten Mittwoch Abend wird bei günstiger Witterung der Sprudel beleuchtet. 5

r. Wölfersheims 21. Juni. Nächsten Donnerstag wird das 5 0jährige Dienstjubiläum des hiesigen Lehrers Hahn festlich begangen werden.

§ Vom hohen Vogelsberg, 21. Juni. Bei den letzten Holzversteigerungen hier im Oberwald wurden ganz bedeutend hohe Preise erzielt. Das Raummeter Buchen- Scheitholz 2. Klasse kostete z. B. 56 Mk. und das Meter Buchen-Reisig 1.602 Mk., Preise wie sie bis jetzt hier noch nicht bekannt gewesen.

-r. Nieder-Weisel, 22. Juni. Ein frecher Diebstahl! In dem benachbarten Münster sand gestern Fahnenweihe des dortigen Gesangvereins statt, wozu auch viele auswärtige Vereine erschienen. Wirth Theis von dorten hatte die Fest- wirthschaft, und da es bei solchen Gelegenheiten viel Durst gibt, so war bei der Ausschankhütte starkes Gedränge. Plötzlich gewahrte ein Kassirer, daß seine Kasse, welche aus einem Teller mit einem Inhalt von ca. 7080 Mk. bestand, verschwunden war. Die Kasse stand aus dem Tische, wo Getränke und Speise verabfolgt wurde. Es hatte sich Jemand den Verkehrstumult zu Nutzen gemacht, Teller und Geld, vielleicht auch noch ein Bratwürstchen dabei, gestohlen. Leider fehlt jede Spur von dem Thäter.

vermischtes.

*nn. Darmstadt, 22. Juni. Vor dem hiesigen Schwur­gericht nahmen heute die Verhandlungen gegen den Lehrer Schröder von Spachbrücken ihren Anfang. Derselbe ist des Mordes, verübt an feiner Braut im Herbst 1886, an­geklagt. Der Angeklagte, welcher im Alter von 26 bis 28 Jahren steht, macht den Eindruck eines gebrochenen Mannes und leidet sichtlich unter der furchtbaren Schuld, welche auf ihm lastet. Es sind eine ganze Anzahl von Zeugen geladen, so daß die Verhandlungen wohl noch morgen dauern werden. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, hat Schröder im Jahr 1884, zur Zeit als er Schulverwalter in Lengfeld war, ein Liebesverhältniß mit Marie Walther angeknüpst, und dieses Liebesverhältniß trotz der Anfeindung Seitens der Eltern der Walther fortgesetzt. Das Liebesverhältniß wurde von Schröder sehr ernst aufgesaßt, wie er sich denn auch gegenüber von Zeugen geäußert haben soll:Ein Anderer als ich kriegt die Marie nicht, oder es giebt ein Unglück". Im Jahre 1886 scheint eine gewisse Erkaltung bei der Geliebten eingetreten zu fein, was aus den Briefen hervor­geht, die Schröder an seine Geliebte gerichtet hat und in denen er ihr Vorhalt macht. Von diesem Jahr an scheint überhaupt eine Umwandlung in Schröder vorgegangen zu sein, die schließlich darin gipfelte, daß er seine Geliebte sowie deren Eltern mit dem Tode bedrohte. Die Folge dieses excentrischen Auftretens war eine Strafversetzung nach dem Orte Steinbach i. O. Anstatt aber, daß sich das Verhältniß des Angeklagten mit seiner Geliebten bessern sollte, scheint es sicher zu sein, daß der Plan der beiderseitigen Tödtung von Schröder jetzt zur Gewißheit wurde. An einem Donnerstag im September, als die Frau Walther mit ihrer Tochter in Darmstadt war und mit dem letzten Zug nach Lengfeld zurückkehrte, paßte Schröder seiner Geliebten am Bahnhof auf und schoß dieselbe nach einem kurzen Wortwechsel vor den Augen der unglücklichen Mutter nieder. Die Verletzungen waren nach der Aussage des Medicinal- rathes von Hesse absolut tödtlich. Der Mörder richtete sodann den Revolver noch gegen sich und schoß sich noch zwei Kugeln in den Kops, so daß auch er in schwerverletztem Zustande aufgesunden wurde. Durch ärztliche Kunst wurde Schröder gerettet. Allein sein geistiger Zustand hatte seither so ge- ' itten, daß seine Uebersührung in eine Irrenanstalt nöthig wurde. Heute, also nach 472 Jahren, erwartet den Mörder der Arm der Gerechtigkeit. Zu der Verhandlung sind eine außerordentlich große Anzahl von Zeugen geladen, so daß der Irtheilsspruch vor morgen Abend nicht zu erwarten ist.

* Worms, 20. Juni. Unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Küchler fand gestern Abend im kleinen Stadthaussaale eine Vorbesprechung des großen Festausschusses ür den hier abzuhaltenden hessischen Feuerwehrtag tatt. Man kam nach reiflicher Erwägung dahin überein, )en Feuerwehrtag acht Tage vor dem Sedanfeste, also auf den 23. August, sestzusetzen. Mit dem Feuerwehrtag wird eine Ausstellung von Feuerwehrutensilien, Feuerlösch- und Rettungsgeräthschaften verbunden sein. Die Ucbungen sollen elbstverstcuidlich innerhalb der Stadt vorgenommen werden, )as festliche Zusammensein der Theilnehmer hingegen wird bei gutem Wetter auf der Kieselswiese, bei ungünstiger Witte­rung in den zur Verfügung stehenden Sälen der Stadt statt- haben.